ein einzelnes Foto


In Zeiten, in denen die meisten angefertigten Fotografien Teil einer nutz-, inhalts- und wertlosen Massenware geworden sind, wollte ich euch anhand eines einzelnen Fotos meiner Oma aus dem Jahr 1915 zeigen, wie sorgfältig damals auf das Äußere, hübsche Kleidung, ordentliches Haar nebst Schleife, und das Ambiente in Form des Lieblingskuscheltieres auf einem Stuhl geachtet wurde. Wie schon früher erwähnt (siehe hier), war die Auslösezeit länger, so daß man sich nicht bewegen durfte, während das Objektiv geöffnet war. Daher auch fast immer so ernste Gesichter.

 

Heute fotografiert man lieber sein Essen bzw. fertigt Schnappschüsse an, also spontane Fotos ohne Arrangement und ohne künstlerischen Wert. Meine Theorie ist, daß man von Verwandten von früher nur wenige Fotos vorweisen kann, weil es so wenige gab, von uns später allerdings auch nicht mehr Fotos zeigen kann, weil sie sich in der Masse an Müllfotos nicht mehr wiederfinden lassen.

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Vor 100 Jahren war Krieg


Heute wird ein Feldpostbrief, den ich euch vor einiger Zeit vorgestellt habe, 100 Jahre alt.

Da es im Moment einige Mitbürger gibt, die in diesem Land Angst um ihren kleinen Reichtum verspüren und Sätze wie: „Unter’m Kaiser und Adolf hätte es sowas nicht gegeben.“ laut und inbrünstig anstimmen, finde ich, die Zeit, diesen Brief noch einmal zu erwähnen, ist gekommen.

Hier findet ihr den Artikel. Lest euch den Brief durch. So erging es dem kleinen Mann, der von den Medien aufgeputscht wurde, den Erbfeind, den Russen, Engländer oder Franzosen zu bekämpfen. Der Russe, der Engländer, der Franzose – immer brav im Singular bezeichnet, damit waren die Unmengen Männer der unteren Schichten aus aller Herren Länder gemeint, die über nicht ausreichende Bildung verfügten, sich eine objektive Meinung zu bilden, oder Gebildete die schlichtweg fanatisiert waren.

Dazu habe ich im Bundesarchiv dieses Foto Berliner Studenten am Tag der Verkündung der Mobilmachung gefunden:

 

Anker Geduldspiele – Tangram


Vor ziemlich genau drei Jahren gab es einen Artikel mit dem gleichen Titel. Den findet ihr hier.

Seither hat sich einiges in meiner Sammlung getan – Zeit, euch meine aktuelle Ansammlung dieser schönen, alten Geduldsspiele zu präsentieren.

 

Den Kopfzerbrecher habe ich leider gerade verlegt, weswegen es kein neues Foto gibt.

Tangram

Tangram

 

Neu ist allerdings das Lösungsheft für ihn.

Daneben seht ihr das Lösungsheft für Alle Neune, das ich (noch) nicht besitze.

 

Das Kreis-Rätsel gehört in dieser Ausstattung zu den ältesten Ausgaben.

 

Hier sind im Aufgabenheft noch richtig schöne Figuren vorgegeben, die es nachzubauen galt:

 

Zum Vergleich ein neueres Aufgabenheft – hier dann nur noch in braun:

 

Neu ist das Herzrätsel:

 

Mit Aufgaben- und Lösungsheftchen:

 

Im Deckel findet man bei allen, bis auf die ganz alten Ausgaben auch stets die Artikelnummern der benötigten Steine. Da immer mal einer kaputt ging, konnte man sie nachbestellen – auch heute noch.

 

Den Grillentöter habe ich euch im alten Artikel nur theoretisch vorgestellt. Hier kommt er nun mit Bild und allen Heften (zwei verschieden große Lösungshefte links und unten):

 

Den Blitzableiter kennt ihr schon. Die Einheitsverpackung stammt aus den späten Ausgaben, den 1920-ern. (jetzt neu – auch mit zwei Lösungsheften)

 

 

 

An der ersten Innenseite der Lösungshefte kann man übrigens gut sehen, zu welchem Spiel es gehört. Die Titelseite ist oft abgerissen, aber das erste Rätsel ist immer die Anordnung der Steine in der Packung. Weiterhin steht der Anfangsbuchstabe oder ein Zeichen unten in der Mitte, das uns auf das Spiel schließen lässt. hier: ein Blitz (naja gut, mit Phantasie) und ein G für den Grillentöter.

 

Das Ei des Kolumbus, das hier noch als Wunder-Ei bezeichnet wurde:

 

Werbung für weitere Anker-Spiele:

 

inklusive der Anker-Steinbaukästen (bekannt von meinem Artikel über Anker-Steinbaukästen)

 

Der Zornbrecher:

 

Es gibt noch ein paar weitere Lösungs- und Aufgabenheftchen, zu denen mir das Spiel fehlt. Hier Der Kobold

 

mit sehr ungewöhnlichen Steinformen:

 

In Holland heißt der Kobold Kabouter:

 

Eine kurze Einleitung:

 

Zum Schluß der Geduldprüfer:

 

Auf dänisch (?) heißt Geduld Taalmodighed. Ich frage mich, ob es eine Wortverwandschaft mit dem Talmud gibt.

 

Und das war’s für heute.

 

TET und Cakes – Bahlsen und der Leibniz-Keks


Heute ein aktualisierter Artikel von vor zwei Jahren. Wikipedia hat mir einen Strich durch die Rechnung (sic!) gemacht und mir meine ägyptischen Hilfslinks unten gelöscht:

Diesmal gibt es eine schnelle Rechnung, weil ich nicht so viel Zeit zum recherchieren habe und einige Leser meinten, ich schreibe immer zu viel Text. Aber Informationen wollen verpackt werden. So, wie Kekse. Und während das meiste meines Wissens, das ich euch zusammengetragen habe, alt ist, sollten Kekse bis zum Öffnen der Packung möglichst frisch sein.

Jeder, der eine Packung Kekse offen über Nacht oder einen ganzen Tag hat stehen lassen, weiß, daß sie die Luftfeuchtigkeit aufnehmen und dann eine Konsistenz annehmen, die in Berlin treffend als „latschig“ bezeichnet wird.

Hermann Bahlsen, der Erfinder des deutschen Kekses, wollte seine Cakes, wie er sie nach seiner Rückkehr aus England hier benannte, im Unterschied zu anderen Bäckern haltbar verpacken. Das geschah zu Beginn der 1890-er Jahre in Tüten. 1892 entwickelte er ein Rezept mit einem ansehnlichen Teil Butter – die Butter-Cakes. Dem hannoverschen Hofbibliothekar Gottfried Wilhelm Leibniz zu Ehren benannte er ihn Leibniz Butter-Cakes. Der hatte seinerzeit nach einer haltbaren Soldaten-Verpflegung gesucht. Und weil es 1700 noch keine Kekse gab, mussten die Soldaten mit Zwieback vorlieb nehmen.

Irgendwann kurz nach der Jahrhundertwende stellte Bahlsen fest, daß viele Menschen aufgrund mangelnder Englischkenntnisse sein Produkt Kahkes nannte. So wurde das englische Wort allmählich in eine eingedeutschte Form gebracht.

Aus der kurzen Übergangszeit vom Cakes zum Keks stammt meine heute präsentierte Rechnung

Hier findet man im Firmennamen noch die Cakes-Fabrik, der Keks hat aber schon seinen deutschen Namen.

Zur Rechnung selbst: Den Leibniz-Keks kennt jeder. Den Albert-Keks auch, wenn auch heute nicht mehr unter diesem Namen. Er sah ähnlich aus, wie ein Butterkeks, nur war er ca. 5 cm im Durchmesser und rund. Was man hingegen unter Schnittgebäck versteht, das ist mir ein Rätsel. Kuchen?

Zu den Preisen. Ich hoffe, mit 3 Dutzend Leibniz Keks waren 3 Dutzend (36) Packungen gemeint.

Zu guter Letzt und bevor Bahlsen mit seiner neuen Image-Kampagne sein Logo so schön modernisiert und verlangweiligt hat: Das TET-Zeichen mit der ägyptischen Kartusche wird einem aufmerksamen Kekskunden schon früher aufgefallen sein. Die Erklärung, was es damit auf sich hat, war eine der ersten Recherchen, die ich bei Bahlsen angestellt habe und es gab erstaunlich viele Bahlsen-Mitarbeiter, die sich darüber nie Gedanken gemacht haben. Dabei war die Lösung letztlich ganz einfach. Ein Bekannter Bahlsens reiste irgendwann nach Ägypten. Dort lernte er die Hieroglyphe „tet“ für „ewig dauernd“ kennen und wollte das auf die Bahlsen-Kekse übertragen. So kam es zur TET-Verpackung, die wir noch heute als Papier in Wellenform kennen und die unsere leckeren Butterkekse nahezu unzerbrochen zu uns bringt.

Wer sich heute das Bahlsen-Logo ansieht, findet die Schlange aus der Hieroglyphe nur noch stilisiert in der geschwungenen Form des ’n‘ auf rotem Hintergrund.

In Wikipedia habe ich für euch den Namen des Pharao Amenophis III. herausgesucht. Der ließ sich gern auch „Der sein Haus der Ewigkeit vergrößert“ nennen. Und wer jetzt ganz genau hinschaut, der sieht ganz rechts die Hieroglyphe „tet“, die eigentlich „djet“ ausgesprochen wurde. Aber das kann man dem braven Keksfreund aus Hannover nicht übelnehmen. Wenn er in der deutschen Sprache schon ohne jeglichen Akzent auskommen muß, darf ein Hannoveraner sich wenigstens im Ägyptischen mal vertun.




Se-aa-hut=ef-net-djet
S-ˁ3-ḥwt=f-nt-ḏt
Der sein Haus der Ewigkeit vergrößert

ein Parteiprogramm von 1920


Ich habe lange überlegt, ob man das heutige Schriftstück vorzeigen soll und darf oder nicht. Ich habe mich dazu entschlossen, es euch zu zeigen, da es sich hierbei nicht um Glorifizierung oder Werbung für den Inhalt handelt, sondern vielmehr um den Versuch, aufzuzeigen, daß Ideen und Forderungen, die auf den ersten Blick „gar nicht so schlecht“ klingen, bei genauer Betrachtung und Vergleichen sehr wohl schlechte Ergebnisse mit sich bringen.

Da gerade jetzt in Deutschland wieder eine Partei die Ängste und heimlichen Wünsche großer Teile der Bevölkerung mit einfachen Worten adressiert, sie damit enormen Zulauf verzeichnen können und viele Mitbürger ein schlechtes Bauchgefühl in Anbetracht der bevorstehenden Wahlen haben, möchte ich alle Besucher meines Museums auffordern: Lest euch das Parteiprogramm durch, sucht Parallelen zu modernen Wiederholungen und haltet euch das Ergebnis der Erfüllung der Forderungen vor Augen! Es ist gerade einmal 70 Jahre her und ich möchte Ovid zitieren: „Wehre den Anfängen!“ (auch wenn das ursprüngliche „Principiis obsta.“ die unglückliche Liebe als Thema hatte)

Wer auf das Bild klickt, kann es sich in höherer Auflösung durchlesen. Die 25 Punkte solltet ihr euch mit einer gesunden Distanz durchlesen. Ich hoffe, keiner meiner Leser wird durch dieses Flugblatt zum Anhänger einer rechtsgesinnten Partei.

Einige Dinge für euch kurz erklärt:

München, den 24. Februar 1920 – an diesem Tag wurde mit der Umbenennung der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

Als Verfasser wird laut Wikipedia der DAP-Gründer Anton Drexler vermutet. Adolf Hitler soll nur redaktionelle Mitarbeit geleistet haben.

Unter Anmerkung findet ihr einen Zusatz vom 13. April 1928 (auf den ich das Papier datiere). Die Erklärung dazu lest ihr am besten auch bei Wikipedia durch.

Über konstruktive Kommentare zu diesem Artikel freue ich mich. Sofern jemand Probleme mit der Veröffentlichung hat, möge er sich mit mir in Verbindung setzen.

Gesunde Haare – glanzvolles Leben


Haare können an den richtigen Stellen überaus hübsch anzusehen sein. Leider spielt die Natur nicht immer mit und die Haare fallen aus oder wachsen an Stellen, wo sie nicht hingehören.

Damit die Haare auf dem Kopf der Dame von Welt wenigstens das Auge des Mannes (und der Konkurrentinnen) erfreuen, hat mein Uropa, der Apotheker Gustav Lange seinerzeit ein Tannikum zur Pflege der Haare erfunden.

Der Begriff Tannikum ist heute scheinbar nur noch in der russischen Sprache gebräuchlich und bezeichnet eine Lösung oder Tinktur. Google hält sich ansonsten sehr bedeckt. Tonikum hingegen wird von Herrn Duden als Gesichts- oder Haarwasser geführt. Das lässt mich vermuten, daß Tannikum ein älteres Wort ist, das in der deutschen Sprache im Laufe der Zeit dem Tonikum weichen musste.

Wozu war nun Apotheke Lange’s Haar-Tannikum gut? Lesen wir selbst:

Reinigt die Kopfhaut und erhöht ihre Tätigkeit, wirkt stärkend auf den Haarwuchs und ist das beste Mittel gegen das Ausfallen der Haare. Mit einem Teelöffel voll davon wäscht man des Abends die Kopfhaut.

Geht Ihr Haar aus? Leiden Sie an Kopfschuppen? Wenn ja – machen Sie einen Versuch mit Apotheker Lange’s erfolgreichem Haarpflegemittel. Preis pro Flasche 1,75 Mark

Da es von diesen Etiketten relativ viele gibt, wurde das Tannikum offenbar in einer größeren Menge zusammengerührt.

Wie der Zufall es will, habe ich im geheimnisvollen Buch mit den Zusammensetzungen der entwickelten Tinkturen, Wässerchen, Salben und Pulver

auch das Rezept des Haar-Tannikums gefunden.

Leider kann ich die Schrift meines Uropas eher schlecht lesen. Es reicht nur für:

  • 1000 Teile Spiritus
  • 4000 Teile Aqua
  • Darin auflösen
  • 8 Teile Chinin …..
  • 40 Teile irgendwas Carboniges
  • füge hinzu
  • 140 Teile Tinct …..
  • 200 Teile Glycerin
  • 20 oder 90 Teile geheimnisvolles Sonstwas
  • noch etwas in der Verdünnung 1:20 und davon 40 Teile
  • Eau de Cologne
  •  zum Schluß etwas, das hoffentlich nicht Morphium ist, aber ähnlich aussieht.

Fertig ist eine wahrscheinlich einigermaßen gut riechende Flüssigkeit, dank der die Haare wie verrückt gewachsen sind und geglänzt haben, daß es nur so seine Art hatte.

Der Begriff Tonikum führt meine Gedanken zum Tonic, einem kohlensäurehaltigen (karbonisierten) Getränk mit Chinin als Hauptwirkstoff. Ich werde im Selbstversuch testen, ob bei übermäßigem Genuss von Tonic Water Haare auf meiner Zunge wachsen.

Zu guter Letzt: das bekannteste Tonic-Water hierzulande stammt wahrscheinlich aus dem Hause Schweppes. Dazu hatte ich euch ja hier schon einmal interessante Dinge verraten.

Mehr Artikel über Haare gibt es hier.

 

Achtung, Spoiler! Tricks im Kino


Man wird im Kino von vorn bis hinten veräppelt. Nichts ist, wie es scheint und trotzdem gehen wir immer wieder gern hin um uns etwas vormachen zu lassen.

Tricks im Kino gibt es seit dem zweiten Tag der Filmgeschichte. Der Regisseur wollte das Unmachbare schaffen und seine Crew hatte die guten Ideen. Tolle Beispiele für alte Filme mit vielen Tricks sind Metropolis (1927) oder Die Reise zum Mond von 1902 (beachtet die täuschend echt gemalten Häuser ab 2:16 oder die Landung an 4:35.

Im Jahr 1913 widmete die Liebig’s Fleischextrakt Compagnie eine Sammelbildserie dem Thema. „Hinter den Kulissen des Kinematographen“ verrät uns sechs bis dahin kaum zu durchschauende Tricks der frühen Filmemacher. Die Vorderseite der Karten zeigt uns die Kulisse, auf der Rückseite erfahren wir noch mehr unglaubliche Details. Seht selbst:

 

Ein Automobil-Unfall

 

Die Sirene

 

Ein Eisenbahn-Unglück

 

Der klettergewandte Dieb

 

Die entlaufenen Kürbisse

 

Der Modistin Traum

 

Wer sich übrigens für alte Filme interessiert, dem seien die Stummfilmkonzerte des unermüdlichen Pianisten und Filmbegleiters Stephan Graf von Bothmer sowie der wunderschöne Film Hugo Cabret ans Herz gelegt. Hugo Cabret erzählt die Geschichte von Georges Méliès, zeigt die Entstehung des oben erwähnten Films „Die Reise zum Mond“ inklusive deckungsgleich nachgedrehter Sequenzen und hat Referenzen zu unzähligen anderen Filmen und Büchern der Zeit.

Präcisions-Gärungs-Saccharometer


Heute stelle ich euch ein Hilfsmittel vor, das bereits 1885 von Max Einhorn erfunden wurde. Über einhundert Jahre früher – 1776 – entdeckte der Liverpooler Arzt Matthew Dobson eine Methode, im Blut und Urin von Diabetikern den Zuckerspiegel festzustellen. Ihm gelang weiterhin, Zucker aus den Flüssigkeiten zu gewinnen, diesen als diagnostische Methode zu vergären und nachzuweisen, daß Zucker aus dem Blut in den Urin gelangt. Schließlich wies er nach, daß auch gesunde Menschen Zucker im Blut haben.

Max Einhorn konstruierte ein sogenanntes Gärungs-Saccharometer um den Zuckergehalt des Urins zu bestimmen. Dieses Meßgerät wurde in der Folgezeit weiterentwickelt und verbessert, allerdings ist es das Original, das bis heute Verwendung findet.

Ich stelle euch eine verbesserte Version nach Dr. Th. Lohnstein vor.

 

„Jeder Apparat wird unter persönlicher Kontrolle des Erfinders und des Apothekers Noffke hergestellt.“

Das Innere der Schachtel sieht noch genauso aus, wie damals: Pergaminpapier-Wolle als Polster, eine Beschreibung und alle Einzelteile. Zusätzlich ist noch ein Albuminimeter enthalten. Es befindet sich in dem Holzröhrchen.

 

Der Aufbau ist nicht schwierig. Am Gärungsröhrchen sieht man, daß es wohl häufig benutzt wurde.

 

Die Vorbesitzer waren zwar Apotheker und Drogist, stellten allerdings auch Wein her. Daher vermute ich, daß das Gerät eher zum Testen des Zuckergehalts im Wein verwendet wurde. Oder eben für Urin. Hoffentlich nur für eins von beiden.

Hier die Beschreibung für das Albuminimeter. Ich habe es oben mal auf der rechten Seite für euch aufgestellt.

 

So sieht es im Detail aus:

 

Die R- und U-Markierungen

 

Der untere Teil der Skala

 

Ich datiere das Saccharometer auf die 1910-er/1920-er Jahre. In den 1930-ern gab es eine Ausführung mit Metallskala.

Andere Hilfsmittel zur Bestimmung der Güte von Wein und anderen Flüssigkeiten hatte ich euch im Artikel über die Aräometer schon einmal vorgestellt.

Knufinkes Knoblauchbeeren


Jeder möchte lange leben, aber keiner will alt werden. Diesen klugen Satz soll angeblich Jonathan Swift gesagt haben.

Es gibt nur recht wenige Wege, das Älterwerden zu vermeiden. Unter ihnen ist allerhöchstens eine Verlangsamung des Alterungsprozesses erstrebenswert.

Die Firma Paul Knufinke, Chemische-Pharmazeutische Präparate aus Wuppertal-Barmen hat sich ab 1924 dem Kampf gegen das zu schnelle Altern verschrieben. Ich habe dazu eine kleine Webseite gefunden, auf der ein Sammlerkollege ein Prospekt der Firma Knufinke zu ihren Knoblauchbeeren der Marke „immer jünger“ bewirbt. seht hier.

Knoblauchbeeren, später Knoblauchpillen, gibt es noch heute. Sie scheinen durch die Inhaltsstoffe des Knoblauchs zu helfen ohne den unangenehmen Geruch mitzubringen. Das ist erfreulich.

Zurück zu Knufinke. Ein sehr langes Werbeplakat habe ich auf dem Dachboden gefunden. Es wurde offenbar nie benutzt. Dies zu tun, wird in meinen Augen durch das höchst ungeschickte Layout nicht befürwortet. Offenbar hatte der Designer damals noch nichts von Kerning gehört. Aber er hat es wenigstens versucht. Die Erwähnung des Produktnamens oder der Herstellerfirma kann in meinen Augen auch enorm zum Umsatz beitragen. Auch das wurde vergessen.

 

Zur Datierung: Da die Marke „Immer jünger“ 1924 auf den Markt kam und die verwendete Schreibschrift bis in die frühen 1930-er Jahre sehr beliebt war, schätze ich das Plakat auf diese Zeitspanne.

 

Verband der weiblichen Handels- und Büroangestellten


Gewerkschaftliche Organisation der Angestellten und Arbeiter ist wichtig, um die Rechte der Arbeiter in Betrieben, Fabriken und Büros durchzusetzen. In Deutschland gibt es seit 1329 gewerkschaftsähnliche Zusammenschlüsse und seit 1848 organisierte Gewerkschaften. Einen Aufschwung erfuhren Gewerkschaften nach der Gründung der Weimarer Republik ab 1919 und erstarkten bis zur Machtübernahme und Gleichschaltung durch die Nazis. Das war am 2. Mai 1933. An diesem Tag gingen alle Gewerkschaften in der Deutschen Arbeitsfront auf.

Ein frühes Mitglied des 1919 gegründeten Verbandes der weiblichen Handels- und Büroangestellten war die um mehrere Ecken irgendwie verwandte Emmy Heinemann. Sie war sogar bereits im Jahr 1911 Mitglied eines gewerkschaftlichen Verbandes. Dessen Namen konnte ich jedoch nicht herausfinden.

Dafür hat sie uns einige ihrer Mitgliedskarten hinterlassen.

 

Ab 1925 RM 2,00, ab Mai 1926 RM 3,00 und schließlich ab Juni 1928 satte RM 3,50 Monatsbeitrag. Die sind dann allerdings bis Ende 1932 konstant geblieben.

 

Auf der Rückseite der Mitgliedskarte wurden (mehr oder weniger) freiwillig entrichtete Beiträge für die Wohlfahrt geklebt.

 

Weiter geht es im Querformat ab 1933.

 

Berlin-Wilmersdorf, Trautenaustraße 11 b/ Sendig

Ab 1933 konnte neben dem Gewerkschaftsbeitrag auch eine Renten-Versicherung abgeschlossen werden. Emmy hatte offenbar keine. Sie blieb bei ihren RM 3,50 pro Monat.

 

Doch, zack, kaum war die oben erwähnte Gleichschaltung unter der NS-Führung vollzogen, stieg der Monatsbeitrag. Auf RM 4,00 und gleich ein Quartal später noch einmal um 20 Pfennige.

 

1935 war man bereits bei RM 4,40 – allerdings griff zu dieser Zeit wahrscheinlich schon das Programm zur Steigerung der Einkommen. Ich glaube, ich hatte das im Beitrag über das Eiserne Sparen schon einmal erwähnt.

 

Bei Lesen der Regeln für alle Verbandsmitglieder wird nun auch deutlich, wieso Emmys Beitrag stetig stieg: Der Mitgliedsbeitrag ist jeweils monatlich im voraus zahlbar, und richtet sich nach der Höhe des Einkommens.

In der Urlaubszeit werden Gemeinschaftsreisen veranstaltet, auch Wochenendfahrten und Wanderungen finden statt.

Das Sommerfrischenverzeichnis des Verbandes weist gute Pensionen nach.

 

Noch mehr Regelungen:

 

Eigenwerbung auf der Rückseite des Mitgliedsbüchleins zeigt Erholungsheime aus dem Urlaubsangebot des Jahres 1932.

 

Die Wichtigkeit der Arbeitnehmererholung wurde früh erkannt und preiswerte Angebote für Familienurlaube auch in der nationalsozialistischen Zeit sowie später in der DDR geschaffen.

 

Als ebenso ordnungsliebende, wie den Ämtern mißtrauende Person, hat Emmy Heinemann übrigens alle Einzahlungsquittungen aufbewahrt um im Bedarfsfall die geleistete Einzahlung auf das Postscheckkonto (links) bzw. an der Verbandskasse (rechts) nachweisen zu können.

 

Die Gute ist übrigens ganz schön alt geworden. Ich glaube, sie ist erst zu Beginn der 1980-er Jahre gestorben. Bei Jahrgang 1890 kam da schon einiges an Lebensalter zusammen. Ob sich ihre Einzahlungen ausgezahlt haben, weiß ich nicht. Die kurze Zeit, die ich sie kannte, hat sie in sehr einfachen Verhältnissen gewohnt.

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