Tangram – mal wieder


Hurra, ich habe schon wieder einige neue Stücke für meine Sammlung gefunden. Die bisherigen Beiträge kennen viele von euch. Meine neuen Besucher können hier und hier nachlesen.

Heute kommen zwei Spiele dazu, „Nicht zu hitzig“ und „Pythagoras“.

Für „Nicht zu hitzig“

 

habe ich zwar die korrekten Steine

 

allerdings stammt das Aufgabenheft aus dem Quälgeist

 

 

 

 

Auch hier wird am Ende wieder für die Anker Steinbaukästen geworben:

von denen ich bisher nur einen besitze, den ich euch hier schon vorgestellt hatte.

 

Die Steine des Pythagoras

 

erinnern mich nur begrenzt an den Satz des gleichnamigen Herrn

 

und auch das Titelbild erinnert nicht daran

 

Das Spiel scheint aus dem Jahr 1919 zu stammen. Die Druckermarke 919 (siehe unten Mitte) verweist laut der Forschungsergebnisse auf der Seite Buchvision.de (Link) auf den September desselben Jahres.

 

Die Bewerbung dreier anderer Baukästen lässt auf ein sehr zeitiges Erscheinungsdatum schließen.

Gab es später zahllose Baukästen, wird hier noch nur „von drei weiteren“ gesprochen.

 

In meinem Spiel sind Aufgabenheftchen enthalten. Eines ohne, das andere mit eingezeichneten Lösungen. Auch das lässt auf eine frühe Erscheinung schließen, als es die Lösungshefte noch nicht zu kaufen gab.

 

Und auch hier wieder die Werbung für die Steinbaukästen:

 

 

Besonderes Augenmerk fällt auf die Inschrift im Inneren des Kästchens:

Emma Reinert, Burglengenfeld, Obpf.

Wie es der jungen Dame wohl heute gehen mag?

Werbeanzeigen

Verband der weiblichen Handels- und Büroangestellten


Gewerkschaftliche Organisation der Angestellten und Arbeiter ist wichtig, um die Rechte der Arbeiter in Betrieben, Fabriken und Büros durchzusetzen. In Deutschland gibt es seit 1329 gewerkschaftsähnliche Zusammenschlüsse und seit 1848 organisierte Gewerkschaften. Einen Aufschwung erfuhren Gewerkschaften nach der Gründung der Weimarer Republik ab 1919 und erstarkten bis zur Machtübernahme und Gleichschaltung durch die Nazis. Das war am 2. Mai 1933. An diesem Tag gingen alle Gewerkschaften in der Deutschen Arbeitsfront auf.

Ein frühes Mitglied des 1919 gegründeten Verbandes der weiblichen Handels- und Büroangestellten war die um mehrere Ecken irgendwie verwandte Emmy Heinemann. Sie war sogar bereits im Jahr 1911 Mitglied eines gewerkschaftlichen Verbandes. Dessen Namen konnte ich jedoch nicht herausfinden.

Dafür hat sie uns einige ihrer Mitgliedskarten hinterlassen.

 

Ab 1925 RM 2,00, ab Mai 1926 RM 3,00 und schließlich ab Juni 1928 satte RM 3,50 Monatsbeitrag. Die sind dann allerdings bis Ende 1932 konstant geblieben.

 

Auf der Rückseite der Mitgliedskarte wurden (mehr oder weniger) freiwillig entrichtete Beiträge für die Wohlfahrt geklebt.

 

Weiter geht es im Querformat ab 1933.

 

Berlin-Wilmersdorf, Trautenaustraße 11 b/ Sendig

Ab 1933 konnte neben dem Gewerkschaftsbeitrag auch eine Renten-Versicherung abgeschlossen werden. Emmy hatte offenbar keine. Sie blieb bei ihren RM 3,50 pro Monat.

 

Doch, zack, kaum war die oben erwähnte Gleichschaltung unter der NS-Führung vollzogen, stieg der Monatsbeitrag. Auf RM 4,00 und gleich ein Quartal später noch einmal um 20 Pfennige.

 

1935 war man bereits bei RM 4,40 – allerdings griff zu dieser Zeit wahrscheinlich schon das Programm zur Steigerung der Einkommen. Ich glaube, ich hatte das im Beitrag über das Eiserne Sparen schon einmal erwähnt.

 

Bei Lesen der Regeln für alle Verbandsmitglieder wird nun auch deutlich, wieso Emmys Beitrag stetig stieg: Der Mitgliedsbeitrag ist jeweils monatlich im voraus zahlbar, und richtet sich nach der Höhe des Einkommens.

In der Urlaubszeit werden Gemeinschaftsreisen veranstaltet, auch Wochenendfahrten und Wanderungen finden statt.

Das Sommerfrischenverzeichnis des Verbandes weist gute Pensionen nach.

 

Noch mehr Regelungen:

 

Eigenwerbung auf der Rückseite des Mitgliedsbüchleins zeigt Erholungsheime aus dem Urlaubsangebot des Jahres 1932.

 

Die Wichtigkeit der Arbeitnehmererholung wurde früh erkannt und preiswerte Angebote für Familienurlaube auch in der nationalsozialistischen Zeit sowie später in der DDR geschaffen.

 

Als ebenso ordnungsliebende, wie den Ämtern mißtrauende Person, hat Emmy Heinemann übrigens alle Einzahlungsquittungen aufbewahrt um im Bedarfsfall die geleistete Einzahlung auf das Postscheckkonto (links) bzw. an der Verbandskasse (rechts) nachweisen zu können.

 

Die Gute ist übrigens ganz schön alt geworden. Ich glaube, sie ist erst zu Beginn der 1980-er Jahre gestorben. Bei Jahrgang 1890 kam da schon einiges an Lebensalter zusammen. Ob sich ihre Einzahlungen ausgezahlt haben, weiß ich nicht. Die kurze Zeit, die ich sie kannte, hat sie in sehr einfachen Verhältnissen gewohnt.

Tote, überall Tote.


25 bis 50 Millionen Leben gingen zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgrund eines einzigen Ereignisses verloren.

Unglaubliche Zahlen, wenn man bedenkt, daß unschuldige Leben aus Familien, die sich nie etwas zu Schulden kommen ließen, einfach so ausgelöscht wurden.

Und man konnte so gut wie gar nichts dagegen tun. Eben noch war das Leben heiter und sorgenfrei und im nächsten Augenblick lag die halbe Familie im Sterben.

Zu einer Zeit, als die Bevölkerung Europas ca. 400 Millionen Menschen umfasste, war eine Opferzahl von etwas zwischen 8 und 20 Millionen schon ein beachtlicher Prozentsatz.

Und wer bis hierher angenommen hat, ich rede vom Ersten Weltkrieg, der irrt. Der hat nämlich „nur“ zwischen 8,7 und 17 Millionen Menschenleben gekostet.

Mein heutiges Thema ist – vielen unbekannt – die Spanische Grippe. Sie hat in den beiden Jahren 1918 und 1919 allein in Indien 17 Millionen Menschen das Leben gekostet. In Preußen und der Schweiz waren zwei von drei Menschen erkrankt. Die US-Armee verlor durch die Grippe genauso viele Soldaten, wie zuvor durch Kampfhandlungen im Ersten Weltkrieg. Diese Form der Grippe hat eine mehr als 25-fache Todesrate aufgewiesen als übliche Grippewellen.

Was konnte man also tun um sich zu schützen? Nicht viel.

Ich habe hier zwei Postkarten für euch. Der Absender der ersten Karte (aus Großbritannien) schreibt:

 

So glad Col is better. …  had pain for two nights, but very very Lovely Day, but always a good breeze here. Was wondering, when hay was going to be cut, is it a good crop? … Have just remembered. Don’t go any where by train or into a town or village as the Spanish Flue is raging at Cambridge. I saw a lady yesterday whose daughter is there & it’s all over the town and the soldiers have got it by the battalion.

[Übersetzung: Ich bin so froh, daß es Col wieder besser geht. … Ich hatte die letzten beiden Nächte Schmerzen, aber einen sehr sehr angenehmen Tag, es weht immer eine angenehme Brise hier. Ich frage mich, wann das Heu geschnitten wird, ist die Ernte gut? … Gerade fällt mir ein, Fahrt nirgendwohin mit dem Zug oder geht in keine Stadt und in kein Dorf, denn die Spanische Grippe wütet in Cambridge. Gestern traf ich eine Frau, deren Tochter dort ist & die Krankheit ist überall in der Stadt. Die Soldaten stecken sich in ihrem Bataillon an.]

 

Die zweite Karte stammt aus Great Barrington in Massachusetts

Dear Cousin,
You must not think that the C.E.papers (?) have stopped coming. Miss Bird wished to finish the ?? story so I have sent the paper to her with an enclosed wrapping addressed to you. I think she will forward them soon. I judge from the Taunton ?? that the influenza is causing much suffering and many deaths. Margaret the maid we had in Taunton has lost her husband from pneumonia. I have just written to her. Mary and I have had bad colds. I hope you will escape this epidemic.
With much love from us both, Julian

Übersetzung: Lieber Cousin, Du darfst nicht denken, daß die C.E. Papiere (keine Ahnung, was das sein könnte) nicht mehr ankommen. Miss Bird wollte die …-Geschichte noch fertig bekommen, darum habe ich die Papiere in einem an Dich adressierten beigefügten Umschlag beigefügt. Ich denke, sie wird sie bald an Dich weitersenden. Wenn ich den Taunton … glauben schenken darf, fordert die Grippe viel Leid und Tod. Der Ehemann von Margaret, dem Dienstmädchen, das wir in Taunton hatten, ist an Lungenentzündung gestorben. Ich habe ihr gerade geschrieben. Mary und ich hatten eine schlimme Erkältung. Ich hoffe, Du wirst diese Epidemie heil überstehen. Mit vielen lieben Grüßen von uns beiden, Julian.

 

Ein interessanter Nebengedanke ist: Hat diese Grippe und die damit einhergehende schlechte körperliche Verfassung nahezu aller Angehörigen der Armeen im Ersten Weltkrieg den Krieg eher beendet, als es ohne die Auswirkungen der Spanischen Grippe der Fall gewesen wäre?

Wer noch einen Artikel lesen möchte, für den gibt es hier einen Link, den ich allerdings nicht auf Glaubwürdigkeit überprüfen konnte: Hier wird berichtet, daß die Spanische Grippe mit den Soldaten aus den USA eingeschleppt wurde, nur geimpfte Soldaten erkrankten und in den USA wie in allen kriegsteilnehmenden Staaten nicht in der Presse über die Auswirkungen berichtet wurde, im neutralen Spanien hingegen schon, was der Pandemie den Namen einbrachte: Artikel

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.

Schließe dich 100 Followern an

wen interessiert's?

  • 349.675 Klicks (bis jetzt)

Menü

Member of The Internet Defense League

aus dem Archiv

Blick in die Parallelwelt: Moppis Reise-Blog

Wanderung durch das Bjørndal und auf den Vogelfelsen

Heute, am 26.7. ging es zur (Geburtstags-)Feier des Tages auf eine Wanderung ins Gebiet außerhalb der befriedeten Zone. Ab hier darf man nur mit ortskundiger Person und Waffe unterwegs sein. Auf Spitzbergen gibt es 2500 Einwohner und 3500 Eisbären. Unsere beiden Führer Doreen, die ursprünglich aus Stralsund kommt und Rønar, ein Einheimischer, waren uns eine […]

Husky Tour – 25. Juli 2015

Heute stand eine Husky-Tour auf dem Plan. Zuerst einmal machen wir uns mit den Hunden bekannt. Hillfrid, die leider nicht mitlaufen durfte. Ike, neben dem man sich wie Rotkäppchen fühlt. Keino, mit 15 Jahren der älteste Hund im Hof, der aber noch immer ein guter Zughund ist, was ihm sein Dasein sichert, da es hier […]

Svalbard – Spitzbergen – Longyearbyen

Die ersten Fotos vom Urlaub oberhalb des Polarkreises. Die Temperaturen liegen kurz oberhalb des Gefrierpunktes. Manchmal nieselt es ein wenig, aber im Großen und Ganzen ist es sehr angenehm.

Pashupatinath – Verbrennung der Toten

Ungefähr eine Stunde braucht der Spaziergänger, um vom Stadtzentrum Kathmandus nach Pashupatinath zu gelangen. Hat man erstmal die richtige Straße gefunden, geht es irgendwie immer geradeaus. Vorbei an durchaus lustigen Schildern an einem Haus, von dem ich leider vergessen habe, wofür es dort steht,   einem hübschen, kleinen Wasserbecken. Manche Ecken sind nicht ganz so schön und […]

%d Bloggern gefällt das: