Anker Geduldspiele – Tangram


Vor ziemlich genau drei Jahren gab es einen Artikel mit dem gleichen Titel. Den findet ihr hier.

Seither hat sich einiges in meiner Sammlung getan – Zeit, euch meine aktuelle Ansammlung dieser schönen, alten Geduldsspiele zu präsentieren.

 

Den Kopfzerbrecher habe ich leider gerade verlegt, weswegen es kein neues Foto gibt.

Tangram

Tangram

 

Neu ist allerdings das Lösungsheft für ihn.

Daneben seht ihr das Lösungsheft für Alle Neune, das ich (noch) nicht besitze.

 

Das Kreis-Rätsel gehört in dieser Ausstattung zu den ältesten Ausgaben.

 

Hier sind im Aufgabenheft noch richtig schöne Figuren vorgegeben, die es nachzubauen galt:

 

Zum Vergleich ein neueres Aufgabenheft – hier dann nur noch in braun:

 

Neu ist das Herzrätsel:

 

Mit Aufgaben- und Lösungsheftchen:

 

Im Deckel findet man bei allen, bis auf die ganz alten Ausgaben auch stets die Artikelnummern der benötigten Steine. Da immer mal einer kaputt ging, konnte man sie nachbestellen – auch heute noch.

 

Den Grillentöter habe ich euch im alten Artikel nur theoretisch vorgestellt. Hier kommt er nun mit Bild und allen Heften (zwei verschieden große Lösungshefte links und unten):

 

Den Blitzableiter kennt ihr schon. Die Einheitsverpackung stammt aus den späten Ausgaben, den 1920-ern. (jetzt neu – auch mit zwei Lösungsheften)

 

 

 

An der ersten Innenseite der Lösungshefte kann man übrigens gut sehen, zu welchem Spiel es gehört. Die Titelseite ist oft abgerissen, aber das erste Rätsel ist immer die Anordnung der Steine in der Packung. Weiterhin steht der Anfangsbuchstabe oder ein Zeichen unten in der Mitte, das uns auf das Spiel schließen lässt. hier: ein Blitz (naja gut, mit Phantasie) und ein G für den Grillentöter.

 

Das Ei des Kolumbus, das hier noch als Wunder-Ei bezeichnet wurde:

 

Werbung für weitere Anker-Spiele:

 

inklusive der Anker-Steinbaukästen (bekannt von meinem Artikel über Anker-Steinbaukästen)

 

Der Zornbrecher:

 

Es gibt noch ein paar weitere Lösungs- und Aufgabenheftchen, zu denen mir das Spiel fehlt. Hier Der Kobold

 

mit sehr ungewöhnlichen Steinformen:

 

In Holland heißt der Kobold Kabouter:

 

Eine kurze Einleitung:

 

Zum Schluß der Geduldprüfer:

 

Auf dänisch (?) heißt Geduld Taalmodighed. Ich frage mich, ob es eine Wortverwandschaft mit dem Talmud gibt.

 

Und das war’s für heute.

 

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Ein Lesezeichen aus China – UPDATE: Japan


Heute stelle ich euch etwas vor, von dem ich selbst nichts weiß.

 

Es lag als Lesezeichen in einem alten Buch. Und das ist auch schon alles, was ich darüber weiß. Mein Chinesisch ist begrenzt. Darum kann ich nicht lesen, was da steht. Wie noch weitere chinesische Dinge in meinem Besitz, könnte dieses Etwas aus der Zeit um 1900 stammen, zu der mein Ur-Onkel in Kiautschou stationiert war, um unsere deutschen Kolonien zu verteidigen.

Alle Artikel zu diesem Thema findet ihr übrigens hier.

Ein Update findet ihr im Kommentar. Danke Mitsuhiro Sato-san!

Taschenkalender von 1877 bis 1890


Daß ich Sammelbilder sammle, dürfte meinem geneigten Publikum nicht unbekannt sein. Eine kleine Unter-Rubrik sind Kalender auf Sammelbildern. Davon stelle ich euch heute einige vor.

1877

 

Die Vorderseite sieht aus, wie andere Sammelbilder auch, lediglich auf der Rückseite wurden Kalender aufgedruckt. Cleverer Schachzug: nur ein Quartal oder ein halbes Jahr war pro Karte gedruckt. Somit musste man rechtzeitig vor Beginn des nächsten Halbjahres eine neue Karte besorgen, idealerweise im Geschäft, dessen Adresse auf dem Kalender vermerkt war.

Auf diesen Bildern sieht man übrigens einen der großen Mankos der Taschenkalender. Sie waren offenbar in vielen Fällen zu groß für die Brieftasche und wurden zurechtgeschnitten. Das Ergebnis sind krumme, schiefe und oftmals ganz fehlende Kanten. Das wirkt sich bedauerlicherweise auf den Wert der Karte aus.

 

1878

Diese Karten sind unbeschnitten und in sehr guter Erhaltung.

 

Lediglich die Karte unten links war mal in ein Sammelalbum eingeklebt.

 

 

1881, 1887, 1890

Zum Schluß noch drei „neue“ Karten. An den unteren beiden kann man deutlich die billigere Qualität des Drucks erkennen.

Revue-Programme aus Paris, 1895


Vor gut einem Jahr habe ich euch einen meiner liebsten Programmzettel vorgestellt. Wer sich nicht mehr erinnert, der muß hier klicken.

Heute kommen noch zwei dazu, auf die ich nicht weniger stolz bin, gedruckt von den Firmen François Appel in der Rue du Delta, und Chaix et Cie., beide Paris.

Das erste stammt aus dem Casino de Paris, einem Revue-Theater, das heute zwar noch existiert, jedoch nicht mehr an der alten Adresse 15, Rue Blanche.

 

Gegeben wurde das Stück Rabelais, wahrscheinlich ein Schauspiel über den französischen Schriftsteller François Rabelais. Ich frage mich, was im 4. Akt „Nonnes & Ribaudes“ (Nonnen und Dirnen), einem Ballett-Tanz zur Aufführung kam.

 

Das Casino de Paris scheint nicht so wahnsinnig erfolgreich gewesen zu sein. Das schlußfolgere ich aus der doch sehr beschränkten Nutzung des Werbeplatzes auf der Rückseite. Schuhe des „Hauses der grünen Botten“ und Herr Pfeiffers Pianos. Das war’s.

 

 

Das zweite Programm stammt vom 4. Juli 1895. Es wurde zwar nicht bei F. Appel gedruckt. Allerdings war auch die Druckerei Chaix sehr berühmt – vielleicht sogar noch bekannter als Appel. Die Bibliotheque Nationale de France hat extra für euch hier eine kleine Zusammenstellung vorbereitet.

Mein Programm stammt aus dem „Hippodrome“

 

Das Programm selbst ist begrenzt aufschlußreich. Es wird getanzt und gemacht. Zweimal täglich, 11 Uhr mittags und 6 Uhr abends. Ein Buffet und die Bar sind geöffnet, Preise sind im Hause ersichtlich.

Die halbe Besetzung der Aufführung scheint durch Familie Gontard zu erfolgen. Allein 4 Hauptrollen.

 

Das Interessanteste an diesem Programm ist die Werbung auf der Rückseite.  Die Schneiderei Nicoll, eine Dependance des Londoner Geschäfts wirbt in englischer Sprache für Herren und Damenmode, die auch schon an die Königliche Familie in London geliefert wurde.

 

 

 

 

Familie Rauhe und der Krieg


Unsere derzeit weit verbreitete Weltanschauung betrachtet den Krieg als fürchterlich und man ist gehalten, ihn abzulehnen und ihm aus dem Weg zu gehen.

Bis vor 100 Jahren war das anders. Die Lust und Freude am Krieg war weit verbreitet. Man hatte seine Feindbilder – stets im Singular: DER Franzose, DER Engländer, … – und es gab nichts schöneres, als für Kaiser, Volk und Vaterland in den Krieg zu ziehen und ruhmreiche Schlachten zu schlagen.

Vielleicht lag das auch daran, daß die Verlustquote damals noch niedriger war. Man hat sich eine mit dem Säbel verpasst und gegebenenfalls einen Arm und die Nase abgehauen, von Kanonen getroffen zu werden, war nicht einfach und meist stand man sich im Kampf direkt gegenüber. Das Unheil nahm mit der Einführung von Maschinengewehr und Giftgas seinen Lauf und plötzlich konnte mit einem Fingeschnipp eine ganze Hundertschaft komplett vom Spielplan entfernt werden.

Heute gibt es für euch eine kleine Sammlung Schriftstücke aus einer ehemals mecklenburgischen Familie, dann wohnhaft in Berlin. Sie zeigt ganz gut, wie man trotz Todesfällen in früheren Schlachten, kaum erwarten konnte, auch endlich in den Krieg zu ziehen. Die Sachen sind nicht weltbewegend, aber hübsche Zeitdokumente aus der „guten alten Zeit“ (wahrscheinlich, als Kriege noch Spaß gemacht haben)

 

Verein Jugendwehr Rauhe 1902 Nachweis für freiwilligen Eintritt in das Heer

Dem Arbeiter Karl Rauhe, geboren den 15.X.1884 zu Berlin, wird beim freiwilligen Eintritt in das Heer Folgendes bescheinigt:

Er ist am 20.10.1898 bei der fünften Kompagnie der Jugendwehr eingetreten und hat sich nach der Meldung des zu…. Feldwebel sich stets gut geführt, den Dienst regelmäßig besucht und sich…. Er ist deshalb im Juli 1900 zum Unteroffizier befördert worden.

Unsere besten Wünsche begleiten ihn auf seinem weiteren Lebenswege.  Leitung der Jugendwehr Schemmann.

Wer sich anschauen möchte, wie es beim Verein Jugendwehr in der Berliner Blücherstraße zuging, der kann hier klicken.

Ich vermute, dieser Karl (Friedrich Wilhelm) Rauhe war derselbe, wie der hier schon vor einem Jahr erwähnte.

 

Erlaubnis zum Militärdienst des minderjährigen Sohnes Karl Friedrich Wilhelm (17,5 Jahre)

Berlin, 8 Februar 1906

Ich, der Lackirer Johann Friedrich Wilhelm Rauhe, geb. den 20. September 1849 zu Berlin, gebe hiermit meine Einwilligung, daß mein Sohn, Karl Friedrich Wilhelm Rauhe geb. den 15. Oktober 1884 zu Berlin, Telegrafen-Arbeiter, sich Freiwillig zu Mehrjährigen Eintritt beim Militär stellen kann.

Wilhelm Rauhe

 

 

 

Anfrage Totenliste Rauhe Schlacht bei Vionville 1870/71 11.8.1908

Berlin 11.8.08

Bitte … Hochwohllöbliches Regiment, um einen Auszug aus der amtlichen Totenliste, des in der Schlacht bei Vionville, am 16. August 1870/71 gefallenen, Gefreiten Hermann Rauhe, der 6. Compagnie. In dem ich… Hochwohllöbliches Regiment herzlich bitte, den Auszug umgehend wegen Erbschafts-Regulirung zu schicken verbleibe Ich Hochachtungsvoll Wilhelm Rauhe.

 

Anfrage Totenliste Rauhe Schlacht bei Vionville 1870/71 11.8.1908

Kamerad Verein ehemaliger 24er – Infanterie-Regiment Grossherzog Friedrich Franz II. (24)

Neu-Ruppin, 13.8.08

nach Beifügung eines Auszuges aus der Kriegsstammrolle zurückgesandt. A. B. von Flotow

 

 

 

 

Es gibt noch einen Auszug aus den Taufbüchern. Kurioserweise wurde der Familie Rauhe, wie im Folgenden zu sehen, am 5. September ein Sohn namens Friedrich Wilhelm Hermann geboren. Zwei Jahre später kam der oben erwähnte Johann Friedrich Wilhelm zur Welt. Wie man auch oben sehen kann, haben alle Söhne einen Teil ihres Namens nach einem der Preußenkönige erhalten – wie monoton.Taufschein Rauhe 1866 5.9.1847 Sophien-Kirche Berlin

Behufs der Berichtigung der Stammrollen und auf den Grund der Tauf-Register und Kirchen-Bücher pflichtmäßig bescheinigt, dß die Friederike Wilhelmine verehelichte Rauhe, geborene Granzow in der Ehe mit dem Postillon Friedrich Wilhelm Rauhe zu Berlin am siebenundzwanzigsten Juli des 18 Hundertsiebenundvierzigsten Jahres nach Christi Geburt einen Knaben geboren hat, der in der heiligen Taufe am 5ten September 1847 den Namen Friedrich Wilhelm Hermann erhalten hat.

Dieses unentgeltlich ausgefertigte Attest darf allein zu dem oben bezeichneten Zweck gebraucht werden und hat in allen übrigen bürgerlichen Verhältnissen keine Gültigkeit.

Ausgefertigt zu Berlin, den 11. September 1866

 

Zu der Herolds-Kunst – Wappen-Buch, 1694


Heute wird euch wieder einmal eines meiner Bücher vorgestellt. Diesmal eines der älteren in meiner Bibliothek. Ich versuche, den Text so kurz wie möglich zu halten. Schaut euch die Bilder an (Klickt auf ein Bild und schaut euch die bessere Auflösung an!) und fragt, wenn ihr mehr sehen wollt.

 

Was mir bei alten Büchern besonders gefällt ist die Eigenart, keine kurzen und einprägsamen Titel zu haben, sondern stattdessen eine Kurzbeschreibung des Inhalts als Titel zu verwenden. Der Buchtitel dieses Druckwerks lautet:

Zu der Herolds-Kunst: Auff Eine bequeme und deutliche Art verfasset ; Jn zwey Theilen Die Wapen Der vornehmsten Staaten Als Käyser/ Könige/ Fürsten und Republiquen von gantz Europa Gleichsahm auff einen Anblick darstellend Und In dieser Teutschen Ubersetzung Mit einem Neuen Theil Von der Wapen-Kunst insgemein/ Laut des nohtwendigen Berichtes in der Vorrede/ Vermehret/ von Caspare Bussingio, Prof. Publ.

und erschien 1694 in Hamburg, im Schultzischen Buchladen. Wer war Caspar Bussing? Das könnt ihr hier nachlesen. Meine 1694-er Ausgabe des Buches gibt es zwar nicht in der Staatsbibliothek zu Berlin, die Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle hat aber eins und das sogar in digitaler Form.

 

Das Buch unterteilt sich in mehrere Theile:

Erster Theil. Des Heiligen Römisch=Deutschen Reichs vornehmste Wapen enthaltend.

Die Vorrede des ersten Theils:

 

Eine Erläuterung der Wappen-Zusammensetzung

 

Der Kaiser der Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Buches war das der überaus hübsch anzuschauende Habsburger Leopold I. – direkter Gegner von Ludwig XIV. – dem Sonnenkönig. Er ging in die Geschichte ein als Bekämpfer der Franzosen und der Türken.

 

Der König von Böheim (Böhmen?) als Chur-Fürst

 

Der Chur-Fürst von Mäyntz (Mainz)

 

Der Chur-Fürst zu Trier

 

Der Groß-Meister des Teutschen Ordens.

Wikipedia schreibt im Artikel zum Deutschen Orden: Als wichtigste Aufgabe betrachtete der noch immer vom Adel und dessen Wertvorstellungen geprägte Orden jedoch den kriegerischen Einsatz der Ritterbrüder, die sich seit dem 17. Jahrhundert nach italienischem Vorbild auch Cavaliere nannten. Einer satzungsgemäßen Verteidigung des christlichen Glaubens boten die seit dem 16. Jahrhundert eskalierenden Türkenkriege ein umfangreiches Betätigungsfeld. Trotz finanzieller Notlagen leistete der Orden auf diese Weise erhebliche Beiträge für die – im Sprachgebrauch der Zeit sogenannte – Verteidigung des Abendlandes gegen das Osmanische Reich. Professritter dienten zumeist als Offiziere in Regimentern von katholischen Reichsfürsten und in der kaiserlichen Armee. Insbesondere das kaiserliche Infanterieregiment No. 3 bezog seine Rekruten aus den deutschen Ordensgebieten. Alle tauglichen Ritterbrüder hatten ein sogenanntes exercitium militare abzuleisten. Sie dienten für den Zeitraum von drei Jahren im Offiziersrang in den durch Kriegszüge besonders gefährdeten Grenzfestungen, ehe sie weiterführende Ordensämter übernehmen durften.

 

Der Hertzog von Lotharingen (Lothringen)

 

Zweyter Theil:

Des Bremisch=Verdischen Ritter=Saals / Nach geschehener Eröffnung / Zuerst erscheinender Herren=Sitz / Vorstellend Ihrer K.Maj. zu Schweden / etc. etc. Als Hertzogen zu Bremen und Verden / etc. etc. Vollständiges=Wapen Aller Teutschen Provintzien. Entworffen von Caspare Bussingio, P.P.

 

 

Der Römische Papst. DIesem kombt unter allen Welschen Staaten die erste Stelle würcklich zu / weil die übrigen (auch ein Großtheil ausser Welschland) demselben freywillig nachgeben. Von dem Uhrsprunge des Papst=Thums / sonderlich in der Monarchischen Form / darin es jetzo pranget / ist nicht noht viel zu erwehnen / da in unzehlich grossen und weitläufftigen Wercken solches ausgeführet.

 

Ihre Königl. Hoheit von Savoyen.

 

Der Groß=Hertzog von Hetrurien (Toscana)

 

Die Republiqw Venedig / Genua / Lucka / der Malteser Ritter=Orden.

 

Der Republiqw Venedig völliger Schild.

 

Der König von Groß=Britannien

 

Der Zaar / Käyser oder Groß=Fürst in der Moßkaw

DEr Russen / die nun mehrentheils Moßcowiter von der Haupt=Stadt Moßcaw genandt werden / Uhrsprung wird von dem Ruß hergeleitet / einem Bruder oder doch Reise=Gefehrten des Zechs / der vor der Böheimen und Lechs  / der der Pohlen Ahnherr gehalten wird / wellche zusammen um die Mitte des VI. Jahrhunderts aus Illyrien in diese Gegenden gezogen und neue Fürstenthümer alda auffgerichtet.

 

Die Spanische Niederlande

 

Der zweyte Theil vom Zweyten Theil:

 

Dem Durchlauchtigsten und Großmächtigsten Fürsten und Herren HERREN CARLN dem XI. Der Schweden / Gothen und Wenden Könige / Groß-Fürsten in Finland / Hertzogen zu Schonen / Ehesten / Lieffland / Carelen / Bremen / Verden / Stetin / Pommern / der Cassuben und Wenden / Fürsten zu Rügen / Herren über Ingermanland und Wißmar. Wie auch Pfaltz-Grafen bey Rhein / in Bäyern / zu Gülich / Kleve und Bergen Hertzogen etc. etc. etc. Seinem Allergnädigsten Könige und Herren überreicht Zu Allerunterthänigstem Danck vor alle Zeit seiner Acht-Jährigen DIenste genossene Königliche Hulde / Schutz und Schirm / Diese Von Ihro Königliche Majestet hell-strahlenden Erb=Stamm= und Sieges=Eroberten Wapen Allein beleuchtete und Auff derselben tieff=demüthigste Verehrung eintzig reflectirende Schrifft Dero  Geheiligsten Majestet Aller=unterthänigster Knecht Caspar Bussingius, Nach aller=gnädigster Erlassung von dem Königl. Athenaeo zu Bremen  / anjetzt bey dem Hamburgischen Gymansio Mathem. Prof. Publ.

 

Das andere Capitel. Von den Schwedisch=Teutschen Wapen insonderheit und erstlich Von den Pfältzischen.

 

Das dritte Capitul. Von den Bremisch=Verdischen Wapen.

Das vierdte Capitul. Von den Pommerschen Wapen.

Das fünffte Capitul. Von den Wißmarschen Wapen.

Das sechste Capitul. Von den Helmen / Helm=Decken / Krohnen / Chur= und Fürsten=Hüten / Kleinoden und Schild=Haltern / so zu diesen Schilden gehören..

 

Der Rest des Buches besteht aus Text. Zwar interessant zu lesen, aber nichts für den Blog. Ein, wie ich finde, schönes Buch mit vielen Informationen zur politischen Herrschaftslage vor über 320 Jahren. Und weil es kein neues Buch ist, das alte Dinge berichtet, sondern ein altes Buch, das damals aktuelle Sachen aufgezeichnet hat, macht es für mich aufhebenswert und stellt ein schönes Stück in Moopenheimers Museum dar.

Folies Bergere in Paris – Programm von 1890


Einen Monat war euer Museumsdirektor sozial engagiert unterwegs, hat viele Dinge erlebt, die Hirn und Herz angeregt haben und glaubt, Gutes getan und geholfen zu haben, wo es im Moment wichtig ist. Damit ist noch nicht Schluß, aber das erste Chaos ist überwunden und die größte Not ist gelindert.

Als Dankeschön für das lange Warten habe ich euch als erstes Ausstellungsstück nach den „Sommerferien“ eines meiner Lieblinge in der Sammlung ausgewählt. Ein Programm des Varietés Folies Bergère in Paris.

Es ist ein Druckerzeugnis aus der Imprimerie Francois Appel und wurde 1890 hergestellt. Dank aufwändiger Chromolithographie leuchten die Farben auch nach 125 Jahren so, als wäre es gerade frisch aus der Druckerei gekommen.

Im Innenteil steht als Datum „Mardi 16 Decembre“. Dank des Internets ist es nicht schwierig, das dazugehörige Jahr herauszufinden. 1890 war wie durch Zufall auch das erste Jahr der größten Erfolge des Folies Bergère. Wikipedia fasst das sehr bildhaft zusammen:

Unter dem Eindruck der Jahresrevuen, die sich an einigen Theatern großer Beliebtheit erfreuten, inszenierte (der Besitzer) die erste, dem Metier angepasste Revue, die am 30. November 1886 Premiere hatte und die für damalige Begriffe unglaubliche Summe von 10.000 Franc kostete. Die Programme waren angefüllt mit vielen spektakulären Nummern: Kraftmenschen, Löwenbändigern, Groteskenpantomimen, Elefantendressuren, Abnormitätenschauen und Ringkämpfen. Doch auch das vermochte das Publikum nicht dauerhaft und regelmäßig in die Vorstellungen zu locken. Daher organisierte man (ab 1890) für die besten Prostituierten der Stadt Freikarten, die sie zum vierzehntäglichen Wandeln durch die Foyerhallen berechtigten. Zwar waren keine offensiven Angebote erlaubt, doch ein aufforderndes Kopfnicken war gestattet. Paul Derval, lange Zeit Direktor der «Folies Bergère», schrieb dazu in seinen Memoiren: „Dieses geniale System bewährte sich einige Jahre hindurch sehr gut. Jeder Pariser wusste, dass die Damen im Promenoir solche von leichter Tugend waren und dass sie die Crème ihrer Profession darstellten … kurz, das Promenoir der Folies Bergère war als der beste Liebesmarkt der Stadt bekannt.“

Mit ein wenig Phantasie kann man sich vorstellen, wie so mancher Abend einer lustigen Herrengruppe verlaufen sein mag.

Den großen Zuspruch der Pariser Bürger kann man bei diesem Programm am gut gefüllten Anzeigenraum erkennen. Es lohnte sich offensichtlich, auf Programmheften des Folies Bergère, die noch dazu 20 Centimes kosteten, zu werben. Ein weiteres Programm, das nur zwei Tage eher erschien und ein Beispiel für weniger großen Zuspruch der Werber darstellt, hatte ich euch hier schon einmal vorgestellt.

Für was wurde 1890 in einem Variete geworben?

Auf der Titelseite: TSARINE Creme und Reispuder (beides, auch wenn es nach Desserts klingt, dazu da, Frauengesichter anmutig erscheinen zu lassen), erhältlich in der Parfümerie Violet

Im Mittelteil: Das Möbelgeschäft Maison Janiaud junior preist sein großes Sortiment an (gebrauchten?) Möbeln zum Kauf oder Tausch an. (habe ich das richtig übersetzt?); Diamanten, Absinth und alle großen Parfüm Marken

Auf die Rückseite haben es größere Anzeigen geschafft: Apricosenlikör von P. Garnier, die Brasserie Mallet (bis 2 Uhr geöffnet!); La Balneum – ein Badehaus nach türkischer, römischer und russischer Art – 2 Franc ohne, 3 Franc mit Massage (oha) oder das ELIXIR GODINEAU, mit dem man für nur 20 Franc pro Fläschchen Dinge erreichen kann, die mir meine begrenzten Französischkenntnisse  glücklicherweise verschließen.

Meine anderen bereits veröffentlichen Dinge von Monsieur Appel könnt ihr euch anschauen, indem ihr hier klickt.

Über den Preis, den man für ein Programmblatt in dieser Erhaltung zahlen muß, möchte ich an dieser Stelle schweigen.

Kalender – 1887 – Émile Bayard und Henri Sicard


Kalender sind eine tolle Erfindung. Seit der Mensch Zeit und Ruhe hat, sich die Sterne anzusehen und den Lauf von Mond und Sonne zu verfolgen, gibt es Kalender – in etwa. Anfangs in Form riesiger Steine, die in bestimmten Mustern aufgerichtet wurden oder als schmale Ritzen im Mauerwerk, die das Sonnenlicht auf einen bestimmten Punkt scheinen ließen, wurden sie im Laufe der Jahrtausende immer kleiner, handlicher, praktischer und schöner, nur um schließlich ihr Leben als langweilige Smartphone-App unter den schmierenden Fingern der Menschheit zu fristen.

Ein Teil meiner Sammlung bilden Kalender, diese dann in Form von Taschenkalendern und die wiederum aus der Zeit zwischen 1870 und 1900. Viele habe ich nicht. Diese Sammlung ist auch nur eine Unterkategorie meiner Chromolithographie-Sammelbildchen-Sammlung. Auf einigen dieser Karten wurden halt Kalender aufgedruckt. Das ist auch schon der große Unterschied.

Wenn mir jedoch dann ein Kalender eines meiner favorisierten Drucker in die Hände fällt, kann er auch ruhig etwas größer sein, so wie dieser 129 Jahre alte Vertreter, der so groß ist, daß er gerade so in die größte meiner Schubfächer passt.

Henri Sicard kennt ihr schon aus dem Beitrag über den Kleinen Däumling und den Menschenzoo. Im Laufe der Zeit werden noch weitere Artikel hinzukommen. Sie alle findet ihr dann hier.

Der Rand neben Januar und Februar ist leider etwas ramponiert. Aber ich möchte euch mal mit 129 Jahren sehen.

Interessant ist die Umsetzung des Gemäldes. Wer versteht, wie Chromolithographie funktioniert, weiß wie schwierig es ist, ein Gemälde in dieser Größe bei gleichbleibender Qualität in 7 oder mehr Farben aufzuteilen und diese dann auf die Lithographiesteine zu übertragen. Das Gemälde stammt vom berühmten Illustrator Émile Bayard.

Und wer schon jemals ein Werbeplakat für Les Miserables gesehen hat, der kennt dieses Bild

und kann ab jetzt stolz behaupten: „Ich weiß, daß dieses Bild von Émile Bayard ist und Moopenheimer hat von ihm einen uralten Kalender.“

So sieht das Original aus – die Signatur unten rechts ist auf meinem Kalender unten links zu finden.

„Ebcosette“ von Émile Bayard – 1886 engraving for Victor Hugo’s Les Miserables. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ebcosette.jpg#/media/File:Ebcosette.jpg

Mein Kalender war ursprünglich ein Wandkalender, hing bestimmt auch ein Jahr herum – wie ich vermute, in der Nähe einer Tür, die beim Öffnen und Schließen gegen den Januar stieß und ihm das erwähnte Leid zufügte. Er war im Jahr 1886 ein Werbegeschenk des Pariser Kaufhauses Maison de la Belle Jardiniere – hoppla, schon wieder eines meiner Sammelgebiete.

Und jetzt hat bestimmt auch der letzte meiner Leser etwas hinzugelernt und niemand ist am heutigen Tag umsonst aufgestanden.

Willkommen im Menschenzoo – Paris 8. Mai 1887


Vor einem knappen halben Jahr habe ich euch mein kleinstes Sammelgebiet vorgestellt – die Stuhlkarten. Damals habe ich euch eine weiter Karte versprochen – eine großformatige. Die ist eigentlich schon so groß, daß man schon gar nicht mehr von Karte reden kann. Es ist schon ein Blatt.

 

Etwas kleiner als ein A4-Blatt, war diese Chromolithographie in absolut neuwertiger Erhaltung einigermaßen schwierig zu bekommen. Sie stammt aus der Druckerei Henri Sicard, neben Francois Appel, Vallet & Minot und Testu, Massin & Champenois eine der ganz großen Imprimeries von Paris.

Ich hatte euch Henri Sicard bereits in diesem Artikel erstmalig vorgestellt. Es gab noch weitere große Druckereien in Paris, der Hauptstadt der vom Deutschen Alois Senefelder erfundenen Lithographie. Bognard, Thomas Dupuy, Bouillon-Rivoyre, Hutinet, Baster & Vieillemard, Henri Laas, Courbe-Rouzet, Romanet, Dangiville (eine der ältesten), Aubry,  Verger und Bataille – ich glaube, das ist eine vollständige Liste aller namhaften Imprimeure des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die meisten wurden erst in den späten 1870-er oder frühen 1880-er Jahren gegründet, wuchsen mit der Nachfrage nach Werbe-, Kalender- und Verpackungsdrucken schnell und waren zu beginn des 20. Jahrhunderts verschwunden.

Einige wenige überlebten und kauften lukrative Konkurrenten auf. So wurde aus Testu & Massin zuerst Testu, Massin & Champenois und schließlich bleib nur noch Champenois übrig. Den kennt beinahe jeder durch seine Drucke der Werke von Alphonse Mucha.

 

Zurück zu unserem heutigen Exponat: Der Jardin Zoologique d’Acclimatation du Bois de Boulogne wurde 1860 von Napoleon III eröffnet. Es war einer von zwei Pariser Zoos in dem bis 1870/71 viele Tiere aus der ganzen Welt gezeigt wurden. Während der Belagerung von Paris durch die Preußen in den eben genannten Jahren zog man es vor, die Tiere vom Chefkoch Alexandre-Étienne Choron köstlich zubereiten zu lassen und zu verspeisen. Ob dazu die vom Maître kreierte Sauce Choron bereits gereicht wurde, ist mir unbekannt.

Zwischen 1877 und 1912, also zu der Zeit, in der unser heutiges Blatt den Besuchern ein wunderschönes Konzert ankündigte – es war der 8. Mai 1887 – bot der Garten „l’Acclimatation Anthropologique“ wie er inzwischen hieß, eine ganz bezaubernde Attraktion an. Buschmänner, NubierZulu und viele weitere afrikanische Stämme wurden in einem menschlichen Zoo ausgestellt. Der Erfolg war enorm. Seit diese heute eher unwahrscheinliche Ausstellung eröffnet wurde, verdoppelte sich die Anzahl der Besucher auf eine Million pro Jahr.

Welche Musik wurde im Mai 1887 gespielt? Schauen wir auf das Programm: Mayeur (der auch selbst dirigierte), Auber, Jules Massenet, Johann Strauß, Georges Bizet, Sellenick, Gounod, Desormes.

 

Auf der Rückseite finden wir Werbung für Herren- und Knabenmode des Kaufhauses La Grande Maison gegenüber des Louvre.

Überraschenderweise wurden die Anzüge immer teurer, je jünger der Knabe war. Um dem Bengel ganz rechts sein neues Outfit zu finanzieren, waren bereits 50 bis 55 Franc nötig, wohingegen Vater für die Hälfte einen schmucken Anzug bekam. Mit Toben und Schmutzigmachen war es dann allerdings Sense. Allenfalls auf einen Hügel zeigen (wie er uns das vormacht) und einmal hin und wieder zurücklaufen – mehr war nicht drin.

Bitte nicht so freundlich! – Ernst schauen auf alten Fotos


Habt ihr euch schon einmal gefragt, wieso auf alten Fotos alle immer so ernst dreinschauen?

 

Die Antwort darauf ist recht simpel. Die Fotos von damals, so wie oben am Beispiel meiner Ur- oder Ururgroßmutter zu sehen, wurden noch nicht auf Filmen aufgenommen, sondern auf Fotoplatten. Die hatte ich euch hier schon einmal vorgestellt. Das waren Glasplatten, die mit einer lichtempfindlichen Auflage versehen waren. Wurde die Fotoplatte in der Kamera dem Licht ausgesetzt, entstand das Negativ. Das Prinzip ist bei allen Filmkameras gleich geblieben. Lediglich die Lichtempfindlichkeit der Filme wurde verbessert. Das Ergebnis: ein kurzes Klick, die Linse wird geöffnet und sofort wieder verschlossen – fertig.

Damals ging das nicht so schnell. Der Kameradeckel wurde entfernt bzw. die Abdeckung der Fotoplatte wurde herausgezogen. Nun hieß es warten – bei neueren Modellen nur 5 Sekunden, ganz früher bis zu einer halben Minute musste man absolut reglos sitzen oder stehen und möglichst nicht mal mit den Augen zwinkern. Kein Wunder, daß man ernst dreinschaut. Wer länger als 10 Sekunden unbewegt lächeln will, sieht ganz schön dämlich aus.

Das Ergebnis solch einer Aktion war eine Fotografie, die dann auch etwas Besonderes darstellte. Es gab nur ein Motiv, das mehrmals entwickelt und den liebsten Freunden und Verwandten zugeschickt wurde. An das lawinenhafte Überschütten der Umwelt mit Selfies war nicht zu denken. Der Fotograf Photograph war ein angesehener Mann, der sein Handwerk verstand. Und das tat er kund. Jedes Foto wurde früher noch auf eine Trägerpappe aufgeklebt. Die wurde auf der Vorderseite beschriftet. Allerdings nicht mit dem Namen der abgebildeten Person. Nein, der Photograph wurde verewigt.

Und die Rückseite der Photos wurde ebenfalls mit Eigenwerbung versehen. Schließlich bekam der Fotografierte ja das Foto und wusste, wer drauf war.

 

 

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