Armutszeugnis


Kennt ihr den Spruch: „Da stellt er sich aber selbst ein Armutszeugnis aus!“? Was ist ein Armutszeugnis? Ich will es euch erklären.

Wer früher kein Geld hatte, um die Kosten eines Gerichtsprozesses zu bezahlen, der konnte sich vom Amt einen entsprechenden Nachweis ausstellen lassen.

Da der uns schon aus anderen Artikeln bekannte Herr Tresselt ein recht wohlhabender Bürger von Arnstadt war, vermute ich, daß er durch die Erlangung dieses Zeugnisses den Kosten einer Klage aus dem Weg gehen wollte.

Wie sah nun ein Armutszeugnis aus?

 

Antrag auf Ausstellung eines Zeugnisses zur Erlangung des Armenrechts

Arnstadt, den 8. Nov. 1927

Der Goldschmied Arthur Tresselt, hier Schloßplatz 1 beantragt ein Armutszeugnis zur Erlangung des Armenrechts und erklärt:

Ich bin mit der Offenlegung meiner Vermögens-, Einkommens- und Steuerverhältnisse durch die Steuerbehörde gegenüber dem Gericht und der Verwaltungsbehörde einverstanden.

 Ich bin ausdrücklich darauf hingewiesen worden, daß ich gerichtliche Bestrafung wegen Betrug zu gewärtigen habe, falls ich zu den nachstehend aufgeführten Fragen Angaben mache, die der Wahrheit nicht entsprechen.

 

Familienverhältnisse: verheiratet

Kinder: 1. Charlotte, 7 Jahre alt

unvermögend

Bareinkommen monatlich 10,- RM aus Goldwarenreparaturen, Tabakverkauf, Museumsführung

IV. Bareinkommen des Ehegatten: wöchentlich 25,- RM als Buchhalterin in Handschuhfabrik Rottstädt und Hopf, hier

V. Steuerverhältnisse des Antragstellers: Finanzamt Arnstadt, den 8. Jan 1927

Einkommensteuer / Vermögensteuer: 1926 frei veranlagt im Auftrage: gez. Kutzke

 VII. Kurze Bezeichnung des Rechtsstreites: Beleidigungsklage des Antragstellers gegen den Prokuristen Hoffmann, hier, Baumannstraße

Wer alles im Detail lesen möchte, klickt auf die Bilder zum vergrößern.

 

 

und schließlich

 

Antragsteller ist unseres Erachtens nicht in der Lage, die Kosten des Rechtsstreites zu tragen oder einen Beitrag dazu zu leisten.

Arnstadt, den 8. Nov. 1927

Heute gibt es diese Handhabung immer noch, allerdings hat sich der Name geändert. Heute beantragt man kein Armutszeugnis mehr, sondern die Prozesskostenhilfe.

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