Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaren-Fabriken AG, 1928


Eine Aktie soll euch heute den Tag verschönern. Recht unscheinbar kommt sie daher. 1928 ausgegeben. 1000 Reichsmark.

 

Es gibt nicht viel zu dieser Aktie herauszufinden. Meine Besucher mit Vorliebe für wenig Text werden sich freuen.

Auf der Webseite schoene-aktien.de habe ich eine Firmenbeschreibung gefunden:

Herstellung sämtlicher Artikel der Gummi-Industrie, und zwar als Hauptgruppen:

  • technische Artikel aus Hart- und Weichgummi, Konservenringe, Transportbänder und Stopfbuchsenpackungen sowie Gummikurzwaren und Tauchgummiwarenfabrikate, Stoffgummierungen.
  • Gegründet am 18.12.1883 unter Übernahme der seit 1849 bestehenden oHG Berliner Gummiwarenfabrik Elliot, später Sachs, als Berliner Gummiwarenfabriken AG.
  • 1886 Änderung der Firma in Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaren-Fabriken, Berlin nach Vereinigung mit der Frankfurter Gummiwaren-Fabrik Wendt, Buchholtz & Co. in Gelnhausen.
  • Am 23.5.1929 Änderung der Firma in VERITAS Gummiwerke AG.
  • Die Ursprungsfirma Elliot war die älteste Berliner und zweitälteste deutsche Gummiwarenfabrik; der Sitz war in Berlin auf dem an der Spree belegenen Grundstück Mühlenstraße 70/71.
  • Im Jahre 1905 wurden die sämtlichen Aktien der AG technischer Gummiwaren C. Schwanitz & Co. in Berlin erworben und in Verfolg dieser Transaktion der Betrieb aus der Mühlenstraße mit in das Grundstück der letztgenannten Gesellschaft nach Lichterfelde verlegt; das Berliner Grundstück wurde vermietet (1928 verkauft).
  • Die im Jahre 1906 erworbene Sächsische Gummi- und Guttaperchawaren-Fabrik in Dresden ist Ende 1923 an die Vorbesitzer zurückübertragen, jedoch Mai 1925 der Gesellschaft wieder zugefallen.
  • 1948 verlagert nach Gelnhausen, heute Veritas Gummiwerke AG, Gelnhausen

Anhand der niedrigen Nummer der Aktie kann man ersehen, daß kaum mehr als ein paar Tausend von ihnen emmitiert wurden.

Wikipedia weiß zu berichten: 1933 gelingt im Berliner Werk in Zusammenarbeit mit dem Versuchslaboratorium der IG-Farben (Leverkusen) die praktische Einführung des synthetischen Kautschuks „Buna” in die Fertigung. Die erste Innovation mit dem neuen Werkstoff ist ein Bremsschlauch für die Deutsche Reichsbahn.

Ein Vorstandsmitglied der Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaren-Fabriken AG, Gustav Becker, gründete übrigens 1900 seine eigene Gummifirma. Er benannte sie nach dem Sitz der Firma: Fulda. Noch heute werden Reifen unter dem Namen „Fulda – German High Technology“ produziert, wenn auch nicht mehr dort. Die Firma hat zwischenzeitlich mehrmals den Besitzer gewechselt. Zuerst die Staubsaugerfirma Vorwerk, dann Goodyear.

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Orient- und Überseetabak


Heute stelle ich euch wieder einmal eine Aktie vor. Diesmal habe allerdings nicht ich die Informationen, sondern spekuliere (wie man das mit Aktien so macht) auf die Hilfe meiner wertpapiersammelnden Leser.

Viel konnte ich nicht herausfinden. Diese Aktie ist nicht sonderlich wertvoll, aber sie hat mir seinerzeit gut gefallen und hing einige Jahre als Zierde in meinem Flur.

 

Herausgegeben am 1. Mai 1920 – also vor gut 95 Jahren – hat die Société Anonyme des Tabacs d’Orient & d’Outre-Mer Geld für ihre Expansion zusammengesammelt. Ob und was sie damit erreicht hat, welche Tabak- oder Zigarettenmarken mit dieser Firma verbunden waren, all das konnte ich nicht herausfinden. Entweder gab es nichts oder es war auf französisch geschrieben.

Warten wir gespannt ab, ob die Freunde vom EDHAC (Erster Deutscher Historic-Actien-Club) Details haben. Bis dahin, erfreut euch einfach mit mir an einer schönen, alten Aktie aus Frankreich.

Von Streichhölzern, einem Börsenskandal und einer Handyfirma


Familie Fugger hatte im 16. Jahrhundert eine prima Idee, wie man nicht nur Geld verdienen, sondern so richtig Geld verdienen konnte. Man lieh den hochverschuldeten Fürsten dringend benötigtes Geld, verzichtete auf eine Rückzahlung und ließ sich stattdessen ein Handels-Monopol übertragen oder das Privileg, als einziger bestimmte Bodenschätze ausbeuten zu dürfen. Das geliehene Geld bekamen die Fuggers auf diese Weise vielfach zurückgezahlt.

Warum sollte das, was damals funktioniert hat nicht auch 400 Jahre später noch funktionieren? Man nehme einen Kredit in einem reichen Land wie den USA auf, gebe einem durch den verlorenen Ersten Weltkrieg finanziell schlecht stehendem Land wie Deutschland einen Kredit und erbitte sich dafür das Monopol an einer belanglosen Ware des täglichen Lebens.

Ivar Kreuger aus Stockholm hat sich für Streichhölzer entschieden. (Holz gab es in Schweden genug, ein Umstand, den sich einige Jahre später auch sein Landsmann Ingvar Kamprad zu nutze machte und Löcher in Baumteile bohrte um sie anschließend als Puzzle an Menschen zu verkaufen, die versuchten, sich daraus Möbel zu basteln.)

 

Durch stete Zukäufe schuf Herr Kreuger ein weltumspannendes Streichholz-Imperium, dem (Wikipedia:) in den 1930er Jahren rund 150 Tochterfirmen mit 260 Fabriken und 750.000 Mitarbeitern angehörten und das in 33 Ländern den Zündholzmarkt und damit etwa drei Viertel der Weltproduktion kontrollierte. Daneben gehörten Kreuger eine Vielzahl an Berg- und Verhüttungswerken, ein großer Teil der schwedischen Papierindustrie mitsamt den dazugehörigen Wäldern und seit 1930 auch die Mehrheit der Telefonfirma Ericsson. Nicht schlecht. Wer die gesamte Geschichte des Herrn Kreuger inklusive einiger Details seines Selbstmordes kurz bevor das ganze Konstrukt in sich zusammenbrach, der klickt hier.

Wie ihr oben sehen könnt, habe ich damals, es war der 1. Juli 1928, auch Aktien dieses Senkrechtstarters gekauft. Die Unterschriften der beiden Namensgeber der Firma Ivar Kreuger und Paul Toll findet ihr übrigens links und rechts an zweiter Stelle.

Das internationale Flair der Aktie findet ihre Fortsetzung auf der Innenseite, wo derselbe Text wie vorn in französisch und deutsch, hier noch einmal in schwedisch und englisch abgedruckt ist.

 

 

Unmittelbar nach dem Suizid des Chefs ging die Firma den Bach runter. Dadurch lohnte auch der Gang zur Bank nicht mehr, denn die Dividenden wurden nicht mehr gezahlt.

 

Meine Aktie hat übrigens zuerst einer holländischen Firma gehört. Die scheint sich mit ihren Spekulationen etwas vertan zu haben.

 

Um sich ein Streichholz zu kaufen und die Bude anzuzünden wird es trotzdem gereicht haben. Die Zündhölzer gab es ja für kleines Geld an jedem Kiosk zu kaufen.

Die Spiegel-Rubrik „einestages“ hat Herrn Kreuger hier einen schönen Artikel gewidmet. Dieser schließt mit den Sätzen: Das Imperium überlebte den Tod seines Gründers nur kurze Zeit. Nach Bekanntwerden der Ungereimtheiten im Finanzgebaren stießen die meisten Anteilseigner ihre Aktien ab. Der so ausgelöste Börsencrash ging als „Kreuger-Crash“ in die Wirtschaftsgeschichte ein. Wie ein Streichholz knickten Kreugers gewagte und undurchsichtige Finanzkonstruktionen ein. In den USA wurde in Folge von Kreugers Aufstieg und Niedergang eine strengere Finanzaufsicht eingeführt.

 

Viele von euch kennen sicher sogar noch Produkte des Herrn Kreuger. Wenn auch der Chef aus dem Leben geschieden ist, bestanden seine Monopole noch lange weiter. Das in Deutschland erteilte Zündwarenmonopol beispielsweise lief erst am 15. Januar 1983 aus. Bis dahin wurde die Bundesrepublik von diesen Produkten der Svenska Tändsticks AB (STAB) überschwemmt und erleuchtet:

„Welthoelzer DZMG“ von de:Benutzer:Niemayer – German Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Welthoelzer_DZMG.jpg#/media/File:Welthoelzer_DZMG.jpg

Und, habe ich zu viel versprochen? Welthölzer kennt jeder, oder?

 

 

Liebig’s Fleisch-Extrakt Aktie


Heute ist es mal wieder an der Zeit, euch eine meiner Aktien vorzustellen. Daß ich ein Sammler von allem bin, was mit Liebig’s Fleisch-Extrakt zusammenhängt, wissen meine treuen Museumsbesucher ja bereits. Um alle bisher erschienen Artikel zum Thema zu lesen, klickt hier.

Heute soll es um eine ziemlich alte Aktie der Liebig’s Extract of Meat COmpany aus London gehen. LEMCO, wie sie in Großbritannien genannt wurde, war das, was man heute als Konzernmutter bezeichnen würde. Die Produkte von LEMCO oder Liebig habe ich in den vorherigen Artikeln schon ausführlich beschrieben. Daher direkt zur Aktie:

 

Was genau diese Aktie alles erlebt hat, kann man heute nicht mehr herausfinden. Auf jeden Fall war ein Brand dabei.

Herausgegeben am 17. September 1903 hat sie zwei Weltkriege erlebt, bei denen sie wahrscheinlich zur falschen Zeit am falschen Ort aufbewahrt wurde. Dabei hat sie eine Ecke eingebüßt und einen Brandfleck abbekommen. Auch die Kanten haben schon bessere Zeiten erlebt.

Allerdings habe ich eine Aktie mit schöner Ausgabenummer: 17999. Die Aktie selbst ist nicht sehr umfangreich. Gerade einmal ein Share im Wert von 5 Englischen Pfund. Das ist nicht viel, wurde aber während der Laufzeit mehr.

Ich hoffe, meine Museumsbesucher mit mehr Wissen um historische Wertpapiere können uns auch diesmal in den Kommentaren mit Detailinformationen versorgen. Wenn ich die Rückseite richtig deute, durchlebte meine Aktie in ihrem aktiven Dasein mehrere Splits, nämlich 1907, 1921 und 1925. Die Kapitalerhöhung kann von den blauen und grünen Stempeln auf der Rückseite abgelesen werden. Gab es bei Ausgabe 1903 100.000 Shares im Wert von £5, wuchs die Anzahl der Anteile auf, 120.000, dann 300.000 und schließlich 400.000.

 

Leider weiß ich nicht, was der letzte Stempel im Rechteck bedeutet. Ebenso ist mir der graue Stempel am oberen Rand unklar. Es könnte sein, daß es sich dabei um weitere zwei Kapitalerhöhungen in den Jahren 1942 und 1959 handelt. Da allerdings dort nur noch von £1 pro Share gesprochen wird, frage ich mich, ob es eine Kapitalverringerung im Aktiengeschäft gibt.

Ich bin auf meine Kommentare gespannt und bedanke mich schon jetzt für Informationen.

Damit endet der heutige Artikel auch schon. Bleibt mir gewogen und freut euch auf weitere spannende Details.

Ich zähl jetzt bis eins und dann is Achterbahn – eine Aktie


Im Zuge der der Börsenblase des Neuen Marktes in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts ging seinerzeit jede noch so murkelige Klitsche an die Börse. So auch die großartige Achterbahn GmbH, bekannt durch ihren gleichnamigen Verlag und die dort erschienenen Werner-Bücher.

So gut die Werner-Bücher gingen, so schlecht performte die 65-fach überzeichnete Aktie ab Ausgabe im Jahr 1998. 2002 wurde der Insolvenzantrag gestellt, 2003 kam die Insolvenz.

Aber die Achterbahn-Aktien sahen – ähnlich wie einige meiner bisher vorgestellten Aktien – sehr hübsch aus. Als kleiner Bonus waren die Gewinnanleihscheine mit all den verschiedenen Charakteren der Werner-Bücher und -Filme illustriert. Da wollte man seine Dividende gar nicht einlösen. Musste man dann ja dank der geplatzten Börsenblase auch nicht.

Das Titelzitat des heutigen Beitrags stammt übrigens vom unten links verewigten Präsi. Ab Minute 1 kann man es hier hören, wenn man sich anstrengt.

Und weil heute der 70. Jahrestag des Tages der Befreiung ist, gibt es noch diesen Clip dazu.

Strassenbahn St. Petersburg


Die heutige Aktie soll die Themenwoche im Moopenheimer-Museum abschließen, damit ich diejenigen unter euch, die mit alten Wertpapieren nicht so viel anfangen können, nicht langweile.

Ich habe euch eine interessante Aktiengesellschaft rausgesucht – die in Antwerpen (Belgien) ansässige Tramways et Enterprises Electriques de la Banlieue de St. Petersbourg – kurz übersetzt, eine belgische AG, die sich zum Ziel gesetzt hatte, zehn Millionen belgische Francs zu sammeln um damit im russischen Sankt Petersburg (später temporär in Leningrad umgetauft) ein Straßenbahnnetz zu bauen.


Ihr werdet es nicht glauben, aber das Ergebnis dieses Projekts war das bis 2002 mit einer Streckenlänge von 285 km und einer Linienlänge von 600 km längste Straßenbahnnetz der Welt.

Ebenso riesig wie das Streckennetz sind auch die vier Aktien, die ich hiervon besitze. (möchte jemand eine haben?) 51 x 36 cm

 

inklusive aller Zinsscheine, bis auf einen.

 

Wer wissen möchte, wie es um die Straßenbahnen in St. Petersburg heute steht, der liest bei Wikipedia oder direkt auf der russischen Seite von GORELEKTROTRANS (GOR = Gorod = Stadt). Und nicht vergessen, immer brav mit Fahrschein fahren.

 

Von Fliegen und Vögeln


Frau Beate Köstlin war eine sehr vielseitige Frau mit interessanter Lebensgeschichte. Geboren 1919, mit 15 hessische Meisterin im Speerwerfen, zwei Monate vor ihrem 18. Geburtstag, im August 1937, die erste Flugstunde auf einer Heinkel He 72 in Rangsdorf bei Berlin. Wikipedia ergänzt: Drei Wochen später folgte der erste Alleinflug. Von Fluglehrer Haak wurde sie auf die Muster Klemm Kl 25 und Focke-Wulf Fw 44 umgeschult und flog zum ersten Mal auf der Bücker Bü 131 Jungmann. Mit einem Solo-Überlandflug Rangsdorf–Magdeburg–Halle-Leipzig–Rangsdorf am 11. und 12. Oktober schloss sie ihre Ausbildung ab und erhielt an ihrem 18. Geburtstag ihren Flugzeugführerschein A2. Das ist doch mal was, oder?

Von November 1937 an wurde sie im Rahmen eines 6-monatigen Praktikums bei Bücker zur Kunstfliegerin ausgebildet und belegte beim 1. Zuverlässigkeitsflug für Sportfliegerinnen unter 13 Teilnehmerinnen den zweiten Platz. Besser war lediglich Beates Freundin Melitta Schiller, die unter diesem Namen niemand kennt.

Vielleicht kommt euch der Name Alexander Schenk Graf von Stauffenberg bekannt vor. Er war der Bruder von Claus Schenk Graf von Stauffenberg und somit wurde Melitta Schenk Gräfin von Stauffenberg nach ihrer Heirat die Schwägerin des Hitler-Attentäters. Ihre Lebensgeschichte während des Zweiten Weltkrieges ist ebenso spannend wie tragisch. Lest selbst.

Zurück zu Beate Köstlin. Ab Mitte 1939 wurde sie als Pilotin bei Bücker Flugzeugbau eingestellt und flog neue und reparierte Flugzeuge ein und überführte sie an ihren Bestimmungsort. Später in diesem Jahr heiratete sie ihren Fluglehrer Hans-Jürgen Uhse und hieß von nun an – einige werden es schon erraten haben – Beate Uhse.

Wikipedia schreibt weiter: Ab April 1944 wurde sie häufig zu Überführungsflügen herangezogen, meist von Junkers Ju 87, die aus der Weser-Fertigung in Berlin-Tempelhof kamen und zu den Luftparks gebracht werden mussten. Bei der Luftwaffe flog sie die Jäger Messerschmitt Bf 109 und Focke-Wulf Fw 190 sowie Ju 87 und Messerschmitt Bf 110. Dabei kam es zu Begegnungen und Beschuss durch alliierte Jäger, die sie unbeschadet überstand. Kurz vor Ende des Krieges flog sie sogar den Strahljäger Messerschmitt Me 262, die Mutter aller Düsenjets.

Aufgrund eines Flugverbots der Alliierten nach Kriegsende galt es, ein neues Betätigungsfeld zu finden. Beate Uhse verdiente ihren Lebensunterhalt durch Schwarzmarktgeschäfte und traf dabei häufig mit Frauen zusammen, die ihr von ihrer Situation berichteten. Einerseits bestand das Verlangen nach Sexualität, andererseits wollten viele Frauen in den unsicheren Nachkriegsjahren keine Kinder bekommen. Beate Uhse entwarf eine Broschüre, die die Verhütungsmethode nach Knaus-Ogino bei den Frauen bekannt machte. Mit einem Stückpreis von 50 Pfennig konnte Beate Uhse ein Startkapital von 16.000 Mark erwirtschaften, das den Grundstein für ihren Versand von Kondomen und Ehelektüre legte.

Die weitere Geschichte des Beate Uhse-Versands dürfte allen bekannt sein. 1999, zwei Jahre vor ihrem Tod, ging ihre Firma an die Börse. Der Erfolg blieb zwar aus, aber die Aktien sind schön anzuschauen. Eine ist der Artikel des Tages und ich möchte mich im Nachhinein entschuldigen, daß ich zu Beginn der Themenwoche Aktien so schlecht von der Beate-Uhse-Aktie gesprochen habe. Ich wollte ein wenig Interesse wecken.   Wer übrigens ganz genau hinschaut, der kann unten rechts lesen, daß auch diese Aktie bei   gedruckt wurde, die ich bereits bei der Daimler-Benz-Aktie vorgestellt habe.

I. G. Farbenindustrie


Im Igelit-Artikel vor einigen Wochen habe ich euch bereits über die dunkle Vergangenheit der I. G. Farben berichtet. Wer es damals nicht gelesen hat, sollte es auf jeden Fall nachholen.

Heute, am Freitag, dem 13. möchte ich euch zwei Aktien dieser in meinen Augen zu den finstersten Firmen aus Deutschlands Geschichte zählenden Interessengemeinschaft Farbenindustrie vorstellen.

Die erste wurde im Jahr 1939 emittiert. Sie ist eine von 25.000 ihrer Art über einen Stückwert von 100 Reichsmark und mit einer Laufzeit von 20 Jahren.

Wer das Kleingedruckte mag, liest hier die damaligen Anleihebedingungen:

Die Rückseite – ähnlich der Daimler-Benz-Aktie:

Auch einige Zinsscheine und der Erneuerungsschein sind noch da:

Wer sich neulich bereits die Geschichte der I. G. Farben im Zweiten Weltkrieg durchgelesen hat, dem empfehle ich heute, den Werdegang nach 1945 zu lesen. Besonders unschön ist ebenfalls die Nutzung der Nachfolgerin I. G. Farbenindustrie in Liquidation (bis 1955, danach i.A. in Abwicklung bis 31. Oktober 2012!!!). Dabei handelte es sich um eine Nachfolge-Aktiengesellschaft, deren Hauptaufgabe darin bestand, alte Ansprüche zu verwalten und die rechtliche Verantwortung zu übernehmen. Das Weiterbestehen der I.G. Farben erlaubte auch den daraus hervorgegangenen Chemieunternehmen, die Verantwortung für die während der Zeit des Nationalsozialismus begangenen Verbrechen weitgehend auszuklammern und dazu auf die I.G. Farbenindustrie AG i. A. zu verweisen. 

So sahen die Aktien dafür aus und ich bin tief betrübt, daß auf einer Aktie dieser Verbrecherfirma oben links der von mir so hochverehrte Justus von Liebig abgebildet ist.

Wen noch die Detailaufnahmen der 1939er Aktie interessieren, in der die zusammengeschlossenen Firmen aufgeführt sind der schaut hier:

links: Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrication Berlin (AGFA) – Mitte: Badische Anilin- und Soda-Fabrik Ludwigshafen a. Rh. (BASF) – rechts: Farbenfabrik vormals Friedrich Bayer & Co. Leverkusen (Bayer)

links: Farbenfabrik vormals Meister Lucius & Brüning, Hoechst a. M. (Farbwerke Hoechst) – Mitte: Chemische Fabriken vormals Weiler – Ter Meer, Uerdingen a. Rh. – rechts: Griesheim Elektron Frankfurt a. M.

Zu Griesheim Elektron gab es zwei bekanntere Störfälle in den 1990er Jahren. Einer passierte am Rosenmontag 1993. Lest hier.

Und auch diese Aktien wurden wieder bei Giesecke & Devrient gedruckt.

Kannst du einen, kannst du alle – der Panamakanal


„Oh wie schön ist Panama!“ So rief seinerzeit die Tigerente aus, als sie eine Bananenkiste fand. Wie schön Panama genau ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, daß dieses kleine mittelamerikanische Land zwischen Costa Rica und Kolumbien einen entscheidenden geographischen Vorteil hat. Mitten in der Mitte dieses Staates befindet sich die schmalste Landstelle zwischen pazifischem und atlantischem Ozean. Nur 82 Kilometer Landmasse trennen die beiden Ozeane.

Nach der erfolgreichen Eröffnung des Suezkanals im Jahr 1869 lag also nichts näher, als mit dem Durchbruch dieser Landenge beide Ozeane zu verbinden und der Schifffahrt eine enorme Ersparnis einzubringen.  Um euch ein Beispiel zu nennen: Möchte man mit dem Schiff von New York nach Los Angeles fahren und benutzt dafür den Panamakanal, spart man sich eine Strecke von circa 15.000 km.

Gesagt, geplant. 1876 wurde in Paris die Société Civile Internationale du Canal Interocéanique aus der Taufe gehoben, und der Erbauer des Suezkanals, Graf Ferdinand de Lesseps mit der Planung betraut. 1879 ging die Société Civile in die Panamakanal-Gesellschaft über und de Lesseps wurde ihr Präsident.

Um die Arbeiten an den geplanten 73 Kilometern Länge und die damit verbundene Bewältigung des Aushubs von 120 Millionen Kubikmeter Erde zu finanzieren, wurde die Compagnie Universelle du Canal Interocéanique, eine Aktiengesellschaft, ins Leben gerufen.

Sie versprach, ebenso wie die Suezkanal-Aktien hohe Rentabilität und brachte schnell das benötigte Geld ein. 1881 wurde losgegraben, eine Todesrate von 7,5 Menschenleben pro Tag war der unerfreuliche Preis, der sich in der Bauphase bis 1889 auf 22.000 Arbeiter belief. (Wikipedia kennt ein kleines Detail dazu: Auf Anraten französischer Ärzte wurde 1883 beim Bau des Kanals angeordnet, zum Schutz vor Malaria die Pfosten der Betten der Arbeiter in Wassereimer zu stellen. Die Eimer wurden allerdings zu Brutstätten der Malariamücken, die Krankheit breitete sich rasend schnell aus, … Rund um die Baustelle standen Kreuze; Leichen wurden in Essigfässern nach Europa verschifft, damit nicht noch mehr Kreuze aufgestellt werden mussten.)

1889 war es dann soweit – das Geld war alle und der Kanal nicht fertig. Es gab zahlreiche unschöne Vorfälle, darunter irreführende Berichterstattung, Bestechung und Einflussnahme auf Journalisten.

Zwar arbeitete auch Gustave Eiffel, der berühmte Konstrukteur des Eiffelturms, der Freiheitsstatue in Paris (die dann nach New York geschippert wurde) und der Roten Flora in Hamburg ab 1887 an der Fertigstellung des Kanals mit. Wikipedia: Die Kosten für den Schleusenkanal wurden auf 1,6 Milliarden Goldfranken geschätzt. Wegen Planungsmängeln, falscher geologischer Untersuchungen, schlechter Organisation, Bestechung, unzähliger technischer Schwierigkeiten und Pannen gaben die Franzosen schließlich aus finanziellen und politischen Überlegungen auf und stellten die Arbeiten 1889 ein.

Ab 1894 übernahm die Compagnie Nouvelle du Canal de Panama, die Fortführung der theoretischen Arbeiten und verkaufte 1902 den Gesamtkomplex für 40 Millionen US-Dollar an die USA. Es sollte noch bis zum 3. August 1914 dauern, bis das erste Schiff den Panamakanal durchfahren konnte. De Lesseps war bereits 20 Jahre vorher gestorben.

Und wer ein Foto sehen möchte, auf der zwei Werke Eiffels auf einem Bild zu sehen sind, dem zeige ich eins, daß ich seinerzeit aufgenommen habe.

 

Cool oder? Sie ist zwar nicht ganz so groß, wie die Lady Liberty in New York, aber Details zur Geschichte gibt es hier.

 

 

Für alle Interessierten gibt es zum Schluss noch ein Video, in dem eine Fahrt durch den Panamakanal im Zeitraffer miterlebt werden kann. Besonderes möchte ich dabei auf die lustigen kleinen Treidelbahnen hinweisen. Ihr seht sie am Ufer hin- und herfahren. Sie ziehen die Schiffe in die Schleusen hinein und auf der anderen Seite wieder hinaus. Klickt hier.

Die Haffuferbahn zu Elbing


Die heutige Aktie verlieh mir die Teilhabe an der Elbinger Haffuferbahn-Aktien-Gesellschaft. Die kennt niemand mehr und wahrscheinlich weiß kaum jemand, wo Elbing überhaupt zu finden ist. Elbing heißt heute Elbląg (das Schwänzchen am ‚a‘ führt dazu, daß es wie ‚on‘ in Bonbon ausgesprochen wird – also Ellblonk) und liegt am Frischen Haff in den Masuren, also in Polen.

Früher war das Westpreußen, ab 1924 dann Ostpreußen, obwohl sich Elbing keinen Meter weit bewegt hat. Im Osten liegt Königsberg, im Süden Preussisch Holland und im Westen Danzig, das wir gerade vor ein paar Tagen zum Thema hatten. Im Norden ist die Ostsee.

 

 

Die Haffuferbahn legte eine 48,3 km lange, landschaftlich wunderschöne Strecke am Wasser zurück. In Wikipedia gibt es eine Karte aus Meyers Reisebücher, „Ostseebäder“, Bibliographisches Institut, Leipzig 1910 auf der die Strecke eingezeichnet ist. Ihr findet Elbing an der Süd-West-Spitze des Frischen Haffs und die Bahnlinie führt am südlichen Ufer bis nach Braunsberg.

Was wurde aus der Haffuferbahn? Von 1899 an fuhr sie in Form von neun Dampflokomotiven, 26 Personen-, drei Pack- und 111 Güterwagen hin und her und wurde betrieben von der Ostdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft, die den Berlinern und Brandenburgern noch heute bzw. heute wieder als ODEG mit ihrem weiß-grün-gelben „Ferkel-Express“ bekannt ist. Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1982 wurde die Strecke aufgrund einer zerstörten Brücke nur noch teilweise betrieben. Ab 1982 wurde Elbing wieder angefahren. 2005 war wieder Schluß. Seit 2013 wird ein Teil der Strecke für den Sommerverkehr in Betrieb genommen. Aber die goldenen Zeiten des Urlaubs am Haff sind wohl für den Eisenbahnverkehr für immer vorbei. Die Landschaft hingegen erfreut sich wieder wachsender Beliebtheit bei Urlaubern aus Deutschland.

Und wer sich das alles nochmal mit Bildern und Streckenplan anschauen möchte, der lässt sich auf den Wikipedia-Artikel weiterleiten, denn selbst für diese kleine Eisenbahnstrecke gibt es einen eigenen Artikel.

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