Liebig Haulshaltungskalender 1902


Bald habe ich sie komplett – die Haushaltungskalender der Firma Liebig’s Fleischextrakt.

Alle vor 1900 erschienen habe ich euch hier schon vorgestellt.

Alle ab 1900 erschienenen gibt es hier.

Jetzt kommt der soeben neu erworbene Kalender aus dem Jahr 1902 dazu.

 

Im schönsten Jugendstil mit geschwungenen Mustern und Blumenranken verziert, hebt er sich von den Vorgängern deutlich ab.

Aber nicht nur der Umschlag ist mit den Mustern versehen, auch innen gibt es viele davon. Vielfalt ist das Schlagwort, denn keins sollte mehr als einmal benutzt werden.

 

Der Jahreskalender steht gleich am Beginn.

 

Die Feiertage und die drei großen Männer, die uns das Fleischextract gebracht haben: Justus von Liebig, Max von Pettenkofer und Carl v. Voit

 

Weiter geht es mit den Monatsblättern. Bitte beachtet die schönen Verzierungen auf der NOTIZEN-Seite:

 

Kann mir jemand erklären, was man früher im September so gemacht hat? Hat man Krieg gespielt?

 

Allerhand nützliche Tipps für jeden Monat:

Damals gab es noch keine Kühlkette, die uns zu jeder Zeit Lebensmittel aus der ganzen Welt geliefert hat. Man musste noch warten, bis das jeweilige Tier, Gemüse oder Obst verfügbar war und hat sich dann entweder den Bauch so vollgeschlagen, daß man das jeweilige Gericht ein Jahr lang nicht mehr sehen konnte, oder man hat durch Einwecken Vorräte angelegt.

 

Und mit dieser kleinen Inhaltsauswahl möchte ich den Blick in das 115 Jahre alte Haushaltsbuch beenden.

100.000 Klicks – ein Danke-Gewinnspiel


Hurra! Heute hat mein Museum den einhunderttausendsten Besuch verzeichnet. Das wird gefeiert.

99999

100001

Unter all meinen Followern verlose ich etwas. Alle anderen Blogs verlosen Bücher – das ist langweilig.

  • Ein Museums-Blog eines Sammlers.
  • Meine Lieblingszeit war die Jahrhundertwende.
  • Ich bin großer Fan der Sammelbilder von Liebig’s Fleisch-Extrakt.

Also habe ich einen Satz Liebigbilder von 1906 ausgewählt, den ich unter all meinen Followern verlose. Wer bis zum 3. März 2017 einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlässt, kommt in den Lostopf.

Hier ist der Preis:

Liebig’s Fleisch-Extrakt – Berühmte italienische Rathäuser, 1906

Sieht gerahmt sehr dekorativ aus. Auf der Rückseite stehen kleine Informationen zum jeweiligen Rathaus.

Also los, werdet Follower, kommentiert, gewinnt!

 

Taschenkalender von 1877 bis 1890


Daß ich Sammelbilder sammle, dürfte meinem geneigten Publikum nicht unbekannt sein. Eine kleine Unter-Rubrik sind Kalender auf Sammelbildern. Davon stelle ich euch heute einige vor.

1877

 

Die Vorderseite sieht aus, wie andere Sammelbilder auch, lediglich auf der Rückseite wurden Kalender aufgedruckt. Cleverer Schachzug: nur ein Quartal oder ein halbes Jahr war pro Karte gedruckt. Somit musste man rechtzeitig vor Beginn des nächsten Halbjahres eine neue Karte besorgen, idealerweise im Geschäft, dessen Adresse auf dem Kalender vermerkt war.

Auf diesen Bildern sieht man übrigens einen der großen Mankos der Taschenkalender. Sie waren offenbar in vielen Fällen zu groß für die Brieftasche und wurden zurechtgeschnitten. Das Ergebnis sind krumme, schiefe und oftmals ganz fehlende Kanten. Das wirkt sich bedauerlicherweise auf den Wert der Karte aus.

 

1878

Diese Karten sind unbeschnitten und in sehr guter Erhaltung.

 

Lediglich die Karte unten links war mal in ein Sammelalbum eingeklebt.

 

 

1881, 1887, 1890

Zum Schluß noch drei „neue“ Karten. An den unteren beiden kann man deutlich die billigere Qualität des Drucks erkennen.

Revue-Programme aus Paris, 1895


Vor gut einem Jahr habe ich euch einen meiner liebsten Programmzettel vorgestellt. Wer sich nicht mehr erinnert, der muß hier klicken.

Heute kommen noch zwei dazu, auf die ich nicht weniger stolz bin, gedruckt von den Firmen François Appel in der Rue du Delta, und Chaix et Cie., beide Paris.

Das erste stammt aus dem Casino de Paris, einem Revue-Theater, das heute zwar noch existiert, jedoch nicht mehr an der alten Adresse 15, Rue Blanche.

 

Gegeben wurde das Stück Rabelais, wahrscheinlich ein Schauspiel über den französischen Schriftsteller François Rabelais. Ich frage mich, was im 4. Akt „Nonnes & Ribaudes“ (Nonnen und Dirnen), einem Ballett-Tanz zur Aufführung kam.

 

Das Casino de Paris scheint nicht so wahnsinnig erfolgreich gewesen zu sein. Das schlußfolgere ich aus der doch sehr beschränkten Nutzung des Werbeplatzes auf der Rückseite. Schuhe des „Hauses der grünen Botten“ und Herr Pfeiffers Pianos. Das war’s.

 

 

Das zweite Programm stammt vom 4. Juli 1895. Es wurde zwar nicht bei F. Appel gedruckt. Allerdings war auch die Druckerei Chaix sehr berühmt – vielleicht sogar noch bekannter als Appel. Die Bibliotheque Nationale de France hat extra für euch hier eine kleine Zusammenstellung vorbereitet.

Mein Programm stammt aus dem „Hippodrome“

 

Das Programm selbst ist begrenzt aufschlußreich. Es wird getanzt und gemacht. Zweimal täglich, 11 Uhr mittags und 6 Uhr abends. Ein Buffet und die Bar sind geöffnet, Preise sind im Hause ersichtlich.

Die halbe Besetzung der Aufführung scheint durch Familie Gontard zu erfolgen. Allein 4 Hauptrollen.

 

Das Interessanteste an diesem Programm ist die Werbung auf der Rückseite.  Die Schneiderei Nicoll, eine Dependance des Londoner Geschäfts wirbt in englischer Sprache für Herren und Damenmode, die auch schon an die Königliche Familie in London geliefert wurde.

 

 

 

 

Achtung, Spoiler! Tricks im Kino


Man wird im Kino von vorn bis hinten veräppelt. Nichts ist, wie es scheint und trotzdem gehen wir immer wieder gern hin um uns etwas vormachen zu lassen.

Tricks im Kino gibt es seit dem zweiten Tag der Filmgeschichte. Der Regisseur wollte das Unmachbare schaffen und seine Crew hatte die guten Ideen. Tolle Beispiele für alte Filme mit vielen Tricks sind Metropolis (1927) oder Die Reise zum Mond von 1902 (beachtet die täuschend echt gemalten Häuser ab 2:16 oder die Landung an 4:35.

Im Jahr 1913 widmete die Liebig’s Fleischextrakt Compagnie eine Sammelbildserie dem Thema. „Hinter den Kulissen des Kinematographen“ verrät uns sechs bis dahin kaum zu durchschauende Tricks der frühen Filmemacher. Die Vorderseite der Karten zeigt uns die Kulisse, auf der Rückseite erfahren wir noch mehr unglaubliche Details. Seht selbst:

 

Ein Automobil-Unfall

 

Die Sirene

 

Ein Eisenbahn-Unglück

 

Der klettergewandte Dieb

 

Die entlaufenen Kürbisse

 

Der Modistin Traum

 

Wer sich übrigens für alte Filme interessiert, dem seien die Stummfilmkonzerte des unermüdlichen Pianisten und Filmbegleiters Stephan Graf von Bothmer sowie der wunderschöne Film Hugo Cabret ans Herz gelegt. Hugo Cabret erzählt die Geschichte von Georges Méliès, zeigt die Entstehung des oben erwähnten Films „Die Reise zum Mond“ inklusive deckungsgleich nachgedrehter Sequenzen und hat Referenzen zu unzähligen anderen Filmen und Büchern der Zeit.

Folies Bergere in Paris – Programm von 1890


Einen Monat war euer Museumsdirektor sozial engagiert unterwegs, hat viele Dinge erlebt, die Hirn und Herz angeregt haben und glaubt, Gutes getan und geholfen zu haben, wo es im Moment wichtig ist. Damit ist noch nicht Schluß, aber das erste Chaos ist überwunden und die größte Not ist gelindert.

Als Dankeschön für das lange Warten habe ich euch als erstes Ausstellungsstück nach den „Sommerferien“ eines meiner Lieblinge in der Sammlung ausgewählt. Ein Programm des Varietés Folies Bergère in Paris.

Es ist ein Druckerzeugnis aus der Imprimerie Francois Appel und wurde 1890 hergestellt. Dank aufwändiger Chromolithographie leuchten die Farben auch nach 125 Jahren so, als wäre es gerade frisch aus der Druckerei gekommen.

Im Innenteil steht als Datum „Mardi 16 Decembre“. Dank des Internets ist es nicht schwierig, das dazugehörige Jahr herauszufinden. 1890 war wie durch Zufall auch das erste Jahr der größten Erfolge des Folies Bergère. Wikipedia fasst das sehr bildhaft zusammen:

Unter dem Eindruck der Jahresrevuen, die sich an einigen Theatern großer Beliebtheit erfreuten, inszenierte (der Besitzer) die erste, dem Metier angepasste Revue, die am 30. November 1886 Premiere hatte und die für damalige Begriffe unglaubliche Summe von 10.000 Franc kostete. Die Programme waren angefüllt mit vielen spektakulären Nummern: Kraftmenschen, Löwenbändigern, Groteskenpantomimen, Elefantendressuren, Abnormitätenschauen und Ringkämpfen. Doch auch das vermochte das Publikum nicht dauerhaft und regelmäßig in die Vorstellungen zu locken. Daher organisierte man (ab 1890) für die besten Prostituierten der Stadt Freikarten, die sie zum vierzehntäglichen Wandeln durch die Foyerhallen berechtigten. Zwar waren keine offensiven Angebote erlaubt, doch ein aufforderndes Kopfnicken war gestattet. Paul Derval, lange Zeit Direktor der «Folies Bergère», schrieb dazu in seinen Memoiren: „Dieses geniale System bewährte sich einige Jahre hindurch sehr gut. Jeder Pariser wusste, dass die Damen im Promenoir solche von leichter Tugend waren und dass sie die Crème ihrer Profession darstellten … kurz, das Promenoir der Folies Bergère war als der beste Liebesmarkt der Stadt bekannt.“

Mit ein wenig Phantasie kann man sich vorstellen, wie so mancher Abend einer lustigen Herrengruppe verlaufen sein mag.

Den großen Zuspruch der Pariser Bürger kann man bei diesem Programm am gut gefüllten Anzeigenraum erkennen. Es lohnte sich offensichtlich, auf Programmheften des Folies Bergère, die noch dazu 20 Centimes kosteten, zu werben. Ein weiteres Programm, das nur zwei Tage eher erschien und ein Beispiel für weniger großen Zuspruch der Werber darstellt, hatte ich euch hier schon einmal vorgestellt.

Für was wurde 1890 in einem Variete geworben?

Auf der Titelseite: TSARINE Creme und Reispuder (beides, auch wenn es nach Desserts klingt, dazu da, Frauengesichter anmutig erscheinen zu lassen), erhältlich in der Parfümerie Violet

Im Mittelteil: Das Möbelgeschäft Maison Janiaud junior preist sein großes Sortiment an (gebrauchten?) Möbeln zum Kauf oder Tausch an. (habe ich das richtig übersetzt?); Diamanten, Absinth und alle großen Parfüm Marken

Auf die Rückseite haben es größere Anzeigen geschafft: Apricosenlikör von P. Garnier, die Brasserie Mallet (bis 2 Uhr geöffnet!); La Balneum – ein Badehaus nach türkischer, römischer und russischer Art – 2 Franc ohne, 3 Franc mit Massage (oha) oder das ELIXIR GODINEAU, mit dem man für nur 20 Franc pro Fläschchen Dinge erreichen kann, die mir meine begrenzten Französischkenntnisse  glücklicherweise verschließen.

Meine anderen bereits veröffentlichen Dinge von Monsieur Appel könnt ihr euch anschauen, indem ihr hier klickt.

Über den Preis, den man für ein Programmblatt in dieser Erhaltung zahlen muß, möchte ich an dieser Stelle schweigen.

Kalender – 1887 – Émile Bayard und Henri Sicard


Kalender sind eine tolle Erfindung. Seit der Mensch Zeit und Ruhe hat, sich die Sterne anzusehen und den Lauf von Mond und Sonne zu verfolgen, gibt es Kalender – in etwa. Anfangs in Form riesiger Steine, die in bestimmten Mustern aufgerichtet wurden oder als schmale Ritzen im Mauerwerk, die das Sonnenlicht auf einen bestimmten Punkt scheinen ließen, wurden sie im Laufe der Jahrtausende immer kleiner, handlicher, praktischer und schöner, nur um schließlich ihr Leben als langweilige Smartphone-App unter den schmierenden Fingern der Menschheit zu fristen.

Ein Teil meiner Sammlung bilden Kalender, diese dann in Form von Taschenkalendern und die wiederum aus der Zeit zwischen 1870 und 1900. Viele habe ich nicht. Diese Sammlung ist auch nur eine Unterkategorie meiner Chromolithographie-Sammelbildchen-Sammlung. Auf einigen dieser Karten wurden halt Kalender aufgedruckt. Das ist auch schon der große Unterschied.

Wenn mir jedoch dann ein Kalender eines meiner favorisierten Drucker in die Hände fällt, kann er auch ruhig etwas größer sein, so wie dieser 129 Jahre alte Vertreter, der so groß ist, daß er gerade so in die größte meiner Schubfächer passt.

Henri Sicard kennt ihr schon aus dem Beitrag über den Kleinen Däumling und den Menschenzoo. Im Laufe der Zeit werden noch weitere Artikel hinzukommen. Sie alle findet ihr dann hier.

Der Rand neben Januar und Februar ist leider etwas ramponiert. Aber ich möchte euch mal mit 129 Jahren sehen.

Interessant ist die Umsetzung des Gemäldes. Wer versteht, wie Chromolithographie funktioniert, weiß wie schwierig es ist, ein Gemälde in dieser Größe bei gleichbleibender Qualität in 7 oder mehr Farben aufzuteilen und diese dann auf die Lithographiesteine zu übertragen. Das Gemälde stammt vom berühmten Illustrator Émile Bayard.

Und wer schon jemals ein Werbeplakat für Les Miserables gesehen hat, der kennt dieses Bild

und kann ab jetzt stolz behaupten: „Ich weiß, daß dieses Bild von Émile Bayard ist und Moopenheimer hat von ihm einen uralten Kalender.“

So sieht das Original aus – die Signatur unten rechts ist auf meinem Kalender unten links zu finden.

„Ebcosette“ von Émile Bayard – 1886 engraving for Victor Hugo’s Les Miserables. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ebcosette.jpg#/media/File:Ebcosette.jpg

Mein Kalender war ursprünglich ein Wandkalender, hing bestimmt auch ein Jahr herum – wie ich vermute, in der Nähe einer Tür, die beim Öffnen und Schließen gegen den Januar stieß und ihm das erwähnte Leid zufügte. Er war im Jahr 1886 ein Werbegeschenk des Pariser Kaufhauses Maison de la Belle Jardiniere – hoppla, schon wieder eines meiner Sammelgebiete.

Und jetzt hat bestimmt auch der letzte meiner Leser etwas hinzugelernt und niemand ist am heutigen Tag umsonst aufgestanden.

Treueherzen und Sammelbildchen


Wer sich heute Treueherzen oder andere Sammelmarken im Supermarkt geben lässt und damit auf eine kostenlose oder verbilligte Gabe des Ladenbesitzers spekuliert, der begibt sich in das Fahrwasser von Millionen Menschen, die Ähnliches bereits vor ca. 140 Jahren taten. Während das Spektrum der Prämien heute von Gläsern über Töpfe und Geschirr bis hin zu Plüschtieren reicht, gab es früher Sammelbilder.

 

Die hatten zwar keinen praktischen Nutzen, sahen aber schöner aus als jeder Topf und ließen sich besser in einem Sammelalbum unterbringen als dieser. In den Jahren um 1895 erreichte die Sammelbildchen-Sammelei ihren Höhepunkt. Hunderttausende betrieben den sogenannten Sammelsport. Die Sammelbild-Industrie prosperierte und der Verkauf vieler Produkte wurde durch Sammelbilder angekurbelt.

Ganz vorn, weil einer der ersten, der die kreative Werbung mit großem Aufwand betrieb, war die Firma Liebig.

Im Unterschied zu heute gab es damals keine Überraschungen beim sammeln. Man ging zum Kaufmann, bekam mehrere Sätze angeboten und konnte die Karten auswählen, die in der Sammlung noch fehlten. Aber umsonst gab es die trotzdem nicht. Vorher musste fleißig Liebig’s Fleischextrakt gekauft und verbraucht werden.

Auf den Packungen der italienischen Liebig-Produkte fand man die unten abgebildeten Sammelpunkte. In Schraubgläser-Deckeln und Blechdosen gab es je nach Einwaage 10, 20 oder 40 Punkte, bei Brühwürfelpackungen war die gesamte Umhüllung  der Sammelgutschein über 1 oder 5 Punkte usw.

 

 

 

Für 60 Punkte gab es einen Satz mit 6 Bildern.

Und die Anleitung gibt es auch dazu:

 

 

Wie ich zu meinen tausenden Liebig-Bildern gekommen bin, verrate ich nicht.

Zirkusprogramm – 14. Dezember 1890 – Paris


Der Zirkus ist in der Stadt!

Im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts gab es so einige Zirkusse, die den Sommer über im Freien spielten und im Winter in große Häuser zogen um dort ihre Vorstellungen zu zeigen. Damals zu den bekanntesten Innen-Zirkussen (ist das überhaupt der Plural von Zirkus?) gehörte der Cirque d’hiver – dem Winter-Zirkus von Louis Dejean.

Damals ebenso beliebt, wenn auch weniger groß und bekannt, war der Nouveau Cirque. Am Namen kann man erkennen, daß er erst verhältnismäßig spät gegründet wurde. Wurde der Cirque d’hiver bereits 1843 eröffnet, ging der Vorhang des Nouveau Cirque erst ca. 30 Jahre später auf.

 

Das heute vorgestellte Programm wurde für die Vorstellung am Sonntag, den 14. Dezember 1890 gedruckt. Auf den beiden äußeren Einklappseiten ist keine Werbung aufgedruckt. Auch sind die Farben des Titelbilds etwas verschoben. Ging es dem Zirkus damals vielleicht schlecht? Man weiß es nicht mehr. Das Titelbild wurde übrigens vom Aquarellmaler und Illustrator Louis Vallet entworfen. Ob das derselbe ist, der auch an der Druckerei Vallet, Minot & Cie. beteiligt war, muß ich noch herausfinden. Falls es derselbe Herr ist, gibt es hier irgendwann einen Link zu einigen der hunderten Sammelbildchen aus seiner Feder.

Mit tollen Attraktionen konnte der Zirkus allerdings aufwarten. Bekannt geworden ist er in der Saison 1890 mit einer Löwendressur, in der drei Löwen einen römischen Streitwagen durch die Manege zogen, Zwei der Löwen auf ihren Pranken einen Hund balancierten und im Maul ein Seil hielten, über das der mutige Hund hin- und hersprang. Der Dompteur dieser Nummer war kein geringerer als Carl Hagenbeck, heute hauptsächlich bekannt durch seinen vor den Toren Hamburgs gegründeten Tierpark. Vorher bestand sein Tagwerk darin, als Tierfänger durch Afrika zu reisen und Zootiere zu beschaffen.

Unsere Zirusschau hatte andere Highlights. Die könnt ihr auf der inneren Mittelseite nachlesen:

 

Auf den inneren Einklappseiten findet ihr Werbeanzeigen für Damenhüte, Kölnisch Wasser, noch ein Hutgeschäft und einen Damenschneider.

Gedruckt wurde das Programm von der Imprimerie Paul Dupont, eine der großen Druckereien und Konkurrenz von Francois Appel. Dieses Programm habe ich als Teil eines Pakets gekauft, in dem sich zwei Programme des favorisierten Monsieur Appel befanden. Das bedeutet, daß ich es eigentlich gar nicht brauche. Aber zum wegwerfen oder tote Heringe darin einzuwickeln, ist es mir dann doch zu schade.

Update: Zack, kaum veröffentlicht, finde ich noch eine Information zum Programm. 1886 wurde der Nouveau Cirque von Joseph Oller gegründet und konnte mit einem Gebäude aufwarten, in dem die Bühne komplett hydraulisch bewegbar und langsam absenkbar und mit Wasser befüllbar war.

Update 2: Die oben beworbene Show „A la Cravache“ war wohl ein Riesenerfolg. Der Clown Foottit brillierte in seiner Nummer als Imitation von Sarah Bernhardt als Cleopatra. Die Schauspielerin besuchte selbst eine der Vorstellungen und fiel durch „herzliches Lachen“ auf. (zu finden im Buch „The Great Parade: Portrait of the Artist as Clown“ von Jean Clair.

Lithographische Druckerei François Appel – Rue du Delta, 12 – Paris


Daß ich seltsame Dinge sammle, dürfte jedem meiner Besucher inzwischen bekannt sein. Fragt mich nicht, wie ich als Berliner auf die Idee gekommen bin, Werke zu sammeln, die von einer speziellen Druckerei in Paris hergestellt wurden. Aber so ist es. Einige meiner Sammelstücke habe ich euch in vergangenen Beiträgen schon vorgestellt.

Heute kommt ein Brief dazu, über den ich mich sehr gefreut habe, als ich ihn endlich in der Hand hielt.

 

Er wurde von Firma Appel am 19. Februar 1869 an Monsieur Joseph Brès in Nizza geschickt. Es ist mir leider nicht gelungen, herauszufinden, wer Joseph Brés war. Bemerkenswert finde ich aber, daß es in Nizza eine rue Joseph Brès gibt. Und die wird nicht nach ihm benannt worden sein, weil er mal einen Brief aus Paris geschickt bekommen hat.

Bedauerlicherweise kann ich den Brief auch nicht lesen, sonst könnte man aus dem Inhalt vielleicht Rückschlüsse ziehen. Kann von euch jemand helfen? Ich habe hier einen Artikel über Stadtentwicklung von Nizza gefunden, den ich aber auch nicht lesen kann. Dort wird Herr Brès mehrfach erwähnt. Vielleicht war er ein Stadtplaner oder damit beschäftigter Politiker.

Das von Firma Appel benutzte Briefpapier gibt übrigens Aufschluss über das Fabrikgelände der Druckerei. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es weit verbreitet, seine Fabrik auf dem Briefkopf abzudrucken. Rauchende Schornsteine waren dabei ein Zeichen von florierendem Geschäft. François Appel hat sich etwas Besonderes einfallen lassen. Blättert man den Brief um, ist die Lithographische Anstalt auf einer ganzen A4-Seite abgedruckt.

 

Die Adresse von François Appel, Rue du Delta, 12, Paris gibt es übrigens auch heute noch. Der Eingang ist auf der Abbildung links unten zu sehen. Google StreetView hat hier zwar ein Bild, jedoch wurde gerade gebaut, als es aufgenommen wurde. Bei meinem Besuch sah es dort richtig hübsch aus. Leider war das Tor verschlossen, so daß ich außer dem Hinterhaus nicht sehen konnte, ob vom ehemaligen Fabrikgebäude noch etwas übrig ist.

Noch ein paar Informationen zu Herrn Appel. Er wurde am 18.4.1821 in Coburg geboren, war also ursprünglich Deutscher. Seine Familie zog in seiner Jugend nach Frankreich. Gestorben ist er am 9.10.1882 in Paris.

wen interessiert's?

  • 111,622 Klicks (bis jetzt)

Menü

Member of The Internet Defense League

aus dem Archiv

Blick in die Parallelwelt: Moppis Reise-Blog

Wanderung durch das Bjørndal und auf den Vogelfelsen

Heute, am 26.7. ging es zur (Geburtstags-)Feier des Tages auf eine Wanderung ins Gebiet außerhalb der befriedeten Zone. Ab hier darf man nur mit ortskundiger Person und Waffe unterwegs sein. Auf Spitzbergen gibt es 2500 Einwohner und 3500 Eisbären. Unsere beiden Führer Doreen, die ursprünglich aus Stralsund kommt und Rønar, ein Einheimischer, waren uns eine […]

Husky Tour – 25. Juli 2015

Heute stand eine Husky-Tour auf dem Plan. Zuerst einmal machen wir uns mit den Hunden bekannt. Hillfrid, die leider nicht mitlaufen durfte. Ike, neben dem man sich wie Rotkäppchen fühlt. Keino, mit 15 Jahren der älteste Hund im Hof, der aber noch immer ein guter Zughund ist, was ihm sein Dasein sichert, da es hier […]

Svalbard – Spitzbergen – Longyearbyen

Die ersten Fotos vom Urlaub oberhalb des Polarkreises. Die Temperaturen liegen kurz oberhalb des Gefrierpunktes. Manchmal nieselt es ein wenig, aber im Großen und Ganzen ist es sehr angenehm.

Pashupatinath – Verbrennung der Toten

Ungefähr eine Stunde braucht der Spaziergänger, um vom Stadtzentrum Kathmandus nach Pashupatinath zu gelangen. Hat man erstmal die richtige Straße gefunden, geht es irgendwie immer geradeaus. Vorbei an durchaus lustigen Schildern an einem Haus, von dem ich leider vergessen habe, wofür es dort steht,   einem hübschen, kleinen Wasserbecken. Manche Ecken sind nicht ganz so schön und […]

%d Bloggern gefällt das: