Taschenkalender von 1877 bis 1890


Daß ich Sammelbilder sammle, dürfte meinem geneigten Publikum nicht unbekannt sein. Eine kleine Unter-Rubrik sind Kalender auf Sammelbildern. Davon stelle ich euch heute einige vor.

1877

 

Die Vorderseite sieht aus, wie andere Sammelbilder auch, lediglich auf der Rückseite wurden Kalender aufgedruckt. Cleverer Schachzug: nur ein Quartal oder ein halbes Jahr war pro Karte gedruckt. Somit musste man rechtzeitig vor Beginn des nächsten Halbjahres eine neue Karte besorgen, idealerweise im Geschäft, dessen Adresse auf dem Kalender vermerkt war.

Auf diesen Bildern sieht man übrigens einen der großen Mankos der Taschenkalender. Sie waren offenbar in vielen Fällen zu groß für die Brieftasche und wurden zurechtgeschnitten. Das Ergebnis sind krumme, schiefe und oftmals ganz fehlende Kanten. Das wirkt sich bedauerlicherweise auf den Wert der Karte aus.

 

1878

Diese Karten sind unbeschnitten und in sehr guter Erhaltung.

 

Lediglich die Karte unten links war mal in ein Sammelalbum eingeklebt.

 

 

1881, 1887, 1890

Zum Schluß noch drei „neue“ Karten. An den unteren beiden kann man deutlich die billigere Qualität des Drucks erkennen.

Werbeanzeigen

Folies Bergere in Paris – Programm von 1890


Einen Monat war euer Museumsdirektor sozial engagiert unterwegs, hat viele Dinge erlebt, die Hirn und Herz angeregt haben und glaubt, Gutes getan und geholfen zu haben, wo es im Moment wichtig ist. Damit ist noch nicht Schluß, aber das erste Chaos ist überwunden und die größte Not ist gelindert.

Als Dankeschön für das lange Warten habe ich euch als erstes Ausstellungsstück nach den „Sommerferien“ eines meiner Lieblinge in der Sammlung ausgewählt. Ein Programm des Varietés Folies Bergère in Paris.

Es ist ein Druckerzeugnis aus der Imprimerie Francois Appel und wurde 1890 hergestellt. Dank aufwändiger Chromolithographie leuchten die Farben auch nach 125 Jahren so, als wäre es gerade frisch aus der Druckerei gekommen.

Im Innenteil steht als Datum „Mardi 16 Decembre“. Dank des Internets ist es nicht schwierig, das dazugehörige Jahr herauszufinden. 1890 war wie durch Zufall auch das erste Jahr der größten Erfolge des Folies Bergère. Wikipedia fasst das sehr bildhaft zusammen:

Unter dem Eindruck der Jahresrevuen, die sich an einigen Theatern großer Beliebtheit erfreuten, inszenierte (der Besitzer) die erste, dem Metier angepasste Revue, die am 30. November 1886 Premiere hatte und die für damalige Begriffe unglaubliche Summe von 10.000 Franc kostete. Die Programme waren angefüllt mit vielen spektakulären Nummern: Kraftmenschen, Löwenbändigern, Groteskenpantomimen, Elefantendressuren, Abnormitätenschauen und Ringkämpfen. Doch auch das vermochte das Publikum nicht dauerhaft und regelmäßig in die Vorstellungen zu locken. Daher organisierte man (ab 1890) für die besten Prostituierten der Stadt Freikarten, die sie zum vierzehntäglichen Wandeln durch die Foyerhallen berechtigten. Zwar waren keine offensiven Angebote erlaubt, doch ein aufforderndes Kopfnicken war gestattet. Paul Derval, lange Zeit Direktor der «Folies Bergère», schrieb dazu in seinen Memoiren: „Dieses geniale System bewährte sich einige Jahre hindurch sehr gut. Jeder Pariser wusste, dass die Damen im Promenoir solche von leichter Tugend waren und dass sie die Crème ihrer Profession darstellten … kurz, das Promenoir der Folies Bergère war als der beste Liebesmarkt der Stadt bekannt.“

Mit ein wenig Phantasie kann man sich vorstellen, wie so mancher Abend einer lustigen Herrengruppe verlaufen sein mag.

Den großen Zuspruch der Pariser Bürger kann man bei diesem Programm am gut gefüllten Anzeigenraum erkennen. Es lohnte sich offensichtlich, auf Programmheften des Folies Bergère, die noch dazu 20 Centimes kosteten, zu werben. Ein weiteres Programm, das nur zwei Tage eher erschien und ein Beispiel für weniger großen Zuspruch der Werber darstellt, hatte ich euch hier schon einmal vorgestellt.

Für was wurde 1890 in einem Variete geworben?

Auf der Titelseite: TSARINE Creme und Reispuder (beides, auch wenn es nach Desserts klingt, dazu da, Frauengesichter anmutig erscheinen zu lassen), erhältlich in der Parfümerie Violet

Im Mittelteil: Das Möbelgeschäft Maison Janiaud junior preist sein großes Sortiment an (gebrauchten?) Möbeln zum Kauf oder Tausch an. (habe ich das richtig übersetzt?); Diamanten, Absinth und alle großen Parfüm Marken

Auf die Rückseite haben es größere Anzeigen geschafft: Apricosenlikör von P. Garnier, die Brasserie Mallet (bis 2 Uhr geöffnet!); La Balneum – ein Badehaus nach türkischer, römischer und russischer Art – 2 Franc ohne, 3 Franc mit Massage (oha) oder das ELIXIR GODINEAU, mit dem man für nur 20 Franc pro Fläschchen Dinge erreichen kann, die mir meine begrenzten Französischkenntnisse  glücklicherweise verschließen.

Meine anderen bereits veröffentlichen Dinge von Monsieur Appel könnt ihr euch anschauen, indem ihr hier klickt.

Über den Preis, den man für ein Programmblatt in dieser Erhaltung zahlen muß, möchte ich an dieser Stelle schweigen.

Zirkusprogramm – 14. Dezember 1890 – Paris


Der Zirkus ist in der Stadt!

Im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts gab es so einige Zirkusse, die den Sommer über im Freien spielten und im Winter in große Häuser zogen um dort ihre Vorstellungen zu zeigen. Damals zu den bekanntesten Innen-Zirkussen (ist das überhaupt der Plural von Zirkus?) gehörte der Cirque d’hiver – dem Winter-Zirkus von Louis Dejean.

Damals ebenso beliebt, wenn auch weniger groß und bekannt, war der Nouveau Cirque. Am Namen kann man erkennen, daß er erst verhältnismäßig spät gegründet wurde. Wurde der Cirque d’hiver bereits 1843 eröffnet, ging der Vorhang des Nouveau Cirque erst ca. 30 Jahre später auf.

 

Das heute vorgestellte Programm wurde für die Vorstellung am Sonntag, den 14. Dezember 1890 gedruckt. Auf den beiden äußeren Einklappseiten ist keine Werbung aufgedruckt. Auch sind die Farben des Titelbilds etwas verschoben. Ging es dem Zirkus damals vielleicht schlecht? Man weiß es nicht mehr. Das Titelbild wurde übrigens vom Aquarellmaler und Illustrator Louis Vallet entworfen. Ob das derselbe ist, der auch an der Druckerei Vallet, Minot & Cie. beteiligt war, muß ich noch herausfinden. Falls es derselbe Herr ist, gibt es hier irgendwann einen Link zu einigen der hunderten Sammelbildchen aus seiner Feder.

Mit tollen Attraktionen konnte der Zirkus allerdings aufwarten. Bekannt geworden ist er in der Saison 1890 mit einer Löwendressur, in der drei Löwen einen römischen Streitwagen durch die Manege zogen, Zwei der Löwen auf ihren Pranken einen Hund balancierten und im Maul ein Seil hielten, über das der mutige Hund hin- und hersprang. Der Dompteur dieser Nummer war kein geringerer als Carl Hagenbeck, heute hauptsächlich bekannt durch seinen vor den Toren Hamburgs gegründeten Tierpark. Vorher bestand sein Tagwerk darin, als Tierfänger durch Afrika zu reisen und Zootiere zu beschaffen.

Unsere Zirusschau hatte andere Highlights. Die könnt ihr auf der inneren Mittelseite nachlesen:

 

Auf den inneren Einklappseiten findet ihr Werbeanzeigen für Damenhüte, Kölnisch Wasser, noch ein Hutgeschäft und einen Damenschneider.

Gedruckt wurde das Programm von der Imprimerie Paul Dupont, eine der großen Druckereien und Konkurrenz von Francois Appel. Dieses Programm habe ich als Teil eines Pakets gekauft, in dem sich zwei Programme des favorisierten Monsieur Appel befanden. Das bedeutet, daß ich es eigentlich gar nicht brauche. Aber zum wegwerfen oder tote Heringe darin einzuwickeln, ist es mir dann doch zu schade.

Update: Zack, kaum veröffentlicht, finde ich noch eine Information zum Programm. 1886 wurde der Nouveau Cirque von Joseph Oller gegründet und konnte mit einem Gebäude aufwarten, in dem die Bühne komplett hydraulisch bewegbar und langsam absenkbar und mit Wasser befüllbar war.

Update 2: Die oben beworbene Show „A la Cravache“ war wohl ein Riesenerfolg. Der Clown Foottit brillierte in seiner Nummer als Imitation von Sarah Bernhardt als Cleopatra. Die Schauspielerin besuchte selbst eine der Vorstellungen und fiel durch „herzliches Lachen“ auf. (zu finden im Buch „The Great Parade: Portrait of the Artist as Clown“ von Jean Clair.

Etiketten


Ich habe Herrn Appel auf unterschiedlichen Druckwerken angetroffen. Wenn man Erzeugnisse seiner Druckerei aus Paris der 1870-er bis 1890-er Jahre sammelt, dann gehören dazu nicht nur Sammelbilder, sondern auch solche Exoten wie Etiketten von Schnapsflaschen.

Das können sowohl abgelöste Etiketten sein:

als auch neue

Wichtig ist der Namenszug –  auf dem ersten Bild gut sichtbar am unteren Rand „Lith. F. Appel Paris“, auf dem zweiten Bild schon etwas schwieriger, ganz winzig auf dem untersten Blatt, unterhalb des roten Bandes.

Monsieur Appel hat vorwiegend Etiketten für Cognac entworfen

aber auch den Absinthe hat er nicht verschmäht.

Und weil – bis auf das erste – alle Etiketten druckfrisch sind und ehrlich gesagt kaum jemand nagelneue, unbenutzte Etiketten über 125 Jahre lang aufhebt, war es schon unerwartet kostspielig, diese hier zu erwerben.

Was es nicht alles gibt.

Weitere Werke von Francois Appel aus der Rue du Delta in Paris findet ihr im Moopenheimer-Museum unter dem Kennwort Appel oder in der Bibliotheque nationale de France.

Schiff ahoi! – von New York nach Le Havre – Januar bis März 1890


Heute habe ich euch eines meiner ganz besonderen Lieblingsstücke rausgesucht. Aus Erfahrung weiß ich, daß Artikel, die mir lieb und (meist sehr) teuer sind, hier im Museum die geringsten Besuchszahlen erzielen. Sollte mir das etwas über meinen ungewöhnlichen Geschmack sagen? Egal, das ist mein Zeug, mir muß es gefallen.

Im Jahr 1890 fuhren die fünf Schwesterschiffe „La Bretagne“,  „La Normandie“, „La Bourgogne“, „La Champagne“ und „La Gascogne“ im Linienverkehr zwischen Le Havre und New York hin und her. Sie alle gehörten zur Compagnie Generale Transatlantique.

Zu den Fahrten gehörten Passagierlisten, die den Herrschaften an Bord anzeigten, mit wem sie denn gemeinsam in See stachen. Der Artikel heute ist eine Sammlung der Passagierlisten für die Überfahrten von New York nach Le Havre in der Zeit zwischen Januar und März 1890.

Ich hatte dieses Büchlein vor einigen Jahren zu einem verhältnismäßig günstigen Preis erstanden, weil der Verkäufer nicht wusste, was er da zum Verkauf anbot. Mein Hauptaugenmerk galt dabei den Chromolithographien meines Hauptsammelgebietes: Druckerzeugnisse der Imprimerie Francois Appel, Paris. Und davon enthält das Büchlein einige, die bisher noch niemand in meinen Sammlerkreisen kennt.

So sehen die  Chromolithographien aus, die aus einer Doppelseite bestehen und auf den Innenseiten die Namenslisten beherbergen. Jede der vier unterschiedlichen Lithographien ist mehrfach enthalten.

wahrscheinlich „La Bretagne“

New York

Auch das Liniennetz der Bahn war verzeichnet:

Hotels

Als nächstes kommen die Passagierlisten und ich habe mir mal die Mühe gemacht (5 Stunden), in den Listen herumzusuchen und die Passagiere im Internet zu ergoogeln. Unter jeder Liste stehen die Details, die ich zu den Herrschaften gefunden habe, wenn verfügbar sogar mit Hintergrundinformationen. Passagiere, deren Titel schon in der Liste stehen, habe ich nicht extra erwähnt. (z.B. Militärs, Botschafter o.ä.)

4. Januar

  • Mr. C. C. E. Fibiger – ein Mitglied der Familie des dänischen Pathologen und Nobelpreisträgers Johannes Andreas Grib Fibiger
  • Miss Theodora de Gillert – eine Primaballerina der Metropolitan Opera New York, die ihr euch hier anschauen könnt.
  • Mr. Louis Keller – ein amerikanischer Verleger, Golf Club-Besitzer und High Society-Mitglied
  • Mr. Henry S(idney) Oppenheimer – geboren am 2. November 1866 in New York City, einem Mitglied der berühmten Oppenheimer-Familie, Neffe von Salomon Oppenheimer und Verwandter von Heinrich Hertz (dem Namensgeber unserer Strom-Frequenz Hz)
  • Jacques Schorestene
  • Ekko Sollmann – einem Erfinder aus Hoboken, Hudson county, State of New Jersey. Er hat so tolle Dinge erfunden, wie eine elektrische Eisenbahn (Bild) und den passenden Zug (Bild). Ein weiteres Patent des gebürtigen Deutschen findet ihr hier.
  • Meyer Louis van Moppes – ein Diamanthändler aus Amsterdam, dessen Namen mir persönlich sehr nahe geht.

11. Januar

  • Edgar P. Allen – der so aussah (Mitte), im Manganhandel tätig war und später irgendwie seine Finger bei der Ausrüstung der US-Army im 2. Weltkrieg im Spiel hatte.
  • Mr Wilber A. Bloodgood – ein Herr mit einem wunderschönen Namen, was ihm allerdings auch nicht viel genützt hat, da er, der Sohn von William A. Bloodgood, am 6. April 1923 verstorben ist.
  • Mr. Thomas Cranage und seine Familie – einen ausführlichen Bericht über ihn gibt es hier. Dort sind auch seine Frau Julia (hier Mrs. Thomas Cranage), sein Sohn Samuel Pitts Cranage und Tochter Mary erwähnt.
  • Mr. John Baptiste Ford Jr – der Begründer der amerikanischen Flachglas-Industrie und Mitglied der Auto-Dynastie aus Detroit – hier sein Haus.

 18. Januar

  • The Most Reverend M. A. Corrigan D. D. Archbishop of New York – ein sehr wichtiges Oberhaupt der New Yorker katholischen Kirche. seht hier
  • Louis Lasher Lorillard und seine Brüder Mr Beekman Lorillard und George – Tabak-Millionäre aus New York nebst Dienern und Mägden.

25. Januar

  • Edward D. Adams – Erbauer des nach ihm benannten Wasserkraftwerkes an den Niagara-Fällen, in dem erstmals der von Nikola Tesla erfundene Wechselstrom erzeugt wurde.
  • Mr Beauveau Borie und Familie – Herr Borie war laut seiner Universitäts-Annalen ein Manufacturer, Bankier und Broker. Seine Frau und Sohn wurden mal gemalt (hier) und er oder sein Sohn war Präsident der Börse.

1. Februar

  • Alban G. Anderson – keine Infos zu seinem Leben, aber zu seinem Tod.
  • Familie Vanderbilt Sloane – Mitglieder der Eisenbahn-Dynastie, z.B. zwei Töchter von William Henry – (der nach heutigem Wert ein Vermögen von 231,6 Milliarden Dollar besaß), Emily (spätere Ehefrau eines der Unterzeichner vom Versailler Vertrag) und L. (Margaret Louisa?) sowie des Sloane-Zweiges, der unter anderem ein nettes Anwesen in Massachussetts gehörte. Malcolm Douglas Sloane, späterer Besitzer des legendären Swope-Mansion war auch mit von der Partie.
  • Mr. E(manuel) Wertheimer – deutsch-österreichischer Philosoph und Aphoristiker ungarischer Herkunft

8. Februar

  • Mr. Hipp (Hyppolyte) Didisheim – Schweizer Uhrmacher der renommierten Marvin-Uhren

15. Februar

22. Februar

  • Mrs. W(illia)m (Waldorf) Astor – die Ehefrau des New Yorker Financiers, die ursprünglich Mary Dahlgren Paul hieß. Zum Zeitpunkt der Überfahrt seiner Frau begann William gemeinsam mit seinem mit der Titanic untergegangenen Cousin John Jacob Astor IV gerade die Planungen für das berühmte erste Waldorf-Astoria Hotel. Kein Wunder, daß die Gute sich nach Europa zurückzog. Dieses Hotel stand übrigens auf dem Grundstück, auf dem 1929 das Empire State Building errichtet wurde.
  • Georges de la Bouglise – französischer Bergbauingenieur und Miterfinder des front-lenkbaren Hochrades. (Michaux-Rad)
  • Mr. M. De Forest Bolmer – amerikanischer Maler (Bilder)
  • Alfred N. Beadleton – Brauereibesitzer, der bedauerlicherweise am 10. August 1917 wegen Darm-Blutungen in den White Mountains gestorben ist.
  • Französische Ingenieure, die vor der Übernahme der Bauarbeiten am Panama-Kanal durch die USA 1899 dort verweilten: In diesem Artikel (englisch) ist Herr Nouailhac-Pioch erwähnt worden. Lest auch meinen Artikel zum Panama-Kanal.
  • Mr. Jacob Dangler – Besitzer einer Firma für Fleischwaren-Portionspackungen. (mehr)
  • Gustav (von) Hochwaechter – Landrat im Kreis Moers von 1870-1871 und Autor der Bücher „Mit den Türken in der Front im Stabe Mahmud Muchtar Paschas. Mein Kriegstagebuch über die Kämpfe bei Kirk Kilisse, Lüle Burgas und Cataldza“ und „Afrika ruft den Jäger – Praktisches aus der Praxis“
  • Mr. John W. Johnston – evtl. der Sohn des gleichnamigen Politikers.
  • Mr. Maurice W. Kozminsky – über den ich nichts gefunden habe, er wird allerdings in den Einträgen seiner späteren Frau Stella erwähnt.
  • Mr. W. A. J. Sparks (später Honorable Sparks – Commissioner of the General Land Office, adjustment of the Atchison, Topeka and Santa Fe land grant in the state of Kansas)
  • Mr. Edward Tuck – amerikanischer Bankier und Philanthrop, der um 1890 von New Hampshire nach Paris umzog und nach dem in Paris sogar eine Parallelstraße der Champs-Elysées benannt ist.
  • Mr. Eugene Winthrop – Bruder von Robert Winthrop, einem Gegenspieler von JP Morgan und den Rothschild-Bankiers.

 1. März

  • C. P. E. Burgwyn (Collinson Pierrepont Edwards), 1852-1915 – schrieb zwei Bühnenstücke: The Huguenot Lovers und The Lost Diamond
  • Mr Burgwyn wurde zusammen mit Admiral Viel, dem Vicomte Paul d’Abzac, Judge Thacher, George Nathaniel Pratt, J. A. Durand-Bailhot, Henry A. Robbins und H. C. Godell in einem Artikel unter der Überschrift „Sailed for Europe“ der New York Times vom 2. März erwähnt. Den Anfang des Artikels gibt es hier.
  • Mr. Charles Renauld – wohl ein französischer Bankier
  • Mr. Harry Rosenhaupt –  1869-1938, späterer Legislator im Staat Washington, dessen Papiere in den Bibliotheken der Universität Washington aufbewahrt werden.

8. März

  • Mrs. E. G. Hubbard – die Ehefrau von Elbert Green Hubbard, einem amerikanischen Schriftsteller und Verleger. Beide kamen am 7. Mai 1915 ums Leben, als ein kaiserlich-deutsches U-Boot die RMS Lusitania vor Irland versenkte.

Hier fehlt übrigens die rechte Hälfte der Liste. Vermutlich stand darauf der Vorbesitzer dieses Büchleins, der sich die Seite als Souvenir rausgetrennt hat.

 15. März

  • J. J. Astor – John Jacob Astor IV, der schon am 22. Februar (oben) erwähnte Cousin von William Waldorf Astor, der mitsamt der Titanic unterging, nachdem ihn einer der Schornsteine erschlagen hatte.
  • Mr. Jacob Dreicer – russisch-stämmischer Exklusiv-Juwelier in Manhattan (Dreicer-Haus)

Da die Schiffe jeweils in der 1. Klasse 390, in der 2. Klasse 65 und in der 3. Klasse 600 Passagiere beförderten, vermute ich, daß hier nur die wichtigsten Passagiere der 1. Klasse Erwähnung gefunden haben.

Zusätzlich habe ich noch zwei Rezeptblättchen die den Passagieren der 1912 in Dienst gestellten France II übergeben wurden.

Alt-Französische Küche – Lammrücken a la Ninon

Rebhühner a la Montespan

Damit endet der bisher am ausführlichsten recherchierte Artikel und ich hoffe, daß sich außer mir noch jemand über dieses schöne Büchlein freut. Da ich weiß, was ich da habe, ist es mir aber auch wurscht, wenn ihr das nicht macht. Schiff ahoi und allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Rothomago


Wie so vieles in meiner Sammlung ist auch das Theaterstück in Vergessenheit geraten, für das unser heutiger Artikel des Tages dereinst Werbung machte – Rothomago, einer „Feerie & Grand Spectacle“ (übersetzt vielleicht Feengeschichte und großes Spektakel) in 25 Bildern, 5 Akten und einem Prolog von den Herren D’Ennery, Clairville und Albert Monnier. Und es ist wirklich verdammt schwer, etwas dazu zu finden.

 

Johannes Rothomago, auch bekannt als Johannes Rothomagensis oder Johannes of Rouen war ein Magier, der scheinbar tatsächlich gelebt hat. Er wird vereinzelt zusammen mit Odo de Bayeux, dem Auftraggeber des berühmten Teppichs von Bayeux genannt und scheint bis 1079 gelebt zu haben.

Seine Geschichte als Magier wurde in mehreren Theaterstücken verarbeitet, wovon der Fünfakter im Theatre du Chatelet zu den erfolgreichsten gehörte.

Das Stück lief seit der Premiere am 1. März 1862 bis 1911 mindestens 8 Jahre lang im Theatre du Chatelet. Eine englische Übersetzung unter dem Titel Rothomago or The Magic Watch wurde von Edward Solomon und Henry Brougham Farnie im Jahr 1879 aufgeführt. Farnie war übrigens Autor für Stücke, die sowohl am Broadway als auch in London um Gilbert & Sullivan aufgeführt wurden.

 

Die Kartenpreise findet ihr auf der Rückseite der Karte – 6 Franc für einen Logenplatz, 5 Fr. für „Baignoire“ (laut Übersetzer heißt das „Badewanne“!) bis zum 3.Rang wo der Platz für 75 Centimes zu haben war.

Wer der französischen Sprache mächtig ist und wissen möchte, wovon das Stück handelt, der kann sich hier das Textbuch des Einakters durchlesen.

Die Sammelkarte dürfte aus den Jahren zwischen 1880 und 1890 stammen.

Langes Fädchen, faules Mädchen – Zwirn


Neulich habe ich mir Zwirnsfaden kaufen müssen, weil ich einen Gurt meiner Fototasche diebstahlsicher machen wollte. Dazu brauchte ich noch einen Satz Nadeln und jede Menge Hoffnung, daß ich weiß, was ich tue.

Zu hause fiel mir ein, daß ich ja durchaus Nadeln besitze. Zwei hübsche alte, Nadel-Sortimente aus der Jugend meiner Mutter.

Die Marke Tannen-Nadeln ist natürlich eine perfekte Wahl:

(es sieht leer aus, aber links im Mini-Mäppchen sind noch Nadeln)

 

Früh übt sich, was ein Meister werden will.

 

Nun ja, jetzt habe ich noch mehr davon und irgendwann werde ich vielleicht nochmal was nähen.

Früher wurde definitiv mehr genäht und gestickt. Als Kind habe ich das auch mal probiert, fand es toll und habe auf diese Weise mehrere Kissen verziert. Eins habe ich noch.

Die Vielfalt an Zwirnereien, also Betrieben, die Nähfäden herstellten muß vor 1900 recht groß gewesen sein. Nähen war eine Tagesbeschäftigung der Frauen. Alles wurde selbst gemacht, repariert oder umgearbeitet. Von Herrn Hennes und seinem Kumpel Herrn Mauritz wußte niemand etwas und Bangladesh war weit weg und unbekannt.

Um das Augenmerk auf seine Produkte zu lenken, kam der Nachfolger von Herrn Eusebius Schiffmacher aus Göggingen auf die Idee, Werbung zu machen.

Er ließ verschiedene Klappkarten chromolithographisch herstellen und informierte die Kundinnen über das Angebot und die Marken. Branding würde man es heute nennen.

Links seht ihr die verschiedenen Artikel: Nähfaden, Häkelgarn, Stopf- und Stickgarn. Dazu das jeweilige Etikett, wie es oben auf den Spulen geklebt hat.

Auf der rechten Seite gibt es eine Menge Informationen für die Hausfrau, aber heute auch für uns. Die Schreibweise der Worte „garantirt“ oder „waschächt“ verrät uns, daß die Karten vor der II. Orthographischen Konferenz im Jahre 1901 gedruckt wurden. Das war eine der Rechtschreibreformen in Deutschland und brachte so wichtige Neuerungen wie das Weglassen des ‚h‘ in Worten wie Thee, Thür oder Thal, aus der Endsilbe -niß wurde -nis (das haben manche bis heute nicht gelernt) und man regirte und addirte nun mit einem zusätzlichen ‚e‘.

Da im oberen Teil die gewonnene Goldene Medaille der Landesgewerbe-Ausstellung in Nürnberg 1882 erwähnt wird, können wir die Karten auf eine Zeit zwischen 1882 und 1901 datieren. Sehr wahrscheinlich sind die 1890er Jahre. (überraschenderweise, wie so vieles in meiner Sammlung)

Ich habe nach dem Ort Göggingen gesucht, bin aber nicht so recht schlau geworden. Wikipedia schreibt, daß es drei davon gibt. Bei der Auswahl hier ist allerdings der Hinweis auf unserer Werbung links unten (Schwaben) (Bayern) nicht sehr hilfreich. Klärt mich auf – ist Schwaben ein Teil von Bayern?

Ich kann euch noch die Fabrikzeichen erklären, die rechts in der Mitte zu sehen sind. Das sind geschützte Namenszüge und Symbole, vergleichbar mit der Coca-Cola-Schrift oder dem Nike-Swoosh. ESC steht für Eusebius Schiffmacher & C(ompagn)ie, ZNFG steht für Zwirnerei & NähfadenFabrik Göggingen.

Der Hinweis an die Kundin darunter ist auch sehr interessant.

Wie sieht die Rückseite aus?

Der Damenwelt gewidmet von der Zwirnerei & Nähfadenfabrik Göggingen. Na, was wird sie sich bedanken!

Ein paar schöne Stickvorlagen auf der linken Seite, Sprüche der Weisheit auf der rechten. Das alles hat man zuhauf auf den Werken der Damen, den Aussteuerhandtüchern, Rolltüchern und anderen dekorativen Aufhängtextilien im Reiche der Hausfrau wiedergefunden.

Des Menschen Bestes muß verderben, will er nur Geld und Gut erwerben.

Nach eitlem Nachruhm mögen And’re streben, mir blüht im Schaffen selbst ein ew’ges Leben.

Der Mensch trachtet so sehr nach Reichtum und nach Ehr‘, und wenn er das Alles erwirbt, so legt er sich nieder und stirbt.

Die Finsterniß sei noch so dicht, dem Lichte widersteht sie nicht. (argh!)

Es gibt noch eine zweite Karte in meiner Sammlung. Sie besticht durch zwei mäßig dekorative Knicke und sieht außen genauso aus, wie die erste.

Aber die Rückseite wartet mit neuen Mustern und noch tolleren Sticksprüchen auf:

Es ließe Alles sich trefflich schlichten, könnt Alles bequem man zweimal verrichten.

Mit großen Herren rechten, ist mit zehn Mannen fechten.

Tugend will ermuntert sein, Bosheit kann man schon allein.

Jetzt habt ihr ausreichend Ideen für die langen Winterabende. Schmeißt den Fernseher aus dem Fenster und holt das Stickzeug vor. Eine schöne Filethäkeldecke oder ein Kreuzstichtischtuch wird doch zu schaffen sein.

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.

Schließe dich 100 Followern an

wen interessiert's?

  • 350.714 Klicks (bis jetzt)

Menü

Member of The Internet Defense League

aus dem Archiv

Blick in die Parallelwelt: Moppis Reise-Blog

Wanderung durch das Bjørndal und auf den Vogelfelsen

Heute, am 26.7. ging es zur (Geburtstags-)Feier des Tages auf eine Wanderung ins Gebiet außerhalb der befriedeten Zone. Ab hier darf man nur mit ortskundiger Person und Waffe unterwegs sein. Auf Spitzbergen gibt es 2500 Einwohner und 3500 Eisbären. Unsere beiden Führer Doreen, die ursprünglich aus Stralsund kommt und Rønar, ein Einheimischer, waren uns eine […]

Husky Tour – 25. Juli 2015

Heute stand eine Husky-Tour auf dem Plan. Zuerst einmal machen wir uns mit den Hunden bekannt. Hillfrid, die leider nicht mitlaufen durfte. Ike, neben dem man sich wie Rotkäppchen fühlt. Keino, mit 15 Jahren der älteste Hund im Hof, der aber noch immer ein guter Zughund ist, was ihm sein Dasein sichert, da es hier […]

Svalbard – Spitzbergen – Longyearbyen

Die ersten Fotos vom Urlaub oberhalb des Polarkreises. Die Temperaturen liegen kurz oberhalb des Gefrierpunktes. Manchmal nieselt es ein wenig, aber im Großen und Ganzen ist es sehr angenehm.

Pashupatinath – Verbrennung der Toten

Ungefähr eine Stunde braucht der Spaziergänger, um vom Stadtzentrum Kathmandus nach Pashupatinath zu gelangen. Hat man erstmal die richtige Straße gefunden, geht es irgendwie immer geradeaus. Vorbei an durchaus lustigen Schildern an einem Haus, von dem ich leider vergessen habe, wofür es dort steht,   einem hübschen, kleinen Wasserbecken. Manche Ecken sind nicht ganz so schön und […]

%d Bloggern gefällt das: