Bitte helft mir – sehr alte Brettspiele


Heute frage ich mal in die Runde in der Hoffnung, es gibt da draußen irgendjemanden, der mir helfen kann, mehr zu den drei vorgestellten Brettspielen herauszufinden.

Die ersten beiden sind auf der Vorder- und Rückseite desselben Spielbretts aufgedruckt. Es hat sich leider in seine beiden Hälften geteilt, das sollte aber dem Spielspaß keinen Abbruch tun, wenn erst einmal die Regeln gefunden sind.

Was die Börse bringt!

Eine erste Vermutung, wie das Spiel gespielt wird:

  • Die vier Spielfiguren stehen auf den vier entsprechenden „Hof“-Feldern und laufen ohne wie z.B. beim „Mensch, ärgere Dich nicht!“ auf eine 6 zu warten, los.
  • Ein erstes Ziel ist, das Einsetzfeld ‚E‘ genau zu treffen. Dieses Feld kennt man auch als Startfeld beim „Mensch, ärgere Dich nicht!“.
  • Wird nun eine 6 gewürfelt, geht das Spiel im Inneren Kreis weiter. So könnte nach einer 6 die Spielfigur beispielsweise auf das gelbe Zentrum gesetzt werden.
  • Ein erneuter Wurf teilt nun ein, auf welche Währung meine Figur gesetzt wird.
  • Und damit enden meine Ideen.

Sehr kompliziert, verglichen mit heutigen Börsenspielen, dürfte die Spielregel nicht gewesen sein. Damals wurden nur einfache Spiele gespielt. „Die böse 7“ oder „Poch“ galten da schon als Herausforderungen.

Das D.R.G.M. a. steht übrigens für „Deutsches Reich Gebrauchs-Muster angemeldet“, also eine Art Designschutz, ähnlich dem Patent. Ich glaube, es ist am besten mit der Trademark TM oder dem Registererd ® vergleichbar. Da diese Abkürzung nur zwischen 1891 und 1945 verwendet wurde, stammen die Spiele aus dieser Zeitspanne. Das ist allerdings zum einen nicht sehr konkret, zum anderen nicht hilfreich bei der Datierung. Da „Mensch, ärgere Dich nicht!“ im Jahr 1910 auf den Markt kam und das Layout diesem sehr ähnelt, vermute ich, daß zumindest die ersten beiden Spiele kurz nach 1910 anzusiedeln sind.

Die Rückseite des Börsenspiels sieht so aus:

Raus aus dem Haus!

Auf den ersten Blick ein simpler Spielplan, aber die Tücke entpuppt sich beim genaueren Hinsehen.

  • Meine Figuren stehen im Hof.
  • Bei einer 6 setze ich ein, auf das Feld meiner Farbe, markiert mit einem Pfeil.
  • Und dann laufe ich los. Aber wie lange und wohin?
  • Das Ziel ist offensichtlich, möglichst dicht an die Haustür zu gelangen. Nur eine Figur kann 6 Punkte erzielen, zwei bekommen noch je 5 Punkte und späteres Erscheinen liefert immer weniger Punkte.
  • Aber wie in aller Welt komme ich auf die Zahlenreihe?
  • Eine Idee wäre, daß ich erst all meine Figuren eingesetzt haben muß, also keine mehr im Hof steht.
  • Habe ich das erreicht, kann ich bei der nächsten gewürfelten 6 eine meiner Figuren auf die höchste freie Zahl der Zahlenreihe setzen.
  • Sobald eine meiner Spielfiguren rausgeworfen wurde, muß ich sie zuerst wieder ins Spiel bringen, bevor ich meine gewürfelten Sechsen für den Zieleinlauf nutzen kann.
  • Diese Regeln klingen für mich nachvollziehbar, sind aber nur geraten. Ich werde das bei einem Testspiel demnächst mal ausprobieren.

Kommen wir zum dritten und letzten großen Unbekannten in unserem heutigen Unterhaltungsbeitrag.

Hier müsst ihr ggf. auf das Bild klicken, um eine größer Version angezeigt zu bekommen.

Es scheint sich aus einer Mischung aus Halma und Strategiespiel a la Risiko in einer einfachen Form zu handeln.

  • Es gibt 4 Gruppen: Häuser (rot), Felder (gelb), Wald (grün) und Wasser (blau)
  • Ziel dürfte entweder sein, die gegnerischen Startfelder durch Überspringen andersfarbiger Spielfiguren zu erreichen (komplett oder als Erster) oder durch Schlagen der Gegner als Letzter übrig zu bleiben.
  • Das Ziehen hat sich mir noch nicht erschlossen. Die Zahlen sind mal aus der Sicht von rot und gelb, mal aus der von blau und grün aufgedruckt. Die Pfeile zeigen in die entsprechende Marschrichtung.
  • Man könnte z.B. immer dann nur einen Schritt ziehen, wenn Zahl und Pfeil in die verkehrte Richtung zeigen. Ansonsten die angegebene Schrittzahl.

Das letzte Spiel gibt mir von den drei vorgestellten die meisten Rätsel auf. Ich habe noch ein DDR-Fußball-Brettspiel, bei dem der Ball je nach gewürfelter Augenzahl in die eine oder andere Richtung gezogen wurde. Das scheint mir zu diesem Spiel noch am ähnlichsten.

Ich bin gespannt, ob mir ein netter Leser meines Blogs auf WordPress, Facebook, Google+ oder Tumblr Tips geben wird oder in der Ecke noch eine Oma oder einen Opa rumsitzen hat, die das Spiel von früher kennen. Sobald ich Details weiß, lasse ich es euch hier wissen.

Übrigens habe ich das Internet sowohl nach den Titeln der Spiele durchsucht als auch durch die Google-Bilder-Datenbank gejagt. Nichts!

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Der Hut im Spiel


Ein Hut hat ja normalerweise mit spielen nicht viel zu tun. Und trotzdem findet man ihn gerade bei Brettspielen recht häufig. Aus praktischen Gründen des Stapelns wird aber für gewöhnlich nicht der Hut in der Form benutzt, wie René Magritte ihn zu tragen und zu malen pflegte. Stattdessen kommt der gedrehte Tütenhut zum Einsatz.

Esel

 

Dieses schöne Würfelspiel hat mich als Kind ebenso begeistert wie auch heute noch:

Fang den Hut

 

 

Die Spielweise ist ähnlich wie bei Mensch ärgere Dich nicht! und Malefiz. Einsetzen, losrennen und versuchen, den Gegner zu fangen.

 

Im Unterschied zu den anderen beiden Spielen wird hier aber nicht rausgeworfen, sondern – und hier bewährt sich die Form der Spielfigur – der eigene Hut auf den gefangenen aufgesetzt.

 

Eine neuere Variante des Spiels (ca. 1950/1960) kommt in einer Reisedose,

 

heißt

 

und hat auf der Rückseite

 

 

Leider fehlen mir hier schon ein paar Hüte. Wie gut, daß ich noch das andere Spiel habe.

 

Fang den Hut wird übrigens gern mit dem Hütchenspiel verwechselt. Das sieht aber so aus

 

und wird auch komplett anders gespielt

 

Schnipp – plopp.

 

Damit ist meine heutige Lehrstunde zum Thema Hut beendet. Ich wünsche euch immer einen Hut an der Spitze oder in der Mitte des Feldes und viel Pech im Spiel, denn der Volksmund sagt ja „Pech im Spiel, Glück in der Liebe!“ und was ist schon wichtiger als die Liebe? Nichts!

 

 

Gesellschaftsspiele im Lauf der Zeit 3 – Spiele-Buch von 1920 und 1970


Zum Abschluß der kleinen Spiele-Buch-Reihe habe ich heute zwei Bücher, die im Abstand von 50 Jahren erschienen sind.

Das grosse illustrierte Spielbuch von 1920 ist wirklich groß. Knappe 700 Seiten entführen uns in die Welt der Spiele der 1920er Jahre.Das große Spielebuch um 1920

Demgegenüber hat Robert Lembke – den die Älteren noch aus der heiteren Berufe-Raten-Sendung „Was bin ich?“ kennen – es gerade mal noch auf die Hälfte der Seiten geschafft.Das große Spielebuch 1970 Robert Lemke

 

 

Aber schauen wir zuerst in das Buch von 1920. Schöne Zeichnungen und unendlich viele Spiele.

Das große Spielebuch um 1920

 

 

 

Die Gliederung kommt den Büchern aus Teil 1 und 2 sehr nahe.Das große Spielebuch um 1920

 

 

Eins der Spiele zum Platzwechseln, das ich selbst bereits mehrfach bei Feiern ausprobiert habe, trug früher den Namen “ Die Reise nach Jerusalem“ und wurde in diesem Buch in „Die Reise nach Ostafrika“ umbenannt. Während heute die Reise nach Jerusalem mit dem Stuhltanz gleichgesetzt wird, bringe ich euch hier den Anfang der Spielregel: <<Das Spiel hieß früher allgemein „Die Reise nach Jerusalem“; da wir Deutschen aber heute wohl  noch öfter nach Ostafrika, wo wir Kolonien haben, reisen werden als nach dem staubigen Jerusalem der Türken, so haben wir dem alten Spiel diese neuen Namen gegeben. Es kann aber auch ebensogut „Reise nach Kamerun“ oder als „Reise nach Kiautschau“ gespielt werden.>> So so. Das Spiel selbst funktioniert folgendermaßen: Ein Spielleiter bereitet eine kleine Geschichte vor, die seine Reise nach Wohin-auch-immer beschreibt. Jeder Mitspieler bekommt einen Zettel, auf dem ein einzelnes Wort steht (Koffer, Zwiebel, Hängematte, Hafen, Zwieback, Seekrankheit usw.). Diese Worte werden, möglichst mehrfach in die Geschichte eingebaut. Jedesmal, wenn das entsprechende Wort vorkommt, muß die Person aufstehen und sich kurz zu den anderen verbeugen, dann wieder hinsetzen. Wird hingegen ein Adelstitel oder der Name eines Monarchen genannt, steht die gesamte Gesellschaft auf, macht einen Diener, die Damen einen Knicks und setzt sich wieder hin. Als drittes gibt es das Reiseziel. In meinem Fall war das „Jerusalem“ (was derzeit meines wissens nicht mehr von den Türken mit Staub befüllt wird). Jedesmal, wenn der Name des Reiseziels genannt wird, stehen alle auf und schauen in die Ferne, ob die Stadt schon in Sicht ist. Das schwierigste war die Vorbereitung der Geschichte. Allerdings, da wir im Spiel mit der MS Queen Mary unterwegs waren, die auch regelmäßig erwähnt wurde und auch die anderen Worte gut verteilt waren, hat es allen viel Spaß gemacht.Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

 

Verschwunden ist übrigens die Tanz-Rubrik, die 1912 kurz aufgetaucht war.

 

 

Und nun zu Robert Lembke:Das große Spielebuch 1970 Robert Lemke

 

 

 

Er macht den großen Rundumschlag, bringt Abzählreime für Kleinstkinder (Hoppe, hoppe Reiter; Ich und Du, Müllers Kuh), für größere Kinder „Taler, Taler, du mußt wandern“ bis er schließlich über Käsekästchen und Einsargen (heute eher als Hangman oder Galgenmännchen bekannt) zu den Brettspielen kommt. Hier werden die Standardspiele (Schach, Dame, Mühle, Wolf und Schafe) erklärt, aber auch Mah-Jongg und Poch.

Alles in allem aber nur sehr kurz und nicht sehr liebevoll erklärt. Patiencen wurden seinerzeit von Omis gern gespielt – da habe ich auch noch irgendwo ein Büchlein. Traurigerweise sind Gesellschaftsspiele in unseren Tagen nicht mehr gesellschaftsfähig. Daher bleiben uns nur die bunten Brettspiele wie Öl für uns alle, Monopoly, Zug um Zug oder Carcassonne.Das große Spielebuch 1970 Robert Lemke

 

Gesellschaftsspiele im Lauf der Zeit 2 – Spiele-Buch von 1912


Gestern gab es bereits das Buch von 1901, heute springen wir eine gute Dekade weiter. 1912 – der Jugendstil verschönerte nicht nur Häuser und Geschirr, nein, auch dieses Buch hat eine feine Jugendstil-Bordüre bekommen. Und niemand ahnte, daß in 2 Jahren der Erste Weltkrieg ausbrechen und die allgemeine Stimmung senken würde. Das große Spielebuch 1912

Das große Spielebuch 1912

 

 

Die Sortierung ist etwas anders als im Buch von 1901.Das große Spielebuch 1912

 

 

Bei manchen der Spiele kam man sich überraschend nahe. Eines zum Beispiel bestand darin, daß sich immer abwechselnd ein Herr und eine Dame an den Händen fassen und somit eine lange Reihe bilden. Nun begann die Person an der Spitze, sich um die eigene Achse zu drehen und somit die ganze Gesellschaft aufzuwickeln. Am Ende stand man sich recht nahe gegenüber und so mancher Herr wird so mancher Dame doch etwas ins nahe Ohr gesäuselt haben. Die Auflösung bestand nun darin, daß die Schlange von innen unter den Armen der Äußeren nach draußen gefädelt wurde. Wie das funktioniert haben soll, kann ich mir nicht so recht vorstellen, aber lustig war es bestimmt.Das große Spielebuch 1912

 

 

Auch hier ging es beim Pfänder auslösen heiter zur Sache. Gedichte mussten aufgesagt, Reime des Spielleiters vervollständigt, auf einem Bein gestanden oder die mit Steinen beladene Schubkarre gemacht werden. Letzteres geschieht folgendermaßen: man geht vor einem Türrahmen in die Knie, drückt die Stirn an den Rahmen und steht nun langsam auf, wobei die Stirn am Türrahmen hochrutscht. Macht man es richtig, holpert der Kopf über den Rahmen und bringt alle anderen wahrscheinlich zum Lachen. Das große Spielebuch 1912

Das große Spielebuch 1912

Das große Spielebuch 1912

Das große Spielebuch 1912

Das große Spielebuch 1912

Das große Spielebuch 1912

 

 

Ganz neu in dieser Ausgabe ist der letzte Teil – Die Tanzkunst.

Tipps für die Kleidung werden gegeben: Damen kleiden sich zum Ballbesuch in weiß oder sonst luftigen Stoff, mit Blumenputz am Kleid und im Haar, auch sollte ein Fächer und ein Bouquet in der Hand nicht fehlen. Getragen werden weiße Glacé-Handschuhe und ausgeschnittene Schuhe. Herren erscheinen entweder im schwarzen Frack oder Gehrock, Beinkleider ebenfalls schwarz, mit weißer Weste, weißer Halsbinde und weißen Handschuhen. Die Fußbekleidung muß sehr leicht sein.

Weiterhin werden diverse Tänze erklärt und gegen Ende gibt es noch einige heitere Tipps für fröhliche Tanz-Paarungen. Zum Beispiel: Die Polen-Tour – Sechs Herren und Damen erhalten niedliche Polenmützen in verschiedenen Farben. Die Paare mit gleichen Mützen tanzen zusammen. Das große Spielebuch 1912

 

Auch hier gilt wieder: Für Details, einfach fragen.

 

 

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