Kiautschou – 2. Auflage


(aufgrund von Datenverlust ist der Original-Artikel vom 1.April 2014 verschollen. hier kommt eine reproduzierte Version aus dem Google Cache)

 

Kiautschou, ein 552 km² größer Teil der Shadong-Halbinsel mit der Hauptstadt Tsingtau (heute Qingdao), war mal für kuze Zeit eine Deutsche Kolonie in China.

Das deutsche Kaiserreich hat sich mit diesem Pachtvertrag dort 1898 auf 99 Jahre festsetzen wollen:

(c) Bundesarchiv

Auch das hat ja nicht geklappt. Im November 1914 war schon wieder Schluß und das Gebiet ging an das Japanische Kaiserreich. Wikipedia weiß einiges über Kiautschou.

Mein Ur-Groß-Onkel (großmütterlicherseits) – also der Bruder meines Ur-Opas – hat es sich jedoch nicht nehmen lassen, 1910 in Tsingtau im Mar-Feld-Bat (Marine-Feld-Batallion) als Mar-Feld-Art (Artillerist?) zu dienen und seinem Bruder einen Brief zu senden.Kiautschou Brief 1910

Dieser Brief fuhr dann “Via Sibirien” zu meinem Ur-Großvater, wahrscheinlich um zur Geburt dessen ersten Kindes, seiner Nichte, meiner Oma zu gratulieren. Allerdings war sie bei Aufgabe des Briefes bereits 2 Monate und 2 Tage alt.

Kiautschou Brief 1910

Was genau im Brief stand, werden wir nie erfahren.

Die letzten drei verblieben Mitbringsel aus dieser Zeit sind:

  • dieser Fächer im Endstadium (ich glaube nicht, daß man da noch etwas reparieren kann),

Chinesischer Fächer (Kiautschou)

  • ein Tee-Tablett und
  • zwei interessante japanische Postkarten.

Der Rest ist den Gang alles Vergänglichen gegangen.

Da ich aber eine Menge Kiautschou-Briefmarken habe, scheint der gute Onkel dort entweder eine ganze Weile ausgeharrt zu haben oder er hat sehr viel geschrieben. Da muß ich doch nochmal auf das Datum des Poststempels schauen.

Der breiten Masse ist heute wahrscheinlich nur das Bier noch ein Begriff.

tsingtao_beer

Dazu hier mehr.

Die Postkarten haben inzwischen einen eigenen Artikel. Der Link dazu ist hier.

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Ein Lesezeichen aus China – UPDATE: Die Quittung einer Wechselstube in Japan


Heute stelle ich euch etwas vor, von dem ich selbst nichts weiß.

 

Es lag als Lesezeichen in einem alten Buch. Und das ist auch schon alles, was ich darüber weiß. Mein Chinesisch ist begrenzt. Darum kann ich nicht lesen, was da steht. Wie noch weitere chinesische Dinge in meinem Besitz, könnte dieses Etwas aus der Zeit um 1900 stammen, zu der mein Ur-Onkel in Kiautschou stationiert war, um unsere deutschen Kolonien zu verteidigen.

Alle Artikel zu diesem Thema findet ihr übrigens hier.

Ein Update findet ihr im Kommentar. Es handelt sich also um eine Quittung, die vermutlich aus einer Wechselstube stammt. Danke Mitsuhiro Sato-san!

Sammeln gegen Artenvielfalt – Botanisieren


Im 19. Jahrhundert nicht nur bei Kindern beliebt, war der Sport des Botanisierens. Jawohl, es lief unter der Rubrik Sammelsport für Naturfreunde.

Während Kinder vorwiegend mit Netz und Botanisiertrommel auf die Jagd nach Schmetterlingen gingen odeer Käfer einsammelten, erweiterte sich das Sammelgebiet mit zunehmendem Alter auf die Flora. Pflanzenteile wurden abgeknipst, gepresst, getrocknet, aufgeklebt, beschriftet und katalogisiert.

Leider habe ich noch keine schöne Botanisiertrommel in meinem Besitz. Sollte ich je mit dem Gedanken spielen, mir einen Käferschaukasten anzulegen, werde ich um eine Anschaffung nicht herum kommen. Aber ein paar hübsche Bücher habe ich, die mich anleiten werden, sofern ich eine Pflanzensammlung beginnen möchte.

Da wäre zum einen ein Buch von 1882 – Schmidlin’s Anleitung zum Botanisieren und zur Anlegung von Pflanzensammlungen.

 

 

Das Inhaltsverzeichnis verrät uns, was zu erwarten ist. Im Vorwort erläutert uns Dr. Otto Wünsche mit welchen Schwierigkeiten Anfänger in dieser „lieblichen Wissenschaft“ zu kämpfen haben.

 

Für mich sind besonders die Beschreibungen der Pflanzen interessant gewesen. Ich gehe davon aus, daß von den hier beschriebenen Pflanzenarten die meisten die vergangenen 130 Jahre heil überlebt haben. Von dem Standpunkt aus betrachtet, ist es sehr unschön, wenn man bedenkt, wie wenige Pflanzen man bei einem Gang durch die Natur tatsächlich bestimmen könnte. („Das dort vorn ist ein … äh … Baum … glaube ich.“)

Die nächste Seite habe ich euch fotografiert, weil ich mich gewundert habe, wieviele Kräuter und Pflanzen man doch kennt, die – zumindest von mir – unter ihren deutschen Namen eher nicht miteinander assoziiert wurden.

Hättet ihr gewusst, daß Dost nichts anderes ist als Oregano? Oder Quendel ist gleich Thymian. Nicht mal, daß es Lippenblütler sind, hätte ich gewusst.

Im nächsten Foto lernt ihr, worauf man bei der Bestimmung durch Blüten zu achten hat. Hier Schmetterlingsblütler. Auf der linken Seite noch Reste der Klee-Arten, rechts unter Nummer 12 die Beschreibung des Schüchel, den viele als Hornklee kennen. Neu war mir der lateinische Name Lotus (nicht zu verwechseln mit der Lotosblume).

 

 

Als letztes Beispiel aus diesem Buch einige Kreuzblütler. Na, wer kennt welche? Wer kennt überhaupt die Rauke? Kaum jemand, obwohl sie beinahe jeder im Salat hat. Aber „Rauke“ klingt natürlich viel zu gewöhnlich um für eine handvoll Blätter zwei Euro zu bezahlen. Also nehmen wir den im sonnigen Feriengebiet gebräuchlichen italienischen Namen und schon haben wir einen edlen Rucola-Salat.

 

Auf mein zweites Buch bin ich ein wenig stolz, weil ich es auf dem Bücher-Trödelmarkt am Berliner Pergamon-Museum (gegenüber von Frau Merkels Wohnhaus) gefunden und für relativ kleines Geld gekauft habe.

Des Ritters Carl von Linné Pflanzensystem nach seinen Klassen, Ordnungen, Gattungen und Arten mit Erkennungs und Unterscheidungszeichen, 14. Auflage von 1786. Carl von Linné war ein schwedischer Botaniker, der sich die Gruppierung der Pflanzen ausgedacht hat. Seinem Werk hat er den folgenden Spruch vorangestellt: „Opera JEHOVÆ magna! exposita omnibus, qui delectantur illis; gloriosum, & decorum opus Eius!“ Mein Latein ist leider nicht so lebendig. Sollte unter euch ein gebürtiger Latino sein, würde ich mich über eine korrekte Übersetzung freuen. Zusammengestottert komme ich zu: „Jehovas großartiges Werk! Für alle zur Schau gestellt, um zu erfreuen; Herrlichkeit und Zierde sind Sein Werk.“

Der Übersetzer Xaver Joseph Lippert hat sein Werk „Dem Wohlgebohrenen Herrn Herrn (ja zweimal) Nikolaus Joseph Edlen von Jacquin, k.k. Bergrathe, der Chymie und Kräuterkunde ordentlichen Lehrer an der hohen Schule zu Wien, der meisten gelehrten Gesellschaften Mitgliede etc. welcher gegenwärtiges Werk selbst mit den zahlreichen Entdeckungen und Beobachtungen bereichert hat, Als ein Denkmal der verpflichteten Hochachtung“ gewidmet.

 

Aber was steht eigentlich drin, in diesem über 1000 Seiten dicken Buch?

Herr Linné unterteilt die Pflanzen nach dem Aufbau der Blüten. Ein-, zwey, drey- bis vielmännische und ebensolche weibiche Blütenteile. Das bedeutet, man muß erstmal eine Blüte haben um hier weiterzukommen. Je weiter man im Buch vorrückt, desto spannender werden die Klassen-Bezeichnungen. Behandelt Kapitel XVII noch Zweybrüdriche, Fünfmänniche (wo uns natürlich sofort der Ginster , die amerikanische Erdnuß und die Clitorispflanze – so so, wer benennt die eigentlich? – einfällt), geht es in Kapitel XIX um Mitbuhler. Gleiche Vielweyberei. (natürlich die Golddistel, der Wegwart, Beyfuß, Huflattich und die Artischocke) und in Kapitel XX um die Eifersüchtige. Zweymänniche. (Frauenschuh) Fünfmänniche (Passionsblume – die wiederum viele als Maracuja kennen). Die letzten Kapitel beschreiben dann noch XXI. Halbgetrennte, XXII. Ganzgetrennte (Pappel), XXIII. Vielweiberey (Ahorn) und XXIV. Verborgene (Farne)

Hier eine Seite mit Cypergras zu dem auf der vorherigen Seite steht: 66. Cypergras (Cyperus) Die Bälglein spreuförmig und zweyreihig, dachziegelförmig übereinandergelegt, Blumenkrone o. Saamen I. nakend.

Auf der rechten Seite der große Absatz beschreibt das Papyrus-Gras, das vielen als Zimmerpflanze bekannt vorkommen wird: Das Papyrcypergras. papyrus. mit dreyseitigem, nakten Halme, einem längerem Schirme, als die Hüllen sind, dreyblättrichen, borstenförmigen längeren Hüllen und drey Aeherchen. Die Hülle ist 8 blättricht, und kürzer als der Schirm, und die äussersten 4 Blättchen etwas breiter; der allgemeine Schirm fast gleich, sehr zahlreich, mit Strahlen die an ihrer Grundfläche gescheidet sind, die Hüllchen 3 blättricht, borstenförmig aufrechtstehend, und von der Länge der allgemeinen Hülle, die Schirmchen mit 3 sehr kurzen Fruchtstielen. Aehren viele, wechselweisstehend, pfriemenförmig, sitzend. (Es wohnet in Calabrien, Sicilien, Syrien, Egypten.)

 

Zu eurer Erbauung noch ein paar weitere Seiten:

 

Und weil sie mir sie gut gefallen, hier noch eine der zahlreichen Vignetten in diesem Buch. Die Schlußvignette mit einem schönen Obstkorb:

 

In meiner Sammlung befindet sich noch das Herbarium meines Urgroßvaters – eines Apothekers – das er in den Jahren 1899 bis 1901 angelegt hat. Es sieht noch einigermaßen gut aus. Einige Pflanzen sind verschwunden, andere angefressen aber sehr viele sehen noch aus, als wären sie erst gestern gepresst worden. Mehr dazu später. Besagter Urgroßvater  wurde hier bereits erwähnt. Er war der Empfänger des Briefes und der Vater meiner Oma. Und er war der Bruder des hier erwähnten Münchener Kaufmanns.

Deutschlands Kolonien – ein Buch von 1912


Ich habe in den unendlichen Weiten meiner Bücherschränke ein Buch gefunden, das euch vielleicht interessant erscheint. Mir gefällt es. Darum habe ich es vor einiger Zeit gekauft.

Es behandelt die deutschen Kolonien und spiegelt die Sicht aus dem Jahr 1912 wider. Über Kolonien (deutsche und andere) habe ich euch schon in vergangenen Artikeln erzählt.

Die aufmontierte Chromolithographie ist mir leider bei meinem letzten Umzug kaputt gegangen. Glücklicherweise gibt es das Bild innen noch einmal. Ich spiele mit dem Gedanken, das Buch nochmal in besserer Erhaltung zu kaufen, allerdings gibt es die Erstauflage nur in ähnlich angeschlagenen oder aber preislich unschönen Varianten zu kaufen. Update: Ich habe es gefunden – seht hier.

Das beeindruckende an diesem Buch sind die 80 Farbfotographien, die das Leben und die Landschaft um 1912 schön illustrieren.

Vielleicht hat es der eine oder andere schon bemerkt: ich mag die „gute, alte Zeit“ und freue mich jedesmal, wenn es eine Gelegenheit gibt zu sehen, daß auch damals das Leben nicht so schwarz-weiß war, wie wir es heute auf alten Fotos sehen. Dazu passend findet / fand in der Zeit vom 1. August bis 2. November 2014 im Berliner Martin-Gropius-Bau die Ausstellung
Die Welt um 1914. Farbfotografie vor dem Großen Krieg statt.

Ausstellungskatalog

Auf einer Landkarte wird die Lage unserer Kolonien gezeigt. Zugegeben, verglichen mit den Briten war unsere Beute eher kläglich.

Wer sich für das Leben in den Kolonien und den Umgang mit den Einheimischen interessiert, dem sei das gut lesbare Buch

Die Brückenbauer von Jan Guillou

empfohlen, in dem der menschenverachtende Umgang der Kolonialherren mit den Einwohnern der Kolonien sehr bewegend beschrieben wird. Wer nicht unter Homophobie leidet, sollte auch den zweiten Band nicht versäumen. Noch tiefere Einblicke gibt es übrigens im „Zeit-Blog„.

Aber zurück zum Buch des Tages. Da sind die beiden „eingeborenen“ Herren von den Karolinen-Inseln im Pazifik wieder.

Als vorbelasteter Kiautschou-Kolonial-Urenkel interessiert mich natürlich am meisten das dazu passende Kapitel.

Yamen / Yaman scheint heute so auszusehen.

Ob sich der Chinese von heute zu Feiertagen noch immer wie eh und je herausputzt?

Ach ja: daß sich seit dem Weggang der Deutschen aus Kiautschou nichts weiterentwickelt hat, könnt ihr an dem aktuellen Foto sehen, das ungefähr in die gleiche Richtung aufgenommen wurde, wie das Kapitel-Foto zum „deutschen Kiautschougebiet“ drei Bilder höher.

Remington Portable


klick klick klick klick – pling – sssssiitttttt  

klick klick klick klick

So ungefähr klang es bis in die 1980er Jahre aus jedem Büro der Welt. Die Schreibmaschine war allgegenwärtig und alle Buchstaben gleich breit.

Bevor die Computer uns alle Arbeit abnahmen und wir jetzt, wenn man den Versprechungen von damals Glauben schenkt, heute kaum noch etwas zu tun haben, waren Tippfehler ein großes Problem und nicht einfach durch eine Zurück-Taste zu beheben. Trotzdem schreibe ich mindestens einmal pro Tag Worte wie Tatse, Servcie und Wochnenede und bemerke es erst nach dem absenden.

Schreibmaschinen gab es in vielen Varianten und sie haben eine bemerkenswerte Entwicklung durchlebt. Die ersten Modelle hatten einen Zeiger, mit dem auf den zu schreibenden Buchstaben gezeigt wurde, dann ein Knopfdruck und der Buchstabe war auf dem Papier. Das ging sehr langsam. Spätere Maschinen hatten bereits eine Tastatur, allerdings verhakten sich beim schnellen Tippen regelmäßig die zu kurz hintereinander angeschlagenen Typenhebel. Daraufhin ersann ein kluger Kopf eine Neuanordnung der Tasten. Je häufiger zwei Buchstaben  hintereinander in Worten vorkamen, desto weiter mussten sie auf der Tastatur auseinanderliegen. Das führte zu dem Layout, das wir noch heute kennen.

Die Schreibmaschine meiner Oma stammt aus dem Jahr 1928. Die Remington Portable #1 war eine Reiseschreibmaschine, konnte zusammengeklappt, in einem Koffergehäuse verpackt und mit auf Reisen genommen werden.

 

Das war seinerzeit eine tolle Sache, weil nicht alle Schreibmaschinen so klein und handlich waren wie diese. Dazu mussten jedoch einige Bauteile auf platzsparende Weise umgeklappt und verstaut werden. Wie ihr im nächsten Bild seht, sind die Typenhebel (das sind die Ärmchen mit den Buchstaben dran, die für den unverwechselbaren Sound einer Schreibmaschine verantwortlich sind) noch heruntergeklappt. Auch das Rad mit dem die Walze vor- und zurückgedreht werden kann, ist noch eingeschoben, aber das sieht man hier nicht so gut.

 

Im Deckel ist ein Garantiezettel eingeklebt:

 

Anhand der dort angegebenen Seriennummer, die – wer hätte das gedacht – identisch ist mit der Seriennummer auf der Schreibmaschine

lässt sich übrigens eine Menge herausfinden. Auf der Seite http://site.xavier.edu/polt/typewriters/rem-portables.htm#serialnumbers habe ich folgende Info gefunden:

You can use the serial number to determine the precise month of manufacture only if you have a semi-portable Remington Junior (1914-1921), #1 portable, #2 portable, or a Rem-Blick. These models, like all Remington typewriters made from August 1914 through August 1928, use a 2-letter, 5-numeral code. The first letter represents the model of the typewriter (J for the Junior, N for the #1 and #2, or K for the Rem-Blick). The second letter represents the month of manufacture, according to the following code:

P = January
M = February
L = March
K = April
X = May
S = June
V = July
E = August
D = September
C= October
Z= November
A = December

The first numeral is the last numeral of the year in which the typewriter was made.

Das bedeutet, meine Schreibmaschine ist eine Portable Modell 1, stammt aus dem Jahr 1928, wurde im November hergestellt und zwar als 84. dieses Monats und damit eine der allerletzten dieses Modells.

Sicher habt ihr sofort bemerkt, daß hier einiges fehlt: keine Eins, keine Null, ä, ö und ü gibt es nur in klein. Dafür noch ungewohnte Sonderzeichen über den Zahlen. Einzig die 2 ist ihren Gänsefüßchen / Hasenöhrchen treu geblieben.

Und so sieht sie in betriebsbereitem Zustand aus. Die Typenhebel sind hochgeklappt und das Walzenrad (jetzt rechts, hinten zu sehen) steht hervor.

 

 

Eine tolle Sonderfunktion hat diese Schreibmaschine damals schon gehabt – das zweifarbige Farbband,

 

das mit einem kleinen Hebel umgeschaltet werden konnte:

 

Ich wäre nicht Moopenheimer, wenn ich nur die Schreibmaschine hätte. Nur für euch zur Lektüre und zum Vergleich hier die Gebrauchs-Anweisungen für Modell 1 und Modell 2

 

Und das war’s auch schon. Da das untere Handbuch eine Seite kürzer ist, habe ich euch noch ein sehr wichtiges Etwas mitfotografiert: Kohlepapier. Wie oft hat man früher mühsam einen Brief mit Durchschlag abgetippt und am Ende ein Blatt Papier gehabt auf dem der Text der Vorderseite in Spiegelschrift auf der Rückseite stand und dazu ein leeres zweites Blatt.

 

 

Selbstverständlich habe ich auch noch eine Preisliste für Verbrauchsmaterial. Den Laden gibt es überraschenderweise nicht mehr. Nicht mal das Haus steht mehr. Es wurde durch ein neues Geschäftshaus ersetzt.

 

Seinerzeit wurde für die Schreibmaschine viel geworben. Dazu habe ich vor ein paar Jahren einige Zeitungs-Anzeigen aus der Mitte der 1920er Jahre gesucht und gefunden:

 

225,- bis 280,- Mark erscheint mir recht teuer.

ich wusste gar nicht, daß Amundsen mit dem Zeppelin zum Nordpol geflogen ist

 

Und noch eine Anzeige mit Gunther Plüschow, dem Flieger von Tsingtau (das unter deutscher Kolonialherrschaft ja Kiautschou hieß, wie ich euch hier bereits erklärt hatte)

 

Eine weitere Anzeige zu einem anderen Remington-Modell gab es gratis dazu. Ich zeige sie euch trotzdem.

 

 

Hier noch etwas Zubehör, teilweise aus späterer Zeit. Farbbänder, Typenreinigungs-Pinsel und -Bürsten

Eine Farbband-Dose der Konkurrenz.Farbband Schreibmaschine

 

 

Und nun freut euch, daß ich nicht den ganzen Text mit dieser unbequem lesbaren Schrift geschrieben habe.

Gesellschaftsspiele im Lauf der Zeit 3 – Spiele-Buch von 1920 und 1970


Zum Abschluß der kleinen Spiele-Buch-Reihe habe ich heute zwei Bücher, die im Abstand von 50 Jahren erschienen sind.

Das grosse illustrierte Spielbuch von 1920 ist wirklich groß. Knappe 700 Seiten entführen uns in die Welt der Spiele der 1920er Jahre.Das große Spielebuch um 1920

Demgegenüber hat Robert Lembke – den die Älteren noch aus der heiteren Berufe-Raten-Sendung „Was bin ich?“ kennen – es gerade mal noch auf die Hälfte der Seiten geschafft.Das große Spielebuch 1970 Robert Lemke

 

 

Aber schauen wir zuerst in das Buch von 1920. Schöne Zeichnungen und unendlich viele Spiele.

Das große Spielebuch um 1920

 

 

 

Die Gliederung kommt den Büchern aus Teil 1 und 2 sehr nahe.Das große Spielebuch um 1920

 

 

Eins der Spiele zum Platzwechseln, das ich selbst bereits mehrfach bei Feiern ausprobiert habe, trug früher den Namen “ Die Reise nach Jerusalem“ und wurde in diesem Buch in „Die Reise nach Ostafrika“ umbenannt. Während heute die Reise nach Jerusalem mit dem Stuhltanz gleichgesetzt wird, bringe ich euch hier den Anfang der Spielregel: <<Das Spiel hieß früher allgemein „Die Reise nach Jerusalem“; da wir Deutschen aber heute wohl  noch öfter nach Ostafrika, wo wir Kolonien haben, reisen werden als nach dem staubigen Jerusalem der Türken, so haben wir dem alten Spiel diese neuen Namen gegeben. Es kann aber auch ebensogut „Reise nach Kamerun“ oder als „Reise nach Kiautschau“ gespielt werden.>> So so. Das Spiel selbst funktioniert folgendermaßen: Ein Spielleiter bereitet eine kleine Geschichte vor, die seine Reise nach Wohin-auch-immer beschreibt. Jeder Mitspieler bekommt einen Zettel, auf dem ein einzelnes Wort steht (Koffer, Zwiebel, Hängematte, Hafen, Zwieback, Seekrankheit usw.). Diese Worte werden, möglichst mehrfach in die Geschichte eingebaut. Jedesmal, wenn das entsprechende Wort vorkommt, muß die Person aufstehen und sich kurz zu den anderen verbeugen, dann wieder hinsetzen. Wird hingegen ein Adelstitel oder der Name eines Monarchen genannt, steht die gesamte Gesellschaft auf, macht einen Diener, die Damen einen Knicks und setzt sich wieder hin. Als drittes gibt es das Reiseziel. In meinem Fall war das „Jerusalem“ (was derzeit meines wissens nicht mehr von den Türken mit Staub befüllt wird). Jedesmal, wenn der Name des Reiseziels genannt wird, stehen alle auf und schauen in die Ferne, ob die Stadt schon in Sicht ist. Das schwierigste war die Vorbereitung der Geschichte. Allerdings, da wir im Spiel mit der MS Queen Mary unterwegs waren, die auch regelmäßig erwähnt wurde und auch die anderen Worte gut verteilt waren, hat es allen viel Spaß gemacht.Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

 

Verschwunden ist übrigens die Tanz-Rubrik, die 1912 kurz aufgetaucht war.

 

 

Und nun zu Robert Lembke:Das große Spielebuch 1970 Robert Lemke

 

 

 

Er macht den großen Rundumschlag, bringt Abzählreime für Kleinstkinder (Hoppe, hoppe Reiter; Ich und Du, Müllers Kuh), für größere Kinder „Taler, Taler, du mußt wandern“ bis er schließlich über Käsekästchen und Einsargen (heute eher als Hangman oder Galgenmännchen bekannt) zu den Brettspielen kommt. Hier werden die Standardspiele (Schach, Dame, Mühle, Wolf und Schafe) erklärt, aber auch Mah-Jongg und Poch.

Alles in allem aber nur sehr kurz und nicht sehr liebevoll erklärt. Patiencen wurden seinerzeit von Omis gern gespielt – da habe ich auch noch irgendwo ein Büchlein. Traurigerweise sind Gesellschaftsspiele in unseren Tagen nicht mehr gesellschaftsfähig. Daher bleiben uns nur die bunten Brettspiele wie Öl für uns alle, Monopoly, Zug um Zug oder Carcassonne.Das große Spielebuch 1970 Robert Lemke

 

Grüße aus der Meiji-Ära


Zwei Postkarten wollte ich euch schon vor einigen Wochen vorstellen. Als ich neulich diesen Artikel schreiben wollte, musste ich feststellen, daß mein Kiautschou-Artikel auf den ich verweisen wollte, verschwunden war. Der ist nun vorgestern zum zweiten Mal veröffentlicht worden und ich hoffe, er bleibt, wo er ist.

Die Postkarten befanden sich in derselben Schachtel wie die meisten Kiautschou-Dinge. Das hat mich verwundert, weil das Datum der Poststempel 40.12.12 und 39.01.01 doch etwas spät anmuten. 1939/40 gab es schließlich keine deutschen Kolonien mehr.

Weit gefehlt: Die Karten stammen aus Japan (wie man eigentlich an den Briefmarken hätte erkennen sollen), das nie duetsche Kolonie war und wurden wahrscheinlich nur wegen ihrer exotisch anmutenden Schrift aus den deutschen Kolonien mitgebracht. Mein japanischer Kollege Mitsuhiro Sato und seine Frau Yuka haben mich über Datierungen in Japan aufgeklärt. Ähnlich wie zu Zeiten des römischen Imperiums wurden auch in Japan die Jahre nach Amtsantritt des Kaisers bzw. Tenno gezählt.

Postkarten Japan 1907

 

Meine beiden Karten stammen somit aus dem 39. bzw. 40. Regierungsjahr des Tenno Meiji, der dieser Epoche seinen Namen gab. Er wurde 1867 Tenno. Somit ist 1867 das Jahr 1 der Meiji-Ära. Das 39. Jahr ist demnach 1906 und alles macht plötzlich Sinn.

Aber was steht auf diesen 90 Jahre alten Karten drauf? Yuka Sato hat ihr Bestes gegeben und die alten japanischen Schriftzeichen so gut es ging gelesen. Hier die Übersetzung:

Die rechte Karte ist etwas einfacher, da sie weniger und größere Schriftzeichen enthält:

39.1.1 – Am Neujahrstag – Ein gesundes neues Jahr! Gesendet aus Osaka an Sugiyama-san in Kobe.

Die linke Karte ist da schon schwieriger. Ich schreibe die Vermutungen von Yuka Sato hier in der Ich-Form:

Die Karte wurde von einer jüngeren Schwester namens Shige an ihr älteres Geschwister (sehr wahrscheinlich ihren älteren Bruder) geschickt. Shige ging auf eine Mittlere Schule (vergleichbar mit den höheren Schulen in Deutschland zu dieser Zeit) und lebte in Otsu. Ihr Bruder lebte in Kyoto. (Ich vermute, es war ihr Bruder, da Mädchen der Besuch von Universitäten während der Meiji-Periode noch nicht gestattet war. Ein Name wird nicht genannt.)

Die Familie muß recht wohlhabend gewesen sein, da das Mädchen in eine Mittlere Schule ging und dort Musik, Englisch usw. lernte. Weiterhin schreibt sie sehr erfreut, daß sie sich in diesem Semester im Vergleich zum vorigen verbessert hat. Auch wenn Shige auf die Mittlere Schule gehen durfte, war das zu dieser Zeit dennoch ein seltenes Bild. Man darf vermuten, daß der Empfänger der Postkarte nicht zum arbeiten in Kyoto war, sondern zum lernen.

Und was schreibt Shige: Am 17. [zwei unleserliche Zeilen folgen] nach dem Semester, wird Mishima-san zum Haus seines Freundes in Kyoto und bleibt dort für eine Nacht bevor er zurück nach Kobe geht. Ich werde auch nach Kobe gehen.

Meine Examen in English, Moral, Wissenschaft, Geschichte, Etikette, Mathematik etc. sind alle abgelegt. Auch die Sägen-Teilnahme [Übersetzung nicht ganz sicher] ist beendet. Ich glaube, das Endergebnis dieses Semesters wird besser werden als das vorige Semester. Meine Winterferien beginnen am 24. Am 18. ist ein Fahnen-Fest in Otsu und alle Schüler der Mittleren Schule gehen hin.

Postkarten Japan 1907

 

Inzwischen dürfte Shige schon eine ganze Weile tot sein. Immerhin hat ihre Karte mit diesen Informationen überlebt.

Wer es noch nicht getan hat, sollte sich den Meiji-Artikel mal durchlesen. Wenn auch Mädchen noch nicht alles durften, hat er doch einige Reformen angestoßen. So verlor unter ihm z.B. der letzte Shogun seine Macht, die Samurai-Tradition wurde abgeschafft und Japan öffnete sich dem Westen. Das Feudalsystem fand sein Ende und der gregorianische Kalender seinen Anfang. (Damit dürfte es nach dieser Zeit keine Postkarten mehr mit der oben gezeigten Datierung gegeben haben. Ich hab die letzten!) 1889 gab Mutsuhito (so lautete sein Eigenname) Japan die erste Verfassung. 1912 ist er gestorben, begraben in Kyoto, geehrt mit diesem Schrein in Tokio.

 

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