Meine Kochrecepte – Rezeptbuch von 1907


Neulich fand ich im Cooking around the World-Blog von Becky einen Artikel zu einem alten, handgeschriebenen Kochbuch aus dem jüdischen Hamburg. Wer den Artikel lesen möchte, klickt hier. Nach der Lektüre kam mir der Gedanke: „Solche Bücher habe ich doch auch!“ Und ein Entschluss war gefasst. Ich habe aus einem Fach meines Regals einen Packen von neun Büchern herausgeholt und den Abend damit verbracht, nachzuschauen, was ich da eigentlich habe, euch einige spannende Seiten zu fotografieren und darin zu lesen. Vorweg: nicht alle neun sind Rezeptbücher, eins hat mich sehr traurig gestimmt, eins nachdenklich, alle kommen in den nächsten Tagen aus dem Dunkel ans Licht.

Nummer 1

Handgeschriebene Kochbücher sind eine tolle Sache. Ich selbst habe zwei, in die ich früher und heute meine zusammengefundenen Rezepte eintragen habe und noch immer eintrage. Scheinbar packt nicht nur mich ein prickelndes Gefühl, wenn mir eines dieser Bücher in die Hände fällt. Dieses Buch habe ich auf einem Flohmarkt mit dazu bekommen. Kaum jemand kann es heute noch lesen. Der Zustand ist restaurierungsbedürftig.

Meine Kochrecepte

 

Das Geleitwort hat mich sofort überzeugt, dass ich es haben muss. Frau A. Hartz aus der Motzstraße 26 in Berlin hat sich dieses Büchlein selbst angelegt. Sie war eine Hausangestellte. Das Geleitwort hat sie allein eingetragen.

  • Was vermißt dein Vater, dein Freund oder Vetter,
  • Daß schreib auf folgende Blätter!
  • Was niemandes Leibgericht,
  • Das schreibe nicht, –
  • Doch hörst du von einem Rezepte fein,
  • Das schreibe ein!
  • Und hörst du von gutem Geschäft oder Kauf,
  • Das schreibe auf!
  • Oder den Lief’ranten u. Preise für dies und das
  • Und Mittel für Haus u. für Küche,
  • Wer weiß nicht was,
  • Was leicht man vergißt,
  • Und doch gern wüßt,
  • Damit du es findest einst wieder
  • Drum schreib es hier nieder! –
  • Berlin am 11. Dezember 1907.
  • Als Andenken an meine erste Stelle
  • Frau A. Hartz
  • Motzstr. 26
  • Berlin

 

Das Büchlein ist bereits in die gängigsten Rezeptkategorien unterteilt. Ich habe euch die jeweils ersten Seiten fotografiert.

Suppen

Was haben wir hier: Einlauf in Brühsuppe, Stachelbeersuppe (Stachelbeerreste mit Zucker und Zimmt aufkochen, pürieren, ein Glas Weißwein dazu, mit Eigelb abziehen und das geschlagene und gezuckerte Eiweiß vor dem Servieren auflegen), Eierklöße für die Suppe, Schokoladensuppe

Gemüse

Frühlingsgemüse (ein Pfund frische Morcheln, ein Pfund Spargel, Krebse – oha, Frühlingsgemüse sieht bei mir etwas gewöhnlicher aus), Apfelgemüse (Äpfel und Rosinen werden in Brühe gekocht, gekochtes Rindfleisch dazugegeben, kräftig durchkochen und mit Zucker und Essig abschmecken)

Fleischspeisen

Rindfleisch mit saurer Sahne (Man schneidet ein Stück Blume in große Würfel. Suppengrünes schneidet man recht fein und dämpft es in Butter an. Nun legt man die mit Salz und Pfeffer bestreuten Fleischstücke dazu und lässt sie im geschlossenen Topf eine Stunde braten. Dann stäubt man ein bis zwei Esslöffel Mehl darüber, rührt kräftig durch, gießt saure Sahne darüber und kocht das Fleisch langsam weich.), Bouletten und Befstück (das sollte wohl Beefsteak heissen), Heringsklopß (das Rezept ist übrigens das Original der Königsberger Klopse – man nimmt mehr gehacktes rohes Rind, wie Schweinefleisch, eingeweichte Semmeln, geriebene Zwiebel, Salz und Pfeffer tut den gewiegten Hering mit zu. Dann schwitzt man Mehl in Butter gießt Wasser zu und lässt darin die Klopse weich kochen tut zuletzt noch etwas von dem Hering und Saft von Zitrone zu.)

 

Fische

Schlei in Weißbier, Grüne Heringe einzulegen

 

Zu Braten und Wildpret und Geflügel ist ihr leider nichts eingefallen.

Saucen

Weinschaumsauce, Frikasseesauce, Merretigsauce (sic!), Senfsauce

 

Compots und Salate

Rhabarberspeise mit Schlagsahne, Bananenkompott (Grüne Bananen werden geschält und in nußgroße Stücke geteilt. Man legt diese einen Augenblick in siedendes Wasser, hebt sie heraus und schüttet sie in eine kochende Zuckerlösung, die man sogleich vom Feuer nimmt. In dieser lässt man die Bananen erkalten. Ist der Zuckersaft kalt geworden, so gießt man ihn ab, läßt ihn mit Zitronenschale wieder aufkochen und gießt ihn heiß über die Bananen.)

 

Diverses

Wickelklöße, Pochierte Eier (In einem flachen Kochgeschirr wird Wasser, in welchem reichlich Estragonessig und Salz getan wurde zum sieden gebracht. Man schlägt in dieses Wasser schöne große und vor allem frische Eier vorsichtig aus und läßt diese darin pochiert gar werden, bis das Gelbei von dem Weißei vollständig eingehüllt wird.

Eine letzte Seite habe ich euch ausgesucht, weil sie eines der Lieblingsrezepte aus meiner Kindheit enthält:

Arme Ritter – hier in einer mir noch unbekannten Variante (Man weicht alte geröstete Zwieback ein in Milch aber nur so, daß sie so mäßig aufweicht, wälzt sie zuerst in Mehl, dann in Ei und zuletzt in geriebene Semmel und bratet sie in Butter und gibt dazu eine Mussauce)

 

Bekommt man da nicht Lust, etwas neues, altes oder ungewohntes auszuprobieren?

 

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