Geld sichern zum Kriegsende – Dresdner Bank 1945


Wer gewinnt immer, egal ob Wirtschaftshoch oder -tief, Friedens- oder Kriegszeiten? Die Banken. Sie verleihen Dir bei Sonne einen Schirm, nur um ihn bei einsetzendem Regen zurückzufordern.

Daß man als Bank keine Skrupel haben darf, wenn man erfolgreich sein möchte, hat eine der großen deutschen Banken ganz besonders deutlich gezeigt – die Dresdner Bank. Einigen von uns wird noch der Werbeslogan „Mit dem grünen Band der Sympathie“ in Erinnerung sein. Und sympathisch waren sie. Sie sympathisierten beispielsweise im Dritten Reich mit der SS und wurden dadurch zur SS-Hausbank über die beinahe alle Arisierungen abliefen. Meine bisherigen Artikel zum Thema Arisierung und arisierte Firmen findet ihr hier. Zur Geschichte der Dresdner Bank im Dritten Reich lest hier.

Die 1943 von der Dresdner Bank übernommene Ostbank AG mit Sitz in Posen (Poznan) war in den letzten Kriegsjahren für Geschäfte im Geschäftsgebiet Ost zuständig. Dazu gehörten offenbar nicht nur die deutschen „Ostgebiete“, sondern auch Berlin und Brandenburg. Mit dem Näherrücken der Alliierten und der anstehenden Niederlage im Zweiten Weltkrieg zog sich die Bank aus den bombardierten Städten zurück und überließ den Niederlassungen in kleineren Städten die Kundenaufgaben.

Der heutige Brief von der OSTBANK Aktiengesellschaft als Tochterunternehmen der Dresdner Bank ist ein schönes Zeugnis, wie sich die Bank im Angesicht einer bevorstehenden Rechtfertigung gegenüber der Kriegssieger bei seinen Kunden abzusichern versuchte. Geschrieben wurde er übrigens nur einen knappen Monat vor der Kapitulation Deutschlands, also zu einer Zeit, als Berlin schon in Schutt und Asche lag. Wildau ist ein kleines Nest südlich von Berlin und wird Wil-dau ausgesprochen.

 

Die Filiale Kalisch meint die Stadt, die heute Kalisz heißt und ca. 100km westlich von Łódź im heutigen Polen liegt. Dieser Landstrich dürfte am 10. April 1945 bereits von den sowjetischen Streitkräften überrannt worden sein, so daß der Brief nicht daher kam, woher er zu kommen schien, sondern vermutlich in Leipzig abgeschickt wurde. Darauf schließe ich, weil Briefpapier der Leipziger Filiale der Dresdner Bank verwendet und nur sehr stümperhaft auf die Ostbank umgeschrieben wurde.

Trotz aller Schwierigkeiten hat es Heinrich Himmlers Lieblingsbank gut durch die Nachkriegszeit geschafft. Zuerst wurde sie in viele kleine Banken zerschlagen, die dann unauffällig wieder fusionierten. Am Ende ging sie über die Allianz an die Commerzbank. Geblieben ist von der Dresdner Bank nicht viel. Eine einzige Filiale gibt es noch – in Dresden. Das hat aber keine nostalgischen Gründe, sondern dient ausschließlich dem Schutz des Markennamens. Das andere Überbleibsel nach der Fusion mit der Commerzbank ist das Logo.

Aus

„Dresdner-Bank-Logo“ von Das Original wurde von Afrank99 in der Wikipedia auf Deutsch hochgeladen

plus

„Commerzbank-Logo“ von unbekannt – nicht angegeben. Lizenziert unter Logo über Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Commerzbank-Logo.svg#/media/File:Commerzbank-Logo.svg

wurde

„Commerzbank (2009)“ von Lucas de Groot; MetaDesign, Berlin / Commerzbank AG – Eigenes Werk (Originaltext: selbst erstellt). Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Commerzbank_(2009).svg#/media/File:Commerzbank_(2009).svg

 

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die frische Resi


Die frische Resi kennt heute niemand mehr (außer mir). Auch mit Leni und Susi sieht es nicht anders aus. Alle drei waren Magarine-Marken der Vereinigten Margarine-Werke in Nürnberg. Bis 1939 im Besitz zweier jüdische Familien Salb und Wohl und der Familie Lang. Im Zuge der Arisierung waren die jüdischen Eigner gezwungen, ihren Anteil den „arischen“ Teilhabern zu überlassen. Ähnliches kennt ihr schon aus früheren Artikeln die ihr hier noch einmal nachlesen könnt.

Zurück zu Resi – beim Kauf eines Würfels Margarine erhielt man vom Kaufmann des Vertrauens das aktuelle Heftchen der „Hausbücherei der frischen Resi“. Ähnlich der heute noch viel geliebten Apotheken-Rundschau oder Bäckerblume enthielt jedes Heft praktische Winke, Rezepte, Ratgeber, Leser(innen)briefe, eine Geschichte und mehr.

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Jetzt geht mir Alles nochmal so rasch von der Hand…   diese 100 praktischen Winke sind wirklich fabelhaft!Werbung Heft die frische Resi Margarine

 

Auf der Rückseite wird die Qualität der drei oben erwähnten Damen und ihre Preise abgedruckt: Resi – 40 Pfg für ein Halbes Pfund, Susi gibt es schon für 36 Pfg. und Leni ist bereits ab 32 Pfg. zu haben.

Der Trend, Margarine nach Frauen zu benennen hat sich auch in der DDR fortgesetzt. Wer kennt noch „Sonja“ und „Marina“? Komischerweise scheint es aber keine Margarine mit dem naheliegendsten Namen zu geben – Marga. Wobei das für mich spontan das Bild eines Öko-Ladens im Kopf erzeugt. Okay, es gibt auch andere Namen: Sana, Kama (beide aus der DDR) und Rama sind mir als Frauen noch nicht begegnet.

Das Flunder-Spiel


Gestatten – ich bin eine Flunder. Kennt jemand „Das lustige Flunder-Spiel“? Man kann es auch heute noch kaufen, in Zeiten der amerikanischen Kindes-Beeinflussung wurden die Flundern allerdings meist gegen Disney- oder ähnliche Figuren ausgetauscht.

Das lustige Flunderspiel

Der Spieletitel ist in Sütterlin-Schrift, die ab 1. September 1941 verboten war. Das erleichtert die Datierung

Die 12 Flundern aus Karton, die jeweils aus sechs Teilen bestehen, müssen von den Mitspielern zu vollständigen Flundern mit Hilfe zweier Würfel zusammengesetzt werden. Dabei geht es meist hoch her. Die Flundern werden mit dem Kopf beginnend über Teil 2, 3 usw. zusammengebaut. Sind die Köpfe alle vergeben, kann geklaut werden. Jede Flunder, die noch kein Teil 4 hat, darf von einem Spieler, der eine 1 würfelt weggenommen werden. Das lustige Flunderspiel

Die Spielanleitung ist in den Deckel der Verpackung eingeklebt.  Die Anleitung ist mit „Euer Onkel Hanns“ unterschrieben. Wer war „Onkel Hanns“?

Hanns Porst (Begründer der Fotoladenkette Porst) erwarb das gutgehende Unternehmen Spear-Spiele (bekannt durch Scrabble – der Wikipedia-Artikel ist sehr lesenswert!) im Jahre 1938 von der jüdischen Familie Spear, das diese im Zuge der Arisierung durch Zwangsverkauf aufgeben musste. Wie so oft bei diesen Verkäufen, erhielt die jüdische Familie nicht einmal den Kaufpreis. Unschöne Parallelen zum Zwangsverkauf der Familie Joel an Neckermann – siehe hier.

Das lustige FlunderspielDa also „Onkel Hanns“ die Firma Spear-Spiele 1938 übernommen hatte, ab Sept. 1941 kein Sütterlin mehr gestattet war, gehe ich davon aus, daß das Spiel irgendwann in diesem engen Zeitrahmen hergestellt wurde.

Mit Stolz erfüllt mich die Tatsache, daß mein Spiel vollständig ist, das vom Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin aber nicht. (lustigerweise haben wir uns beide für die grüne Flunder mit roten Würfeln entscheiden)

Versandhäuser


Zwei interessante, alte Versandhauskataloge habe ich.

Neckermann und Quelle – beide bis vor einigen Jahren große Namen im Versandhandel. Und beide von heute auf morgen verschwunden.

Aber wer kennt schon die Geschichte dieser Häuser?

Mein Quelle-Katalog von ca. 1937 gibt ein deutliches Bild zur Einstellung der Firma ab. Es bleibt die Frage zu stellen, ob man ohne den dezenten Hinweis (siehe Detail-Bild) tatsächlich weniger Erfolg und Umsatz gehabt hätte.

Quelle Katalog 1937 arisch

und hier der vergrößerte Ausschnitt:Quelle Katalog 1937 arisch

Es ist zwar keine Jahreszahl auf dem Katalog zu finden, allerdings sind innen Leserbriefe von 1936 abgedruckt und lt. Wikipedia hatte Quelle 1938 bereits 2 Millionen Stammkunden. Also liegt das Jahr 1937 nahe.

Mehr Infos zu Quelle im Dritten Reich gibt es hier.

Neckermann hat lange Zeit damit geworben, in den 1950er Jahren entstanden und zum großen Versandhaus gewachsen zu sein. Dabei haben sie offenbar ihre eigenen Kataloge nicht aufmerksam genug gelesen. Ich habe da einen aus dem Jahr 1938 anzubieten:

Neckermann Katalog 1939 arisch

Wer die Details nicht so gut erkennen kann, möge sein Augenmerk auf die Ecke oben links richten:Neckermann Katalog 1939 arisch

Die Geschichte dazu ist übrigens sehr interessant. Falls jemand noch den Sänger Billy Joel kennt (Uptown Girl) – das ist einer der Erben.

Ein paar wirklich spannende Links gibt es hier und hier und hier.

Wer sich für mehr Details interessiert, dem sei die (von Neckermann nicht autorisierte) Familiengeschichte empfohlen.Neckermann Buch

Diese Buchreihe umfaßt weiterhin u.a. die Familien Oetker oder die Quandts (BMW).

Ein weiterer Artikel zu „arisierten“ Firmen findet ihr beim Flunder-Spiel.

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