Arbeiterrückfahrkarte


Um zu wissen, was eine Arbeiterrückfahrkarte ist, müsst ihr entweder im Dritten Reich oder in der DDR gelebt haben.

In Zeiten, da der Individualverkehr noch nicht so ausgeprägt war wie heute, also nicht nahezu jede Familie ein eigenes Auto besaß, gab es trotzdem viele Menschen, die in erheblicher Entfernung zu ihrem Wohnort arbeiteten.

In der DDR war es weit verbreitet, während der Woche „auf Montage“ in die Städte – hier hauptsächlich Berlin, die Hauptstadt der DDR – zu reisen, dort zur Untermiete oder in Monteurs-Unterkünften zu wohnen und am Freitag oder Sonnabend wieder nach hause zu fahren. So spartanisch die Unterkünfte waren, man verdiente gutes Geld, dem Alkohol wurde zugesprochen und man befand sich nähre an der Quelle der Versorgung mit Waren, die in DDR-Kleinstädten und auf dem Lande nur schwer zu bekommen waren.

Damit der sauer verdiente Lohn nicht der Deutschen Reichsbahn in den Rachen geworfen wurde, gab es die stark subventionierten Arbeiterrückfahrkarten, also Fahrkarten, mit denen der Arbeiter zurück nach Hause fahren konnte. Der Fahrpreis war hiermit um 50-75% ermäßigt, die Fahrkarte war allerdings personen- und streckengebunden.

 

Auf der Rückseite ist der Entwertungsstempel zu sehen:

Das Telecafé im Berliner Fernsehturm


Der Fernsehturm in Berlin war 1969 – also vor fast 50 Jahren – die Sensation der Baukunst, noch dazu in Ost-Berlin. Während West-Berlin nur den 1925 eröffneten und popelige 147 Meter hohen Funkturm bieten konnte, kam die DDR mit einem mehr als doppelt so hohen Turm daher. 365 Meter hoch war er, inzwischen sind noch 3 Meter dazu gekommen.

Und das Highlight war und ist nicht die Aussichtsplattformin 203 Metern Höhe, sondern das 4 Meter darüber befindliche Drehrestaurant „Telecafé“. Einmal pro Stunde dreht es sich um die eigene Achse und gibt den Ausblick auf die ganze Stadt über den Tellerrand frei.

Und da habe ich bei meinem ersten und einzigen Besuch diesen schönen Bierdeckel mitgenommen:

 

Falk Stadtplan Berlin – 1977 und 1994


Wohnt ihr in Berlin oder wart ihr schon einmal in Berlin? Vielleicht sogar schon zweimal? Einmal vor und einmal nach dem Fall der Mauer? Hattet ihr einen Stadtplan von Berlin? Einen Falk-Plan?

 

Stadtplan Falkplan Berlin 1977 1994

Ist euch dort jemals etwas aufgefallen?

Bis zur Wiedervereinigung der beiden Berlin-Hälften war der Falk-Plan – übrigens seinerzeit einer der genauesten Stadtpläne Ost-Berlins – farblich in Ost und West unterteilt. Während der Westteil der Stadt damals wie heute rosa dargestellt wurde, kam der Ostteil im landestypischen Grau daher.

Stadtplan Falkplan Berlin 1977 1994

Stadtplan Falkplan Berlin 1977 1994

 

Nach der Wende wurde schließlich der westliche Wohlstand über der DDR ausgegossen und die Landschaften erblühten in schönsten rosa Tönen.

Stadtplan Falkplan Berlin 1977 1994

Die Werbung von damals ist sehenswert und erstaunlich viele Firmennamen sind seither vom Markt und aus dem Markenbewusstsein verschwunden.

Stadtplan Falkplan Berlin 1977 1994

 

Wer einen noch viel älteren Falkplan anschauen möchte, der klickt hier.

 

Fidibus paß auf – Verkehrserziehung in der DDR


Kinder sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Das wusste man auch schon in der DDR. Verkehrserziehung wurde damals noch groß geschrieben. In der Schule, im Verkehrsgarten und bei Kinderfesten – überall waren Verkehrserzieher und Polizisten zur Stelle und wer gut aufgepasst hatte, bekam die Goldene Eins.

Es gab ein ABC des Straßenverkehrs – ein Nachschlagewerk für Kinder mit fröhlichen Zeichnungen von Horst Alisch.

Heft Goldene Eins

 

Das Verkehrsquartett „Die Goldene Eins“ vermittelt auch jetzt noch spielerisch die Verkehrsregeln, auch wenn der Schwarze Peter in diesem Fall der hilfsbereite Schülerlotse ist.

Die Goldene Eins Quartett

 

Mein ältestes Objekt in der DDR-Verkehrserziehung ist das 1963 erschienene Buch „Fidibus paß auf“. Es handelt von einem kleinen, namenlosen Jungpionier, der von allen nur Fidibus genannt wird. Er bringt alles durcheinander, ist unaufmerksam und damit natürlich ein perfektes, schlechtes Beispiel im Straßenverkehr.

 

Die Innenklappe zeigt uns einige der gängigen Verkehrszeichen der Zeit. Die Parkverbots- und Stopschilder dürften nur noch die Älteren unter euch kennen.

 

Das Buch zeigt Bilder des täglichen Straßenverkehrs aus den 60er Jahren. Die Straßenschilder und Fidibus wurden dazugezeichnet. Man beachte den Verkehrspolizisten in seinem Wachturm!

 

Wir lernen Fidibus sofort von seiner schlechten Seite kennen – lest selbst: (na, wer hatte auch so eine tolle Lederhose als Kind?)

 

Wir haben natürlich alle geahnt, daß der Ball auf der Straße landen wird und siehe da, auf der übernächsten Seite wird Fidibus von Hauptwachtmeister Hoppe mit einem kleinen Gedicht belehrt. Begeistern Polizisten die Verkehrssünder heute eigentlich immer noch mit kleinen Ermahnungsgedichten?

 

Nach dieser Belehrung saust Fidibus davon, diesmal als Feuerwehr durch den fließenden Verkehr und wird von einem LKW-Fahrer zwischen den hupenden Autos hochgeschnappt. Das Bild hatten wir schon weiter oben auf dem Buchtitel. Und wieder ist Hauptwachtmeister Hoppe mit einem Gedicht zur Stelle

 

Ein schönes Bild des Straßenverkehrs in der DDR. Das Buch erschien zwar 1963, also zwei Jahre nach dem Mauerbau, Die Fotos scheinen jedoch schon etwas älter gewesen zu sein. Anders kann ich mir das Auto mit dem West-Berliner Kennzeichen nicht erklären.

 

Nach weiteren Verfehlungen im Straßenverkehr wird Fidibus schließlich zum Gruppennachmittag der Pioniere einbestellt, zu dem auch Hauptwachtmeister Hoppe kommt und Verkehrsunterricht hält.

 

Und damit wird Fidibus belehrt, geheilt und ein hervorragender Verkehrsteilnehmer. Hier sehen wir ihn an einem DDR-Zebrastreifen. Dem Fußgängerschutzweg mit der schönen alten schwarz-gelmen „Ampel“.

 

 

Etiketten aus dem Katalog


Was wäre eine Flasche ohne das Etikett? Großes Rätselraten über den Inhalt und die Frage: „trinke ich es oder lasse ich es lieber stehen?“ Ein Etikett kann dabei von entscheidender Wichtigkeit sein, wie meine Oma mal feststellen durfte, als sie an einem lauen Sommerabend einen Schluck aus einer Weinflasche nahm, nur um dann endlich zu wissen, wo sie den restlichen Teppichreiniger hingetan hatte.

Daß die Herren Goetz und Müller meine Oma kannten, ist zu bezweifeln. Daß sie aber Etiketten hergestellt haben, steht außer Frage. Und weil sie nicht die einzigen waren, die 1938 Flaschenetiketten hergestellt haben, mussten sie von Fabrik zu Fabrik tingeln und ihre Druckerzeugnisse anpreisen.

Heute stelle ich euch einen Katalog dieser Firma vor.

 

Im Offset-, Stein- und Buchdruck vom Fach und von Heinrich Schwiegelshohn aus Limbach in Sachsen vertreten ging es auf die Reise. Dazu hatte Heinrich Schwiegelshohn seinen Erlaubnis-Ausweis dabei, einen seiner Kollegen kennt ihr schon aus diesem Artikel.

 

Um Missverständnisse zu vermeiden:

 

Überraschenderweise hat sich an einigen Weinsorten bis heute nichts geändert.

 

Passende Halsschleifen

 

Ein Zusatz von Trinkwasser oder kohlensaurem Tafelwasser erhöht den Genuß. oder mit anderem Eindruck

 

Auch ausländische Weine und Spirituosen wollten etikettiert werden.

 

Diese Etiketten könnte man auch heute noch finden.

 

die harten Sachen

hier mit der Unterteilung für ganze, halbe und Miniaturflaschen. Auch damals wurde der kleine Schluck geschätzt.

 

Was mag Batavia-Arac gewesen sein?

 

Nordhäuser und Danziger Goldwasser

 

 

Kümmel

 

Bärenfang – habe ich sogar noch zu hause

 

Ist das nicht eine riesige Auswahl? Und ich habe euch nur einige der Seiten dieses doch recht dicken Kataloges gezeigt. Viele Etiketten gibt es in zahlreichen Variationen.

 

 

Verband der weiblichen Handels- und Büroangestellten


Gewerkschaftliche Organisation der Angestellten und Arbeiter ist wichtig, um die Rechte der Arbeiter in Betrieben, Fabriken und Büros durchzusetzen. In Deutschland gibt es seit 1329 gewerkschaftsähnliche Zusammenschlüsse und seit 1848 organisierte Gewerkschaften. Einen Aufschwung erfuhren Gewerkschaften nach der Gründung der Weimarer Republik ab 1919 und erstarkten bis zur Machtübernahme und Gleichschaltung durch die Nazis. Das war am 2. Mai 1933. An diesem Tag gingen alle Gewerkschaften in der Deutschen Arbeitsfront auf.

Ein frühes Mitglied des 1919 gegründeten Verbandes der weiblichen Handels- und Büroangestellten war die um mehrere Ecken irgendwie verwandte Emmy Heinemann. Sie war sogar bereits im Jahr 1911 Mitglied eines gewerkschaftlichen Verbandes. Dessen Namen konnte ich jedoch nicht herausfinden.

Dafür hat sie uns einige ihrer Mitgliedskarten hinterlassen.

 

Ab 1925 RM 2,00, ab Mai 1926 RM 3,00 und schließlich ab Juni 1928 satte RM 3,50 Monatsbeitrag. Die sind dann allerdings bis Ende 1932 konstant geblieben.

 

Auf der Rückseite der Mitgliedskarte wurden (mehr oder weniger) freiwillig entrichtete Beiträge für die Wohlfahrt geklebt.

 

Weiter geht es im Querformat ab 1933.

 

Berlin-Wilmersdorf, Trautenaustraße 11 b/ Sendig

Ab 1933 konnte neben dem Gewerkschaftsbeitrag auch eine Renten-Versicherung abgeschlossen werden. Emmy hatte offenbar keine. Sie blieb bei ihren RM 3,50 pro Monat.

 

Doch, zack, kaum war die oben erwähnte Gleichschaltung unter der NS-Führung vollzogen, stieg der Monatsbeitrag. Auf RM 4,00 und gleich ein Quartal später noch einmal um 20 Pfennige.

 

1935 war man bereits bei RM 4,40 – allerdings griff zu dieser Zeit wahrscheinlich schon das Programm zur Steigerung der Einkommen. Ich glaube, ich hatte das im Beitrag über das Eiserne Sparen schon einmal erwähnt.

 

Bei Lesen der Regeln für alle Verbandsmitglieder wird nun auch deutlich, wieso Emmys Beitrag stetig stieg: Der Mitgliedsbeitrag ist jeweils monatlich im voraus zahlbar, und richtet sich nach der Höhe des Einkommens.

In der Urlaubszeit werden Gemeinschaftsreisen veranstaltet, auch Wochenendfahrten und Wanderungen finden statt.

Das Sommerfrischenverzeichnis des Verbandes weist gute Pensionen nach.

 

Noch mehr Regelungen:

 

Eigenwerbung auf der Rückseite des Mitgliedsbüchleins zeigt Erholungsheime aus dem Urlaubsangebot des Jahres 1932.

 

Die Wichtigkeit der Arbeitnehmererholung wurde früh erkannt und preiswerte Angebote für Familienurlaube auch in der nationalsozialistischen Zeit sowie später in der DDR geschaffen.

 

Als ebenso ordnungsliebende, wie den Ämtern mißtrauende Person, hat Emmy Heinemann übrigens alle Einzahlungsquittungen aufbewahrt um im Bedarfsfall die geleistete Einzahlung auf das Postscheckkonto (links) bzw. an der Verbandskasse (rechts) nachweisen zu können.

 

Die Gute ist übrigens ganz schön alt geworden. Ich glaube, sie ist erst zu Beginn der 1980-er Jahre gestorben. Bei Jahrgang 1890 kam da schon einiges an Lebensalter zusammen. Ob sich ihre Einzahlungen ausgezahlt haben, weiß ich nicht. Die kurze Zeit, die ich sie kannte, hat sie in sehr einfachen Verhältnissen gewohnt.

Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaren-Fabriken AG, 1928


Eine Aktie soll euch heute den Tag verschönern. Recht unscheinbar kommt sie daher. 1928 ausgegeben. 1000 Reichsmark.

 

Es gibt nicht viel zu dieser Aktie herauszufinden. Meine Besucher mit Vorliebe für wenig Text werden sich freuen.

Auf der Webseite schoene-aktien.de habe ich eine Firmenbeschreibung gefunden:

Herstellung sämtlicher Artikel der Gummi-Industrie, und zwar als Hauptgruppen:

  • technische Artikel aus Hart- und Weichgummi, Konservenringe, Transportbänder und Stopfbuchsenpackungen sowie Gummikurzwaren und Tauchgummiwarenfabrikate, Stoffgummierungen.
  • Gegründet am 18.12.1883 unter Übernahme der seit 1849 bestehenden oHG Berliner Gummiwarenfabrik Elliot, später Sachs, als Berliner Gummiwarenfabriken AG.
  • 1886 Änderung der Firma in Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaren-Fabriken, Berlin nach Vereinigung mit der Frankfurter Gummiwaren-Fabrik Wendt, Buchholtz & Co. in Gelnhausen.
  • Am 23.5.1929 Änderung der Firma in VERITAS Gummiwerke AG.
  • Die Ursprungsfirma Elliot war die älteste Berliner und zweitälteste deutsche Gummiwarenfabrik; der Sitz war in Berlin auf dem an der Spree belegenen Grundstück Mühlenstraße 70/71.
  • Im Jahre 1905 wurden die sämtlichen Aktien der AG technischer Gummiwaren C. Schwanitz & Co. in Berlin erworben und in Verfolg dieser Transaktion der Betrieb aus der Mühlenstraße mit in das Grundstück der letztgenannten Gesellschaft nach Lichterfelde verlegt; das Berliner Grundstück wurde vermietet (1928 verkauft).
  • Die im Jahre 1906 erworbene Sächsische Gummi- und Guttaperchawaren-Fabrik in Dresden ist Ende 1923 an die Vorbesitzer zurückübertragen, jedoch Mai 1925 der Gesellschaft wieder zugefallen.
  • 1948 verlagert nach Gelnhausen, heute Veritas Gummiwerke AG, Gelnhausen

Anhand der niedrigen Nummer der Aktie kann man ersehen, daß kaum mehr als ein paar Tausend von ihnen emmitiert wurden.

Wikipedia weiß zu berichten: 1933 gelingt im Berliner Werk in Zusammenarbeit mit dem Versuchslaboratorium der IG-Farben (Leverkusen) die praktische Einführung des synthetischen Kautschuks „Buna” in die Fertigung. Die erste Innovation mit dem neuen Werkstoff ist ein Bremsschlauch für die Deutsche Reichsbahn.

Ein Vorstandsmitglied der Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaren-Fabriken AG, Gustav Becker, gründete übrigens 1900 seine eigene Gummifirma. Er benannte sie nach dem Sitz der Firma: Fulda. Noch heute werden Reifen unter dem Namen „Fulda – German High Technology“ produziert, wenn auch nicht mehr dort. Die Firma hat zwischenzeitlich mehrmals den Besitzer gewechselt. Zuerst die Staubsaugerfirma Vorwerk, dann Goodyear.

Dias für den Unterricht


Als ich zur Schule ging, gab es sie noch – Lehr-Dias.

Egal, ob Bauwerke oder Zellkerne, per Diaprojektor wurde der Lehrstoff an die Wand geworfen. Meist gab es dazu noch ein Arbeitsblatt, das ausgefüllt wurde.

Aber welcher Fotograf verbringt seine Zeit damit, Fotos für den Unterricht an Schulen und Universitäten aufzunehmen? Ist es tatsächlich ein lukratives Geschäft, Mikroben durch’s Mikroskop oder Blätter von Eiche, Buche und Ahorn zu fotografieren? Scheinbar schon.

Dr. Franz Stoedtner war einer dieser Fotografen. Als Kunsthistoriker entdeckte der 1870 geborene Berliner die Fotografie und gründete 1895 das „Institut für wissenschaftliche Projektion“ mit einem Verlag für Lichtbilder, das später als „Lichtbildverlag Dr. Franz Stoedtner“ weiter bestand.

Die Webseite Fotoerbe weiß:

Mit ca. 200.000 Negativen war es bis zu seinem Ankauf das zweitgrößte Archiv zur Kunstgeschichte in der Bundesrepublik. Seine Übernahme ist aber nicht nur deshalb bedeutsam, sondern vor allem, weil Dr. Franz Stoedtner im Gebiet der Fotografie Lehrmeister und Vorbild Richard Hamanns gewesen ist. Die Vereinigung des Stoedtner-Archivs mit Foto Marburg darf deshalb getrost als ein wichtiges Ereignis in der Geschichte der kunstgeschichtlichen Dokumentation bezeichnet werden. Die Aufnahmen des Archivs stammen überwiegend aus der Zeit von 1895 bis 1940. Neben den kunsthistorischen Aufnahmen finden sich solche zum „Städtebau“, zur „Schweizerischen Geschichte und Kultur“, zu „Deutschlands Ringen nach Weltgeltung“, zu „Völkertypen“, zu Ingenieursbauten“, zu „Reisen des Norddeutschen Lloyd“, zur „Geschmacks-Kunde“, zum „Leben in den Athos-Klöstern“, zu „Fliegenden Menschen“ usw. Jahrzehntelang war es die Spezialität Dr. Franz Stoedtners, die deutschen Schulen mit Lichtbild-Reihen zu versorgen.

Ich habe zwar hier keine Lichtbilder für euch, aber als Freund der Werbung habe ich euch einige Dokumente herausgesucht, in denen die Firma Stoedtner in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkrieges für ihre Lichtbildserien warb.

Beginnen wir mit den Bildern, die auszugsweise auch spätere Klassen noch bestaunen durften: „Tiere des deutschen Waldes“, „Tiere zwischen Nord und Süd“, „Biologien“ (20 Bilder zur Lachmöwe: RM 24,-; 17 Bilder des Drosselrohrsängers: RM 20,40) und „Der Mensch“ (Geschlechtskrankheiten: 40 Bilder: RM 48,-; das erinnert mich an dies)

In meiner Schulzeit fielen allerdings die ganz oben beworbenen Bildreihen zur Erbkunde und Rassenkunde weg.

Die Rückseite:

Bildbänder? Sagt man so? Hier sind die Bilderserien einzeln aufgeführt. Oben: nationalsozialistisches Wissen, unten Allgemeinwissen.

In fröhlichem Pink geht es weiter mit der Bilderserie „Unsere Wehrmacht“. Lest selbst:

Die Kriegsmarine wurde vom ehemaligen Leiter der Nachrichtenabteilung des Admiralstabs der Marine von März 1914 bis Februar 1918 Fregattenkapitän Walter Isendahl zusammengestellt.

„Deutschlands Streben nach Weltgeltung“ fand in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg unter den Nachwirkungen des Versailler Vertrags besonders großen Anklang. Man wollte auf der großen Bühne wieder mitreden.

Deutlicher wurde es dann auf dem nächsten Blatt:

Rassenkunde, Erbkunde, Bilder zur nationalen Erhebung. Man kennt das zur Genüge.

Die meiste Verwendung fand damals die ganz unten angeführte Serie: „Luftschutz ist Selbstschutz“.

Das letzte Blatt wirbt für Lichtbildreihen für Schulen der nationalpolitischen Ausbildung. Diese Schulen sind als Napola bekannt geworden.

Das komplette Programm hier:

(Odalrecht: hier)

(Außendeutschtum: hier)

Es gab natürlich wesentlich mehr Bildserien mit unpolitischen Themen. Die Deutsche Fotothek hat einige der heute im Deutschen Fotoarchiv Marburg aufbewahrten Dias digitalisiert und sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. seht hier

Anpassung der Preise – Inflation 1922


Über die Inflation gab es hier schon einige Artikel. Meistens beschäftigten sie sich mit dem Bürger in seiner Rolle als Kunde. Er ging zur Arbeit, bekam sein Geld und musste sich sputen, es im Laden auszugeben, bevor es nichts mehr wert war.

Wie erging es aber einem Laden? So richtig durchschaut habe ich die Überlebensstrategie eines Geschäfts zu Zeiten der Hochinflation noch nicht. Konnte man sich Waren auf Lager legen? Was geschah mit meinen Umsätzen am Ende des Tages? Geld in den Tresor zu legen war bestimmt nicht die cleverste Idee.

Man kann davon ausgehen, daß der Verkäufer auf der Gewinnerseite war, da er seine Waren stets zu viel niedrigeren Preisen einkaufte, als er sie verkaufte.

Wie die Lieferanten reagierten, zeige ich euch heute anhand eines Briefes von der Besteck-, Messer- und Scherenfirma Zwilling. Diese Firma ist übrigens eine der ältesten Marken der Welt. 1731 gegründet, gab es Zwilling in Solingen bereits 150 Jahre vor der großen europäischen Gründungswelle, und es gibt sie noch heute.

 

 

Dieser Brief ging im August 1922 – also im Höhenflug der Preise während der Hyperinflation – an die Einzelhändler. 440% bzw. 475% Aufschlag, das ist doch mal was. Für alle, die schlecht in Mathe sind: Für einen Besteckkasten, den ich bisher für 100 Mark kaufen konnte, waren nun, wenn das Besteck versilbert war, mindestens 575 Mark fällig. Und wie ich euch im Artikel über die Hyperinflation schon erläutert hatte, war das nicht das Ende.

Unsichere Zeiten gab es schon immer, besonders wenn man sich auf solch unzuverlässige Dinge wie Geld verlassen hat. Und je lauter Staat und Wirtschaft den Verfall des Goldpreises und die Empfehlung zum Verkauf betonen, desto klüger war es bisher schon immer, sich dieses Edelmetall an einem sicheren Ort zu deponieren.

Die Mutter der GEZ


Heute habe ich etwas für euch herausgesucht, das ich selbst bis vor kurzem nicht kannte. Es handelt sich um einen Trödelmarktfund und weist mit knapp 91 Jahren schon einige Rostflecken auf, die wahrscheinlich von benachbarten Heftklammern stammen.

Die GEZ hatte einen Vorgänger. Der saß in der Reichspost und war dafür zuständig, den Betrieb von Radios zu genehmigen und dafür eine monatliche Gebühr von 2 Reichsmark zu erheben. Weil die Wenigsten von euch wahrscheinlich aus dem Kopf wissen, wie viel das in heutiger Kaufkraft ist, habe ich es für euch nachgeschlagen: 1924 waren RM 2,- mit heutigen € 7,20 vergleichbar.

Und hier ist die Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb einer Funkempfangsanlage zum Privatgebrauch für Herrn Karl Jahn, in Werftstraße 20 (Berlin-Moabit)

gültig unter umstehenden Bedingungen, solange die Gebühr an die Postkasse entrichtet wird. Mindestdauer der Gebührenpflicht 1 Jahr. Genehmigungsgebühr von 2 6 Mark für Monat April – Juni 1924 ist bezahlt, die weiteren Gebühren zieht das Zustellpostamt ein, dem Wohnungsänderungen sofort mitzuteilen sind.

Namens der Deutschen Reichspost: Postamt Berlin NW, 7.6.24 1-2N

Die umstehenden Bedingungen lauten dann wie folgt:

I. Allgemeines

  1.  Die Anlage dient zur Aufnahme des „Unterhaltungs-Rundfunks“ und der „Nachrichten an Alle“;
  2.  unzulässig ist die Aufnahme sonstigen Funkverkehrs und die Störung von Telegraphen-, Fernsprech- und Funkanlagen.
  3.  Der Inhaber der Genehmigung ist verantwortlich für jeden, der seine Anlage benutzt, und darf die Genehmigung Dritten nicht übertragen; er hat Beauftragten der Deutschen Reichspost (DRP) das Betreten der Räume und Grundstücksteile, in denen sich die Empfangsanlage befindet, zu gestatten;
  4. Verstöße gegen diese Bedingungen können, auch soweit sie nicht nach der Verordnung zum Schutz des Funkverkehrs vom 8. März 1924 strafbar sind, die Entziehung der Genehmigung zur Folge haben.
  5.  Die Genehmigung kann widerrufen werden.

II. Antenne

  1.  Höchstlänge des verwendeten Drahtes vom Empfänger ab 100 m. (Dazu sei erwähnt, daß meine Urgroßeltern als erste einen Radioapparat in ihrer Gegend besaßen. Dessen Antenne wurde quer über den ganzen Platz gespannt. Dazu ist dieses Foto aus dem Putzi-Artikel aufschlussreich. Die Antenne reichte nämlich von unserem Haus – aus dem fotografiert wurde – bis zum weißen Eckhaus gegenüber mit dem Schild „Carl Wipplinger“. Da wurden die 100 Meter schon knapp.)
  2. Beschaffung der etwaigen Genehmigungen der Gebäudeeigentümer, Polizeiverwaltung usw. ist ausschließlich Sache des Inhabers der Genehmigung.
  3. Bei Störung vorhandener oder Behinderung des Ausbaues öffentlicher Telegraphen- oder Fernsprechanlagen ist die Antenne auf Kosten des Inhabers der Genehmigungsurkunde zu verlegen.
  4. Die Anbringung von Antennen an den Stützvorrichtungen des öffentlichen Telegraphen- und Fernsprechnetzes ohne Zustimmung der DRP ist unzulässig. Beim Bau ohne Hinzuziehung der DRP muss der Abstand von ihren Leitungen mindestens 1 m betragen.
  5. Kreuzungen zwischen Antenne und Hochspannungsleitungen sind unzulässig; bei Annäherungen muß auch bei Bruch einer Leitung eine Berührung unter allen Umständen ausgeschlossen sein; auf weniger als 10 m Horizontalabstand ist keinesfalls herabzugehen. Ferner ist es unzulässig, mit einer Antenne blanke Niederspannungsleitungen und gleichzeitig Telegraphen- und  Fernsprechleitungen zu kreuzen.

III. Empfangsanordnungen

Es dürfen verwendet werden:

  1. von der DRP zugelassenes und mit RTV gestempeltes Gerät (einschließlich Zusatzgerät und Röhren),
  2. selbsthergestellte oder fertig gekaufte ungestempelte Detektor-Empfangsanordnungen ohne Empfangs- oder Verstärker-Röhren.

Der heute zu entrichtende Beitrag beträgt laut der GEZ-Nachfolgepartei € 17,50 pro Monat, allerdings mit dem kleinen Unterschied, daß es nicht wichtig ist, ob man ein Radio besitzt oder nicht.

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