In einem Polenstädtchen – Liederbuch der Wehrmacht von 1935


Soldatenlieder wurden zu allen Zeiten gesungen. Damals wie heute dienen sie einerseits dazu, die Zeit des Marschierens zu verkürzen, andererseits kann durch das Singen eines Marschliedes der Gleichschritt recht gut geübt werden (sage ich als Ungedienter!).

Daß Soldatenlieder oftmals politisch eingefärbt sind, versteht sich von selbst. Wie viele Versionen eines altbekannten Liedes dabei über die Jahre entstehen, hatte ich im Artikel zum „Kleinen Trompeter“ bereits erwähnt.

Heute stelle ich euch ein Liederbuch der Wehrmacht aus dem Jahr 1935 vor. Es erschien somit zu einer Zeit, als die Nationalsozialisten zwar bereits an der Macht waren, der ganze Irrsinn des Volkshasses jedoch noch nicht so ausgeprägt war, wie wir es später erlebt haben.

Liederbuch der Wehrmacht 1935

Liederbuch der Wehrmacht 1935

erschienen am 10. August 1935Liederbuch der Wehrmacht 1935

Das Vorwort von Oberstleutnant Theodor Plock erklärt den Sinn des Marschliedes noch einmal verständlich.Liederbuch der Wehrmacht

Inhaltsverzeichnis – sollte jemand den Text eines Bestimmen Liedes benötigen, bitte melden. (Achtung! Bitte keine Anfragen um Lobgesänge anzustimmen!)Liederbuch der Wehrmacht 1935

Liederbuch der Wehrmacht 1935

Liederbuch der Wehrmacht 1935

Liederbuch der Wehrmacht 1935

Ein schönes Beispiel für Lieder, die über die Zeiten hinaus fortdauern. „Auf, auf, zum Kampf!“ kannte ich bisher nur als DDR-Kampflied. Daher war ich überrascht zu sehen, daß es bereits bei der Wehrmacht ein beliebtes Weihelied war. Liederbuch der Wehrmacht 1935 Auf, auf, zum KampfWer sich für die verschiedenen Versionen aus dem Ersten Weltkrieg, der Version der Kommunisten von 1919 und der Version der SA interessiert, klicke bitte hier.

Wer hingegen den Originaltext der deutschen Nationalhymne noch einmal lesen möchte, der schaue auf das folgende Bild. Ich finde es irgendwie bemerkenswert, daß beide deutsche Staaten Nationalhymnen besaßen / besitzen, deren Text sie entweder überhaupt nicht (DDR)  oder nur bruchstückhaft singen dürfen und deren komplette Rezitation unter Strafe stand / bzw. nicht erwünscht ist. (Wikipedia weiß von einer gelungenen Alternative zu berichten: Als Konrad Adenauer kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Chicago besuchte, spielte man mangels einer Nationalhymne stattdessen „Heidewitzka, Herr Kapitän“)Liederbuch der Wehrmacht 1935 Deutschlandlied

 

 

Das Lied „In einem Polenstädtchen“ ist vielleicht  bekannt. Ich habe unter dem Bild den Originaltext abgedruckt. Im Anschluß daran habe ich noch zwei Strophen hinzugefügt, die in den Jahren des Zweiten Weltkrieges nachgedichtet wurden. Mir war davon bisher nur die erste bekannt. Es ist ein anschauliches Beispiel, wie aus einem doch recht hübschen Liedchen eines werden kann, daß den Sinneswandel der Menschen durch Klumpfüßchens Propagandageschwafel gut illustriert.

In einem Polenstädtchen,
da wohnte einst ein Mädchen,
das war so schön.
Sie war das allerschönste Kind,
das man in Polen find´t
aber nein, aber nein sprach sie,
ich küsse nie.

Wir spielten Schach und Mühle,
in jedem dieser Spiele
gewann nur ich.
Bezahle Deine, Deine Schuld
durch eines Kusses Huld.
Aber nein, aber nein sprach sie,
ich küsse nie.

Ich führte sie zum Tanze,
da fiel aus ihrem Kranze,
ein Röslein rot.
Ich hob es auf von ihrem Fuß,
bat sie um einen Kuß,
aber nein, aber nein sprach sie,
ich küsse nie.

Und als der Tanz zu Ende,
da nahm sie meine Hände,
zum erstenmal.
Sie lag in meinem Arm,
mir schlug das Herz so warm,
aber nein, aber nein spach sie,
ich küsse nie.

Und in der Trennungsstunde,
da kam aus ihrem Munde,
das schönste Wort.
So nimm Du stolzer Grenadier,
den ersten Kuß von mir,
vergiß Maruschka nicht,
das Polenkind.

und die nachgedichteten Strophen:

Und unter einer Eiche
da fand man ihre Leiche
sie war so schön, so wunderschön
Sie hielt ´nen Zettel in der Hand
worauf geschrieben stand:
Ich hab´s einmal probiert und bin krepiert.

Und eine Eiche weiter
da lag ein Stabsgefreiter
er war so tot, so mausetot
Er hielt ´nen Zettel in der Hand
worauf geschrieben stand:
Ich hab gesoffen wie ein Stier
nun lieg ich hier

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Eine Antwort zu “In einem Polenstädtchen – Liederbuch der Wehrmacht von 1935

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