Ein sehr eigenartiger Geschäftsbrief von 1908 und eine Haushaltskasse von 1913


Da habe ich aber einen seltsamen Geschäftsbrief zwischen den Seiten eines uralten Kassenbuches meines Urgroßonkels gefunden. Den kann ich euch nicht vorenthalten. Er ist voller Rätsel und ich musste ihn erst dreimal lesen um ihn ein halbes mal zu verstehen. Vielleicht hat von meinen treuen Lesern jemand eine Idee und lässt uns in einem Kommentar klug werden.

Die Württembergische Metallwarenfabrik – abgekürzt übrigens WMF und damit auch dem letzten Leser bekannt – schrieb diesen Brief am 15. Oktober 1908 an den uns schon bekannten Adolf Tresselt.

Die WMF erlaubt sich 10 Mark und 45 Pfennige am 15. November per Postauftrag auf mich zu entnehmen und bittet um geneigten Schutz ihrer Abgabe. Das bedeutet, wenn ich es richtig interpretiere, dass sie die Zustimmung zu einer Art Einzugsermächtigung von mir erbitten.

Sie möchten diese Abgabe acht Tage an sich halten, falls ich direkte Anschaffung vorziehen sollte. Haben die Herrschaften mir eine Sendung auf Probe geschickt, 10 Mark und ein bisschen als Sicherheit von meinem Konto abgebucht und ich habe die Möglichkeit, das Produkt innerhalb einer Woche zurückzusenden, oder zu behalten?

Besonders gut gelungen ist nach meiner Meinung die Grußformel: „Uns bei fernerem Bedarf Ihrem Wohlwollen bestens empfehlend, zeichnen hochachtungsvoll Herr Heim und Herr Breitschwerdt.“ Das möchte ich mal einer Lieferung von Amazon beigelegt finden.

Sparsam, wie Herr Tresselt war, hat er die Rückseite des Briefes fünf Jahre später als Kassenbuch verwendet.

Vom 17. Juli bis Mitte September 1913 wurde jede einzelne Ausgabe und Einnahme akribisch notiert. Vor jeder Ausgabe steht „ab“, vor jeder Einnahme „Zu“ und man kann sich prima die damaligen Preise anschauen:

  • Feuerstein: M 1,30
  • Postkarte: M 0,05
  • Mutter: Butter, Brod: M 0,60
  • Semeln: M 0,05 (hier wieder mit dem Verdopplungsstrich über dem m)
  • Bouillonwürfel: M 0,25
  • Bier: M 0,27
  • Bier, Brief, Rasieren: M 0,49
  • Mitte Juli zur Bank gebracht: M 130,- (zack, war die Haushaltskasse bis auf M 6,82 leer)
  • Zucker u. Eier: M 0,64
  • Herrenhemd: M 0,70 (das kann doch nicht der Preis sein …)
  • Cigarren: M 0,70
  • Toiletten-Schilder: M 4,- (Anfang August)
  • Butter: M 0,32
  • Cacao & Zucker: M 1,44 (2. Spalte, unten)

usw. usf. Dazwischen immer wieder Namen von Personen, die entweder Geld bekommen oder gebracht haben. Ein stetes Geben und Nehmen.

Und alles hat ganz ohne elektrische Hilfsmittel funktioniert.

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Weimarer Chargierten-Convent


Wieder habe ich etwas amüsantes gefunden.

Mein Urgroßvater, der in mehreren Studentenvereinigungen Mitglied war, hat zwischen all seinen Sachen auch die heute vorgestellte Ansteck-Medaille aufbewahrt.

 

Zuerst dachte ich, es handelt sich um den Weimarer Carnevals-Club, allerdings ließ mich die Leier (Lyra) auf dem rechten Wappen stutzig werden. Ein wenig gegoogelt und gesucht und siehe da, der Weimarer Chargierten-Convent verbarg sich hinter der Abkürzung W.C.C. und dem angegebenen Datum.

Was Chargierte sind, hatte ich euch schon hier erklärt. Und siehe da, auf der Karte in diesem Artikel wird ganz oben von der Gottinga, einer Sängerschaft im Weimarer C.C. gesprochen.

Die Rückseite der Medaille sieht übrigens so aus:

Nun gilt es nur noch, Informationen zum IVten C.C.Fest 1913 herauszufinden.

Achtung, Spoiler! Tricks im Kino


Man wird im Kino von vorn bis hinten veräppelt. Nichts ist, wie es scheint und trotzdem gehen wir immer wieder gern hin um uns etwas vormachen zu lassen.

Tricks im Kino gibt es seit dem zweiten Tag der Filmgeschichte. Der Regisseur wollte das Unmachbare schaffen und seine Crew hatte die guten Ideen. Tolle Beispiele für alte Filme mit vielen Tricks sind Metropolis (1927) oder Die Reise zum Mond von 1902 (beachtet die täuschend echt gemalten Häuser ab 2:16 oder die Landung an 4:35.

Im Jahr 1913 widmete die Liebig’s Fleischextrakt Compagnie eine Sammelbildserie dem Thema. „Hinter den Kulissen des Kinematographen“ verrät uns sechs bis dahin kaum zu durchschauende Tricks der frühen Filmemacher. Die Vorderseite der Karten zeigt uns die Kulisse, auf der Rückseite erfahren wir noch mehr unglaubliche Details. Seht selbst:

 

Ein Automobil-Unfall

 

Die Sirene

 

Ein Eisenbahn-Unglück

 

Der klettergewandte Dieb

 

Die entlaufenen Kürbisse

 

Der Modistin Traum

 

Wer sich übrigens für alte Filme interessiert, dem seien die Stummfilmkonzerte des unermüdlichen Pianisten und Filmbegleiters Stephan Graf von Bothmer sowie der wunderschöne Film Hugo Cabret ans Herz gelegt. Hugo Cabret erzählt die Geschichte von Georges Méliès, zeigt die Entstehung des oben erwähnten Films „Die Reise zum Mond“ inklusive deckungsgleich nachgedrehter Sequenzen und hat Referenzen zu unzähligen anderen Filmen und Büchern der Zeit.

Ein Lautenschläger-Katalog von 1913


Die Firma F. & M. Lautenschläger gibt es noch heute. Sie ist zwar kein Königlicher Hoflieferant mehr und sitzt weder in Berlin N 39, noch in Frankfurt/M oder Muenchen, sondern in Köln, aber noch heute ist sie, wie eh und je, ein Produzent für Produkte, die in der Medizin und anderen Orten mit hohen Saubereitsanforderungen, ihren Einsatz finden.

Herr Mathias Lautenschläger erfand im Jahr 1887 den weltweit ersten Dampfsterilisator für Verbandstoffe, hatte damit großen Erfolg und gründete 1888 seine Firma. Wer mehr über die Firmengeschichte lesen möchte, schaut hier.

Für alle anderen habe ich heute den großen Gesamtkatalog herausgesucht. Wann genau er erschien, kann ich nicht genau sagen, da auf dem Titelblatt handschriftlich 1907 steht. Er trägt die Nummer 100 und im Vorwort werden 25 Jahre Firmengeschichte erwähnt. Das würde 1913 bedeuten. Katalog Medizin

Katalog Medizin

Katalog Medizin

Die angebotenen Geräte sehen aus heutiger Sicht unheimlich klobig und altmodisch aus, waren damals aber auf der Höhe der Zeit.

Mikroskopierlampen

Katalog Medizin

Hundekäfig, Kaninchenkäfig, Staubinhalationskäfig für Kaninchen.Katalog Medizin

Tier-WaagenKatalog Medizin Waage

Apparate und ihre EinzelteileBuch Medizin

Alle möglichen -meter. Aräo-, Viskosi-, Koagulo-, Blutvolumini-, Stalagmo– und cBuch Medizin

Toll, ich habe sogar etwas aus dem Katalog zu hause und in regelmäßiger Benutzung. Eine Katalognummer 4511b, Durchmesser 80mm, zum Preis von -,20M. Ich habe seinerzeit 2 Euro auf dem Trödelmarkt bezahlt. Skandal!Katalog Medizin Glastrichter

Und während ich den Artikel schreibe, fällt mir ein, daß ich ja noch einen der oben erwähnten Artikel besitze. Dazu morgen mehr.

Willst Du dieses Datum wieder schreiben, mußt 100 Jahre Du am Leben bleiben. 12.12.12


Heute ist der 14.12.14 und der Artikel kommt erst um 12:14 Uhr.  Solche lustigen Daten haben mir schon immer gut gefallen. Ich habe meine Frau an einem 11.11. kennengelernt, 11 Jahre, bevor wir uns getrennt haben und wir haben an einem 8.8. geheiratet, 8 Jahre vor der Trennung. Zugegeben, die beiden Daten hatten mir dann seinerzeit weniger gut gefallen, aber generell finde ich Zahlenspielereien äußerst amüsant.

Daß ich damit nicht der Einzige bin, kann man an zwei alten Postkarten erkennen, die euch den heutigen Tag verschönern und euch an das seltene Datum erinnern sollen.

Der 11.12.(19)13 war ein Donnerstag und bis auf weiteres der letzte Tag, an dem man mit Hilfe der Jahreszahl ein sequentiell fortlaufendes oder in allen Zahlen identisches Datum darstellen konnte. Das ging dann erst wieder am 01.01.(20)01 bzw. am 01.02.(20)03. Lustigerweise wurde mein Großonkel 11.12.1913 geboren und konnte sich zeitlebens sicher sein, daß jeder wusste, wann er Geburtstag hat und wie alt er wird.

Die rechte Karte ist schon etwas abgegriffen. Die Goldschrift lautete (siehe Titel):

12.12.12. Willst Du dieses Datum wieder schreiben, mußt 100 Jahre Du am Leben bleiben. 

Hat bestimmt kaum jemand hinbekommen.

 

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