Prospekt für Gesundheit, Wohlergehen und langes Leben


Heute soll es mit einem Prospekt weitergehen.

Dieses schöne Druckwerk fand ich kürzlich zwischen anderen Schriftstücken. Am dunklen Rand auf der Titelseite erkennt ihr, daß es viele Jahre auf dem Dachboden mit einem Buch schräg darauf lag.

 

Auf den ersten Blick dachte ich, es sei ein Kirchenprogramm oder ähnliches christliches Zeug und wollte es schon beiseite packen. Aber wie immer hat die Neugier gesiegt und ich habe reingeschaut:

 

Eine für jedermann sehr wichtige Abhandlung. Das musste natürlich gelesen werden: „Dieses kleine Büchlein wird voraussichtlich Hunderttausenden in unter die Augen kommen, für die der Inhalt von ganz besonderem Interesse sein wird. So wird denn des freundlichen Lesers erste Frage zweifellos dahin gehen, welches der Gegenstand ist, zu dem wir im Folgenden seine Aufmerksamkeit zu lenken wünschen, und der mehr oder weniger schwierigste Teil unserer Aufgabe ist, die Einleitung so abzufassen, daß der Leser die folgenden Seiten nicht nur gleichgiltig durchblättert, sondern aufmerksam studiert.“

Okay, schauen wir doch einmal, was uns der Leserbrief neben dem Bild der kleinen Anna Wingchen zu sagen hat: „Brunsfeld bei Köln, Aachenerstraße 378, den 28. März 1901“ (1901 – wie wir hier schon lernen konnten, gab es in Deutschland schon mehrere Rechtschreibreformen, eine davon 1901. In dieser wurde aus dem Thee der Tee, studirt wurde zu studiert und gleichgiltig hätte meines Wissens auch schon gleichgültig sein sollen.)

Weiter im Brief: „Meine Herren! Meine Tochter Anna, die jetzt 7 Jahre alt ist, litt seit langer Zeit an Lungenröhrenkatarrh und Keuchhusten, sie aß nicht mehr und wurde zusehends von Tag zu Tag schwächer und weniger. Da versuchte ich es mit Scott’s Emulsion und schon nach dem Verbrauch der ersten Flasche konnten wir eine überraschende Besserung bemerken. Nachdem wir nun den Gebrauch eine verhältnismäßig kurze Zeit fortgesetzt hatten, sahen wir deutlich, wie unser Kind sich zusehends besserte und jetzt ißt sie wieder mit Appetit und der Husten und Auswurf haben sich vollständig verloren. Wir können es daher nicht unterlassen, Jedermann Scott’s Emulsion zu empfehlen und Ihnen hiermit unseren besten Dank auszusprechen. Achtungsvoll (gez.) Christian Wingchen“

Okay, Scott’s Emulsion soll es sein. Was verbirgt sich dahinter? Blättern wir um:

 

Auf der linken Seite wird uns die gesundheitliche Wirkung von Leberthran erläutert. Der Autor – von dem wir vermuten dürfen, daß er mit dem Verkauf von Scott’s Emulsion einen Teil seines Lebens zu finanzieren gedachte – versäumt nicht, uns über die beiden Uebelstände des Leberthrans aufzuklären. 1) der widerliche Geschmack, 2) die schwere Verdaulichkeit. Was kann man nur dagegen tun?

Während nun das Problem, diese Schwierigkeiten zu überwinden, allerseits eifrig studiert wurde, brachte ein deutscher Gelehrter die Theorie heraus, dass alle Fette und Oele, die in den Magen kommen, in eine Emulsion umgewandelt werden, ehe sie das Blut aufnehmen kann und dies bringt uns direkt zu dem Hauptteil unserer Abhandlung.

Rechte Seite: Was ist eine Emulsion? Lest euch selbst die Erklärung durch, um zu erfahren, wie eine Emulsion hergestellt wird und woraus sie besteht.

Da es ganz gegen unsere Natur wäre, einem Säugling Butter zu geben, gibt man ihm Milch und erspart ihm die Anstrengung, die Nahrung erst im Magen in eine Emulsion zu verwandeln.

Kuck an!

 

Davon kann die zweijährige Johanna Philipp aus der Bayrischestraße 7 in Leipzig seit dem 25. April 1901 ein Lied singen. (inzwischen hat sie – trotz Scott’s Emulsion – damit aber sicher aufgehört)

Auf dieser Seite erfahren wir nun, daß Scott’s Emulsion das berühmteste Heilmittel ist, daß je in den Handel gekommen ist. Scott’s Emulsion wurde vor mehr als 30 Jahren zuerst hergestellt und hat seitdem den Verbrauch von Leberthran in geradezu unglaublicher Weise gehoben. Scott’s Emulation enthält nicht nur den besten Norweg. Medizinal-Leberthran in einer besonderen Form, sondern die Wirksamkeit desselben ist vergrößert durch die Beifügung von Kalk- und Natron-Hypophosphiten und Glycerin.

 

Bäbchen Baum (hat außer mir noch irgendjemand den Verdacht, daß es sich hier um ausgedachte Leserbriefe handelt?) lässt durch seinen Vater Peter mitteilen: „Köln-Ehrenfeld, Marienstraße 37, den 17. Mai 1901.

Meine Herren! Meine kleine Tochter Bäbchen, die jetzt 15 Monate alt ist, litt vom sechsten Monate an an englischer Krankheit. Das Kind hatte seinen Appetit verloren, und wurde von Tag zu Tag hinfälliger und schwächer, so daß ich mir ernstliche Sorgen um sie machte. Nachdem ich schon verschiedene Mittel erfolglos angewendet, hörte ich von Scott’s Emulsion und schon bei der ersten Flasche bemerkte ich, daß sich der Zustand des Kindes besserte. Ich war in der Tat ganz erstaunt über den raschen Erfolg und setzte die Kur fort und mein Kind hat jetzt seinen Appetit wieder, und ist munter wie alle anderen Kinder. Die Knochen werden kräftiger, und es macht Versuche zu laufen. Die Krankheit meines Kindes ist nun gänzlich gehoben und dies verdanke ich einzig und allein ihrer ausgezeichneten Scott’s Emulsion. Die Kur mit Scott’s Emulsion werde ich ebenfalls mit meinem drei Monate alten Knaben vornehmen. Mit alle Hochachtung zeichnet (gez.) Peter Baum.“

 

Bei Schwindsucht, Skrofulose, Erkältung, Husten, Bronchitis – Scott’s Emulsion heilt alles!

 

Auch Erwachsene sollten ab und zu eine Flasche davon einnehmen.

 

Daß das Präparat hilft, steht außer Zweifel.

Wie sonst könnte sich ein Produkt ohne nennenswerte Veränderungen der Inhaltsstoffe über 150 Jahre am Markt behaupten? Also, Freunde, Weihnachten steht vor der Tür. Geht hinaus, kauft euren Lieben das einzig wahre Geschenk: Scott’s Emulsion. Ihr glaubt mir nicht, daß es das heute noch gibt? Schaut hier und kauft dort!

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Tagebuch eines Goldschmieds – 1901 bis 1921


Es gab im weiteren Verwandtenkreis einen Goldschmied über den ich euch früher schon und später noch  Berichte geschrieben habe und schreiben werde. Neulich habe ich auf dem Dachboden seines Hauses ein seit knapp 100 Jahren nicht mehr gesichtetes Tagebuch gefunden. Unter einem Tagebuch eines Geschäftsmannes verstand man seinerzeit übrigens nicht die Aufzeichnungen seines bewegten Lebens. Vielmehr war es ein Verzeichnis aller Aufträge, Tag für Tag notiert und nach Erledigung durchgestrichen. Heute funktioniert das mit dem Computer. Wie sah aber so etwas kurz nach der Jahrhundertwende aus? Auf dem Innendeckel seht ihr ein paar Probestempel des Hof-Lieferanten. Er hat sicher auch an den Hof geliefert, dessen Speiseplan ich euch neulich gezeigt habe. Zwischen den Seiten flogen jede Menge Karten, Notizzettel usw. herum. Die werden später veröffentlicht. Nun aber zu den Tagebucheintragungen. Die sehen so aus: Vom 7. Januar 1901 stammt der erste Eintrag – 1 Chemisett(e)knopf für Herrn M. Winkler – netto Mk 3,75 unmittelbar gefolgt von Frau Wagner jun., die am 17. Januar ein Christ. Kinderbesteck (Christlich? Christallen?) und einen Serviettenring für Mk 17 bestellt und bekommen hat. Alles wurde ordentlich abgestrichen. Wie beliebt Chemisettes – also diese kleinen Hemd-Vorderseiten, die man sich vorn ins Jackett stopfte – waren, erkennt man an der Häufigkeit der Einträge. Herr Huber und Herr Winkler haben auch je einen bestellt, beide verziert mit einem Opal. Ein halbes Dutzend Messer und Gabeln kosteten 28 Mark.   Auf der nächsten Seite hat sich Herr Tresselt schon mehr Mühe gegeben. Seht euch mal seine Skizzen oben links an. Frau Richard Wagner hat einen Auftrag über 13 Chemisetteknöpfe erteilt. 585er Silber, mit Opalen besetzt. Rechts neben dem Namen steht oft „Z. Wahl“. Das bedeutet sehr wahrscheinlich, daß diese Stücke zur Auswahl vorgelegt und zur Anprobe mitgenommen wurden. Die roten Zahlen in der linken Spalte kann ich nicht deuten, vermute aber, daß es etwas mit dem verwendeten Metall – Legierung oder Gewicht – zu tun hat. 15/449, 17/36, 12/279 usw. Frl. Hartmann hat mehrere wertvolle Dinge bestellt: ein Etui mit Fischbesteck (40 MK), dasselbe mit 12 Eislöffeln (38,-), 2 Vasen (á Mk 21,-), 1 Weinkanne, 1 Schaale, 1 Flaschenuntersatz.     Ab und zu werden auch wichtige Notizen eingetragen, die man später daran wieder erkennt, daß sie nicht durchgestrichen sind. Herrn Oberamtmann Liebmann, Domaine Czarnowanz bei Oppeln, Oberschlesien. (hier seht ihr wieder ein Beispiel der Buchstabenverdoppelung durch einen Überstrich, denn eigentlich steht da Oberamtman Liebman mit einem Strich über dem n von Man)   Hier habe ich euch noch eine Seite mit einer besonders schönen Skizze rausgesucht:

Und was wurde gezeichnet? Ich versuche es euch zu transkribieren:

Herr Schlehnhardt Dornheim, d. 27. October, Silberne Hochzeit

Uhr gestohlen

Dieb 26-30 Jahre alt, mittelgroß, Schnurrbart, bekleidet mit grünem, abgetragenen Jakett u. desgl. Hose; grün abgetragener Huth, unter dem Jakett eine blaue, quergestreifte Blouse.

Außen, hintere Deckelseite der Uhr die Wappen eingravirt, welches die Rückseite ziemlich ausfüllt, Wert 170 Mk.

Gelegentlich liegt eine Rechnung zwischen den Seiten.

Sie erhalten zur gefl.(issentlichen) Wahl: 5 goldene Halsketten

Adolph Tresselt, Juwelier – Lager von Juwelen, Gold-, Silber- und Alfenide-Waaren.

Alfenide ist laut Wikipedia eine Kupfer-Nickel-Zink-und/oder-Silber-Legierung und dasselbe wie Alpaka, was ich jetzt für ein Huftier gehalten hätte, aber man lernt ja nie aus.

Je weiter nach hinten man im Buch blättert desto enger und sauberer werden die Einträge. Offenbar florierte das Geschäft, wenn man z.B. die Bestellung von Herrn Arthur Fuß aus Berlin C. Seydelstrasse 23 betrachtet:

Gegen Ende, 1918, werden die Eintragungen bunter, der Rotstift wird angesetzt. Und ein Brief lag auch bei. Ein ehemaliger Feldpostbrief, hier geschickt von Paul Bamberg, Uhrmacher, Stadtilm.

Er schreibt:

Stadtilm, d 25. Sepbr 18

Lieber Vetter! Ich kam in Besitz der mir übersandten Reparaturen und hatte mich sehr darüber gefreut, daß selbige baldigst erledigt wurden, da schon kurz nach Empfang die Sachen abgeholt wurden. Gleichzeitig lege dir 3 M bei. Hoffe doch, daß es nicht verloren geht, sonst mache mir sofort Mitteilung. Das silb. Medaillon hatte so einigermaßen schlussfähig gemacht, auch hatte in die Ringe die Buchstaben selbst eingraviert. Habe die ganze Zeit nun länger arbeiten müssen im Geschäft gibt es immer zu tun; der Verkauf war auch sonst ganz gut. Fast jeden Abend wurde es spät. Wenn wieder Reparaturen vorkommen, werde dann an dich schicken.

 Im übrigen sei du, sowie deine Frau herzlichst gegrüßt auch von meiner Frau. Dein Vetter Paul Bamberg.

Im Jahr 1919 gab es eine Änderung im Geschäft. Die Tochter, Toni Tresselt, half im Laden aus und führte Buch. Die Schrift wurde winzig und sehr ordentlich.

Zusätzlich wurden Einzahlungsquittungen eingeklebt. Das waren die Quittungs-Abschnitte, die man bei der Einzahlung von Schecks bekam.

Von Seite 331 bis 333 gibt es im Tagebuch eine Liste gestohlener Schmuckstücke. Wahrscheinlich wurden die Beschreibungen zwischen Juwelieren untereinander ausgetauscht. Somit konnte ein Dieb oder Hehler dingfest gemacht werden, sobald er versuchte, die Beute zu Geld zu machen.

Die letzten Seiten enthalten Adressen. Ob es sich dabei um Kunden oder Händler handelt, können wir nicht mehr herausfinden.

Wir könnten bei Senor Theodor Fliegner, Villa Thereza (Santa Cruz), Estrado Rio grande do Sul Brazil nachfragen.

Oder auch bei Mrs. Auguste Reiner, 200 E, 71. Strasse, Ecke 3rd Avenue, New York City

Ich finde dieses Buch wahnsinnig interessant. Man kann uralte Modeartikel finden, Bestecke und Zierrath, den es heute nicht mehr so oft gibt und man sieht die damaligen Preise.

Hinten im Buch liegt noch ein Jahresabschluß-Kontoauszug der Privatbank zu Gotha, Filiale Arnstadt.

vorn

hinten

inklusive Vordruck

und Zins-Eträgen

Es gibt noch ein zweites Buch dieser Art. Das habe ich mir noch nicht genau angesehen. Es ist etwas größer und umfangreicher als dieses. Mehr dazu gibt es inzwischen hier.

pflücken, trocknen, pressen, botanisieren – ein Herbarium


Vor geraumer Zeit habe ich euch zwei meiner Bücher vorgestellt, die der Bestimmung von Pflanzen dienten. Wer sich nicht mehr erinnert, der klickt einfach hier. Diese Bücher halfen dem emsigen Sammler, die Beute in Ordnung, Familie, Unterfamilie, Gattung und Art einzuteilen. Aber bevor es so weit war, gab es einen ganz wichtigen Schritt: die Blümchen, Gräser und Kräuter wollten erst einmal gefunden werden.

Als mein Urgroßvater seinerzeit seine Ausbildung zum Apotheker abzuschließen gedachte, bestand eine Aufgabe darin, ein schönes Herbarium anzulegen. Das war in den Jahren 1899 bis 1901.

Herbarium

Der Deckel hat leider einen kleinen Wasserschaden, der aber glücklicherweise nicht durchgekommen ist.

 

 

Und das liegt noch immer hier herum. Sollte jemand von euch eine Idee haben, wie man so ein Ding am besten aufbewahrt, schreibt mir eure Ideen. Das Foto wurde vor dem Ersetzen der Deckel gemacht. Inzwischen ist es wieder schön zwischen zwei Holzdeckeln mit Riemen festgepresst.

Innen hat der fleißige Jungapotheker die gefundenen Pflanzen in Ordnungen untergliedert und jede Klasse in eine kleine Mappe einsortiert:

Herbarium

Monoecia, eine Ordnung der Klasse Diclinia, also Staubblätter und Stempel befinden sich auf verschiedenen Blüten, Monoecia – ein Staubblatt

 

Und so sehen Blümchen aus, die seit nunmehr 115 Jahren in mumifizierter Totenstarre liegen. Ich habe mir viel Mühe gegeben, die kleinen Zettel der hier abgebildeten Pflanzen zu entziffern. Schaut mal in die Bildunterschriften!

 

Herbarium

Origanum vulgare – Gemeiner Dost – der Fundort ist angegeben, ich kann ihn aber leider nicht entziffern. Muß irgendwo in der Heimat um Trier gewesen sein

 
Herbarium

Herbarium

Solanum tuberosum – Kartoffel – Acker bei Hermeskeil – 30. VII. 1899

 

Herbarium

Garten-Rittersporn

 

Herbarium

Lycopodium Selago – Tannen-Bärlapp – Im Walde von Irgendwo

 

Herbarium

Anchusa officinalis – gebräuchliche Ochsenzunge

 

Herbarium

Mentha arvensis – Feld-Minze – Fundort: Am Bahnhof – 20. VII. 1900

 

Herbarium

Mentha silvestris – Wald-Minze

 

Herbarium

Euphorbiaceen – Wolfsmilchgewächse

 

Herbarium

Tithymalus Dulcis – süße Wolfsmilch – Garten – 30.5.1900

 

Herbarium

Campanula glomerata – geknäuelte Glockenblume – 10.7. 1900

 

Herbarium

Herbarium

Primula officinalis – gebräuchlicher Himmelschlüssel

 

Herbarium

Ackerwinde

 

Herbarium

Datura Stramonium – gemeiner Stechapfel

 

Herbarium

Klatschmohn – gesammelt auf einem Acker bei Hermeskeil, 24. VII. 1899

 

Herbarium

Schlafbringender Mohn

 

Herbarium

Mohn

 

Herbarium

Helleborus vividis – Nieswurz

 

Herbarium

Aesculus Hippocastanium – gemeine Roßkastanie – gesammelt in Trier am 16. Juli 1899

 

Herbarium

 

 

Manche Pflanzen sind bedauerlicherweise verschwunden. Wahrscheinlich hat sich der kleine Papierstreifen zur Befestigung gelöst und die Pflanze ist rausgefallen. Dank der Beschriftung wissen wir aber, was fehlt.Herbarium

 

 

Das ist doch ein tolles Andenken an meinen Uropa, oder? Das hat er sich bestimmt nicht träumen lassen, daß 115 Jahre nach seinen Ausflügen durch die blühende Natur sein ihm völlig unbekannter Urenkel der großen weiten Welt sein Herbarium vorstellt, das ihm seinerzeit den Weg zum Apothekerberuf geebnet hat.

Und wenn mich nicht alles täuscht, ist er das in seinem kleinen Garten mit eigener Ernte:Familie-Garten

 

Die Geschichte des Weihnachtsbaumes – 1901


Heute ist der 1. Weihnachtsfeiertag. Alle sind damit beschäftigt, ihre Familie zu besuchen und Geschenke auszutauschen. Niemand hat Zeit, lange Geschichten in meinem Blog zu lesen.

Daher fasse ich mich heute kurz und bringe euch nur eine kurze Geschichte des Weihnachtsbaumes, 1901 erschienen auf chromolithographierten Sammelbildern von Liebig’s Fleisch-Extract.

 

Eine schöne Illustration aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Klickt auf das Bild um euch eine sehr große Auflösung herunterzuladen.

  1. Das Pflanzen – Das Einpflanzen der Stecklinge sieht nach mühseliger Arbeit aus. Ob das heutzutage einfacher geht, weiß ich nicht.
  2. Das Fällen – Damals schienen die Weihnachtsbäume tatsächlich noch aus dem Wald zu kommen. Heute gibt es extra Plantagen, wo die Bäume nicht mehr Abhänge hinuntergezogen werden müssen. Auch die Pferdeschlitten dürften der Vergangenheit angehören.
  3. Verkauf auf dem Markte – Ein kleines Detail ist die dargestellte Größe der Bäume. So ungewöhnlich das im Vergleich zu unseren heutigen Maßen erscheint, muß bedacht werden, daß früher eine übliche bessere Wohnung durchaus Raumhöhen von 3,50m hatte.
  4. Das Schmücken – Neben echten Kerzen (siehe mein Artikel hier) wurde der Baum um die Jahrhundertwende offenbar hauptsächlich mit Obst, Naschwerk und kleineren Spielzeugen behängt.
  5. Bescheerung – hier sehen wir wieder die alte Schreibweise, die erst bei der Rechtschreibreform im Jahre 1901 abgeschafft wurde. Zur Bescheerung auf unserem Bild gehört auch noch das gemeinsame Singen und die Begleitung am Flügel.
  6. Plünderung – Als ich Kind war, gab es das bei uns noch. Am Zweiten Weihnachtstag durfte alles Naschzeug vom Baum abgepflückt werden und landete auf dem bunten Teller. Heute gibt es den Bunten Teller bereits zur Bescheerung.

Schaut euch auf den Bildern bitte nochmal die Kleidung der damaligen Zeit an: Hausmantel, Hausfrack, Schürze etc.

Auf der Rückseite der Karten wurden, wie meistens, Rezepte abgedruckt.

 

 

Frohe Weihnachten und esst nicht zu viel. Morgen ist auch noch ein Feiertag!

Gesellschaftsspiele im Lauf der Zeit 1 – Spiele-Buch von 1901


Unter Gesellschaftsspielen werden heute nur noch Würfel-, Karten- oder Brettspiele verstanden. Bei genauer Betrachtung ist dabei allerdings die daran teilnehmende Gesellschaft recht klein. Drei, vier oder im Höchstfall bei einer Party mal 6 Teilnehmer.

Früher waren Gesellschaftsspiele tatsächlich ein Vergnügen, das bei Abendgesellschaften, Feiern oder auch bei Picknicks und auf Ausflügen abgehalten wurde. Als erstes von vier Büchern stelle ich heute „Das große Buch der Gesellschaftsspiele“ von 1901 vor. Morgen und übermorgen geht es weiter.Das große Spielebuch 1901

Das große Spielebuch 1901

 

 

Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis verrät uns, daß die oben erwähnten, heute noch in die Kategorie fallenden Spiele seinerzeit nur eine recht kleine Unterabteilung belegt hatten. Ihr findet sie hier im Zweiten Teil des Verzeichnisses unter 5 und 6.

 

Einer enormen Beliebtheit erfreuten sich damals die Pfänderspiele. Hierbei wurden in zahllosen Varianten die Gewinner und Verlierer ermittelt. Was jedoch das Entscheidende war: der Verlierer hatte einen Pfand abzugeben. Das konnte ein Band des Kleides, ein Taschentuch der Dame, ein Zylinder oder Manschettenknopf des Herrn oder was auch immer sein.
Das große Spielebuch 1901

 

 

Und alles wartete dann darauf, daß die Spiele zu Ende gingen und der Teil des Abends kam, auf den alle gewartet haben: das Auslösen der Pfänder. Hierbei wurde von einem Spielleiter einer der Pfänder ausgewählt und eine Aufgabe gestellt, die der Besitzer zu erledigen hatte um sein Eigentum zurück zu bekommen.

Sollte euer Opa oder Oma jemals erwähnt haben, wie zügellos ihr Leute von heute doch seid, zeigt ihnen dieses Buch! Als kleiner Hinweis steht dort unter anderem drin, daß sich zum Auslösen eines Pfandes einer Dame auch gern ein Herr bereit erklären kann, der die Aufgabe erfüllt, den Pfand entgegennimmt und der Dame überreicht, die sich daraufhin zum Beispiel mit einem Kuss bedanken kann.  1901 !!! Das hätten wir doch von Oma nicht gedacht! Aber so kam man sich näher. Mehr dazu morgen.Das große Spielebuch 1901

Das große Spielebuch 1901

Das große Spielebuch 1901

Das große Spielebuch 1901

Wer Fragen zu einzelnen Spielen hat, der möge fragen. Ich liefere gern Details.

 

Was freuen sich die Erben auf’s Sterben – das Testament des Preußischen Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901


Da habe ich mich heute für ein altes Testament entschieden, das ich euch vorstellen möchte. Als fleißiger Museumsverwalter bin ich ja stets bemüht, euch Hintergrundinformationen zu beschaffen, damit ihr immer etwas lernt.

Und was wird passieren? Ich suche nach dem Herrn, der dieses Testament 1901 verfasst hat und finde heraus, daß es sich um den ehemaligen Preußischen Konsul von Mexiko handelt – seht hier unter Nr 371 – 6. Wie durch Zauberhand ist derselbe mit der uns bereits bekannten Familie von Damm verwandt. Er war der Schwiegervater des Reichstagsabgeordneten Karl Albert Kurd von Damm. Desweiteren waren Herr Berkenbusch und seine Brüder sowie sein Vater maßgeblich bei der Gründung der ersten deutschen Portland-Zement-Fabrik in Stettin beteiligt. Und der gute Mann hatte seine Finger im Mehlgeschäft. Die Mühle Rüningen stand dabei unter seiner und von Damm’s Ägide. seht hier.

 

Und so sah das Testament aus – immerhin ging es um einen Vermögenswert von 3,117 Mio Mark – das war 1901 eine erstaunlich hohe Summe. Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

 

Zuerst wird das ganze rechtliche Drum und Dran geklärt: Zeugen, Notar etc.Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

 

Dann kommt das eigentliche Testament:Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

  1. Die Ehefrau
  2. – 7. die sechs Töchter Julita (wohnhaft in Honululu), Anita (Königslutter), Guillermina, genannt Minita (Wolfenbüttel), Margaretha (Hannover), Marie ( Hamburg), Magdalena (Wolfenbüttel)

 

 

Hinweise, daß fast alle Kinder bereits Teile ihres Erbteils zum Zwecke der Verehelichung erhalten haben:Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

 

 

Wer bekommt was?  Die Wohnhäuser in Hamburg und Braunschweig nebst Gärten und allem Interieur gehen an die Gattin, der Rest zu gleichen Teilen an die Töchter. Interessant: Das Vermögen soll  nicht von der Ehefrau, sondern von den Testamentsvollstreckern verwaltet werden.Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

 

 

 

Kleinere Zuwendungen für Schwester, Schwägerinnen, Gärtner und Patenkinder:Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

 

Auch zwei armenische Kinder bekommen ihr jährliches Erziehungsgeld von 105 Mark weiter, „bis die Erziehung jedes der Kinder beendigt ist.“Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

 

Abschlußklausel, Anwesende und Ende.Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

 

Stempel, Siegel, Beglaubigung – das ist doch mal ein Testament.Testament des Weiland Consuls Georg Berkenbusch 27. Juni 1901

 

Diesmal habe sogar ich wieder etwas gelernt. Mein auf dem Trödelmarkt erstandenes Schriftstück-Konvolut der Familie von Damm entpuppt sich immer mehr als Fundgrube toller Akten.

 

Wer es nicht selbst lesen kann, aber etwas wissen möchte, der möge fragen.

 

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