Saturn N° 2 – das dritte Anker-Legespiel


Gestern gab es das zweite Legespiel meiner kleinen Dreierreihe – das Mosaik. Davor habe ich euch das Täfelchenlegen vorgestellt und heute bildet der Saturn den krönenden Abschluß. Die früher schon vorgestellten Meteor-Baukästen findet ihr übrigens hier.

Ebenso, wie die Mosaik- und Täfelchenlegen- oder auch die großen Meteor-Kästen, haben wir hier einen ca. DIN-A4-großen Holzkasten mit Schiebedeckel.

Das Titelbild habe ich schon etwas gereinigt. Nur die obere rechte Ecke bekomme ich nicht sauber.

Auch die Innenseite musste von Buntstiftverzierungen weitestgehend befreit werden. Das ist inzwischen erledigt. Der Tuscherand unten ist leider für die Ewigkeit.

Dieser Kasten wurde mir von einer Leserin meines Museums zum Kauf angeboten. Sie hatte über meine Tangram-Sammlung gelesen und sich an einen Dachbodenfund erinnert, der schon seit vielen Jahren nutzlos in einer Ecke lag. Ich habe dankbar zugegriffen und ihr auch ihre beiden Überreste zweier Meteor-Kästen sowie 1,7 kg Tonmurmeln abgenommen. Wer weiß, wozu sie mal gut sind.

Einen Saturn-Kasten hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Dass es ihn gibt, wusste ich nur aus den letzten Seiten der Legehefte der Meteor-Kästen. Selbst Google kannte nur ein einziges Bild eines Vorlagenheftes. Das wird sich nun ändern.

Besonders erfreut war ich, als ich feststellen musste, dass der neu in meinen Besitz übergegangene Saturn bis auf einen der 180 Steine komplett ist. Das möchte man nach über 100 Jahren erst einmal schaffen.

Rechts seht ihr die vier Schiebeschachteln aus Pappe für die Steine. Links habe ich sie für euch geöffnet. Jeweils 4×3 Steine in den Farben rot, gelb und blau, sowie 3×3 schwarze Steine wohnen in jeder Schachtel.

In der Mitte liegt auf zwei Trägerhölzchen das Spielbrett:

Auch hier gibt es wieder die Gratisbeigabe – ein Mühlebrett.

Das Vorlagenheft erklärt, dass im Unterschied zum Meteor durch die außergewöhnliche Form der Steine im Saturn noch eine besonders interessante Variante möglich ist. Während im Meteor normale Kugeln benutzt wurden, kommt der Saturn mit Scheiben, die in der Mitte einen halbkugelförmigen Aufsatz haben, der auf der Rückseite wiederum nach innen geht. Das sieht aus, wie eine Kugel mit einem Ring drum herum – daher „Saturn“.

Legt man die Steine nun mal mit der Kugelseite und mal mit der Vertiefung nach oben, entstehen schöne Effekte.

Doch damit nicht genug. Die Saturnsteine können aufeinandergestapelt werden. Dadurch entstehen sogenannte Blumenteppiche. Heute würden wir es 3D-Effekt nennen.

Schaut euch das Bild oben rechts an. Seht ihr die schwarzen Steine? Die mussten mit der Kugelseite nach oben aufgelegt werden, während alle anderen mit der hohlen Seite nach oben aufgebaut wurden.

Hier noch mehr Beispiele, bei denen man die unterschiedliche Legeweise gut erkennt.

Die letzte Seite zeigt uns einige Vorlagen, die wir auch aus den Meteor-Legeheftchen kennen und die sich mir bis heute als Rätsel dargestellt haben. Doch wenn man sieht, wie gut sich die Saturn-Steine stapeln lassen, ergeben plötzlich die Zahlen Sinn.

Um euch (und mir) eine Freude zu bereiten, habe ich den Baukasten ein letztes Mal ausgepackt und euch dieses Muster nachgebaut:

schaut her:

Man erkennt die unschöne Angewohnheit der blauen Steine, auszublühen. Was auch immer diesen Steinen zugesetzt wurde, es kristallisiert im Laufe der Jahrzehnte. Das lässt sich abschleifen, ist aber eine miese Arbeit und birgt die Gefahr, dass Steine zerbrechen. Da lasse ich es so und bastele mir stattdessen minimal größere Schachteln für die Steine.

Hier noch eine seitliche Ansicht um den 3D-Effekt zu verdeutlichen:

Der Aufbau war eine ganz schöne Fummelei. Damit waren die Mädchen seinerzeit lange beschäftigt. Wann? Ich schätze das Erscheinungsdatum auf irgendwann zwischen 1910 und 1920.

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Täfelchenlegen – ein Anker-Spiel für Mädchen


In den kommenden drei Beiträgen möchte ich euch drei Goldstücke meiner Sammlung vorstellen, die ich erst vor wenigen Tagen und innerhalb weniger Stunden gefunden und gekauft habe.

Den Anfang macht das Täfelchenlegen N°. 2

Der Deckel ist zugegebenermaßen etwas beschabt. Die Ränder des Etiketts sind eingerissen und oben links fehlt ein ganzes Stück. Allerdings ist der Kasten wohl recht alt. Die Grafik ist noch im alten Design. Ich schätze ihn auf die 1910er Jahre. Vielleicht kann mir mein Sammlerfreund anhand der Druckermarke weiterhelfen.

Die Innenseite des Deckels ist besser erhalten:

Interessanterweise handelt es sich um Baukasten Nummer 2, der – wie wir unter dem Titel lesen können – nur mit Baukasten 2B erweiterbar ist. Eine 2A gab es wohl nicht. Aber auch eine Nummer 1 konnte ich bis heute nicht finden, obwohl es eine noch frühere Ausgabe von „Das Täfelchenlegen oder Mosaikspiel“ aus der Leipziger Lehrmittel-Anstalt gab, die von Anker in Rudolstadt ausgeführt wurde. Um die Verwirrung komplett zu machen, gibt es einen Baukasten 3, der nur mit einer Nummer 3A erweitert werden kann. Da soll sich noch jemand zurechtfinden.

Es gibt auf dem Boden des Kastens eine kurze Beschreibung. Das Musterheft ist leider nicht dabei gewesen. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich es noch finden werde.

Hier wird auf die Tangram-Spiele verwiesen. Die kennen wir ja schon. Falls nicht, klickt hier.

Weil die Bausteine sehr klein und dünn sind, ist man bei Anker wohl davon ausgegangen, dass einige zerbrechen oder verloren gehen. Darum findet der Kunde auf der Innenseite des Deckels die Artikelnummer jeder verwendeten Steinform. Ihr erkennt die kleinen Zahlen in den oberen Reihen und in der Mitte unten. Man musste also nur die Nummer 3 in blau nachbestellen und schon kam Ersatz. Das funktioniert heute leider nicht mehr so reibungslos. Ich bin seit einigen Jahren mit Mitarbeitern in Kontakt um eine Nachlieferung fehlender Steine aufzugeben. Immer, wenn ich es fast geschafft habe, wird die Firma verkauft und ich beginne von neuem.

Nun aber zum eigentlichen Inhalt. Ich habe für euch das EInpackmuster nachgebaut. Dabei ist mir aufgefallen, dass in meinem Kasten ein winziger Unterschied zur Abbildung enthalten ist. Die beiden grauen Quadrate (auf der Einpackliste in der zweiten Reihe von unten, ganz außen) sind bei mir durch jeweils zwei graue Dreiecke ersetzt worden. (unteres Bild, zweite Reihe von rechts, oben und unten)

Wer ganz genau hinsieht, erkennt meine kleine bauliche Veränderung. Die Steine lagen bei Kauf (und auch auf vielen Bildern anderer Kästen) einfach auf dem Kastenboden. Ich habe mir behelfsmäßig eine dicke Pappe als Unterlage zurecht geschnitten und einen Streifen Chinapapier daruntergelegt. Nun kann man an den beiden Streifen, die ihr oben und unten seht, das ganze Konstrukt aus der Kiste befördern und losspielen.

Beeindruckend finde ich, dass von allen Steinen nach all der langen Zeit nur bei einem einzigen von ihnen eine kleine Ecke fehlt. Ihr seht das gelbe Dreieck in der Mitte des zweiten Musterstreifens von unten (zwischen den schwarzen Quadraten). Alle anderen Steine sind zwar bespielt, aber formtreu.

Über diesen Kauf habe ich mich sehr gefreut.

Die beiden anderen Anker-Spiele findet ihr hier (Mosaik) und hier (Saturn). Den Meteor-Kasten habe ich euch hier vorgestellt.

Serviettenringe


Werden in eurem Haushalt Serviettenringe benutzt? Ich fürchte, es ist heutzutage schon etwas besonderes, wenn überhaupt Stoffservietten verwendet werden.

Früher lagen bei meiner Oma selbst an Wochenenden, an denen kein Besuch zum Essen kam, Stoffservietten neben den Tellern. Und sie wurden hübsch eingerollt und in einen Serviettenring gesteckt.

Zwei von ihnen möchte ich euch heute zeigen. Der untere ist durch seine ungewöhnliche Form sehr interessant anzusehen. Der obere hingegen wurde mit einem umlaufenden Motiv verziert.

Und schließlich das Monogramm meines Urgroßvaters.01

 

Ein Jugendstil-Bierglas


Gefunden und für gut befunden – über dieses Bierglas, das vermutlich aus den 1910er oder 1920er Jahren stammt, gibt es nicht viel zu berichten. Es sieht einfach nur schön aus und schon mein Uropa hat daraus getrunken.

 

Nun steht es bei mir rum und wartet auf den Tag, an dem es runterfällt.

Margarine für deutsche Helden


Und noch ein Ausstellungsstück aus der Abteilung „Trustfrei„.

Bisher habe ich euch nur über trustfreien Tabak und Honig erzählt. Heute kommt noch die Margarine dazu. Die Fett-Industrie war und ist sehr wichtig. Wer die Butter oder Margarine herstellt, verfügt über nicht unerheblichen Einfluß. Im gegenwärtigen deutschen Land teilen sich diesen Markt eine Handvoll Unternehmen, die zumeist ihre Wurzeln und das Ziel des Kapitalflusses im Ausland haben. Unilever (Rama, Sanella, Becel, Lätta) als internationaler Konzern und Müller mit deutschen Wurzeln sind wohl am bekanntesten.

In den ersten Jahren nach 1900 tobte ein erbarmungsloser Kampf um Marktanteile. Ausländisches Kapital drohte die heimische Wirtschaft zu ruinieren und erwirtschaftete Gewinne ins Ausland abzuziehen. Die Anti-Trust-Bewegung versuchte, dieser Unterwanderung durch ausländische, meist britische und amerikanische Firmen und Banken zu begegnen.

Heute gibt es dazu einen Werbezettel der Leipziger Margarinefabrik Richard Held, in der appelliert wird, nur deutsche Margarine zu essen. In allen vier Ecken wird hingewiesen, daß die Heldenstern Sahnemargarine trustfrei produziert wird.

 

Und damit der Zettel nicht einfach weggeworfen wurde, ist auf der Rückseite ein hübsches kleines Ausmalbild aufgedruckt. Denn wer will schon ein Bild, das das eigene Kind ausgemalt hat, wegwerfen?

Sie haben Post – Cartas Postales, Tarjeta Postal


 

Heute gibt es nur einen kurzen Artikel zu zwei schönen alten Postkarten. Leider habe ich keine detaillierten Informationen. Daher kann ich nicht viel dazu berichten. Ich vermute, sie sind aus den 1910-er bis 1920-er Jahren.

Die obere Karte stammt aus Guatemala, die untere aus Costa Rica. Während in Costa Rica 3 Centavos Porto auf die Karte aufgedruckt sind, hüllt sich Guatemala in Schweigen bezüglich der Kosten. Wahrscheinlich gab es dort eine Postkarte für Inlandverkehr und eine für Grüße ins Ausland, wobei sich die Farbe unterschieden haben wird.

 

Mehr kann ich euch nicht berichten. Wenn sich ein Philatelist oder Ganzsachensammler unter euch befindet, zögert nicht, euer Wissen einzubringen.

Postkarten aus Österreich


Heute soll es mal wieder um Postkarten von Verkäufern an meinen Uropa gehen. Sie stammen aus den Jahren 1909 und 1910 und wurden in Linz, Brünn (Brno – bekannt durch die nebenan gegen Napoleon geführte Schlacht bei Austerlitz) und Troppau (Opava – Schlesien) – letztere beiden in Tschechien – abgesendet.

Die erste Karte ging an einen Mitarbeiter, Herrn Pole, der allerdings aus Deutschland stammte und trägt einen ganz fürchterlichen Fehler in der Anschrift. „Erfurt Sachsen“ trifft wahrscheinlich jeden Thüringer und speziell die Bewohner der Thüringischen Hauptstadt tief ins Mark.

Auf den oberen beiden Karten wurde übrigens noch das alte, französische Wort Droguerie verwendet.

Und worum ging es bei den Karten? Preise, Geschäfte, Werbung. Lest unten die Transkription.

Euer Wohlgeboren!

Ersuche höflichst uns zu benachrichtigen, ob Euer Wohlgeboren im Besitze der echten Hustenlohe zum Einatmen für Lungenleidende nebst Gebrauchsanweisung sind.

Hochachtungsvoll Barmherzige Schwetern v. hl. Carl Borromäus, Linz, Elisabethstr. 23, Ob. Österreich

—————————————

Troppau, am 28. Mai 1909.

Herrn Richard Jacobi G.m.b.H., Elberfeld

In höfl(icher) Beantwortung Ihrer freundl(ichen) Anfrage vom 24. d(es) M(onats) teilen wir Ihnen mit, daß sich an den Preisen für unsere Spezialitäten nichts geändert hat.

—————————————

Brünn 5. 9. 10

Euer Wohlgeboren!

Die Blockkalender gebe ich nur auf Heublumenseife, Insektenpulver Puck und Zahncremé Rübezahl, für welche Artickel sonst keine Reklame gemacht wird. Und da müssen Umsätze gemacht werden, wenn ich auf meine Rechnung kommen soll. Für die Haarmilch mache ich eine kostspielige Zeitungsreklame, da hier eine andere Reklame für den Artickel keinen Zweck hätte.

Hochachtungsvoll Joh. Grolich.

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