Seelig’s kandierter Korn-Kaffee


Kaffee-Ersatz gab es schon immer. Hier hatte ich es euch schon erklärt. Heute folgt eine weitere Blechdose für Kaffee-Ersatz. Diesmal von der Firma Emil Seelig, Heilbronn.

Da nur der Name des Produkts in Sütterlinschrift verfasst wurde, könnt ihr die Vorteile selbst lesen.

Auf der dritten Seite folgt die Zubereitungsempfehlung und ein seinerzeit geschätzter Brief eines zufriedenen Kunden.

Der bekannte Begründer des Sanatoriums „Weißer Hirsch“ b. Dresden – Dr. Lahmann schreibt uns am 28.,04.1893 über „Seelig´s kandierten“ wie folgt: „Auf ihre Anfrage bemerke, daß ich ihren Kornkaffee als zu den besten Fabrikaten dieser Art gehörig kennen gelernt habe und demgemäss nur Ihren beziehe.“

Interessanterweise war dieser Brief bis in die 1920-er Jahre auf den Packungen aufgedruckt. War das vielleicht der einzige zufriedene Kunde?

In den mittleren 1920-ern gab es dann den Zusatz: „Das gesunde deutsche Familiengetränk!“ – vielleicht noch als Spätfolge der erhöhten Preise für Luxuswaren nach dem Verlust der Deutschen Kolonien.

Die fehlende Seite ist identisch mit der ersten: Omi trinkt Muckefuck.

Hier noch der Deckel – das Design ein wenig von Maggi abgekupfert.

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Saturn N° 2 – das dritte Anker-Legespiel


Gestern gab es das zweite Legespiel meiner kleinen Dreierreihe – das Mosaik. Davor habe ich euch das Täfelchenlegen vorgestellt und heute bildet der Saturn den krönenden Abschluß. Die früher schon vorgestellten Meteor-Baukästen findet ihr übrigens hier.

Ebenso, wie die Mosaik- und Täfelchenlegen- oder auch die großen Meteor-Kästen, haben wir hier einen ca. DIN-A4-großen Holzkasten mit Schiebedeckel.

Das Titelbild habe ich schon etwas gereinigt. Nur die obere rechte Ecke bekomme ich nicht sauber.

Auch die Innenseite musste von Buntstiftverzierungen weitestgehend befreit werden. Das ist inzwischen erledigt. Der Tuscherand unten ist leider für die Ewigkeit.

Dieser Kasten wurde mir von einer Leserin meines Museums zum Kauf angeboten. Sie hatte über meine Tangram-Sammlung gelesen und sich an einen Dachbodenfund erinnert, der schon seit vielen Jahren nutzlos in einer Ecke lag. Ich habe dankbar zugegriffen und ihr auch ihre beiden Überreste zweier Meteor-Kästen sowie 1,7 kg Tonmurmeln abgenommen. Wer weiß, wozu sie mal gut sind.

Einen Saturn-Kasten hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Dass es ihn gibt, wusste ich nur aus den letzten Seiten der Legehefte der Meteor-Kästen. Selbst Google kannte nur ein einziges Bild eines Vorlagenheftes. Das wird sich nun ändern.

Besonders erfreut war ich, als ich feststellen musste, dass der neu in meinen Besitz übergegangene Saturn bis auf einen der 180 Steine komplett ist. Das möchte man nach über 100 Jahren erst einmal schaffen.

Rechts seht ihr die vier Schiebeschachteln aus Pappe für die Steine. Links habe ich sie für euch geöffnet. Jeweils 4×3 Steine in den Farben rot, gelb und blau, sowie 3×3 schwarze Steine wohnen in jeder Schachtel.

In der Mitte liegt auf zwei Trägerhölzchen das Spielbrett:

Auch hier gibt es wieder die Gratisbeigabe – ein Mühlebrett.

Das Vorlagenheft erklärt, dass im Unterschied zum Meteor durch die außergewöhnliche Form der Steine im Saturn noch eine besonders interessante Variante möglich ist. Während im Meteor normale Kugeln benutzt wurden, kommt der Saturn mit Scheiben, die in der Mitte einen halbkugelförmigen Aufsatz haben, der auf der Rückseite wiederum nach innen geht. Das sieht aus, wie eine Kugel mit einem Ring drum herum – daher „Saturn“.

Legt man die Steine nun mal mit der Kugelseite und mal mit der Vertiefung nach oben, entstehen schöne Effekte.

Doch damit nicht genug. Die Saturnsteine können aufeinandergestapelt werden. Dadurch entstehen sogenannte Blumenteppiche. Heute würden wir es 3D-Effekt nennen.

Schaut euch das Bild oben rechts an. Seht ihr die schwarzen Steine? Die mussten mit der Kugelseite nach oben aufgelegt werden, während alle anderen mit der hohlen Seite nach oben aufgebaut wurden.

Hier noch mehr Beispiele, bei denen man die unterschiedliche Legeweise gut erkennt.

Die letzte Seite zeigt uns einige Vorlagen, die wir auch aus den Meteor-Legeheftchen kennen und die sich mir bis heute als Rätsel dargestellt haben. Doch wenn man sieht, wie gut sich die Saturn-Steine stapeln lassen, ergeben plötzlich die Zahlen Sinn.

Um euch (und mir) eine Freude zu bereiten, habe ich den Baukasten ein letztes Mal ausgepackt und euch dieses Muster nachgebaut:

schaut her:

Man erkennt die unschöne Angewohnheit der blauen Steine, auszublühen. Was auch immer diesen Steinen zugesetzt wurde, es kristallisiert im Laufe der Jahrzehnte. Das lässt sich abschleifen, ist aber eine miese Arbeit und birgt die Gefahr, dass Steine zerbrechen. Da lasse ich es so und bastele mir stattdessen minimal größere Schachteln für die Steine.

Hier noch eine seitliche Ansicht um den 3D-Effekt zu verdeutlichen:

Der Aufbau war eine ganz schöne Fummelei. Damit waren die Mädchen seinerzeit lange beschäftigt. Wann? Ich schätze das Erscheinungsdatum auf irgendwann zwischen 1910 und 1920.

Mosaik N° 2 – ein weiteres Anker-Legespiel


Wie versprochen, werde ich euch drei aufeinanderfolgende Artikel über Legespiele der Firma Anker vorstellen. Hier findet ihr den Ersten. Heute folgt der zweite Streich. Der große Kasten Mosaik Nummer 2. Beitrag Nummer drei gibt es dann hier.

Ebenso, wie das Täfelchenlegen kommt das Mosaik in einem schönen Holzkasten mit Schiebedeckel daher.

Dieses Spiel ist ein altes Original aus den Jahren zwischen 1899 und 1928 – ganz genau ist mir die Datierung leider noch nicht gelungen, da es verschiedene Druckermarken gibt.

Leider ist das Anleitungsbüchlein einmal runtergefallen, wodurch der Rücken an der unteren Klammer eingerissen ist. Repariere ich es? Mal sehen.

Anhand der Ecken sieht man deutlich, dass das Spiel nur äußerst selten benutzt wurde. Schade für das Kind, unter dessen Weihnachtsbaum es einmal lag – gut für mich.

Wie pfleglich es behandelt wurde, erkennt ihr auch daran, das selbst die blaue Wellpappe und das Seidenpapier – beides diente dem Schutz der Steine auf dem Weg vom Laden nach hause – noch im Original enthalten sind.

Und was kommt zum Vorschein, wenn die Schutzabdeckung hochgenommen wird? Die erste Lage Steine in 1A-Erhaltung. Sehen sie nicht schön aus? Rechts in der Mitte des Holzrahmens, auf dem die Steine Liegen, seht ihr eine kleine Einkerbung an der Innenseite (der Pfeil aus den beiden roten Dreiecken zeigt darauf). Eine gleiche Einkerbung gibt es auch links. Hier kann man den Rahmen mit dem Daumennagel festhalten und ihn aus dem Kasten heben.

Und was erblickt darunter das Tageslicht? Die zweite Lage Steine. Ebenso gut erhalten und auch vollständig.

Dieser Baukasten war schon früher ein beliebtes Spielzeug – auch hier waren Mädchen die bevorzugte Zielgruppe, denn Jungs bauten ja mit den Ankersteinen in die Höhe. Allerdings hatte dieser Kasten auch damals seinen Preis, weswegen die Stückzahl klein und darum die Häufigkeit, heutzutage einen anzutreffen sehr gering ist. In dieser Erhaltung ist das schon ein Glückstreffer.

Der Kasten wurde von Anker in den letzten Jahren noch einmal zum Preis von 429,- Euro in winziger Stückzahl neu aufgelegt. Schaut mal hier. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels gibt es noch welche.

Täfelchenlegen – ein Anker-Spiel für Mädchen


In den kommenden drei Beiträgen möchte ich euch drei Goldstücke meiner Sammlung vorstellen, die ich erst vor wenigen Tagen und innerhalb weniger Stunden gefunden und gekauft habe.

Den Anfang macht das Täfelchenlegen N°. 2

Der Deckel ist zugegebenermaßen etwas beschabt. Die Ränder des Etiketts sind eingerissen und oben links fehlt ein ganzes Stück. Allerdings ist der Kasten wohl recht alt. Die Grafik ist noch im alten Design. Ich schätze ihn auf die 1910er Jahre. Vielleicht kann mir mein Sammlerfreund anhand der Druckermarke weiterhelfen.

Die Innenseite des Deckels ist besser erhalten:

Interessanterweise handelt es sich um Baukasten Nummer 2, der – wie wir unter dem Titel lesen können – nur mit Baukasten 2B erweiterbar ist. Eine 2A gab es wohl nicht. Aber auch eine Nummer 1 konnte ich bis heute nicht finden, obwohl es eine noch frühere Ausgabe von „Das Täfelchenlegen oder Mosaikspiel“ aus der Leipziger Lehrmittel-Anstalt gab, die von Anker in Rudolstadt ausgeführt wurde. Um die Verwirrung komplett zu machen, gibt es einen Baukasten 3, der nur mit einer Nummer 3A erweitert werden kann. Da soll sich noch jemand zurechtfinden.

Es gibt auf dem Boden des Kastens eine kurze Beschreibung. Das Musterheft ist leider nicht dabei gewesen. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich es noch finden werde.

Hier wird auf die Tangram-Spiele verwiesen. Die kennen wir ja schon. Falls nicht, klickt hier.

Weil die Bausteine sehr klein und dünn sind, ist man bei Anker wohl davon ausgegangen, dass einige zerbrechen oder verloren gehen. Darum findet der Kunde auf der Innenseite des Deckels die Artikelnummer jeder verwendeten Steinform. Ihr erkennt die kleinen Zahlen in den oberen Reihen und in der Mitte unten. Man musste also nur die Nummer 3 in blau nachbestellen und schon kam Ersatz. Das funktioniert heute leider nicht mehr so reibungslos. Ich bin seit einigen Jahren mit Mitarbeitern in Kontakt um eine Nachlieferung fehlender Steine aufzugeben. Immer, wenn ich es fast geschafft habe, wird die Firma verkauft und ich beginne von neuem.

Nun aber zum eigentlichen Inhalt. Ich habe für euch das EInpackmuster nachgebaut. Dabei ist mir aufgefallen, dass in meinem Kasten ein winziger Unterschied zur Abbildung enthalten ist. Die beiden grauen Quadrate (auf der Einpackliste in der zweiten Reihe von unten, ganz außen) sind bei mir durch jeweils zwei graue Dreiecke ersetzt worden. (unteres Bild, zweite Reihe von rechts, oben und unten)

Wer ganz genau hinsieht, erkennt meine kleine bauliche Veränderung. Die Steine lagen bei Kauf (und auch auf vielen Bildern anderer Kästen) einfach auf dem Kastenboden. Ich habe mir behelfsmäßig eine dicke Pappe als Unterlage zurecht geschnitten und einen Streifen Chinapapier daruntergelegt. Nun kann man an den beiden Streifen, die ihr oben und unten seht, das ganze Konstrukt aus der Kiste befördern und losspielen.

Beeindruckend finde ich, dass von allen Steinen nach all der langen Zeit nur bei einem einzigen von ihnen eine kleine Ecke fehlt. Ihr seht das gelbe Dreieck in der Mitte des zweiten Musterstreifens von unten (zwischen den schwarzen Quadraten). Alle anderen Steine sind zwar bespielt, aber formtreu.

Über diesen Kauf habe ich mich sehr gefreut.

Die beiden anderen Anker-Spiele findet ihr hier (Mosaik) und hier (Saturn). Den Meteor-Kasten habe ich euch hier vorgestellt.

Und diese Biene die ich meine, war ein Nazi …


Wie bitte? Den Anfang des Liedes kenne ich doch. Die Biene Maja hat mir meine Kindheit versüßt, ohne dass sie jemals Honig gesammelt hat. Und nun so eine Behauptung …

Nein, Biene Maja war natürlich kein Nazi. Allerdings ist sie der Feder eines bekennenden und einschleimenden Nazis entsprungen – Waldemar Bonsels.

Geboren 1880, wuchs er in Schleswig-Holstein auf und erlebte im blühenden Alter seiner Mittdreißiger Jahre den Ersten Weltkrieg. Als Namensgeber des 1904 gegründeten E.W.Bonsels-Verlages, in dem er sein erfolgreichstes Werk, das bis heute bekannte Buch „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ verlegte, war er prädestiniert zur Rolle des Kriegsberichterstatters.

Aus dieser Zeit stammt das erste heute vorgestellte und weitestgehend unbekannte, da der Bücherverbrennung anheim gefallene Buch:

In gerade einmal einer der großen Bibliotheken ist es vorhanden – der Weltkriegssammlung in der Deutschen Bücherei Leipzig.

Das Buch selbst enthält 18 weitestgehend flache Erlebnisse. Resignierende Geschichten und Beschreibungen der Heimkehrer zu den Grausamkeiten auf den Schlachtfeldern und der Ungerechtigkeit des Krieges.

Nehmen wir die Geschichte „Die Mundharmonika“: Auf 8 Seiten wird die Geschichte eines Mädchens erzählt, das eines morgens das Fenster öffnet und ungeübt eine Melodie spielt. Ihr Freund fragt, ob er die Mundharmonika haben dürfte, und sie schenkt sie ihm. Am selben Tag muss er in den Krieg ziehen und kurz nach Abfahrt des Zuges verschenkt er das Instrument an einen Mitreisenden Soldaten, weil er eigentlich gar nicht spielen kann. (Warum, fragen wir uns, wollte er sie dann überhaupt mitnehmen, wenn nicht als Andenken an seine Liebste?) Der neue Besitzer spielt die ganze Zugfahrt über und alle Soldaten fangen durch die schöne Musik an zu träumen. Beim Aussteigen schenkt dieser Soldat die Mundharmonika an einen anderen, jungen Soldaten. (Ein Handlungsstrang ist nicht zu erkennen.) Der Junge spielt die Mundharmonika und wird tödlich getroffen. Die Geschichte endet wie folgt: „Das ist ja der Michael, der gespielt hat …“ „Wo hat er denn die Mundharmonika?“ fragte einer, aber ein anderer meinte, die müsse man ihm lassen. So ließ man sie ihm und sie kam mit dem Toten unter den Rasen. Schließlich versagte ja ohnehin ein Ton, wenn es auch einer von den tiefen war, die man bei den alltäglichen Melodien für gewöhnlich nicht braucht.

Und das war’s. Vollkommen unspannend.

Ich finde allerdings die Tatsache erwähnenswert, dass dieses Buch bereits zu Beginn und zur Mitte des Krieges erschienene Geschichten enthält, also noch vor der großen Resignation. Dieser Umstand und die Tatsache, dass viele Bücher aus Bonsels Feder sexistische Tendenzen aufwiesen, dürften ihn auf die Liste der Autoren gebracht haben, deren Bücher den Feuertod sterben mussten. Drei Ausnahmen gab es jedoch. „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“, deren Fortsetzung „Himmelsvolk“ und „Indienfahrt“ waren aufgrund des Erfolges ausgenommen.

Ein zweites, ebenfalls recht unbekanntes Buch aus der Feder Waldemar Bonsels‘ möchte ich euch noch vorstellen. Ich habe es für ein paar Euros auf dem Flohmarkt gekauft und nun fertig restauriert.

1941, als dieses Buch erschien, war der – ich erwähnte es schon – glühende Antisemit und Anhänger des Nationalsozialismus bereits in die Reichsschrifttumskammer aufgenommen worden. Wie genau er es angestellt hat, vom Schriftsteller sexistisch eingeordneter und zu vernichtender Bücher zu einem großen Nazi-Freund zu werden, kann ich nur mutmaßen. Ein Auszug aus dem Wikipedia-Artikel: Nach den studentischen Bücherverbrennungen vom 10. Mai 1933 publizierten die Zeitungen einen ihnen vom Propagandaministerium zugeschickten Artikel Bonsels’, NSDAP und Judentum. Darin begrüßte er, dass nun der „überhandnehmende Einfluß jüdischen Wesens“ auch in der Kultur beendet werde. „Der Jude ist anders als wir“, bemerkte er. Juden stellten ein „penetrantes Element der Einwirkung“ dar. Sie verbreiteten „Gift“. Ihr Einfluss sei als „tödlicher Feind“ „unserer Bewegung“ wie der Volksgemeinschaft insgesamt zu werten. Gerade auch für Kunst und Kultur gelte das, es seien Juden gewesen, die darüber entschieden hätten, welche Schriftsteller und Dichter erfolgreich gewesen seien. Bonsels erfuhr im Nationalsozialismus keinerlei Einschränkungen seiner schriftstellerischen Tätigkeit.

Sven Hanuschek, Literaturwissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München, bezeichnete ihn anlässlich der 100-Jahre-Biene-Maja-Feier als „lausigen Autor“ (das habe ich euch oben schon unter Beweis gestellt) und „für viele“ „damals schon eher eine Witzfigur“. Gottfried Benn nannte ihn einen „dieser guten deutschen Volksschriftsteller.“ Franz Blei verglich ihn in seinem „Großen Bestiarium der modernen Literatur“ mit einem schmierigen Windhund: „Das Bonsels, englische, sehr bewegliche Windhundrasse, die nur männlich aber mit starken weiblichen Eigenschaften vorkommt. Dem ölig glatten Fell entspricht eine ebensolche Gangart. Elsterhafte Vorliebe für glänzende Gegenstände. Die Gattung wird wegen starker Blutleere nicht alt.“

Soviel zum Erfinder der lieblichen Biene Maja.

Wer mag, kann hier den Anfang der Geschichte lesen:

Es gibt zahlreiche Illustrationen. Hier z.B. die alte Hexe Ermelinde,

die auf einen Baum klettern muß, um Ritter Knorrherz zu besuchen.

Ein Stück weiter in der Geschichte, legt sich Knorrherz auf die Lauer um eine Kutsche zu überfallen und auszurauben. „Knorrherz schritt gelassen heran, öffnete den Wagenschlag und erblickte auf den Rücksitzen ein blondes und schönes junges Fräulein, neben dem ein erschrockener Onkel in den Polstern saß. Er tötete den Onkel und vergrum ihn am Wegrand in einem sandigen Heidefleck, ein wenig in Verlegenheit, was er nun mit diesem jungen Ding beginnen sollte, das im Wagen zurückgelieben war.“

Es stellt sich heraus, dass die junge Maid dankbar ist, den Onkel los zu sein und gern mit bei Knorrherz wohnen würde, weil sie sonst an einen Grafen verheiratet worden wäre. Der alte Zausel faßt die Gelegenheit beim Schopfe und nimmt die Schöne mit in seine Höhle, verliebt sich in sie und zeigt ihr die angehäuften Schätze.

Wieso er sich in sie verliebt? Seht, hier, was er sah:

Alles klar, Herr Räuber!

Ermelinde braut einen Trank, gibt ihn dem alten Räuber und am nächsten Morgen, ihr werdet es nicht glauben, …

Um noch einmal auf die Biene Maja zurückzukommen: Wusstet ihr, dass das Kapitel, das den zweiten Angriff der Hornissen auf den Bienenstock behandelt, Parallelen zur Rede Kaiser Wilhelms II. vom 27. Juli 1900, der sogenannten Hunnenrede enthält?

Hier der Auszug aus der Rede: „Kommt ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen! Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in Überlieferung und Märchen gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, daß es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!

Und die Bienenkönigin: … „Im Namen eines ewigen Rechts und im Namen der Königin: Verteidigt das Reich!“

Damals wie heute – Meldebescheinigung, 1916


Manchen Staaten ist es egal, wo ihre Bürger sind, andere wollen es ganz genau wissen. In den USA beispielsweise kann jeder Mensch leben wo immer er möchte. Ein Wohnsitz muss nirgends angegeben werden. Das ist der Grund, wieso euch die Polizei bei einer Geschwindigkeitsübertretung auch sofort anhält und abkassiert. Es könnte nämlich sein, dass eine hinterlegte Adresse überhaupt nicht mehr aktuell ist.

Anders ist es in Deutschland. Der deutsche Staat wollte schon immer gern wissen, wo sich seine Einwohner gerade befinden. Daher wurde am 15. Februar 1857 ein Melderegister angelegt.

Jeder Bürger hat sich bei seinem zuständigen Meldeamt anzumelden, seinen Wohnort sowie alle mit ihm/ihr zusammen wohnenden Familienmitglieder anzugeben. Bei einem Umzug muss eine Abmeldung erfolgen. Vorteile eines solchen Melderegisters sind die einfache Zustellung von Wahlunterlagen, aber auch die Planung bei der Zuteilung von Lebensmitteln in Notsituationen. Dazu hatte ich euch hier schon einen langen Artikel zu Lebensmittelmarken geschrieben.

Heute habe ich euch ein Abmelde-Formular von 1916 herausgesucht.

Arthur Tresselt kennt ihr schon aus einem früheren Beitrag. Er wird 9 Jahre später ein Armutszeugnis beantragen. Zu diesem Artikel gelangt ihr hier.

Abmeldung

In dem Hause Nr. 19 Straße Holzmarkt sind am 1. November d. Js. folgende Personen ausgezogen:

Ruf- und Familienname der Abzumeldenden (Bei Ehefrauen, Witwen und separierten Frauen auch der frühere Familienname) – Ist das nicht schön? Darf ich Ihnen meine separierte Frau vorstellen?

Stand oder Gewerbe – hier konnte man offenbar entweder seinen Beruf oder seinen Adelsstand eintragen.

Weiter hinten musste der zukünftige Wohnort angegeben werden: Baumannstraße 12 I, bei Frau Törpe. Entweder war Frau Törpe die Zukünftige, oder es ging ihm tatsächlich so schlecht, dass er mit 44 Jahren zur Untermiete umziehen musste.

In der Anmerkung wird aufgefordert, alle Formulare innerhalb von 3 Tagen im Meldebureau (ja, so hieß das Büro noch vor der Eindeutschung) abzugeben.

Ihr seht: 1857, 1916, 2019 – es hat sich nichts geändert. Vielleicht ist so ein Melderegister ja auch ganz gut.

Ich komme im Laufe des Herbstes


Jeder freut sich, wenn Besuch kommt. Schön ist es, wenn sich der Besuch vorher ankündigt, damit man noch schnell die Wohnung aufräumen und optisch saubermachen kann. Blöd ist es, wenn die Ankündigung nicht so ganz präzise ist.

Die uns bereits schon aus früheren Artikeln bekannte Firma H. Zwernemann aus Hanau hat irgendwann in den frühen 1920er Jahren diese Postkarte an den uns bereits bekannten Adolf Tresselt geschickt. Sie bieten neben der Brillantbijouterie in einfacher und reicher Ausführung ja auch ein reichhaltiges Lager in Ketten u. Bijouterien in Gold, Doublé, Silber, Tula und Alpacca. Zigarren-Etuis, Taschen, Börsen in Silber und Alpacca sind ebenfalls am Lager.

Und was wollten Sie?

Aha, den Besuch eines Vertreters ankündigen. Und wann kommt er? Im Laufe des Herbstes und Herr Zwernemann hofft, „daß Sie meinem Vertreter einen hübschen Auftrag reservieren werden“.

Diese äußerst ungenaue Besuchsankündigung ist nur vorläufig und „Mein Vertreter wird Ihnen eine nochmalige Besuchsanzeige kurz vor seinem Eintreffen zukommen lassen.“ Damit erscheint mir diese Postkarte relativ unnütz.

Wie dem auch sei, die Zwernemann-Fabrik scheint erfolgreich gewesen zu sein. Details dazu hatte ich euch in dem ersten Artikel herausgesucht. Klickt hier und schaut euch die Villa Zwernemann und die Preise für seine Stücke mal an.

Eine Datierung ist aufgrund der abgeweichten Briefmarke leider nicht möglich. Um die Akkuratesse der Postkarte beizubehalten, würde ich auf 1905-1922 tippen. Jünger kann sie nicht sein, da die Verwendung als Rechenzettel mit Preisen arbeitet, die aus den Anfängen der Inflation 1922 stammen.

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