Deutsch-Sowjetische Freundschaft


Freundschaft wurde in der DDR großgeschrieben. Allerdings gab es zwei Arten von Freundschaft: die zwischen Kindern und Erwachsenen, üblicherweise auf der Basis von Sympathie entstanden und die verordnete Freundschaft zu befreundeten Ländern, Völkern oder Gesinnungen. Mit der zweiten Variante konnte ich nie wirklich viel anfangen. Genau das ist jedoch der Grund, warum ich die Reliquien daraus aufgehoben habe und heute hier vorstelle.

Wer etwas auf sich hielt (die anderen), nähten sich das Symbol der DSF, wie sie umgangssprachlich außer bei Fahnenappellen der Pioniere nur genannt wurde) auf das Pionier– oder FDJ-Hemd.

Zu besonderen Anlässen und bei Treffen befreundeter Jugendgruppen wurden auch gern Anstecker ausgetauscht. Einige seht ihr hier:

DSF Anstecker

 

sofern mir jemand einen Hinweis geben kann, wofür die gelbe 1 im roten Karo steht, bitte einen Kommentar hinterlassen. Es ist nicht „Die Goldene Eins“.

In den Betrieben wurden Leistungs-Wettkämpfe veranstaltet, bei denen einerseits die DSF-Mitgliedschaft aller Brigade-Mitglieder als auch die (Über-)Erfüllung der Norm wichtige Kriterien war um den Ehrennamen „Kollektiv Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ führen zu dürfen. Dafür gab es dann zuerst den Standard-Wimpel und bei kontinuierlichem Erfolg diese Wimpel nach 15, 20 bzw. 25 Jahren. (man hatte sich sicher mehr erhofft, denn diese drei Exemplare sind unbenutzt – es wurde offenbar schon etwas vorausschauend produziert)Wimpel Kollektiv DSF

 

In meinem Schülerdasein gab es vereinzelte Treffen mit Delegationen ausländischer Schulklassen. Bei der Gelegenheit wurden Adressen ausgetauscht. Dazu konnte man sicher Heftchen wie dieses von 1984 benutzen, das gab es zu meiner Zeit allerdings noch nicht. Ich hatte ein Vokabelheft benutzt. Jugendfestival Autogramme

 

 

Ein Brieffreund aus der Sowjetunion hat mir dann z.B. dieses Briefmarken-Heft zum Thema Transport (Транспорт) geschickt. Darüber habe ich mich damals sehr gefreut.Briefmarken Heft Transport Sowjetunion

 

Briefmarken Heft Transport Sowjetunion

 

Briefmarken Heft Transport Sowjetunion

 

Briefmarken Heft Transport Sowjetunion

 

Etwas umfangreicher wurde es, als irgendjemand aus meiner Schule meine Adresse (und die anderer Kinder unserer Schule) in die „Brieffreund Suche“-Rubrik einer bulgarischen Kinder- oder Jugend-Zeitung drucken ließ. Zuerst kamen vier oder fünf Briefe pro Tag, nach einer Woche waren es 20 bis 30 und zu Rekordtagen um die 70 Briefe – PRO TAG!!! MEHRERE MONATE LANG!!! Jeder, der die Arbeit eines DDR-Briefträgers kennt, weiß, daß das mehr Post war, als die gesamte Straße und die Nebenstraßen zusammen an einem Tag bekamen. Ich war dann auch mit der Beantwortung etwas im Rückstand. Vier oder fünf Briefe habe ich geschafft. Aber gelesen habe ich sie alle und mich über die Beigaben gefreut. Postkarten (40x dieselbe), Briefmarken (ebenfalls) und sogar bestickte Taschentücher und mindestens zwei Mädchen-Schlüpfer (unbenutzt) kamen auf diese Weise in meinen Besitz! Verstehe einer die bulgarische Jugend!

Ein aktuelles Beispiel gelebter Deutsch-Sowjetischer Freundschaft kann man prima bei der derzeitigen Kandisbunzlerin sehen. Sie hat das in ihrer FDJ-Zeit offenbar so sehr geübt, daß sie inzwischen zu jeder beliebigen Zeit mit jedem beliebigen Schurken oder Nur-beinahe-Schurken engste Freundschaft, Verbundenheit, Völkerfreundschaft und Unterstützung eingehen kann ohne dabei weder rot zu werden und ein schlechtes Gewissen zu haben, noch in einer Rede irgendwelchen Inhalt von sich zu geben. Toll! Sage einer, die DDR hat uns nichts beigebracht!

Und nun habt einen schönen Tag, meine Freunde!

 

Werbeanzeigen

Über moopenheimer

Sammler, Bewahrer, Wissender, Verreiser, Genießer, Chaot

7 Antworten zu “Deutsch-Sowjetische Freundschaft

  1. Das ist die Brandschutz 1. Bei uns haben die Streber in der Schule auch immer ihre Auszeichnungen aufs FDJ-Hemd genäht ;-).

    Liken

  2. Adriana

    Hey,
    eine Freundin und ich sollen für die Schule ein Referat über die DSF halten und möglichst auch etwas von Menschen einbringen, die damit selbst Erfahrungen gemacht haben.
    Ihr Artikel war schon mal eine große Hilfe, nun hätten wir allerdings die Frage, ob Sie uns etwas mehr darüber erzählen könnten, besonders auch Ihre eigene Sicht zur DSF war. Persönliche Berichte sind einfach viel aussagekräftiger als irgendwelche Wikipediaartikel etc.
    Wir würden uns jedenfalls sehr freuen 🙂
    liebe Grüße!

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.

Schließe dich 101 Followern an

wen interessiert's?

  • 358.143 Klicks (bis jetzt)

Menü

Member of The Internet Defense League

aus dem Archiv

Blick in die Parallelwelt: Moppis Reise-Blog

Wanderung durch das Bjørndal und auf den Vogelfelsen

Heute, am 26.7. ging es zur (Geburtstags-)Feier des Tages auf eine Wanderung ins Gebiet außerhalb der befriedeten Zone. Ab hier darf man nur mit ortskundiger Person und Waffe unterwegs sein. Auf Spitzbergen gibt es 2500 Einwohner und 3500 Eisbären. Unsere beiden Führer Doreen, die ursprünglich aus Stralsund kommt und Rønar, ein Einheimischer, waren uns eine […]

Husky Tour – 25. Juli 2015

Heute stand eine Husky-Tour auf dem Plan. Zuerst einmal machen wir uns mit den Hunden bekannt. Hillfrid, die leider nicht mitlaufen durfte. Ike, neben dem man sich wie Rotkäppchen fühlt. Keino, mit 15 Jahren der älteste Hund im Hof, der aber noch immer ein guter Zughund ist, was ihm sein Dasein sichert, da es hier […]

Svalbard – Spitzbergen – Longyearbyen

Die ersten Fotos vom Urlaub oberhalb des Polarkreises. Die Temperaturen liegen kurz oberhalb des Gefrierpunktes. Manchmal nieselt es ein wenig, aber im Großen und Ganzen ist es sehr angenehm.

Pashupatinath – Verbrennung der Toten

Ungefähr eine Stunde braucht der Spaziergänger, um vom Stadtzentrum Kathmandus nach Pashupatinath zu gelangen. Hat man erstmal die richtige Straße gefunden, geht es irgendwie immer geradeaus. Vorbei an durchaus lustigen Schildern an einem Haus, von dem ich leider vergessen habe, wofür es dort steht,   einem hübschen, kleinen Wasserbecken. Manche Ecken sind nicht ganz so schön und […]

%d Bloggern gefällt das: