C60, C90, C120 oder nur K60 – Magnetbandkassetten


 

Kann man sich heute noch vorstellen, wie ungemein praktisch uns die Musik-Cassette nach ihrem Auftauchen vorkam?

Einlegen, loshören, umdrehen, weiterhören, vor- und zurückspulen – das war’s auch schon. Gut, gelegentlich gab es Bandsalat, den man aber mittels eines Bleistiftes wieder in Ordnung bringen konnte.

Während das westliche Angebot eine recht große Vielfalt zur Verfügung stellte – man konnte zwischen C60, C90 oder sogar C120 Cassetten verschiedener Hersteller wählen – gab es in der DDR fast ausschließlich die K60 von ORWO. Das „C“ oder „K“ stand für Cassette (west) und Kassette (ost), die Zahl dahinter gab die Spieldauer beider Seiten an (45 Minuten hin und 45 zurück ergab die C90). ORWO hat zwar auch K90 hergestellt, aber die waren von minderer Qualität und außerdem viel zu teuer. Zwanzig DDR-Mark für eine K60 war auch recht viel.

ORWO Magnetbandkassette K60

 

Bei der Länge der Cassetten wurde – speziell in Japan – viel experimentiert. Dies ist wohl die mit 150 Minuten längste Cassette: Link

Seitdem die Musik-Cassette nicht mehr ganz so up-to-date ist, hat sich auch eine schöne Angewohnheit alternativlos verflüchtigt: früher konnte man der/dem Angebeteten noch durch selbst zusammengemischte sogenannte Mix-Tapes sein Wohlwollen bekunden. Heute begibt man sich dabei auf illegale Pfade, die Hälfte der Lieder ist aufgrund von Lizenzproblemen nicht wiedergebbar und überhaupt hat sowieso jeder alle Lieder von irgendwem mal kopiert bekommen. Es gibt kein unendlich langes Warten vor dem Rekorder, die Finger auf Play & Record plattgedrückt in der Hoffnung ein gesuchtes Lied im Radio zu hören. Und war es dann soweit, begann das Stoßgebet: „Bitte, bitte, laß den Moderator nicht reinquatschen!“

Wie das Internet unmittelbar nach der Erfindung sofort zur Verbreitung von Schmuddelzeug genutzt wurde, hat auch die Musik-Cassette sofort zweitklassige Troubadoure aus ihren finsteren Löchern gelockt. Hier ein Beispiel aus iXi’s untersten Sammelkisten.

Es überrascht schon, wer heute jungen Möchtegern-Künstlern erläutert, was Kunst ist und was nicht.

Cassette Modern Talking

 

 

Aber es bestand kein Grund zur Sorge, alles konnte wieder weggewischt werden. So konnte die Qualität der Tonköpfe auch nach dem Genuss der Modern Talking- oder Kajagoogoo-Cassette wiederhergestellt werden.

Reinigungscassette

 

Und was war das doch alles für ein Aufwand im Vergleich zur CD, die auch schon bald dem digitalen Einbauspeicher oder gar der Datenwolke weichen wird.

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Über moopenheimer

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10 Antworten zu “C60, C90, C120 oder nur K60 – Magnetbandkassetten

  1. Ich hab sie heute noch, auch Chromkassetten für 30 Mark. Da ging ne Menge Taschengeld für drauf. Modern Talking habe ich damals geliebt, naja eher Thomas Anders hihi. Und vom Radio aufnehmen war echt n Spaß. Habe heute noch Kassetten selbst aufgenommen, wo die Songs halb drauf sind. Manchmal fehlt Anfang, manchmal das Ende, weil der Moderator dazwischenquatschte. Aber ich war trotzdem stolz auf meine „Westlieder“ ;-). Da ich im Auto nur n Kassettendeck habe, besitze ich noch sehr viele Kassetten und sie halten immer noch.

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  2. Neulich beim Aufräumen in den finstersten Ecken meiner Bude bin ich auf eine Kiste voller uralter Kassetten gestoßen, mit prompt einsetzendem Nostalgieflash und einem wehmütigen Stoßseufzer, weil ich mein letztes funktionierendes Abspielgerät schon vor Jahren entsorgt habe.

    Ich möchte mp3 nicht mehr missen, aber es war schon was besonderes, liebevoll ausgetüftelte Mixtapes zu erstellen und zu verschenken/tauschen. Nostalgieflash Nummer 2, komm doch her… :‘)

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  3. Ach du heiliges Gewitter- Musikkassetten! Da fühle ich mich direkt in meine Jugend zurück katapultiert, wie ich vor dem Radio sass und versuchte, die Hitparaden-Lieder ohne das Gequatsche des Moderators aufzunehmen.

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  4. Ich sehe, alle erinnern sich noch gut! Freut mich!

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  5. Für mich war die Dachbodenentrümpelung vor ein paar Wochen eine spannende Beschäftigung. Nebst Unmengen Schallplatten entdeckte ich auch einen großen Karton mit MIX – Kasetten.

    Ich habe mehrere Abende damit zugebracht, wieder in die Vergangenheit einzutauchen. Dieser Artikel hat es nun erneut wachgerüttelt, Dank dafür.

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  6. Die längste Kassette, die man käuflich erwerben konnte war eine TDK D180. Sie hatte 92 Minuten Spielzeit pro Seite und lies sich mit einmessen auf +2 db. aussteuern. Für Musik weniger geeignet und auch eher Statussymbol in Sachen Retro. Link: http://i560.photobucket.com/albums/ss49/aos_images/beechwoods/TDKD1801982.jpg

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