Trautes Heim – kein Glück allein


Ich habe ein paar Fotos gefunden.

Vor einigen Monaten habe ich euch über die Geschichte meiner Oma und ihrer ausgebombten Wohnung erzählt. Dieser Artikel hat viel Resonanz erzeugt. Ebenso die Geschichte zum Schicksal meines Opas.

Daher bin ich besonders stolz, daß ich diese wenigen Fotos der Wohnung gefunden habe, in der meine Oma zur dreifachen (eigentlich sogar vierfachen) Mutter und einfachen Witwe wurde und die ihr letztendlich über dem Kopf weggebombt wurde.

Meine Oma und mein Opa sitzen frisch verheiratet in der ersten (und einzigen) gemeinsamen Wohnung. Er in zivil, eine Zigarette drehend, sie in ein Buch vertieft.

Weitere Fotos mit dem Esstisch, vier Stühlen, einem Buffet mit der typischen 1930-er-Jahre Uhr und daneben eine Blumen-Etagere.

Unten links die Küche mit Herd, Waschtisch, Küchenwaage, Brotschneidemaschine und einer Küchenuhr, die mir in der Vergangenheit schon mehrfach begegnet ist.

Schließlich unten rechts, der Ort an dem indirekt auch meine Geschichte begann – das Schlafzimmer mit Ehebett, Kommode und Dreifach-Spiegel.

Einfach eingerichtet aber zweckmäßig. Wieviele Zimmer es in der Wohnung insgesamt gab, weiß ich nicht. Da aber zumindest für kurze Zeit drei Kinder und eine Mutter dort gewohnt haben, sollten es mindestens zwei gewesen sein.

Da meine 1937 geborene Tante bei der Wohnungseinrichtung noch nicht berücksichtigt gewesen zu sein scheint, datiere ich die Fotos einfach mal auf 1935/36.

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Update zum Fliegerschaden und Ausbombungs-Artikel


Es gibt noch ein kleines Update zum Fliegerschaden und Ausbombungs-Artikel von neulich.

Meine Cousine fragte, ob ich denn von den Amerikanern im Haus wüsste. Wusste ich nicht!

Eine kurze innerfamiliäre Recherche einer Dabeigewesenen ergab: „Wir [die beiden Familien aus dem Artikel, also die ausgebombten Erfurter und die aufnehmenden Arnstädter] saßen dicht zusammengedrängt, verängstigt in der Küche, als die Amerikaner das Haus stürmten. Als sie bemerkten, daß außer den Frauen und Kindern niemand im Haus war, schenkten sie uns allen Schokolade und verschwanden wieder.“

Das muß unmittelbar vor Kriegsende gewesen sein, da meine Hälfte der Familie ja schon am 29.5.1945 wieder abgereist ist.

Ich habe diese lesenswerte Seite (www.jonastal.de) gefunden, auf der der Vormarsch der US-Armee nach und durch Thüringen beschrieben ist.

Ein Absatz daraus: Ebenfalls am 4. April erreichten US-Spähtrupps die Wachsenburg bei Arnstadt. Zuvor hatten sowohl die Marlitt-Stadt als auch Witzleben und Crawinkel teils schwere Beschädigungen durch Bomben und Beschuss hinnehmen müssen. In Gräfenroda waren noch in den Apriltagen Brücken gesprengt worden und viele Menschen ums Leben gekommen. Dass es nicht noch schlimmer kam, verdankt die Region Cläre Werner, Burgwart a. D. der Wachsenburg, die die Amerikaner vom erneuten Beschuss Arnstadts und seiner kulturhistorischen Werte abhielt und ihnen zudem den Weg zu weiteren Außenlagern Buchenwalds wies.

Ich vermute daher, daß sich die Geschichte schon in der ersten April-Hälfte abgespielt haben muß.

Sollten noch weitere Details ans Licht kommen, melde ich mich. Die Zahl der Anwesenden wird ja bedauerlicherweise auch nicht größer.

Fliegerschaden – Bomben über Deutsch(e)land


Der versprochene Weg zum Endsieg war auch für meine Familie lang und steinig. Wohin er geführt hat, ist bekannt. Ende: ja, Sieg: nein (schon wieder). Ob die flächendeckende Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten tatsächlich nötig war, wurde an anderer Stelle ausgiebig diskutiert. Es gibt sicher ebenso viele befürwortende Argumente (z.B. Senkung der Unterstützungsbereitschaft und Kampfmoral) wie ablehnende (z.B. Tod unbeteiligter Zivilisten). Die Reichsführung hatte damals verboten, die Städte aufgrund der Bombardierungen zu verlassen („Durchhalten bis zum letzten Atemzug!“) und aufs Land zu flüchten. Gehen konnte nur, wer kein Dach mehr über dem Kopf hatte oder als kinderreiche Familie im Stadtzentrum lebte. In unserem Fall traf das zweite zu. Ein Antrag auf besuchsweisen Umzug zu Verwandten in Arnstadt – einer Kleinstadt, 30 km von Erfurt entfernt, wurde gestellt. Zuerst musste sich in Erfurt abgemeldet werden (28.1.1944).

  • Behördlich angeordnete Wohnsitzverlegung
  • Beruf: Ehefrau
  • … sind für die Wohnsitzverlegung vorsorglich – aus Luftschutzgründen außerhalb Erfurts vorgesehen. – Gegen die Abreise bestehen keine Bedenken.
  • (seitlich:) Gegen die Abwanderung bestehen keine arbeitseinsatzmäßigen Bedenken. Erfurt, den 26.Jan. 1944     Arbeitsamt Erfurt

Die Lebensmittelkarten wurden hier abgemeldet und dort wieder beantragt.Evakuierung-6 Evakuierung-7 In Arnstadt angekommen, musste die Anmeldung im Einwohnermeldeamt erfolgen. Das sah am 25. Februar 1944 so aus:

  • Spalte 12: Warum wurde hergezogen? Evakuierung
  • der violette Stempel: Nationalsoz. Deutsche Arbeiterpartei * Gau Thüringen * Ogru. Arnstadt (unleserlich) * Nur für Volkswohlfahrt
  • schwarzer Stempel in Spalte 7/8: Der Oberbürgermeister Ernährungsamt Arnstadt – die Lebensmittelmarken mussten zukünftig hier bezogen werden.

Evakuierung-1   Nachdem die Bombardierung Erfurts aufgehört hat, sind die Ehefrau und ihre Mutter ohne Erlaubnis zu Fuß (Verkehrsmittel fuhren nicht mehr) von Arnstadt nach Erfurt gewandert um sich nach dem Zustand ihres Wohnhauses zu erkundigen. Anschließend wurde zurückgelaufen und beschlossen, wieder nach Erfurt zu ziehen. Kurze Zeit später, am 12.4.1945 wurde dann das Haus in der die Ehefrau nebst der drei Kinder lebte, Opfer einer Fliegerbombe. Update: Ich habe einige Fotos der Wohnung gefunden, von der hier die Rede ist. Erfurt – Futterstraße 7. Klickt hier. Glücklicherweise waren sie während des Ereignisses im Keller des elterlichen Hauses, das verschont geblieben ist. Trotzdem fing der richtige Ärger erst an, nachdem sie zurückkehrten und alles weg war. Die Ehefrau, meine Oma, musste nach dem Tod ihres Mannes auf dem „Feld der Ehre“ in der Ukraine für das eigene (Über-)Leben und das ihrer drei Kinder, darunter meine Mutter, das jüngste Kind (geboren 1941) sorgen. Wieder wurde abgereist:

  • Ausweis für Fliegergeschädigte
  • Beruf: Witwe
  • wegen Fliegerschadens
  • Totalschaden 12.4.45

Evakuierung-8 Evakuierung-9   Schließlich wurde Ende Mai von den Verwandten in Arnstadt zu den Eltern in Erfurt gezogen:

  • Abmeldung in Arnstadt
  • Arnstadt, den 29.5.1945

Evakuierung-2 Evakuierung-3 Und schließlich der Passierschein der US Army (Thüringen befand sich in der amerikanischen Besatzungszone und wurde erst im Tausch gegen ein Stück Berlin an die Russen abgetreten):

  • 29. Mai 1945
  • Frau ….. und 3 (three) Begleiter Kinder … and three Children persons
  • Erlaubnis zum Besuch von Erfurt, Rückkehr zum Wohnort
  • This pass expires 2. Juni 1945

Evakuierung-4 Evakuierung-5 Ja, so war das damals. Und die Tatsache, daß ich diese Geschichte noch weiß, nach mir aber vielleicht niemand mehr, hatte mich bewogen, diesen Blog zu beginnen. Ein Update zu diesem Artikel findet ihr hier. Zwei Briefe des Ehemanns gibt es hier.

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