Badespaß und Picknickzeit


Wenn die Sonne lacht, wandert man hinaus in die Natur, setzt sich auf eine grüne Wiese am Bach, möglichst in den Schatten eines Baumes und schaut den Kindern beim planschen zu.

So geschehen im Erfurter Umland. Ungefähr im Jahr 1916 oder 1917 nutzten meine Urgroßmutter, ihre Nachbarin, unser Hausmädchen und die drei Kinder Oma, Großonkel und Eva das schöne Wetter um in den Wald zu ziehen. Ich vermute, es handelte sich um den Erfurter Steigerwald.

Die drei Damen saßen im Schatten. Bruder und Schwester bauten einen Damm und planschten.

 

 

 

 

Nachbarstochter Eva H. durfte mit ihrem lustigen Zopf natürlich mitspielen. 

 

 

Die Schleifen meiner Oma sind aber auch nicht zu verachten.

 

Stolz wird das Werk vorgezeigt.

Ich nehme an, daß auch noch ein Vater dabei war. Irgendjemand wird den Fotoapparat bedient haben.

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Zeugnisheft 1917-23


Als meine Omi noch Kind war, musste sie selbstverständlich auch zur Schule gehen. Der Ernst des Lebens begann für sie Ostern 1917, mitten im Ersten Weltkrieg.

Damals dauerte ein Schulhalbjahr noch von Ostern bis Michaelis, bzw. von Michaelis bis Ostern, es war somit am kirchlichen Kalender ausgerichtet. Das war bis in die Mitte der 1930-er Jahre so. Und wieso begann das Schulhalbjahr erst Ende September? Ganz einfach: vorher musste die Ernte eingefahren werden und jedes Familienmitglied wurde gebraucht. Da gab es keine Zeit für den Besuch der Schule.

 

Interessant, was damals im Zensurenbuch alles vermerkt wurde:

  • Tochter des: Apothekers Herrn Gustav Lange (von der Mutter ist keine Rede)
  • geboren am (das gibt man auch heute noch überall an), getauft am: (das liest man heute eher selten), geimpft am: (das war eine prima Idee und ein wichtiges Detail zum Schüler).

Weiter geht es mit dem Zensuren-Teil. Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, daß meine Oma in die 10. Klasse eingeschult wurde.

 

Früher wurden die Klassenstufen rückwärts nummeriert. Man begann in der X. Klasse und arbeitete sich langsam nach oben. Die letzte Klasse Oberprima, die dreizehnte, wurde schließlich von den Primanern (Primus – der Erste) besucht. Diesen Begriff kennt man heute noch, oder?

 

 

Die ersten beiden Zeugnisse hat die Mutter Käthe unterschrieben, danach hat Papa gegengezeichnet – hier oben sogar mit seinem Beruf anstelle des Vornamens: Apotheker Lange.

Nun ja, …

 

Wenn ich mir die Zensuren so anschaue, hat sich meine Oma schon zu Beginn ihrer Schulkarriere nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert. Und in der Tat, ich habe sie auf ihre alten Tage weder singen gehört, noch turnen gesehen.

 

Und weiter ging es langsam in Richtung der 3-er Noten. Deutsch, Schreiben, Singen, Turnen, Handarbeit, Naturkunde, Geschichte: genügend. Omi, Omi!

Im 2. Halbjahr der 7b dann der Schock: Singen 4

 

Ich kann meinen Uropa, ihren Vater förmlich hören, wie er gesagt haben wird: „Na, dann singt sie eben nicht!“

Wenigstens das Betragen war „lobenswert“. Damit kommt man weit im Leben. Stille sitzen, Öhrchen spitzen, Händchen falten, Mündchen halten.

 

Nachdem sie gut die Hälfte ihrer Schulzeit geschafft hatte, endet das Zensurenbuch mit dieser Einlegeseite. Ab da ging es in der Höheren Töchter-Schule weiter, leider haben die Zeugnisse aus dieser Zeit nicht überlebt.

 

Auch, wenn sie nicht zu den Klassenbesten gehörte, sondern nur in der B-Klasse war (eine Erklärung zur damaligen Klassenaufteilung findet sich links unten auf der 2. Seite des Zensurenbuches – siehe oben), hat sie es trotzdem zu einer guten alleinerziehenden Mutter dreier Kinder geschafft, fuhr mit dem Auto in der Gegend herum (siehe hier) und war eine prima Omi.

Reichsmark-Banknoten


In der Serie deutscher Banknoten ist heute das Papiergeld des Deutschen Reiches aus der Zeit vor der Inflation an der Reihe, vorgestellt zu werden. Vereinzelt sind ein paar Scheine dabei, die nach überwundener Inflation ausgegeben wurden.

Ich habe für euch die Scheine nicht nach Ausgabejahr sortiert. Stattdessen erschien mir eine Sortierung nach Wert sinnvoller.

Die Zeit um den Ersten Weltkrieg zeichnete sich dadurch aus, daß Banknoten immer häufiger in Gebrauch kamen. Heute weitestgehend vergessen ist, daß sogenannte Geldscheine genau genommen kein Geld sind. Sie sind eigentlich nichts weiter als Quittungen über die Einlieferung einer bestimmten Menge Münzgeldes. Aus Gewichts- und Sicherheitsgründen gab man Silber- und Goldmünzen bei Banken ab und bekam dafür eine Banknote – eine Banknotiz.

In Zeiten des Krieges und nach verlorenen Kriegen ersetzten Geldscheine das Münzgeld nicht zuletzt aus Metallmangel. Banknoten zu drucken ist preiswerter als das Prägen der Münzen. Daher war im Deutschland um den Ersten Weltkrieg bereits Papiergeld in Stückelungen von einer und zwei Mark üblich. Seht selbst.

Reichsbank 1 Mark 1920 1924

1 Mark – 1920, 1924, 1914

 

Reichsbank 2 Mark

2 Mark – 1914, 1920, 1924

 

Während die Banknoten in den 1910er Jahren noch reich verziert und verschnörkelt waren,

Reichsbank 5 Mark 1917 1914

5 Mark – 1917, 1914 (jeweils Vorder- und Rückseite)

 

kamen in den 1920er Jahren Jugendstilelemente in Mode.

Reichsbank 10 Mark 1920

10 Mark – 1920 (vorn, hinten)

 

1908 – letzte Ausläufer des Historismus. Kräftige Frauen lehnten an schöner Architektur.

Reichsbank 10 Mark 1908

10 Mark – 1908 (Rückseite)

Reichsbank 10 Mark 1908

10 Mark – 1908 (Vorderseite)

Reichsbank 20 Mark 1908

20 Mark – 1908 (Vorderseite)

Reichsbank 20 Mark 1908

20 Mark – 1908 (Rückseite)

Reichsbank 20 Mark 1914 1918

20 Mark – 1914 (Rückseite), 1915 (Vorderseite)

Reichsbank 20 Mark 1914 1918

20 Mark – 1914 (Vorderseite), 1915 (Rückseite)

Reichsbank 20 Mark 1918

20 Mark 1918

Reichsbank 50 Mark 1906 1914

50 Mark – 1906

Reichsbank 50 Mark 1906 1914

50 Mark 1914

Reichsbank 50 Mark 1919

50 Mark – 1919

50 Reichsmark 1920

50 Mark – 1920 (Vorderseite)

50 Reichsmark 1920

50 Mark – 1920 (Rückseite)

100 Reichsmark 19080207

100 Mark – 1908 (vorn)

100 Reichsmark 19080207

100 Mark – 1908 (hinten)

100 Reichsmark

100 Mark – 1910 (vorn)

100 Reichsmark

100 Mark – 1910 (hinten)

100 Reichsmark 19201101

100 Mark – 1920

 

1922 – die Inflation näherte sich rasant. Hundertmarkscheine wurden in großen Mengen benötigt – für ein aufwändiges Design war keine Zeit mehr.

 

 

100 Reichsmark 19220804

100 Mark – 1922

 

Auf den letzten Schein ist der ursprüngliche Zweck einer Banknote noch aufgedruckt:

Reichsbanknote (Notiz) – Einhundert Mark zahlt die Reichbankhauptkasse in Berlin gegen diese Banknote dem Einlieferer. Vom 1. Januar 1923 ab kann diese Banknote aufgerufen und unter Umtausch gegen andere gesetzliche Zahlungsmittel eingezogen werden. Berlin, den 4. August 1922, Reichsbankdirektorium

 

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