ein Parteiprogramm von 1920


Ich habe lange überlegt, ob man das heutige Schriftstück vorzeigen soll und darf oder nicht. Ich habe mich dazu entschlossen, es euch zu zeigen, da es sich hierbei nicht um Glorifizierung oder Werbung für den Inhalt handelt, sondern vielmehr um den Versuch, aufzuzeigen, daß Ideen und Forderungen, die auf den ersten Blick „gar nicht so schlecht“ klingen, bei genauer Betrachtung und Vergleichen sehr wohl schlechte Ergebnisse mit sich bringen.

Da gerade jetzt in Deutschland wieder eine Partei die Ängste und heimlichen Wünsche großer Teile der Bevölkerung mit einfachen Worten adressiert, sie damit enormen Zulauf verzeichnen können und viele Mitbürger ein schlechtes Bauchgefühl in Anbetracht der bevorstehenden Wahlen haben, möchte ich alle Besucher meines Museums auffordern: Lest euch das Parteiprogramm durch, sucht Parallelen zu modernen Wiederholungen und haltet euch das Ergebnis der Erfüllung der Forderungen vor Augen! Es ist gerade einmal 70 Jahre her und ich möchte Ovid zitieren: „Wehre den Anfängen!“ (auch wenn das ursprüngliche „Principiis obsta.“ die unglückliche Liebe als Thema hatte)

Wer auf das Bild klickt, kann es sich in höherer Auflösung durchlesen. Die 25 Punkte solltet ihr euch mit einer gesunden Distanz durchlesen. Ich hoffe, keiner meiner Leser wird durch dieses Flugblatt zum Anhänger einer rechtsgesinnten Partei.

Einige Dinge für euch kurz erklärt:

München, den 24. Februar 1920 – an diesem Tag wurde mit der Umbenennung der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

Als Verfasser wird laut Wikipedia der DAP-Gründer Anton Drexler vermutet. Adolf Hitler soll nur redaktionelle Mitarbeit geleistet haben.

Unter Anmerkung findet ihr einen Zusatz vom 13. April 1928 (auf den ich das Papier datiere). Die Erklärung dazu lest ihr am besten auch bei Wikipedia durch.

Über konstruktive Kommentare zu diesem Artikel freue ich mich. Sofern jemand Probleme mit der Veröffentlichung hat, möge er sich mit mir in Verbindung setzen.

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Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaren-Fabriken AG, 1928


Eine Aktie soll euch heute den Tag verschönern. Recht unscheinbar kommt sie daher. 1928 ausgegeben. 1000 Reichsmark.

 

Es gibt nicht viel zu dieser Aktie herauszufinden. Meine Besucher mit Vorliebe für wenig Text werden sich freuen.

Auf der Webseite schoene-aktien.de habe ich eine Firmenbeschreibung gefunden:

Herstellung sämtlicher Artikel der Gummi-Industrie, und zwar als Hauptgruppen:

  • technische Artikel aus Hart- und Weichgummi, Konservenringe, Transportbänder und Stopfbuchsenpackungen sowie Gummikurzwaren und Tauchgummiwarenfabrikate, Stoffgummierungen.
  • Gegründet am 18.12.1883 unter Übernahme der seit 1849 bestehenden oHG Berliner Gummiwarenfabrik Elliot, später Sachs, als Berliner Gummiwarenfabriken AG.
  • 1886 Änderung der Firma in Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaren-Fabriken, Berlin nach Vereinigung mit der Frankfurter Gummiwaren-Fabrik Wendt, Buchholtz & Co. in Gelnhausen.
  • Am 23.5.1929 Änderung der Firma in VERITAS Gummiwerke AG.
  • Die Ursprungsfirma Elliot war die älteste Berliner und zweitälteste deutsche Gummiwarenfabrik; der Sitz war in Berlin auf dem an der Spree belegenen Grundstück Mühlenstraße 70/71.
  • Im Jahre 1905 wurden die sämtlichen Aktien der AG technischer Gummiwaren C. Schwanitz & Co. in Berlin erworben und in Verfolg dieser Transaktion der Betrieb aus der Mühlenstraße mit in das Grundstück der letztgenannten Gesellschaft nach Lichterfelde verlegt; das Berliner Grundstück wurde vermietet (1928 verkauft).
  • Die im Jahre 1906 erworbene Sächsische Gummi- und Guttaperchawaren-Fabrik in Dresden ist Ende 1923 an die Vorbesitzer zurückübertragen, jedoch Mai 1925 der Gesellschaft wieder zugefallen.
  • 1948 verlagert nach Gelnhausen, heute Veritas Gummiwerke AG, Gelnhausen

Anhand der niedrigen Nummer der Aktie kann man ersehen, daß kaum mehr als ein paar Tausend von ihnen emmitiert wurden.

Wikipedia weiß zu berichten: 1933 gelingt im Berliner Werk in Zusammenarbeit mit dem Versuchslaboratorium der IG-Farben (Leverkusen) die praktische Einführung des synthetischen Kautschuks „Buna” in die Fertigung. Die erste Innovation mit dem neuen Werkstoff ist ein Bremsschlauch für die Deutsche Reichsbahn.

Ein Vorstandsmitglied der Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaren-Fabriken AG, Gustav Becker, gründete übrigens 1900 seine eigene Gummifirma. Er benannte sie nach dem Sitz der Firma: Fulda. Noch heute werden Reifen unter dem Namen „Fulda – German High Technology“ produziert, wenn auch nicht mehr dort. Die Firma hat zwischenzeitlich mehrmals den Besitzer gewechselt. Zuerst die Staubsaugerfirma Vorwerk, dann Goodyear.

Opel-Fahrräder und ein Brillant-Ring


Am 4.4.1928 schrieb Herr Carl Zacher aus Eisenach, dem „Kurbad am Fuße der romantischen Wartburg“ an den Hofjuwelier Arthur Tresselt:

Beachtet bitte, daß die Firma Larenz Generalvertreter für Opel war, allerdings nicht für Autos, sondern für Fahrräder. In den Jahren 1886 bis 1940 war Opel eine der bekanntesten Fahrradmarken Deutschlands. Mehr dazu lest ihr hier.

Bedauerlicherweise hat Herr Zacher seine Meinung einige Tage später geändert und wollte nun doch keinen Brillant-Ring mehr haben.

Darüber war Herr Tresselt einigermaßen unerfreut und schrieb eine Postkarte an Herrn Zacher, deren Inhalt uns nicht bekannt ist. Allerdings deutet einiges darauf hin, daß der Brillant-Ring bereits bestellt war und zur Abholung bereit lag.

Die Antwort von Herrn Zacher fiel dann im Brief vom 2.5. wie folgt aus:

Herrn Arth. Tresselt, Arnstadt.

Durch Ihre Postkarte vom 2.5.wodurch Sie mich auf einer Postkarte öffentlich mahnen, die natürlich meine Wirtin laß & Ihn diese Ton,  muß ich Ihnen definitiv meine

Freundschaft kündigen. Sie müßten doch wissen, daß ich Ihnen nichts schuldig geblieben bin. – Ich wäre am Samstag 5/ter nach A. gekommen und hätte es Ihnen bezahlt.

Bezüglich des Ringes können Sie Ihr Anliegen direkt bei Herrn Larenz vorbringen. Die 6,- gingen am ?? früh ab p.P. per Postanweisung.

Hochachtend Carl Zacher Kfm.

So war das. Wieder ein Freund weniger. Aber auf der gestern vorgestellten Karte aus Dresden ließ er im November desselben Jahres schon wieder Grüße ausrichten. Es scheint sich also alles wieder geklärt zu haben.

Frauenkirche Dresden


Am 3. Tag der Themenwoche zeige ich euch eine alte Postkarte aus Dresden. Sie zeigt die Frauenkirche in Dresden noch in ihrer alten Pracht vor der Zerstörung während des zweiten Weltkrieges.

 

Ich kenne mich nicht gut genug in Dresden aus um zu wissen, ob das Ensemble drum herum genau so wieder aufgebaut wurde, wie auf der Karte. Auf jeden Fall hatten sie einen schönen Springbrunnen, der ebenso schwarz angelaufen war, wie der Sandstein der Frauenkirche. Bis es wieder soweit ist, muß noch ein wenig Schmutz durch die Luft wehen. Oder lag das an der Oxidation?

Vielleicht kann man es auf der Webseite der Frauenkirche nachlesen. Wusstet ihr, das für das Hauptgesims und die Attika genau 666 der aus den Trümmern der Ruine geborgenen 1.110 Steine wiederverwendet wurden?

Die Karte wurde von einem Herrn Zacher an Adolph Tresselt geschickt.

Dresden, 2.11.28 Dürerstr. 9 II

Lieber Herr & Frau Tresselt, Sende Ihnen aus „Elb Florenz“ die besten Grüße. Hier ist es wunderschön!

 

Mehr zu Herrn Zacher gibt es morgen.

Boxkämpfe


Es gibt wieder eine Themenwoche. Diese Woche stelle ich euch jeden Tag eines von sieben Ausstellungsstücken vor,  deren Gemeinsamkeit darin besteht, ihr Dasein der letzten 80 bis 100 Jahre zwischen den Seiten des bereits vor einigen Monaten vorgestellten Geschäftsbuches des Arnstädter Goldschmieds Adolph Tresselt gefristet zu haben.

Ich beginne mit einem Programmzettel für eine Boxveranstaltung. Datiert auf den 24. November 1928 wurden neun Boxkämpfe aller gängigen Gewichtsklassen angekündigt.

 

Lediglich ein Ergebnis wurde verzeichnet. Im Bantamgewicht siegte Herr Walter von der Boxabteilung Sport-Verein Arnstadt e.V. (A) gegen Herrn Gerlach von der Boxvereinigung Heros Nordhausen (N).

Möglicherweise ein Freund des Herrn Goldschmieds.

Im Haus Vaterland ist man gründlich, hier gewitterts stündlich!


Das Haus Vaterland war die Mutter aller Erlebnisgastronomie-Einrichtungen.

Am 31. August 1928 mit einem großen Festessen eingeweiht, wurde es zum Touristenmagnet und Anziehungspunkt für Berliner. Auf 8000 Plätzen in einem Kino, einem Varieté-Theater und mehreren Themen-Restaurants, -Bars und -Cafés wurde Amüsement zu durchschnittlichen Preisen geboten.

Mein heutiger Artikel des Tages ist die Broschüre, die anlässlich der Einweihungsfeier herausgegeben wurde.

Die Vorderseite ist durchgestanzt und bietet beim Umblättern einen Schnitt und die Übersicht der wichtigsten Teile des Hauses.

Dieses Heftchen enthält neben informativen Texten zu den gebotenen Attraktionen, Portraits der auftretenden Künstler und Abbildungen der Restaurants und ihrer Einrichtung eine Vielzahl von Werbeanzeigen, in der sich die Lieferanten und Ausstatter des Haus Vaterland darstellen konnten.

Weil sicher für jeden etwas anderes Interessantes dabei ist, habe ich euch einfach das gesamte Heft fotografiert und zeige es euch hier.

Das Vorwort von Leo Kronau. Auf der Seite haus-vaterland-berlin.de steht zu lesen: „Von Leo Kronau stammt die Idee zur Grossgaststätte „Haus Vaterland“, er war auch der erste oberste Direktor des Hauses 1928. Nach ca. 6 Monaten trennten sich Kempinski und Kronau, genaueres ist zur Zeit nicht bekannt.“

Wichtige Personen im Zusammenhang mit dem Umbau und der Ausstattung:  der Architekt Carl Stahl-Urach, der Leitende Ingenieur des Umbaus Berthold Koninski, der oberste Bauleiter Hans Fritsche (aus Erfurt), der Kunstmaler Karl Benesch, Prof. Ernst Stern, der den Palmensaal entwarf und der Unbekannte E. Mayer.

Eine kurze Beschreibung des Gebotenen:

Weinwerbung:

Noch mehr Zahlen zum Bau des Hauses – für damalige Zeiten beeindruckende Größen, aber nach dem Wiedererstarken Deutschlands und dem zunehmenden Selbstbewußtsein „Wir sind wieder wer!“ einer der vielen Sterne am Himmel der 1920-er Jahre:

Noch mehr Kempinski-Eigenwerbung – diesmal Feinkost und auf der rechten Seite eine Werbung des Teppichhauses Gerson, das hier die Fußböden ausstattete. Daneben der Beitrag zum Bayerischen Löwenbräu-Restaurant.

Das Wiener Café Grinzinger

Die spanische Bodega

Das ungarische Dorf-Wirtshaus Czarda

Innenausbau

Kempinski Weinbrand

Die Wild-West-Bar – besonders beliebt, da echte Indianer und Cowboys angestellt waren (die allerdings meist aus Berlin stammten, durch einen dunkleren Hautteint oder einen gekonnt eingeübten Akzent den Eindruck der Authentizität vermittelten)

Das türkische Café (und wahrscheinlich das einzige, was an dieser Stelle heute noch anzutreffen ist, wenn auch in etwas schlichterer Ausstattung)

Die Revue

mit Trude Hesterberg und der sehr interessanten Irene Ambrus, sowie Curt Fuß und Theo Lucas (bekannt durch diese recht gewagte, weil schwule Interpretation eines Schlagers der Zeit).

Hester Harvey

Werbung:

und die Siemens-Schuckertwerke

Das Sport-Ballett mit Willy Schulhoff

Eine Firma JAJAG (J.A.John AG) aus Erfurt, die neben Be- und Entlüftungsanlagen vor allem für die Zinkbadewannen berühmt war. (seht hier)

Und last but not least: Die Rheinterrasse, die durch ihre besondere Attraktion berühmt wurde. Unter dem Motto „Im Haus Vaterland ist man gründlich, hier gewitterts stündlich!“ wurde zu jeder vollen Stunde das Licht verdunkelt, über der Rheinlandschaft (die auf dem Bild am hinteren Ende sichtbar ist) zogen Gewitterwolken auf und ein echte Regen ging hernieder. Anschließend verzogen sich die Wolken, ein Regenbogen erschien und das Licht wurde wieder hell.

Zigarettenwerbung:

Werbung für Schallplatten

Lampen

und Lichtreklame

Schuhe für die Dame

Massary Zigaretten, man rauche sie bedachtsam, mit inniger Hingabe, mit wägendem Sinn.

Der Palmensaal

Die Dirigenten, darunter Ladislaus Löwenthal, der 1942 Opfer des Holocaust wurde.

Die Deutschen Girls des Hause Vaterland (und eigentlich nur Heizungswerbung)

Und zum Schluß Bierwerbung

1943 und 1945 brannte das Haus zuerst teilweise, dann ganz aus, wurde nach dem Krieg notdürftig hergerichtet, am 17. Juni 1953 beim Volksaufstand in der DDR dann aber erneut abgefackelt. Diesmal blieb es geschlossen und befand sich ab 1961 im Grenzstreifen. Durch Gebietsaustausch zwischen der DDR und Westberlin befand sich das Gebäude nun im Westteil der Stadt. Aufgrund der verlorenen Lage im Grenzgebiet sah man keine weitere Verwendung.

Nach dem Abriss 1972 durch die Westberliner Behörden lag das Gelände im Niemandsland brach. Nach dem Mauerfall und der Wiederbebauung des Potsdamer Platzes kamen an die Stelle des Haus Vaterland

die Park-Kolonnaden. Ein Schelm, der denkt, der Architekt wollte hier an etwas erinnern.

„Berlin – Park Kolonnaden 1“ von Andreas Steinhoff. Lizenziert unter Attribution über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Berlin_-_Park_Kolonnaden_1.jpg#/media/File:Berlin_-_Park_Kolonnaden_1.jpg

Ein Buchtipp: Wer sich für Kriminalgeschichten interessiert, dem seien die Bücher von Volker Kutscher empfohlen. Der Kölner Kriminalassistent Gereon Rath wird nach Berlin zwangsversetzt und gerät in spannende Geschichten. Die Bücher sind chronologisch erschienen und spiegeln die Karriere Rath’s wider. Band 4 trägt den Titel „Die Akte Vaterland“ und spielt zu einem wichtigen Teil im Haus Vaterland.

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