Ski heil – mit dem Auto zum Skirennen – 1931


Als ich euch hier die Plakette vom Kühlergrill meines großelterlichen Autos vorstellte, habe ich euch verschwiegen, dass es noch eine zweite gab. Die kommt heute an die Reihe.

Was hier so bescheiden als „Skirennen des Internationalen Ski-Verbandes Oberhof in Thüringen von 1931“ bezeichnet wurde, war eigentlich die Weltmeisterschaft. Wer ein paar Details möchte, klicke hier und möge sich mit mir freuen, dass ich die dort abgebildete Plakette in emaillierter Form besitze. Das Auto dazu gibt es leider nicht mehr.

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Mit Gott – Geschäftsbuch eines Goldschmieds – 1905 bis 1931


Vor zehn Wochen habe ich euch versprochen, zum Tagebuch des Goldschmieds Adolph Tresselt auch das zweite seiner Geschäftsbücher nachzureichen. Das passiert heute.

Der Grund, warum ich so lange damit gezögert habe ist der wesentlich größere Umfang, sowohl zeitlich als auch inhaltlich.

 

Damals üblich, heute vermutlich höchstens noch in Bayern möglich, wurde das Buch mit einer schönen Vignette und dem Aufruf „Mit Gott!“ eingeleitet.

 

 

Das Format der Einträge ist recht einfach nachzuvollziehen. Zu Beginn gibt es einige Seiten, die jeweils einem Geschäftspartner gewidmet sind. Den Einträgen zufolge hat unser Herr Tresselt Aufträge anderer Geschäftsleute, wahrscheinlich Juweliere ausgeführt. Ich zeige euch die Einträge für Herrn Christoph Becker, einen Goldwarengroßhändler aus Dresden, Wilsdrufferstraße 9.

 

 

Als sparsamer und gewissenhafter Geschäftsmann nutzte man jedes Stück freie Seite aus – wie z.B. nach Erlöschen der Geschäftspartnerschaft mit Firma Becker und fertigte auf der übrigen halben Seite Kopien von abgesandten Briefen an. Hier zwei Briefe von 1917, also 9 Jahre später.

 

Versicherungen:

 

Detail:

 

Wie weit die Gewissenhaftigkeit ging, sehen wir auf dieser Seite, die ich euch im Anschluß abgeschrieben habe:

Mutter hat an Wäsche erhalten:

14. Juni – 7 weiße Taschentücher, 1 rotes, 1 grünes Taschentuch, 4 Tricothemden, 1 graue Hose, (irgendwelche) Kragen

Raggs Waschanstalt:

23. August 1920: 3 Stück Bettücher, 2 “ Bettbezüge, 3 “ Kopfkissenbezüge, 1 “ Steppdeckenlaken, 1 Oberhem mit Piqué-Einsatz

zurück erhalten am 3. September 1920, Betrag Mk 10,05

 

 

Hier beginnt das eigentliche Kassenbuch:

Im Januar 1921 wurden Ausgaben verzeichnet, wie z.B. am 1. Januar eine Rückzahlung über Mk 50,- an die uns schon bekannte Tante Toni und eine Ausgabe für Pneumatik an ihren Ehemann Rudolf.

Am 4. wurde ein Brod für 4,70 gekauft.

Am 11. (rot unterstrichen) musste ein neuer Glühstrumpf gekauft werden. Was das ist? Seht hier.

Milch, Bückling, Semmeln, Zucker, Brötchen, Nudeln, Fett, 2 Pfund Marmelade, Butter – er hat wirklich alles aufgeschrieben.

 

Februar 1921

Schaut euch mal die Rechnung am linken Rand an. Kann jemand herausfinden, was dort addiert wurde? Es sind fast die Beträge aus den rechten Spalten, aber eben nur fast.

 

März 1922 – Die Preise fingen im Schlepptau der Reparationszahlung nach den verlorenen Ersten Weltkrieg an zu steigen.

 

Springen wir zum November desselben Jahres, sehen wir, wie die ersten vier Wochen der beginnenden Hyperinflation sprichwörtlich zu Buche schlugen. Innerhalb der letzten 12 Monate war der Wert der Mark auf ein Zehntel gefallen. Eine Mark war somit nur noch 10 Pfennige wert.

 

Der Dezember brachte erneut eine Verdopplung der Einnahmen und die Spalte am linken Rand begann eng zu werden. Am 13. und 18. 12. war ein Brod noch für 252 Mark zu haben.

 

 

Januar 1923 – Brod 266 bis 450 Mark, auch hier ging es an’s Eingemachte. Am 9. amerik. Dollar für 8800 Mark eingetauscht, am 26. zwei Krönungstaler auf dem Postamt für 9000 Mark eingewechselt.

 

 

Februar 1923 – Brod 550, ein Brathering 500, Chocolade 2000 und zwölf Pfannkuchen 1200 Mark

 

Mai 1923 – Brod 690 und 760 Mark

 

 

Im Juni 1923 wurden die Nullen in den Preisen nochmals mehr, Brod 2280 bis 2620 Mark

 

 

Juli 1923 – Brod 3720, 2 Semmeln, 2000 Mark

 

Irgendwann war die Inflation überstanden, es gab neues Geld und das Leben ging weiter. Allerdings pegelten sich die Aufträge auf niedrigerem Niveau ein. 1927 reichte eine Seite schon für zwei Monate.

 

 

Zwischen den Seiten findet sich hier und da so manche Notiz.

Da mein Schreiben vom 26. Juni bis jetzt unbeantwortet blieb, erlaube ich mir Ihnen einliegend 1 Tratto (Abschnitt) über mein Guthaben per Ende Februar 07 nach Abzug von 10 % auf brutto Mk 190,30 netto per 31.7.07 zu geben & bitte mir dieselbe mit Ihrem Receipt versehen baldigst retournieren zu wollen.

Hochachtend gez Steinwehr

Weiter hinten habe ich noch eine Geschäftspartner-Seite mit Eintragungen von 1906 gefunden. Ob eine Spazierstock-Fabrik heute noch florieren würde? Ich wage es zu bezweifeln.

Das neuesten Einträge, die sich seltsamerweise nicht am Ende des Buches befinden, sind vom April 1931. Das hier jedoch als letztes eingetragen wurde, lässt das Löschblatt erahnen.

Weit hinten im Buch weitere Geschäftspartner:

Das Privat-Conto mit Unmengen von Vergleichspreisen. Wer sich dafür interessiert, wird hier fündig. 4. Mai 1921, 1 Brod 50 Pfennige

Weitere Ausgaben – man beachte am 14. Dezember 1916 Außergewöhnliches 1/3 Anteil für 6 Mk. Das dürfte ein Drittel-Los der Weihnachtslotterie gewesen sein. Am 21. und 31. 12. gibt es den Eintrag „Bad 60 Pfg.“. Hier ist Herr Tresselt wohl in eine Badeanstalt gegangen und hat ein Wannenbad genommen.

Zum Schluß dieses Artikels, obwohl das Buch noch viel mehr zu bieten hat, noch ein Beispiel des größten Desasters, daß einem Geschäftsmann widerfahren kann. Ein Fehlbetrag von Mk 25,06 in der Kasse.

 

Tanz und Spionage – H 21


Heute auf den Tag genau vor 108 Jahren, am 15. Dezember 1906, schrieb das Neue Wiener Journal: „Die Barfußtänzerin ist vieux jeu, die Künstlerin up to date zeigt mehr [… Ihre]  Tänze seien ein Gebet … der Inder tanzt, wenn er die Götter ehrt. [Sie] selbst tritt gemessenen Schrittes ein. Eine junonische Erscheinung. Große, feurige Augen verleihen ihrem edel geschnittenen Gesicht besonderen Ausdruck. Der dunkle Teint – offenbar Erbstück von Großpapa Regent – kleidet sie prächtig, eine exotische Schönheit ersten Ranges. Ein weißes faltiges Tuch hüllt sie ein, eine rote Rose schmückt das tiefschwarze Haar. Und [sie] tanzt […] Das heißt: sie tanzt nicht. Sie verrichtet ein Gebet vor dem Götzenbild, wie ein Priester den Gottesdienst.“

Um wen ging es denn hier? Margaretha Geertruida Zelle, Marguerite Campbell und Lady Gretha MacLeod kennt heute niemand mehr und auch zu ihrer Zeit hat dieser Name wahrscheinlich kaum irgendwo ein lüsternes Blitzen in den Augen eines Mannes hervorgerufen. Anders war es, wenn ihr Künstlername fiel. Mata Hari kannte zu Zeiten des Ersten Weltkrieges jeder und auch heute weiß so mancher, wer sich hinter dieser Frau verbarg.

© Wikipedia

 

Angefangen hat sie als Tänzerin. Aber auf seinerzeit unübliche Art, zeigte Frau Zelle mehr Haut als ihre Tanzgenossinnen. Auf diese ebenso alte wie beliebte Weise öffnete sie sich die Türen zur Männerwelt, nicht zuletzt die Türen zu den Herzen (und Schlafzimmern) der einflußreichsten Herren der Zeit. Denn ganz ehrlich: Wer ist um 1906 nicht von so einer Grazie in Träumerei verfallen?

© Wikipedia / Lucien Walery

Wikipedia weiß zu berichten: „Das Jahr 1905 war das erfolgreichste für Mata Hari. Sie gab 35 Vorstellungen, verdiente pro Abend rund 10.000 Franc“.

Elf Jahre später hatte Mata Hari bereits einige Aufträge als Spionin angenommen, die allerdings eher weing Erfolg hatten. Wer mehr darüber wissen möchte, liest hier weiter.

Ich komme hingegen zum eigentlichen Artikel des heutigen Tages, einem über 3 kg schweren (mehr gibt meine Küchenwaage nicht her) und 688 Seiten dicken Buch mit dem Titel:

 

Erschienen erst 1931, versammelt es alle Informationen der damaligen Zeit zum Thema Spionage in der Zeit des Ersten Weltkrieges, die man hiermit glaubte enthüllen zu können.

Wer mag, kann sich das Inhaltsverzeichnis ansehen

 

Schlägt da nicht das Herz jedes Yps-Lesers höher?

Generalmajor Paul von Lettow-Vorbeck – der Afrika-General in den deutschen Kolonien während des Ersten Weltkrieges und euch schon aus diesem Artikel bekannt, hat das Werk zusammengetragen und erfreut uns mit einem Vorwort:

 

Amüsant wird es, wenn die Tricks des Spions – hier Spionin – enthüllt werden:

Der Trick der dänischen Baronin Carla Jenssen. Oben: Das Narkotikum wird auf die Lippen gestrichen. Unten: Die Wirkung des Kusses.

Sollte das wirklich funktionieren? Ist nicht der Großteil der Spioninnen nach dem verführerischen Über-die-Lippen-Lecken selbst eingeschlafen?

oder hier:

Belgische Spionin, welche in Gent in der Verkleidung eines Stubenmädchens arbeitete und mit unsichtbarer Schrift auf ihren Körper geschriebene Nachrichten übernahm.

Ging das nicht einfacher?

Es werden „geschmuggelte Nachrichten hinter dem Glasauge eines einäugigen Spions“ und „eine Puderquaste eines Barmädchens aus Lille, in welcher diese auf dünnstes Papier geschriebene Nachrichten verwahrte“ vorgestellt.

Wenn es schiefging, wurde die Schöne – wie hier die als Spionin „H 21“ geführte Mata Hari –  verhaftet, in eine Zelle geworfen und schließlich hingerichtet.

Aber es gab auch andere Wege der Agententätigkeit. In alter Zeit vergiftete man die Brunnen, effektiv war aber auch die gezielte Ansteckung des Feindes mit eingeschleppten Krankheiten. Aber nicht mit uns:

Schutzmaßnahmen gegen die planmäßige Verseuchung des deutschen Heeres: Abtransport kranker Frauen

Schließlich möchte ich den Kreis der Spionage mit einem Artikel über Mata Hari schließen. Der ist auf jeden Fall cooler, als der in Wikipedia (wenn vielleicht auch nicht so vollendet recherchiert, aber wen kümmern schon trockene Fakten, wenn man eine spannende Agenten-Geschichte bekommen kann?)

 

Tot ist sie. So, wie unverhältnismäßig viele Spione. Das Buch wartet auch mit einer Unmenge von Hinrichtungs-Fotos auf. Abgeschlagene Köpfe, aufgespießte oder an auf den Rücken gedrehten Armen aufgehängte Übeltäter sind nur die Spitze(l) des Eisbergs.

Ein Riesenbuch, das man immer mal wieder in einem Antiquariat findet. Wer es sich nicht selbst kaufen will, kann mich ja besuchen kommen und es sich anschauen. Allerdings bezweifele ich, daß derjenige bis zum Buch vordringt, weil er/sie schon auf dem Weg dorthin an anderen Ah’s und Oh’s stecken bleibt.

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