Streifband


Gestern habe ich euch meinen Brief eines KZ-Häftlings an seine Eltern vorgestellt. Auf dem Briefumschlag befindet sich der Aufdruck: „Nationalsozialistische Zeitungen sind zugelassen, wenn dieselben unter Streifband direkt vom Verlag geschickt werden.“ Und da dachte ich mir, wo sie gerade hier herumflogen: Zeige ich euch doch gleich noch, was ein Streifband ist.

Die beiden hier gezeigten sind zwar nicht aus der Zeit des Nationalsozialismus, sondern viel älter, nämlich aus den Jahren um 1874/75, oben: Württemberg, 1 Kreuzer bzw. unten Bayern, 3 Pfennige.

 

Diese Bänder wurden um Zeitungen gelegt, zusammengeklebt und anschließend wurde die Adresse des Zeitungs-Abonnenten drauf geschrieben. Nun wurde die Zeitung wie ein gewöhnlicher Brief in die Post gegeben und gelangte zum Leser.

Diese beiden Streifbänder wurden nie beschriftet oder gestempelt. Ich habe keinen Schimmer, wozu sie aber offenbar um irgendwelche Zeitungen gestreift waren. Vielleicht hängt das mit dem späteren Ehemann von Tante Toni Tresselt zusammen. Der arbeitete bei der Bahn. Vielleicht wurden die Streifbänder um die Zeitungen ja auch erst dort adressiert und er hat das an ihn oder seine Liebste gehende Exemplar gleich selbst vorbei gebracht.

 

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Bayerische Posttaxe – 3 Kreuzer


Die Bayerische Posttaxe ist nicht etwa ein Auto, mit dem auch Post befördert wurde. Nein, eine Taxe ist eine Gebühr (nach der auch das gebührenpflichtige Mietauto benannt ist). Ich hatte früher schon einmal über die Sporteltaxe berichtet.

Zum 1. Oktober 1862 hat Seine Majestät, der König von Bayern angeordnet, daß „bei der unfrankirten Local-Correspondenz die bisherige handschriftliche Aufzeichnung der dafür zu entrichtenden Taxe auf den Adressen zu unterbleiben und haben an deren Stelle besondere Taxzeichen (Porto-Marken) zu treten“. Und wie sah sie aus, die allererste Porto-Marke Bayerns?

So:

 

 

 

Es gab einige Exemplare, denen wurde ins Papier ein roter Seidenfaden als Sicherheitsmerkmal eingelegt. So eins habe ich auch. Die Rückseite sieht so aus. Könnt ihr den rosa Faden erkennen?

 

Es gibt einige Sammler, die sich mit alten bayrischen Briefmarken beschäftigen. Wer mag, kann sich hier den Forum-Thread zu dieser 3-Kreuzer-Marke anschauen.

Die bundesdeutsche Gefangenenmarke


Am 9. Mai 1953 gab die Deutsche Post der Bundesrepublik Deutschland eine Briefmarke heraus, die später im Michel-Briefmarkenkatalog unter Katalognummer 165 geführt werden sollte. Bekannt geworden ist sie unter dem Namen Kriegsgefangenenmarke und war die meistverkaufte Sondermarke Deutschlands.

Im Jahr 1953, also acht Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, waren noch immer zahlreiche ehemalige Wehrmachtsoldaten in Kriegsgefangenschaft. Während in der Gefangenschaft der Westalliierten nahezu alle Deutschen bis zum Jahr 1948 zurückgekehrt waren wobei jeder Hundertste Soldat in Gefangenschaft starb, hielt die Sowjetunion bis ins Jahr 1956 deutsche Soldaten gefangen um sie für den Wiederaufbau, zur Förderung von Rohstoffen oder für sonstige Arbeiten heranzuziehen.

Ein paar Zahlen zur Illustration: Deutschland führte im Laufe des Zweiten Weltkrieges 5.700.000 russische Soldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft, von denen 3.300.000 Soldaten starben. Wer verdenkt dann den Russen, daß sie umgekehrt von den 3.150.000 in russische Gefangenschaft geratenen Wehrmachtssoldaten (70% aller deutschen Soldaten waren mindestens einmal an der Ostfront) die 2.055.750 Überlebenden (mit 1.094.250 starb jeder Dritte) als Kriegsgefangene für den entstandenen Schaden aufkommen ließen. Quelle

Um die noch immer auf ihre Heimkehr hoffenden Deutschen und ihre Verwandten in der Heimat im Bewusstsein des deutschen Volkes zu verankern, gab die Bundespost eine Briefmarke heraus, die in der DDR, also der sowjethörigen Ostzone alles andere als gern gesehen war.

Während im Spätherbst des Jahres 1953 westdeutschlandweit Ausstellungen zum Thema stattfanden,

 

wurden Briefe und Postkarten, die dieses Thema behandelten – selbst, wenn nur die Briefmarke drauf klebte – unkenntlich gemacht.

links: die Marke im Original; Mitte: eine Marke auf einer in die „Ost-Zone“ geschickten Postkarte; rechts: Marke mit der Berliner Freiheitsglocke (die nicht zum Thema gehört, aber im Album daneben einsortiert ist.

 

Schaut man sich die Marke gegen das Licht an, sieht man die Prägung des Gefangenenkopfes.

 

 

Die Zeitschrift für Briefmarkensammler in der DDR brachte zu dieser Marke übrigens einen Artikel, den ich ebenso wie den oben gezeigten Stempel auf der meinfigaro.de-Seite des Mitteldeutschen Rundfunks gefunden habe:

Quelle: meinfigaro.de des MDR

 

 

Der komplette Beitrag dazu kann übrigens hier gefunden werden.

Deutsche Soldaten aus den ostpreußischen Gebieten wurden übrigens direkt als Sowjetbürger behandelt und standen nie für eine Rückkehr nach Deutschland Ost oder West zur Debatte. Bis 1950 waren von den verbliebenen Deutschen 380.000 (sowjetische Angabe) und 1.300.000 (westdeutsche Anzahl) als verschollen geführt. Quelle

Die letzten Gefangenen kehrten am 16. Januar 1956 nach Deutschland zurück. Ein Wikipedia-Artikel zu den „Heimkehrern“ gibt es hier. Weitere hochinteressante Artikel hier und hier.

 

 

Danzig ist deutsch – Propaganda-Postkarte 1939


Gdansk, wie die polnische Stadt heute heißt, war geraume Zeit ein Teil verschiedener Deutscher Reiche.

Als Danzig lag und liegt sie in Pommern, dessen Name wie ich gerade aus Wikipedia gelernt habe aus dem slawischen oder polnischen po morze = am Meer herleitet. Seit dem 13. Jahrhundert wurde Danzig als Kaufmanns- und Hansestadt das Lübische (Lübeck) und später das Magdeburger Recht verliehen. Die Geschichte der Stadt ist sehr bewegt und interessant zu lesen. Der Wikipedia-Artikel faßt sie recht gut zusammen.

1793 an das Königreich Preußen gefallen, begann ein gutes Jahrhundert des Deutsch- und Nicht-deutsch-Daseins. 1920, nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg, wurde Danzig durch den Vertrag von Versailles zur Freien Stadt erklärt.

 

Diese Briefmarke stammt übrigens von einem Brief, der exakt zehn Jahre vor dem „Anschluß“ Danzigs an das Deutsche Reich gestempelt wurde.

Denn Wikipedia berichtet: Ende August 1939 erklärte sich der Gauleiter Albert Forster selbst zum Staatsoberhaupt und verfügte am 1. September 1939 völkerrechtswidrig, nachdem reichsdeutsche Streitkräfte das polnische Munitionsdepot auf der Westerplatte angegriffen hatten, den Anschluss Danzigs an das Deutsche Reich. Der deutsche Angriff auf die Westerplatte wird heute als Beginn des Zweiten Weltkrieges in Europa gesehen.

Wie man sich seinerzeit die Stadt schöngeschossen hat, könnt ihr in diesem 1:48-Minuten-Filmchen sehen.

Und dann war es soweit und die Deutschen konnten stolz behaupten:

 

 

 

Bis 1945, da ging Danzig wieder an Polen.

Und wo liegt die SMS Schleswig-Holstein heute? Hier bzw. hier

Heil US-Army!


Nachdem sich die Alliierten ab Februar 1945 auf deutschem Staatsgebiet (nach aktueller Definition) befanden und noch bevor am 8./9. April 1945 die Kapitulation(en) unterzeichnet wurde(n), gab es bereits Briefmarken, die in der amerikanisch besetzten Zone zur Verwendung kommen sollten.

Diese wurden am 19. März 1945 offiziell ausgegeben und können beispielsweise hier angeschaut werden.

Wikipedia weiß zur Gültigkeit der im Deutschen Reich erschienenen Briefmarken folgendes: Die Deutsche Reichspost hatte bereits infolge der Gründung des Europäischen Post- und Fernmeldevereins die zu diesem Zeitpunkt noch gültigen Freimarken sowie alle seit 16. Juni 1942 bis Kriegsende erschienenen Marken mit unbefristeter Gültigkeit ausgestattet. Dies wurde nach der Kapitulation obsolet.

Da allerdings große Materialknappheit herrschte, durften unverkaufte Hitler-Briefmarken nach Unkenntlichmachung durch Überdruck in der Sowjetischen Besatzungszone noch bis höchstens 14. August verwendet werden. Die Städte, die das erlaubten und Beispielbriefmarken seht ihr hier.

Mysteriös hingegen ist die Verwendung eines nicht unkenntlich gestempelten 4-er Zusammendrucks der 8-Rpf-Marke vom U.S. ARMY POSTAL SERVICE – A.P.O. vom 9. August 1945.

Army Postal Service BriefOb es sich dabei vielleicht nur um einen Gefälligkeitsstempel des amerikanischen Militär-Post-Beamten handelt, weiß ich nicht. Weiß jemand mehr? Dann hinterlasst bitte einen Kommentar.

 

 

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