Schlageter – Freikorps – ein Schauspiel – und Edeka


Albert Leo Schlageter – heute weitestgehend vergessen, war ein Freikorps-Mitglied aus Zeiten nach dem ersten Weltkrieg. Schlageter war Mitglied der Großdeutschen Arbeiterpartei, einer Art Auffanggesellschaft für Mitglieder der seit dem 4. Juli 1922 verbotenen NSDAP und machte besonders von sich reden, als er aktiv gegen die Besetzung der Ruhr durch Frankreich und Belgien vorging. Der sogenannte Ruhrkampf war die Reaktion der Deutschen auf die Besetzung der Ruhr durch Armeen der Siegermächte des Ersten Weltkrieges nachdem die geforderten Reparationszahlungen ausblieben. Für Schlageter bedauerlich war seine Verhaftung, Verurteilung wegen Spionage und Sprengstoffanschlägen und seine anschließende Hinrichtung. Diese blieb durch Mitkämpfer seiner Sturmabteilung Roßbach nicht ungesühnt und führte unter anderem zum Mord an einem unbeteiligten Volksschullehrer, der von ihnen ungerechtfertigt als Verräter Schlageters bezeichnet wurde. Die Namen der beiden Mörder sind heute noch allgemein bekannt und zeigen, welche Voraussetzungen für eine Karriere im Dritten Reich notwendig waren: Martin Bormann – späterer Reichsminister und Rudolf Höß – Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz.

Aus Anlass seiner Hinrichtung wurde Schlageter mit dem aufkommenden Nationalsozialismus immer mehr zum Märtyrer und zum „ersten Soldaten des Dritten Reiches“. Bücher über sein Leben erschienen

Ganz besonders hat mich ein Fund auf dem Trödelmarkt überrascht. Der Kult um Albert Leo Schlageter ging offenbar so weit, daß Hanns Johst, späterer Präsident der Reichsschrifttumskammer ein Schauspiel namens Schlageter schrieb, daß deutschlandweit großen Erfolg feierte.

Weitere Werke von Johst:

Pressestimmen zum Schauspiel:

Es gibt ein Zitat, das angeblich von Hermann Göring stammen soll: „Wenn ich Kultur höre … entsichere ich meinen Browning“. Auf Seite 26 links, Mitte kann die wahre Herkunft des Zitates gefunden werden. Möglicherweise hat Hermann Meier-Göring dieses Stück gesehen und fand den doch recht miesen Satz zitierwürdig.

Zur Karriere Hanns Johsts nach dem Ende des Dritten Reiches weiß Wikipedia: In der Bundesrepublik konnte Johst schriftstellerisch nicht mehr Fuß fassen, schrieb aber seit 1952 unter dem Pseudonym „Odemar Oderich“ Gedichte für die Edeka-Kundenzeitschrift Die kluge Hausfrau. Einen Artikel von ihm konnte ich nicht finden, aber so sah die Zeitung damals aus.

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3 Antworten zu “Schlageter – Freikorps – ein Schauspiel – und Edeka

  1. Missale

    Mein Vater hat an den Ruhrkämpfen bei Albert Schlageter aktiv teilgenommen.
    Ich suche ein Bild und ein Schriftstück,auf dem mein Vater Rigobert Missale (geb.04.01.1903)
    zu sehen, oder vermerkt ist.

    Gefällt mir

  2. Pingback: Hubertus von Aulock und sein Freikorps | Moopenheimer's Museum

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