Opel-Mehl


Daß der Name Opel früher für mehr, als Autos stand, wisst ihr spätestens seit meinem Artikel über Opel-Fahrräder (hier) und Opel-Zwieback (hier). Ein aufmerksamer Besucher meines Museums hat bei sich eine Dose auf diesem Bild

wiedererkannt und mir freundlicherweise zukommen lassen. Schaut mal links oben.

So sieht sie aus:

 

Zwar sind die Papieretiketten im Lauf der Zeit abgefallen, aber ich habe mal nachgewogen: es passen ca. 340g Weizenmehl hinein. Meine Vermutung ist, daß Kindermehl eher leichter ist und wir hier die kleine Dose zum Preis von RM 0,89 vor uns haben.

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Dias für den Unterricht


Als ich zur Schule ging, gab es sie noch – Lehr-Dias.

Egal, ob Bauwerke oder Zellkerne, per Diaprojektor wurde der Lehrstoff an die Wand geworfen. Meist gab es dazu noch ein Arbeitsblatt, das ausgefüllt wurde.

Aber welcher Fotograf verbringt seine Zeit damit, Fotos für den Unterricht an Schulen und Universitäten aufzunehmen? Ist es tatsächlich ein lukratives Geschäft, Mikroben durch’s Mikroskop oder Blätter von Eiche, Buche und Ahorn zu fotografieren? Scheinbar schon.

Dr. Franz Stoedtner war einer dieser Fotografen. Als Kunsthistoriker entdeckte der 1870 geborene Berliner die Fotografie und gründete 1895 das „Institut für wissenschaftliche Projektion“ mit einem Verlag für Lichtbilder, das später als „Lichtbildverlag Dr. Franz Stoedtner“ weiter bestand.

Die Webseite Fotoerbe weiß:

Mit ca. 200.000 Negativen war es bis zu seinem Ankauf das zweitgrößte Archiv zur Kunstgeschichte in der Bundesrepublik. Seine Übernahme ist aber nicht nur deshalb bedeutsam, sondern vor allem, weil Dr. Franz Stoedtner im Gebiet der Fotografie Lehrmeister und Vorbild Richard Hamanns gewesen ist. Die Vereinigung des Stoedtner-Archivs mit Foto Marburg darf deshalb getrost als ein wichtiges Ereignis in der Geschichte der kunstgeschichtlichen Dokumentation bezeichnet werden. Die Aufnahmen des Archivs stammen überwiegend aus der Zeit von 1895 bis 1940. Neben den kunsthistorischen Aufnahmen finden sich solche zum „Städtebau“, zur „Schweizerischen Geschichte und Kultur“, zu „Deutschlands Ringen nach Weltgeltung“, zu „Völkertypen“, zu Ingenieursbauten“, zu „Reisen des Norddeutschen Lloyd“, zur „Geschmacks-Kunde“, zum „Leben in den Athos-Klöstern“, zu „Fliegenden Menschen“ usw. Jahrzehntelang war es die Spezialität Dr. Franz Stoedtners, die deutschen Schulen mit Lichtbild-Reihen zu versorgen.

Ich habe zwar hier keine Lichtbilder für euch, aber als Freund der Werbung habe ich euch einige Dokumente herausgesucht, in denen die Firma Stoedtner in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkrieges für ihre Lichtbildserien warb.

Beginnen wir mit den Bildern, die auszugsweise auch spätere Klassen noch bestaunen durften: „Tiere des deutschen Waldes“, „Tiere zwischen Nord und Süd“, „Biologien“ (20 Bilder zur Lachmöwe: RM 24,-; 17 Bilder des Drosselrohrsängers: RM 20,40) und „Der Mensch“ (Geschlechtskrankheiten: 40 Bilder: RM 48,-; das erinnert mich an dies)

In meiner Schulzeit fielen allerdings die ganz oben beworbenen Bildreihen zur Erbkunde und Rassenkunde weg.

Die Rückseite:

Bildbänder? Sagt man so? Hier sind die Bilderserien einzeln aufgeführt. Oben: nationalsozialistisches Wissen, unten Allgemeinwissen.

In fröhlichem Pink geht es weiter mit der Bilderserie „Unsere Wehrmacht“. Lest selbst:

Die Kriegsmarine wurde vom ehemaligen Leiter der Nachrichtenabteilung des Admiralstabs der Marine von März 1914 bis Februar 1918 Fregattenkapitän Walter Isendahl zusammengestellt.

„Deutschlands Streben nach Weltgeltung“ fand in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg unter den Nachwirkungen des Versailler Vertrags besonders großen Anklang. Man wollte auf der großen Bühne wieder mitreden.

Deutlicher wurde es dann auf dem nächsten Blatt:

Rassenkunde, Erbkunde, Bilder zur nationalen Erhebung. Man kennt das zur Genüge.

Die meiste Verwendung fand damals die ganz unten angeführte Serie: „Luftschutz ist Selbstschutz“.

Das letzte Blatt wirbt für Lichtbildreihen für Schulen der nationalpolitischen Ausbildung. Diese Schulen sind als Napola bekannt geworden.

Das komplette Programm hier:

(Odalrecht: hier)

(Außendeutschtum: hier)

Es gab natürlich wesentlich mehr Bildserien mit unpolitischen Themen. Die Deutsche Fotothek hat einige der heute im Deutschen Fotoarchiv Marburg aufbewahrten Dias digitalisiert und sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. seht hier

Opel-Zwieback


Heute gibt es schon wieder einen Beitrag zu einem Produkt, das mich anfangs in die Irre geleitet hat. Diese schöne Gewichts- und Ernährungstabelle ist ein Werbegeschenk der Leipziger Zwiebackfabrik H. O. Opel.

Entgegen meiner ersten Vermutung, ist Herr H.O. (wahrscheinlich Hans- oder Heinrich-Otto) nicht mit den Rüsselsheimer Autobauern verwandt. Die Fabrik zur Herstellung von Zwieback, der manchmal Kinderkalk-Zwieback, oder Kindermehl-Zwieback betitelt wurde, bestand seit 1878 in Leipzig. Neben Zwieback wurden weiterhin das besagte Kindermehl (das hoffentlich nur für und nicht aus Kindern gewonnen wurde) und Kekse hergestellt. Ob es die Kekse bereits 1878 gab und ob sie damals ebenso wie die hier beschriebenen Bahlsen-Kekse auch noch Cakes hießen, konnte ich nicht herausfinden.

Wozu Opel-Zwieback verwendet werden konnte, sehen wir, wenn wir die Gewichtstabelle auseinander falten. Ein Klick auf’s Bild lohnt sich.

Opel’s Kalk-Kindermehl für den ersten Schleimzusatz zur Flasche und Opel Zwieback als erste breiige Beikost. Das klingt aber lecker!

Auf der rechten Seite gibt es Hinweise zum „regelmäßigen Wägen und Vermerken des Gewichtes“ und den Hinweis „Frage die Fürsorge oder den Arzt nach der Nahrungszusammensetzung“.

Wusstet ihr, daß ein Kind im ersten Lebensvierteljahr wöchentlich 180-200g zunehmen sollte, später 150g und gegen Ende des ersten Lebensjahres 100g wöchentlich? Nach einem halben Jahr sollte es das Doppelte des Geburtsgewichtes und zum 1. Geburtstag das Dreifache wiegen.

Damit man den Überblick nicht verliert, befindet sich auf der Innenseite die eigentliche Tabelle:

Was man da nicht alles eintragen konnte. Rechts gibt es die Ideallinie für das gedeihende Kind und 52 Spalten – eine für jede Woche.

Eingetragen wurde hier nichts. Die Beispielzeile gibt als Datum 1935 an. Das erleichtert die Datierung ungemein.

Dieses äußerst nützliche Prospekt für die junge Mutter ist das letzte verbliebene Exemplar, das in unserer Drogerie seinerzeit den Kundinnen überreicht wurde.

Trautes Heim – kein Glück allein


Ich habe ein paar Fotos gefunden.

Vor einigen Monaten habe ich euch über die Geschichte meiner Oma und ihrer ausgebombten Wohnung erzählt. Dieser Artikel hat viel Resonanz erzeugt. Ebenso die Geschichte zum Schicksal meines Opas.

Daher bin ich besonders stolz, daß ich diese wenigen Fotos der Wohnung gefunden habe, in der meine Oma zur dreifachen (eigentlich sogar vierfachen) Mutter und einfachen Witwe wurde und die ihr letztendlich über dem Kopf weggebombt wurde.

Meine Oma und mein Opa sitzen frisch verheiratet in der ersten (und einzigen) gemeinsamen Wohnung. Er in zivil, eine Zigarette drehend, sie in ein Buch vertieft.

Weitere Fotos mit dem Esstisch, vier Stühlen, einem Buffet mit der typischen 1930-er-Jahre Uhr und daneben eine Blumen-Etagere.

Unten links die Küche mit Herd, Waschtisch, Küchenwaage, Brotschneidemaschine und einer Küchenuhr, die mir in der Vergangenheit schon mehrfach begegnet ist.

Schließlich unten rechts, der Ort an dem indirekt auch meine Geschichte begann – das Schlafzimmer mit Ehebett, Kommode und Dreifach-Spiegel.

Einfach eingerichtet aber zweckmäßig. Wieviele Zimmer es in der Wohnung insgesamt gab, weiß ich nicht. Da aber zumindest für kurze Zeit drei Kinder und eine Mutter dort gewohnt haben, sollten es mindestens zwei gewesen sein.

Da meine 1937 geborene Tante bei der Wohnungseinrichtung noch nicht berücksichtigt gewesen zu sein scheint, datiere ich die Fotos einfach mal auf 1935/36.

Victor Klemperer-Tagebücher 1933-1945


Etwas außer der Reihe möchte ich auf den Buchstory-Blog von Pia verweisen. Sie ist 16, liest und rezensiert Bücher und in ihr habe ich dankbar eine Rezensorin meiner Tagebücher von Victor Klemperer gefunden.

Und weil sie das wirklich großartig macht, empfehle ich euch, mal selbst einen Blick in ihren Blog zu werfen. Sie arbeitet die 8 Bände mit was-weiß-ich-wievielen-hundert Seiten durch, ist gerade im Jahr 1939 angekommen und ihr könnt hier ihren Artikel lesen. Es lohnt sich!

Freiwilliger Arbeitsdienst – 1934


Der Freiwillige Arbeitsdienst – der Vorgänger des im Juni 1935 gegründeten Reichsarbeitsdienstes – war eine Maßnahme der Weimarer Republik um Arbeitslose mit größtenteils öffentlichen Baumaßnahmen zu betrauen oder aus Ödland Nutzflächen zu schaffen. Dabei wurden zumeist junge Arbeitslose eingespannt.

 

Inwieweit der Freiwillige Arbeitsdienst freiwillig war, sei dahingestellt. Eines seiner Mitglieder möchte ich euch heute vorstellen. Der am 11. Dezember 1914 geborene Karl-Georg Moschini – der also am heutigen Tag 100 Jahre alt geworden wäre –  war vom 18.10.1934 bis zum 30.9.1935 Mitglied im F.A.D. Ein Vermerk zu seiner Entlassung gibt Aufschluß über die Freiwilligkeit. Grund der Entlassung aus dem F.A.D.: „Ablauf der Pflichtzeit“

 

Ich gehe also davon aus, daß es eine Art Pflichtjahr für Arbeitslose im Arbeitsdienst gab. Bei genauer Betrachtung vielleicht gar keine so schlechte Erfindung.

Ich will Arbeitslose nicht als faul bezeichnen, erinnere mich allerdings noch an meine 3 Monate Pause nach Konkurs meines Arbeitgebers. Die ersten 6 Wochen habe ich genutzt, um mich zu erholen. Das war recht angenehm. Aber danach fing ich an, an meinem Nutzen zu zweifeln. Ist man jedoch über diese Stufe erstmal hinweg, gewöhnt man sich bestimmt irgendwann an das Nichtstunmüssen und hat dann keine Lust mehr, wieder mit der Arbeit anzufangen. Das ist nicht gut.

 

Legitimationskarte für Handlungsreisende – 1935


Ist man als Handlungsreisender, Kaufmann oder Handlungsagent unterwegs, muß man sich ausweisen. Damit soll dem Missbrauch und Betrug Einhalt geboten werden.

Im Deutschen Reich musste jeder Kaufmann eine Legitimationskarte besitzen und auf Verlangen vorzeigen. So auch Dr. Fritz Klauber.

 

 

Wer war Dr. Fritz Klauber? Ich habe keine Ahnung, weiß aber, daß er reisender Postkarten-Verkäufer war. Das war meiner Auffassung nach ein recht undankbarer Beruf. Man tingelte von Geschäft zu Geschäft, immer in der Hoffnung einige Dutzend der mitgebrachten Karten verkaufen zu können. Das große Geschäft hatte man gemacht, wenn ein Händler sich Folge-Lieferungen bestellte.

Die Innenseite des Ausweises verrät uns, daß Herr Dr. Klauber fünf Reichsmark und achtzig Pfennige Gebühr bezahlen musste um diesen Ausweis zu erhalten. Aber ganz ehrlich, besonders die Damen, könnten Sie sich weigern, solch einem schmucken Herrn Postkarten in großer Zahl abzukaufen?

 

Sofern Herr Dr. Klauber auch schon zu Zeiten der Lebensmittelknappheit unterwegs gewesen sein sollte, sind ihm sicher auch die hier vorgestellten Reisebrotmarken von Nutzen gewesen.

 

 

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