Japanische Kriegsanleihe – Update


Heute gibt es noch einen zusätzlichen Artikel.

Vor ein paar Tagen habe ich euch eine Japanische Kriegsanleihe vorgestellt. Inzwischen habe ich mir von meinem Kollegen, der mir auch schon bei der Meiji-Ära geholfen hat, das Wichtigste übersetzen lassen.

Hier das Ergebnis:

Zur Zeit der Ausgabe wurde von rechts nach links geschrieben.

  • rot-weißer Text über der Flagge rechts: 貯蓄 = saving / sparen
  • rot-weißer Text über der Flagge links: 債権 = bonds / Anteilscheine
  • in der Mitte über der roten Zahl: 戦時貯蓄債権 = War Saving Bonds = Kriegs-Anleihe; wenn man die Buchstaben vergleicht, findet man die linken beiden auch links über der Fahne wieder und die mittleren beiden über der rechten Fahne.

Besonders informativ ist allerdings die Zusatzinformation, die er mir übersetzt hat.

  • Die Jahreszahl lautet Shōwa 17. Hier haben wir also dieselbe Zählweise wie seinerzeit im Meiji-Artikel beschrieben. Infos zur Shōwa-Ära findet ihr in Wikipedia. Wir kommen also auf das Jahr 1942.
  • Zum Ausgabepreis: Der belief sich auf 15 Yen. Das war 1942 eine Menge Geld. Mein Kollege hat auch das für uns herausgefunden: 1942 kosteten 10kg Reis 3,3 Yen. Die Aktie hatte also einen Kaufpreis von umgerechnet 45kg Reis. Davon konnte eine mittlere Familie schon eine Weile leben.

Das war das Update. Domo warigato, Sato-san!

Werbeanzeigen

Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaren-Fabriken AG, 1928


Eine Aktie soll euch heute den Tag verschönern. Recht unscheinbar kommt sie daher. 1928 ausgegeben. 1000 Reichsmark.

 

Es gibt nicht viel zu dieser Aktie herauszufinden. Meine Besucher mit Vorliebe für wenig Text werden sich freuen.

Auf der Webseite schoene-aktien.de habe ich eine Firmenbeschreibung gefunden:

Herstellung sämtlicher Artikel der Gummi-Industrie, und zwar als Hauptgruppen:

  • technische Artikel aus Hart- und Weichgummi, Konservenringe, Transportbänder und Stopfbuchsenpackungen sowie Gummikurzwaren und Tauchgummiwarenfabrikate, Stoffgummierungen.
  • Gegründet am 18.12.1883 unter Übernahme der seit 1849 bestehenden oHG Berliner Gummiwarenfabrik Elliot, später Sachs, als Berliner Gummiwarenfabriken AG.
  • 1886 Änderung der Firma in Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaren-Fabriken, Berlin nach Vereinigung mit der Frankfurter Gummiwaren-Fabrik Wendt, Buchholtz & Co. in Gelnhausen.
  • Am 23.5.1929 Änderung der Firma in VERITAS Gummiwerke AG.
  • Die Ursprungsfirma Elliot war die älteste Berliner und zweitälteste deutsche Gummiwarenfabrik; der Sitz war in Berlin auf dem an der Spree belegenen Grundstück Mühlenstraße 70/71.
  • Im Jahre 1905 wurden die sämtlichen Aktien der AG technischer Gummiwaren C. Schwanitz & Co. in Berlin erworben und in Verfolg dieser Transaktion der Betrieb aus der Mühlenstraße mit in das Grundstück der letztgenannten Gesellschaft nach Lichterfelde verlegt; das Berliner Grundstück wurde vermietet (1928 verkauft).
  • Die im Jahre 1906 erworbene Sächsische Gummi- und Guttaperchawaren-Fabrik in Dresden ist Ende 1923 an die Vorbesitzer zurückübertragen, jedoch Mai 1925 der Gesellschaft wieder zugefallen.
  • 1948 verlagert nach Gelnhausen, heute Veritas Gummiwerke AG, Gelnhausen

Anhand der niedrigen Nummer der Aktie kann man ersehen, daß kaum mehr als ein paar Tausend von ihnen emmitiert wurden.

Wikipedia weiß zu berichten: 1933 gelingt im Berliner Werk in Zusammenarbeit mit dem Versuchslaboratorium der IG-Farben (Leverkusen) die praktische Einführung des synthetischen Kautschuks „Buna” in die Fertigung. Die erste Innovation mit dem neuen Werkstoff ist ein Bremsschlauch für die Deutsche Reichsbahn.

Ein Vorstandsmitglied der Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaren-Fabriken AG, Gustav Becker, gründete übrigens 1900 seine eigene Gummifirma. Er benannte sie nach dem Sitz der Firma: Fulda. Noch heute werden Reifen unter dem Namen „Fulda – German High Technology“ produziert, wenn auch nicht mehr dort. Die Firma hat zwischenzeitlich mehrmals den Besitzer gewechselt. Zuerst die Staubsaugerfirma Vorwerk, dann Goodyear.

Orient- und Überseetabak


Heute stelle ich euch wieder einmal eine Aktie vor. Diesmal habe allerdings nicht ich die Informationen, sondern spekuliere (wie man das mit Aktien so macht) auf die Hilfe meiner wertpapiersammelnden Leser.

Viel konnte ich nicht herausfinden. Diese Aktie ist nicht sonderlich wertvoll, aber sie hat mir seinerzeit gut gefallen und hing einige Jahre als Zierde in meinem Flur.

 

Herausgegeben am 1. Mai 1920 – also vor gut 95 Jahren – hat die Société Anonyme des Tabacs d’Orient & d’Outre-Mer Geld für ihre Expansion zusammengesammelt. Ob und was sie damit erreicht hat, welche Tabak- oder Zigarettenmarken mit dieser Firma verbunden waren, all das konnte ich nicht herausfinden. Entweder gab es nichts oder es war auf französisch geschrieben.

Warten wir gespannt ab, ob die Freunde vom EDHAC (Erster Deutscher Historic-Actien-Club) Details haben. Bis dahin, erfreut euch einfach mit mir an einer schönen, alten Aktie aus Frankreich.

Von Streichhölzern, einem Börsenskandal und einer Handyfirma


Familie Fugger hatte im 16. Jahrhundert eine prima Idee, wie man nicht nur Geld verdienen, sondern so richtig Geld verdienen konnte. Man lieh den hochverschuldeten Fürsten dringend benötigtes Geld, verzichtete auf eine Rückzahlung und ließ sich stattdessen ein Handels-Monopol übertragen oder das Privileg, als einziger bestimmte Bodenschätze ausbeuten zu dürfen. Das geliehene Geld bekamen die Fuggers auf diese Weise vielfach zurückgezahlt.

Warum sollte das, was damals funktioniert hat nicht auch 400 Jahre später noch funktionieren? Man nehme einen Kredit in einem reichen Land wie den USA auf, gebe einem durch den verlorenen Ersten Weltkrieg finanziell schlecht stehendem Land wie Deutschland einen Kredit und erbitte sich dafür das Monopol an einer belanglosen Ware des täglichen Lebens.

Ivar Kreuger aus Stockholm hat sich für Streichhölzer entschieden. (Holz gab es in Schweden genug, ein Umstand, den sich einige Jahre später auch sein Landsmann Ingvar Kamprad zu nutze machte und Löcher in Baumteile bohrte um sie anschließend als Puzzle an Menschen zu verkaufen, die versuchten, sich daraus Möbel zu basteln.)

Durch stete Zukäufe schuf Herr Kreuger ein weltumspannendes Streichholz-Imperium, dem (Wikipedia:) in den 1930er Jahren rund 150 Tochterfirmen mit 260 Fabriken und 750.000 Mitarbeitern angehörten und das in 33 Ländern den Zündholzmarkt und damit etwa drei Viertel der Weltproduktion kontrollierte. Daneben gehörten Kreuger eine Vielzahl an Berg- und Verhüttungswerken, ein großer Teil der schwedischen Papierindustrie mitsamt den dazugehörigen Wäldern und seit 1930 auch die Mehrheit der Telefonfirma Ericsson. Nicht schlecht. Wer die gesamte Geschichte des Herrn Kreuger inklusive einiger Details seines Selbstmordes kurz bevor das ganze Konstrukt in sich zusammenbrach nachlesen möchte, der klickt hier.

Wie ihr oben sehen könnt, habe ich damals, es war der 1. Juli 1928, auch Aktien dieses Senkrechtstarters gekauft. Die Unterschriften der beiden Namensgeber der Firma Ivar Kreuger und Paul Toll findet ihr übrigens links und rechts an zweiter Stelle.

Das internationale Flair der Aktie findet ihre Fortsetzung auf der Innenseite, wo derselbe Text wie vorn in französisch und deutsch, hier noch einmal in schwedisch und englisch abgedruckt ist.

Unmittelbar nach dem Suizid des Chefs ging die Firma den Bach runter. Dadurch lohnte auch der Gang zur Bank nicht mehr, denn die Dividenden wurden nicht mehr gezahlt.

Meine Aktie hat übrigens zuerst einer holländischen Firma gehört. Die scheint sich mit ihren Spekulationen etwas vertan zu haben.

Um sich ein Streichholz zu kaufen und die Bude anzuzünden wird es trotzdem gereicht haben. Die Zündhölzer gab es ja für kleines Geld an jedem Kiosk zu kaufen.

Die Spiegel-Rubrik „einestages“ hat Herrn Kreuger hier einen schönen Artikel gewidmet. Dieser schließt mit den Sätzen: Das Imperium überlebte den Tod seines Gründers nur kurze Zeit. Nach Bekanntwerden der Ungereimtheiten im Finanzgebaren stießen die meisten Anteilseigner ihre Aktien ab. Der so ausgelöste Börsencrash ging als „Kreuger-Crash“ in die Wirtschaftsgeschichte ein. Wie ein Streichholz knickten Kreugers gewagte und undurchsichtige Finanzkonstruktionen ein. In den USA wurde in Folge von Kreugers Aufstieg und Niedergang eine strengere Finanzaufsicht eingeführt.

Viele von euch kennen sicher sogar noch Produkte des Herrn Kreuger. Wenn auch der Chef aus dem Leben geschieden ist, bestanden seine Monopole noch lange weiter. Das in Deutschland erteilte Zündwarenmonopol beispielsweise lief erst am 15. Januar 1983 aus. Bis dahin wurde die Bundesrepublik von diesen Produkten der Svenska Tändsticks AB (STAB) überschwemmt und erleuchtet:

„Welthoelzer DZMG“ von de:Benutzer:Niemayer – German Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Welthoelzer_DZMG.jpg#/media/File:Welthoelzer_DZMG.jpg

Und, habe ich zu viel versprochen? Welthölzer kennt jeder, oder?

Liebig’s Fleisch-Extrakt Aktie


Heute ist es mal wieder an der Zeit, euch eine meiner Aktien vorzustellen. Daß ich ein Sammler von allem bin, was mit Liebig’s Fleisch-Extrakt zusammenhängt, wissen meine treuen Museumsbesucher ja bereits. Um alle bisher erschienen Artikel zum Thema zu lesen, klickt hier.

Heute soll es um eine ziemlich alte Aktie der Liebig’s Extract of Meat COmpany aus London gehen. LEMCO, wie sie in Großbritannien genannt wurde, war das, was man heute als Konzernmutter bezeichnen würde. Die Produkte von LEMCO oder Liebig habe ich in den vorherigen Artikeln schon ausführlich beschrieben. Daher direkt zur Aktie:

 

Was genau diese Aktie alles erlebt hat, kann man heute nicht mehr herausfinden. Auf jeden Fall war ein Brand dabei.

Herausgegeben am 17. September 1903 hat sie zwei Weltkriege erlebt, bei denen sie wahrscheinlich zur falschen Zeit am falschen Ort aufbewahrt wurde. Dabei hat sie eine Ecke eingebüßt und einen Brandfleck abbekommen. Auch die Kanten haben schon bessere Zeiten erlebt.

Allerdings habe ich eine Aktie mit schöner Ausgabenummer: 17999. Die Aktie selbst ist nicht sehr umfangreich. Gerade einmal ein Share im Wert von 5 Englischen Pfund. Das ist nicht viel, wurde aber während der Laufzeit mehr.

Ich hoffe, meine Museumsbesucher mit mehr Wissen um historische Wertpapiere können uns auch diesmal in den Kommentaren mit Detailinformationen versorgen. Wenn ich die Rückseite richtig deute, durchlebte meine Aktie in ihrem aktiven Dasein mehrere Splits, nämlich 1907, 1921 und 1925. Die Kapitalerhöhung kann von den blauen und grünen Stempeln auf der Rückseite abgelesen werden. Gab es bei Ausgabe 1903 100.000 Shares im Wert von £5, wuchs die Anzahl der Anteile auf, 120.000, dann 300.000 und schließlich 400.000.

 

Leider weiß ich nicht, was der letzte Stempel im Rechteck bedeutet. Ebenso ist mir der graue Stempel am oberen Rand unklar. Es könnte sein, daß es sich dabei um weitere zwei Kapitalerhöhungen in den Jahren 1942 und 1959 handelt. Da allerdings dort nur noch von £1 pro Share gesprochen wird, frage ich mich, ob es eine Kapitalverringerung im Aktiengeschäft gibt.

Ich bin auf meine Kommentare gespannt und bedanke mich schon jetzt für Informationen.

Damit endet der heutige Artikel auch schon. Bleibt mir gewogen und freut euch auf weitere spannende Details.

Ich zähl jetzt bis eins und dann is Achterbahn – eine Aktie


Im Zuge der der Börsenblase des Neuen Marktes in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts ging seinerzeit jede noch so murkelige Klitsche an die Börse. So auch die großartige Achterbahn GmbH, bekannt durch ihren gleichnamigen Verlag und die dort erschienenen Werner-Bücher.

So gut die Werner-Bücher gingen, so schlecht performte die 65-fach überzeichnete Aktie ab Ausgabe im Jahr 1998. 2002 wurde der Insolvenzantrag gestellt, 2003 kam die Insolvenz.

Aber die Achterbahn-Aktien sahen – ähnlich wie einige meiner bisher vorgestellten Aktien – sehr hübsch aus. Als kleiner Bonus waren die Gewinnanleihscheine mit all den verschiedenen Charakteren der Werner-Bücher und -Filme illustriert. Da wollte man seine Dividende gar nicht einlösen. Musste man dann ja dank der geplatzten Börsenblase auch nicht.

Das Titelzitat des heutigen Beitrags stammt übrigens vom unten links verewigten Präsi. Ab Minute 1 kann man es hier hören, wenn man sich anstrengt.

Und weil heute der 70. Jahrestag des Tages der Befreiung ist, gibt es noch diesen Clip dazu.

Strassenbahn St. Petersburg


Die heutige Aktie soll die Themenwoche im Moopenheimer-Museum abschließen, damit ich diejenigen unter euch, die mit alten Wertpapieren nicht so viel anfangen können, nicht langweile.

Ich habe euch eine interessante Aktiengesellschaft rausgesucht – die in Antwerpen (Belgien) ansässige Tramways et Enterprises Electriques de la Banlieue de St. Petersbourg – kurz übersetzt, eine belgische AG, die sich zum Ziel gesetzt hatte, zehn Millionen belgische Francs zu sammeln um damit im russischen Sankt Petersburg (später temporär in Leningrad umgetauft) ein Straßenbahnnetz zu bauen.


Ihr werdet es nicht glauben, aber das Ergebnis dieses Projekts war das bis 2002 mit einer Streckenlänge von 285 km und einer Linienlänge von 600 km längste Straßenbahnnetz der Welt.

Ebenso riesig wie das Streckennetz sind auch die vier Aktien, die ich hiervon besitze. (möchte jemand eine haben?) 51 x 36 cm

 

inklusive aller Zinsscheine, bis auf einen.

 

Wer wissen möchte, wie es um die Straßenbahnen in St. Petersburg heute steht, der liest bei Wikipedia oder direkt auf der russischen Seite von GORELEKTROTRANS (GOR = Gorod = Stadt). Und nicht vergessen, immer brav mit Fahrschein fahren.

 

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.

Schließe dich 102 Followern an

wen interessiert's?

  • 362.413 Klicks (bis jetzt)

Menü

Member of The Internet Defense League

aus dem Archiv

Blick in die Parallelwelt: Moppis Reise-Blog

Wanderung durch das Bjørndal und auf den Vogelfelsen

Heute, am 26.7. ging es zur (Geburtstags-)Feier des Tages auf eine Wanderung ins Gebiet außerhalb der befriedeten Zone. Ab hier darf man nur mit ortskundiger Person und Waffe unterwegs sein. Auf Spitzbergen gibt es 2500 Einwohner und 3500 Eisbären. Unsere beiden Führer Doreen, die ursprünglich aus Stralsund kommt und Rønar, ein Einheimischer, waren uns eine […]

Husky Tour – 25. Juli 2015

Heute stand eine Husky-Tour auf dem Plan. Zuerst einmal machen wir uns mit den Hunden bekannt. Hillfrid, die leider nicht mitlaufen durfte. Ike, neben dem man sich wie Rotkäppchen fühlt. Keino, mit 15 Jahren der älteste Hund im Hof, der aber noch immer ein guter Zughund ist, was ihm sein Dasein sichert, da es hier […]

Svalbard – Spitzbergen – Longyearbyen

Die ersten Fotos vom Urlaub oberhalb des Polarkreises. Die Temperaturen liegen kurz oberhalb des Gefrierpunktes. Manchmal nieselt es ein wenig, aber im Großen und Ganzen ist es sehr angenehm.

Pashupatinath – Verbrennung der Toten

Ungefähr eine Stunde braucht der Spaziergänger, um vom Stadtzentrum Kathmandus nach Pashupatinath zu gelangen. Hat man erstmal die richtige Straße gefunden, geht es irgendwie immer geradeaus. Vorbei an durchaus lustigen Schildern an einem Haus, von dem ich leider vergessen habe, wofür es dort steht,   einem hübschen, kleinen Wasserbecken. Manche Ecken sind nicht ganz so schön und […]

%d Bloggern gefällt das: