ein einzelnes Foto


In Zeiten, in denen die meisten angefertigten Fotografien Teil einer nutz-, inhalts- und wertlosen Massenware geworden sind, wollte ich euch anhand eines einzelnen Fotos meiner Oma aus dem Jahr 1915 zeigen, wie sorgfältig damals auf das Äußere, hübsche Kleidung, ordentliches Haar nebst Schleife, und das Ambiente in Form des Lieblingskuscheltieres auf einem Stuhl geachtet wurde. Wie schon früher erwähnt (siehe hier), war die Auslösezeit länger, so daß man sich nicht bewegen durfte, während das Objektiv geöffnet war. Daher auch fast immer so ernste Gesichter.

 

Heute fotografiert man lieber sein Essen bzw. fertigt Schnappschüsse an, also spontane Fotos ohne Arrangement und ohne künstlerischen Wert. Meine Theorie ist, daß man von Verwandten von früher nur wenige Fotos vorweisen kann, weil es so wenige gab, von uns später allerdings auch nicht mehr Fotos zeigen kann, weil sie sich in der Masse an Müllfotos nicht mehr wiederfinden lassen.

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Der erste Buick Sechs-Zylinder – Buick Sixes 1916


Eine der schönsten Automarken der Welt ist Buick.

Hier besonders der Buick Skylark 70 aus den 1950er Jahren.

Foto gefällig?

„Skylark-Wiki-Side-View-D“ von Original uploader was BuickGuy2 at en.wikipedia – Originally from en.wikipedia; description page is/was here.. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

oder der Roadmaster

„Buick Roadmaster 2-Dorrars HT 1951 2“ von Lars-Göran Lindgren Sweden – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

 

Die Wikipedia-Seite über den Buick mit all ihren Unterseiten ist definitiv ein Augenschmaus für den Freund des alten Ami-Schlittens. Damals ist man noch mit Stil durch den Bundesstaat geschüsselt, 55 Meilen pro Stunde war sicher eine angenehme Reisegeschwindigkeit und die Mädchen standen bestimmt Schlange um abgeschleppt zu werden.

Ein besonderes Merkmal der Buick Sechs- und Acht-Zylinder war der schöne Sound. Hört mal hier und kauft ihn euch für’s kleine Geld hier.

 

Aber die ganze Geschichte der 6-Zylinder-Motoren hat bei Buick schon etwas eher begonnen.

1915 wurde der allererste 6-Zylinder-Buick erstmals beworben. Auf den Markt kam er 1916 und erreichte mit dem Modell D-45 (45 PS) in den beiden Herstellungsjahren 1916 und 1917 eine Produktion von 99.189 Stück.

Ich habe heute eine der ersten Zeitungsanzeigen für dieses Auto rausgesucht. Die hing bis vor kurzem noch an meiner Wand, wurde nun aber temporär nach hinten sortiert. Buick 1916 SIXES Exclusively.

 

Beworben wurde nicht nur der neue 6-Zylinder-Motor, sondern auch die bewährte Konstruktionstechnik der Ventile im Zylinderkopf. Die hatte sich von 1903 bis 1907 in den 2-Zylinder-, von 1908 bis 1914 in den 4-Zylinder-Motoren bewährt und fand nun auch im 6-Zylinder-Motor ihren Einsatz.

Die Preise erscheinen mir übrigens unglaublich niedrig: $ 950-1485 für den oben abgebildeten Tourenwagen und den Roadster. Für das Coupé oder den Sedan wurden $ 1350-1875 aufgerufen. Aber bestimmt war das 1916 eine Menge Geld.

Ich verabschiede mich für heute mit diesem unvergleichlichen Geräusch.

 

Reichsmark-Banknoten


In der Serie deutscher Banknoten ist heute das Papiergeld des Deutschen Reiches aus der Zeit vor der Inflation an der Reihe, vorgestellt zu werden. Vereinzelt sind ein paar Scheine dabei, die nach überwundener Inflation ausgegeben wurden.

Ich habe für euch die Scheine nicht nach Ausgabejahr sortiert. Stattdessen erschien mir eine Sortierung nach Wert sinnvoller.

Die Zeit um den Ersten Weltkrieg zeichnete sich dadurch aus, daß Banknoten immer häufiger in Gebrauch kamen. Heute weitestgehend vergessen ist, daß sogenannte Geldscheine genau genommen kein Geld sind. Sie sind eigentlich nichts weiter als Quittungen über die Einlieferung einer bestimmten Menge Münzgeldes. Aus Gewichts- und Sicherheitsgründen gab man Silber- und Goldmünzen bei Banken ab und bekam dafür eine Banknote – eine Banknotiz.

In Zeiten des Krieges und nach verlorenen Kriegen ersetzten Geldscheine das Münzgeld nicht zuletzt aus Metallmangel. Banknoten zu drucken ist preiswerter als das Prägen der Münzen. Daher war im Deutschland um den Ersten Weltkrieg bereits Papiergeld in Stückelungen von einer und zwei Mark üblich. Seht selbst.

Reichsbank 1 Mark 1920 1924

1 Mark – 1920, 1924, 1914

 

Reichsbank 2 Mark

2 Mark – 1914, 1920, 1924

 

Während die Banknoten in den 1910er Jahren noch reich verziert und verschnörkelt waren,

Reichsbank 5 Mark 1917 1914

5 Mark – 1917, 1914 (jeweils Vorder- und Rückseite)

 

kamen in den 1920er Jahren Jugendstilelemente in Mode.

Reichsbank 10 Mark 1920

10 Mark – 1920 (vorn, hinten)

 

1908 – letzte Ausläufer des Historismus. Kräftige Frauen lehnten an schöner Architektur.

Reichsbank 10 Mark 1908

10 Mark – 1908 (Rückseite)

Reichsbank 10 Mark 1908

10 Mark – 1908 (Vorderseite)

Reichsbank 20 Mark 1908

20 Mark – 1908 (Vorderseite)

Reichsbank 20 Mark 1908

20 Mark – 1908 (Rückseite)

Reichsbank 20 Mark 1914 1918

20 Mark – 1914 (Rückseite), 1915 (Vorderseite)

Reichsbank 20 Mark 1914 1918

20 Mark – 1914 (Vorderseite), 1915 (Rückseite)

Reichsbank 20 Mark 1918

20 Mark 1918

Reichsbank 50 Mark 1906 1914

50 Mark – 1906

Reichsbank 50 Mark 1906 1914

50 Mark 1914

Reichsbank 50 Mark 1919

50 Mark – 1919

50 Reichsmark 1920

50 Mark – 1920 (Vorderseite)

50 Reichsmark 1920

50 Mark – 1920 (Rückseite)

100 Reichsmark 19080207

100 Mark – 1908 (vorn)

100 Reichsmark 19080207

100 Mark – 1908 (hinten)

100 Reichsmark

100 Mark – 1910 (vorn)

100 Reichsmark

100 Mark – 1910 (hinten)

100 Reichsmark 19201101

100 Mark – 1920

 

1922 – die Inflation näherte sich rasant. Hundertmarkscheine wurden in großen Mengen benötigt – für ein aufwändiges Design war keine Zeit mehr.

 

 

100 Reichsmark 19220804

100 Mark – 1922

 

Auf den letzten Schein ist der ursprüngliche Zweck einer Banknote noch aufgedruckt:

Reichsbanknote (Notiz) – Einhundert Mark zahlt die Reichbankhauptkasse in Berlin gegen diese Banknote dem Einlieferer. Vom 1. Januar 1923 ab kann diese Banknote aufgerufen und unter Umtausch gegen andere gesetzliche Zahlungsmittel eingezogen werden. Berlin, den 4. August 1922, Reichsbankdirektorium

 

Kriegstagebuch aus dem 1. Weltkrieg


Heute gibt es anläßlich des 100. Jahrestages des Beginns des 1. Weltkrieges wieder etwas aus dieser Zeit.

Eine mir nicht bekannte Dame, Gustel Rosenkranz, hat die Ereignisse beginnend am 1. August 1914 bis zum 30. Januar 1915 akribisch notiert. Warum es danach nicht mehr weiterging, kann ich nicht sagen. 25 Jahre später hätte ich eine Vermutung gehabt, aber 1915 waren die jüdischen Mitbürger (worauf ich aus dem Namen schließe) noch geachtete Mitglieder der Bevölkerung und aktive Kriegsteilnehmer.

Kriegstagebuch

Kriegstagebuch

Gustel unterteilt die Seiten in vier Abschnitte:

Westlicher Kriegsschauplatz – Östlicher Kriegsschauplatz – Ereignisse zur See – Kolonien und Allgemeines

Die Sütterlin-Handschrift ist recht schwierig zu entziffern. Ein Beispiel für den

6. August:

  • Westl.: Mülhausen von Franz. besetzt. Wie letzten Krieg bei Metz.
  • Östl.: Russ. Kavalleriedivision bei Schwiddern (Ostpreußen)
  • See: „Goeben“ und „Breslau“ durchbrechen d. ???? Kette in Strasse von Messina, „Königin Luise“ legt Minen in den Themsemund und sinkt, ebenfalls „Amphion“ (dazu Wikipedia)

Kriegstagebuch 1. Aug 1914

8.September:

  • Westen: südöstl. von Paris ist auf der Linie Auteuil – …. eine Schlacht entbrannt. Die Deutschen besetzen Gent und …;
  • Osten: Deutsche Truppen besetzen Rudan (?); See: der englische Kreuzer „Pathfinder“ stößt in der Nordsee auf eine Mine und sinkt

Kriegstagebuch 8. Sep 1914

1. Oktober:

  • Westen: Franz. Vorstöße nördl. von Amiens und in d. mittler. Vogesen zurückgewiesen. 2 Forts von Antwerpen zerstört. Reims von Franz. geräumt;
  • Kolonien: Deutsche Regierung erläßt Zahlungsverbot gegen Engl. Angriff der Japaner auf Kiautschau (Tsingtau)

Kriegstagebuch 10. Sep 1914

29. September: Tsingtau eingeschlossen

Kriegstagebuch 27. Sep 1914

22.Oktober:

  • Westen: Fortdauer d. erbitterten Kämpfe am Yserkanal unter Mitwirkung von 12 engl. Kriegsschiffen. Bei Lille, … und Ypern weicht d. Feind zurück. Franz. bei Thiencourt verlustr. geschlagen.
  • Osten: Verfolgung des Feindes auf Ozowiecz zu. Vordringen unsrer u. der oesterr. Truppen bis Warschau;
  • See: „Emden“ versenkt 5 brit. Dampfer, einen Bagger und kapert ein brit. Schiff. Engl. beschlagnahmen deutsch. Lazarettschiff;
  • Allgemeines: Preuß. Landtag bewilligt Kredit von 12 Milliard. M. 33000 Engl. u. Belgier in Holland gefangen. Russ. Landsturm aufgeboten. Unruhen in Portugal. Portugiesen verlassen Berlin. Turkey weist engl. Vorstellung über Anwesenh. deutscher Matros. ab.

Kriegstagebuch 21. Oct 1914

16. November:

  • Westen: Langsames Fortschreiten der Kämpfe am rechten Flügel. Im Argonnenwald werden starke franz. Stützpunkte erstürmt.
  • Osten: Russen südl. von Stallupönen geworfen. Bei Aldau russ. Truppen abgewehrt. Bei Lipno russ. starke Kräfte auf ?? zurückgeworfen.
  • See: Die scandinav. Mächte protestieren in Engl. gegen d. Sperrung d. Nordsee u. Ostsee durch Minen. Lord Roberts gestorben.

Kriegstagebuch 16. Nov 1914

1. Dezember:

  • Osten: In Nordpolen, südlich der Weichsel neue Erfolge. 26 Maschinengewehre u. 9500 Gefallene. Deutsche Kräfte, die östl. von Lodz gegen d. rechte russ. Flanke u. d. Rücken standen, werden von Russen umzingelt, schlagen sich in 3-tägigem Kampfe durch d. feindl. Ring (12000 Gef. 25 Geschütze);
  • See: Franz. Grundbesitz unter staatl. Verwaltung gestellt;
  • Allgemein: Metallhöchstpreise festgesetzt. Kundgebung des Reichstags. Der bulgarische Ministerpräsident ist in Berlin. Der Kaiser besucht die Truppen bei Gumbinnen und Darkelnuen. Vertrauliche Beratungen der Komissionen des Reichstags. Auffindung neuer geheimer Handbücher betreffs Belgiens Neutralität. Der Jahrgang 1915 in Frankr. dem Heere einverleibt.

Kriegstagebuch 1. Dez 1914

 

17. Dezember:

  • Westen: Erfolglose Angriffe bei Nienport, Zillebeke u. La Bassée. Östlich Reims franz. Erzwerk erstört. D. Verbündeten haben in d. letzten 3 Tagen 24000 Mann verloren.
  • Osten: Die Russ. Offensive gegen Schlesien u. Polen zusammengebrochen. Rückzug d. Russen auf der ganzen Linie.
  • Zur See: Deutsche Kriegsschiffe beschießen Scarborough u. Hartlepool u. Whitby. Funkenstation vernichtet. Großer Schaden angerichtet. 2 Torpedozerstörer zum Sinken gebracht.
  • Allgemein: Franzosen in Pforzheim interniert. Fürst Bülow in Rom.

Kriegstagebuch 17. Dez 1914

31. Dezember:

  • Westen: Feindliche Artillerie zerstört einen Teil von Westende-Bad ohne militärischen Schaden. Vernichtung einer franz. Kompanie in d. von uns gesprengten Alger.
  • Osten: In den Kämpfen bei Lodz-Lowidz 56000 Gefallene. Geschütze u. Maschinengewehre. Fortdauer der Kämpfe an und östlich der Brura (?). Fortschritte unserer Offesive an d. Rawka.
  • Kolonien: Nach engl. Meldungen behaupten wir unsere Stellungen in Kamerun.

Kriegstagebuch 30. Dez 1914

1. Januar 1915:

  • Westen: Ein deutsches Luftgeschwader wirft erfolgreich Bomben über Dünkirchen, Anaskerk(?) und Fournès.
  • Allgemein: Feldmarschall v.d.Golz nach dem kaukasischen Kriegsschauplatz abgereist

Kriegstagebuch 1. Jan 1915

29. Januar:

  • Westen: Die engl. Etappenanlagen von unseren Fliegern bombardiert. Feindl. Angriffe in d. Dünen Nienports und südl. des Kanals von La Bassée abgewiesen.
  • Osten: Russ. Angriff nordöstl. Gumbinnen scheitert verlustreich für d. Feind. Östl. Lowiczdringen wir in die feindl. Hauptstellungen ein.
  • Zur See: Deutsche Unterseeboote versenken auf der Höhe von Kap d’Antibes den engl. Dampfer „Takumara“. U21 hat in der irischen See die engl. Dampfer „Ben Cachau“(?) und 2 andere vernichtet.
  • Allgemeines: Freilassung der Civilgefangenen von Tsingtau gegen Ehrenwort

Kriegstagebuch 29. Jan 1915

Mit ein wenig mehr Zeit kann man so ziemlich alle Ereignisse geschichtlich abgleichen. Das ist aber eine recht aufwändige Aufgabe.

Gustel Rosenkranz hat ihre Nachrichten vermutlich aus Zeitungen zusammengetragen. Mehr ist mir nicht bekannt. Das Buch habe ich auf einem Trödelmarkt in einem Konvolut erstanden.

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