ein Streulöffel


Es gibt wieder einen Flohmarktfund.

 

Dieser hübsche Löffel aus Alpacca gibt mir einige Rätsel auf.

Wofür mag er gedient haben?

Es gab die Vermutung des Verkäufers und eines Freundes, daß es sich um einen Puderzuckerlöffel handelt. Das glaube ich nicht. Jeder, der einmal Puderzucker aus einem Gefäß entnommen hat, weiß, daß er nur teilweise pudrig daherkommt. Meist ist er von der Luftfeuchtigkeit recht klumpig. Und in einer Zuckerdose, aus der dieser Löffel herausschauen würde, wäre die Luftfeuchtigkeit sehr hoch.

Andere nahmen an, man hätte mit diesem Löffel Tee aus der Tasse bzw. dem Teeglas geholt und abtropfen lassen. Das würde zwar mit einem Teebeutel gehen, wäre aber unpraktisch.

Meine Vermutung geht mehr zu grobkörnigem Streugut. Man könnte normalen Zucker auf den Löffel schaufeln und anschließend, leicht nach hinten geneigt, durch die Löcher auf das Essen streuen. Außer Kartoffelpuffer fällt mir allerdings kaum ein Essen ein, auf das man Zucker streuen wollte. Würde man hingegen Salz nehmen, könnte man es sich auf Salat, Tomaten, Gurken u.v.m. streuen, ohne wie sonst üblich mit drei Fingern Salz aus einem Schälchen zu nehmen. Alternativ wäre natürlich ein Salzstreuer zu empfehlen. Ist es also ein Salzstreulöffel, ein Zuckerstreulöffel oder etwas ganz anderes?

Ihr seht, eine endgültige Lösung habe ich noch nicht gefunden. Wer also eine Idee hat, schreibt am besten einen Kommentar.

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Studentenporzellan


Als vorläufigen Abschluss meiner Studentika-Reihe möchte ich euch heute noch die Sachen vorstellen, die auf dem Tablett wohnen, das es im gestrigen Artikel zu bestaunen gab.

Wie alle anderen Studentika stammen auch die heutigen Geschirrteile aus der Studentenzeit meines Uropas.

Die Kaffeekanne soll den Anfang machen. So wie auch das gestrige Tablett wird alles heute vorgestellte aus der Zeit kurz nach 1900 stammen. Zwischen 1890 und 1910 war der Jugendstil auf der Höhe seiner Blüte. Ob man diese Kanne allerdings in den Jugendstil einordnen kann, bezweifle ich. Dazu ist sie zu wenig beblumt und verornamentet. Zum Vergleich schaut hier. Einzig der abgebildete Zirkel ist sehr schön aus Ranken dargestellt.

Als nächstes gibt es die Kaffeetasse zur Kanne.

 

und in den Kaffee den Zucker aus der Zuckerdose

 

und die Sahne aus dem Sahnekännchen

 

Die dazugehörige Zuckerzange und Kaffeelöffel habe ich euch nicht fotografiert. Sie sehen aber den vor einigen Tagen vorgestellten sehr ähnlich und sind ebenfalls aus Silber.

Für alle Porzellanfans: auf der Unterseite ist leider keinerlei Marke zu finden.

Studentenbund – ein Tablett


In meiner kleinen Reihe der Studentika – also Dingen, die im Zusammenhang mit Studentenbünden stehen – stelle ich euch heute ein Tablett aus dem Besitz meines Urgroßvaters vor.

 

Dieses achtseitige und mit seinen 30 x 22 Zentimetern doch recht große Porzellantablett wurde einem seiner Kameraden zur Hochzeit überreicht. Fragt mich nicht, wieso es letztlich wieder bei ihm gelandet ist. Ich vermute, der Freund meines Uropas ist irgendwann verstorben und er hat die Dinge aus der gemeinsamen Studentenzeit übernommen.

Ein weiteres Rätsel gibt mir das Tablett auf. Wie schon in den vorherigen Beiträgen beschrieben, hat der Studentenbund Gottinga aus Göttingen, die Farben blau-gold-rot, all meine Studentika haben hingegen grün-weiß-gold in der Fahne. Sobald ich das Rätsel gelöst habe, werde ich euch darüber informieren.

Die Inschrift auf dem Tablett gibt es hier noch einmal in groß:

August Schäfer (xx,xx,xxx,F.M.) s/l. Leibburschen – Brautpaar zur Hochzeit

1. Juni 1909

 

Über die verschlüsselte Angabe der ehemaligen Ämter im Studentenbund, die immer in Klammern hinter Namen und Zirkel angegeben werden, hatte ich euch hier schon aufgeklärt.  Das „s/l.“ könnte für „seine lieben“ stehen. Ein Bundesgenosse könnte es genau wissen und mir einen Kommentar hinterlassen.

Für alle Porzellaninteressierten: Das Tablett stammt aus der Porzellanfabrik Marktredwitz Jäger & Co in Marktredwitz.

Vielen Dank für diese Information an meinen treuen Leser Porzellanvitrine mit seinem tollen Blog porzellanvitrine.wordpress.com.

Studenten-Mützen


Im vorigen Artikel ging es bereits um Studentika, also Dinge, die mit dem Studentenleben zusammenhängen. In meinem Fall war der Student, um den es hier geht, mein Urgroßvater. Mitglied der Studentenvereinigung „Gottinga“ in Göttingen und wohl auch noch in anderen Vereinigungen, trug er nicht nur die Farben einer Vereinigung, sondern offenbar sogar drei.

Den Anfang macht diese (ehemals) weiße Mütze.

 

Die Farben blau-weiß-türkis finden sich auch auf dem beiliegenden Band

 

Innen erfahren wir mehr über die Herkunft:

Studenten-Requisiten Fabrik Gottwerth Müller, Jena

 

Die nächste Mütze

 

orange-weiß-grün, mit dem dazugehörigen Band

 

Detail:

Gottinga sei’s Panier! (in etwa Die Gottinga sei mein Banner!)

mit Namenszug (Lange)

 

Und schließlich die grüne Mütze

von der sich leider der Schirm gelöst hat.

Innen hat wiederum Gustav Lange, mein Uropa, seinen Namen hinterlassen. Zusätzlich hat er auch ein Datum, wohl seines Abschieds, den 5.1. 1914 hineingeschrieben.

 

Die Daten auf der Oberseite sind mit Eichenlaub versehen. An diesen Tagen fand ein Landesvater statt. Dabei werden die Mützen aller Teilnehmer in einem Ritual auf einem Degen übereinander gespießt, so daß Einstiche entstehen, die dann mit einem Eichenlaub und dem Datum des Commers bestickt werden. Hier fanden sie die Landesvatercommerse am 2.08.1905, 2.3.1906 und 1.8.1906 statt. Wer mehr über den Brauch erfahren möchte, klickt hier.

Und hier seht ihr noch ein Loch, das nicht mit Eichenlaub umstickt wurde:

 

Eine Ungereimtheit bleibt noch: Die Studentenverbindung Gottinga aus Göttingen hat eigentlich die Vereinsfarben blau-gold-rot. Meine Mützen haben andere Farben, verweisen aber auf die Gottinga. Wie hängt grün-weiß-gold und (siehe orange Mütze und Knopf) damit zusammen? Auch der Zirkel ist nicht derselbe, wie bei der Gottinga benutzt.

Auf der Unterseite des Schirms findet sich übrigens noch dieser Text:

 

Möge mich ein Wissender aufklären!

Der rechte Zirkel könnte von der Agilolfia Regensburg stammen. (hier)

Den linken kann ich nicht entziffern. Auch wundert mich, daß das Ausrufezeichen auf dem Kopf steht (oder ist es gar ein i?)

Schönes Besteck


Hatte man früher mehr Zeit? Manchmal erscheint es mir so. Für alle wichtigen Dinge im Leben war mehr Zeit übrig als heute und trotzdem hat man eigentlich immer alles geschafft. Vielleicht erscheinen uns heute viele Dinge wichtig, die eigentlich banal und unnötig sind. Unsere Gier nach unmittelbar verfügbarer Information führt letzten Endes dazu, daß man sich kaum noch Zeit für interessante Dinge nimmt und sich stattdessen mit öden Medienfetzen bombardieren lässt.

Viel Zeit sollte man sich auf jeden Fall für die Mahlzeiten nehmen. Wird heute schnell etwas zusammengekochtes eingeschaufelt, während man auf den Fernseher oder das Smartphone schaut, wäre es doch um so vieles schöner, sein Gegenüber und Tischnachbarn stattdessen anzusehen und miteinander zu reden.

Für ein ordentliches Essen ist es allerdings auch notwendig, den Tisch aufwändig und ordentlich zu decken. Bei meiner Oma und den vorhergegangenen Generationen gab es dafür jede Menge Besteck und Geschirr und alles war mit handwerklichem Geschick hergestellt. Für alle Gelegenheiten gab es spezielle Messer, Gabeln, Löffel usw. von denen heute leider nicht mehr viel übrig ist.

Es gab Fischmesser, Buttermesser, Käsemesser, Obstmesser, Brotmesser und und und.

Während ich mir bei diesem Messer ziemlich sicher bin, daß es ein Buttermesser ist:

 

bin ich mir hier nicht mehr so sicher.


Das obere und das untere wahrscheinlich. Das dritte vielleicht, eventuell ist es aber auch ein Messer für weichen Käse, wie Brie oder Camembert. Die meisten Rätsel gibt mir Nummer Zwei auf. Es sieht aus, wie ein Streichmesser, mit dem man Quark oder Frischkäse aus dem Napf auf’s Brot schmieren könnte. Es könnte aber auch ein Roquefort-Messer sein.

Leichter fällt es mir da, euch die Obstmesser vorzustellen:

Ursprünglich waren sie zu sechst und in einem schönen Halter aufgestellt. Von diesen Haltern habe ich irgendwo noch zwei. Sobald sie auftauchen, zeige ich sie euch.

Nach dem Obst wird Gebäck gereicht. Dazu benutzen wir die Gebäckzange:

Ein sehr schönes Teil, wie ich finde.

Sollte es statt Gebäck ein Stück Torte sein, musste der Tortenheber her:

 

Das meiste Besteck war damals aus Silber. Irgendwann kam dann Alpacca, das sogenannte Neusilber dazu. Es sieht fast so gut aus wie Silber, ist viel haltbarer, leichter herzustellen und läuft nicht an. Wer einmal Silberbesteck putzen musste, weiß das zu schätzen. Hier müsste das Silberputztuch noch einmal ans Werk.

 

Schöne Stücke aus Alpacca stehen denen aus Silber im Preis übrigens nichts nach.

Zum Schluß kommt noch ein Tässchen Kaffee oder Mokka, am liebsten mit etwas Zucker gesüßt. Den Zucker nehmen wir uns selbstverständlich nicht mit dem Kaffeelöffel, sondern wir benutzen einen Zuckerlöffel

 

oder, sofern Würfelzucker bereitsteht, greifen wir uns ein Stückchen mittels der Zuckerzange.

 

Nun wisst ihr wieder ein wenig mehr davon, wie man sich bei Tische beträgt. Wenn ihr mal an eine feierliche Tafel geladen seid, denkt auch immer daran, zuerst das am weitesten außen liegende Besteck zu benutzen, das Messer nicht abzulecken, benutztes Besteck nicht für den nächsten Gang aufzuheben und solch eine Mahlzeit nicht zur Sättigung zu nutzen.

Ein Jugendstil-Bierglas


Gefunden und für gut befunden – über dieses Bierglas, das vermutlich aus den 1910er oder 1920er Jahren stammt, gibt es nicht viel zu berichten. Es sieht einfach nur schön aus und schon mein Uropa hat daraus getrunken.

 

Nun steht es bei mir rum und wartet auf den Tag, an dem es runterfällt.

Jugendzeitschriften um 1900


Manchmal finde ich Bücher, deren Wert zu gering ist, um die schlechte Erhaltung mit einer Reparatur zu rechtfertigen. Weiterhin ist auch der Inhalt oft eher uninteressant. So geschehen diesmal, als ich das Buch Thüringer Erzählungen der Arnstädter Schriftstellerin Friederieke Henriette Christiane Eugenie John, einigen bekannt unter ihrem Psedonym Marlitt, das laut Wikipedia für Meine Arnstädter Litteratur steht, fand.

Das Buch wurde in die Bastelkiste getan und dient zur Herstellung von Weihnachssternen, Buchhüllen, Bilderrahmen und ähnlichem Kreativzeug. Lediglich eine Seite habe ich herausgetrennt und möchte sie euch heute vorstellen.

Jeder kennt wahrscheinlich die BRAVO, eine Zeitschrift für unsere heutige Jugend. Wie ich hier schon aufzeigte, gab es die BRAVO allerdings auch schon in den 1950er Jahren. Viel früher, nämlich bereits 1887 gab es zwei Jugendzeitschriften, für die im oben genannten Buch geworben wurde:

Der Gute Kamerad (Wikipedia kennt ihn) – eine Illustrierte Knabenzeitung und als Gegenstück die ebenfalls in Wikipedia vorgestellte Illustrierte Mädchenzeitung Das Kränzchen. Nur wenige von euch werden den Begriff des (Kaffee)kränzchens  noch von der Mutter oder Oma kennen.

Hier nun zu eurer Erbauung die beiden Texte, mit denen um Leser aus den Knaben- und Mädchenreihen geworben wurde – selbstverständlich getrennt.

Für die Knaben:

„Der gute Kamerad“ ist in zahllosen Familien ein unentbehrlicher Ratgeber und treuer Freund geworden. Der Inhalt kann kaum vielseitiger gedacht werden. Erzählungen, spannende Jagdabenteuer, Reisebeschreibungen und fesselnde Plaudereien wechseln ab mit Aufsätzen über Geschichte, Länder-, Völker- und Himmelskunde und mit zahlreichen anderen naturwissenschaftlichen und technischen Beiträgen. Auch das Gebiet der Spiele, Beschäftigungen, Experimente, Rätsel usw. ist sehr reichhaltig.

 

Für die Mädchen:

Mit Freuden begrüßen wir das Erscheinen des neuen Jahrgangs, den wir nach Gediegenheit und Reichhaltigkeit seines Inhaltes zu den vornehmsten Erzeugnissen der Mädchenliteratur zu zählen berechtigt sind. Kaum irgendwo ist wie hier dem Charakter der deutschen Mädchenpsyche in so verständnisinniger Weise Rechnung getragen, nirgends der zarte Boden knospender Jugend so sorgsam gehegt und bewacht. Kaum ein Gebiet, dass zur Veredelung unserer Töchter beitragen könnte, ist außer acht gelassen, und der Zweck einer erbauenden Erholung ist stets gewahrt.

Die nicht ganz so spannende Rückseite wirbt für das von Professor Dr R. Koßmann und Privatdozent Dr. Jul. Weiß herausgegebene Buch Die Gesundheit. ihre Erhaltung, ihre Störungen, ihre Wiederherstellung. Wie wir erfahren, entstand es unter Mitwirkung von 52 ersten ärztlichen Autoritäten (Professoren und Privatdozenten der Universitäten des Deutschen Reiches, Österreich-Ungarns, der Schweiz usw.).

Zu beziehen war das Buch über entweder 40 Einzellieferungen zum Preis von jeweils 60 Pfennig, oder aber bereits gebunden in zwei stattliche Bände für 32 Mark – ein für damalige Zeiten recht stattlicher Preis.

Prospekt für Gesundheit, Wohlergehen und langes Leben


Heute soll es mit einem Prospekt weitergehen.

Dieses schöne Druckwerk fand ich kürzlich zwischen anderen Schriftstücken. Am dunklen Rand auf der Titelseite erkennt ihr, daß es viele Jahre auf dem Dachboden mit einem Buch schräg darauf lag.

 

Auf den ersten Blick dachte ich, es sei ein Kirchenprogramm oder ähnliches christliches Zeug und wollte es schon beiseite packen. Aber wie immer hat die Neugier gesiegt und ich habe reingeschaut:

 

Eine für jedermann sehr wichtige Abhandlung. Das musste natürlich gelesen werden: „Dieses kleine Büchlein wird voraussichtlich Hunderttausenden in unter die Augen kommen, für die der Inhalt von ganz besonderem Interesse sein wird. So wird denn des freundlichen Lesers erste Frage zweifellos dahin gehen, welches der Gegenstand ist, zu dem wir im Folgenden seine Aufmerksamkeit zu lenken wünschen, und der mehr oder weniger schwierigste Teil unserer Aufgabe ist, die Einleitung so abzufassen, daß der Leser die folgenden Seiten nicht nur gleichgiltig durchblättert, sondern aufmerksam studiert.“

Okay, schauen wir doch einmal, was uns der Leserbrief neben dem Bild der kleinen Anna Wingchen zu sagen hat: „Brunsfeld bei Köln, Aachenerstraße 378, den 28. März 1901“ (1901 – wie wir hier schon lernen konnten, gab es in Deutschland schon mehrere Rechtschreibreformen, eine davon 1901. In dieser wurde aus dem Thee der Tee, studirt wurde zu studiert und gleichgiltig hätte meines Wissens auch schon gleichgültig sein sollen.)

Weiter im Brief: „Meine Herren! Meine Tochter Anna, die jetzt 7 Jahre alt ist, litt seit langer Zeit an Lungenröhrenkatarrh und Keuchhusten, sie aß nicht mehr und wurde zusehends von Tag zu Tag schwächer und weniger. Da versuchte ich es mit Scott’s Emulsion und schon nach dem Verbrauch der ersten Flasche konnten wir eine überraschende Besserung bemerken. Nachdem wir nun den Gebrauch eine verhältnismäßig kurze Zeit fortgesetzt hatten, sahen wir deutlich, wie unser Kind sich zusehends besserte und jetzt ißt sie wieder mit Appetit und der Husten und Auswurf haben sich vollständig verloren. Wir können es daher nicht unterlassen, Jedermann Scott’s Emulsion zu empfehlen und Ihnen hiermit unseren besten Dank auszusprechen. Achtungsvoll (gez.) Christian Wingchen“

Okay, Scott’s Emulsion soll es sein. Was verbirgt sich dahinter? Blättern wir um:

 

Auf der linken Seite wird uns die gesundheitliche Wirkung von Leberthran erläutert. Der Autor – von dem wir vermuten dürfen, daß er mit dem Verkauf von Scott’s Emulsion einen Teil seines Lebens zu finanzieren gedachte – versäumt nicht, uns über die beiden Uebelstände des Leberthrans aufzuklären. 1) der widerliche Geschmack, 2) die schwere Verdaulichkeit. Was kann man nur dagegen tun?

Während nun das Problem, diese Schwierigkeiten zu überwinden, allerseits eifrig studiert wurde, brachte ein deutscher Gelehrter die Theorie heraus, dass alle Fette und Oele, die in den Magen kommen, in eine Emulsion umgewandelt werden, ehe sie das Blut aufnehmen kann und dies bringt uns direkt zu dem Hauptteil unserer Abhandlung.

Rechte Seite: Was ist eine Emulsion? Lest euch selbst die Erklärung durch, um zu erfahren, wie eine Emulsion hergestellt wird und woraus sie besteht.

Da es ganz gegen unsere Natur wäre, einem Säugling Butter zu geben, gibt man ihm Milch und erspart ihm die Anstrengung, die Nahrung erst im Magen in eine Emulsion zu verwandeln.

Kuck an!

 

Davon kann die zweijährige Johanna Philipp aus der Bayrischestraße 7 in Leipzig seit dem 25. April 1901 ein Lied singen. (inzwischen hat sie – trotz Scott’s Emulsion – damit aber sicher aufgehört)

Auf dieser Seite erfahren wir nun, daß Scott’s Emulsion das berühmteste Heilmittel ist, daß je in den Handel gekommen ist. Scott’s Emulsion wurde vor mehr als 30 Jahren zuerst hergestellt und hat seitdem den Verbrauch von Leberthran in geradezu unglaublicher Weise gehoben. Scott’s Emulation enthält nicht nur den besten Norweg. Medizinal-Leberthran in einer besonderen Form, sondern die Wirksamkeit desselben ist vergrößert durch die Beifügung von Kalk- und Natron-Hypophosphiten und Glycerin.

 

Bäbchen Baum (hat außer mir noch irgendjemand den Verdacht, daß es sich hier um ausgedachte Leserbriefe handelt?) lässt durch seinen Vater Peter mitteilen: „Köln-Ehrenfeld, Marienstraße 37, den 17. Mai 1901.

Meine Herren! Meine kleine Tochter Bäbchen, die jetzt 15 Monate alt ist, litt vom sechsten Monate an an englischer Krankheit. Das Kind hatte seinen Appetit verloren, und wurde von Tag zu Tag hinfälliger und schwächer, so daß ich mir ernstliche Sorgen um sie machte. Nachdem ich schon verschiedene Mittel erfolglos angewendet, hörte ich von Scott’s Emulsion und schon bei der ersten Flasche bemerkte ich, daß sich der Zustand des Kindes besserte. Ich war in der Tat ganz erstaunt über den raschen Erfolg und setzte die Kur fort und mein Kind hat jetzt seinen Appetit wieder, und ist munter wie alle anderen Kinder. Die Knochen werden kräftiger, und es macht Versuche zu laufen. Die Krankheit meines Kindes ist nun gänzlich gehoben und dies verdanke ich einzig und allein ihrer ausgezeichneten Scott’s Emulsion. Die Kur mit Scott’s Emulsion werde ich ebenfalls mit meinem drei Monate alten Knaben vornehmen. Mit alle Hochachtung zeichnet (gez.) Peter Baum.“

 

Bei Schwindsucht, Skrofulose, Erkältung, Husten, Bronchitis – Scott’s Emulsion heilt alles!

 

Auch Erwachsene sollten ab und zu eine Flasche davon einnehmen.

 

Daß das Präparat hilft, steht außer Zweifel.

Wie sonst könnte sich ein Produkt ohne nennenswerte Veränderungen der Inhaltsstoffe über 150 Jahre am Markt behaupten? Also, Freunde, Weihnachten steht vor der Tür. Geht hinaus, kauft euren Lieben das einzig wahre Geschenk: Scott’s Emulsion. Ihr glaubt mir nicht, daß es das heute noch gibt? Schaut hier und kauft dort!

Liebig Haulshaltungskalender 1902


Bald habe ich sie komplett – die Haushaltungskalender der Firma Liebig’s Fleischextrakt.

Alle vor 1900 erschienen habe ich euch hier schon vorgestellt.

Alle ab 1900 erschienenen gibt es hier.

Jetzt kommt der soeben neu erworbene Kalender aus dem Jahr 1902 dazu.

 

Im schönsten Jugendstil mit geschwungenen Mustern und Blumenranken verziert, hebt er sich von den Vorgängern deutlich ab.

Aber nicht nur der Umschlag ist mit den Mustern versehen, auch innen gibt es viele davon. Vielfalt ist das Schlagwort, denn keins sollte mehr als einmal benutzt werden.

 

Der Jahreskalender steht gleich am Beginn.

 

Die Feiertage und die drei großen Männer, die uns das Fleischextract gebracht haben: Justus von Liebig, Max von Pettenkofer und Carl v. Voit

 

Weiter geht es mit den Monatsblättern. Bitte beachtet die schönen Verzierungen auf der NOTIZEN-Seite:

 

Kann mir jemand erklären, was man früher im September so gemacht hat? Hat man Krieg gespielt?

 

Allerhand nützliche Tipps für jeden Monat:

Damals gab es noch keine Kühlkette, die uns zu jeder Zeit Lebensmittel aus der ganzen Welt geliefert hat. Man musste noch warten, bis das jeweilige Tier, Gemüse oder Obst verfügbar war und hat sich dann entweder den Bauch so vollgeschlagen, daß man das jeweilige Gericht ein Jahr lang nicht mehr sehen konnte, oder man hat durch Einwecken Vorräte angelegt.

 

Und mit dieser kleinen Inhaltsauswahl möchte ich den Blick in das 115 Jahre alte Haushaltsbuch beenden.

Goldschmied-Werbung


Auch früher bekam man Werbung zugeschickt. Nicht anders erging es unserem bereits bekannten Hof-Juwelier und Goldschmied Adolf Tresselt. (ihr kennt ihn und seinen Sohn Arthur von hier) Er erhielt Anfang November 1903 diesen Brief aus Hanau:

 

Herr Zwernemann, seines Zeichens ebenfalls in der Schmuckherstellung tätig, befleißigte sich, die Ergebnisse seiner Kunst zum Kauf feilzubieten.

 

Die beiden beigelegten Musterblätter zeigen uns nicht nur schöne Beispiele der angebotenen Schmuckstücke, sondern lassen auch aus dem Logo mit dem Davidstern schließen, daß Herr Zwernemann Jude war. Und siehe, ein wenig im Internet gesucht und schon findet man interessante Informationen zu Herrn Zwernemann, der offenbar ein berühmter deutscher Schmuckhersteller war. Seht hier, hier (Villa Zwernemann), hier oder eine alte Sotheby’s Auktion hier. In der Deutschen Goldschmiede-Zeitung aus dem VII. Jahrgang 1904 habe ich gefunden, daß eine Stiftung „des Herrn Bijouteriefabrikanten Heinrich Zwernemann daselbst am 1. Juli 1903 errichtet“ wurde. Ebenso war er der einzige deutsche Schmuckfabrikant, der auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis vertreten war.

 

Ach ja, das Anschreiben lag auch noch bei:

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