Kochbuch für Wilhelmine Herr, Gaggenau, 1867


Wilhelmine Herr hat mir ihr 1867 begonnenes Rezeptbuch hinterlassen. Äußerlich nicht sehr hübsch, wurden alle Rezepte nur in ein gewöhnliches Schreibbuch eingetragen.

 

Wilhelmine Herr – von allen offenbar nur Mina gerufen – wird zu Beginn der Aufzeichnungen um die 20 Jahre alt gewesen sein. Die Handschrift mit der die Rezepte eingetragen wurden, erinnern mich an einen ähnlich sauberen und schwungvollen Schreibstil meiner Urgroßtante Toni Tresselt, die schon mehrfach in meinem Museum aufgetaucht ist. Sie hat alle Liebesbriefe, die überliefert sind, in einer sehr ähnlichen Schrift verfasst.

 

Der einfachen Lesbarkeit halber, habe ich das Pfundzeichen ℔ durch das Wort Pfund ersetzt.

Auch dieses Rezeptbuch beginnt mit den Suppen

Krebssuppe und Kärbelsuppe (sic!)

Krebssuppe – Ziehe den Krebsen die Schwänze aus, stelle sie mit Wasser und Salz, lasse sie einige Mahl kochen, dann werden die Schwänze heraus genommen, dann stoße sie mit einem halben Pfund Butter fein, thue sie in eine Pfanne, dämpfe sie mit einem halben Pfund Butter, hebe die Krebsbutter ab und lasse sie durch ein Haarsieb gelaufen, thue Wekschnitten (Weckschnitten = Brötchenhälften) in Fleischbrühe und thue den Krebsbutter. mache beliebig Knöpfchen (ich glaube, das sind so etwas wie Gnocchi) dazu.

 

Reissuppe – Der Reis wird 2mal ablanschirt (abblanchiert?), alsdann kommt ein Stückchen Butter und 1 Zwiebelchen mit Nägelein (Nelken) besteckt hinzu. Fülle es nach und nach mit Fleischbrühe auf und mache ein Teigchen halb aus Mehl und Fleischbrühe daran. Gersten– und Sagosuppe wird auf die nämliche Art zubereitet und wird Beider leicht ablanschirt und das Teigchen von lauter Mehl gemacht.

 

Saucen

Sardellensauce – die Sardellen werden fein gereinigt und mit einem kleinen Stückchen Butter durch ein Haarsieb getrieben alsdann wird eine Sauce von einem Stückchen Butter und Mehl gelb geröstet und vor dem Anrichten die Sardellen mit etwas Sauce zerdrückt und daran gerührt.

Kräutersauce – 3 Eier werden hart gesotten und das Weiße von dem Gelben losgemacht und fein gewiegt, das Gelbe mit 3 Löffel voll Oel fein zerdrückt, dann kommt ein gewiegter Hering einige gewiegte Charlottenzwiebeln, Petersilie, Senft und mit Wein u. Essig gut untereinander gerührt.

Charlottensauce – Butter und Mehl wird in ein Pfännchen gethan und gelb geröstet, alsdann wird ein gehörige Quantum fein gewiegte Charlottenzwiebeln dazu gethan und wenn sie weich sind mit Essig und Fleischbrühe abgelöscht, glatt gerührt und gut aus kochen lassen.

 

Salat

Italienischer Salat – Zung, Kalbsbraten, Schinken, Aepfel, Häring Werden klein wirfelig geschnitten, dann werden Sardellen fein gewiegt und dazu gethan, nebst Senft, Kartoffelsalat und eingemachten Gurken, dieses Alles wird mit Essig und Oel gut untereinander gemacht. Man verziert ihn mit fein gewiegten Rothrüben, Eiern, Gurgen, Kapern, Oliven und Sardellen ganz nach eigenem Geschmack.

 

Gemüse

Rothkraut – das Kraut wird fein geschnitten, in eine Casseroule Fett gethan, das Kraut darauf nebst einigen Aepfelschnitten und einem Schop. Rothwein nebst etwas Essig.

Bairisches Kraut – das Kraut wird fein geschnitten, in eine Casseroule Fett gethan, Eine kleine Zwiebel hinein geschnitten und gieße Wein und Essig darüber und lasse es weich werden.

Weißkraut – das Kraut wird in Salzwasser abgekocht, und nachher feingewiegt wie ein Mus. Dann thue man Butter und fein gewiegte Zwiebel in eine Casseroule und wenn sie gelb sind Mehl dazu, wenn das Letztere angezogen hat mit Fleischbrühe abgelöscht, das Kraut hinein gethan und Pfeffer Muskatnuss etc. dazu gerieben und gut untereinander gefuhrwerkt.

Gelbrüben resp. Galgennägel – Die Gelbr. werden in längliche Stückchen geschnitten. In eine Casseroul thut man Butter und gewiegte Zwiebel, die Gelbrüben darauf gethan nebst Peterlung, Zuker, Salz und Muskatnuß und aufs Feuer gestellt. Wenn sie weich sind mache eine Buttersauce und thue sie hinein.

 

Schwarzwurzel – die Wurzeln werden geputzt und in längliche Stückchen geschnitten, man muss aber in die Schüssel wo sie hinein geputzt werden ein Teigchen von Mehl und Essig machen und dann mit Wasser auffüllen. Alsdann werden sie mit Salzwasser aufs Feuer gestellt. Wenn sie weich sind wird eine Buttersauce gemacht die Wurzeln hinein gethan und vor dem  Anrichten legirt.

Einige Zettel lagen zwischen diesen Seiten.

Bärentazen – ½ Pfund Zucker wird mit 3 großen Eierweiß zu Schnee eine Zeit gerührt, allsdann ½ Pfund geriebene Mandeln, ½ Loth Zimmt, 6 Loth geriebene Chocolade, den Saft und die Schale einer halben Citrone. Man nimmt sich Mandelmehl, Zucker, macht Kügelchen daraus welche man in das Muschelförmchen welches mit Zucker ausgestreut ist einzudrückt.

 

Butterhagen – ¼ Pfund Butter, ½ Pfund Mehl, 6 Loth Zucker, das abgeriebene einer Citrone, Alles dies wird mit 3 Eigelb auf dem Brett gut durcheinander geschafft, Hagen daraus gemacht und mit Eiweiß gestrichen. Wer’s liebt kann sie mit gröblich gestoßenem Zucker oder mit geschnittenen Mandeln bestreuen.

 

Leberknöpfle – Wenn die Leber ganz fein gehakt ist, dann wird sie in eine Schüssel gethan. Zwiebel werden fein geschnitten und mit Butter gebrannt. Weke nach Maß werden in Wasser eingetaucht und wenn sie weich sind ausgedrückt, Majoran, Pfeffer, Mehl, Eier, Salz, Muskatnuß alles dies untereinander gearbeitet. Knöpfeln mit dem Löffel ins Wasser gelegt und wenn sie gekocht sind mit Butter und Reibbbrod abgeschmelzt.

Reis – Der Reis wird zweimal ablangirt und mit Fleischbrühe einem Rosenknöpfchen und Parmasant oder Schweizerkäs weich gekocht. Gewohnlich servirt man Poularden dazu.

 

Kartoffelknöpf – Die Kartoffel werden gekocht, gerieben, nebst 2 in Milch eingetauchte Weke, welche vorher in kleine Würfel geschnitten wurden, alsdann wird Butter und Zwiebel gelb geröstet, nebst Peterling etwas zu einem halben Mäßlein Mehl, Majoran, Muskatnuß, Salz und mit 10 Eier leicht untereinander geschafft, im Salzwasser abgekocht auf eine Platte angerichtet und mit Butter abgeschmelzt.

Schinkennudeln – Die Nudelkuchen werden gemacht wie die andere. Es wird Schinken fein gewiegelt, dann kommt Rahm und Pamesentkas daran. Jetzt kommen zuerst Nudeln in eine Schüssel dann die Hälfte von dem Schinken, eine Lage ist Nudeln die andere Hälfte Schinken und noch eine Lage Nudeln oben, darauf Reibrod (Reibbrot) darauf gestreut und mit etwas Butter im Offen gelb gebaken.

 

Prieschen (Brieschen = Kalbsgehacktes) – Die Prieschen werden in kaltes Wasser gelegt, daß das Heutige (häutige) davon weggeht, alsdann werden sie wie Reis zweimal ablengirt und nehme sie heraus und reinige sie, dann lege sie in eine Caßeroule mit Butter und allem Gewürz und lasse sie weich dämpfen und gebe folgende Sauce dazu: Röste Mehl mit Butter braun, lösche es mit Wein ab und verdünne es mit Fleischbrühe. Man kann auch eine weiße Sauce dazu machen, welche mit Rahm und Eigelb legirt wird.

Hamelbrust (beachtet den Strich über dem m, der eine Verdopplung anzeigt; also Hammelbrust) – Sie wird ausgebeint und in Salzwasser mit etwas Knoblauch weich gekocht, dann im Ei und Weißmehl gedunkt und mit einem Stück Butter gebraten. Man kan (wieder mit Strich über dem n! – im weiteren Text ersetze ich der Lesbarkeit halber den Buchstaben mit Überstrich durch den entsprechenden Doppelbuchstaben) sie auch füllen.

Kalbsfüß und Kopf – wird auf die nämliche Art zubereitet nur wird der Knoblauch weggelassen. In einem gebrühten Teig schmeken sie auch gut nur müssen Sie dann in schwimmendem Schmalz gebacken werden.

 

Wieder lag ein Zettel zwischen den Seiten. Diesmal eine Werbung für Liebig’s selbstthätiges Backmehl mit dem man unter anderem auch Brod backen kann. Mehl, das ohne Hefe aufgeht bekommt man als selbstgehendes Mehl auch heute noch zu kaufen. Es ist besonders in England sehr verbreitet.

Die Schreibweise der Worte Brod, Schaale einer Citrone oder ächt lässt den Zettel auf eine Zeit vor 1901, also vor die Rechtschreibreform datieren.

Die Rückseite wirbt für Liebig’s Puddingpulver um einen vorzüglichen Pudding ohne Eier zum halben Preise und ohne grosse Mühe zu bereiten.

 

 

Wildenten – Die Enten werden ausgenommen mit Pfeffer und Salz ausgerieben und gut abgewaschen. Man stellt sie mit Butter und allem Gewürz aufs Feuer und löscht sie mit Fleischbrühe ab.

Füllet (Filet?) zu kleinen Fleischpastetchen – Charlottenziebel fein gewiegt werden in Butter gedämpft, dann kommt fein gewiegtes Fleisch hinzu nebst Peterling, Muskatnuß, Salz, Kapern und Fleischbrühe lasse es noch ein wenig miteinander dämpfen, fülle die Pastetchen damit und stelle sie noch einmal in den warmen Ofen.

Broschirte (pochierte) Eier – Fülle die Hälfte der Caßeroule mit Wasser, sodann Essig und Salz bis es worschmeckt, thue dann die Eier hinein fallen lassen aber acht geben, daß sie nicht zerfallen, lasse einige Wall darüber kochen, dann sind sie fertig.

 

Stockfische – werden auf dieselbe Art zubereitet (Schellfisch) nur werden sie mit Zwiebel abgeschmeckt und Muskatnuß darauf gerieben.

Gebakene Birsching (?) – wenn sie sauber geputzt sind werden sie tüchtig gesalzen zuerst in Mehl dann in Ei und Reibbrod gedunkt und in Schmalz gebaken.

Gedämpfter Hecht – der Hecht wird geputzt dressirt in eine Pfanne gesetzt, nebst fein gewiegelten Charlottenzwiebel, Butter, Peterling, Muskatnuß, Salz, fein gewiegelten Sardellen, Zitronen, Lorbeerblatt und in den Ofen gestellt, wenn er bald weich ist wird er mit Wein abgelöscht, später kommt noch Rahm und ein wenig Sauce wie zum eingemachten Kalbfleisch mit Kapern dazu. Man kann die Sauce auch hinweglassen.

Salmen – Er wird mit einer Flasche rothen Wein, 4 in Scheiben geschnittenen Zwiebel, etwas ganzer Pfeffer, einige Nelken, 1 Scheibe Zitrone nebst Salz und Pfeffer und bis es darüber geht, lasse es kochen bis er weich ist. Man kann sie hernach mit Schellfisch abschmelzen, 2 kalt geben oder 3 mit einer sauren Sauce.

 

Krebse abzufinden – man zieht Ihnen bloß die Schwänze aus, von denen hängt ihr ganzes Leben. Dann stelle sie mit Wasser, Essig, Salz, Lorbeerblatt, Zitron, Zwiebeln einen Priß Kümmel und einem Stückchen Butter aufs Feuer. Das Wasser muss über die Krebse hinausgehen und einige Wall kochen bevor man sie anrichten kann.

 

Markknöpf (Markklößchen) – Ochsenmark wird ausgelassen und mit einem Stückchen Butter recht schäumig gerührt, dann kommt ein Ei, Reibbrod, einen Priß Salz, Muskatnuß daran. Kugeln daraus gemacht in der Fleischbrühe aufgekocht. Gewöhnlich gibt man sie zu Brodsuppe.

Butterknöpf (Gnocchi) – Ein Viertel Pfund Butter wird weiß gerührt, dann schlagt man ein Ei daran und ein Löffel voll Mehl und so fort bis drei Eier gar sind. Mein reibt Muskatnuß und Salz daran und kocht sie in der Fleischbrühe.

Gezupfte Knöpflein – 3 Milchbrod (Milchbrötchen) wird das Innere herausgezupft, ¼ Pfund Butter weiß gerührt, drei Eier nach einander hinein geschlagen, Salz, Muskatnuß. Das Weiche vom Milchbrod mit diesem überschlagen, rund geformt und in Fleischbrühe gekocht.

 

Ruhmsauce claire (die alte Schreibweise ist eigentlich Rhum) – Ein Schoppen weißen Wein wird ans kochen gebracht mit ungefähr ¼ Pfund Zucker, einer Scheibe Zitron und eine einem Stück ganzen Zimmt, wenn er ziemlich heiß ist, so daß er schäumt, wird der Schaum abgenommen und durch ein feines Sieb geseihet, wo man den Ruhm dann dazu thut. Man rechnet zu einem Schoppen Wein ¼ Schoppen Ruhm doch hängt dieser sehr vom Geschmack ab, ob man ihn stark oder schwach liebt. Die Sauce muß hell und sehr klar sein und wird immer sehr heiß servirt. Nur ist u bemerken, daß sie nicht mehr kochen darf wenn der Ruhm dabei ist.

Weinschetto (Weinchaudeau) – 1 Kochlöffel Mehl wird mit Wasser angerührt, 4 ganze Eier, 4 Eigelb, 1 Schoppen Wein, Zuker bis es süß genug ist, Citrone nach Geschmack. Diese Masse wird auf dem Feuer so lange gestrudelt, bis sie kocht. Man darf sie erst kochen wenn sie dann gleich auf den Tisch kommt.

 

Griespuding (Grießpudding) – ¼ Pfund Gries, ½ Viertel Pfund Butter, ein Schoppen Milch werden miteinander gekocht bis es von der Cahseroule los geht und weich ist, alsdann in eine Schüssel geschüttet und erkalten lassen. Später rühren mit 6 Eigelb, Zitronat, Pomeranzenschale oder geschälte fein gewiegelte Mandeln, Zuker bis es süß genug ist nebst einem Gläschen Rum, und Zitron eine Stunde lang. Schlage das Weiße zu Schnee menge ihn leicht darunter und koche in eine Stunde ununterbrochen fort.

Milchbrodpuding – 3 Milchbrode werden abgerieben und in feine Scheiben geschnitten in eine Pfanne gethan nebst einem ¼ Pfund Butter und einem ½ Schoppen Milch und beständig auf dem Feuer darin gerührt bis es sich von der Pfanne loslößt. Diese Masse wird mit 5-6 Eigelb eine Stunde gerührt. Das Weiße zu Schnee geschlagen darunter gemengt und eine Stunde kochen lassen. Man thut gewöhnlich Rosinen, Zibeben (süddeutsch für Rosinen mit Kernen; wichtige Zutat zum Tokajer Wein) und geschälte fein gewiegte Mandeln oder auch Zitronat und Orangeat hinein.

 

Brodpuding – ¼ Pfund Zucker mit acht Eigelb eine Stunde gerührt, eine schwache Handvoll Zitronat und Pomeranzenschale, 1 Messerspitze Nelken, ein Loth Zimmt, 8 Stück in Rothwein und etwas Rum angefeuchtetes fein gestoßenes Schwarzbrod dazu gethan, das Weiße zu Schnee geschlagen in eine Form gethan und gekocht oder gebaken.

 

Mandelpuding – ¼ Pfund geschälte fein gewiegte Mandeln werden mit 6 Eigelb und einem ¼ Pfund Zucker dick gerührt, alsdann feuchte 2½ Milchbrode mit Rum anund menge es darunter, schlage den Schnee und koch ihn 1 Stunde lang.

 

Wanillcrème – 1½ Schoppen Milch werden mit einem Stückchen Wanill aufgekocht, nebst einem ½ viertel Zuker, dann lässt man 2 Stück Scheladin (Gelatine) aufkochen und schüttet es zu dem Gekochten passiert es durch ein Haarsieb, rührt 10 Eigelb daran, nimmts aufs Feuer, rührt darin bis die Eier angezogen haben, dann rührt man es bis es beinahe kalt ist, schüttet es an die mit süß Mandelöl bestrichene Form und stellt es in Eis so man hat.

 

Apfeltorte – von einem guten Butterteig wird der Boden ausgewallt, und auf eine ein flaches Blech gelegt, es kommen außen zwei Ränder aufeinander und die gekochten Aepfeln hinein, dann Riemen untereinander verschlungen darauf gelegt und nochmals zwei Ränder oben drauf. Der Kuchen wird mit Ei bestrichen und recht schön gebaken.

Linzertorte – ½ Pfund gestoßene ungesüßte Mandeln, ½ Pfund Zucker, ½ Pfund Mehl, ein starker Wieding (?) Butter,¼ Pfund Zitronat und Pommeranzenschalen, das abgeriebene einer Zitrone, ein Stück Zimmt, Messerspitze Nelken, ein Ei, Muskatnuß, ¼ Schoppen Wein auf das Brett genommen und tüchtig durcheinander gearbeitet. Das Drittel der des Teiges wird auf ein Papier ausgewallt und in ein Blech gelegt und mit Confutures (Konfitüre?) überstrichen. Vom anderen Teig Warkel (?) gemacht und aufeinandergelegt wie Figur zeigt und zuletzt mit Eiweiß gestrichen.

 

Die folgenden Seiten transkribiere ich euch auf Wunsch später. Sonst komme ich hier gar nicht mehr zu einem Ende. So viele Rezepte, von denen ich euch nur eine Auswahl gezeigt habe.

 

Die letzten beiden Seiten sind entweder von anderer Hand oder Jahre später von Wilhelmine verfasst worden.

Kalte Puddings

 

Offenbacher Pfeffernüsse

 

Bekommt man da nicht Lust, alte Rezepte neu nachzukochen? Wenn es jemand versucht, schreibt doch einen Kommentar!

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Verhütung am Arbeitsplatz – ein Unfallverhütungskalender von 1930


Jeder, der in einer Firma arbeitet, kennt die Unterweisungen zur Unfallverhütung. Keine losen Steckdosen, keine herumliegenden Teile oder Werkzeuge und – in der Adventszeit – kein offenes Feuer oder Lichterketten ohne Prüfsiegel.

Auch 1930 sollte der Arbeiter auf Sicherheit am Arbeitsplatz achten. Hier kam die Unfallverhütungsbild GmbH beim Verband der Deutschen Berufsgenossenschaften mit diesem Kalender ins Spiel.

 

Dass sich seitdem vieles geändert hat, trotzdem aber noch immer Hinweise aktuell wie eh und je sind, werdet ihr gleich sehen.

 

Nach einigen einleitenden Worten und dem Verweis auf weitere Bücher des Verlags, folgt sogleich der Kalender. Auf jedem Blatt seht ihr am oberen Rand ein kleines Bild, das jeweils eine Gefahr aufzeigt. Der Januar startet mit einer Schlitterbahn. Während die Kinder fröhlich auf der vereisten Straße schlittern, ist der arme alte Mann ausgerutscht und hingefallen. Das hätte vermieden werden können. Am unteren Rand lest ihr den Spruch des Monats: „Wir müssen alle zusammen arbeiten, um Unfällen vorzubeugen!“


 

Der Februar und März warnen vor Unfällen beim Schlittenfahren („Geh‘ ausgeruht an dein Tagewerk!“) und das Toben auf der Fahrbahn (Eigene Vorsicht – bester Unfallschutz.“).

 

August und September möchten zur Verhütung von Badeunfällen (“ Gesunder Körper und klarer Verstand sind der beste Unfallschutz!“) und zum Mitführen ausreichender Rettungsgeräte bei Bootspartien anhalten. („Ordnung und Sauberkeit an Deiner Arbeitsstätte schützen Dich vor Unfällen.“)

 

Dieser Kalender wartet mit zahlreichen, unheimlich langen Substantiven auf. Hier sehen wir einen Bericht über die Reichsunfallversicherung. Verhüte! Heile!

 

Entschädige!

 

Weiter geht es mit der Unfallverhütungsbildpropaganda.

 

Belehre den Neuling!

 

Weiter geht es mit vielen Plakaten, die bei der Unfallverhütungsbild GmbH bestellt werden konnten. „Der Kluge seilt sich an!“

 

„Nägel, Späne, Scherben bringen leicht Verderben“, „Kranführer! Denk“ an die Sicherheit auch deiner Mitarbeiter“

 

Sehr bedenklich erscheint mir das folgende Plakat. Offenbar hängen 1930 viele Lasten an selbstgeknoteten Seilen über unseren Köpfen. „Das hält nicht! Lerne richtig knoten!“

 

„Lies Unfallverhütungsvorschriften nicht erst im Krankenhaus!“ Das Preisausschreiben auf der rechten Seite berichtet von einem misslungenen Plakat des Vorjahres. Um es im nächsten Jahr besser zu machen, werden die Leser aufgerufen, eigene Entwürfe einzusenden. Es winken Preise im Wert von 200, 300 oder sogar 500 Reichsmark.

 

Heute allgemein bekannt, wurde damals noch ausdrücklich hingewiesen: „Wasser–, Gas–, Dampf–Rohre leiten den elektrischen Strom.“. „Das darfst du nie tun! Auch der kleinste Wasserstrahl auf die Starkstromleitung ist lebensgefährlich“

 

Die Feilen waren 1930 traditionell nur leicht in ihre Hefte gesteckt. Daher war ein aufrechtes Tragen von Wichtigkeit.

 

„in das Holz nicht in den Fuß“ und „Rollende Gegenstände richtig lagern!“

 

„Das konnte schlimm Enden!“

 

Das Plakat auf der rechten Seite ist in meinen Augen vollkommen falsch aufgebaut. Der korrekte Arbeitsablauf ist oben links klein dargestellt während der falsche auf dem großen Bild zu sehen ist. Ein abgerissener Arm ist vorprogrammiert. „Wachst auf der Ablaufseite bei langsamen Gang. Nicht die Scheibe, nicht am Einlauf erwachsen!“ (heißt es nicht auch „bei lagsamem Gang“?

 

Einige Verkehrsregeln für Radfahrer, Fuhrwerksbesitzer

 

Kraftwagenführer. „Sieh dich um ehe du wirfst“

 

„Geflickte Sicherungen gefährden Haus u. Hof. Gebrauche nur vorschriftsmäßiges Material!“, „Notausgang stets frei halten!“

 

Einige Wundarten und ein Artikel über die Unfallverhütung im Baugewerbe

 

Erste Hilfe bei Unglücksfällen „Schwerverletzte nur von Kundigen aufnehmen“

 

Ein recht informatives Kalenderbüchlein aus einer Zeit, in der begonnen wurde, sich für das Symbol des Arbeiters einzusetzen. Heute ist die Belehrung der Arbeiter eine jährlich wiederkehrende Pflicht des Arbeitgebers. Denkt daran!

Erste Hilfe bei Unglücksfällen – Der Samariter – 1914 – Der Leitfaden


Ihr wart mit dem Abbildungsband neulich nicht zufrieden? Dann sollt ihr hier auch noch den Textband bekommen.

Teil 1 – Leitfaden

Er beginnt, womit der Bildband endete: Werbung für Bardella und den Pulmotor.

 

Noch mehr Werbung. Nun für zwei Bücher: „Erste Hilfe bei Unfällen bis zur Ankunft des Arztes“ und „Grundlagen der Krankenernährung“

 

Eine kleine Einleitung und das Inhaltsverzeichnis

 

Das Büchlein ist in fünf Doppelstunden gegliedert.

 

Es folgen die Beschreibungen, die zu den Tafeln passen, die ich euch neulich gezeigt habe:

(ihr erinnert euch)

 

Über die Blutstillung

 

Was tun bei Brandwunden und Augenverletzungen?

 

Praktische Handgriffe beim Ausziehen der Kleider und die Grifftechniken für Tragegriffe

 

Blutvergiftung

Schnellverbände (Tafeln 12, 13, 14, 15, 17, 18)

 

Über den Transport

 

  1. Doppelstunde: Ohnmacht und mehr

 

Bewußtlosigkeit, Nasenbluten, Blutsturz, Hitzschlag

 

Wie erkennt man Scheintote?

 

Unfälle im elektrischen Betrieb

 

Tragbahren

 

Und schließlich die 5. Doppelstunde – es geht los mit den Kommandos zum Tragen eines Verletzten. Ist das nur bei uns Deutschen so militärisch, oder muss man es so machen, damit der Verletzte beim Anheben nicht herunter rollt?

„Zum Wegtragen – Angetreten!“, „Faßt an!“, „Fertig! – Hebt – aauuf!“, „Trage – Marsch!“

Die Verladung und Befestigung der Trage im Eisenbahnzug

 

Am Ende gibt es noch eine Anleitung zur Bedienung des Pulmotors.

 

Über Körperübungen für Kinder und Frauen

 

Und zum Schluß der Hinweis für „jeden, der sich über die politischen Einrichtungen und die Grundlagen unseres staatlichen und wirtschaftlichen Lebens genau unterrichten will, empfehlen wir die Anschaffung der bekannten Bürgerkunde Deutsche Staats- und Rechtskunde von Glock“ oder aber Turnbücher von Maul

 

Eine Zugabe für alle, die sich schon immer gern eine Fahrradbahre anschaffen wollten:

 

Prüfe dein Gewicht!


Erinnert sich noch jemand von euch an die großen alten Waagen, die zumeist in Bahnhöfen standen?

„Prüfe dein Gewicht!“ stand groß auf einem Schild und darunter oftmals der kleinere Zusatz „Der Zeiger trügt dich nicht!“

Auf Flickr habe ich ein Foto gefunden, das ich euch hier zeigen möchte:

Foto mit freundlicher Genehmigung von Chris R (https://www.flickr.com/photos/tierchen/)

Nicht alle Waagen hatten – so wie diese – eine Kartenausgabe. Manche hatten nur einen Zeiger, das Gewicht wurde angezeigt und das war’s.

Diese Waage hat unten ein Ausgabefach, in das eine kleine Pappkarte mit dem Format einer damaligen Fahrkarte ausgeworfen wurde.

 

Während die linke Karte aus einer DDR-Waage aus dem Jahr 1982 stammt, ist die rechte Karte von 1933. Auf beiden Karten wurde die seinerzeit für Körpergewicht noch gebräuchliche Angabe in Pfund aufgedruckt. Die linke Dame (meine Tante) wog damals 111 Pfund, also 55,5 kg. Wer die rechte Karte gezogen hat, weiß ich nicht. Er oder sie war mit 139 Pfund oder 69,5 kg etwas schwerer.

 

 

Die Rückseiten beider Karten unterscheiden sich sehr. Auf der neueren Karte befindet sich über dem Datum eine Tabelle mit Richtwerten für Männer und Frauen, gestaffelt nach Körpergröße. Meine Tante war mit ihren 1,75m offensichtlich eine Hungerlatte.

Die alte Karte hoffte noch auf den Sammeltrieb der Kunden. Eine von wahrscheinlich 24 verschiedenen Motiven war entweder bunt gemischt in der Waage vorrätig, oder jede Woche kam ein neues Motiv dazu. Man weiß es nicht.

 

Schweppes Coca oder Coca-Cola – wer hat die Rechte?


 

 

Vor einiger Zeit habe ich euch schon Auszüge aus meinen Patent-Büchern vorgestellt. Das waren die gedruckten Ausgaben der eingereichten Registrierungen zum Namens- und Musterschutz.

Verpackungen, Schriftzüge, Namen – all das muß man sich schützen lassen um zu vermeiden, daß jemand unter demselben Namen, gleichen Schriftzügen oder identischen Verpackungen ein minderwertiges Konkurrenzprodukt verkauft. Man erkennt diese geschützten Marken entweder am Zeichen ® oder am  sofern die Marke noch nicht registriert ist.

Aber: Neben den gedruckten Büchern gab es – zumindest in Frankreich – noch eine weitere Sammlung innerhalb der Verzeichnisses zum Markenschutz. Jede Firma, die ein Produkt, eine Marke, einen Schriftzug oder eine Verpackung registrieren lassen wollte musste ein Exemplar des Etiketts, der Verpackung oder etwas, aus dem das zu schützende Merkmal hervorgeht, einreichen. Es wurde anschließend unter Angabe des Einreichers (der Firma), des Datums und einer vergebenen laufenden Nummer auf lose Seiten geklebt und gesammelt, bis die Informationen in die bekannten Jahrbücher aufgenommen und in gedruckter Form erschienen.

Eine, wie ich finde, sehr interessante Seite daraus besitze ich. Seht hier: Die Firma Schweppes ließ sich unter der laufenden Nummer 4311 am 9. Juni 1888 ein alkoholfreies Tafelwasser namens COCA registrieren. Patentbuch Trademark 1888 Schweppes Coca

 

Soweit so gut. Mancher wird sich denken: sollen sie doch auch ein Getränk namens Coca haben. Allerdings ließ sich Herr Asa Griggs Candler erst im Jahr 1893 den Namen COCA COLA in Atlanta (Georgia) registrieren. Das Getränk selbst wurde zwar schon 1886 von Apotheker  John Stith Pemberton erfunden, der Name blieb jedoch ungeschützt.

Diesen Umstand finde ich sehr interessant. Theoretisch hat somit Schweppes die älteren Rechte, einem Getränk den Namen Coca zu geben.

Ich hatte dazu bei der Presseabteilung von Schweppes angefragt, aber die wussten von dieser ganzen Geschichte nichts.

 

Ostern und Kirche? *


  • Sollte sich jemand durch diesen Artikel oder die Beschreibung persönlich, ethnisch oder in sonstiger Weise getroffen fühlen, bitte ich, sich mit mir in Verbindung zu setzen um die Angelegenheit zu klären.

 

ein kurzer Gedanke zu Ostern…

02-25-10

Hat sich schon einmal jemand gefragt, wieso die kirchlichen Hochfeste ausgerechnet an so unsinnigen Tagen gefeiert werden?

Ostersonntag – das ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem kalendarischen Frühlingsanfang.

Das macht aus meiner Sicht keinen Sinn, wenn man einen Feiertag festlegen möchte.

Nehmen wir allerdings den heidnischen bzw. vorchristlichen Brauch, die Tag-und-Nacht-Gleiche (Äquinoktium), also ein relativ leicht zu beobachtendes Datum an dem die Nacht ebenso lang dauert wie der Tag, zu feiern. Die abgestorbene Natur erwacht zu neuem Leben. (was man an schönen gelben Narzissen und austreibenden Zweigen erkennen kann), die Tiere fangen an, sich zu vermehren (gut sichtbar an den Kaninchen, den neu geborenen Lämmern und den ersten im Freien gelegten Eiern).

Benennt man dieses Fest dann passenderweise nach der altgermanischen Göttin der Morgenröte „Austro“ oder „Ostara“, hat es sogar einen Namen, der im Laufe der Zeit zu „Ostern“ geworden ist.

Und dann kommt eine in Europa eher erfolglose Sekte daher und beschließt, ihre Hochfeste zu einem Datum zu feiern, an dem das Volk sowieso gerade feiert. So etwas nennt man Feiertags-Kidnapping!

Dasselbe haben sie dann auch mit dem germanischen Jul-Fest gemacht. Hat funktioniert. Dazu weiß Wikipedia noch etwas interessantes: „Das mit Jesu Geburt verknüpfte kirchliche Motiv der Jungfrauengeburt ist religionsgeschichtlich sehr alt: In der Geburtsschilderung des Aion Plutonios wird der Gottessohn von einer unberührten Frau (Persephone) geboren. Sein Geburtstag wurde in Alexandrien am 25. Dezember und in der Nacht von 5. auf den 6. Januar begangen.“ (hoppla: gleich zwei christliche Feiertage)

Die Kirche ist schon eine seltsame Firma, oder? Trotzdem allen ein paar schöne Oster-Feiertage!

02-25-01

 

Opel-Mehl


Daß der Name Opel früher für mehr, als Autos stand, wisst ihr spätestens seit meinem Artikel über Opel-Fahrräder (hier) und Opel-Zwieback (hier). Ein aufmerksamer Besucher meines Museums hat bei sich eine Dose auf diesem Bild

wiedererkannt und mir freundlicherweise zukommen lassen. Schaut mal links oben.

So sieht sie aus:

 

Zwar sind die Papieretiketten im Lauf der Zeit abgefallen, aber ich habe mal nachgewogen: es passen ca. 340g Weizenmehl hinein. Meine Vermutung ist, daß Kindermehl eher leichter ist und wir hier die kleine Dose zum Preis von RM 0,89 vor uns haben.

Jugendzeitschriften um 1900


Manchmal finde ich Bücher, deren Wert zu gering ist, um die schlechte Erhaltung mit einer Reparatur zu rechtfertigen. Weiterhin ist auch der Inhalt oft eher uninteressant. So geschehen diesmal, als ich das Buch Thüringer Erzählungen der Arnstädter Schriftstellerin Friederieke Henriette Christiane Eugenie John, einigen bekannt unter ihrem Psedonym Marlitt, das laut Wikipedia für Meine Arnstädter Litteratur steht, fand.

Das Buch wurde in die Bastelkiste getan und dient zur Herstellung von Weihnachssternen, Buchhüllen, Bilderrahmen und ähnlichem Kreativzeug. Lediglich eine Seite habe ich herausgetrennt und möchte sie euch heute vorstellen.

Jeder kennt wahrscheinlich die BRAVO, eine Zeitschrift für unsere heutige Jugend. Wie ich hier schon aufzeigte, gab es die BRAVO allerdings auch schon in den 1950er Jahren. Viel früher, nämlich bereits 1887 gab es zwei Jugendzeitschriften, für die im oben genannten Buch geworben wurde:

Der Gute Kamerad (Wikipedia kennt ihn) – eine Illustrierte Knabenzeitung und als Gegenstück die ebenfalls in Wikipedia vorgestellte Illustrierte Mädchenzeitung Das Kränzchen. Nur wenige von euch werden den Begriff des (Kaffee)kränzchens  noch von der Mutter oder Oma kennen.

Hier nun zu eurer Erbauung die beiden Texte, mit denen um Leser aus den Knaben- und Mädchenreihen geworben wurde – selbstverständlich getrennt.

Für die Knaben:

„Der gute Kamerad“ ist in zahllosen Familien ein unentbehrlicher Ratgeber und treuer Freund geworden. Der Inhalt kann kaum vielseitiger gedacht werden. Erzählungen, spannende Jagdabenteuer, Reisebeschreibungen und fesselnde Plaudereien wechseln ab mit Aufsätzen über Geschichte, Länder-, Völker- und Himmelskunde und mit zahlreichen anderen naturwissenschaftlichen und technischen Beiträgen. Auch das Gebiet der Spiele, Beschäftigungen, Experimente, Rätsel usw. ist sehr reichhaltig.

 

Für die Mädchen:

Mit Freuden begrüßen wir das Erscheinen des neuen Jahrgangs, den wir nach Gediegenheit und Reichhaltigkeit seines Inhaltes zu den vornehmsten Erzeugnissen der Mädchenliteratur zu zählen berechtigt sind. Kaum irgendwo ist wie hier dem Charakter der deutschen Mädchenpsyche in so verständnisinniger Weise Rechnung getragen, nirgends der zarte Boden knospender Jugend so sorgsam gehegt und bewacht. Kaum ein Gebiet, dass zur Veredelung unserer Töchter beitragen könnte, ist außer acht gelassen, und der Zweck einer erbauenden Erholung ist stets gewahrt.

Die nicht ganz so spannende Rückseite wirbt für das von Professor Dr R. Koßmann und Privatdozent Dr. Jul. Weiß herausgegebene Buch Die Gesundheit. ihre Erhaltung, ihre Störungen, ihre Wiederherstellung. Wie wir erfahren, entstand es unter Mitwirkung von 52 ersten ärztlichen Autoritäten (Professoren und Privatdozenten der Universitäten des Deutschen Reiches, Österreich-Ungarns, der Schweiz usw.).

Zu beziehen war das Buch über entweder 40 Einzellieferungen zum Preis von jeweils 60 Pfennig, oder aber bereits gebunden in zwei stattliche Bände für 32 Mark – ein für damalige Zeiten recht stattlicher Preis.

Liebig Haulshaltungskalender 1902


Bald habe ich sie komplett – die Haushaltungskalender der Firma Liebig’s Fleischextrakt.

Alle vor 1900 erschienen habe ich euch hier schon vorgestellt.

Alle ab 1900 erschienenen gibt es hier.

Jetzt kommt der soeben neu erworbene Kalender aus dem Jahr 1902 dazu.

 

Im schönsten Jugendstil mit geschwungenen Mustern und Blumenranken verziert, hebt er sich von den Vorgängern deutlich ab.

Aber nicht nur der Umschlag ist mit den Mustern versehen, auch innen gibt es viele davon. Vielfalt ist das Schlagwort, denn keins sollte mehr als einmal benutzt werden.

 

Der Jahreskalender steht gleich am Beginn.

 

Die Feiertage und die drei großen Männer, die uns das Fleischextract gebracht haben: Justus von Liebig, Max von Pettenkofer und Carl v. Voit

 

Weiter geht es mit den Monatsblättern. Bitte beachtet die schönen Verzierungen auf der NOTIZEN-Seite:

 

Kann mir jemand erklären, was man früher im September so gemacht hat? Hat man Krieg gespielt?

 

Allerhand nützliche Tipps für jeden Monat:

Damals gab es noch keine Kühlkette, die uns zu jeder Zeit Lebensmittel aus der ganzen Welt geliefert hat. Man musste noch warten, bis das jeweilige Tier, Gemüse oder Obst verfügbar war und hat sich dann entweder den Bauch so vollgeschlagen, daß man das jeweilige Gericht ein Jahr lang nicht mehr sehen konnte, oder man hat durch Einwecken Vorräte angelegt.

 

Und mit dieser kleinen Inhaltsauswahl möchte ich den Blick in das 115 Jahre alte Haushaltsbuch beenden.

Goldschmied-Werbung


Auch früher bekam man Werbung zugeschickt. Nicht anders erging es unserem bereits bekannten Hof-Juwelier und Goldschmied Adolf Tresselt. (ihr kennt ihn und seinen Sohn Arthur von hier) Er erhielt Anfang November 1903 diesen Brief aus Hanau:

 

Herr Zwernemann, seines Zeichens ebenfalls in der Schmuckherstellung tätig, befleißigte sich, die Ergebnisse seiner Kunst zum Kauf feilzubieten.

 

Die beiden beigelegten Musterblätter zeigen uns nicht nur schöne Beispiele der angebotenen Schmuckstücke, sondern lassen auch aus dem Logo mit dem Davidstern schließen, daß Herr Zwernemann Jude war. Und siehe, ein wenig im Internet gesucht und schon findet man interessante Informationen zu Herrn Zwernemann, der offenbar ein berühmter deutscher Schmuckhersteller war. Seht hier, hier (Villa Zwernemann), hier oder eine alte Sotheby’s Auktion hier. In der Deutschen Goldschmiede-Zeitung aus dem VII. Jahrgang 1904 habe ich gefunden, daß eine Stiftung „des Herrn Bijouteriefabrikanten Heinrich Zwernemann daselbst am 1. Juli 1903 errichtet“ wurde. Ebenso war er der einzige deutsche Schmuckfabrikant, der auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis vertreten war.

 

Ach ja, das Anschreiben lag auch noch bei:

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