Die Ursache von allem erkannt – 1925


Nachdem Albert Einstein 1905 und 1916 die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie definiert hat, ging ein Aufschrei durch die Welt der Wissenschaft und Pseudo-Wissenschaftler. Erklärte die Relativitätstheorie tatsächlich alles? Wo war der Äther und das Orgon?

Unmengen wissenschaftlicher Salons wurden gegründet, Gegenschriften publiziert, Kampagnen gestartet. Alle hatten nur ein Ziel – Einsteins Relativitätstheorie zu widerlegen und leichter verständliche Alternativen aufzuzeigen.

Ein solches Buch soll heute unser Thema sein und damit die Themenwoche „schwierige Bücher“ vorerst abschließen.

 

Über den völkischen „Sonderling“ Paul Lamberty lässt sich kaum etwas in Erfahrung bringen, er war Mitglied des Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller und Gründer einer „Asenschule“. Er war einer der „Esoteriker“, die im Fahrwasser der völkischen Okkultisten zeitenweise ihr Heil suchten, auch einige Abhandlungen über germanische Mythologie und deren Botschaft veröffentlichte.

Bedauerlicherweise hat er auch drei Bücher geschrieben, die gegen die Kirche und germanische Normen gingen, was zu seiner Aufnahme in die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ von den Nationalsozialisten führte und seine Schriften verboten und teilweise bei den Bücherverbrennungen vernichtet wurden.

Mein Buch wurde nicht verbrannt und stand meines Wissens auch nicht auf der Liste. Allerdings war die Liste der Kandidaten für die Bücherverbrennungen nur eine Empfehlung und immer wurde betont, daß sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe. Es lag also jeweils im Ermessen der zuständigen Person, gern auch etwas großzügiger auszusortieren.

 

 

Herr Lamberty kann zu den Anhängern des Panpsychismus gezählt werden, befasst er sich doch ausführlich mit dem Weltstoff, einem eingängigeren Namen für das uns umgebende Nichts, das aber nicht Leere ist. Eine andere Bezeichnung ist Äther, allerdings werden die Gedanken durch diese Bezeichnung zu sehr in die Richtung der ätherischen Öle oder anderer Dufteindrücke gelenkt. Dies galt es zu vermeiden.

Doch zuerst wird die Relativitätstheorie anhand von 5 Beweisen widerlegt, die Verfechter derselben erbracht haben. Lest selbst:

 

Die Diskussion der Äther-Bewegung sorgte für hitzige Debatten. Aberration heißt übrigens „Ablenkung“.

 

 

 

Und hier nun eine Definition des Weltstoffs:

 

 

Stern für Stern wird erklärt, wie unsere Welt funktioniert und was sie zusammenhält.

 

In sich mag das System schlüssig klingen. Allerdings gibt es einige Punkte (Sterne), die zwischenzeitlich besser erforscht und aus heutiger Sicht überholt sind.

 

 

    1. Atominen sind Teilchen, beweglicher als Teilchen der Edelgase. Beschreibt Herr Lamberty hier Neutrinos?

 

 

 

Weiter hinten im Buch werden drahtlose Wellen und ihre Verbreitung beschrieben. Wie schon Nikola Tesla, forschte – wenn auch in weniger wissenschaftlicher und weitaus dilettantischer Weise – Herr Lamberty auf diesem Gebiet.

 

 

 

Wir haben hier ein weiteres schönes Beispiel für den aufblühenden Forschergeist der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Lamberty  erläutert weiter in seinem Buch die Röntgenstrahlung, Tornados, die Elektrolyse, das Feuermeer in der Erde und widerlegt das Gesetz von Ampère.

Das gesamte Konstrukt dürfte aus heutiger Sicht lächerlich wirken und geht damit Hand in Hand mit der hier bereits beschriebenen Welteislehre. Aber vielleicht haben diese Herrschaften ja doch recht und wir sind nur einer gewaltigen Verschwörung aufgesessen. Wer weiß.

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Grundriss und Atlas der Speziellen Chirurgie – 1910


Habt ihr schon gefrühstückt? Gut, denn nach dem heutigen Artikel ist euch bestimmt der Hunger vergangen.

Fragt mich nicht, wie ich zu dem heute vorgestellten Buch gekommen bin oder was ich damit möchte. Ich hatte es einfach.

Geheimrat Prof. Dr. Georg Sultan (mit Betonung auf dem „a“) (1865–1942) war eine Koryphäe auf dem Gebiet der Chirurgie des beginnenden 20. Jahrhunderts. Nichts lag also näher, als sein Wissen mit den Medizinerkollegen der Zeit zu teilen.

Dies tat er in seinem Standardwerk: Grundriss und Atlas der Speziellen Chirurgie

Seht euch den Buchdeckel mal an. An den Ecken befinden sich Erhebungen, ähnlich den Biernägeln beim Kommersbuch. Ob die dazu bestimmt waren, Blut und andere Körpersäfte unter dem Buch hindurchlaufen zu lassen?

Aus dem Vorwort erfahren wir, daß der Herr Professor in Berlin-Rixdorf ansässig war. Heute ist das der angenehmste Teil von Berlin-Neukölln. Auch erfahren wir, daß Herr Kunstmaler Schmitson alle enthaltenen Zeichnungen angefertigt hat. Ob er bei Annahme des Auftrags wußte, was er zu tun hat?

Das Inhaltsverzeichnis. Hat jemand Fragen zu einem bestimmten Thema? Stellt sie in der Kommentarleiste und ich werde euch mit den entsprechenden Abschnitten helfen – gern auch in aller Öffentlichkeit.

Um euch einige Impressionen aus dem Leben des Spezial-Chirurgen zu vermitteln, gibt es im Folgenden einige Seiten zur Erbauung und Lektüre. Viel Spaß!

Stuhl- und Windabgang; … Kotbrechen?

Leistenbruch – ich hatte mich immer gefragt, was das eigentlich ist. Nun weiß ich es und wünschte, ich wäre nicht so neugierig gewesen.

Nabelschnurbruch – was es nicht alles gibt

Großer Nabelbruch

Hämorrhoiden

So, Herr Kunstmaler Schmitson, der Herr beugt sich mal vornüber und Sie malen das dann detailgetreu ab.

Mastdarmvorfall – würde ich sowas haben, wäre ich wahrscheinlich schon etwas zeitiger zum Arzt gegangen.

Und es geht weiter zu toppen – Geschwülste der Harnröhre.

man beachte die untere Grafik – „Dasselbe Präparat im Durchschnitt“; aua. Obwohl es in diesem Stadium wahrscheinlich auch egal war.

Da ist das nachfolgende Bild fast schon angenehm zu betrachten: Feuchte Gangrän des Unterschenkels infolge Embolie

Lustige Füße (für denjenigen, der sie nicht hat)

Und zum Schluß, um uns wieder daran zu erinnern, daß wir immer an das Gute im Menschen glauben sollen, noch ein gutartiges Knochengeschwülst.

Ist das nicht ein tolles Buch? Es ist gespickt von großen und kleinen Zeichnungen, schwarz-weiß und bunt. Und so eklig es sich für das Laien-Auge auch anschaut, hat Herr Prof. Dr. Sultan damit der Menschheit bestimmt einen großen Dienst erwiesen.

Wie sah er aus? Das weiß das Bundesarchiv:

Georg Sultan, Japanbesuch Deutsches Auslandsinstizut Japan, Besuch von Geh. Rat Prof. Dr. Sultan im Kitasato- Institut in Tokyo. Prof. Dr. [Georg] Sultan stattete gelegentlich seiner Japanreise dem Kitasato- Institut einen Besuch ab, um dort im Namen des Instituts „Robert Koch“ einen Kranz zu Ehren des verstorbenen Prof. Baron Kitasato, einem der ältesten Schüler Robert Kochs, niederzulegen. Das Bild zeigt Geh. Rat Sultan und verschiedene Herren des Kitasato- Instituts bei der Kranzniederlegung an dem Schrein des Verstorbenen. Die einzelnen Herren in der Reihenfolge von l. nach r. sind: Prof. Dr. Shiga, Dr.F.C. Kitashima (derzeitiger Direktor des Kitasato- Instituts), Prof. Dr. Sultan, Prof. Dr. M. Miyajima, Prof. Dr. S. Hata. Erworben(Schenkung): Pr. Inst. für Inf.Kr.(1932) Institut besitzt das Recht der Veröffentlichung: Ja

Und jetzt könnt ihr weiter essen und hoffen, daß ihr nie Modell stehen müsst für eine Zeichnung aus der Hand von Herrn Schmitsons Kollegen.

Mosasaurus – gesunde Zähne durch fischreiche Kost


Der Mosasaurier war schon ein lustiger Geselle. Mit seinen bis zu 18 Metern Länge durchzog er die Weltmeere vor einigen Millionen Jahren. Lasst uns nicht über einzelne Jahre streiten, aber er bevölkerte die Unterwasserwelt um Europa und Afrika vor ca. 70.000.000 Jahren (±5 Jahre), nämlich in der Oberkreide und dort genau im Unterabschnitt Maastrichtium.

 

Ich habe natürlich keinen Mosasaurus bei mir zu hause. Selbst geflutet wäre die Wohnung etwas eng für ihn und die Versorgung mit seiner Lieblingsspeise Fisch in ausreichender Menge wäre sehr kostspielig. Aber ein paar Zähne eines kleineren Exemplars wohnen mit mir zusammen.

 

 

Und was ist an fossilen Zähnen des Mosasaurus so besonders, wo es doch fossile Zähne wie Sand in der Kiesgrube gibt?

fossiler Haifischzahn

 

Der Mosasaurus ist etwas besonderes. Mosasaurus war das erste Reptil, bei dem anerkannt wurde, dass es eine nicht mehr existierende Art aus einer Vorwelt war. Zuvor hielt man Fossilien für Überreste rezenter (oder vielmehr unveränderlicher) Arten.

Ein Erbe unseres schwimmenden Gesellen soll angeblich der Waran sein, der das Glück hatte, Teil eines erfolgreicheren Seitenarms der Stammlinie zu sein.

Und wieso Mosa? Das ist der lateinische Name für die Maas, an deren Gestaden die ersten Überreste unseres heutigen Stargasts gefunden wurden.

Von Paris nach Nantes – ein Reiseführer von ca. 1840


Heute bin ich selbst auf dem Sprung. Es geht in’s Land der Pharaonen – ob ich einen treffe, weiß ich aber noch nicht.

Ein bisschen passend dazu habe ich euch darum einen Reiseführer ausgewählt, von dem ich selbst nicht so genau weiß, aus welchem Jahr er ist. Bemerkenswert hingegen ist, dass er offenbar sehr häufig benutzt wurde oder meinem Vorbesitzer mindestens einmal ins Wasser gefallen ist.

Im ganzen Buch konnte ich nicht eine einzige Jahreszahl finden. Im ZVAB ist auch nichts zu finden. Ich schätze das Buch auf kurz vor 1840.

Die 385 Kilometer von Paris bis Nantes sind auf 240 Seiten detailliert beschrieben. Wäre ich in der Lage, Französisch zu verstehen, könnte ich euch Details liefern. So müsst ihr versuchen, die gezeigten Stellen selbst zu übersetzen.

Eine Übersicht über die Etappen:

Vielleicht ist eine ungefähre Datierung anhand der hier dargestellten Eisenbahn möglich.

Chateau de Lermois & Montthery

Amboise

Angers

 Und spätestens ab dieser Seite kann man sehen, wie stark benutzt der Reiseführer ist. Er scheint so manchen Regenguss erlebt zu haben.

Sollte also einer meiner Leser wissen, wie man den Katalog der französischen Staatsbibliothek durchsucht, wäre ich ihm sehr verbunden, wenn er nach diesem Buch suchen würde und mir die Jahreszahl mitteilen könnte. Danke!

Und nun wünsche ich mir eine gute Reise.

Die Sau ist tot – Jagen in den Jagen – 21. Dezember 1871


 

Genau heute vor 143 Jahren war es soweit – Saujagd! Eine ebenso formlose wie kurzfristige Einladung von heute auf morgen ging den Jagdfreunden zu.

Einladung zur Sau-Jagd 21. Dezember 1871

 

  • Sau-Jagd
  • am 21. Dezember 71
  • Rendez-vous Morgens 9 Uhr auf dem Kreuzpunkte von 0 und g.
  • Ich bitte auch den G. Amtm(ann) Semmler in meinem Namen einzuladen.
  • Hzl. 20/12 1871
  • Küster

Kurz, präzise, unverständlich – zumindest für mich. Wahrscheinlich ist der Kreuzpunkt ein Ort zwischen zwei oder mehreren Jagen (siehe Link für Details).

Die Saujagd ist übrigens auch heute noch verbreitet um die Wildschweinpopulation nach dem Sommer und dem Heranwachsen der Jungtiere unter Kontrolle zu halten. Die natürlichen Fressfeinde des Wildschweins sind in unseren Breiten bedauerlicherweise in den letzten 300 Jahren arg dezimiert worden. Das sind neben dem bei uns in den Wäldern eher selten anzutreffenden Tiger, der Wolf und der Braunbär. Verstehen kann ich Isegrim und Meister Petz, denn ein Wildschwein besteht aus ’ner Menge Lebensmittel. 200 bis 300kg wird ein Keiler schwer, die Bache um die 150kg.

Horrido (was ursprünglich mal „Hoch, Rüde, hoch!“ hieß) und Mahlzeit! Ich kann Klöße und Rotkohl empfehlen!

Grüße von der Ostsee – 1929


1929 – mit 18 Jahren – weilte meine Oma mit ihren Eltern und Schwester „Mausi“ in Kühlungsborn an der Ostsee. Sommer, Sonne, Strandkörbe und Sand. Damals wie heute die Bausteine eines erholsamen Urlaubs.

Eine Karte an ihren jüngeren Bruder Werner ist erhalten geblieben. Die gibt es heute für euch zum lesen.

Kühlungsborn

Kühlungsborn

Kühlungsborn

Kühlungsborn

Mein lieber Werner!

Endlich denkt Deine treulose Schwester mal an Dich. Es ist aber auch zu schade, daß Du nicht mit hier bist. Es ist herrlich hier. Wie sind denn die Autofahrten? Fährst Du immer mit? Wie war’s denn in F'(riedrich)roda? Mausi u. ich sind schon tüchtig braun. Mausi schwimmt seit heute mit dem großen Ball. Bisher ging sie immer nur bis zum Gürtel rein. Das Wasser ist herrlich. So warm, bloß sind so selten mal Wellen. So wie auf der Karte ist’s meistens. Jetzt ist leider kein Platz mehr. Also Schluß! Viele herzliche Grüße, Deine Elfriede!

DDR-Jugendzeitschrift Die Schulpost – Teil 2


Gestern gab es den ersten Teil zur DDR-Jugendzeitschrift Schulpost, heute die Fortsetzung.

 

Meine zweite Schulpost ist die Ausgabe 12, 1957 und war zugleich die letzte Nummer dieser Zeitschrift.

 

Im ersten Artikel wird der Leser bereits informiert, daß dies die letzte Schulpost sein wird, auch, daß sie ab Januar unter einem neuen Namen erscheinen wird. Aber wie der lauten wird, darüber schweigt man sich aus. Heutzutage wäre das der Tod der Zeitschrift. Damals herrschte jedoch noch kein undurchsichtiges Chaos an den Zeitungskiosken, so daß die Leser ab Januar die nagelneue Rakete beim Zeitungshändler erwerben konnten. (auch diese Zeitschrift ist heute nicht mehr bekannt und wurde ihrerseits von er seit 1964 erscheinenden Technikus abgelöst).

 

Weiter geht es mit einem Bericht über DDR-Spitzensportler, die aus den Pionier-Wintersport-Meisterschaften hervorgegangen sind.

 

 

Aus dem Winter diesen Jahres stammt zufälligerweise diese Anstecknadel, die ich besitze und nun endlich weiß, wofür sie gedacht war.Pionier Abzeichen

 

 

 

Hier kommt eine interessante Geschichte, die ich so nicht in einer DDR-Zeitung erwartet hätte. Ein Bericht über den Edelmetall-Schmuggel von Ost- nach Westberlin. Ich finde, auch wenn in dieser Zeitschrift der drohende Zeigefinger geschwungen wird, erhält man viele Infos, wie man sein Ost-Metall am besten zu West-Geld machen kann.

 

 

 

 

Kalenderblatt und Gespräch mit dem Volksbildungsminister

 

 

Wissenswertes über Hühner, seltsame Wolken und ein ABC der Atomphysik

 

 

 

 

Rätsel

 

 

 

ein Lexikon und eine Bastelanleitung

 

 

und mit dieser Seite hat sich die Schulpost von ihren Lesern verabschiedet. Eine Übersicht aller weltweiten Pionierorganisationen. Wie schön!

 

Ich tu es der Schulpost gleich und verabschiede mich für heute mit dem Gruß der Pioniere: „Seid bereit!“ (steht auf dem Logo der DDR-Poniere oben rechts)  und der zu gebenden Antwort „Immer bereit!“ (was wiederum auf russisch auf dem mittleren Logo der sowjetischen Pionierorganisation steht – Wsegda gotow!)

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