Filmvorführkarte – 1943


Heute habe ich etwas für euch, das ich erst vor wenigen Tagen auf dem Flohmarkt gefunden habe.

Das ist eine Faltkarte, die einem Filmvorführer gestattet, den genannten Film in seinem Kino vorzuführen. Nicht jeder x-beliebige Film durfte nach Lust und Laune gezeigt werden. Alles musste von der Film-Prüfstelle koordiniert werden. Das ist auch heute noch so. Diese Stelle legt fest, ob ein Film für Zuschauer ab 0, 6, 12, 16, 18 Jahren oder nur von Erwachsenen angesehen werden darf.

In unserem Fall wurde der Deutschen Film-Herstellungs- und Verwertungsgesellschaft m.b.H. (aus Berlin-Tempelhof) die Erlaubnis erteilt, den Film „Deutsches Land in Afrika“ von 1939 vorzuführen. Die Webseite dieser Gesellschaft findet ihr hier, die Infos zum Film hier.

Auf der Vorder- und der ersten Innenseite findet ihr eine kurze Beschreibung des Teams und des Inhalts. Die Inhaltsangabe ist jedoch recht ungenau. Wer sich den Film anschaut, wird bemerken, dass hier neben dem beschriebenen Inhalt auch über den „Kolonialraub durch die Gegner im Weltkriege mit der Begründung der Kolonialen Schuldlüge“ und die „Behauptung, Deutschland habe die Eingeborenen misshandelt und sei unfähig zu kolonialisieren.“ (Zitate) gearbeitet wird.

Das Werk bestand aus 4 Filmrollen, deren Länge ihr hier seht. So wusste der Vorführer, wann der Rollenwechsel bevorstand.

Beachtet bitte die Notiz: Der Film ist staatspolitisch wertvoll und volksbildend. (Diese Anerkennung hat Gültigkeit bis 31. Mai 1945.)

Der Film kursiert auf YouTube. Wer ihn sich ansehen möchte, klickt hier.

Dass sich alle Kolonialmächte nicht mit Ruhm bekleckert haben, hatte ich euch seinerzeit schon einmal hier erzählt.

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Geschichten zum Vorlesen, Nacherzählen und Selbstlesen – Propaganda im Kinderbuch – 1939


Johanna Haarer verfasste vielbeachtete Erziehungsratgeber in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit.

„Säuglingspflege für junge Mädchen Ein Unterrichtsbuch für Schulen.“ war ihr erstes Werk, „Kinder auf dem Bauernhof ihre Erziehung in Familie und dörflicher Gemeinschaft.“ ein späteres, „Unsere Schulkinder“, „Mein Strickbuch“ Band 1, 2 und 3 erschienen von 1949 bis 1951 und „Frau sein und gesund bleiben“ 1950.

Ihr Buch „Die Mutter und ihr erstes Kind“ kann noch heute bei Amazon erworben werden. (Link) Es handelt sich dabei um die von nationalsozialistischer Terminologie bereinigte Version von „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind.“ aus dem Jahr 1934.

Denn, was nicht all ihre Leserinnen wussten war, dass Sie in ihrer Rolle als „Gausachbearbeiterin für rassenpolitische Fragen“ der NS-Frauenschaft in München (aus Wikipedia) in den Blütejahren des Nationalsozialismus bereits eine der erfolgreichsten und umsatzstärksten Verfasserinnen von Erziehungsratgebern im Dritten Reich war.

Ihr perfidestes Werk jedoch war „Mutter, erzähl von Adolf Hitler!“

„Dieses kleine Buch über den Führer und das Dritte Reich ist entstanden aus der Beantwortung vieler, vieler Fragen, die ein paar kleine Kinder ihrer Mutter täglich immer wieder stellten: Fragen nach Worten und Begriffen, über die sie die Großen sprechen hörten, Fragen nach der Hakenkreuzfahne, die an der großen Festtagen des Volkes von allen Häusern weht, Fragen nach der Bedeutung des Deutschen Grußes und nach der Stimme des Führers, die so kraftvoll aus dem Lautsprecher tönt und der alle im Hause lauschen. Die Fragen nach dem Warum der großen Aufmärsche und Feiern – welche Mutter kennt sie nicht!“ War dem so? „Welche Mutter kannte sie nicht“?

„Das Kind muß begreifen und verstehen können, was wir ihm antworten, und doch müssen wir andererseits so zu ihm sprechen, daß nichts, was groß und ewig ist, verkleinert, verniedlicht und dadurch verfälscht wird.“ Selbstbewußte Worte, die Frau Dr. Haarer nach dem Ende der Nazizeit sicher ganz anders gemeint haben wollte.

Wie wird diese „großartige Geschichte“ kleinen Kindern vermittelt? „Wir werden das so schonend und kindgemäß wie möglich tun, aber trotzdem der Wahrheit nicht feige ausweichen. Denn niemals können Wahrheit und Wirklichkeit in der Seele der Kinder solchen Schaden anrichten wie Täuschung, Ausflucht und Lüge. Und wenn wir Ihnen, gedrängt durch die Fragen, ein Stück aus der Geschichte unseres Volkes und Vaterlandes erzählen, dann denken wir daran, daß sie ja auch in unseren unvergänglichen deutschen Volksmärchen das Leben manchmal von harten und grausamen Seiten kennenlernen, ohne Schaden zu nehmen.“  Dazu hatte ich euch seinerzeit dieses Buch im Artikel „Märchen – Deutung in der Nazi-Zeit“ vorgestellt.

Das Inhaltsverzeichnis verheißt aufregende Vorlese-, Nacherzähl- und Selbstlesestunden. Ich hätte mich sicher schnell gelangweilt, aber mahnende Worte der nationalstolzen Mutter werden für Ruhe und bedächtiges Lauschen gesorgt haben:

„Heute erzählst du uns vom großen Krieg, Mutter!“

„So kamen die Kinder in der Dämmerstunde bei der Mutter an. Also hört zu. Als der große Krieg ausbrach, war ich selbst noch ein Kind und ich lebte damals bei eurer guten Großmutter in der kleinen Stadt, in der ich auf die Welt gekommen bin.“ Mutter erzählt, wie der Erste Weltkrieg begann, dass alle deutschen Männer singend und feiernd in Erwartung eines kurzen siegreichen Kampfes durch die Straßen zogen.

Der Ladenbesitzer, Herr Schmitthammer, war bereits in Frankreich und hatte seiner Frau, die den Laden nun in seiner Abwesenheit führte einen Feldpostbrief geschickt und geschildert, dass „unsere Soldaten“ „nicht einen einzigen Franzosen“ „ins deutsche Land hereingelassen“ hatten. „Wie herrlich unsere Soldaten kämpften!“

Weiter erzählt uns die Mutter von ihren gelegentlichen Einkauf bei Familie Veilchenstein. „Ihr lacht über den komischen Namen, und wir haben als Kinder auch darüber gelacht.“ „Dann fragte meine Mutter nach Herrn Veilchenstein. Oh, es ging ihm gut. Nein, Frau Veilchenstein brauchte keine Angst um ihn zu haben! Er war ja nicht so weit vorne im Felde, wo geschossen wurde, ihn konnte keine Kugel treffen. Warum nicht? Oh, er war ja so tüchtig! Er kaufte weiter hinten die Lebensmittel ein, die die Soldaten zum Essen brauchten, solche Leute muss es auch geben, man konnte sie nicht entbehren. Und Frau Veilchenstein lächelte vor sich hin. Sie sah ganz anders aus als die arme Frau Schmitthammer, die immer magerer und ernster wurde vor lauter Sorgen. Sie war dick und rundlich, hatte ganz schwarze Haare und viele Ringe an den Fingern.“ „Bei Ihnen war immer Brot im Kasten, das wußte man in der Stadt. Auch Butter, Fleisch und Milch hatten sie zur Genüge, man brauchte sie allesamt ja nur anzusehen. Wir alle mochten die Veilchensteins nicht, auch die Kinder nicht. Sie sahen ganz anders aus als wir und hatten gebogene Nasen und ganz dunkles Haar. Sprach man einmal mit Ihnen, so wurden sie gleich frech und machen sich wichtig. Und je länger der Krieg dauerte, desto mehr sah und hörte man von Ihnen.“

Irgendwann ging der Krieg schließlich zu Ende.

„Aber nicht, wie wir alle gehofft hatten, mit einem großen Sieg! Oft, ach oft haben wir davon gesprochen, wie es sein würde, wenn endlich einmal der Frieden käme! Alle Glocken würden wieder läuten, hatten wir uns ausgemalt, und in langen Zügen, mit Blumen geschmückt, würden unsere Soldaten heimkehren. Nun aber kam es ganz, ganz anders, als wir gedacht hatten. Davon erzähle ich euch das nächste Mal.“

Und das Kart die Mutter auch. Sie erzählt lang und ausführlich vom angeblichen Verrat der Feindesmächte den deutschen Soldaten und dem deutschen Volk gegenüber. Die Dolchstoßlegende in kindlichem Format.

Im Weiteren Verlauf des Buches geht es – wie der Titel vermuten lässt – um die „Heldentaten“ Adolf Hitlers.

„So schrieb Adolf Hitler damals alles nieder, was er sich ausgedacht hatte, um Deutschland zu retten. Er erzählt in diesem Buch auch von seinem eigenen Leben und erklärt uns, warum alles so hat kommen müssen und warum Deutschland so in Not und Elend geriet. Er konnte damals nicht zu den Menschen sprechen, denn er war ja gefangen. Das schrieb eben alles, was er ihnen sagen wollte. Später druckten dann die Buchdrucker die geschriebenen Seiten ab und so entstand sein Buch „Mein Kampf“. „Das wollen wir lesen, Mutter! Sind auch Bilder drin?“ So Riesen die Kinder. Das Buch unseres Führers ist kein Buch für Kinder. Aber wenn ihr größer seid und es verstehen könnt, dann freilich sollt ihr es lesen, nicht nur einmal, nein, viele, viele Male.“

„Wenn Adolf Hitler bei seiner vielen, vielen Arbeit in der Reichskanzlei in Berlin einmal einen Augenblick innehielt und sich in seinem Deutschen Reich umsah, dann muß er sich wohl von Herzen gefreut haben – meint ihr nicht auch? Was hat er in kurzer Zeit nicht alles erreicht für sein Land und für sein Volk! Alle hatten wieder Arbeit, verdienst und Brot, es gab keine Arbeitslosen mehr.“ (Wie es dazu kam und dass es nicht wirklich auf Hitlers Ideen fußte, lest ihr z.B. hier nach.)

In was für eine goldene Zukunft uns Herr Hitler und seine Kameraden geführt hat, weiß jeder, der im Geschichtsunterricht aufgepasst hat. Opas glorifizierenden Reden über den GröFaZ zeugen oft von politischer Demenz und finden im wissensarmen Teil der Bevölkerung begeisterte Anhänger.

Ich bin der Meinung, dass solch glühende Verehrer des Nationalsozialismus wie Frau Dr. Johanna Haarer nach dem Ende des Dritten Reiches keine Erlaubnis zur Veröffentlichung ihrer alten Werke – selbst in überarbeiteter Form – oder neuer Schriften mehr erhalten hätte dürfen.

Zum Abschluß liste ich euch noch das Buchverzeichnis aus dem hinteren Teil dieses Buches auf:

Weiter Bücher zu diesem Thema hatte ich euch bereits hier vorgestellt:

Tag der Deutschen Kunst – 14.Juli 1939


Im Rahmen der von 1937 bis 1944 jährlich stattfindenden Großen Deutschen Kunstausstellung (Link zu Wikipedia) im Haus der Deutschen Kunst in München fand ein Umzug zum Tag der Deutschen Kunst durch die Straßen Münchens statt.

Einige Wagen aus diesem Festumzug wurden als Zinnfiguren nachgestaltet und konnten am Rande der Feiern gekauft werden.

Ich konnte herausfinden, daß die Figuren von einer Zinngießerei Schweizer in Diessen am Ammersee hergestellt wurden. Allerdings gibt es in Diessen sowohl die Firma Wilhelm Schweizer als auch Babette Schweizer.

Wer sie tatsächlich hergestellt hat, ist mir noch ein Rätsel.

 

Aber ich habe inzwischen herausgefunden, daß es noch ein Pferdegespann und einige weitere Wagen gibt, die teilweise zu sehr unschönen Preisen gehandelt werden.

 

Mir reichen meine zwei Wagen.

Hier gibt es einen kurzen Film zum Tag der Deutschen Kunst: YouTube (Umzug ab 25:30). Ich finde das Ganze ja sehr selbstverherrlichend und den braunen Herren zum Gefallen inszeniert. Wir können froh sein, dass unsere Kunst nicht auf dieser Stufe versauert ist.

 

 

Geist und Schönheit – Nationalsozialismus mit Nacktbildern


Dass ich immer auf der Suche nach interessanten Dingen für meine Sammlung bin, wisst ihr bereits. Haben die dann auch noch eine Geschichte, freue ich mich um so mehr.

Für heute habe ich ein Heft aus dem Jahr 1940 ausgewählt. Unter dem Titel Geist und Schönheit erschienen in den Jahren 1939 und 1940 acht Folgen dieser Hefte. Folge 1: Geist und Schönheit, Folge 2: Körperbildung und Körperharmonie, Folge 3: Körperausdruck und Körperkultur, Folge 4: Körperausdruck und Körperkunst, Folge 5: Sinn der Nacktheit, Folge 6: Höchstes Gut: Dein Blut!, Folge 7: Lob des schönen Menschen, Folge 8: Lebenswille und Lebensführung

Die Titel lassen schon ahnen, welcher Gesinnung die Werke sind.

Ich habe für euch Folge 7 ausgewählt.

 

Weniger, wegen der nackten Damen, als vielmehr der Geschichte wegen. Schaut euch die Titelseite einmal genau an. Über und über bekritzelt mit Bleistiftnotizen. Und im Innenteil geht es damit weiter:

 

Überraschenderweise sind alle Notizen aus Russisch.

 

Wie konnte es dazu kommen?

 

Meine Version der Geschichte ist folgende: Ein deutscher Soldat hatte dieses kleine Heftchen zur Freizeitgestaltung bei sich. An der Front, die vermutlich östlich von Berlin verlief, kam es zu einem unschönen Zwischenfall, bei der der Soldat mit Glück nur das Heft, mit Pech auch sein Leben verlor. Ein sowjetischer Soldat hat sich des Heftes angenommen und seinerseits seine Freizeit damit verschönert.

Der Soldat hat es schließlich bis nach Berlin geschafft und das Ende des Krieges miterlebt. In der Nachkriegszeit hat er sich mit Tauschhandel seine Lebensumstände verbessert und dieses Heft als Geschäftsbuch genutzt.

Wer des Russischen mächtig ist, kann gern einige Übersetzungen in die Kommentare schreiben.

Hier nun noch einige Impressionen aus dem Werk.

 

… eine Geschichte über das Verhältnis zur Nacktheit, aufgelockert mit einigen Fotos.

 

 

 

 

Eine Rede zur Rassenkunde, den Vererbungsgesetzen und dem Überlegensein der germanischen Rasse gegenüber z.B. der „Negerrassen, die eine große unförmige Frauenbrust als Zeichen von Schönheit betrachten, die für uns den Inbegriff von Hässlichkeit darstellt, während die Brüste der Aphrodite und der Venus von Cyrene beim schwarzen Volk nichts gelten, bei uns zum Ausdruck edelster Körperformen gehören. Nach unserem Empfinden sind auch die Negerplastiken hässlich.“

 

So wird der hetzerische Vortrag über zahllose Seiten weitergeführt und gelegentlich das Bilde einer Dame (nackt) oder eines Herren (mit Lendenschurz) eingestreut.

 

Der letzte Artikel behandelt das selbe Thema wie der Vorige.

 

Das Heft schließt mit dem Aufruf, die Freikörperkultur als Kampf für die Rasse zu leben. Die Botschaft ist meiner Meinung nach auch in der Einleitung zu Leni Riefenstahls Olympia-Film wiederzufinden. Die Art der Darstellung ist nahezu identisch und die Message des Films war sowieso im Sinne des Nationalsoziaismus.

 

Wer sich nun angesprochen fühlte, konnte Mitglied im Deutschen Bund für Körperkultur e.V. werden.

 

Weiter Werke zum Thema werden am Ende des Hefts beworben.

 

Und schließlich eine Übersicht über bereits erschienene Hefte. Dass die Reihe fortgesetzt wird, war geschwindelt. 

Urlaubsreisen 1939 – Brot und Spiele


Eine der Maximen des Deutschen Reiches war es, das Volk bei Laune zu halten. Nicht allein sollte sich der Deutsche großartig fühlen, weil er Deutscher war, er sollte auch Gründe haben, auf das Deutsche Reich stolz zu sein. Da die staatlich verordnete Propaganda auf Dauer öde und einschläfernd war, mussten andere Wege gefunden werden, dem Reichsbürger die Großartigkeit der großdeutschen Reichsführung zu vermitteln.

Urlaub von der harten Arbeit war hier eine willkommene Abwechslung für den Volksgenossen. Das Programm „Kraft durch Freude hatte ich euch schon mehrfach vorgestellt. Alle Artikel zu diesem Thema findet ihr hier.

Heute gibt es einen Urlaubskatalog der Deutschen Arbeitsfront (DAF) für Sachsen aus dem Jahr 1939.

 

Ganz zu Beginn die unvermeidliche Hitler-Rede, die wirklich nirgends gefehlt hat.

Bei den Römern hieß das in anderen Worten ausgedrückt Panem et circensis – Brot und Spiele.

Eine Vorrede des Gaubmanns Hellmut Peitsch steht dem Katalog voran. (Sein Wikipedia-Artikel ist übrigens nicht uninteressant.) Er erläutert die Gründe des verspäteten Erscheinens dieses Heftes, geht auf die Probleme der notwendigen Sonderzüge der Deutschen Reichsbahn zur Verbringung der Urlauber an ihren Zielort und zurück sowie die durch Eroberungen gewachsene Fläche des zu befahrenden Großdeutschen Reichs.

Hinweis: Reist nicht nur in die Ferne, sondern seht euch auch unser schönes Sachsenland an! Und reist auch im Mai und September!

Unsere Ostmark – nicht zu verwechseln mit der Währung der DDR – umfasste grob die Gebiete von Österreich und Tirol. (siehe hier)

 

Gefolgt vom schönen Sudetenland, dem Grenzgebiet zwischen Österreich, Deutschland und der damaligen Tschechoslowakei.

 

Die im Katalog hier und dort eingefügten Hinweise für den Reisenden sind wert, gelesen zu werden. Am Ende der Artikel finden sich übrigens die Fahrten-Nummern. Mehr dazu später.

 

 

Die Heimat Sachsen als Ausflugsziel – nicht langweilig, dafür günstig:

 

Schlesien – rechts von Sachsen, bis zur damaligen russischen Grenze asu dem nach dem Zweiten Weltkrieg  große Menschenmassen als Flüchtlinge nach Deutschland geströmt kamen. (siehe hier)

 

 

Die Nord- und Ostsee – hier hat sich bis heute nur wenig verändert. Die Einheimischen tanzen vergnügt am Strand, Kutschfahrten durch’s Watt und strandkorbgepflasterte Strände.

 

aber lest selbst

 

Weiter führt unsere Reise nach Ostpreußen mit seiner Hauptstadt Königsberg (heute Kaliningrad) und in die Lüneburger Heide.

 

Wirklich wichtige Hinweise für alle Urlauber – bedenkt: damals gab es keine Computer, an denen in Echtzeit die Verfügbarkeit überprüft und gebucht werden konnte. Hier galt es, rechtzeitig eine Anmeldung abzugeben und abzuwarten.

 

die KdF-Reisegepäckversicherung

 

Und schließlich die Fahrten im hinteren Teil des Kataloges:

Beachtet auch die blauen Abkürzungen FW – Ferienwanderung, RW – Radwanderung, FWL – Ferienwanderlager, FA – Faltbootwanderung

 

Hinweise zum ordentlichen Bezahlen:

 

Ganz neu – neuzeitliche Reise-Omnibusfahrten

 

Teilnahmebedingungen

 

Und schließlich das weiter vorn angekündigte Preisrätsel

Aber, freut euch nicht zu früh – mitmachen ist sinnlos: der Einsendeschluß war der 31. Mai 1939 und mit den Kdf-Reisegutscheinen im Wert von RM 30,- könnt ihr eh nichts mehr anfangen.

 

Ach ja, es gab noch die ganz exklusiven, kostspieligen Auslandsfahrten mit dem Kreuzfahrtschiff

Das hier beschrieben KdF-Kreuzfahrtschiff „Wilhelm Gustloff“ kennt ihr ja schon von diesem Artikel.

Kurzfahrten:

 

 

Wanderfahrten:

 

sehr schön die damals übliche Bezeichnung „nach dem“ bei Reiseangaben:

 

Schmucke und bequem eingerichtete Dampfer für Betriebsgefolgschaftsfahrten

 

Die Fahrten in diesem Katalog reichen übrigens bis zum 25. September, Rückfahrt 2.Oktober. Ob all diese Fahrten tatsächlich durchgeführt wurden, wo ja am 1. September mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg begann, kann ich nicht sagen. Sicher ist hingegen, daß dieser KdF-Urlaubskatalog der letzte seiner Art gewesen sein dürfte, da mit dem Kriegsbeginn die Urlaubsreisen in anderer Form stattfanden, wenn auch auf vorerst noch wachsendem Reichsgebiet.

 

Zehn kleine Negerlein


Jeder von uns kennt das alte Lied „Zehn kleine Negerlein“ aus der Kindheit. Ich kann mich erinnern, es früher oft gehört und auch selbst gesungen zu haben, jedesmal unbändig belustigt, was den kleinen Herren passierte und immer wieder gespannt, was sich auf die Zahlen neun bis eins reimt. Rassistisch habe ich mich dabei nie gefühlt – man hatte ja niemanden speziellen im Sinn. Heute sieht das anders aus. Verzweifelt wird versucht, eine politisch korrekte Version zu dichten. Bis dato ohne Erfolg.

Rückblickend ist die fröhliche Dezimierung dieser Menschen anderen Aussehens zu Zeiten des Dritten Reiches geschichtlich mit einem G’schmäckle behaftet.

Makaberes Beispiel dafür ist der heutige Artikel, den ich kürzlich auf dem Flohmarkt gefunden habe. Eine Broschüre der Allianz- und Stuttgarter Lebensversicherung.

Zehn kleine Negerlein

 

Im Geleitwort wird erläutert, wo das Lied seinen Ursprung hat – in England unter dem Titel „Ten little Nigger Boys“, daß es auch in den USA unter diesem oder dem Titel „Ten little Indians“ bekannt ist und daß die für das nordisch gesinnte Deutschland faszinierendste Version aus dem Land der Edda, Island stammt. Wikipedia erklärt einen anderen Ursprung.

Für dieses kleine Büchlein wurde die angeblich originale, in jedem Fall aber, wie ich finde, blutigste Variante gewählt. Mit dem Tod des ersten Negerleins ging es da noch verhältnismäßig unspektakulär zu. Ein in ländlichen Gebieten durchaus häufiger Unfall.

 

Interessant der Hinweis auf der nächsten Seite: „Was ist das Lied von den zehn kleinen Negerlein anderes als – in der Sprache der modernen Statistik gesprochen – eine „Absterbeordnung“, freilich eine solche von besonderem Reiz?“ Aha. Man erklärt uns die weitere Arbeit der Lebensversicherung bei der Berechnung der „Absterbeordnung“.  Nebenbei stirbt das zweite Negerlein auf der gegenüberliegenden Seite auf der Jagd und verreimt seinen Tod damit – zumindest in einigen Regionen Deutschlands – auf die Acht.

 

Das Gesetz der Lebensdauer, oder die Frage: „Wie lange lebt es sich so in unserer Umgebung?“. Ein guter Anhaltspunkt ist die Zahl der Geschlechterfolgen, die ein Lebewesen während seines Lebens sieht. Beim Menschen wird von einer Lebensdauer von 70-80 Jahren ausgegangen und damit von drei Geschlechterfolgen, die er erlebt: sich selbst, seine Kinder, seine Enkel. Die Urenkel sind eher die Ausnahme.

Sehr spannend sind die Tabellen, die auf dieser Seite die Lebenserwartung einiger Tiere und Pflanzen auflisten. Als Stadtkind war ich überrascht, daß ein Haushuhn bis zu 20, ein Pferd 45, eine Hausgans 70 und ein Karpfen 150 Jahre alt werden kann.

Auf der farbigen Seite wird derweil der dritte kleine Neger als Obstdieb erhängt.

 

Der Lebensbaum des deutschen Volkes. Man sieht diese Bäume auch heute noch. Die Form bleibt weitestgehend gleich, lediglich der Knick der 18- bis 23-Jährigen im Jahr 1938 dürfte heute verschwunden sein. Der Text erklärt uns, daß bei großen Krisen die Geburtenrate zurückgeht. Der Knick der 20-Jährigen ist das Ergebnis des Ersten Weltkrieges, die darunterliegenden Jahrgänge, die üblicherweise aufgrund größerer Anzahl nach außen wachsen müssten, sind ein Spiegel der schlechten Nachkriegszeit, der Wirtschaftskrise und Inflationszeit im reparationsgeplagten Deutschland.

Da fällt ein weggehextes Negerlein nicht sonderlich ins Gewicht.

 

Eine kurze statistische Erklärung, wie lang der durchschnittliche Deutsche in die Lebensversicherung einzahlt, folgt.

Derweil stirbt das fünfte Negerlein in den Sümpfen. Wie wir dank kluger Fernsehsendungen wie Galileo  und Co. wissen, kann man im Sumpf nicht in die Tiefe gezogen werden, sondern stirbt aller Wahrscheinlichkeit durch Unterkühlung.

 

Die nächste Seite stellt uns einige Pioniere der Statistik im Bezug auf Lebenserwartung vor: Caspar Neumann, Edmond Halley und Gottfried Wilhelm Leibnitz – alle durchweg auf anderen Gebieten große Namen.

Das nächste Negerlein starb eines durchaus verbreiteten Todes – zu viel Bier, da waren’s nur noch vier.

 

Weiter geht es mit der modernen Variante der Sterbetafel, oder kurz gesagt: Wieviele Menschen bleiben Jahr für Jahr von einer Anfangsanzahl übrig.

25% der überlebenden Negerlein, also einer, sterben eines unserer modernen Tode: zu viel Süßkram.

 

Hier erklären uns die Mitarbeiter der Allianz und Stuttgarter Versicherung, wie anhand der Sterbetafeln Beiträge für Lebensversicherungen berechnet werden.

Die drei kleinen Negerlein prügeln sich in der Zwischenzeit und einer von ihnen bleibt auf der Strecke.

 

Die nächste Seite finde ich besonders spannend. Woran die Menschen sterben.

15,8% an Kreislaufversagen, 11,8% an Diphterie, Tuberkulose und Grippe. Das ist eine recht hohe Zahl und sollte in heutiger Zeit zu einer der niedrigsten Gruppen gehören. Knapp auf Platz drei mit 11,7% steht der Krebs, gleichauf mit Krankheiten der Atmungsorgane gefolgt von weiteren Krankheitsbildern, von denen heute noch immer viele ganz oben auf der Liste stehen. Die Sortierung der Todesursachen kann ich nicht nachvollziehen. Bemerkenswert: nur 7,2% der Männer, die 1936 starben, taten dies aus Altersschwäche. Das Statistische Bundesamt hat hier eine aktuelle Tabelle.

Das brachte auch die letzten beiden Negerlein zum weinen – einer hat es übertrieben.

 

Bevor das letzte Negerlein sein Leben beim Sturz von der Kutsch aushaucht und damit nicht wie sonst üblich eine Frau sucht und neue Kinder produziert, schauen wir uns auf der linken Seite eine – eher scherzhafte – Formel zur Berechnung unserer Lebenserwartung an. Ich komme auf 73. Na, mal sehen.

 

Zum Schluß kommt die Beitragstabelle der Allianz und Stuttgarter. Die Höhe der Jahresbeiträge pro 1000 Reichsmark Auszahlungssumme im Todesfall.

 

Gedruckt wurde die Broschüre, wie viele andere Artikel in diesem Museum, von Giesecke & Devrient. Sehr gefreut habe ich mich über den guten Zustand des Büchleins. Bei allen bisherigen Exemplaren, die mir in die Finger gekommen sind, fehlten entweder ein oder mehrere Köpfe der kleinen ausgestanzten Negerlein, oder der Preis harmonierte nicht mit meinen Vorstellungen.

Update: Eine politische Version findet ihr auf meinem sowjetischen Flugblatt.

Spare bei den mündelsicheren Sparkassen


Vor einem halben Jahr habe ich euch hier schon einmal meine Heimsparbüchse vorgestellt. So sieht sie aus. Allianz Spardose

Inzwischen konnte ich sie auf ca. 1928 datieren.

Das Konzept der Heimsparkasse bzw. Heimsparbüchse hielt sich sehr lange. Noch in den 1970er Jahren hatte ich meine Sparbüchse, die zur Sparkasse gebracht, dort aufgeschlossen und der Inhalt auf mein Sparbuch eingezahlt wurde. Heute ist es undenkbar, daß sich eine Bank noch mit solchen Kleinigkeiten wie Privatkunden, Sparbüchsen oder auch nur der Annahme von ungerollten Münzen befasst.

Auf dem Flohmarkt musste ich vor ein paar Tagen mein Geld gegen den heutigen Artikel des Tages eintauschen: ein originales Pappplakat (mit drei ‚p‘, hoffe ich) der Sparkasse von 1939, das die gleiche SParbüchse zeigt, die ich schon habe. Das gefällt mir.

 

Wer sich interessiert, was „mündelsicher“ bedeutet, liest hier.

In der Zwischenzeit freue ich mich, daß ich wieder ein Puzzleteil für meine Sammlung gefunden habe.

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