Verzeichniss interessanter Bücher – seltsame Interessen 1895


Über Kalender habe ich euch schon einiges berichtet. In der Reihe meiner Haus- und Familien-Kalender befindet sich auch dieser wenig spektakuläre Kalender von 1895. Die Aufmachung ist weitestgehend dieselbe wie in diesem Artikel beschrieben.

Deutscher Illustrierter Familien Kalender 1895

 

 

Lustig ist, was man im Inneren solch eines Kalenders finden kann. Ich habe keine Ahnung, welcher meiner direkten oder indirekten Ahnen sich dieses „Verzeichniss interessanter Bücher“ hat schicken lassen, aber beim Kauf war solch ein Prospekt 1895 definitiv nicht im Lieferumfang des Kalenders enthalten. (klickt auf das Bild für beste Lesbarkeit)

Deutscher Illustrierter Familien Kalender 1895 Buchliste Geschlechtskrankheiten

 

Zum Buch Ludwig XIV. un der Hirschpark, lest mal hier.

  1. Männerliebe – oh lala – Großonkelvorfahr, Großonkelvorfahr, ich muß mich wundern…

Und für eine Mark was über die Verhütung von Geschlechtskrankheiten (siehe Rückseite) zu erfahren ist bestimmt auch nicht ohne – sondern „mit“.

 

Wie dem auch sei, aufgrund der positiven Resonanz auf meine Themenwoche Aktien neulich habe ich beschlossen, diese Woche schon wieder eine Themenwoche abzuhalten. Diesmal soll es um ungewöhnliche Bücher gehen.  Den gestrigen Beitrag zu den Putzi-Büchern können wir ja schon dazuzählen. Ich denke, da finde ich in meinen Regalen einiges. Bestimmt ist eine Woche dafür wieder zu kurz, aber meine Wohnung ist voll und der Blog wird noch lang. (wo lagert er das ganze Zeuch nur?)

 

Bis morgen!

Werbeanzeigen

Klage gegen Hypotheken-Schuldner – 1829-1833


Familie von Damm ist den treuen Lesern meines Blogs schon bekannt. Die Familie war offenbar seit sehr langer Zeit recht wohlhabend. Wer Geld hat, wird häufig angepumpt. Auch die Familie von Damm hat Geld an Nachbarn, Bauern oder Bewohner der eigenen Grundstücke verliehen. Ein Beispiel habe ich euch hier vor ein paar Tagen vorgestellt.

Was aber, wenn der Hausherr und Hypotheknehmer verstorben ist, bevor das Geld zurückgezahlt wurde? Einerseits konnte der Hausrat versteigert und damit die Schuld beglichen werden. Das sah dann so aus. Oder die Witwe wurde aus dem Haus geworfen. Wie das aussah, versuche ich euch heute anhand des Briefwechsels zwischen Wittwe Rohde und Carl Friedrich Eduard von Damm, vertreten durch seinen Notar Langenheim, zu zeigen.

von Damm Klage gegen Witwe Rohde 1829-1833

 

  • Novum      Abschrift
  • Klage
  • von Seiten
  • des Herrn Lieutenant Carl Fr. Eduard von Damm als Conservator des von Damm’schen Riken Beguinenhauses hieselbst Klägers
  • wider
  • die Wittwe des Kammachermeisters Martin Bernhard Ludwig Rohde Ilse Wilhelmine geb. Heyer und den Branntweinbrenner Carl Albrecht Ludwig Steinmann als Vormund deren minderjährigen Sohnes erster Ehe Johann Heinrich Meyer hieselbst Beklagten
  • Mit Anlagen A und B wegen Hypothek Capitalzinsen
  • P.P.
  • Nach Ausweisung der hublit. (?) absichtlich beigefügten gerichtlichenvon Damm Klage gegen Witwe Rohde 1829-1833
  • Schuld und Hypothekenverschreibung vom 11ten Juni 1829 hat der Herr Kläger den Beklagten gegen Verpfändung des Hauses No. 1943 am Ritterbrunnen 350 Thaler vorgeliehen und habe die Beklagten solches Capital mit 4 % fürs Jahr in quartalien Raten zu verzinsen und nach vorgängiger vierteljähriger Kündigung zurückzuzahlen versprochen. Da die Zinsen vom 1sten Oct 1831 bis 1sten April 1833 nicht haben erfolgen wollen, vielmehr darauf rückständig sind 19 Thaler, so erhält der Kläger solcherhalb Klage mit gehorsamster Bitte:
  • Termin zur Vorlegung und Anerkennung der inducirten Schuld und Hypothekenverschreibung bei Strafe des Anerkenntnißes angesetzter und nach geschehener Agintion (?) zu erkennen, daß die Beklagte die geklagten 19 Thaler Zinsen binnen

von Damm Klage gegen Witwe Rohde 1829-1833

 

  • 4 Wochen Vermeidung bei der Exekution resp. Subhastation (Wikipedia: Zwangsversteigerung) des Hypothekgrundstückes an den Kläger zu bezahlen und demselben die Prozeßkosten zu erstatten schuldig.
  • Durch Anlage B wird Anwalt ad Acta legitimirt.von Damm Klage gegen Witwe Rohde 1829-1833Abschrift
  • Von dem Endes benannten Dezutirten (?) des Herzoglichen Districts-Gerichtes zu Braunschweig sind dato an offener und gehegter Gerichtsstelle erschienen des Kammacher Meisters Martin Bernhard Ludwig Rohde Ehefrau Ilse Wilhelmine geb. Heyer verwittwet gewesene Meyer, und deren minderjährigen Sohnes erster Ehe Johann Heinrich Meyer Vormund, Branntweinbrenner Carl Albrecht Ludwig Steinmann, und haben bekannt, daß der Herr Lieutenant Carl Friedrich Eduard von Damm, als Conservator des von Damm’schen Riecken Beguinenhauses, ihnen zur Bezahlung des ihnen heute gerichtlich tradirten am Ritterbrunnen belegenen, vorhin Harttung’schen Hauses und Hofes No. 1943

 

von Damm Klage gegen Witwe Rohde 1829-1833

  • Dreihundert Fünfzig Thaler in Conv Münze zinsbar vorgeliehen habe. Sie wollte daher der Einrede des nicht empfangenen oder in ihren, resp. seines (?) Nutzen nicht verwendeten Geldes sich begeben haben, mit dem Versprechen, dieses vorgeliehene Capital der 350 Thaler in Conv. Münze alle viertel Jahr, vom ersten April dieses Jahres an, mit 4 % für jedes Jahr richtig zu verzinsen, und nach einer vorgängigen einvierteljährigen Pause(?) wieder zu bezahlen. Zur Sicherheit dessen haben dieselben, und insbesondere der Meyer’sche Vormund Kraft producirten Decrets Herzoglichen Districts Gerichtes vom 24ten März vorigen Jahres ihr, resp. des (?) der Lage und Nummer nach vorbeschriebenes

von Damm Klage gegen Witwe Rohde 1829-1833

  • Haus und Hof sammt Zubehör dahir zur gerichtlichen Hypothek eingesetzt, um in Entstehung der Wiederbezahlung sowohl wegen des Capitals, als der Zinsen und Unkosten sich daran executive zu erholen und bezahlt zu machen, welches für den genannten Herrn Lieutnant von Damm der Herr Dr. juris Ruff, im Gericht zugegen, acceptirt hat, dem vom Gerichte Vorschriftsmäßig eröffnet worden, daß das dem Fisco wegen etwa rückständig werdender Steuern Kriegeslasten oder anderer öffentlicher Abgaben zustehende gesetzliche Vorzugsrechte vor obiger Hypothekforderung damit ausdrücklich vorbehalten bleibe.
  • Urkundlich ist dieses Document unter der Namens-Unterschrift des Dezutirten(?) des

von Damm Klage gegen Witwe Rohde 1829-1833

  • Herzogl. Districts Gerichtes mit beigefügtem Gerichtssiegel darüber abgefaßt worden.
  • So geschehen Braunschweig, den elften Juni Eintausend Achthundert Neun und Zwanzig
  • (L.S.) C.F. Widmann
  • Abschrift
  • Demnach der Branntweinbrenner Carl Albrecht Ludwig Steinmann, hieselbst, Jürgen Meyer nachgelaßenen einzigen minorennen Sohnes angezeigt hat, daß zu der Verlaßenschaft des verstorbenen Vaters seines Puzillen(? … dieses Wort taucht häufiger auf, aber ich kann es nicht zu 100% entziffern und kenne es nicht)  des von dem Cammermusicus Johann August Ludwig Hartung für 475 Thaler verkaufte, am Ritterbrunnen (?) No. 1943 belegene und noch auf dem Namen des Verkäufers im Gerichtsbuche stehende

von Damm Klage gegen Witwe Rohde 1829-1833

  • Haus gehöre, auf welches, da den auf die Kaufgelder rückständig gebliebenen 350 Thaler in Conv. Münze von den Erben des inzwischen verstorbenen Cammermusicus Hartung gekündigt und ausgeklagt wären und gezahlt werden müßen zur Vermeidung der Subhastation eine gleiche Summe ausgeliehen werden müsse, welche der H. Lieutenant Carl Friedrich Eduard von Damm als Conservator des von Damm’schen Riek’schen Beguinenhauses gegen eine jährliche Verzinsung von 4% und Verhypothecierung des Grundstückes herzugeben bereit sei, es aber hinsichtlich des … Puzillen an dem beschriebenen Hause zuständigen halben Antheils eines Decreti de oppignorando bedürfe und um solches gebeten hat, als wird darauf praevia causae cognitione zur Resolution ertheilt, daß dem Gesuche kein Bedenken entgegenstehe und der (?) hiedurch autorisirt werde, der seine Puzillen an dem Hause zustehenden 350 Thaler geschrieben Dreihundert Fünfzig Thaler in Conv. Münze mit zu verpfänden.
  • Decretum Braunschweig am 24ten März 1829 Herzoglich Braunschweig Lüneburgliches Distrcits Gericht.
  • (L.S.) Hartmeister

 

Wer bis hierher durchgehalten hat, kann nun die Antwort der beklagten Witwe lesen:

 

von Damm Klage gegen Witwe Rohde 1829-1833

 

  • An den Herr Notar Langenheim
  • hieselbst
  • Lieber Herr Notar Langenheim
  • Es thut mir sehr Leid das ich habe ich habe (!) die Zinsen noch nicht bezahlen können ich habe mein Schwein verkauft das ich die Zinsen wollte diese Woche bezahlen aber der Hooke (?) will es mir vor Ostern nicht mehr abnehmen als die Woche nach Ostern. Thun Sie mir doch die einzige Liebe und setzen Sie doch keine Klage an. Es hat mich wunderlich gegangen sonst hätte ich es schon es schon (!) bezahlt. Lieber Herr Notar ich bitte Ihnen darum stehen Sie mich doch bei das ich doch brauche keine unnöthige Klagekosten brauche zu bezahlen.
  • Braunschweig d. 1ten Apprill
  • ergebenst Wittwe Rohde

 

 

 

Der Notar hat daraufhin von Herrn von Damm die Vorgabe bekommen:
von Damm Klage gegen Witwe Rohde 1829-1833

  • Euer Wohlgeboren
  • ersuche ich um die geeignetste Maßregeln die angeschloßen specificirte Restante (Duden: mit fälligen Zahlungen im Rückstand befindlicher Schuldner) zur Zahlung zu vermögen. Notar Hillemann 3.3.(18)33
  • Addatur (Zusatz) das Nota des Hr. Hillemann wonach er ver….. Pachtcontract verlangt hat

 

Aber Witwe Rohde gibt nicht auf:

von Damm Klage 1829

An den Herrn Notar Langenheim, hieselbst

von Damm Klage gegen Witwe Rohde 1829-1833

 

  • Lieber Herr Notar Langenheim
  • Thuns Sie mir die einzige Liebe und geduldigen sie sich bis zur Messe, den will ich alles in Ordnung bringen.

 

Das Ende vom Lied sehen wir auf diesem Entwurf der oben schon gezeigten Klageschrift. Hier hat der Herr Notar alle Zahlungen und aufgelaufenen Zinsen bis zum 12. März 1837 notiert.

Man kann sehen, daß sich die Schuld der guten Witwe Ilse Wilhelmine Rohde von den ursprünglichen 350 Thalern inzwischen auf 422 Thaler, 29 gute Groschen und 4 Pfennige aufsummiert hat.

von Damm Klage 1829

von Damm Klage 1829

von Damm Klage gegen Witwe Rohde 1829-1833

 

Ob sie da je wieder rausgekommen ist? Wir wissen es bisher noch nicht. Vielleicht taucht ja noch ein Dokument auf, das uns aufklärt.

Bis dahin gebe ich euch auf den Weg: Wenn ihr eine Hypothek aufnehmt und in dem beliehenen Haus wohnen bleiben möchtet, zahlt brav alle Raten!

 

 

 

 

Darlehen über 100 Thaler vom 28. April 1847


Heute bekommt ihr von mir einen Schuldschein aus dem Jahr 1847. Herr von Damm hat einem ansässigen Herrn ein Darlehn über 100 Thaler gewährt. Ich habe euch die Transkription des Briefes im Folgenden angehängt.

Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich die Rückzahlungsmodalitäten nicht verstanden. Muß das Darlehn nun innerhalb der nächsten 12 Monate zurückgezahlt werden oder hat Herr Braun Zeit bis 1856, wie die Zinscoupons vermuten lassen?

Schreibt es mir in einem Kommentar in Google+, Facebook oder WordPress. Ich bin neugierig.

von Damm Darlehen 100 Thaler 28. April 1847

 

 

Ich Endunterschriebener bekenne hierdurch, daß ich von dem Herrn Advokat W. Langenheim II als Rechnungsführer der von Damm’schen Beguinenhäuser eine hiesige Landes-Schuld-Verschreibung über 100 Th schreibe Einhundert Thaler zu 3% Nro 675 lit (??) Auporteus (?) lautend mit Zinscoupons vom 1. Juli 1847 bis 1. Janr 1856 statt eines Darlehns von 100 Th schreibe Einhundert Thaler richtig ausgezahlt erhalten habe.

Ich verpflichte mich hierdurch nach Wechselrecht diese Schuld zu 100 Th bis zum 1. April 1849 und zwar in vierteljährigen Raten zu 25 Th vom 1. Juli 1848 anfangend zurückzuzahlen und bis dahin mit 4% pro anno zu verzinsen.

Ich verpfände meinem Gläubiger zur Sicherheit dieser Schuld mein gesammtes Vermögen generaliter und mein auf der Ritterstraße gelegenes Grundstück No ahs (?) 2466 spezialster.

So geschehen Braunschweig am 28. April 1847

Wilhelm Braun

ein neuer Schulhof mit Ziehbrunnen – Schuleinweihung 1894


Hurra, am 12. August 1894 war es endlich soweit. Das neue Schulhaus in Wedtlenstedt wurde eingeweiht. Superintendent Dr. Faber, Redner bei der Feier, erstattete anschließend artig Bericht an das Consistorium in Wolfenbüttel. Hier sein Brief:

An das Hochwürdige Herzogliche Braunschweig-Lüneburgische Consistorium in Wolfenbüttel. (abgeschickt in Broitzem am 13.8.94 um 7-8 Uhr Nachmittags; angekommen in Wolfenbüttel am 14.8.94 um 1-7 Uhr Vormittags)von Damm Brief 1894

von Damm Brief 1894

Bericht des Superintendent Faber zu Timmerlah zum … Herzoglichen Consistorii vom 25 Juli d.J. No. 6807 betreffend die Einweihung des neuen Schulbaus in Wedtlenstedt

An
das Hochwürdige Herzogliche Braunschweig-Lüneburgische Consistorium.

Unter Bezugnahme auf den nebenstehenden hohen Erlaß beehrt sich der Unterzeichnete zu berichten, daß, nachdem der Ziehbrunnen auf dem neuen Schulhofe in Wedtlenstedt in sicherer Weise abgedeckt war, er am 12ten Sonntage nach Trinitatis, dem 12ten August d.J. Nachmittags um 2 Uhr unter Ansprache im Anschluß an Psalm 128, v 24-25 bei zahlreich versammelter Gemeinde den neuen Schulbau eingeweiht hat, in deßen Räumen heute der Unterricht, welcher bisher noch in der alten Schule gegeben ist, wieder aufgenommen wird.
In tiefster Ehrerbietung des Hochwürdigen Consistorii
Timmerlah,
am 13ten August 1894

gehorsamer Dr. Faber, Superintendent

Leider habe ich keine Ahnung, welchen Bibeltext der gute Mann vorgetragen hat. Psalm 128 hat nur 6 Verse.

Auslauf eines 300 Jahre Pachtvertrages – Grundstücksverhandlungen von 1777


Wer kennt das nicht? Da hat man ein Stück Land, verpachtet es und nach knapp 300 Jahren gibt es Ärger um den Preis.

Eine Begebenheit, die wir alle schon mehr als einmal selbst erlebt haben, oder?

Nicht anders erging es der uns bereits bekannten Famile von Damm.

Wie ihr in dem heute vorgestellten Entwurf einer Vertrages vom 5. Januar 1777 lesen könnt, geht es um ein Stück Land, das 1481 (vor 533 Jahren!) an einen Herrn Tile von Damm von Herrn Eggeling von Strobeke, jetzo Strombeck verpachtet wurde.

Es handelt sich um ein „pro memoria“ – nach meinem Verständnis also eine Kopie des abgeschickten Briefes für die eigenen Unterlagen.

Pro memoria:

die

Gebenden zu Thiede und Volkmersen bei dem Amte Neubruck und deren etwanige Reluition betreffend. (Reluition ist ein Wiederkaufs-Recht, z.B. nach Ablauf einer Pacht)

Braunschweig den 5ten Januar 1777, Expediret (abgeschickt)

von Damm 5.Jan 1777Da Herr Tile von Damm diese von Herzoglicher Erb-Cämmerei relevirende Zehenden anno 1481 vonEggeling von Strobeke, jetzo Strombeck gegen ein erlegtes Wiederkaufs pretium von 70 Braunschweiger Mark damaliger Währung acquiriret, Verkäufer aber die Reluition und die Kündigung alljährlich auf Johannistag reserviret, auch Herr Tile von Damm über diese intercontrahentes festgesetzte Retuition anno 1481 an Eggeling von Strobek ausgestellet, welcher in dem, welcher anno 1484 ausgefertigtem Wieder-Kauf-Contract wiederholet ist, mithin das Strombeck’sche Geschlecht auch nach beinahe 300 Jahren vool befugt ist und bleibt, die quaest. Zehenden zu reluiren. Als wird in casum Citis et reluitionis nachstehendes zu bemarken sein:

1. Soviel man bisher ausfinden mögen, hat ein Mark Braunschw. zu gedachter Zeit 3 Braunschweiger Gulden, und 1 Braunschweiger Gulden 30 Schilling nÿe gehalten und wir nun 70 Mark de 1481 – 210 Gulden damaliger Valeur betragens , also ist  zuvorderst auszumachen: vieviel diese Münze ader 210 Gulden de 1481 in jetzigem Gelde betragen.

Und so geht es weiter und weiter.

von Damm 5.Jan 1777

Für den Fall, daß Herr von Strobek nicht auf das unterbreitete Angebot eingeht, wurde auch eine Klageschrift vorbereitet.

Braunschweig, den 5ten Januar 1777 (Expediret)

Sollte Herr Mustapha von Strobek so mutig sein …. Klage einzuführen, würde ich diesseitigen procuratoremin …., in primo termino folgendermassen ad protocollum zu handeln:

Mandatarius:

und dann geht es los mit teilweise schwer zu entziffernden möglichen Klagepunkten. Ziel war offenbar einfach nur, an dieses Stück Land zu kommen

von Damm 5.Jan 1777

Von anderer Hand geschrieben gibt es noch eine Aufrechnung, „des vormaligen Geldes gegen das gegenwärtige, besonders auf die, immer gestiegenen pretia rerum, Werk-, Arbeit-, Tag- und Dienst-Lohn, zu sehen sei. allermassen anno 1481 … ein hiesiger Masse-Löner … wohl nicht einmal 3 Schillinge gehabet und ein Tag-Löner etwa einen Schilling oder nur 8 Pfennige täglich bekommen. Hiefolglich mit 210 Gulden Braunschw.  vor 300 Jahren mehr auszurichten gewesen als in nachherigen und jetzigen Zeiten mit 2 bis 3000 Thalern.“von Damm 5.Jan 1777

von Damm 5.Jan 1777

von Damm 5.Jan 1777

Zu guter Letzt hat der Herr Notar am 6. Januar 1777 noch eine kleine Zusammenfassung an Herrn von Damm geschickt, damit dieser auf dem

Laufenden bleibt.von Damm 1777 unterthänigst, treu, gehorsamstes pro memoria

Ein interessantes 250 Jahre altes Stückchen Rechtsgeschichte, die in ihrer verwirrenden Terminolgie bis heute nichts eingebüßet hat. Nur so konnten sich damals wie heute die Herren Notare, Anwälte und Richter vom gemeinen Fußvolk abheben und ihre exorbitanten (Werk-, Dienst-, Tag- und inzwischen sogar Stunden-) Löhne rechtfertigen.

Lehnverzeichnis – ca. 1845


Ein Verzeichniß (mit ß) über „die von Dammschen Lehnländerey vor Schöppenstedt“. Schöppenstedt liegt in der Nähe von Wolfenbüttel. Herr von Damm scheint seinerzeit dort wirklich über beachtliche Ländereien verfügt zu haben.

In diesem Dokument sind alle Lehen aufgelistet. Eine Lehe war seinerzeit ein verpachtetes Stück Land, das von Bauernfamilien bewirtschaftet wurde. Nach der Ernte wurde dann ein Teil des Ertrages an den Lehnsherrn abgeliefert – das war üblicherweise der Zehnt, also 10%. Später ging man dazu über, die Fläche nach Größe mit einem Geldbetrag festzusetzen, der jährlich gezahlt werden musste.

Aus dieser Zeit stammt das Verzeichnis, das ich euch heute vorstelle. Aufgelistet sind 24 Positionen (womit der Schreiber offenbar einige Probleme hatte). Jeweils die Fläche in Morgen und Ruthen wird angegeben, der Ort, der Pächter und zum Schluß der zu zahlende Betrag.

So hat Herr Dietrichs  auf Position eine Fläche von 3 Morgen, 90 Ruthen am Windmühlenberg unter seiner Hacke und muß dafür 18 Thaler im Jahr bezahlen. Der Gute nannte auch noch Position 8 und 12 sein Eigen. 8) kann ich nicht entziffern, aber 12) 2 Morgen auf dem alten Felde für 4 Thaler und 18 gute Groschen.von Damm Lehenverzeichnis von Damm LehenverzeichnisUnd Herr von Damm hat ohne viel Zutun jährlich 256 Thaler und 14 gute Groschen eingestrichen.

Was passiert, wenn man nicht zahlen konnte, zeige ich euch demnächst.

 

Quittung über Pachtzahlung (vielleicht von 1845)


Heute gibt es eine Quittung über die Bezahlung des Pachtzinses für eine Länderei.

Das meiste ist halbwegs gut zu entziffern. Ein Wort fehlt mir. Viel wichtiger ist jedoch – ich kann beim besten Willen die Jahreszahl nicht interpretieren.

1_45 – für 1845 ist die Schreibweise und Formulierung zu altmodisch. Für 1545 ist mir das Papier zu neu und die Währung Thaler-gute Groschen-Pfennig gab es damals in Braunschweig wahrscheinlich noch nicht. Bleiben noch 1645 und 1745, allerdings sind sowohl die 6 als auch die 7 bereits an anderer Stelle des Dokumentes in anderer Schreibweise enthalten.

Es bleibt rätselhaft.

von Damm 30st May 1845 Domenia-Länderey vor Neubrück

Daß von den Pächtern der Domaniae Länderey vor Neubrück auf 2659 Thaler 17 gute Groschen 11 Pfennig Cour:Capital, welches aus dem Cammer-Capital …. für den aus obiger Länderey haftenden abgelößten Zehnten gezahlt ist, die Zinsen a 4 % vom 7. Jan. 1844/45 mit 107 Th 14 ggr 2 Pf Cour dato gezahlt worden sind, wird hiermit bescheinigt.
Braunschweig, 30st May 1845

das „Cour“ steht für Courrant – Verrechnungsgeld

<

p style=“text-align:center;“>

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.

Schließe dich 101 Followern an

wen interessiert's?

  • 358.143 Klicks (bis jetzt)

Menü

Member of The Internet Defense League

aus dem Archiv

Blick in die Parallelwelt: Moppis Reise-Blog

Wanderung durch das Bjørndal und auf den Vogelfelsen

Heute, am 26.7. ging es zur (Geburtstags-)Feier des Tages auf eine Wanderung ins Gebiet außerhalb der befriedeten Zone. Ab hier darf man nur mit ortskundiger Person und Waffe unterwegs sein. Auf Spitzbergen gibt es 2500 Einwohner und 3500 Eisbären. Unsere beiden Führer Doreen, die ursprünglich aus Stralsund kommt und Rønar, ein Einheimischer, waren uns eine […]

Husky Tour – 25. Juli 2015

Heute stand eine Husky-Tour auf dem Plan. Zuerst einmal machen wir uns mit den Hunden bekannt. Hillfrid, die leider nicht mitlaufen durfte. Ike, neben dem man sich wie Rotkäppchen fühlt. Keino, mit 15 Jahren der älteste Hund im Hof, der aber noch immer ein guter Zughund ist, was ihm sein Dasein sichert, da es hier […]

Svalbard – Spitzbergen – Longyearbyen

Die ersten Fotos vom Urlaub oberhalb des Polarkreises. Die Temperaturen liegen kurz oberhalb des Gefrierpunktes. Manchmal nieselt es ein wenig, aber im Großen und Ganzen ist es sehr angenehm.

Pashupatinath – Verbrennung der Toten

Ungefähr eine Stunde braucht der Spaziergänger, um vom Stadtzentrum Kathmandus nach Pashupatinath zu gelangen. Hat man erstmal die richtige Straße gefunden, geht es irgendwie immer geradeaus. Vorbei an durchaus lustigen Schildern an einem Haus, von dem ich leider vergessen habe, wofür es dort steht,   einem hübschen, kleinen Wasserbecken. Manche Ecken sind nicht ganz so schön und […]

%d Bloggern gefällt das: