Durch Arbeit ist noch niemand reich geworden – Aktien


Moopenheimers Museum startet eine Themenwoche. Was arte kann, kann ich schon lange.

In dieser Woche gibt es jeden Tag eine Aktie, die ich aus den Tiefen meiner Kisten und Kästen hervorgekramt habe und euch vorstellen möchte. Natürlich werden es nicht einfach nur schnöde Aktien a la Telekom oder Beate Uhse sein.

Ich beginne mit einer Teilschuldverschreibung über 1000 Reichsmark, ausgestellt in Stuttgart im März 1942. Die Firma dürfte weltweit zu den bekanntesten zählen: die Daimler-Benz Aktiengesellschaft.

Bekannt wurde sie beim gemeinen Mann sicher durch die qualitativ hochwertigen Autos. Personenkraftwagen der C-, E- und S-Klasse ebenso wie die Marken Maybach, Chrysler, Jeep, Dodge und smart oder die LKW der Marken Unimog, Freightliner oder Setra. Aber auch die  „Deutsche Aerospace AG“ (Dasa) – hervorgegangen aus der Dornier GmbH – gehört zum Konzern.

Wer sich für das Kleingedruckte interessiert

die Geschäftsbedingungen

Wie sah es um die Daimler-Benz AG aber zur Zeit der Ausgabe der Aktie aus?

Wikipedia klärt uns auf: Daimler-Benz entwickelte und produzierte Militärfahrzeuge, Panzer, Schiffs- und Flugmotoren. Der Konzern besaß damals die drei Werke der früheren Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim, Sindelfingen und Berlin-Marienfelde, das in drei Teilwerke gegliedert war, und die ehemaligen Werke von Benz & Cie in Mannheim und Gaggenau sowie ab 1938 das neue Werk Königsberg. Das Flugmotorenwerk Genshagen der Tochterfirma Daimler-Benz Motoren GmbH entstand 1936; die Flugmotorenwerke Ostmark wurden 1941 von den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken übernommen. Um die Flugmotorenwerke mit Teilen zu versorgen, wurden 1940 in Colmar, 1941 in Reichshof und 1942 in Neupaka Zulieferwerke übernommen oder gegründet. In Backnang entstand ein Entwicklungswerk für Flugzeugtriebwerke. Die neuen Werke in Genshagen und Backnang gehörten Daimler-Benz. Bei den übrigen Werken außerhalb Deutschlands trat der Konzern als Pächter oder Minderheitsgesellschafter auf.

Während der Konzern 1928 14.281 Mitarbeiter beschäftigte, die Zahl Ende 1932 auf nur noch 9148 Mitarbeiter sank, wuchs die Belegschaft bis 1944 auf 74.198 Personen. Das klingt soweit ganz prima, wenn da nicht zirka 6,6 % von ihnen Kriegsgefangene und 37 % angeworbene oder zwangsverschleppte Ausländer gewesen wären. 37% sind übrigens 27.453 Menschen. Während 1941 nur 150 für Daimler-Benz arbeiteten waren es 1944 unglaubliche 5648 KZ-Häftlinge.

Der Konzernumsatz wuchs von 65 Millionen Reichsmark im Jahr 1932 auf 942 Millionen Reichsmark im Jahr 1943. Über ein Drittel des Umsatzes wurde 1943 mit Flugmotoren erwirtschaftet. 1941 machten 76 % des Umsatzes der Aktiengesellschaft Wehrmachtaufträge aus.

Wie wir heute sehen, hat sich Daimler-Benz, so wie nahezu jede Firma, die ihr Geld durch die Ausrüstung des Krieges verdient, gut gehalten. Rückschläge durch verlorene Kriege treffen diese Firmen nur bedingt. Der nächste Konflikt kommt garantiert, notfalls müssen die Lobbyisten beim politischen Entscheider ein gutes Wort einlegen. Der Wille des Volkes ist nebensächlich.

Gedruckt wurde dieses Wertpapier übrigens bei Giesecke & Devrient, seinerzeit noch ansässig in Leipzig und Berlin, heute mit Hauptsitz in München eine der großen Wertpapier- und Gelddruckereien. Wer mit aufmerksamer Beobachtungsgabe durch die Welt geht, hat das Logo bestimmt schon einmal gesehen:

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Über moopenheimer

Sammler, Bewahrer, Wissender, Verreiser, Genießer, Chaot

3 Antworten zu “Durch Arbeit ist noch niemand reich geworden – Aktien

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