Saccharin als Zuckerersatz


Schon 1878, also acht Jahre vor Erfindung der ersten Coca-Cola wurde durch Zufall ein Zuckerersatzstoff entdeckt – das Saccharin. Laut Wikipedia 300- bis 700-mal süßer als Zucker und damit viel ergiebiger, wurde es von der Industrie mit offenen Armen empfangen.

So verbreitet bei der Lebensmittelherstellung, wie es heute, in Zeiten überhöhter Zuckeraufnahme Verwendung findet, war es damals nicht. Es eignete sich jedoch hervorragend für Diabetiker, da Saccharin verträglicher war.

Wer es für den heimischen Gebrauch nutzen wollte, konnte Saccharin beispielsweise als Kristall-Süßstoff in kleinen Tütchen kaufen.  

Eineinviertel Gramm Saccharin entsprachen hier 550 Gramm Zucker. Das ist schon eine ganze Menge.

 

Was es mit einer H-Packung auf sich hat, konnte ich noch nicht herausfinden. Es gab Saccharin auch als Süßstoff-Tabletten. Bei denen stand auf der Vorderseite ein großes G. Wer mehr darüber weiß, schreibe einen Kommentar. Update: Ein großes Danke an meinen treuen Leser emcsegler! Er hat herausgefunden, dass Pakete mit dem Aufdruck G für die Zubereitung von Getränken bestimmt waren, das H hingegen angezeigt hat, dass der Inhalt zum Kochen geeignet ist. Wieso? Den Tabletten – in G-Verpackung – war Natron beigemischt, das beim Mitkochen den Geschmack der Speise nachteilig beeinträchtigen kann. Das Pulver in den H-Tütchen enthielt kein Natron. Danke!

Interessant ist die Aufschrift „Genehmigte Inlandspackung“. Hierzu habe ich einiges gefunden. So konnten offenbar einige Produkte nur mit staatlicher Erlaubnis und nur für eine begrenzte Dauer in Verkehr gebracht werden. Seht mal hier (ich hoffe, der Link hält noch eine Weile). Die Genehmigung, eine Süßstoffpackung als Würzmittel in Verkehr zu bringen, musste vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Volkswohlfahrt und Gesundheitswesen erteilt werden.

Eine genaue Datierung des Tütchens ist mir noch nicht gelungen. Es gab diese Aufschrift in den 1920er Jahren, aber auch in den 1930ern. Der Schrift nach würde ich eher in die 1930er tendieren.

 

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Stenographie in Zeiten des Nationalsozialismus


Wieder kommt etwas in der Reihe der Handschriften. Ich muß mich für die Pausen zwischendurch entschuldigen, aber das Transkribieren dauert halt etwas.

Heute habe ich euch ein Übungsheft meiner Großtante rausgesucht. Sie war die Nichte der schon bekannten Tante Toni. Ich möchte gleich zu Beginn darauf hinweisen, dass ich die Ideologie aus dem Inhalt des Heftes nicht unterstütze. Der Beitrag dient der Aufklärung über die damaligen Gegebenheiten, die Durchdringung aller Bereiche des täglichen Lebens und die leichte Beeinflussbarkeit der breiten Masse. Bedauerlicherweise hat ein großer Teil eben dieser breiten Masse auch heute noch nicht dazugelernt.

 

1921 geboren, ging sie im Jahr 1938 – also mit 17 – auf eine Berufsschule, in der sie unter anderem Stenographie lernte.

In dieses Heft hat sie nicht viel mehr als ein Diktat oder eine Übung geschrieben. Das war vermutlich auch noch zu Beginn ihrer Ausbildung, denn nur vereinzelte Stenographieworte sind im Text enthalten. Gut für mich, denn ich kann kein Stenographie lesen. Sollte von euch jemand weiterhelfen können, bin ich über Kommentare sehr dankbar.

Passend zur Zeit wurde das Diktat über ein sehr unschönes Thema geschrieben: den Antisemitismus.

Alle Worte, die ich nicht entziffern kann, habe ich durch ### ersetzt. Vielleicht helft ihr mir, diese ### durch Text zu ersetzen.

17.7.38

Der Jude in Österreich.

Es befinden sich noch 250.000 Juden in Österreich. ### davon sind auch noch viele Mischlinge. Sie haben mit ihrem Gott Jave einen Bund geschlossen. An sich hat der Jude keine Heimat, deshalb will er sich in fremden Ländern ausbreiten. An dem Fremden ###. Die Habsburger waren Ihnen verfallen. Maria Theresia war die Einzige, die sich mit Juden nicht einließ, sie erlaubte Ihnen nicht, sich in ihrem Land aufzuhalten. Um 1300 befand sich schon eine Synagoge in Wien. Beim Prater ist das Judenviertel. Ein Laden am anderen. Sie reißen allen Handel an sich. Nach 1848 fingen sie an, sich auszubreiten, Jave wird ihnen alles geben, was sie nicht geschaffen hatten. Das Getto ist ein Gebiet, wo sich die Juden aufhalten, ihre Wohnung. In denen führt er sein schlechtes Treiben.

Die Ostjuden. Sie flüchteten nach dem Osten und von da sind sie aber wieder in Deutschland eingewandert. Nicht mal 35 % der Presse war in arischen Händen.

Die verjudete Regierung. Nach der Revolution 1918 kamen die Juden in die Regierung. Die Bundesbahn war in Judenhänden. Auch in Musik und Tanz und Theater war er vorherrschend.

 

Auf der unteren Hälfte dieser Seite seht ihr einige Wortübungen. Ich werde wohl ewiger Steno-Analphbet bleiben, denn mir erschließt sich keinerlei System hinter all den Kringeln und Schnörkeln.

 

Der Rest des Heftes wurde drei Jahre später als Haushaltungsbuch genutzt, aus dem ich euch einige Seiten zeigen möchte.

Monat Juni 1941

Brötchen, Kuchen -,47

Fahrgeld 1,-

Creme -,50

Karten -,69  Kaffee -,40  Rundfunk -,50

Sparbuch 10,-   Zigarren 2,50

5.6.  Eis -,50  Bonbons -,45

usw.

 

Juli 1941

Strümpfe 7,09

DAF-Beitrag 2,40  (DAF=Deutsche Arbeits-Front)

Hausschuhe 6,-

Briefmarken 2,-  Sparbuch 11,-

usw.

 

August 1941

Sparbuch 11,-   Strümpfe etc. 2,54

Blumen -,30  Kuchen -,15

DAF 1,20

Most 1,20  Kuchen -,20  Eis -,40

Sauerkirschen 3,50

10 Pfund Bohnen 2,-

 

OktoberHolzschnitzfigurenleim 7,30

Strümpfe 2,35   Käse -,25

Zigaretten 2,40

23.  1 Schlüpfer 2,45

25.  Leitzmann WHW (Winterhilfswerk)

November / Dezember

Grammophonplatten 1,94

4.  Tinte für Weihnachtskarten  -,70

Emaillegeschirr (Weihnachtsgesch.)  5,-

10. Hautgelee  -,45   Briefmarken  1,20

11. Film  1,-,  Hautcreme  -,40,   Porto -,40,  Karte  -,10

Caramelbier -,80

Geburtsanzeigen und Danksagungen  13,- (für meine Tante, die am 16. Dezember geboren wurde. Von ihr habe ich dieses schöne Heftchen. Danke und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!)

Kochbuch für Wilhelmine Herr, Gaggenau, 1867


Wilhelmine Herr hat mir ihr 1867 begonnenes Rezeptbuch hinterlassen. Äußerlich nicht sehr hübsch, wurden alle Rezepte nur in ein gewöhnliches Schreibbuch eingetragen.

 

Wilhelmine Herr – von allen offenbar nur Mina gerufen – wird zu Beginn der Aufzeichnungen um die 20 Jahre alt gewesen sein. Die Handschrift mit der die Rezepte eingetragen wurden, erinnern mich an einen ähnlich sauberen und schwungvollen Schreibstil meiner Urgroßtante Toni Tresselt, die schon mehrfach in meinem Museum aufgetaucht ist. Sie hat alle Liebesbriefe, die überliefert sind, in einer sehr ähnlichen Schrift verfasst.

 

Der einfachen Lesbarkeit halber, habe ich das Pfundzeichen ℔ durch das Wort Pfund ersetzt.

Auch dieses Rezeptbuch beginnt mit den Suppen

Krebssuppe und Kärbelsuppe (sic!)

Krebssuppe – Ziehe den Krebsen die Schwänze aus, stelle sie mit Wasser und Salz, lasse sie einige Mahl kochen, dann werden die Schwänze heraus genommen, dann stoße sie mit einem halben Pfund Butter fein, thue sie in eine Pfanne, dämpfe sie mit einem halben Pfund Butter, hebe die Krebsbutter ab und lasse sie durch ein Haarsieb gelaufen, thue Wekschnitten (Weckschnitten = Brötchenhälften) in Fleischbrühe und thue den Krebsbutter. mache beliebig Knöpfchen (ich glaube, das sind so etwas wie Gnocchi) dazu.

 

Reissuppe – Der Reis wird 2mal ablanschirt (abblanchiert?), alsdann kommt ein Stückchen Butter und 1 Zwiebelchen mit Nägelein (Nelken) besteckt hinzu. Fülle es nach und nach mit Fleischbrühe auf und mache ein Teigchen halb aus Mehl und Fleischbrühe daran. Gersten– und Sagosuppe wird auf die nämliche Art zubereitet und wird Beider leicht ablanschirt und das Teigchen von lauter Mehl gemacht.

 

Saucen

Sardellensauce – die Sardellen werden fein gereinigt und mit einem kleinen Stückchen Butter durch ein Haarsieb getrieben alsdann wird eine Sauce von einem Stückchen Butter und Mehl gelb geröstet und vor dem Anrichten die Sardellen mit etwas Sauce zerdrückt und daran gerührt.

Kräutersauce – 3 Eier werden hart gesotten und das Weiße von dem Gelben losgemacht und fein gewiegt, das Gelbe mit 3 Löffel voll Oel fein zerdrückt, dann kommt ein gewiegter Hering einige gewiegte Charlottenzwiebeln, Petersilie, Senft und mit Wein u. Essig gut untereinander gerührt.

Charlottensauce – Butter und Mehl wird in ein Pfännchen gethan und gelb geröstet, alsdann wird ein gehörige Quantum fein gewiegte Charlottenzwiebeln dazu gethan und wenn sie weich sind mit Essig und Fleischbrühe abgelöscht, glatt gerührt und gut aus kochen lassen.

 

Salat

Italienischer Salat – Zung, Kalbsbraten, Schinken, Aepfel, Häring Werden klein wirfelig geschnitten, dann werden Sardellen fein gewiegt und dazu gethan, nebst Senft, Kartoffelsalat und eingemachten Gurken, dieses Alles wird mit Essig und Oel gut untereinander gemacht. Man verziert ihn mit fein gewiegten Rothrüben, Eiern, Gurgen, Kapern, Oliven und Sardellen ganz nach eigenem Geschmack.

 

Gemüse

Rothkraut – das Kraut wird fein geschnitten, in eine Casseroule Fett gethan, das Kraut darauf nebst einigen Aepfelschnitten und einem Schop. Rothwein nebst etwas Essig.

Bairisches Kraut – das Kraut wird fein geschnitten, in eine Casseroule Fett gethan, Eine kleine Zwiebel hinein geschnitten und gieße Wein und Essig darüber und lasse es weich werden.

Weißkraut – das Kraut wird in Salzwasser abgekocht, und nachher feingewiegt wie ein Mus. Dann thue man Butter und fein gewiegte Zwiebel in eine Casseroule und wenn sie gelb sind Mehl dazu, wenn das Letztere angezogen hat mit Fleischbrühe abgelöscht, das Kraut hinein gethan und Pfeffer Muskatnuss etc. dazu gerieben und gut untereinander gefuhrwerkt.

Gelbrüben resp. Galgennägel – Die Gelbr. werden in längliche Stückchen geschnitten. In eine Casseroul thut man Butter und gewiegte Zwiebel, die Gelbrüben darauf gethan nebst Peterlung, Zuker, Salz und Muskatnuß und aufs Feuer gestellt. Wenn sie weich sind mache eine Buttersauce und thue sie hinein.

 

Schwarzwurzel – die Wurzeln werden geputzt und in längliche Stückchen geschnitten, man muss aber in die Schüssel wo sie hinein geputzt werden ein Teigchen von Mehl und Essig machen und dann mit Wasser auffüllen. Alsdann werden sie mit Salzwasser aufs Feuer gestellt. Wenn sie weich sind wird eine Buttersauce gemacht die Wurzeln hinein gethan und vor dem  Anrichten legirt.

Einige Zettel lagen zwischen diesen Seiten.

Bärentazen – ½ Pfund Zucker wird mit 3 großen Eierweiß zu Schnee eine Zeit gerührt, allsdann ½ Pfund geriebene Mandeln, ½ Loth Zimmt, 6 Loth geriebene Chocolade, den Saft und die Schale einer halben Citrone. Man nimmt sich Mandelmehl, Zucker, macht Kügelchen daraus welche man in das Muschelförmchen welches mit Zucker ausgestreut ist einzudrückt.

 

Butterhagen – ¼ Pfund Butter, ½ Pfund Mehl, 6 Loth Zucker, das abgeriebene einer Citrone, Alles dies wird mit 3 Eigelb auf dem Brett gut durcheinander geschafft, Hagen daraus gemacht und mit Eiweiß gestrichen. Wer’s liebt kann sie mit gröblich gestoßenem Zucker oder mit geschnittenen Mandeln bestreuen.

 

Leberknöpfle – Wenn die Leber ganz fein gehakt ist, dann wird sie in eine Schüssel gethan. Zwiebel werden fein geschnitten und mit Butter gebrannt. Weke nach Maß werden in Wasser eingetaucht und wenn sie weich sind ausgedrückt, Majoran, Pfeffer, Mehl, Eier, Salz, Muskatnuß alles dies untereinander gearbeitet. Knöpfeln mit dem Löffel ins Wasser gelegt und wenn sie gekocht sind mit Butter und Reibbbrod abgeschmelzt.

Reis – Der Reis wird zweimal ablangirt und mit Fleischbrühe einem Rosenknöpfchen und Parmasant oder Schweizerkäs weich gekocht. Gewohnlich servirt man Poularden dazu.

 

Kartoffelknöpf – Die Kartoffel werden gekocht, gerieben, nebst 2 in Milch eingetauchte Weke, welche vorher in kleine Würfel geschnitten wurden, alsdann wird Butter und Zwiebel gelb geröstet, nebst Peterling etwas zu einem halben Mäßlein Mehl, Majoran, Muskatnuß, Salz und mit 10 Eier leicht untereinander geschafft, im Salzwasser abgekocht auf eine Platte angerichtet und mit Butter abgeschmelzt.

Schinkennudeln – Die Nudelkuchen werden gemacht wie die andere. Es wird Schinken fein gewiegelt, dann kommt Rahm und Pamesentkas daran. Jetzt kommen zuerst Nudeln in eine Schüssel dann die Hälfte von dem Schinken, eine Lage ist Nudeln die andere Hälfte Schinken und noch eine Lage Nudeln oben, darauf Reibrod (Reibbrot) darauf gestreut und mit etwas Butter im Offen gelb gebaken.

 

Prieschen (Brieschen = Kalbsgehacktes) – Die Prieschen werden in kaltes Wasser gelegt, daß das Heutige (häutige) davon weggeht, alsdann werden sie wie Reis zweimal ablengirt und nehme sie heraus und reinige sie, dann lege sie in eine Caßeroule mit Butter und allem Gewürz und lasse sie weich dämpfen und gebe folgende Sauce dazu: Röste Mehl mit Butter braun, lösche es mit Wein ab und verdünne es mit Fleischbrühe. Man kann auch eine weiße Sauce dazu machen, welche mit Rahm und Eigelb legirt wird.

Hamelbrust (beachtet den Strich über dem m, der eine Verdopplung anzeigt; also Hammelbrust) – Sie wird ausgebeint und in Salzwasser mit etwas Knoblauch weich gekocht, dann im Ei und Weißmehl gedunkt und mit einem Stück Butter gebraten. Man kan (wieder mit Strich über dem n! – im weiteren Text ersetze ich der Lesbarkeit halber den Buchstaben mit Überstrich durch den entsprechenden Doppelbuchstaben) sie auch füllen.

Kalbsfüß und Kopf – wird auf die nämliche Art zubereitet nur wird der Knoblauch weggelassen. In einem gebrühten Teig schmeken sie auch gut nur müssen Sie dann in schwimmendem Schmalz gebacken werden.

 

Wieder lag ein Zettel zwischen den Seiten. Diesmal eine Werbung für Liebig’s selbstthätiges Backmehl mit dem man unter anderem auch Brod backen kann. Mehl, das ohne Hefe aufgeht bekommt man als selbstgehendes Mehl auch heute noch zu kaufen. Es ist besonders in England sehr verbreitet.

Die Schreibweise der Worte Brod, Schaale einer Citrone oder ächt lässt den Zettel auf eine Zeit vor 1901, also vor die Rechtschreibreform datieren.

Die Rückseite wirbt für Liebig’s Puddingpulver um einen vorzüglichen Pudding ohne Eier zum halben Preise und ohne grosse Mühe zu bereiten.

 

 

Wildenten – Die Enten werden ausgenommen mit Pfeffer und Salz ausgerieben und gut abgewaschen. Man stellt sie mit Butter und allem Gewürz aufs Feuer und löscht sie mit Fleischbrühe ab.

Füllet (Filet?) zu kleinen Fleischpastetchen – Charlottenziebel fein gewiegt werden in Butter gedämpft, dann kommt fein gewiegtes Fleisch hinzu nebst Peterling, Muskatnuß, Salz, Kapern und Fleischbrühe lasse es noch ein wenig miteinander dämpfen, fülle die Pastetchen damit und stelle sie noch einmal in den warmen Ofen.

Broschirte (pochierte) Eier – Fülle die Hälfte der Caßeroule mit Wasser, sodann Essig und Salz bis es worschmeckt, thue dann die Eier hinein fallen lassen aber acht geben, daß sie nicht zerfallen, lasse einige Wall darüber kochen, dann sind sie fertig.

 

Stockfische – werden auf dieselbe Art zubereitet (Schellfisch) nur werden sie mit Zwiebel abgeschmeckt und Muskatnuß darauf gerieben.

Gebakene Birsching (?) – wenn sie sauber geputzt sind werden sie tüchtig gesalzen zuerst in Mehl dann in Ei und Reibbrod gedunkt und in Schmalz gebaken.

Gedämpfter Hecht – der Hecht wird geputzt dressirt in eine Pfanne gesetzt, nebst fein gewiegelten Charlottenzwiebel, Butter, Peterling, Muskatnuß, Salz, fein gewiegelten Sardellen, Zitronen, Lorbeerblatt und in den Ofen gestellt, wenn er bald weich ist wird er mit Wein abgelöscht, später kommt noch Rahm und ein wenig Sauce wie zum eingemachten Kalbfleisch mit Kapern dazu. Man kann die Sauce auch hinweglassen.

Salmen – Er wird mit einer Flasche rothen Wein, 4 in Scheiben geschnittenen Zwiebel, etwas ganzer Pfeffer, einige Nelken, 1 Scheibe Zitrone nebst Salz und Pfeffer und bis es darüber geht, lasse es kochen bis er weich ist. Man kann sie hernach mit Schellfisch abschmelzen, 2 kalt geben oder 3 mit einer sauren Sauce.

 

Krebse abzufinden – man zieht Ihnen bloß die Schwänze aus, von denen hängt ihr ganzes Leben. Dann stelle sie mit Wasser, Essig, Salz, Lorbeerblatt, Zitron, Zwiebeln einen Priß Kümmel und einem Stückchen Butter aufs Feuer. Das Wasser muss über die Krebse hinausgehen und einige Wall kochen bevor man sie anrichten kann.

 

Markknöpf (Markklößchen) – Ochsenmark wird ausgelassen und mit einem Stückchen Butter recht schäumig gerührt, dann kommt ein Ei, Reibbrod, einen Priß Salz, Muskatnuß daran. Kugeln daraus gemacht in der Fleischbrühe aufgekocht. Gewöhnlich gibt man sie zu Brodsuppe.

Butterknöpf (Gnocchi) – Ein Viertel Pfund Butter wird weiß gerührt, dann schlagt man ein Ei daran und ein Löffel voll Mehl und so fort bis drei Eier gar sind. Mein reibt Muskatnuß und Salz daran und kocht sie in der Fleischbrühe.

Gezupfte Knöpflein – 3 Milchbrod (Milchbrötchen) wird das Innere herausgezupft, ¼ Pfund Butter weiß gerührt, drei Eier nach einander hinein geschlagen, Salz, Muskatnuß. Das Weiche vom Milchbrod mit diesem überschlagen, rund geformt und in Fleischbrühe gekocht.

 

Ruhmsauce claire (die alte Schreibweise ist eigentlich Rhum) – Ein Schoppen weißen Wein wird ans kochen gebracht mit ungefähr ¼ Pfund Zucker, einer Scheibe Zitron und eine einem Stück ganzen Zimmt, wenn er ziemlich heiß ist, so daß er schäumt, wird der Schaum abgenommen und durch ein feines Sieb geseihet, wo man den Ruhm dann dazu thut. Man rechnet zu einem Schoppen Wein ¼ Schoppen Ruhm doch hängt dieser sehr vom Geschmack ab, ob man ihn stark oder schwach liebt. Die Sauce muß hell und sehr klar sein und wird immer sehr heiß servirt. Nur ist u bemerken, daß sie nicht mehr kochen darf wenn der Ruhm dabei ist.

Weinschetto (Weinchaudeau) – 1 Kochlöffel Mehl wird mit Wasser angerührt, 4 ganze Eier, 4 Eigelb, 1 Schoppen Wein, Zuker bis es süß genug ist, Citrone nach Geschmack. Diese Masse wird auf dem Feuer so lange gestrudelt, bis sie kocht. Man darf sie erst kochen wenn sie dann gleich auf den Tisch kommt.

 

Griespuding (Grießpudding) – ¼ Pfund Gries, ½ Viertel Pfund Butter, ein Schoppen Milch werden miteinander gekocht bis es von der Cahseroule los geht und weich ist, alsdann in eine Schüssel geschüttet und erkalten lassen. Später rühren mit 6 Eigelb, Zitronat, Pomeranzenschale oder geschälte fein gewiegelte Mandeln, Zuker bis es süß genug ist nebst einem Gläschen Rum, und Zitron eine Stunde lang. Schlage das Weiße zu Schnee menge ihn leicht darunter und koche in eine Stunde ununterbrochen fort.

Milchbrodpuding – 3 Milchbrode werden abgerieben und in feine Scheiben geschnitten in eine Pfanne gethan nebst einem ¼ Pfund Butter und einem ½ Schoppen Milch und beständig auf dem Feuer darin gerührt bis es sich von der Pfanne loslößt. Diese Masse wird mit 5-6 Eigelb eine Stunde gerührt. Das Weiße zu Schnee geschlagen darunter gemengt und eine Stunde kochen lassen. Man thut gewöhnlich Rosinen, Zibeben (süddeutsch für Rosinen mit Kernen; wichtige Zutat zum Tokajer Wein) und geschälte fein gewiegte Mandeln oder auch Zitronat und Orangeat hinein.

 

Brodpuding – ¼ Pfund Zucker mit acht Eigelb eine Stunde gerührt, eine schwache Handvoll Zitronat und Pomeranzenschale, 1 Messerspitze Nelken, ein Loth Zimmt, 8 Stück in Rothwein und etwas Rum angefeuchtetes fein gestoßenes Schwarzbrod dazu gethan, das Weiße zu Schnee geschlagen in eine Form gethan und gekocht oder gebaken.

 

Mandelpuding – ¼ Pfund geschälte fein gewiegte Mandeln werden mit 6 Eigelb und einem ¼ Pfund Zucker dick gerührt, alsdann feuchte 2½ Milchbrode mit Rum anund menge es darunter, schlage den Schnee und koch ihn 1 Stunde lang.

 

Wanillcrème – 1½ Schoppen Milch werden mit einem Stückchen Wanill aufgekocht, nebst einem ½ viertel Zuker, dann lässt man 2 Stück Scheladin (Gelatine) aufkochen und schüttet es zu dem Gekochten passiert es durch ein Haarsieb, rührt 10 Eigelb daran, nimmts aufs Feuer, rührt darin bis die Eier angezogen haben, dann rührt man es bis es beinahe kalt ist, schüttet es an die mit süß Mandelöl bestrichene Form und stellt es in Eis so man hat.

 

Apfeltorte – von einem guten Butterteig wird der Boden ausgewallt, und auf eine ein flaches Blech gelegt, es kommen außen zwei Ränder aufeinander und die gekochten Aepfeln hinein, dann Riemen untereinander verschlungen darauf gelegt und nochmals zwei Ränder oben drauf. Der Kuchen wird mit Ei bestrichen und recht schön gebaken.

Linzertorte – ½ Pfund gestoßene ungesüßte Mandeln, ½ Pfund Zucker, ½ Pfund Mehl, ein starker Wieding (?) Butter,¼ Pfund Zitronat und Pommeranzenschalen, das abgeriebene einer Zitrone, ein Stück Zimmt, Messerspitze Nelken, ein Ei, Muskatnuß, ¼ Schoppen Wein auf das Brett genommen und tüchtig durcheinander gearbeitet. Das Drittel der des Teiges wird auf ein Papier ausgewallt und in ein Blech gelegt und mit Confutures (Konfitüre?) überstrichen. Vom anderen Teig Warkel (?) gemacht und aufeinandergelegt wie Figur zeigt und zuletzt mit Eiweiß gestrichen.

 

Die folgenden Seiten transkribiere ich euch auf Wunsch später. Sonst komme ich hier gar nicht mehr zu einem Ende. So viele Rezepte, von denen ich euch nur eine Auswahl gezeigt habe.

 

Die letzten beiden Seiten sind entweder von anderer Hand oder Jahre später von Wilhelmine verfasst worden.

Kalte Puddings

 

Offenbacher Pfeffernüsse

 

Bekommt man da nicht Lust, alte Rezepte neu nachzukochen? Wenn es jemand versucht, schreibt doch einen Kommentar!

Maggi – gekörnte Brühe – Mini-Dose


Neben Liebig’s Fleischextrakt gehören auch andere traditionsreiche Küchenmarken zu meinem Interessengebiet. Maggi ist eine von ihnen und meine treuen Leser erinnern sich sicher noch an den Artikel Moggi, Miggi, Muggi – Maggi.

Heute hat meine große Maggi-Blechdose

 

noch eine kleine Schwester bekommen:

 

Während in der großen Dose Brühwürfel lagerten, war diese für gekörnte Brühe.

 

Die Gebrauchsanweisung ist auf der Seite aufgedruckt:

 

Der deutsche Stammsitz der schweizerischen Maggi befand und befindet sich in Singen (Hohentwiel). Im Jahr 1912 wurde hier der erste Tarifvertrag in einer Firma der deutschen Ernährungsindustrie abgeschlossen, weiß Wikipedia.

 

Diese Dose dürfte aus den 1950/1960ern stammen.

Serviettenringe


Werden in eurem Haushalt Serviettenringe benutzt? Ich fürchte, es ist heutzutage schon etwas besonderes, wenn überhaupt Stoffservietten verwendet werden.

Früher lagen bei meiner Oma selbst an Wochenenden, an denen kein Besuch zum Essen kam, Stoffservietten neben den Tellern. Und sie wurden hübsch eingerollt und in einen Serviettenring gesteckt.

Zwei von ihnen möchte ich euch heute zeigen. Der untere ist durch seine ungewöhnliche Form sehr interessant anzusehen. Der obere hingegen wurde mit einem umlaufenden Motiv verziert.

Und schließlich das Monogramm meines Urgroßvaters.01

 

ein Streulöffel


Es gibt wieder einen Flohmarktfund.

 

Dieser hübsche Löffel aus Alpacca gibt mir einige Rätsel auf.

Wofür mag er gedient haben?

Es gab die Vermutung des Verkäufers und eines Freundes, daß es sich um einen Puderzuckerlöffel handelt. Das glaube ich nicht. Jeder, der einmal Puderzucker aus einem Gefäß entnommen hat, weiß, daß er nur teilweise pudrig daherkommt. Meist ist er von der Luftfeuchtigkeit recht klumpig. Und in einer Zuckerdose, aus der dieser Löffel herausschauen würde, wäre die Luftfeuchtigkeit sehr hoch.

Andere nahmen an, man hätte mit diesem Löffel Tee aus der Tasse bzw. dem Teeglas geholt und abtropfen lassen. Das würde zwar mit einem Teebeutel gehen, wäre aber unpraktisch.

Meine Vermutung geht mehr zu grobkörnigem Streugut. Man könnte normalen Zucker auf den Löffel schaufeln und anschließend, leicht nach hinten geneigt, durch die Löcher auf das Essen streuen. Außer Kartoffelpuffer fällt mir allerdings kaum ein Essen ein, auf das man Zucker streuen wollte. Würde man hingegen Salz nehmen, könnte man es sich auf Salat, Tomaten, Gurken u.v.m. streuen, ohne wie sonst üblich mit drei Fingern Salz aus einem Schälchen zu nehmen. Alternativ wäre natürlich ein Salzstreuer zu empfehlen. Ist es also ein Salzstreulöffel, ein Zuckerstreulöffel oder etwas ganz anderes?

Ihr seht, eine endgültige Lösung habe ich noch nicht gefunden. Wer also eine Idee hat, schreibt am besten einen Kommentar.

Studentenporzellan


Als vorläufigen Abschluss meiner Studentika-Reihe möchte ich euch heute noch die Sachen vorstellen, die auf dem Tablett wohnen, das es im gestrigen Artikel zu bestaunen gab.

Wie alle anderen Studentika stammen auch die heutigen Geschirrteile aus der Studentenzeit meines Uropas.

Die Kaffeekanne soll den Anfang machen. So wie auch das gestrige Tablett wird alles heute vorgestellte aus der Zeit kurz nach 1900 stammen. Zwischen 1890 und 1910 war der Jugendstil auf der Höhe seiner Blüte. Ob man diese Kanne allerdings in den Jugendstil einordnen kann, bezweifle ich. Dazu ist sie zu wenig beblumt und verornamentet. Zum Vergleich schaut hier. Einzig der abgebildete Zirkel ist sehr schön aus Ranken dargestellt.

Als nächstes gibt es die Kaffeetasse zur Kanne.

 

und in den Kaffee den Zucker aus der Zuckerdose

 

und die Sahne aus dem Sahnekännchen

 

Die dazugehörige Zuckerzange und Kaffeelöffel habe ich euch nicht fotografiert. Sie sehen aber den vor einigen Tagen vorgestellten sehr ähnlich und sind ebenfalls aus Silber.

Für alle Porzellanfans: auf der Unterseite ist leider keinerlei Marke zu finden.

Opel-Mehl


Daß der Name Opel früher für mehr, als Autos stand, wisst ihr spätestens seit meinem Artikel über Opel-Fahrräder (hier) und Opel-Zwieback (hier). Ein aufmerksamer Besucher meines Museums hat bei sich eine Dose auf diesem Bild

wiedererkannt und mir freundlicherweise zukommen lassen. Schaut mal links oben.

So sieht sie aus:

 

Zwar sind die Papieretiketten im Lauf der Zeit abgefallen, aber ich habe mal nachgewogen: es passen ca. 340g Weizenmehl hinein. Meine Vermutung ist, daß Kindermehl eher leichter ist und wir hier die kleine Dose zum Preis von RM 0,89 vor uns haben.

Schönes Besteck


Hatte man früher mehr Zeit? Manchmal erscheint es mir so. Für alle wichtigen Dinge im Leben war mehr Zeit übrig als heute und trotzdem hat man eigentlich immer alles geschafft. Vielleicht erscheinen uns heute viele Dinge wichtig, die eigentlich banal und unnötig sind. Unsere Gier nach unmittelbar verfügbarer Information führt letzten Endes dazu, daß man sich kaum noch Zeit für interessante Dinge nimmt und sich stattdessen mit öden Medienfetzen bombardieren lässt.

Viel Zeit sollte man sich auf jeden Fall für die Mahlzeiten nehmen. Wird heute schnell etwas zusammengekochtes eingeschaufelt, während man auf den Fernseher oder das Smartphone schaut, wäre es doch um so vieles schöner, sein Gegenüber und Tischnachbarn stattdessen anzusehen und miteinander zu reden.

Für ein ordentliches Essen ist es allerdings auch notwendig, den Tisch aufwändig und ordentlich zu decken. Bei meiner Oma und den vorhergegangenen Generationen gab es dafür jede Menge Besteck und Geschirr und alles war mit handwerklichem Geschick hergestellt. Für alle Gelegenheiten gab es spezielle Messer, Gabeln, Löffel usw. von denen heute leider nicht mehr viel übrig ist.

Es gab Fischmesser, Buttermesser, Käsemesser, Obstmesser, Brotmesser und und und.

Während ich mir bei diesem Messer ziemlich sicher bin, daß es ein Buttermesser ist:

 

bin ich mir hier nicht mehr so sicher.


Das obere und das untere wahrscheinlich. Das dritte vielleicht, eventuell ist es aber auch ein Messer für weichen Käse, wie Brie oder Camembert. Die meisten Rätsel gibt mir Nummer Zwei auf. Es sieht aus, wie ein Streichmesser, mit dem man Quark oder Frischkäse aus dem Napf auf’s Brot schmieren könnte. Es könnte aber auch ein Roquefort-Messer sein.

Leichter fällt es mir da, euch die Obstmesser vorzustellen:

Ursprünglich waren sie zu sechst und in einem schönen Halter aufgestellt. Von diesen Haltern habe ich irgendwo noch zwei. Sobald sie auftauchen, zeige ich sie euch.

Nach dem Obst wird Gebäck gereicht. Dazu benutzen wir die Gebäckzange:

Ein sehr schönes Teil, wie ich finde.

Sollte es statt Gebäck ein Stück Torte sein, musste der Tortenheber her:

 

Das meiste Besteck war damals aus Silber. Irgendwann kam dann Alpacca, das sogenannte Neusilber dazu. Es sieht fast so gut aus wie Silber, ist viel haltbarer, leichter herzustellen und läuft nicht an. Wer einmal Silberbesteck putzen musste, weiß das zu schätzen. Hier müsste das Silberputztuch noch einmal ans Werk.

 

Schöne Stücke aus Alpacca stehen denen aus Silber im Preis übrigens nichts nach.

Zum Schluß kommt noch ein Tässchen Kaffee oder Mokka, am liebsten mit etwas Zucker gesüßt. Den Zucker nehmen wir uns selbstverständlich nicht mit dem Kaffeelöffel, sondern wir benutzen einen Zuckerlöffel

 

oder, sofern Würfelzucker bereitsteht, greifen wir uns ein Stückchen mittels der Zuckerzange.

 

Nun wisst ihr wieder ein wenig mehr davon, wie man sich bei Tische beträgt. Wenn ihr mal an eine feierliche Tafel geladen seid, denkt auch immer daran, zuerst das am weitesten außen liegende Besteck zu benutzen, das Messer nicht abzulecken, benutztes Besteck nicht für den nächsten Gang aufzuheben und solch eine Mahlzeit nicht zur Sättigung zu nutzen.

Prospekt für Gesundheit, Wohlergehen und langes Leben


Heute soll es mit einem Prospekt weitergehen.

Dieses schöne Druckwerk fand ich kürzlich zwischen anderen Schriftstücken. Am dunklen Rand auf der Titelseite erkennt ihr, daß es viele Jahre auf dem Dachboden mit einem Buch schräg darauf lag.

 

Auf den ersten Blick dachte ich, es sei ein Kirchenprogramm oder ähnliches christliches Zeug und wollte es schon beiseite packen. Aber wie immer hat die Neugier gesiegt und ich habe reingeschaut:

 

Eine für jedermann sehr wichtige Abhandlung. Das musste natürlich gelesen werden: „Dieses kleine Büchlein wird voraussichtlich Hunderttausenden in unter die Augen kommen, für die der Inhalt von ganz besonderem Interesse sein wird. So wird denn des freundlichen Lesers erste Frage zweifellos dahin gehen, welches der Gegenstand ist, zu dem wir im Folgenden seine Aufmerksamkeit zu lenken wünschen, und der mehr oder weniger schwierigste Teil unserer Aufgabe ist, die Einleitung so abzufassen, daß der Leser die folgenden Seiten nicht nur gleichgiltig durchblättert, sondern aufmerksam studiert.“

Okay, schauen wir doch einmal, was uns der Leserbrief neben dem Bild der kleinen Anna Wingchen zu sagen hat: „Brunsfeld bei Köln, Aachenerstraße 378, den 28. März 1901“ (1901 – wie wir hier schon lernen konnten, gab es in Deutschland schon mehrere Rechtschreibreformen, eine davon 1901. In dieser wurde aus dem Thee der Tee, studirt wurde zu studiert und gleichgiltig hätte meines Wissens auch schon gleichgültig sein sollen.)

Weiter im Brief: „Meine Herren! Meine Tochter Anna, die jetzt 7 Jahre alt ist, litt seit langer Zeit an Lungenröhrenkatarrh und Keuchhusten, sie aß nicht mehr und wurde zusehends von Tag zu Tag schwächer und weniger. Da versuchte ich es mit Scott’s Emulsion und schon nach dem Verbrauch der ersten Flasche konnten wir eine überraschende Besserung bemerken. Nachdem wir nun den Gebrauch eine verhältnismäßig kurze Zeit fortgesetzt hatten, sahen wir deutlich, wie unser Kind sich zusehends besserte und jetzt ißt sie wieder mit Appetit und der Husten und Auswurf haben sich vollständig verloren. Wir können es daher nicht unterlassen, Jedermann Scott’s Emulsion zu empfehlen und Ihnen hiermit unseren besten Dank auszusprechen. Achtungsvoll (gez.) Christian Wingchen“

Okay, Scott’s Emulsion soll es sein. Was verbirgt sich dahinter? Blättern wir um:

 

Auf der linken Seite wird uns die gesundheitliche Wirkung von Leberthran erläutert. Der Autor – von dem wir vermuten dürfen, daß er mit dem Verkauf von Scott’s Emulsion einen Teil seines Lebens zu finanzieren gedachte – versäumt nicht, uns über die beiden Uebelstände des Leberthrans aufzuklären. 1) der widerliche Geschmack, 2) die schwere Verdaulichkeit. Was kann man nur dagegen tun?

Während nun das Problem, diese Schwierigkeiten zu überwinden, allerseits eifrig studiert wurde, brachte ein deutscher Gelehrter die Theorie heraus, dass alle Fette und Oele, die in den Magen kommen, in eine Emulsion umgewandelt werden, ehe sie das Blut aufnehmen kann und dies bringt uns direkt zu dem Hauptteil unserer Abhandlung.

Rechte Seite: Was ist eine Emulsion? Lest euch selbst die Erklärung durch, um zu erfahren, wie eine Emulsion hergestellt wird und woraus sie besteht.

Da es ganz gegen unsere Natur wäre, einem Säugling Butter zu geben, gibt man ihm Milch und erspart ihm die Anstrengung, die Nahrung erst im Magen in eine Emulsion zu verwandeln.

Kuck an!

 

Davon kann die zweijährige Johanna Philipp aus der Bayrischestraße 7 in Leipzig seit dem 25. April 1901 ein Lied singen. (inzwischen hat sie – trotz Scott’s Emulsion – damit aber sicher aufgehört)

Auf dieser Seite erfahren wir nun, daß Scott’s Emulsion das berühmteste Heilmittel ist, daß je in den Handel gekommen ist. Scott’s Emulsion wurde vor mehr als 30 Jahren zuerst hergestellt und hat seitdem den Verbrauch von Leberthran in geradezu unglaublicher Weise gehoben. Scott’s Emulation enthält nicht nur den besten Norweg. Medizinal-Leberthran in einer besonderen Form, sondern die Wirksamkeit desselben ist vergrößert durch die Beifügung von Kalk- und Natron-Hypophosphiten und Glycerin.

 

Bäbchen Baum (hat außer mir noch irgendjemand den Verdacht, daß es sich hier um ausgedachte Leserbriefe handelt?) lässt durch seinen Vater Peter mitteilen: „Köln-Ehrenfeld, Marienstraße 37, den 17. Mai 1901.

Meine Herren! Meine kleine Tochter Bäbchen, die jetzt 15 Monate alt ist, litt vom sechsten Monate an an englischer Krankheit. Das Kind hatte seinen Appetit verloren, und wurde von Tag zu Tag hinfälliger und schwächer, so daß ich mir ernstliche Sorgen um sie machte. Nachdem ich schon verschiedene Mittel erfolglos angewendet, hörte ich von Scott’s Emulsion und schon bei der ersten Flasche bemerkte ich, daß sich der Zustand des Kindes besserte. Ich war in der Tat ganz erstaunt über den raschen Erfolg und setzte die Kur fort und mein Kind hat jetzt seinen Appetit wieder, und ist munter wie alle anderen Kinder. Die Knochen werden kräftiger, und es macht Versuche zu laufen. Die Krankheit meines Kindes ist nun gänzlich gehoben und dies verdanke ich einzig und allein ihrer ausgezeichneten Scott’s Emulsion. Die Kur mit Scott’s Emulsion werde ich ebenfalls mit meinem drei Monate alten Knaben vornehmen. Mit alle Hochachtung zeichnet (gez.) Peter Baum.“

 

Bei Schwindsucht, Skrofulose, Erkältung, Husten, Bronchitis – Scott’s Emulsion heilt alles!

 

Auch Erwachsene sollten ab und zu eine Flasche davon einnehmen.

 

Daß das Präparat hilft, steht außer Zweifel.

Wie sonst könnte sich ein Produkt ohne nennenswerte Veränderungen der Inhaltsstoffe über 150 Jahre am Markt behaupten? Also, Freunde, Weihnachten steht vor der Tür. Geht hinaus, kauft euren Lieben das einzig wahre Geschenk: Scott’s Emulsion. Ihr glaubt mir nicht, daß es das heute noch gibt? Schaut hier und kauft dort!

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