Saccharin als Zuckerersatz


Schon 1878, also acht Jahre vor Erfindung der ersten Coca-Cola wurde durch Zufall ein Zuckerersatzstoff entdeckt – das Saccharin. Laut Wikipedia 300- bis 700-mal süßer als Zucker und damit viel ergiebiger, wurde es von der Industrie mit offenen Armen empfangen.

So verbreitet bei der Lebensmittelherstellung, wie es heute, in Zeiten überhöhter Zuckeraufnahme Verwendung findet, war es damals nicht. Es eignete sich jedoch hervorragend für Diabetiker, da Saccharin verträglicher war.

Wer es für den heimischen Gebrauch nutzen wollte, konnte Saccharin beispielsweise als Kristall-Süßstoff in kleinen Tütchen kaufen.  

Eineinviertel Gramm Saccharin entsprachen hier 550 Gramm Zucker. Das ist schon eine ganze Menge.

 

Was es mit einer H-Packung auf sich hat, konnte ich noch nicht herausfinden. Es gab Saccharin auch als Süßstoff-Tabletten. Bei denen stand auf der Vorderseite ein großes G. Wer mehr darüber weiß, schreibe einen Kommentar. Update: Ein großes Danke an meinen treuen Leser emcsegler! Er hat herausgefunden, dass Pakete mit dem Aufdruck G für die Zubereitung von Getränken bestimmt waren, das H hingegen angezeigt hat, dass der Inhalt zum Kochen geeignet ist. Wieso? Den Tabletten – in G-Verpackung – war Natron beigemischt, das beim Mitkochen den Geschmack der Speise nachteilig beeinträchtigen kann. Das Pulver in den H-Tütchen enthielt kein Natron. Danke!

Interessant ist die Aufschrift „Genehmigte Inlandspackung“. Hierzu habe ich einiges gefunden. So konnten offenbar einige Produkte nur mit staatlicher Erlaubnis und nur für eine begrenzte Dauer in Verkehr gebracht werden. Seht mal hier (ich hoffe, der Link hält noch eine Weile). Die Genehmigung, eine Süßstoffpackung als Würzmittel in Verkehr zu bringen, musste vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Volkswohlfahrt und Gesundheitswesen erteilt werden.

Eine genaue Datierung des Tütchens ist mir noch nicht gelungen. Es gab diese Aufschrift in den 1920er Jahren, aber auch in den 1930ern. Der Schrift nach würde ich eher in die 1930er tendieren.

 

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Wandertagebuch – Juli/August 1921


In der kleinen Reihe handgeschriebener Bücher stelle ich euch heute ein Reisetagebuch vor, das die – meinen treuen Besuchern bereits bekannte – Tante Toni während ihrer Wanderung durch Tirol führte.

Den Buchdeckel ziert ein geprägtes Bild. Ich interpretiere es als das Wappen von Tirol: Adler und Eichenlaub. Der Adler hält noch ein kleines Wappen mit Eichblatt und Eichel. Auf dem Wappen sitzt ein Soldatenhut.


 

Wanderung von Kufstein bis Innsbruck vom 21. Juli bis 4. August 1921

Wenn Einer eine Reise tut, dann soll er was erzählen, so wünscht’s die Alpine Vereinigung und es ist auch moralische Pflicht der Glücklichen, die sich Gottes schöne Welt ansehen konnten, Andere ebenfalls an dem Genuß der Schönheiten, an denen sie selbst sich begeistert haben, teilhaben zu lassen.

Ob man freilich etwas erzählen kann, das erzählenswert ist und das Interesse der Zuhörer wach erfüllt, das ist eine andere Sache. Wenn man aber den Ausspruch beherzigt: Laß nur auf dich was rechten Eindruck machen, so wirst du schon den rechten Ausdruck finden, dann wird die Sache schon gehen. Geht man nicht mit ganz abgestumpften Sinnesorganen seines Weges, dann nimmt man ja bei jedem Schritt neue Eindrücke in sich auf, die nicht so schnell wieder verblassen

 

und daheim mit Hilfe des Erinnerungsvermögens sowie der mitgebrachten Ansichtskarten noch einmal recht lebendig werden und mit diesen beiden Hilfsmitteln ich nun versuchen, einen Bericht von unserer diesjährigen Sommerreise, die von Anfang bis zum Ende von dem herrlichsten Hochsommerwetter begünstigt war und über alles Erwarten wunschgemäß verlief, zu geben.

Wenig angenehme Erfahrungen, die auf unseren Reisen in die oberbayerischen Alpen 1918 und 1920 den freudigen Genuß am Wandern stark beeinträchtigt hatten, ließen uns diesmal vorsichtiger sein. Zunächst versuchten wir es mit der Benutzung des Nachtschnellzuges Berlin-München von Jena aus, da wir diesen in Saalfeld stets überfüllt angetroffen und niemals das Glück hatten, einen Sitzplatz zu erwischen und richtig, wir brauchten nicht lange zu suchen sondern fanden bald ein Abteil mit noch 2 Sitzplätzen und im übrigen sehr angenehmen Reisegenossen – in diesem

Falle Schlafkameradinnen, denn jeder versuchte es wenigstens mit der Möglichkeit zu schlafen. In Augsburg stiegen die meisten der Damen um und wir entfalteten nun eine lebhafte Tätigkeit, da diese mit den üblichen unzähligen Handgepäckstücken durch die engen, verrsperrten Gänge nicht zum Ausgang gelangen konnten, indem wir den Damen über ein Dutzend Handkoffer und Taschen, Hutschachteln, Plaidhüllen u.s.w. zum Fenster hinaus bugsirten, hübsch in der Reihenfolge wie sie ausgestiegen waren.

Der Apparat funktionierte tadellos, wie von den Empfängerinnen dankerfüllten Herzens anerkannt wurde. In München trafen wir 9.30 mit ein 1/2stündiger Verspätung ein, diesmal bei herrlichsten Sonnenschein, was wir hier selten erlebt hatten.

Unser erster Gang war nach dem oesterreichischen Consulat, um unsere Pässe visiren zu lassen. Das war eine recht umständliche zeitraubende Sache. Ein Andrang

wie in den schlimmsten Tagen der Hungerjahre bei der Kohlrüben- oder Kartoffelausgabe, nur der Gesichtsausdruck der sich Drängenden war ein anderer.

Die Reisebeschreibung fährt nun mit dem Besuch des Consulats fort. Die Pässe werden abgegeben, und bis 1 Uhr musste gewartet werden, ehe sie wieder ausgehändigt wurden. Tante Toni und ihre Reisegefährtin verbrachten die Zeit bei einem deftigen Mittagessen im Restaurant August(in)er.

Mit den Pässen zurück zum Bahnhof und ab nach Kufstein. Tante Toni schreibt über die herrliche Aussicht vom Zug aus auf den Pendling, einen Berg, der bis vor kurzem noch unbezwinglich war, den nun aber das Kufsteiner Haus krönt. (hier ist die Webseite dazu: pendlinghaus.at)

Bei einbrechender Dunkelheit kamen wir in Kufstein an, passirten ohne Zwischenfall die Zollrevision, mit gutem Gewissen konnten wir die Frage des Beamten beantworten, ob wir mehr als 3000 DM Gold bei uns führten; in Bezug auf Cigarren war das Gewissen nicht ganz so rein, in meiner Jacke eingeschnallt steckte ein Kistchen des kostbaren Krautes in etwas mehr als erlaubter Menge; Ich schmuggelte sie aber glücklich über die Grenze; die Beamten verlangten von uns Touristen keine hochnotpeinliche Untersuchung.

Interessant ist, wie unvorbereitet man damals an einem Urlaubsort erscheinen und um Unterkunft ersuchen konnte:

Nach einigen vergeblichen Fragen nach Nachtquartier bot uns der Hausdiener von den „Drei Königen“ solches an und wir bekamen ein nettes Zimmer. Als uns dann im Gastzimmer die erste Speisekarte vor Augen kam wurden diese groß und immer größer angesichts der Preise für die verschiedenen Speisen und Getränke und wir sagten uns in banger Ahnung, daß der beim Geldwechsel in München uns überschüttende und unversieglich erscheinende Kronensegen bei diesen Preisen bald erschöpft sein würde: 1 Glas Bier 11 Kr., 1 Suppe 15 Kr., 1 Goulasch 80 Kr., 1 Port. Kartoffeln 15 Kr., 1/4l Wein 45 Kr. Wir mußten uns erst an diese hochklingenden Preise gewöhnen und sie in deutsche Mark übersetzen um dahinter zu kommen, daß sie so gar niedrig waren.

nebenbei: Der Umrechnungskurs betrug im Juli 1921  100 Kronen = 12 Mark, die Portion Goulasch kostete also M 9,60, das Viertel Wein M 5,40. Nur unwesentlich später, also ab Oktober 1921 setzte die Inflation ein. (Link) Der Wert der Mark verlor im Vergleich Goldmark-Papiermark vom Januar 1921 (Wert:1GM=30PM), über Oktober 1921 (100), Januar 1922 (200), Oktober 1922 (1000), Januar 1923 (10.000) usw. Tante Toni hatte also das Glück, ihr Geld bei dieser Reise noch gut ausgeben zu können.

Zwei Tage hielten wir uns in Kufstein auf; am 1 Tag, Donnerstag d. 21. Juli unternahmen wir die erste kleine Übungstour nach dem Brentenjoch 1262m. (Link hier) wir machten im Alpengasthof Vorderdux Kaffeerast und gingen dann weiter über Hinterdux bis zur Höhe des Brentenjoch, wo wir die ersten Alpenrosen pflückten und uns mitten in den süß duftenden Wiesenblumen liegend einige Stunden von der Höhensonne bestrahlen ließen, was wir hier vollständig kostenlos haben konnten.

Zurück ins Tal, gut zu Abend gegessen und den Ausflug für morgen geplant – Besteigung des Pendling. Tante Toni beschreibt ihre Wanderungen, ihre Eindrücke, die Aussicht, das Panorama und nicht zuletzt die Unterkünfte auf ihrer Reise. Mal starten Sie aus ihrer Unterkunft zu Tagestouren auf umliegenden Berge und kehren abends wieder zurück. Ein andermal wandern sie mitsamt ihrem Gepäck auf einen Berg und übernachten in einer Hütte. Lest hier:

Wir vergaßen alle Mühsal, als wir das Haus erreicht hatten und erst mal eine kurze Umschau hielten, ehe wir uns die sehr nötige Stärkung und Ruhe gönnten. Unsere erste Frage galt der Unterkunft, denn Sonnabend und Sonntag herrscht Hochbetrieb im Stripsenjoch-Haus, da wallfahrten die Kletterer und solche die es werden wollen aus der näheren und weiteren Umgebung nach dieser Höhe, um von da aus Klettertouren nach dem Totenkirchl (Link hier) zu unternehmen. Für uns ein sehr interessanter Fall, wenn so auch die Schuld trug, daß wir uns mit einem sehr primitiven Matratzenlager begnügen mußten. Nachdem wir uns dieses gesichert hatten, nahmen wir den Nachmittagskaffee in der Glasveranda rein, von der aus man einen herrlichen Ausblick nach dem Totenkirchl, Priestertuhl und hinab zur Griesener Alm genießt.

Eine junge Dame hörten wir erzählen, dass ihre Schwester mit einer zweiten Dame unter Führung eines Herren ihre erste Kletterpartie machten, sie gaben sich Zeichen hinüber und herüber, mit einem Male wurde die Befürchtung laut, daß die drei sich verstiegen haben müßten. Dasselbe Schicksal hatten auch 2 Herren, die wir von einem ganz nahe beim Totenkirchl ragenden Felsgipfel beobachtet hatten, andere junge Leute denen die richtigen Wege bekannt waren, riefen Ihnen zu, wie Sie aus dem so genannten „rosigen Kamin“, von dem aus sie keinen Abstieg finden konnten, in den Führerkamin gelangen konnten. Wir folgten dann ihrem Rückzug ganz gut mit Hilfe des Fernglases und sahen sie unversehrt nach längerer Zeit zurückkommen.

Drei aber fanden an dem Abend den Rückweg nicht mehr; ein einsames Lichtlein hoch oben in einer Felsspalte kündete, daß sie dort Nachtquartier wohl in nicht gerade beneidenswerter Lage bezogen hatten.

Noch spät am Abend, als wir schon längst unser Lager aufgesucht hatten, hörten wir das Jodeln der Wirtin und die antwortenden Stimmen vom Totenkirchl, was mich mit Gruseln erfüllte und mir mein sehr wenig einladendes Matratzenlager als eine herrliche Einrichtung erscheinen ließ.

 

Das Reisetagebuch umfasst 39 Seiten mit Berichten, wie diesen. Am besten gefallen mir die Hintergrundinformationen. Preise, die zeigen, was seinerzeit wofür bezahlt werden musste und Gepflogenheiten bei Urlaubsreisen. Wer kann sich heute noch vorstellen, mit dem Zug an sein Urlaubsziel zu reisen, ohne sich vorher Gedanken über die Unterkunft gemacht zu haben? Oder welche Dame wird heute mit einem Herrn eine Felswand besteigen, ohne ausreichend ortskundige Führer dabei zu haben, um nicht in einer Felsspalte übernachten zu müssen. Heute würde wahrscheinlich der Rettungshubschrauber zum Einsatz kommen.

Die so mühsam erkämpfte Höhe wollten wir nicht nach kurzer Zeit schon verlassen und benutzten die Rast zu einer Stärkung. Unser Wandergenosse spendirte mir Chocolade zur Belohnung für die beim Aufstieg bewiesene Tapferkeit. In ebensolchen Geröll wie bergauf ging’s auf der anderen Seite wieder bergab aber weniger steil bis zur Epp-Lisl-Alm, wo wir mit prachtvoller Buttermilch gelabt wurden. Dann ging’s immer noch weiter zu Tal am wild rauschenden Gebirgsbach entlang, bis das Tal sich weitet und das freundliche Scharnitz uns Wanderer aufnahm. Beim Neuwirt fanden wir gute und preiswerte Unterkunft, vorzügliches Abendbrot. Schweinebraten 90 Kr., Rindfleisch 50 Kr., Salat 10 Kr., dazu 1/2 Special 70 Kr., alles ausgezeichnet und zu empfehlen. Da leider die schönen Urlaubstage zu Ende gingen, konnten wir diesen sehr gemütlichen Aufenthaltsort nicht länger genießen und fuhren schon am nächsten Morgen, Donnerstag d. 4. Aug. über Garmisch und München ohne weiteren Aufenthalt der Heimat zu, beglückt und zufrieden und reich an schönen Erinnerungen, an denen wir in späteren Jahren, wenn die Kräfte zum Wandern nicht mehr reichen, zehren wollen. Vorläufig aber hoffen wir noch: Auf Wiedersehen du herrliche Bergwelt!

 

Weiter gewandert wurde zumindest in diesem Tagebuch nicht mehr. Ab der nächsten Seite wurde es stattdessen als Haus-Konto Buch für die Jahre 1944-1948 benutzt. In den letzten Kriegsjahren und in den Folgejahren wurden im Haus ausgebombte Familien einquartiert.

Mieteinnahmen links, Rattenbekämpfung und Müllabfuhr rechts.

  1. April – der Russe bekommt für 5 Stunden Gartenarbeit 2 Reichsmark.

 

 

  1. & 2. Dezember – Licht und Heizung im Luftschutzraum (jeder -,70) u. Müllabfuhr (jeder 1,30)

  2. Februar 1945 – Kellerlicht und Heizung für Laufer und Sending (2,50)

 

Und über das Kriegsende hinweg geht es weiter, als wäre nichts geschehen:

Verhütung am Arbeitsplatz – ein Unfallverhütungskalender von 1930


Jeder, der in einer Firma arbeitet, kennt die Unterweisungen zur Unfallverhütung. Keine losen Steckdosen, keine herumliegenden Teile oder Werkzeuge und – in der Adventszeit – kein offenes Feuer oder Lichterketten ohne Prüfsiegel.

Auch 1930 sollte der Arbeiter auf Sicherheit am Arbeitsplatz achten. Hier kam die Unfallverhütungsbild GmbH beim Verband der Deutschen Berufsgenossenschaften mit diesem Kalender ins Spiel.

 

Dass sich seitdem vieles geändert hat, trotzdem aber noch immer Hinweise aktuell wie eh und je sind, werdet ihr gleich sehen.

 

Nach einigen einleitenden Worten und dem Verweis auf weitere Bücher des Verlags, folgt sogleich der Kalender. Auf jedem Blatt seht ihr am oberen Rand ein kleines Bild, das jeweils eine Gefahr aufzeigt. Der Januar startet mit einer Schlitterbahn. Während die Kinder fröhlich auf der vereisten Straße schlittern, ist der arme alte Mann ausgerutscht und hingefallen. Das hätte vermieden werden können. Am unteren Rand lest ihr den Spruch des Monats: „Wir müssen alle zusammen arbeiten, um Unfällen vorzubeugen!“


 

Der Februar und März warnen vor Unfällen beim Schlittenfahren („Geh‘ ausgeruht an dein Tagewerk!“) und das Toben auf der Fahrbahn (Eigene Vorsicht – bester Unfallschutz.“).

 

August und September möchten zur Verhütung von Badeunfällen (“ Gesunder Körper und klarer Verstand sind der beste Unfallschutz!“) und zum Mitführen ausreichender Rettungsgeräte bei Bootspartien anhalten. („Ordnung und Sauberkeit an Deiner Arbeitsstätte schützen Dich vor Unfällen.“)

 

Dieser Kalender wartet mit zahlreichen, unheimlich langen Substantiven auf. Hier sehen wir einen Bericht über die Reichsunfallversicherung. Verhüte! Heile!

 

Entschädige!

 

Weiter geht es mit der Unfallverhütungsbildpropaganda.

 

Belehre den Neuling!

 

Weiter geht es mit vielen Plakaten, die bei der Unfallverhütungsbild GmbH bestellt werden konnten. „Der Kluge seilt sich an!“

 

„Nägel, Späne, Scherben bringen leicht Verderben“, „Kranführer! Denk“ an die Sicherheit auch deiner Mitarbeiter“

 

Sehr bedenklich erscheint mir das folgende Plakat. Offenbar hängen 1930 viele Lasten an selbstgeknoteten Seilen über unseren Köpfen. „Das hält nicht! Lerne richtig knoten!“

 

„Lies Unfallverhütungsvorschriften nicht erst im Krankenhaus!“ Das Preisausschreiben auf der rechten Seite berichtet von einem misslungenen Plakat des Vorjahres. Um es im nächsten Jahr besser zu machen, werden die Leser aufgerufen, eigene Entwürfe einzusenden. Es winken Preise im Wert von 200, 300 oder sogar 500 Reichsmark.

 

Heute allgemein bekannt, wurde damals noch ausdrücklich hingewiesen: „Wasser–, Gas–, Dampf–Rohre leiten den elektrischen Strom.“. „Das darfst du nie tun! Auch der kleinste Wasserstrahl auf die Starkstromleitung ist lebensgefährlich“

 

Die Feilen waren 1930 traditionell nur leicht in ihre Hefte gesteckt. Daher war ein aufrechtes Tragen von Wichtigkeit.

 

„in das Holz nicht in den Fuß“ und „Rollende Gegenstände richtig lagern!“

 

„Das konnte schlimm Enden!“

 

Das Plakat auf der rechten Seite ist in meinen Augen vollkommen falsch aufgebaut. Der korrekte Arbeitsablauf ist oben links klein dargestellt während der falsche auf dem großen Bild zu sehen ist. Ein abgerissener Arm ist vorprogrammiert. „Wachst auf der Ablaufseite bei langsamen Gang. Nicht die Scheibe, nicht am Einlauf erwachsen!“ (heißt es nicht auch „bei lagsamem Gang“?

 

Einige Verkehrsregeln für Radfahrer, Fuhrwerksbesitzer

 

Kraftwagenführer. „Sieh dich um ehe du wirfst“

 

„Geflickte Sicherungen gefährden Haus u. Hof. Gebrauche nur vorschriftsmäßiges Material!“, „Notausgang stets frei halten!“

 

Einige Wundarten und ein Artikel über die Unfallverhütung im Baugewerbe

 

Erste Hilfe bei Unglücksfällen „Schwerverletzte nur von Kundigen aufnehmen“

 

Ein recht informatives Kalenderbüchlein aus einer Zeit, in der begonnen wurde, sich für das Symbol des Arbeiters einzusetzen. Heute ist die Belehrung der Arbeiter eine jährlich wiederkehrende Pflicht des Arbeitgebers. Denkt daran!

Porzellangeld


Porzellan wird oft auch als weißes Gold bezeichnet. Seine große Zeit ist aber vorüber und inzwischen sind nur noch ausgewählte Stücke von hohem Wert. Ein bedeutender Nachteil des Porzellans ist, dass man im Vergleich zu Vasen, Bechern und Figuren aus Gold, schon durch kleinste Beschädigungen den Wert auf einen Bruchteil (im wahrsten Sinne des Wortes) reduziert.

Was tut man nun, wenn man kein Gold hat, um beispielsweise Münzen zu prägen? Richtig, man nimmt anderes Metall oder billigere Legierungen.

Was aber, wenn auch das Metall knapp wird?

Die Lösung war, seine Münzen aus Porzellan herzustellen:

 

Diese beiden kleinen Münzen mit einem Wert von 50 bzw. 75 Pfennig wurden in der schlesischen Stadt Grünberg herausgegeben. Heute liegt die Stadt in Polen und heißt Zielona Gora.

Mit der Herstellung dieser Münzen wurde die Manufaktur Meißen beauftragt. Das bedeutet, diese kleinen Münzen sind, wenn auch nicht so wertvoll wie eine Meißner Figur, doch aus dem edlen Porzellan hergestellt.

 

Das meiste Porzellangeld wurde in den Jahren 1920 und 1921 hergestellt. Die rechte Münze von 1922 ist da schon etwas zu spät erschienen.

Wer sich über die braune Farbe der linken Münze wundert, dem sei erklärt, dass es sich hierbei um das sogenannte Ost-Indische Porzellan oder auch Böttgersteinzeug handelt, benannt nach Johann Friedrich Böttger. Es wurden letztlich mehr braune als weiße Münzen hergestellt.

Ob eine Porzellanmünze ihren Geldwert behielt, wenn sie auf den Boden gefallen und zerbrochen war, weiß ich nicht.

Erste Hilfe bei Unglücksfällen – Der Samariter – 1914 – Der Leitfaden


Ihr wart mit dem Abbildungsband neulich nicht zufrieden? Dann sollt ihr hier auch noch den Textband bekommen.

Teil 1 – Leitfaden

Er beginnt, womit der Bildband endete: Werbung für Bardella und den Pulmotor.

 

Noch mehr Werbung. Nun für zwei Bücher: „Erste Hilfe bei Unfällen bis zur Ankunft des Arztes“ und „Grundlagen der Krankenernährung“

 

Eine kleine Einleitung und das Inhaltsverzeichnis

 

Das Büchlein ist in fünf Doppelstunden gegliedert.

 

Es folgen die Beschreibungen, die zu den Tafeln passen, die ich euch neulich gezeigt habe:

(ihr erinnert euch)

 

Über die Blutstillung

 

Was tun bei Brandwunden und Augenverletzungen?

 

Praktische Handgriffe beim Ausziehen der Kleider und die Grifftechniken für Tragegriffe

 

Blutvergiftung

Schnellverbände (Tafeln 12, 13, 14, 15, 17, 18)

 

Über den Transport

 

  1. Doppelstunde: Ohnmacht und mehr

 

Bewußtlosigkeit, Nasenbluten, Blutsturz, Hitzschlag

 

Wie erkennt man Scheintote?

 

Unfälle im elektrischen Betrieb

 

Tragbahren

 

Und schließlich die 5. Doppelstunde – es geht los mit den Kommandos zum Tragen eines Verletzten. Ist das nur bei uns Deutschen so militärisch, oder muss man es so machen, damit der Verletzte beim Anheben nicht herunter rollt?

„Zum Wegtragen – Angetreten!“, „Faßt an!“, „Fertig! – Hebt – aauuf!“, „Trage – Marsch!“

Die Verladung und Befestigung der Trage im Eisenbahnzug

 

Am Ende gibt es noch eine Anleitung zur Bedienung des Pulmotors.

 

Über Körperübungen für Kinder und Frauen

 

Und zum Schluß der Hinweis für „jeden, der sich über die politischen Einrichtungen und die Grundlagen unseres staatlichen und wirtschaftlichen Lebens genau unterrichten will, empfehlen wir die Anschaffung der bekannten Bürgerkunde Deutsche Staats- und Rechtskunde von Glock“ oder aber Turnbücher von Maul

 

Eine Zugabe für alle, die sich schon immer gern eine Fahrradbahre anschaffen wollten:

 

Insektentod für unterwegs


Früher scheint es mehr Insekten gegeben zu haben. Zumindest im Haus hatte man in der Vergangenheit wohl mehr Insekten.

Auf Flohmärkten sieht man häufig Dinge aus der Insektenbekämpfung. Meine bisher veröffentlichten Exponate seht ihr hier.

Heute kommt eine Dose mit Insektenvertilgungsmittel dazu.

 

FLIT tötet Fliegen, Motten, Stechmücken, Bettwanzen, Holzwürmer, Küchenkäfer, Ameisen, Flöhe sowie anderes Haus-Ungeziefer samt Brut. Wie schön!

Sehr lustig anzusehen ist der Soldat, der statt eines Gewehrs den Zerstäuber geschultert hat.

Auf der Seite sind noch weitere Anwendungsarten aufgelistet:

Mücken, Schnaken, Bremsen, Wespen. Niemand hatte eine Chance.

Bei Ausflügen, Fischerei, Jagd – Das Bestäuben der Kleidung und der nächsten Umgebung mit Flit hält Fliegen und Stechmücken fern.

 

 

Wie man auf der Vorderseite sieht, ist die Flasche im Design von 1928 gehalten. Sie wird also vermutlich irgendwann in der Zeit nach 1928 und vor 1935 hergestellt worden sein.

Der Deckel wird mit einem interessanten Klemm-Mechanismus verschlossen. Ich habe eine Weile gebraucht, bevor ich ihn geöffnet bekommen habe.

Eine (beinahe) passende Spritze dazu gibt es hier.

Anker Meteor Kugel-Spiel


Heute freue ich mich, wenn ihr euch mit mir freut. Ich habe ein lang gesuchtes Spiel der Firma Anker auf dem Flohmarkt zu einem höchst erfreulichen Preis erwerben können.

Meine Liebe zu Anker-Spielzeug abseits der Anker-Steinbaukästen kennt der geneigte Leser schon. Für diejenigen unter euch, denen das neu ist, gibt es hier den Link: Anker-Spiele.

Das Meteor Kugel-Mosaik erschien ab den 1900’er Jahren. Meins sollte aus den 1920’ern sein.

 

Ein Hinweis an die Eltern:

 

Wie wurde gespielt? Auf einer Stanzplatte wurden farbige Tonkugeln zu Mustern gelegt und damit das kreative Denken und Spielen, sowie die Motorik trainiert.

 

Mein Baukasten mit der Nummer 6 (siehe die rechte, untere Ecke des Deckels) ist schon eine größere Ausführung. Die Kästen, die ich bisher finden konnte, sind wie folgt aufgebaut:

  • No.1 – kleiner Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 4
  • No.2 – kleiner Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 5
  • No.2 – mittelgroßer Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau – rautenförmiges Stanzmuster – 5×9, dazwischen 4×8 (vergleichbar mit den Sternen der USA-Flagge)
  • No.3 – kleiner Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 6
  • No.4 – mittlerer Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 7
  • No.5 – mittlerer Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 7 (ich konnte keinen Unterschied zu No.4 finden)
  • No.6 (siehe oben) – mittlerer Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau, lila, weiß – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 7
  • No.7 – noch nicht gefunden
  • No.8 – noch nicht gefunden
  • No.9 – großer Karton mit den Farben rot, gelb, grün, blau, lila, weiß – sechseckiges Stanzmuster – Kantenlänge: 15 waagerecht, 2×9 diagonal

 

Die Kugelfach-Abdeckungen sind alle noch im Original erhalten.

 

Und auch die Tonkugeln sind noch fast alle da.

 

Die Gratisbeigabe – ein Mühle-Spielbrett – ist, wie bei jedem Spiel, das ich bisher gesehen habe, kaputt. Ich habe keine Ahnung, wieso. Immer sind die Ecken abgebrochen. Meins ist zusätzlich noch in der Mitte zerbrochen gewesen.

 

Nannte man Mühle auch Mühlfahrspiel?

 

Das Vorlageheft – ich bin mir nicht ganz sicher, ob es da noch ein Deckblatt gab. Meine Vorbesitzerin Lori Beck wird es mir nicht mehr sagen können. Die letzte Seite (hier links) ist übrigens Werbung für ein anderes Legespiel. Den Namen habe ich noch nicht herausgefunden.

 

Schöne Muster können gelegt werden:

 

Auf der vorletzten Seite wird ein Spiel „Saturn“ erwähnt. Ich habe keinen blassen Schimmer, was es damit auf sich hat. Wenn man den dargestellten Turm in der Mitte der beiden unteren Figuren anschaut, könnte die Zahl im Kreis die jeweilige Turmhöhe angeben. Das dürfte schon hübsche dreidimensionale Figuren ergeben haben.

 

Mein Spiel ist in einem edlen Holzkasten mit Kantenverstärkern aus Messing. Das gibt es nicht so oft.

 

Aber das ganz besonderes Highlight ist bestimmt niemandem von euch aufgefallen. Schaut euch noch einmal den Titel des Spiels an:

„The Meteor Kugel-Mosaik“ Und nur, wenn ihr ganz genau hinseht, erkennt ihr, dass die Bezeichnung Kugel-Mosaik über das englische „Marble Game“ geklebt wurde. Dieses Spiel war also offenbar eine für den englischen oder amerikanischen Markt fabrizierte Ausgabe, die dann doch in Deutschland (oder Deutsche in den USA) verkauft wurde.

In den USA gab es übrigens mehrere Nachahmer. So verkaufte die Firma A.C.Gilbert aus New Haven, Connecticut in den 1920’ern das Meteor Game, das exakt so aussah wie dieses, nur die Verpackung war etwas billiger. Selbst das Vorlagenbuch wurde kopiert, wobei nur die Beschriftung in der Mitte der Seiten weggelassen wurde. Auch wenn Herr Gilbert mein Kugel-Mosaik als Plagiat hergestellt hat, so hatte er doch auch eine nette Ader. Seine Firma war die erste in den USA, die ihre Mitarbeiter am Erfolg beteiligte. Wer sich Bilder zu Gilberts Meteor anschauen möchte, klickt hier.

Ich glaube, dieser Artikel wird im Laufe der Zeit noch einige Ergänzungen erfahren. Sollte jemand Details wissen, oder die fehlenden Meteor-Kästen kennen, schreibt mir. Ich freue mich.

Erste Hilfe bei Unglücksfällen – Der Samariter – 1914 – Der Bildteil


Neulich habe ich euch versprochen, zum Deutschen Hautpflaster auch das Büchlein über die Erste Hilfe vorzustellen. Ich habe es nicht gefunden, allerdings ist mir ein anderes auf dem Trödelmarkt begegnet, und ich habe es mitgenommen.

Der Samariter, und hier das zweite Büchlein mit den Abbildungen. Arthur Schulz, der Vorbesitzer dieses Büchleins schien es nicht mehr zu benötigen.

 

Ganz vorn eine schöne Werbeanzeige einer Firma für Verbandstoffe.

 

Und schon folgen die Abbildungen zu Endzipfeln und Tragetüchern

 

Tipps zu Blutstillung durch Fingerdruck, Stöckchen und Tücher

 

Brüche und Verrenkungen (der Unterkiefer gefällt mir sehr gut). Beachtet bitte auf der rechten Seite die Erfindung des Autors: Dr. Blumes keimfreier Finger-Schnellverband!

 

Wie entfernt man Rock und Stiefel bei Brüchen? Mit dem Rock ist hier allerdings nicht der Damenrock gemeint, sondern der frühere Dienstrock des Herrn. Heute werden die Klamotten einfach aufgeschnitten, damals war ein Kleidungsstück noch wertvoller. Da wurde erst geschont und dann geschient.

 

Die folgende Seite gefällt mir gut. Wer möchte sich denn mal als Testperson zur Verfügung stellen?

 

Hier einige gängige Unglücksfälle. Es ist immer gut, sich mit den Situationen vorher vertraut zu machen, um später sofort einsatzbereit zu sein.

 

Lagerungen des Verunglückten und Bindentouren. (unten rechts: das habe ich auch mal gelernt)

 

Wie transportiert man den Kranken? Tolle Ideen. Die Fahrradtragbahre ist eine prima Sache.

 

Rauf und runter geht die Reise

 

Zum Einladen – angetreten! Und schon hängt der Patient am Gepäcknetz im Wagen der III. Klasse.

 

Der elektrische Strom war 1914 schon ein Thema. Wie gut, wenn man damals einen praktischen Spazierstock aus Holz dabei hatte.

 

Zum Schluß stelle ich euch den „Pulmotor“ vor – ein Gerät zur künstlichen Beatmung. Es sieht sehr simpel aus, ist aber in gewisser Weise der Vorläufer unserer heutigen Geräte und die Grundlage der Weiterentwicklung. Auf der rechten Seite Werbung für die Bardella. Was vielleicht nach einer Margarinesorte klingt, ist aber eine sterile Mullbinde nach Dr. von Bardeleben (aha, daher Bardella).

 

Mir gefällt das Büchlein nicht zuletzt wegen der altmodischen Herren. Wer sich mit Erster Hilfe auskennt, wird vielleicht bemerken, dass sich im Laufe der Zeit einige Empfehlungen gewandelt haben. Ich bin bedauerlicherweise nicht so firm in der Ersten Hilfe, glaube aber, bei der Lagerung und Beatmung könnten einige Hinweise überholt sein.

Den 1. Band mit dem Textteil zu allen Tafeln findet ihr übrigens hier.

Schreibt doch einen Kommentar unter diesen Beitrag! Und lernt Erste Hilfe!

Deutsches Hautpflaster


In diesem Museum gibt es Platz für alles. Egal, ob es sich um Einkaufsnetze oder Pilotinnen mit Zukunft im Erotiksektor handelt, zu jedem Thema besitze ich irgendetwas und stelle es euch im Laufe der Zeit hier vor.

Heute soll es um Pflaster gehen. Ursprünglich nannte man in der Medizin einen aufgebrachten Wirkstoff, der durch die Haut aufgenommen werden sollte: Pflaster. Ein Beispiel aus der heutigen Zeit ist das ABC-Pflaster: ein Wirkstoff – damals Arnika, Belladonna und Capsicum, daher ABC, heute ein Extrakt aus Cayennepfeffer – befand sich auf dem Pflaster und wurde nach Befestigung auf dem Körper durch die Haut aufgenommen.

Eine andere Form des Pflasters ist die praktische Variante, kleine Wunden durch Zusammenkleben der benachbarten Haut wieder zur Heilung zu bringen. Die beiden Seiten eines Schnittes konnten durch das aufgeklebte Pflaster daran gehindert werden, bei jeder Bewegung wieder auseinander zu reißen. Zusätzlich gab es ein kleines Viereck Mullverband, das die Sauberkeit fördern sollte.

 

 

Es begann in der modernen Zeit mit dem Englischen Pflaster. Die angefeuchtete Schwimmblase eines Stör wurde auf eine Wunde geklebt. Sie verschloss die abgedeckte Haut luftdicht und verhinderte das Eindringen von Schmutz. Gleichzeitig zog sie die verletzten Hautstellen zusammen. Man durfte dieses Pflaster aber nur aufgeklebt lassen, bis die Eiterung begann. Wäre es länger drauf geblieben, hätte sich der Heilungseffekt ins Gegenteil umgekehrt, da die Eiterflüssigkeit nicht hätte austreten können. Eine schöne Erklärung und eine Anleitung zur Herstellung gibt es hier (Dank an Peter Hug und sein eLexikon).

Vermutlich um die Jahrhundertwende oder kurz danach kam das Deutsche Hautpflaster auf den Markt, bzw. in die deutschen Apotheken. Als „Bester Ersatz für Englisch – Pflaster“ wird es hier beschrieben.

Dass die Funktionsweise noch immer auf Basis der Hausenblasenlösung, also eine aus Fischblasen hergestellte Klebelösung, basiert, sehen wir an der Anweisung, das Pflaster „Vor dem Gebrauche gut anzufeuchten“.

Die genaue Anleitung für Erste Hilfe finden wir auf der Rückseite. Klickt auf das Bild für eine vergrößerte Darstellung. Beachtet den Absatz, wie bei Erhängten vorzugehen ist!

Das im Heftchen befindliche Pflaster stammt aus späterer Zeit. Ich glaube, ich habe es weggeworfen.

Irgendwo habe ich noch ein Erste-Hilfe-Büchlein aus der gleichen Zeit. Ich schaue mal, ob ich es finde. Update: schaut hier

 

Reisetagebuch – auf Güterzügen durch die Vereinigten Staaten in den 1920’ern


Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.

Vor ungefähr hundert Jahren hat ein mir leider unbekannter Herr eine Reise angetreten, die ihm wahrscheinlich das größte Abenteuer seines Lebens beschert hat. Fritz Hübner wäre heute sicher vergessen, hätte er nicht einerseits seiner Liebsten – Fräulein Betty Neumann – regelmäßig Ansichtskarten geschickt und zum anderen seine Reise in einer Art Tagebuch dokumentiert. So sieht es aus:

 

 

Entgegen anderer Reisetagebücher hat Herr Hübner allerdings nicht mit Tageseinträgen gearbeitet. Vielmehr hat er anscheinend immer, wenn ein wenig Zeit war, die Erlebnisse der vergangenen Tage aufgeschrieben.

 

 

Die Handschrift ist meist sehr gut lesbar. Ab und zu ist ihm wohl ein wenig Regen auf sein Papier getropft und hat die Tinte verwaschen, aber man kann alles noch lesen. Leider war Fritz schriftstellerisch nicht sehr talentiert. Seine Sätze – oder sollte man besser sagen: sein Satz? – werden wieder und wieder durch ein „und dann“ mit dem nächsten verbunden. Zusätzlich hat er seinen Notizen nach dem „Schreib-wie-du-sprichst“-Stil verfasst. Als Berliner also in schönstem Berlinerisch: „ick“ und „jehen“ und „jut“. Klickt auf die Bilder für eine größere Version und lest mal selbst.

 

 

Ungeachtet des Schreibstils ist die Geschichte toll. Er beschließt, die Wohnung der Eltern zu verlassen, und fährt mit der Eisenbahn nach Hamburg, und heuert dort auf einem Dampfer an und verdient sich seine Überfahrt mit dem Schälen der Kartoffeln für die Passagiere, und in New York angekommen, lässt er sich die Heuer auszahlen, zieht durch die Stadt und beschreibt die Eindrücke von New York aus der Sicht eines Europäers im Jahr 1921.

 

Und dann geht die Reise weiter von der Ost- zur Westküste, und er reist als Hobo durch die USA, indem er auf Güterzüge aufspringt, sich vor Bahnarbeitern verstecken und vor anderen Wanderarbeitern in acht nehmen musste, und ich habe euch diese Stelle hier unten auf Seite 215 aufgeschlagen.

Und einige Zeit verbringt er in San Francisco und wandert von dort weiter, bis er schließlich in Alaska ankommt, und (ab hier sollten alle Mädchen wegschauen und nicht weiterlesen) in Alaska verdiente Fritz sich sein Geld mit der Robbenjagd, sicher ein einträglicher, wenn auch nicht netter Job.

 

Und die ganze Zeit über schreibt er an seine liebe Betty Postkarten, und anstatt eines Punktes geht es immer mit einem „und“ weiter.

 

Und irgendwann war er dann wieder zurück in Berlin und die Freundschaft mit Fräulein Betty blieb bestehen, obwohl sie immer Fräulein geblieben ist und später die Wirtin meiner Tante war, die als junge Studentin in ihrer Wohnung ein Zimmer zur Untermiete bewohnte – 50 Jahre nach der Reise vom alten Fritz, aber noch immer an derselben Adresse: Schumannstraße 1b in Berlin Mitte. Und als ich noch ganz klein war, habe ich Fräulein Neumann auch oft besucht und durfte mit ihrer Schildkröte „Bischolle“ spielen. Falls jemand eine Erklärung hat, woher dieser Name stammen könnte, bitte einen Kommentar hinterlassen.

Irgendwann werde ich dieses Tagebuch einmal transkribieren, in ordentliche Sätze fassen und die Postkarten an den richtigen Stellen einordnen.

Es gibt übrigens noch mindestens zwei weitere Tagebücher. Ob die allerdings von derselben oder von einer anderen Reise stammen, habe ich noch nicht nachgeschaut. Vielleicht schaffe ich es bis zum 100. Jahrestag der Reise.

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