Knufinkes Knoblauchbeeren


Jeder möchte lange leben, aber keiner will alt werden. Diesen klugen Satz soll angeblich Jonathan Swift gesagt haben.

Es gibt nur recht wenige Wege, das Älterwerden zu vermeiden. Unter ihnen ist allerhöchstens eine Verlangsamung des Alterungsprozesses erstrebenswert.

Die Firma Paul Knufinke, Chemische-Pharmazeutische Präparate aus Wuppertal-Barmen hat sich ab 1924 dem Kampf gegen das zu schnelle Altern verschrieben. Ich habe dazu eine kleine Webseite gefunden, auf der ein Sammlerkollege ein Prospekt der Firma Knufinke zu ihren Knoblauchbeeren der Marke „immer jünger“ bewirbt. seht hier.

Knoblauchbeeren, später Knoblauchpillen, gibt es noch heute. Sie scheinen durch die Inhaltsstoffe des Knoblauchs zu helfen ohne den unangenehmen Geruch mitzubringen. Das ist erfreulich.

Zurück zu Knufinke. Ein sehr langes Werbeplakat habe ich auf dem Dachboden gefunden. Es wurde offenbar nie benutzt. Dies zu tun, wird in meinen Augen durch das höchst ungeschickte Layout nicht befürwortet. Offenbar hatte der Designer damals noch nichts von Kerning gehört. Aber er hat es wenigstens versucht. Die Erwähnung des Produktnamens oder der Herstellerfirma kann in meinen Augen auch enorm zum Umsatz beitragen. Auch das wurde vergessen.

 

Zur Datierung: Da die Marke „Immer jünger“ 1924 auf den Markt kam und die verwendete Schreibschrift bis in die frühen 1930-er Jahre sehr beliebt war, schätze ich das Plakat auf diese Zeitspanne.

 

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Verband der weiblichen Handels- und Büroangestellten


Gewerkschaftliche Organisation der Angestellten und Arbeiter ist wichtig, um die Rechte der Arbeiter in Betrieben, Fabriken und Büros durchzusetzen. In Deutschland gibt es seit 1329 gewerkschaftsähnliche Zusammenschlüsse und seit 1848 organisierte Gewerkschaften. Einen Aufschwung erfuhren Gewerkschaften nach der Gründung der Weimarer Republik ab 1919 und erstarkten bis zur Machtübernahme und Gleichschaltung durch die Nazis. Das war am 2. Mai 1933. An diesem Tag gingen alle Gewerkschaften in der Deutschen Arbeitsfront auf.

Ein frühes Mitglied des 1919 gegründeten Verbandes der weiblichen Handels- und Büroangestellten war die um mehrere Ecken irgendwie verwandte Emmy Heinemann. Sie war sogar bereits im Jahr 1911 Mitglied eines gewerkschaftlichen Verbandes. Dessen Namen konnte ich jedoch nicht herausfinden.

Dafür hat sie uns einige ihrer Mitgliedskarten hinterlassen.

 

Ab 1925 RM 2,00, ab Mai 1926 RM 3,00 und schließlich ab Juni 1928 satte RM 3,50 Monatsbeitrag. Die sind dann allerdings bis Ende 1932 konstant geblieben.

 

Auf der Rückseite der Mitgliedskarte wurden (mehr oder weniger) freiwillig entrichtete Beiträge für die Wohlfahrt geklebt.

 

Weiter geht es im Querformat ab 1933.

 

Berlin-Wilmersdorf, Trautenaustraße 11 b/ Sendig

Ab 1933 konnte neben dem Gewerkschaftsbeitrag auch eine Renten-Versicherung abgeschlossen werden. Emmy hatte offenbar keine. Sie blieb bei ihren RM 3,50 pro Monat.

 

Doch, zack, kaum war die oben erwähnte Gleichschaltung unter der NS-Führung vollzogen, stieg der Monatsbeitrag. Auf RM 4,00 und gleich ein Quartal später noch einmal um 20 Pfennige.

 

1935 war man bereits bei RM 4,40 – allerdings griff zu dieser Zeit wahrscheinlich schon das Programm zur Steigerung der Einkommen. Ich glaube, ich hatte das im Beitrag über das Eiserne Sparen schon einmal erwähnt.

 

Bei Lesen der Regeln für alle Verbandsmitglieder wird nun auch deutlich, wieso Emmys Beitrag stetig stieg: Der Mitgliedsbeitrag ist jeweils monatlich im voraus zahlbar, und richtet sich nach der Höhe des Einkommens.

In der Urlaubszeit werden Gemeinschaftsreisen veranstaltet, auch Wochenendfahrten und Wanderungen finden statt.

Das Sommerfrischenverzeichnis des Verbandes weist gute Pensionen nach.

 

Noch mehr Regelungen:

 

Eigenwerbung auf der Rückseite des Mitgliedsbüchleins zeigt Erholungsheime aus dem Urlaubsangebot des Jahres 1932.

 

Die Wichtigkeit der Arbeitnehmererholung wurde früh erkannt und preiswerte Angebote für Familienurlaube auch in der nationalsozialistischen Zeit sowie später in der DDR geschaffen.

 

Als ebenso ordnungsliebende, wie den Ämtern mißtrauende Person, hat Emmy Heinemann übrigens alle Einzahlungsquittungen aufbewahrt um im Bedarfsfall die geleistete Einzahlung auf das Postscheckkonto (links) bzw. an der Verbandskasse (rechts) nachweisen zu können.

 

Die Gute ist übrigens ganz schön alt geworden. Ich glaube, sie ist erst zu Beginn der 1980-er Jahre gestorben. Bei Jahrgang 1890 kam da schon einiges an Lebensalter zusammen. Ob sich ihre Einzahlungen ausgezahlt haben, weiß ich nicht. Die kurze Zeit, die ich sie kannte, hat sie in sehr einfachen Verhältnissen gewohnt.

Nivea-Creme und eine Synagoge


Der Inbegriff für Hand- und Gesichtscreme im mitteleuropäischen Raum ist die NIVEA-Creme. Seit ihrem ersten Auftritt im Jahr 1911 ist das Design der Blechdose mehrfach geändert worden. Jedoch schon immer enthielt sie den Emulgator Eucerit®, ein Wollwachs aus Schafwolle. (mehr Info dazu im Wikipedia-Artikel zu Eucerit)

 

Nivea (wegen der schönen weißen Farbe nach dem lateinischen Adjektiv niveus – das Schneeweiße – benannt) ist eine der drei großen Zugpferde der Beiersdorf AG. (die anderen beiden sind Labello und Tesa)

 

In einem meiner Patentbücher aus dem Jahr 1940 kann man zwei Werbemuster für den italienischen Markt finden, registriert für die Zeit von 1938 bis 1958.

Trademark-Verzeichnis 1940 Nivea

 

Etwas später in diesem Jahr, nämlich am 28. Dezember 1940, ließ sich die Chemische Fabrik Pilot AG in der Schweiz die Markenrechte für Nivea eintragen. Trademark-Verzeichnis 1940 Nivea

 

Was hat die Pilot AG mit Beiersdorf zu tun? Man könnte vermuten, nicht viel. 1940 tobte der zweite Weltkrieg und nicht jeder war Deutschland wohlgesonnen. Wer also nicht mit den Deutschen Geschäfte machen wollte, konnte stattdessen mit der Schweizer Pilot AG Handel treiben. Daß sie zufällig zu 100% Beiersdorf gehörte und zu keiner Zeit auch nur ein Beiersdorf-Produkt hergestellt hat, kann man hier nachlesen.

Ein nicht uninteressanter Punkt in der Firmengeschichte von Beiersdorf ist die Tatsache, daß die 1882 vom Apotheker Paul C. Beiersdorf gegründete Firma bereits 1890 vom Apotheker Oscar Troplowitz gekauft wurde. Er verhalf, nicht zuletzt durch das erworbene Patent zum oben genannten Eucerit, der Firma zum Erfolg.

Oscar Troplowitz stammte (wie übrigens auch Lukas Podolski) aus dem schlesischen Gleiwitz, der Stadt, die 1939 durch einen fingierten Überfall auf den Radiosender, der als Vorwand zum Beginn des Zweiten Weltkrieges verwendet wurde, in die Geschichte eingehen sollte. Er gehörte zu einer wohlhabenden jüdischen Familie. Der Vater, ein Baumeister und Besitzer eines Bauunternehmens, erbaute im Jahr 1861 die Neue Synagoge.

Aktiv am jüdischen Leben in Gleiwitz teilhabend, erhielt Familie Troplowitz sicher gelegentlich Post vom Gemeinde-Vorstand. Um offizielle Briefe zu versiegeln und ihre Unversehrtheit bis zum Empfang nachzuweisen, wurden Siegelmarken verwendet. So auch vom Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Gleiwitz.

Und weil die irgendwie ein bißchen wie eine Dose NIVEA-Creme aussieht, zeige ich sie euch hier gleich noch.

 

Nun wisst ihr wieder etwas mehr über euer Lieblings-Pflegeprodukt, daß Namen nicht immer das sind, was sie verheißen und wie eine Firma zu internationalem Ruhm kommen kann, obwohl der Namensgeber schon lange nicht mehr dabei ist. (Gab es da nicht auch eine Automarke?)

 

Von Streichhölzern, einem Börsenskandal und einer Handyfirma


Familie Fugger hatte im 16. Jahrhundert eine prima Idee, wie man nicht nur Geld verdienen, sondern so richtig Geld verdienen konnte. Man lieh den hochverschuldeten Fürsten dringend benötigtes Geld, verzichtete auf eine Rückzahlung und ließ sich stattdessen ein Handels-Monopol übertragen oder das Privileg, als einziger bestimmte Bodenschätze ausbeuten zu dürfen. Das geliehene Geld bekamen die Fuggers auf diese Weise vielfach zurückgezahlt.

Warum sollte das, was damals funktioniert hat nicht auch 400 Jahre später noch funktionieren? Man nehme einen Kredit in einem reichen Land wie den USA auf, gebe einem durch den verlorenen Ersten Weltkrieg finanziell schlecht stehendem Land wie Deutschland einen Kredit und erbitte sich dafür das Monopol an einer belanglosen Ware des täglichen Lebens.

Ivar Kreuger aus Stockholm hat sich für Streichhölzer entschieden. (Holz gab es in Schweden genug, ein Umstand, den sich einige Jahre später auch sein Landsmann Ingvar Kamprad zu nutze machte und Löcher in Baumteile bohrte um sie anschließend als Puzzle an Menschen zu verkaufen, die versuchten, sich daraus Möbel zu basteln.)

 

Durch stete Zukäufe schuf Herr Kreuger ein weltumspannendes Streichholz-Imperium, dem (Wikipedia:) in den 1930er Jahren rund 150 Tochterfirmen mit 260 Fabriken und 750.000 Mitarbeitern angehörten und das in 33 Ländern den Zündholzmarkt und damit etwa drei Viertel der Weltproduktion kontrollierte. Daneben gehörten Kreuger eine Vielzahl an Berg- und Verhüttungswerken, ein großer Teil der schwedischen Papierindustrie mitsamt den dazugehörigen Wäldern und seit 1930 auch die Mehrheit der Telefonfirma Ericsson. Nicht schlecht. Wer die gesamte Geschichte des Herrn Kreuger inklusive einiger Details seines Selbstmordes kurz bevor das ganze Konstrukt in sich zusammenbrach, der klickt hier.

Wie ihr oben sehen könnt, habe ich damals, es war der 1. Juli 1928, auch Aktien dieses Senkrechtstarters gekauft. Die Unterschriften der beiden Namensgeber der Firma Ivar Kreuger und Paul Toll findet ihr übrigens links und rechts an zweiter Stelle.

Das internationale Flair der Aktie findet ihre Fortsetzung auf der Innenseite, wo derselbe Text wie vorn in französisch und deutsch, hier noch einmal in schwedisch und englisch abgedruckt ist.

 

 

Unmittelbar nach dem Suizid des Chefs ging die Firma den Bach runter. Dadurch lohnte auch der Gang zur Bank nicht mehr, denn die Dividenden wurden nicht mehr gezahlt.

 

Meine Aktie hat übrigens zuerst einer holländischen Firma gehört. Die scheint sich mit ihren Spekulationen etwas vertan zu haben.

 

Um sich ein Streichholz zu kaufen und die Bude anzuzünden wird es trotzdem gereicht haben. Die Zündhölzer gab es ja für kleines Geld an jedem Kiosk zu kaufen.

Die Spiegel-Rubrik „einestages“ hat Herrn Kreuger hier einen schönen Artikel gewidmet. Dieser schließt mit den Sätzen: Das Imperium überlebte den Tod seines Gründers nur kurze Zeit. Nach Bekanntwerden der Ungereimtheiten im Finanzgebaren stießen die meisten Anteilseigner ihre Aktien ab. Der so ausgelöste Börsencrash ging als „Kreuger-Crash“ in die Wirtschaftsgeschichte ein. Wie ein Streichholz knickten Kreugers gewagte und undurchsichtige Finanzkonstruktionen ein. In den USA wurde in Folge von Kreugers Aufstieg und Niedergang eine strengere Finanzaufsicht eingeführt.

 

Viele von euch kennen sicher sogar noch Produkte des Herrn Kreuger. Wenn auch der Chef aus dem Leben geschieden ist, bestanden seine Monopole noch lange weiter. Das in Deutschland erteilte Zündwarenmonopol beispielsweise lief erst am 15. Januar 1983 aus. Bis dahin wurde die Bundesrepublik von diesen Produkten der Svenska Tändsticks AB (STAB) überschwemmt und erleuchtet:

„Welthoelzer DZMG“ von de:Benutzer:Niemayer – German Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Welthoelzer_DZMG.jpg#/media/File:Welthoelzer_DZMG.jpg

Und, habe ich zu viel versprochen? Welthölzer kennt jeder, oder?

 

 

Drogerie gegen Apotheke – der ewige Streit


Manche Dinge ändern sich nur sehr langsam. Ein Beispiel aus den 1930er Jahren soll uns heute zeigen, wie Drogerien schon damals gegen das Recht der Apotheken auf alleinige Abgabe bestimmter Arzneien und Heilmittel gekämpft haben. Geändert hat sich bis heute kaum etwas. In Drogerien stehen noch immer nur sehr wenige Medikamente (z.B. gegen Sodbrennen, Blähungen oder Erkältung) obwohl viel mehr davon durchaus frei verkäuflich sein könnten. Vergleicht man z.B. den Markt in den USA, wo Kopfschmerztabletten in jedem Supermarkt erhältlich sind, stellt sich die Frage, wieso das bei uns nicht funktioniert. Auch in Apotheken bekommt man Aspirin ohne großartige Beratung frei verkauft.

Hier die Geschichte aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, die den Kunden für das Thema sensibilisieren sollte. Klickt auf die Bilder für eine höhere Auflösung!

 

 

 

Pflaster-Verkaufskasten


In meinem Kaufladen-Artikel vom 14. Juni 2014 habe ich euch die Erinnerungsstücke aus meinem Kaufmannsladen vorgestellt. Damals ist bestimmt einigen aufgefallen, daß der Kasten, in dem die Sachen wohnen, nicht wirklich aussieht wie ein Aufbewahrungsort für Kinderspielzeug. Und so ist es auch.

Leukoplast Hansaplast Kaufladen

 

 

Um sie vor dem Wegfliegen, Aufgestaubsaugtwerden und Verschwinden zu bewahren, habe ich all die schönen kleinen Dinge in einen Holzkasten gelegt, der ganz früher in unserer Drogerie stand und Pflaster enthielt. Leukoplast und Hansaplast.

Leukoplast war das eigentliche Pflaster, dieses fleischfarbene oder weiße Gewebeband, mit dem ein Arzt früher z.B. einen Verband zugeklebt hat.

Hansaplast hingegen ist das, was wir heute als Pflaster ansehen. Ein Stück Mullbinde oder anderes Gewebe, das von dem Klebeband umgeben ist und auf das Aua geklebt wird ohne den Kleber direkt ins Blut zu tauchen. Das wäre dann beim Entfernen kontraproduktiv.

Leukoplast Hansaplast Kaufladen

 

 

Wie das Leukoplast, von dem sich wahrscheinlich nichts in meinem Besitz befindet, aussah, könnt ihr hier oder hier nachschauen. Hansaplast habe ich irgendwo und werde es bei Gelegenheit vorstellen.

Der Kasten stammt ungefähr aus den 1920-er oder 1930-er Jahren.

Ein Blick durchs Schlüsselloch – frivoles aus den Nachttischen unserer Eltern und Großeltern


Lasst euch von euren Eltern oder Großeltern noch einmal erzählen: „So etwas hat es bei uns früher nicht gegeben!“. Alles Lüge! Wie ich euch schon bei der Vorstellung meiner Gesellschaftsspiele-Bücher aus den Jahren 1901, 1912 und 1920 erzählt habe, hatten es auch unsere Altvorderen faustdick hinter den Ohren. Ein Beispiel kommt hier. Bilder und Text lassen es mich auf die mittleren 1930-er Jahre datieren. Ich mag mich irren und nehme Berichtigungen gern an.

Für alle, die der Fraktur-Schrift nicht mächtig sind, füge ich die Transkription als Bildunterschrift ein.

Ein Blick durch’s Schlüsselloch!

 

 

An einer Tür ich kürzlich stand, Durch’s Schlüsselloch blickte und fand! Im Bettchen liegen, Karl und Klärchen, Ein jungvermähltes Ehepärchen. Von beiden sah ich nur die Füße, Womit ich Euch jetzt hier begrüße. Was ich gesehen, will ich schildern, Nachfolgend, in verschied’nen Bildern.

 

Ausgestreckt sind beide Beine, Jeder schläft für sich alleine. Friedlich schläft das junge Pärchen, Karlchen und sein liebes Klärchen. Doch der Schlaf ist nicht von Dauer, Klärchen packt ein süßer Schauer. Sie verspüret unbewußt – „Liebeslust“

 

Karl der ist auch erwacht, – Links= und rechtsum wird gemacht. Jetzt beginnt der schöne Reigen, Das werden Euch die Füße zeigen. Auch dies Bild ist unerklärlich. Es scheint, die Sache wird gefährlich? Himmelwärts stehen zwanzig Zehen, – Wie soll das bloß weitergehen?

 

Jedes Ding hat seinen Schluß, Selbst der himmlischste Genuß. Wie das alles weiter geht, Auf der nächsten Seite steht. Nun in ihrem Bett so süße, Ruhen aus, die zwei Paar Füße. Träumend liegen Karl und Klärchen; Denn zu Ende ist dies Märchen.

 

Die Moral von der Geschicht‘ Neugier ist so übel nicht. Lauschend hat man mitgemacht Eine schöne „Hochzeitsnacht“. Leider hat von alledem Man die Füße nur geseh’n. Sollt‘ sich Weit’res draus entfalten, Will ich’s Euch nicht vorenthalten.

 

Soso. Damit haben sich unsere Großeltern wohl seinerzeit auf die eigene Liebesnacht vorbereitet? Oder wurde das Heftchen heimlich in der Oberstufe herumgereicht, bis der Lehrer es bemerkte und einsammelte? Man weiß es nicht mehr.

 

Alexanderwerk – Remscheid


Die Alexanderwerk AG aus Remscheid ist etwas Besonderes. Sie war die erste börsennotierte Aktiengesellschaft in Deutschland. 1885 von Alexander von der Nahmer gegründet, führten seine Söhne sie schließlich 1899 an die Börse und legten den Grundstein für eine 100 Jahre andauernde Erfolgsgeschichte.

Aber womit konnte man damals viel Geld verdienen? Haushaltsgeräte oder damals noch Haushaltsmaschinen genannte Helfer für die Küche waren ein gefragtes Gut. Made in Germany bedeutete seinerzeit noch, Qualität zu erwerben an der man lange Freude haben würde.

Zum reichhaltigen Programm der Alexanderwerk AG gehörte neben Brotschneidern, Reiben, Fruchtpressen, Christbaumständern und Waagen auch unser heutiger Artikel – ein Fleischwolf.

 

 

Unten mit Schraube um ihn am Tisch oder der Arbeitsplatte zu befestigen. Eine große Kurbel mit Holzgriff um den nötigen Druck auszuüben mit dem das Fleisch vom Einfülltrichter nach vorn gepresst wurde.

Ich hab ihn euch hier zerlegt. Rechts ist das Schraubrad zu sehen, mit dem das Lochscheibe, durch die das Fleisch oder der Fisch gewolft wurde. (dieses Verb gibt es tatsächlich) Damit aber keine langen, sehnigen Streifen aus der Lochscheibe quillen, rotiert im Innern die Messerscheibe, das windmühlenförmige Teil oben rechts. Es schneidet das Brät oder Hack innen, so daß aus der Lochscheibe das allseits beliebte, krümelige Hackfleisch ans Tageslicht kommt.

 

 

Den Stofffetzen hat damals meine Oma in das Gewinde mit eingedreht. Wahrscheinlich war nicht alles so dicht, wie man sich das gewünscht hat.

Und denkt immer dran: Hackfleisch unterlag bis 2007 der in Deutschland sehr streng kontrollierten Hackfleischverordnung und ein 4-stündiger Kurs zur Erlangung des sogenannten „Bouletten- oder Klops-Scheins“ musste von Mitarbeitern im Gastronomiegewerbe belegt werden. Die Hackfleischverordnung gibt es nicht mehr, jetzt ist sie in der Tierischen Lebensmittel-Hygieneverordnung enthalten, aber den Bouletten-Schein braucht man noch immer.

Der Hut im Spiel


Ein Hut hat ja normalerweise mit spielen nicht viel zu tun. Und trotzdem findet man ihn gerade bei Brettspielen recht häufig. Aus praktischen Gründen des Stapelns wird aber für gewöhnlich nicht der Hut in der Form benutzt, wie René Magritte ihn zu tragen und zu malen pflegte. Stattdessen kommt der gedrehte Tütenhut zum Einsatz.

Esel

 

Dieses schöne Würfelspiel hat mich als Kind ebenso begeistert wie auch heute noch:

Fang den Hut

 

 

Die Spielweise ist ähnlich wie bei Mensch ärgere Dich nicht! und Malefiz. Einsetzen, losrennen und versuchen, den Gegner zu fangen.

 

Im Unterschied zu den anderen beiden Spielen wird hier aber nicht rausgeworfen, sondern – und hier bewährt sich die Form der Spielfigur – der eigene Hut auf den gefangenen aufgesetzt.

 

Eine neuere Variante des Spiels (ca. 1950/1960) kommt in einer Reisedose,

 

heißt

 

und hat auf der Rückseite

 

 

Leider fehlen mir hier schon ein paar Hüte. Wie gut, daß ich noch das andere Spiel habe.

 

Fang den Hut wird übrigens gern mit dem Hütchenspiel verwechselt. Das sieht aber so aus

 

und wird auch komplett anders gespielt

 

Schnipp – plopp.

 

Damit ist meine heutige Lehrstunde zum Thema Hut beendet. Ich wünsche euch immer einen Hut an der Spitze oder in der Mitte des Feldes und viel Pech im Spiel, denn der Volksmund sagt ja „Pech im Spiel, Glück in der Liebe!“ und was ist schon wichtiger als die Liebe? Nichts!

 

 

Taschen-Guillotine


Da ich Nichtraucher bin, kenne ich den heutigen Artikel nur aus der Theorie.

Es handelt sich um einen Zigarrenabschneider. Aufgrund seiner Funktionsweise – man zieht die Rasierklinge heraus, steckt die Zigarrenspitze in eines der beiden Öffnungen und schneidet die Spitze durch Hereindrücken des Messers ab – wird der Zigarrencutter auch gern Taschen-Guillotine genannt.

Zigarren-Schneider

 

Ich habe natürlich die Datenbank des Deutschen Patentamtes nach dem oben angegebenen Deutschen Reichs-Patent D.R.P. 529844 durchsucht. Soll ich euch etwas sagen? Ich habe es gefunden. Es war nicht ganz einfach, da das Patent am 3.8.1938 durch das verbesserte Patent 1442252 abgelöst wurde. Als Begründung schreibt der Erfinder Ingenieur Gottfried H. Cullmann: „Der in der Patentschrift Nr.529844 beschriebene Zigarrenabschneider hat eine unzweckmäßige Verbindung von Klinge, Halter und Hülse, indem ein lösbarer Verbindungsstift zur Verwendung kommt.  Abgesehen davon, dass dieser Stift, sei es eine Verschraubung, sei er in der Art eines Druckknopfes ausgeführt, leicht verloren gehen, sich auch von selbst lösen kann und wegen der Kleinheit schlecht zu montieren ist, bleibt beim Entfernen des Stiftes die Klinge in der Hülse stecken.“

Mehr im gesamten Patentantrag, den ihr hier findet. (Quelle: depatisnet.dpma.de) DE000001442252U_all_pages

Interessant sind an diesem Gerät zwei Dinge:

  • man hat im Vergleich zu anderen Zigarrenschneidern nur eine Öffnung für die Spitze der Zigarre; sonst kann man die gesamte Zigarre durchstecken und auf die Art unnötig viel abschneiden;
  • die Löcher für die Zigarrenspitzen sind oval statt rund; die Erklärung liefert uns Herr Cullmann auf Blatt 2, zweiter Absatz: „Weiterhin liegt der vorliegenden Anmeldung eine von allen bisherigen Zigarrenabschneidern abweichende Einstecköffnung für die Zigarre zugrunde. Da die Zigarren an der abzutrennenden Spitze niemals genau rund sind und meist einen ovalen Querschnitt aufweisen, so ist die bisher gebräuchliche runde Einstecköffnung unzweckmäßig.“

Den Tabakwaren-Großhändler E.A.Riedmüller habe ich zwar nicht gefunden, allerdings hat sein Sohn Bruno das Geschäft übernommen und war laut dem Adressbuch der Stadt Erfurt von 1950 noch immer im Geschäft in der Reichartstrasse 4. seht hier.

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