George’s und Mary’s Hochzeitszeitung


Am 6. Juli 1893 wurde Hochzeit gefeiert. Nicht irgendeine Hochzeit, nein, eine königlich-britische Hochzeit.

Der Bräutigam war Prince George Frederick Ernest Albert, Duke of York, Sohn von Edward VII. und Alexandra von Dänemark (die auch geheiratet hatten und die ich euch hier vorgestellt hatte) und somit Cousin von Kaiser Wilhelm II.

Die Braut konnte mit einem noch längeren Namen aufwarten: Victoria Mary Augusta Louise Olga Pauline Claudine Agnes von Teck, Tochter von Franz von Teck und „Fat Mary“ Prinzessin Mary Adelaide von Großbritannien, Irland und Hannover.

Beide hatten eine spannende Kindheit und Jugend. Lest euch zuerst die von Maria von Teck durch. Falls ihr dabei auf den Begriff „morganantische Ehe“ stoßt, ist die einfachste Erklärung dieser „Trauung zur linken Hand“ wahrscheinlich das „Hinaufheiraten in einen höheren Stand“.

George V. hingegen ist eine geschichtlich weitaus interessantere Person, da er gemeinsam mit seinem Cousin Prinz Heinrich von Preußen (dem Bruder Wilhelms II.) versuchte, den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu verhindern und stattdessen anstrebte, daß lediglich eine militärische Aktion gegen Serbien durchgeführt werden könne, aber auf die Generalmobilmachung verzichtet würde. Bedauerlicherweise scheiterte der Plan an Kaiser Franz Joseph I., dem Gatten von Sisi, der die Generalmobilmachung der k.u.k. Armee verfügte.

Die Hochzeit von George und Mary fand schließlich am 6. Juli 1893 im St. James’s Palace statt. Da die Briten ihre Königsfamilie überaus verehren, wurde dieses Ereignis groß aufgezogen.

Ich habe mir seinerzeit die offizielle Hochzeitszeitung für One Shilling gekauft.

 

Auf jeder zweiten Seite findet man Werbung für alles und jedes. Hier zum Beispiel Kleidung, Hovis-Mehl, Tischtücher und Parfüm. Rechts ein Bild von der Ankunft in der Kirche.

Royal Wedding - 6 July 1893 - Prince George, Duke of York, second son of King Edward VII, was married to Princess Victoria Mary of Teck

 

Queen Victoria trifft ein – die Dame, die meiner Lieblings-Epoche, der viktorianischen Zeit, den Namen gab.

 

Ein Blick auf den Bankettsaal. Das Heirats-Frühstück im Buckingham Palast erscheint mir doch recht opulent ausgefallen zu sein.

 

Die Familie Teck mit dem oben bereits erwähnten Franz von Teck und seiner wohlbeleibten Mary.

 

Die Brautjungfern

 

Eine überaus geschönte Biographie des Lebens der Braut im Vergleich zu der in Wikipedia.

 

Und die Biographie des Duke

 

Die Prozession fährt an der St. Paul’s Cathedral vorbei.

 

Eine informative Anzeige für Spirituosen.

 

Der Duke of York als Kapitän des Torpedo-Boots N° 79. (weitere Infos hier und hier bei TB79)

 

Eine ganzseitige Werbung für Tee der United Kingdom Tea Company. Wie alle anderen beworbenen Artikel konnte sich auch diese Firma damit rühmen, Lieferant am Hofe des britischen Königshauses gewesen zu sein.

 

Werbung für Kakao der Marke Fry

 

Und hier der Grund, wieso ich mir diese Zeitschrift gekauft habe. Sie passt aufgrund ihrer Werbung für Liebig’s Fleisch-Extract hervorragend in meine Sammlung zu diesem Thema. Daneben werden noch Taschenuhren und Silbergeschirr angeboten, aber das ist in diesem Fall nebensächlich.

 

Schweppe’s Tafelwasser, die Firma, über die ich euch hier schon einmal ein beeindruckendes Detail verraten habe.

 

Eine Lithographie der Trauungszeremonie.

 

Und zum Schluß für alle zum Mitsingen: die königliche Hochzeits-Hymne „Father of Life“. Stimmt alle mit ein!

 

 

 

 

 

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Weltausstellung Chicago 1893


Aus gegebenem Anlass (den allerdings nur einige kennen) ist der heutige Artikel der Weltausstellung in Chicago im Jahr 1893 gewidmet.  Diese Ausstellung fand anlässlich des 400. Jahrestages der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus statt. Die Entdeckung der neuen Welt sollte in Chicago mit einem gigantischen Lichtermeer gefeiert werden. Zu diesem Anlass beteiligte sich Thomas Alva Edison mit seinen Gleichstromgeneratoren an der Ausschreibung und sieht sich bereits als Sieger, als eine neue Firma, die Westinghouse Electric & Manufacturing Co. ihr eine halbe Million Dollar niedrigeres Angebot unterbreitet und den Zuschlag erhält.

 

Erstmals wird ein Wechselstrom-System dieser Größe öffentlich präsentiert.  200.000 Glühbirnen werden extra für diese Weltausstellung nach Nikola Teslas Vorgaben hergestellt. Der sogenannte Stromkrieg zwischen Edison und seinem Gleichstromsystem und dem von Nikola Tesla erfundene Wechselstrom erreicht seinen Höhepunkt.

Von dieser Weltausstellung stammen diese beiden Postkarten. Sie zeigen einige der Pavillons. Da die Bauarbeiten nicht rechtzeitig fertig wurden, musste die Eröffnung übrigens um ein Jahr verschoben werden. Wir erinnern uns, Herr Kolumbus wurde dank arabischer, phönizischer und nicht zuletzt türkischer Seekarten schon 1492 an den Strand gespült.

Worlds Columbian Exposition 1893

 

Das Beleuchtungssystem war allerdings nicht der größte Ausstellungs-Erfolg. Die Lampen erhellten jedoch riesige Ausstellungshallen, die in Ihrer Größe vorausgegangene Weltausstellungen in Paris um ein Vielfaches übertrafen. Und in diesen Hallen wurden Erfindungen vorgestellt, die uns heute, 121 Jahre später, noch immer begeistern und deren Alter sich viele von uns kaum vorstellen können: der Reißverschluß, die Geschirrspülmaschine oder eine Popcornmaschine.

Eine weitere Neuerung war das Woman’s Building. Wikipedia weiß uns zu erhellen: „Besondere Beachtung fand das Woman’s Building. Der US-Kongress rief einen Board of Lady Managers ins Leben, dessen Vorsitzende Bertha Honoré Palmer war. Das Gebäude der Frauen entwarf die Bostoner Architektin Sophia Hayden. Frau Palmer hatte auch großen Einfluss bei der Auswahl der im Kunstpalast gezeigten Gemälde. Auf ihr Betreiben hin wurden in großem Umfang französische impressionistische Gemälde gezeigt, zu einer Zeit, als diese noch in keinem europäischen Museum zu sehen waren.

Unter anderem wurden Fotografien der Unberührtheit als auch der Inbesitznahme des amerikanischen Westens durch die technische Zivilisation von William H. Jackson ausgestellt, wie sie bisher nicht in der großen Öffentlichkeit zu sehen waren, die von Modellen der Wohnstätten der Anasazi-Indianer von Mesa Verde ergänzt wurden.

Worlds Columbian Exposition 1893

 

Für diejenigen unter euch, die sich für Lithographie interessieren, habe ich hier die Printer-Zeile vergrößert. Alle anderen rollen das Bild einfach nach oben und lesen unten weiter.

Worlds Columbian Exposition 1893

 

Die Postkarten waren übrigens bereits mit dem Porto von sage und schreibe einem Cent frankiert. Der Herr im Blumenkranz ist nicht Grover Cleveland, zu der Zeit Präsident und auch nicht sein Vorgänger Chester A. Arthur. Wer es weiß, möge uns erleuchten – mit oder ohne Tesla-Glühbirne.

Worlds Columbian Exposition 1893

 

Wusstet ihr eigentlich, daß bis in die 1910er Jahre eine Postkarte nur auf der Bildseite mit einer persönlichen Nachricht beschrieben werden durfte? Zusätzlich musste in einigen Ländern (Schweiz, Frankreich) sogar die Briefmarke auf die Bildseite geklebt werden. Auf die Rückseite – die Postseite – durfte nur die Adresse geschrieben werden.

Wenn ihr mal alte Postkarten in die Finger bekommt, werdet ihr das sehen. Das war übrigens der Grund, warum früher nur kleine Bilder auf den Karten waren und daneben relativ viel leerer Platz. Auf diesen beiden Karten hier könnt ihr den Platz für die persönliche Nachricht gut sehen. Eine Karte hat sogar schon das Chicago ________ 1893 vorgedruckt.

Und nun genießt die 50 Hertz-Frequenz des Wechselstroms in eurer Umgebung. Erfunden von Tesla, ignorierend benannt nach Heinrich Hertz, ebenso wie die Röntgenstrahlen, die Tesla bereits einige Jahre vor Conrad Röntgen mit einem Knochenbild seiner Hand nachwies.

 

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