Tintenfässer


So, ich geb’s auf! Aber immerhin habt ihr den Anfang des heutigen Artikels als Handschrift mit Federhalter und Eisengallustinte hinbekommen. Leider hatte ich nur Laserdrucker-Papier bei der Hand und das ist einfach zu faserig um darauf mit spitzer Feder zu schreiben.

Worum dreht sich der heutige Artikel? Genau, um Tintenfässer. Vor 100 Jahren konnte man es einzeln oder als Teil einer Schreibgarnitur auf jedem Schreibtisch oder Sekretär finden. Ein Schreibset bestand damals aus Tintenfaß, einem Töpfchen für die Federhalter, einem Kästchen mit unterschiedlichen Schreibfedern und einer Streusandbüchse oder einer Löschwiege.

Wer keine Löschwiege zur Hand hatte, konnte auch lose Löschblätter benutzen. Die konnten dann gleich im Buch bleiben und als Lesezeichen dienen um schnell dort weiterschreiben zu können, wo man aufgehört hatte.

Meine drei Tintenfässer stammen aus unterschiedlichsten Gegenden und Zeiten. Das erste ist aus Frankreich der 1870er Jahre und nichts besonderes. Diese Glasfläschchen findet man zu Hunderten auf Trödelmärkten – leider fast immer ohne den dazugehörigen Verschluß. Mein Korken ist durch einen kleinen Kinderkopf verziert und wird dadurch erst wirklich schön. Dieses Tintenfaß ist gleichzeitig das praktischste der drei.

Das rechte ist von heute. Wer wirklich gute Eisengallustinte sucht, muß wissen, wo er welche bekommt. Ich empfehle Manufactum.

Das dritte Tintenfaß stammt aus dem Jahr 1895, wenn man diesem Sammler glauben schenken darf.

The Gardner Inkstand der Firma C. H. Numan Co. stammt aus New York.

Es mag damals nützlich gewesen sein, als viel geschrieben wurde. Schaut man sich aber die Füllhöhe der Tinte an, die vorhanden sein muß, damit die Feder eintaucht, erscheint mir die Konstruktion ein wenig misslungen.

Vor der Erfindung des Kugelschreibers gab es übrigens außer dem Bleistift keine Alternative zum Federhalter. Irgendwann kam der Füllfederhalter, in den man zuerst die Tinte eingesaugt und anschließend wieder herausgeschrieben hat. Die nächste Entwicklungsstufe war der Patronen-Füller, den die meisten von uns noch aus der Schule kennen. Aber bis es soweit war, wurde überall mit Feder und Tinte geschrieben – außer in der Grundschule, wo es für die Kleinen die Schiefertafel mit Griffel und Schwämmchen gab, die Größeren schrieben mit dem Bleistift.

Ein Beispiel für den alltäglichen Gebrauch seht ihr im Kassenbuch meines Ururonkels oben auf dieser Seite. Das stelle ich euch aber später vor.

Ich habe versucht, euch einen Strich mit Eisengallustinte zu zeichnen und dabei zu fotografieren, damit ihr den Nachdunklungsprozess sehen könnt. Zeichnen und fotografieren geht definitiv nicht. Hier das Ergebnis von ca. 30 Sekunden (man sieht aber zumindest die Farbänderung):

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Über moopenheimer

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