Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, …


…, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.

So steht es in der Bibel. Und wie so oft, gibt es in diesem Buch einige Unwahrheiten, Flunkereien oder – wie in diesem Fall – schlichtweg einen Übersetzungsfehler.

Gamla heißt auf Aramäisch Kamel. Ein ähnliches Wort, das eigentlich im Urtext stand, ist Gamta – und das bedeutet nichts anderes als „Seil“. Und kaum liest man „Eher geht ein Seil durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ macht es plötzlich Sinn. Durch so viel Dilettantismus bei der Überlieferung eigentlich unveränderbarer Texte ist es letztlich zu Kriegen gekommen. Da hat es der Islam schon besser geregelt: nur die arabische Urform des Koran gilt und jede Übersetzung ist eigentlich verboten. So vermeidet man Fehlinterpretationen, (aber offenbar auch keine Kriege).

Wer also etwas beschreiben möchte, ohne es zu kennen, sollte sich vorher informieren. Das gleiche gilt übrigens auch, wenn man etwas zeichnen möchte, das man nicht kennt. So geschehen bei der Illustration eines alten Tierbuches. Ich wage zu bezweifeln, dass der Künstler schon einmal ein Kamel gesehen hat.

Und wer jetzt mit gefährlichem Halbwissen daherkommt und meint: „Das ist aber ein Dromedar, weil es nur einen Höcker hat. Kamele haben zwei!“, dem schleudere ich ein entschiedenes „Falsch!“ entgegen.

  • Kamel = Familie der Paarhufer
    • Altweltkamele
      • Dromedar = Ein Höcker
      • Trampeltier (!!) = Zwei Höcker

Falls mir jemand bei der Suche nach dem Buch helfen möchte, aus dem die Seite stammt, für denjenigen habe ich hier noch die Rückseite:

Ich würde auf eine Zeit vor 1870 tippen.

Werbeanzeigen

Wie werde ich Werbegrafiker?


Nachdem ich mehrere Jahre für ihn gearbeitet habe, hat mir mein ehemaliger Chef verraten, dass sein Großvater einer der wohl berühmtesten Werbegrafiker Deutschlands war. Von meiner geneigten Leserschaft wird ihn kaum jemand kennen, aber einige seiner berühmten Plakate aus den Jahren vor 1920 habt ihr bestimmt schon einmal gesehen. Das eMuseum Zürich hat hier einige zur Ansicht. Leider starb Lucian, der eigentlich Emil hieß schon 1972 in New York. Sein Sohn, ebenso wie sein Enkel – mein Chef – in Upstate New York geboren, haben sich die deutsche Sprache erhalten und ich konnte einige fröhliche Stunden mit beiden verbringen, nicht zuletzt, weil wir im selben Haus gewohnt haben.

Wie schwierig es ist, Werbung so zu gestalten, dass der Betrachter im Bruchteil einer Sekunde bereit ist, seine Aufmerksamkeit darauf zu lenken und – best of all – sich für das Produkt zu begeistern und später daran zu erinnern, kann sich kaum jemand der Werbekonsumenten vorstellen.

Ich habe euch heute eine Originalzeichnung eines Schülers herausgesucht, der sich zum Werbegrafiker hat ausbilden lassen. Die Zeichnung steckt noch in den Anfangsschwierigkeiten fest.

Technisch vielleicht ganz gut – oder wie der Lehrer vermerkte: „Meist gut“. Die Schattierung ist noch nicht ganz korrekt und das Produkt verhältnismäßig klein geraten.

Am 25.10.1907 hat er sein Glück versucht.

Da man über Fritz Ehrhardt nichts findet, kann seine Karriere nicht so beeindruckend gewesen sein, wie die von Emil Kahn, der sich allerdings Lucian Bernhard nannte und auch nur unter diesem Namen bekannt ist.

Was hat Herr Ehrhardt eigentlich beworben? Eine (fiktive?) Streichholzmarke namens Ankerkron. Hat davon schon jemand gehört? Ich nicht.

Ich werde die Wasserfarben-und-Bleistiftzeichnung nun mit Sprühfirnis etwas konservieren, damit die Bleistiftschraffuren nicht verwischen. Was ich dann damit mache, weiß ich noch nicht. Ihr könnt sie ja hier jederzeit anschauen.

Raminagrobis und Cadet Roussel


Wer Franzose ist oder in Frankreich gelebt hat – vorzugsweise als Kind – mag unsere beiden heutigen Helden kennen. Für den Durchschnittsbürger Deutschlands sind sie unbekannt: Raminagrobis und Cadet Roussel.

Cadet Roussel ist der Held einer Fabel. Basierend auf den tatsächlichen Ereignissen im Leben von Guillaume Rousselle in Auxerre, werden kleine Anekdoten über seinen Lebensstil erzählt.

Als Gerichtsvollzieher von Auxerre konnte er sich ein kleines Vermögen anhäufen, das ihm den Kauf eines Hauses erlaubte. Dort wurde er als Lebemann bekannt, genoss aber große Achtung bei seinen Mitbürgern.

Sein Engagement als „guter Revolutionär“ brachte ihn für ein Jahr hinter Gitter. Nach seiner Freilassung im Jahr 1795 konzentrierte er sich ausschließlich auf seine Arbeit als Gerichtsvollzieher.

Ein im Jahr 1792 verfasstes Spottlied machte ihn über die Grenzen Auxerres bekannt. Selbst Tschaikowsky baute es in sein Ballett „Der Nussknacker“ ein. Man könnte die Art des Liedes vielleicht mit „Fritze Bollmann“ oder „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ vergleichen.

Die zweite Person des Tages ist Raminagrobis , was so viel bedeutet wie große, oder besser fette Katze.

Im französischen Märchen ist Raminagrobis mit dem gestiefelten Kater vergleichbar.

Und warum zeige ich euch beide Blätter? Weil es originale, kolorierte Lithographien aus der Imagerie Pellerin d’Épinal aus dem Jahr 1870 sind, worüber ich, als Lithographie-Freund, mich sehr freue.

Wie schon in meinem Artikel über Wasserzeichen beschrieben, ist es nicht ganz leicht, Wasserzeichen zu fotografieren. Ich habe hier trotzdem versucht, dem dicken Zeichenkarton sein „Arches“ zu entlocken.

Pferde


Heute gibt es einen kleinen Flohmarktfund. Durch den Kauf mehrerer Artikel bei einem Verkäufer öffnen sich mitunter bessere Verhandlungsspielräume. So konnte ich diese kleine undatierte und unsignierte Skizze für ca. 3 Euro mitnehmen.

Das Papier ist recht alt, die verwendete Tinte sieht aus, als wäre es Eisengallustinte. Beides ist schon mehrere hundert Jahre erhältlich, allerdings auch heute noch, so dass jemand es vor zweihundert Jahren oder durchaus erst vor ein paar Jahren mit alter Tinte auf altes Papier hätte zeichnen können. Aber um es sich irgendwo an die Wand zu hängen, reicht es allemal. So ganz hässlich sehen die beiden ganzen Pferde und die zwei Bonusbeine ja nicht aus.

Mosaik N° 2 – ein weiteres Anker-Legespiel


Wie versprochen, werde ich euch drei aufeinanderfolgende Artikel über Legespiele der Firma Anker vorstellen. Hier findet ihr den Ersten. Heute folgt der zweite Streich. Der große Kasten Mosaik Nummer 2. Beitrag Nummer drei gibt es dann hier.

Ebenso, wie das Täfelchenlegen kommt das Mosaik in einem schönen Holzkasten mit Schiebedeckel daher.

Dieses Spiel ist ein altes Original aus den Jahren zwischen 1899 und 1928 – ganz genau ist mir die Datierung leider noch nicht gelungen, da es verschiedene Druckermarken gibt.

Leider ist das Anleitungsbüchlein einmal runtergefallen, wodurch der Rücken an der unteren Klammer eingerissen ist. Repariere ich es? Mal sehen.

Anhand der Ecken sieht man deutlich, dass das Spiel nur äußerst selten benutzt wurde. Schade für das Kind, unter dessen Weihnachtsbaum es einmal lag – gut für mich.

Wie pfleglich es behandelt wurde, erkennt ihr auch daran, das selbst die blaue Wellpappe und das Seidenpapier – beides diente dem Schutz der Steine auf dem Weg vom Laden nach hause – noch im Original enthalten sind.

Und was kommt zum Vorschein, wenn die Schutzabdeckung hochgenommen wird? Die erste Lage Steine in 1A-Erhaltung. Sehen sie nicht schön aus? Rechts in der Mitte des Holzrahmens, auf dem die Steine Liegen, seht ihr eine kleine Einkerbung an der Innenseite (der Pfeil aus den beiden roten Dreiecken zeigt darauf). Eine gleiche Einkerbung gibt es auch links. Hier kann man den Rahmen mit dem Daumennagel festhalten und ihn aus dem Kasten heben.

Und was erblickt darunter das Tageslicht? Die zweite Lage Steine. Ebenso gut erhalten und auch vollständig.

Dieser Baukasten war schon früher ein beliebtes Spielzeug – auch hier waren Mädchen die bevorzugte Zielgruppe, denn Jungs bauten ja mit den Ankersteinen in die Höhe. Allerdings hatte dieser Kasten auch damals seinen Preis, weswegen die Stückzahl klein und darum die Häufigkeit, heutzutage einen anzutreffen sehr gering ist. In dieser Erhaltung ist das schon ein Glückstreffer.

Der Kasten wurde von Anker in den letzten Jahren noch einmal zum Preis von 429,- Euro in winziger Stückzahl neu aufgelegt. Schaut mal hier. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels gibt es noch welche.

Ich komme im Laufe des Herbstes


Jeder freut sich, wenn Besuch kommt. Schön ist es, wenn sich der Besuch vorher ankündigt, damit man noch schnell die Wohnung aufräumen und optisch saubermachen kann. Blöd ist es, wenn die Ankündigung nicht so ganz präzise ist.

Die uns bereits schon aus früheren Artikeln bekannte Firma H. Zwernemann aus Hanau hat irgendwann in den frühen 1920er Jahren diese Postkarte an den uns bereits bekannten Adolf Tresselt geschickt. Sie bieten neben der Brillantbijouterie in einfacher und reicher Ausführung ja auch ein reichhaltiges Lager in Ketten u. Bijouterien in Gold, Doublé, Silber, Tula und Alpacca. Zigarren-Etuis, Taschen, Börsen in Silber und Alpacca sind ebenfalls am Lager.

Und was wollten Sie?

Aha, den Besuch eines Vertreters ankündigen. Und wann kommt er? Im Laufe des Herbstes und Herr Zwernemann hofft, „daß Sie meinem Vertreter einen hübschen Auftrag reservieren werden“.

Diese äußerst ungenaue Besuchsankündigung ist nur vorläufig und „Mein Vertreter wird Ihnen eine nochmalige Besuchsanzeige kurz vor seinem Eintreffen zukommen lassen.“ Damit erscheint mir diese Postkarte relativ unnütz.

Wie dem auch sei, die Zwernemann-Fabrik scheint erfolgreich gewesen zu sein. Details dazu hatte ich euch in dem ersten Artikel herausgesucht. Klickt hier und schaut euch die Villa Zwernemann und die Preise für seine Stücke mal an.

Eine Datierung ist aufgrund der abgeweichten Briefmarke leider nicht möglich. Um die Akkuratesse der Postkarte beizubehalten, würde ich auf 1905-1922 tippen. Jünger kann sie nicht sein, da die Verwendung als Rechenzettel mit Preisen arbeitet, die aus den Anfängen der Inflation 1922 stammen.

Filmvorführkarte – 1943


Heute habe ich etwas für euch, das ich erst vor wenigen Tagen auf dem Flohmarkt gefunden habe.

Das ist eine Faltkarte, die einem Filmvorführer gestattet, den genannten Film in seinem Kino vorzuführen. Nicht jeder x-beliebige Film durfte nach Lust und Laune gezeigt werden. Alles musste von der Film-Prüfstelle koordiniert werden. Das ist auch heute noch so. Diese Stelle legt fest, ob ein Film für Zuschauer ab 0, 6, 12, 16, 18 Jahren oder nur von Erwachsenen angesehen werden darf.

In unserem Fall wurde der Deutschen Film-Herstellungs- und Verwertungsgesellschaft m.b.H. (aus Berlin-Tempelhof) die Erlaubnis erteilt, den Film „Deutsches Land in Afrika“ von 1939 vorzuführen. Die Webseite dieser Gesellschaft findet ihr hier, die Infos zum Film hier.

Auf der Vorder- und der ersten Innenseite findet ihr eine kurze Beschreibung des Teams und des Inhalts. Die Inhaltsangabe ist jedoch recht ungenau. Wer sich den Film anschaut, wird bemerken, dass hier neben dem beschriebenen Inhalt auch über den „Kolonialraub durch die Gegner im Weltkriege mit der Begründung der Kolonialen Schuldlüge“ und die „Behauptung, Deutschland habe die Eingeborenen misshandelt und sei unfähig zu kolonialisieren.“ (Zitate) gearbeitet wird.

Das Werk bestand aus 4 Filmrollen, deren Länge ihr hier seht. So wusste der Vorführer, wann der Rollenwechsel bevorstand.

Beachtet bitte die Notiz: Der Film ist staatspolitisch wertvoll und volksbildend. (Diese Anerkennung hat Gültigkeit bis 31. Mai 1945.)

Der Film kursiert auf YouTube. Wer ihn sich ansehen möchte, klickt hier.

Dass sich alle Kolonialmächte nicht mit Ruhm bekleckert haben, hatte ich euch seinerzeit schon einmal hier erzählt.

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