Puppengeschichten – 1888


Ein Geschichtenbuch für die Puppenmutti – welches Mädchen hat sich das nicht gewünscht? Wenigstens einem Mädchen habe ich seinen Wunsch zunichte gemacht, indem ich ihm das heute vorgestellte Buch weggekauft habe.

 

Zwölf Puppengeschichten für kleine Mädchen. Herausgegeben von Emmy Friedberg. Stuttgart 1888.

 

Das Buch ist in weitestgehend guter Erhaltung. Der Pappdeckel hat oben ein paar kleine Läsuren, aber das Innenleben ist sehr gut erhalten. Vielleicht sogar, weil es dem Mädchen, dem das Buch früher gehört hatte, rechtzeitig weggenommen wurde. Mein Dank gilt den strengen Eltern!

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die kleine Charlotte das Buch selbst in Ehren gehalten hat, weil es ein Geschenk ihrer Turnlehrerin war.

Charlotte Zwack erhält dieses Buch für regelmäßigen Turnbesuch, da sie nur 2 Stunden im Jahr versäumt hat. Weihnachten 1912. Frau Minna Pätzold Leiterin der Mädchen Abt.(eilung) des Turnv.(erbands) Gesundbrunnen

P.Pätzold, I.A. des Vorstandes.

 

 

Was gibt es im Inneren zu entdecken? Die Inhalts-Übersicht:

 

Das Buch wird von Puppe Gretchen erzählt und beginnt mit dem  Vorwort der Puppe Gretchen an die kleinen Leserinnen.

Das Buch, das ich euch schreiben will, ihr lieben kleinen Mädchen, ist kein gewöhnliches, wie ihr wohl schon manches in Händen hattet, denn ich bin eben kein gewöhnliches Menschenkind wie ihr, obgleich ich auch Hände und Füße, rote Backen und blaue Augen habe, wenn auch viel kleiner als die euren, weil ich – nur eine Puppe bin.

Was ich in diesem Büchlein niederschrieb, sind meine Erlebnisse, die ich euch, wie ich hoffe, zu Nutz und Frommen mitteilen will. Nun ruft ihr gewiß: „Aber so etwas ist doch gar nicht möglich! Eine Puppe kann ja weder schreiben noch lesen; sie kann ja nicht einmal reden, sie hat ja überhaupt gar keinen Verstand.“ Da irrt ihr euch aber gewaltig, ihr kleinen klugen Dinger! Ach, wenn ihr nur wüßtet, wie wohl es zum Beispiel einer Puppe thut, wenn ihr gut zu ihr seid, sie liebt, wartet und pflegt, und wie das kleine Herzchen weh thut, wenn man garstig mit ihr umgeht, sie vergißt oder gar sie verdirbt. Wenn ihr uns in die Arme nehmt, so scheint es freilich, als ob wir nicht so viel Gefühl hätten, wie ihr Menschenkinder: Allerdings

schreien wir nicht gleich so laut und unartig, wenn man uns stößt und hinwirft. Das kommt aber bloß daher, weil wir Puppen alle sehr artig sind und genau wissen, wie wir uns zu benehmen haben.

Wir haben aber auch eine Sprache, gerade wie ihr, nur ist unser Stimmchen gewöhnlich sehr fein, leiser als das eines Heimchens, so daß die kleinen Mädchen es nicht hören und nur denken, wir können gar nicht sprechen. Was mich persönlich betrifft, so bin ich sogar im Stande, zwei Worte ganz laut zu sprechen, und meine kleine Herrin hat sich oft stundenlang mit mir unterhalten, obgleich ich immer nur „Papa“ und „Mama“ antworten konnte. Denn was ich sonst noch, leise, ganz leise flüsterte, das verstand auch sie nicht, obschon sie sonst ein recht verständiges kleines Ding war, oder es wenigstens durch mich und mein Vorbild geworden ist.

Ja, ja! Durch mich! Wie sich das alles zugetragen, daß sollt ihr nun hören, und ich hoffe, dass ihr alle, die ihr meine Geschichte hört, ein bißchen aus ihr lernen mögt.

 

Mit diesem Vorwort sind nun alle kleinen, lieben Mädchen zurechtgestaucht worden: sie sind unartig, wissen nicht, sich zu benehmen, können nicht zuhören und haben auch sonst keine Ahnung. Jeder Kinderpsychologe würde wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Die 1. Geschichte – Das unartige Trudchen – erzählt uns von der frühesten Jugend der Puppe. Sie lag mit hunderten anderer Puppen in einem Geschäft, bis sie von „Frau Hillmer, der Mutter meiner späteren kleinen Herrin“ gekauft wurde. Gretchen war die letzte sprechende Puppe in diesem Geschäft. Zu Hause angekommen, wird Gretchen samt der Schachtel, in der sie verkauft wurde in eine Schublade gelegt und bis zum Weihnachtsfest weggeschlossen. Sie erzählt: „Ich muss heute offen bekennen, daß ich dummes kleines Ding damals sehr, sehr böse war; auf wen, konnte ich freilich nicht recht sagen. Doch die wenigen Tage, die ich so ruhig in meinem dunklen Gefängnis liegen bleiben mußte, machten mich viel klüger; ich sagte mir vor allem, daß ich doch wohl etwas zu hochmütig gewesen sei; nun, gestraft war ich genug, denn hier war es wahrlich noch weniger angenehm, als bei der Puppengesellschaft im Laden. Dann aber, wie bald harrte ja meiner die Befreiung! Wahrscheinlich sollte ich eben nur etwas Geduld lernen. Und die kann einem im Leben nie etwas Schaden. Seht, ihr kleinen Mädchen, wenn ihr einmal in eine ähnliche Lage kommt, (Anmerkung: in einer verschlossenen Schublade zu liegen?) merkt es euch hübsch fein! Mit Zorn und Trotz erreicht man nichts; solch kleine Übelstände müssen mit Ruhe und Geduld ertragen werden, das ist der beste Weg, um recht schön über sie hinweg zu kommen.

Die Puppe hört in ihrer Schublade ihre zukünftige Besitzerin, Trudchen Hillmer. Täglich spielt und plaudert sie im Zimmer, ist aber leider „sehr wild und nicht so folgsam, als es die Eltern gewiß so gern von ihr wünschen.“ Sie bespritzte die alte graue Miezekatze der Hauswirtin mit Wasser, malte einem Bettler mit Kreide ein Kreuz auf den Rücken anstatt ihn zu bedauern. Die Mutter spricht zum Vater: „Unser Töchterchen ist ja nicht schadenfroh, sie hat ein so gutes Herz, aber derlei Unart ist ihr ein für alle mal verboten worden, und sie soll nun gehorchen lernen. Sie ist manchmal wie ein wilder Junge; aber gieb acht, mein diesjähriges Weihnachtsgeschenk soll schon ein echtes, rechtes sanftes kleines Mädchen aus ihr machen.“

 

Später erfährt Trudchen von der Mutter, dass in fünf Tagen Weihnachten ist und ihr das Christkind vielleicht das ersehnte Geschenk – eine Puppe – bringen wird. Ein aufmerksames Mädchen wird damals vielleicht gefragt haben, wieso die Mutter eine Puppe Küchengeschäft kauft, wenn doch das Christkind eine bringt. Wer weiß, wie viele Eltern durch dieses Buch in Erklärungsnot geraten sind.

In der nächsten Geschichte – 2. Das Weihnachtsfest – bekommt Trudchen die Puppe geschenkt. Der Vater spricht: „Also eine Puppe hat mein Töchterchen bekommen? Weißt du denn auch, daß du nun selbst eine kleine Mama bist? Nun darfst du nicht mehr so wild umherlaufen oder gar deine Eltern ärgern, sondern du mußt jetzt immer deinem Kindchen das beste Beispiel geben. Denn wenn du kein gutes Hausmütterchen bist, dann fühlt sich dein Püppchen nicht wohl bei dir und läuft gewiß eines Tages auf und davon.“ Den kleinen Bruder Max hatte das Christkind mit seinen Gaben zu einem richtigen Soldaten gemacht.

Ich habe für euch noch die Geschichte – 6. Eine Unglücksvisite – herausgesucht:

 

Eine Woche mochte wohl seit Trudchens Geburtstag vergangen sein, als mich meine kleine Herrin eines Tages mit zu Besuch bei ihrer Freundin Käthchen Lenz mitnahm.

„Ach, es ist gut, daß du endlich kommst, Trudchen,“ rief uns diese schon von weitem entgegen, „Mach nur schnell, dass du hereinkommst. Ich habe heute Früh von Onkel Fritz eine ganz reizende kleine Kaffeemaschine geschenkt bekommen, da wollen wir nun mal selbst Kaffee kochen.“

„Kannst du es denn?“ frug meine Herrin.

„Ach was, können,“ rief Käthchen, „meine Mama glaubte auch, ich würde es nicht können; paßt nur auf, wie gut der Kaffee werden wird. Ich sehe der Dora ja alle Tage zu, wie sie es macht.“

Wir traten ein und begrüßten Käthchens Mama, Frau Lenz, welche zuerst natürlich mich bewundern mußte.

Als sie sich satt gesehen, wandte sie sich an Trudchen: „also mein Käthchen will heute durchaus ohne Hilfe Kaffee kochen. Ich lasse ihr den Willen. Verstehst du es vielleicht, Trudchen?“

 

„Nein,“ sagte diese, „ich habe noch nie Kaffee allein kochen dürfen.“

„Aber Mama,“ rief Käthchen, „ich verstehe es. Ich habe ja so oft zugesehen.“

„Also, ich soll euch gar nicht dabei helfen?“

„Nein, nein, es macht uns viel mehr Spaß, wenn wir es ganz allein für uns machen,“ wehrte das selbstbewußte Töchterchen ab.

„Nun, du sollst deinen Willen haben, Käthchen,“ sagte Frau Lenz, „hier habt ihr alles, was ihr braucht, nun fangt an.“

Käthchens Mama setzte eine Büchse mit Kaffee, eine Kaffeemühle und die bewußte kleine Kaffeemaschine auf den Tisch und beobachtete die Kinder, ohne sich hineinzumischen.

„Dein Gretchen wollen wir einstweilen aufs Sofa setzen, sie mag zusehen,“ sagte Käthchen, „nun komm, Trudchen!“

Mit außerordentlicher Wichtigkeit, als gälte es den größten Kindtaufsschmaus, machte sich die kleine Köchin ans Werk. Es wurden Bohnen in die Kaffeemühle geschüttet und diese nun fein und klar gemahlen. Das sollte recht schnell gehen, und so geschah es, daß das Kästchen mit dem gemahlenen Kaffeepulver plötzlich einen Hops machte und samt seinem Inhalt auf die Erde fiel. „Das ist schon noch zu retten,“ behauptete Käthchen sehr zuversichtlich. Sie kehrte dann das Verschüttete ohne weiteres zusammen und ich sah entsetzt, wie sie es samt dem Staub, der sich darunter gemischt, in die Kaffeemaschine füllte. Trudchen machte zwar Einwendungen, aber die flinke Köchen meinte: „Ach was, der Kaffee sieht ja schwarz aus, da sieht man den Schmutz nicht.“ Sehr eifrig füllte sie in eine Öffnung der kleinen Maschine Wasser ein, zündete das Spirituslämpchen an und stand nun sehr stolz bei ihrem Werk. Nicht lange, so begann es zu wallen und zu brodeln. „Er kocht!“ jubelte die Köchin, ließ der Sache noch ein Weilchen ihren Lauf und löschtd dann das Flämmchen aus, wie sie es in der Küche oft gesehen.

 

„Der Kaffee ist fertig! ‚herein, herein!“ rief sie nun Trudchen und ihren Geschwistern zu. Auf einem kleinen Tisch, der mit frischer Serviette sauber bedeckt war, wurden kleine Täßchen aufgestellt. „Nun paßt auf!“ rief Käthchen stolz. Sie drehte den Hahn auf und hielt das erste Täßchen unter. Da floß auch richtig etwas heraus, aber zum Gelächter der geladenen Gäste war es kein Kaffee, sondern reines klares Brunnenwasser.

„Neumodischer Kaffee, Pumpenheimer Mischung,“ neckten die Jungen.

Käthchen wurde blutrot vor Ärger, aber statt nun ihre Mama ernstlich zu fragen, welches Versehen sie wohl begangen, meinte sie ganz keck: „Das ist weiter gar nichts; ich hatte nur vergessen die Maschine umzukippen.“ Das wurde nun schleunigst besorgt, aber leider kam bei der nächsten Probe gar nichts aus dem Hahn gelaufen. Nun war es mit der Geduld der Kochkünstlerin zu Ende. „Was da,“ rief sie, „ich nehme eben den Deckel der Maschine ab, oben wird schon etwas heraus laufen“; ja, freilich lief da etwas heraus, aber etwas schönes war’s: schwarze, dicke, trübe Suppe, bei deren Anblick die Geladenen erst recht Zeter schrieen. „Da ist ja noch der ganze Satz im Kaffee,“ erklärte Trudchen. „Das schadet nichts, trinkt ihn nur,“ befahl Käthchen, in dem sie allen, auch mir, ein Täßchen voll des schrecklichen Getränkes eingoß. Natürlich wollten die Kinder nicht heran und auch ich, die ich gerne um des lieben Friedens willen das häßliche Zeug wenigstens gekostet hätte, konnte mit meiner angeborenen Steifheit leider die Tasse nicht erfassen.

„Nun, dumme, eigensinnige Puppe, ist dir mein Kaffee vielleicht auch zu schlecht?“ schrie Käthchen, die ihren Ärger doch an jemand auslassen mußte, mich plötzlich an.

„Laß doch mein Kindchen!“ fiel Trudchen beschützend ein.

„Was da, kosten muß sie,“ rief die Freundin, die durch die Neckereien ihre Geschwister immer hitziger wurde. Sie setzt du mir die Tasse richtig an den Mund, Trudchen fuhr ängstlich dazwischen, jede der beiden Mädchen hielt das Täßchen fest und suchte es der anderen zu entreißen. Da – wie es geschehen, weiß ich heute noch nicht – kurz und gut, die Tasse mit dem heißen, braunen, schrecklichen Getränk lag auf einmal auf mir und der Inhalt floß mir übers Gesicht, drang mir durch alle Röckchen durch bis auf die Haut.

Laut jammernd und riß mich Trudchen ans Herz.

Kätchens Mama kam, von all dem Geschrei angelockt, herbei, und Kätchen bekam für ihren Eigenwillen eine lange, tüchtige Strafpredigt. Meinem Mütterchen, die immer lauter schluchzte, sprachen alle Trost ein, aber sie wollte sich gar nicht beruhigen lassen und schwer betrübt zogen wir beide von der schrecklichen Kaffee-Visite nach Haus.

 

Dramatik pur!

Das Buch kommt schließlich zum Happy-End. Der Hampelmann des kleinen Bruders Max heiratet unsere Puppe Gretchen. Die kleine Leserin wird frühzeitig auf ihr zukünftiges Leben an der Seite ihres eigenen Hampelmannes vorbereitet.

 

Zum Schluß

Mit meiner Verheiratung mit dem Hampelmann muß ich nun meine Lebensbeschreibung vorläufig schließen, meine kleinen Leserinnen! Meine Erlebnisse in der Familie meiner so außerordentlich liebenswerten, freundlichen Besitzerin waren ja nur eine Reihe von fast lauter glücklichen Tagen, die mir vergönnt waren. So lange ich bei meinem lieben Männchen und bei Trudchen Hillmer blieb, ist es mir auch weiterhin immer gut gegangen, ich habe nie Ursache gehabt, mich zu beklagen oder traurig zu sein. Aber es sollten auch schwere Tage für mich kommen! Wie es geschah, dass ich zu einem anderen kleinen Mädchen kam und was für böse Dinge da vorgekommen, das werdet ihr vielleicht ein anderes Mal noch von mir erfahren.

Für heute habt Dank, dass ihr meinen Erzählungen so aufmerksam gefolgt seid. Ich darf wohl hoffen, daß ihr so manches gute Wörtchen beherzigen werdet, was ich hie und da eingestreut habe.

Und nun lebt wohl und behaltet mich einstweilen in gutem Andenken, ihr lieben, kleinen Mädchen! Auf Wiedersehen ein andermal!

Eure

Puppe Gretchen.

 

So lief Kindererziehung im Jahre 1888. Das nur zwei Jahre früher erschienene Buch „Puppenköchin Anna“ habe ich euch vor einiger Zeit schon vorgestellt. Damals wurden Mädchen eifrig auf ihre strahlende Zukunft als Hausfrau und Mutter vorbereitet.

 

Das wars für heute mit den Puppengeschichten. Meine Ausgabe ist übrigens noch eine sehr Frühe. Spätere Auflagen von 1900 und 1903 hatten nicht mehr dieses Bild auf dem Buchdeckel, sondern ein kleines Mädchen mit (relativ hässlicher) Puppe.

 

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Mit Kanonenkugeln auf ABC-Schützen schießen


Feuer frei!

Ein Relikt aus meiner DDR-Kindheit soll euch heute erfreuen.

 

Dieses Schnipps-Kugelspiel aus den 1970er Jahren gab es in zwei Formen: quer zu schießen – hier zu sehen, und hochkant. Die Rückwand gab es in vielen verschiedenen Motiven: Tiere, Heißluftballone, Indianer, Cowboys, Autos und vieles mehr.

Wird das Spiel in die Originalschachtel gepackt, kann durch das Loch auf der Rückseite das Motiv gesehen werden.

 

Und wieso? Weil wir eine Einheitsverpackung haben und man sehen sollte, was man kauft, bevor man die Schachtel aufreißt. Auf der Schachtel seht ihr die Ausführung mit Oldtimern

Um meine Sammelgelüste zu befriedigen, gehört dieses Spiel zu der Reihe Anker-Produkte. Die anderen Artikel daraus kennt ihr sicher. Wenn nicht, klickt hier.

Anker Meteor Kugel-Spiel


Heute freue ich mich, wenn ihr euch mit mir freut. Ich habe ein lang gesuchtes Spiel der Firma Anker auf dem Flohmarkt zu einem höchst erfreulichen Preis erwerben können.

Meine Liebe zu Anker-Spielzeug abseits der Anker-Steinbaukästen kennt der geneigte Leser schon. Für diejenigen unter euch, denen das neu ist, gibt es hier den Link: Anker-Spiele.

Das Meteor Kugel-Mosaik erschien ab den 1900’er Jahren. Meins sollte aus den 1920’ern sein.

Ein Hinweis an die Eltern:

Wie wurde gespielt? Auf einer Stanzplatte wurden farbige Tonkugeln zu Mustern gelegt und damit das kreative Denken und Spielen, sowie die Motorik trainiert.

Mein Baukasten mit der Nummer 6 (siehe die rechte, untere Ecke des Deckels) ist schon eine größere Ausführung. Die Kästen, die ich bisher finden konnte, sind wie folgt aufgebaut:

  • No.1 – kleiner Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 4
  • No.2 – kleiner Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 5
  • No.2 – mittelgroßer Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau – rautenförmiges Stanzmuster – 5×9, dazwischen 4×8 (vergleichbar mit den Sternen der USA-Flagge)
  • No.3 – kleiner Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 6
  • No.4 – mittlerer Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 7
  • No.5 – mittlerer Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 7 (ich konnte keinen Unterschied zu No.4 finden)
  • No.6 (siehe oben) – mittlerer Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau, lila, weiß – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 7
  • No.7 – noch nicht gefunden
  • No.8 – noch nicht gefunden
  • No.9 – großer Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau, lila, weiß – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 15 waagerecht, 2×9 diagonal

Die Kugelfach-Abdeckungen sind alle noch im Original erhalten.

Und auch die Tonkugeln sind noch fast alle da.

Die Gratisbeigabe – ein Mühle-Spielbrett – ist, wie bei jedem Spiel, das ich bisher gesehen habe, kaputt. Ich habe keine Ahnung, wieso. Immer sind die Ecken abgebrochen. Meins ist zusätzlich noch in der Mitte zerbrochen gewesen.

Nannte man Mühle auch Mühlfahrspiel?

Das Vorlageheft – ich bin mir nicht ganz sicher, ob es da noch ein Deckblatt gab. Meine Vorbesitzerin Lori Beck wird es mir nicht mehr sagen können. Die letzte Seite (hier links) ist übrigens Werbung für ein anderes Legespiel. Den Namen habe ich noch nicht herausgefunden.

Schöne Muster können gelegt werden:

Auf der vorletzten Seite wird ein Spiel „Saturn“ erwähnt. Ich habe keinen blassen Schimmer, was es damit auf sich hat. Wenn man den dargestellten Turm in der Mitte der beiden unteren Figuren anschaut, könnte die Zahl im Kreis die jeweilige Turmhöhe angeben. Das dürfte schon hübsche dreidimensionale Figuren ergeben haben.

Mein Spiel ist in einem edlen Holzkasten mit Kantenverstärkern aus Messing. Das gibt es nicht so oft.

Aber das ganz besondere Highlight ist bestimmt niemandem von euch aufgefallen. Schaut euch noch einmal den Titel des Spiels an:

„The Meteor Kugel-Mosaik“ Und nur, wenn ihr ganz genau hinseht, erkennt ihr, dass die Bezeichnung Kugel-Mosaik über das englische „Marble Game“ geklebt wurde. Dieses Spiel war also offenbar eine für den englischen oder amerikanischen Markt fabrizierte Ausgabe, die dann doch in Deutschland (oder an Deutsche in den USA) verkauft wurde.

In den USA gab es übrigens mehrere Nachahmer. So verkaufte die Firma A.C.Gilbert aus New Haven, Connecticut in den 1920’ern das Meteor Game, das exakt so aussah wie dieses, nur die Verpackung war etwas billiger. Selbst das Vorlagenbuch wurde kopiert, wobei nur die Beschriftung in der Mitte der Seiten weggelassen wurde. Auch wenn Herr Gilbert mein Kugel-Mosaik als Plagiat hergestellt hat, so hatte er doch auch eine nette Ader. Seine Firma war die erste in den USA, die ihre Mitarbeiter am Erfolg beteiligte. Wer sich Bilder zu Gilberts Meteor anschauen möchte, klickt hier.

Ich glaube, dieser Artikel wird im Laufe der Zeit noch einige Ergänzungen erfahren. Sollte jemand Details wissen, oder die fehlenden Meteor-Kästen kennen, schreibt mir. Ich freue mich.

Der DDR-Plattenbau-Baukasten


Alle DDR-Kinder werden ihn kennen. Ich habe ihn mehreren gezeigt und ein Raunen ging durch die Gruppe.

 

Wenn schon die Hälfte der Kinder in Neubaublocks aufwuchs, wieso soll dann ein Baukasten aussehen, wie damals,

z.B. so  oder so ?

Also wurden Plattenbauten-Hochhäuser gebaut.

 

Die Bauanleitung zeichnet sich, ebenso wie die fertigen Häuser, durch extreme Einfallslosigkeit aus.

 

Hergestellt wurde dieser Baukasten 1962 bei Anni Friedrich Kunststofferzeugnisse in Waltershausen in Thüringen und war somit eine frühe Ausgabe des später in großen Kästen angebotenen Baukastens. Diese wurden dann von größeren Firmen wie Kari (Karl Ribarsch KG) und plaspi (plastespielzeug) hergestellt. Kari stammt auch aus Waltershausen und war vielleicht die Nachfolgefirma von Anni Friedrich. Ich weiß es nicht.

 

Das Augenmerk dieses Baukastens liegt auf simpler Herstellung. Es gibt in der Grundausführung nichts weiter als Wandteile, davon einige mit Fenster, andere mit Tür, Verbindungsstangen (blau) und Dachplatten. Das galt als moderne Bauweise. Große Häuser wurden schnell hochgezogen. Alle sahen gleich aus, und auch jeder Bewohner einer dieser heiß begehrten Neubauwohnungen fühlte sich gleichgestellt mit seinen Nachbarn.

 

Lieber kleiner Freund!

 

Zum Abschluss habe ich euch ein kleines Plattenbau-Hochhaus gebaut. Das Dach ist offen, ihr könnt also einen Blick in meine neue Wohnung werfen. Kommt mich doch mal besuchen.

 

In den späteren Erweiterungs-Bausätzen und den großen Kästen gab es übrigens noch ansteckbare Balkone, Plastik-Bänke, -Stühle und -Sonnenschirme, die vor dem Haus aufgestellt werden konnten, Schaufenster-Elemente, eine drehbare Drehtür für den Laden und kleine Zäune und Bäume. Aber die haben meine Kindheit nicht überlebt und wurden irgendwann weitervererbt.

 

 

 

 

 

Tangram – mal wieder


Hurra, ich habe schon wieder einige neue Stücke für meine Sammlung gefunden. Die bisherigen Beiträge kennen viele von euch. Meine neuen Besucher können hier und hier nachlesen.

Heute kommen zwei Spiele dazu, „Nicht zu hitzig“ und „Pythagoras“.

Für „Nicht zu hitzig“

 

habe ich zwar die korrekten Steine

 

allerdings stammt das Aufgabenheft aus dem Quälgeist

 

 

 

 

Auch hier wird am Ende wieder für die Anker Steinbaukästen geworben:

von denen ich bisher nur einen besitze, den ich euch hier schon vorgestellt hatte.

 

Die Steine des Pythagoras

 

erinnern mich nur begrenzt an den Satz des gleichnamigen Herrn

 

und auch das Titelbild erinnert nicht daran

 

Das Spiel scheint aus dem Jahr 1919 zu stammen. Die Druckermarke 919 (siehe unten Mitte) verweist laut der Forschungsergebnisse auf der Seite Buchvision.de (Link) auf den September desselben Jahres.

 

Die Bewerbung dreier anderer Baukästen lässt auf ein sehr zeitiges Erscheinungsdatum schließen.

Gab es später zahllose Baukästen, wird hier noch nur „von drei weiteren“ gesprochen.

 

In meinem Spiel sind Aufgabenheftchen enthalten. Eines ohne, das andere mit eingezeichneten Lösungen. Auch das lässt auf eine frühe Erscheinung schließen, als es die Lösungshefte noch nicht zu kaufen gab.

 

Und auch hier wieder die Werbung für die Steinbaukästen:

 

 

Besonderes Augenmerk fällt auf die Inschrift im Inneren des Kästchens:

Emma Reinert, Burglengenfeld, Obpf.

Wie es der jungen Dame wohl heute gehen mag?

Anker Geduldspiele – Tangram


Vor ziemlich genau drei Jahren gab es einen Artikel mit dem gleichen Titel. Den findet ihr hier.

Seither hat sich einiges in meiner Sammlung getan – Zeit, euch meine aktuelle Ansammlung dieser schönen, alten Geduldsspiele zu präsentieren.

Den Kopfzerbrecher habe ich leider gerade verlegt, weswegen es kein neues Foto gibt.

Tangram

Tangram

Neu ist allerdings das Lösungsheft für ihn.

Daneben seht ihr das Lösungsheft für Alle Neune, das ich (noch) nicht besitze.

Das Kreis-Rätsel gehört in dieser Ausstattung zu den ältesten Ausgaben.

Hier sind im Aufgabenheft noch richtig schöne Figuren vorgegeben, die es nachzubauen galt:

Zum Vergleich ein neueres Aufgabenheft – hier dann nur noch in braun:

Neu ist das Herzrätsel:

Mit Aufgaben- und Lösungsheftchen:

Im Deckel findet man bei allen, bis auf die ganz alten Ausgaben auch stets die Artikelnummern der benötigten Steine. Da immer mal einer kaputt ging, konnte man sie nachbestellen – auch heute noch.

Den Grillentöter habe ich euch im alten Artikel nur theoretisch vorgestellt. Hier kommt er nun mit Bild und allen Heften (zwei verschieden große Lösungshefte links und unten):

Den Blitzableiter kennt ihr schon. Die Einheitsverpackung stammt aus den späten Ausgaben, den 1920-ern. (jetzt neu – auch mit zwei Lösungsheften)

An der ersten Innenseite der Lösungshefte kann man übrigens gut sehen, zu welchem Spiel es gehört. Die Titelseite ist oft abgerissen, aber das erste Rätsel ist immer die Anordnung der Steine in der Packung. Weiterhin steht der Anfangsbuchstabe oder ein Zeichen unten in der Mitte, das uns auf das Spiel schließen lässt. hier: ein Blitz (naja gut, mit Phantasie) und ein G für den Grillentöter.

 

Das Ei des Kolumbus, das hier noch als Wunder-Ei bezeichnet wurde. Update meines Besuchers jupp: Es handelt sich hierbei um das Spiel Nr. 25 „Nur Mut“. Danke für den Hinweis!

Werbung für weitere Anker-Spiele:

inklusive der Anker-Steinbaukästen (bekannt von meinem Artikel über Anker-Steinbaukästen)

Der Zornbrecher:

Es gibt noch ein paar weitere Lösungs- und Aufgabenheftchen, zu denen mir das Spiel fehlt. Hier Der Kobold

mit sehr ungewöhnlichen Steinformen:

In Holland heißt der Kobold Kabouter:

Eine kurze Einleitung:

Zum Schluß der Geduldprüfer:

Auf dänisch (?) heißt Geduld Taalmodighed. Ich frage mich, ob es eine Wortverwandschaft mit dem Talmud gibt.

Und das war’s für heute.

Adventskalender 1942 / 1943 – 24. Dezember – Heiligabend


Heute zeige ich euch die Seiten zum 24. Dezember. Wer den Anfang verpasst hat, findet ihn hier.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, tauchen Symbole und Textinhalte des Dritten Reichs auf. Sie sollen hier in keinster Weise verherrlichend gebraucht werden. Vielmehr spiegeln sie die Allgegenwärtigkeit der Diktatur wider. 

Die letzten Seiten des Kalenders sind erreicht. Heute Abend kommt, je nach Frömmigkeitsstufe, der Weihnachtsmann oder das Christkind. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und hoffe, daß euch die vergangenen 24 Tage einen kleinen Einblick in die Adventszeit während des Zweiten Weltkriegs verschafft haben. Die Zeiten waren hart, die Mittel wurden knapper und die Väter selten. Trotzdem haben die Eltern und Großeltern zweifellos ihr Bestes gegeben um den Kindern die Vorweihnachtszeit zu verschönern. Ich verabschiede mich für dieses Jahr und freue mich über zahlreiche Besucher, wenn es hier weitergeht.

1942

Weihnachtsgeschichten verkürzen die Wartezeit auf den Weihnachtsmann und stellen die Kinder ruhig:

1943

Nachdem der Vorfreude-Kalender durchgeblättert ist, folgen einige Weihnachts-Geschichten. Seht hier:

Ein wenig Bastelei für den Tannenbaum

Und abschließend die letzten Seiten auch dieses Kalenders:

Herausgegeben vom Hauptkulturamt in der Reichspropagandaleitung der NSDAP

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