Kalender – Maison de la Belle Jardiniere – Paris – 1907


Erst vor wenigen Tagen habe ich euch einen recht großen Wandkalender des Pariser Kaufhauses Maison de la Belle Jardiniere aus dem Jahr 1887 vorgestellt.

Heute springe ich 20 Jahre vorwärts. Das gleiche Kaufhaus, wieder ein Wandkalender – diesmal jedoch einer zum umblättern. Während ich den Maler des vorigen Kalenders, den berühmten Émile Bayard, an seiner Signatur entziffern konnte, bin ich diesmal leider (noch) nicht fündig geworden. Ich glaube auch, daß hier mindestens zwei Künstler am Werk waren, da ein Teil der Bilder mit dem Mogramm LB und ein Teil mit einem Schriftzug signiert ist, das aussieht wie „Rilou“. Beim Januar bin ich mir noch unsicher, ob es ein dritter Maler ist.

 

Der Januar zeigt eine Boulonnaise. Heute bezeichnet man mit diesem Wort nur noch eine Pferderasse. Ursprünglich bezieht sich der Name auf eine Einwohnerin der nordfranzösischen Hafenstadt Boulogne-sur-Mer nahe Calais. Daher auch der Rahmen mit Ankern und Jakobsmuscheln und die Waterkant im Rücken der Schönen. (auf diesem Bild seht ihr die erste Signatur unten rechts)

 

Der Februar kommt mit einer Normande, einer Bewohnerin der Normandie, also einer Nachbarin entgegen dem Uhrzeigersinn von unserer Miss Januar. Die Normandie ist, wenn ich der Umrandung Glauben schenken darf bekannt für ihr Obst. Helft mir auf die Sprünge: sind das Pfirsiche oder Äpfel? Mich hat in der Normandie am meisten die Abtei Mont Saint-Michel fasziniert. (dieses Bild ist von LB signiert)

 

Der März bringt uns eine Bretonin, die deshalb so heißt, weil sie dem keltischen Stamm der Bretonen in der Bretagne angehört. Auch hier gehen wir auf der Landkarte wieder ein Stück linksherum. Aus Sicht der deutschen Sprache ist die Bezeichnung Bretonne leicht mißverständlich und könnte mit dem Zusatz „eine Spinnerin“ leicht zu Ärger führen. Aber dem Rahmen nach, war der Flachs dort weit verbreitet. (signiert von LB)

 

Mademoiselle April Vendéenne kommt, wer hätte das gedacht, aus Vendée, einer Region südlich der Bretagne mit viel Regen, wenig Sonne aber gutem Käse. Weil ihr das und der Umstand, daß sich ihre Region eisern gegen den Umschwung durch die Französische Revolution gewehrt hat, vielleicht etwas unangenehm ist, schaut sie lieber zur Seite als zu uns. Soll sie doch! (signiert mit B)

 

Was hat uns der Mai gebracht? Eine anmutige Béarnaise aus der Provinz Béarn am Fuß der Pyrenäen. Ich möchte nicht wie eine Sauce heißen, allerdings scheint es in der Gegend viele Schafe zu geben. Das wiegt einiges auf. Der Rahmen lässt auf Mais, Getreide und Feuerbohnen tippen. Was sie da in der Hand hält, ist mir jedoch ein Rätsel. (signiert LB)

 

Der Juni führt uns noch weiter entgegen dem Uhrzeiger am Rand Frankreichs entlang. Diese Ariégeoise entstammt dem Departemenet Ariège an der Grenze zu Andorra und Spanien. Wenn man dem Rahmen glauben darf, gab es dort vor 100 Jahren noch Bären in Nadelwäldern. (signiert „Rilou“?)

 

Die zweite Jahreshälfte führt uns mit dem Juli  auch in die wärmeren Gegenden Frankreichs. Arles ist eine recht große Gemeinde in der Nähe der Côte d’Azur. Heute nur noch im touristischen Einzugsgebiet, ging es den Bewohnern zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Kalenders bestimmt besser. Dem Rahmen nach könnte es dort Oliven und Bienen gegeben haben, die den Bauern ihr Einkommen gesichert haben. (signiert LB)

 

Der August driftet von unserer schönen Rundfahrt ab und setzt die Reise nun in die zentralen Regionen Frankreichs fort. Dabei geht es zuerst in die Auvergne. Was allerdings hat uns diese Auvergnate zu bieten? Sind das Klöppelspindeln und die Dame beschäftigte sich, gemeinsam mit ihren Landsleuten mit der Herstellung schöner Spitzenklöppelei-Erzeugnisse? (signiert LB)

 

Gleich westlich der Auvergne liegt, nein, nicht der September, sondern Limousin. Diese Region war der Namensgeber für unsere heutige Autoform – die Limousine. Der Name wurde abgeleitet von den dort verbreiteten edlen überdachten Kutschen. Wikipedia weiß noch mehr tolles über diese Region zu berichten: Die historische Sprache der Region ist das Okzitanische mit den Dialekten Languedokisch und Limousinisch. Diese Sprache war die Sprache der Troubadoure um 1100 bis 1300. Kuck an. Im Rahmen sind Kastanien abgebildet. (ich habe keine Signatur gefunden)

 

Der Oktober führt uns in die Bourbonnais und wird repräsentiert von dieser bezaubernden Bourbonnaise. Leider gibt es diese Provinz heute nicht mehr. Sie wurde aufgeteilt und den benachbarten Departements zugeschlagen. Laut Rahmen gibt es in der Gegend Libellen. Wen will man damit anlocken? Bis zum zehnten Kalenderblatt hat übrigens Monsieur Recylon gewartet, bis er uns mit seiner Signatur verraten hat, daß er für die Gestaltung der Rahmen zuständig war. Der Herr, über den man so gut wie nichts herausfindet, war ebenso wie Émile Bayard Maler, Grafiker und Illustrator. Seine Arbeiten wurden oft mit dem Stil von Alphonse Mucha verglichen. (Das Bild ist signiert mit LB)

 

Eine Savoisienne ist unsere Miss November geworden. In den Savoyen beheimatet, ebenso wie die Alpenveilchen und Edelweiße des Rahmens, ist sie eine Bergbewohnerin. In den Savoyer Alpen befindet sich der nach einem Füllfederhalter benannte höchste Berg Europas, der Mont Blanc. Damit sind wir fast wieder am Ausgangspunkt unserer Rundreise angekommen. (signiert „Rilou“?)

 

Das Jahr ist alt, ebenso unser Kalender-Model, der Dezember schließt den Reigen ab. Die Oma des Monats ist eine Bressane und kommt aus Bresse im Osten Frankreichs. Etwas hat sich in den vergangenen 100 Jahren in Bresse nicht geändert. Die dort gezüchteten Bressehühner sind auch heute noch eine Delikatesse und eine der wenigen Sorten, die in Deutschland mit Kopf und Füßen am Huhn verkauft werden darf. (signiert LB)

 

Damit ist das Jahr 1907 rum. Das Maison de la Belle Jardiniere hat es wieder geschafft, ein Jahr lang Eigenwerbung zu platzieren. Überraschenderweise war Paris auf keinem Kalenderblatt vertreten. Sonst mogelt es sich überall mit rein. Vielleicht wollte das Pariser Kaufhaus aber auch nur zeigen, daß Frankreich durchaus noch andere Regionen zu bieten hat. Wir wissen es nicht.

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Kalender – 1887 – Émile Bayard und Henri Sicard


Kalender sind eine tolle Erfindung. Seit der Mensch Zeit und Ruhe hat, sich die Sterne anzusehen und den Lauf von Mond und Sonne zu verfolgen, gibt es Kalender – in etwa. Anfangs in Form riesiger Steine, die in bestimmten Mustern aufgerichtet wurden oder als schmale Ritzen im Mauerwerk, die das Sonnenlicht auf einen bestimmten Punkt scheinen ließen, wurden sie im Laufe der Jahrtausende immer kleiner, handlicher, praktischer und schöner, nur um schließlich ihr Leben als langweilige Smartphone-App unter den schmierenden Fingern der Menschheit zu fristen.

Ein Teil meiner Sammlung bilden Kalender, diese dann in Form von Taschenkalendern und die wiederum aus der Zeit zwischen 1870 und 1900. Viele habe ich nicht. Diese Sammlung ist auch nur eine Unterkategorie meiner Chromolithographie-Sammelbildchen-Sammlung. Auf einigen dieser Karten wurden halt Kalender aufgedruckt. Das ist auch schon der große Unterschied.

Wenn mir jedoch dann ein Kalender eines meiner favorisierten Drucker in die Hände fällt, kann er auch ruhig etwas größer sein, so wie dieser 129 Jahre alte Vertreter, der so groß ist, daß er gerade so in die größte meiner Schubfächer passt.

Henri Sicard kennt ihr schon aus dem Beitrag über den Kleinen Däumling und den Menschenzoo. Im Laufe der Zeit werden noch weitere Artikel hinzukommen. Sie alle findet ihr dann hier.

Der Rand neben Januar und Februar ist leider etwas ramponiert. Aber ich möchte euch mal mit 129 Jahren sehen.

Interessant ist die Umsetzung des Gemäldes. Wer versteht, wie Chromolithographie funktioniert, weiß wie schwierig es ist, ein Gemälde in dieser Größe bei gleichbleibender Qualität in 7 oder mehr Farben aufzuteilen und diese dann auf die Lithographiesteine zu übertragen. Das Gemälde stammt vom berühmten Illustrator Émile Bayard.

Und wer schon jemals ein Werbeplakat für Les Miserables gesehen hat, der kennt dieses Bild

Abbildung vom Verlag penguinrandomhouse.com

und kann ab jetzt stolz behaupten: „Ich weiß, daß dieses Bild von Émile Bayard ist und Moopenheimer hat von ihm einen uralten Kalender.“

So sieht das Original aus – die Signatur unten rechts ist auf meinem Kalender unten links zu finden.

„Ebcosette“ von Émile Bayard – 1886 engraving for Victor Hugo’s Les Miserables. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ebcosette.jpg#/media/File:Ebcosette.jpg

Mein Kalender war ursprünglich ein Wandkalender, hing bestimmt auch ein Jahr herum – wie ich vermute, in der Nähe einer Tür, die beim Öffnen und Schließen gegen den Januar stieß und ihm das erwähnte Leid zufügte. Er war im Jahr 1886 ein Werbegeschenk des Pariser Kaufhauses Maison de la Belle Jardiniere – hoppla, schon wieder eines meiner Sammelgebiete.

Und jetzt hat bestimmt auch der letzte meiner Leser etwas hinzugelernt und niemand ist am heutigen Tag umsonst aufgestanden.

Weltausstellung – Paris – 1878


 

Heute gibt es wieder eine Weltausstellung. Artikel über die Ausstellungen der Jahre 1893 in Chicago und 1900 in Paris hatten wir schon und wer sie verpasst hat, klickt einfach auf die Jahreszahlen.

Heute gehen wir noch ein wenig weiter zurück.

 

 

1878 fand die 7. Weltausstellung – zum dritten Mal in Paris – statt. Hier wurden als besonders grandiose Erfindungen das elektrische Licht und eine Eismaschine vorgestellt. Beides waren aber nicht wirklich Neuheiten. Wer Details mag, klickt hier. Neben der kompletten Neugestaltung des Marsfeldes (Champs du Mars) gab es viele beeindruckende Pavillons zu sehen.

In den Tiefen meiner Sammelkarten-Alben habe ich einige Ansichten gefunden, die ich euch heute zeigen möchte.

Spanien

 

auch Spanien

 

 

Japan

 

nochmal Japan

 

England (leider mit einem Tintenklecks)

 

Mittelamerika

 

Algerien

 

Und als letztes ein Sammelbild des Chinesische Pavillons am Trocadero-Palast. Darüber eine Gesamtansicht des Ausstellungsgeländes und des Hauptgebäudes.

 

 

Die Fotografien stammen aus dem Fotoalbum, dessen Einband ich ganz oben gezeigt habe. Es enthält Ansichten aus Paris.

und zum Schluß noch einmal die Panorama-Ansichten:

 

Ein Ausstellungsstück, das auch heute noch immer zu den weltweit bekanntesten Fotomotiven gehört fand seinerzeit übrigens überhaupt keine Erwähnung. Wahrscheinlich fand man diesen von innen begehbaren Teil einer Statue nicht sonderlich bemerkenswert. Hätten die 16.156.626 Besucher der Weltausstellung damals geahnt, daß 140 Jahre später lange Schlangen und eine begrenzte Eintrittskartenzahl vor einem Besuch stehen, wäre sicher mehr über dieses tolle Werk von Frederic-Auguste Bartholdi unter Mithilfe von Gustave Eiffel berichtet worden.

 

„SOLparkParis“ von Albert Fernique (born c. 1841, died 1898) – Dieses Bild ist unter der digitalen ID cph.3a53268 in der Abteilung für Drucke und Fotografien der US-amerikanischen Library of Congress abrufbar. Published in 1883 in Frederic Bartholdi’s Album des Travaux de Construction de la Statue Colossale de la Liberte destinee au Port de New-York (Paris).. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:SOLparkParis.jpg#/media/File:SOLparkParis.jpg

 

Deutschland war auf der Weltausstellung übrigens nicht vertreten. Vielleicht lag das am Deutsch-Französischen Krieg, der 1870/71 stattfand. Ich weiß es nicht.

Wie durch Zufall war eines der großen Pariser Kaufhäuser, da Maison de la Belle Jardinière, dessen Sammelkarten ich sammle ein Mitglied der Jury zur Prämierung der Aussteller und Ausstellungsstücke. Das Belle Jardinière nahm außer Konkurrenz (Hors Concours) teil. Ihr könnt das auf der Rückseite der Karte in der Mitte lesen. Die auf der Weltausstellung vergebenen Medaillen sahen in etwa so aus.

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