Victor Klemperer-Tagebücher 1933-1945


Etwas außer der Reihe möchte ich auf den Buchstory-Blog von Pia verweisen. Sie ist 16, liest und rezensiert Bücher und in ihr habe ich dankbar eine Rezensorin meiner Tagebücher von Victor Klemperer gefunden.

Und weil sie das wirklich großartig macht, empfehle ich euch, mal selbst einen Blick in ihren Blog zu werfen. Sie arbeitet die 8 Bände mit was-weiß-ich-wievielen-hundert Seiten durch, ist gerade im Jahr 1939 angekommen und ihr könnt hier ihren Artikel lesen. Es lohnt sich!

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mit Ahnenpaß zur Einbürgerung in die Bundesrepublik


Der Wahn der Nationalsozialisten, die perfekte Rasse zu erschaffen, zog ab der 1930er Jahre immer widerlichere Kreise. Die Reinheit des Blutes und die Zugehörigkeit zur nordischen Rasse wurde im sogenannten Ahnenpaß vermerkt.

 

Dieses ich weiß nicht wie viele Seiten starke Heft enthielt die Lebensdaten meiner Vorfahren, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und möglichst noch weiterer Generationen. In unserem Fall hat Frau Elisabeth Marie Wieczorek aus dem schlesischen Mylsowitz diesen Nachweis erbracht. Ene Reichsmark Gebühr wurde 1944 bezahlt, den Rest des Datumsstempels kann man nicht lesen.

 

 

Auf der nächsten Seite folgt der obligatorische Spruch des Herrn H, der durch seine große Statur, seine blauen Augen und sein blondes Haar ein Musterbeispiel seiner favorisierten Ideale war und nie müde wurde, es mit seinem humpelden Komagnon heute in Deutschland und morgen in die ganze Welt hinauszubrrrüllen.

Frau Elisabeth Marie hat leider versäumt, die Fotos rechts einzukleben.

 

Weiter im Text mit den Daten zur eigenen Person. 1927 geboren, also zum Ausfüll-Zeitpunkt süße 17 Jahre alt. Ehemänner gab es noch keine – das wäre ja auch unerhört gewesen.

 

 

Ahnennummer 2 und 3 waren Vater und Mutter, Lebensdaten, Geburtsort und -datum, Eheschließung. Hinter den Namen der Eltern von Vater und Mutter ist bereits die laufende Nummer 4, 5, 6 und 7 angegeben, damit man wusste, wo man mit dem Ausfüllen fortfahren musste.

 

 

 

 

Und da sind sie auch schon – die Großeltern väterlicherseits inklusiver aller bereits erwähnten Informationen und dem Verweis auf Zweige 8 und 9  des Ahnenbäumchens.

 

 

 

Bei den Großeltern mütterlicherseits war leider der Opa abhanden gekommen.

 

 

und von den Urgroßeltern großväterlicherseits waren nur noch die Daten der Eheschließung zu finden:

 

 

Die Eltern der Uroma hingegen hatten eine noch nicht verblasste Spur hinterlassen:

 

So spannend und aufregend die Suche nach den Vorfahren – auch heute noch – ist, so unschön waren die Gründe des massenhaften Erforschens der eigenen Herkunft. Bei vielen Mitmenschen ist unter irgendeiner Ziffer ein Nachname unerwünschter Provenienz aufgetaucht, obwohl die Familien seit eh und je Tür an Tür mit braunblütigen Volksgenossen gelebt haben, die sie plötzlich schon immer nie leiden konnten. Je höher die Ziffer des unarischen Verwandten im Ahnenpaß, desto größer der Nenner in der Einteilung der Nürnberger Gesetze und damit die Chance auf das eigene Leben.

 

Hier das Gesamtwerk in Tabellenform auf einer aufklappbaren Doppelseite am Ende des Passes.

 

 

und zum Schluß die Erläuterung der Zweig-Nummern mit dem Hinweis, daß die SS einen Ahnen-/Ariernachweis bis 1750 forderte.

 

 

Für mich neu war die Information, daß sowohl der Ahnenpaß als auch der für die Aufnahme in die SS erforderliche Ariernachweis auch heute noch als Dokument vorgelegt werden können, wenn um Einbürgerung in die Bundesrepublik Deutschland ersucht wird. Details hier.

Versandhäuser


Zwei interessante, alte Versandhauskataloge habe ich.

Neckermann und Quelle – beide bis vor einigen Jahren große Namen im Versandhandel. Und beide von heute auf morgen verschwunden.

Aber wer kennt schon die Geschichte dieser Häuser?

Mein Quelle-Katalog von ca. 1937 gibt ein deutliches Bild zur Einstellung der Firma ab. Es bleibt die Frage zu stellen, ob man ohne den dezenten Hinweis (siehe Detail-Bild) tatsächlich weniger Erfolg und Umsatz gehabt hätte.

Quelle Katalog 1937 arisch

und hier der vergrößerte Ausschnitt:Quelle Katalog 1937 arisch

Es ist zwar keine Jahreszahl auf dem Katalog zu finden, allerdings sind innen Leserbriefe von 1936 abgedruckt und lt. Wikipedia hatte Quelle 1938 bereits 2 Millionen Stammkunden. Also liegt das Jahr 1937 nahe.

Mehr Infos zu Quelle im Dritten Reich gibt es hier.

Neckermann hat lange Zeit damit geworben, in den 1950er Jahren entstanden und zum großen Versandhaus gewachsen zu sein. Dabei haben sie offenbar ihre eigenen Kataloge nicht aufmerksam genug gelesen. Ich habe da einen aus dem Jahr 1938 anzubieten:

Neckermann Katalog 1939 arisch

Wer die Details nicht so gut erkennen kann, möge sein Augenmerk auf die Ecke oben links richten:Neckermann Katalog 1939 arisch

Die Geschichte dazu ist übrigens sehr interessant. Falls jemand noch den Sänger Billy Joel kennt (Uptown Girl) – das ist einer der Erben.

Ein paar wirklich spannende Links gibt es hier und hier und hier.

Wer sich für mehr Details interessiert, dem sei die (von Neckermann nicht autorisierte) Familiengeschichte empfohlen.Neckermann Buch

Diese Buchreihe umfaßt weiterhin u.a. die Familien Oetker oder die Quandts (BMW).

Ein weiterer Artikel zu „arisierten“ Firmen findet ihr beim Flunder-Spiel.

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