Liebig Haulshaltungskalender 1902


Bald habe ich sie komplett – die Haushaltungskalender der Firma Liebig’s Fleischextrakt.

Alle vor 1900 erschienen habe ich euch hier schon vorgestellt.

Alle ab 1900 erschienenen gibt es hier.

Jetzt kommt der soeben neu erworbene Kalender aus dem Jahr 1902 dazu.

 

Im schönsten Jugendstil mit geschwungenen Mustern und Blumenranken verziert, hebt er sich von den Vorgängern deutlich ab.

Aber nicht nur der Umschlag ist mit den Mustern versehen, auch innen gibt es viele davon. Vielfalt ist das Schlagwort, denn keins sollte mehr als einmal benutzt werden.

 

Der Jahreskalender steht gleich am Beginn.

 

Die Feiertage und die drei großen Männer, die uns das Fleischextract gebracht haben: Justus von Liebig, Max von Pettenkofer und Carl v. Voit

 

Weiter geht es mit den Monatsblättern. Bitte beachtet die schönen Verzierungen auf der NOTIZEN-Seite:

 

Kann mir jemand erklären, was man früher im September so gemacht hat? Hat man Krieg gespielt?

 

Allerhand nützliche Tipps für jeden Monat:

Damals gab es noch keine Kühlkette, die uns zu jeder Zeit Lebensmittel aus der ganzen Welt geliefert hat. Man musste noch warten, bis das jeweilige Tier, Gemüse oder Obst verfügbar war und hat sich dann entweder den Bauch so vollgeschlagen, daß man das jeweilige Gericht ein Jahr lang nicht mehr sehen konnte, oder man hat durch Einwecken Vorräte angelegt.

 

Und mit dieser kleinen Inhaltsauswahl möchte ich den Blick in das 115 Jahre alte Haushaltsbuch beenden.

Goldschmied-Werbung


Auch früher bekam man Werbung zugeschickt. Nicht anders erging es unserem bereits bekannten Hof-Juwelier und Goldschmied Adolf Tresselt. (ihr kennt ihn und seinen Sohn Arthur von hier) Er erhielt Anfang November 1903 diesen Brief aus Hanau:

 

Herr Zwernemann, seines Zeichens ebenfalls in der Schmuckherstellung tätig, befleißigte sich, die Ergebnisse seiner Kunst zum Kauf feilzubieten.

 

Die beiden beigelegten Musterblätter zeigen uns nicht nur schöne Beispiele der angebotenen Schmuckstücke, sondern lassen auch aus dem Logo mit dem Davidstern schließen, daß Herr Zwernemann Jude war. Und siehe, ein wenig im Internet gesucht und schon findet man interessante Informationen zu Herrn Zwernemann, der offenbar ein berühmter deutscher Schmuckhersteller war. Seht hier, hier (Villa Zwernemann), hier oder eine alte Sotheby’s Auktion hier. In der Deutschen Goldschmiede-Zeitung aus dem VII. Jahrgang 1904 habe ich gefunden, daß eine Stiftung „des Herrn Bijouteriefabrikanten Heinrich Zwernemann daselbst am 1. Juli 1903 errichtet“ wurde. Ebenso war er der einzige deutsche Schmuckfabrikant, der auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis vertreten war.

 

Ach ja, das Anschreiben lag auch noch bei:

100.000 Klicks – ein Danke-Gewinnspiel


Hurra! Heute hat mein Museum den einhunderttausendsten Besuch verzeichnet. Das wird gefeiert.

99999

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Unter all meinen Followern verlose ich etwas. Alle anderen Blogs verlosen Bücher – das ist langweilig.

  • Ein Museums-Blog eines Sammlers.
  • Meine Lieblingszeit war die Jahrhundertwende.
  • Ich bin großer Fan der Sammelbilder von Liebig’s Fleisch-Extrakt.

Also habe ich einen Satz Liebigbilder von 1906 ausgewählt, den ich unter all meinen Followern verlose. Wer bis zum 3. März 2017 einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlässt, kommt in den Lostopf.

Hier ist der Preis:

Liebig’s Fleisch-Extrakt – Berühmte italienische Rathäuser, 1906

Sieht gerahmt sehr dekorativ aus. Auf der Rückseite stehen kleine Informationen zum jeweiligen Rathaus.

Also los, werdet Follower, kommentiert, gewinnt!

 

Taschenkalender von 1877 bis 1890


Daß ich Sammelbilder sammle, dürfte meinem geneigten Publikum nicht unbekannt sein. Eine kleine Unter-Rubrik sind Kalender auf Sammelbildern. Davon stelle ich euch heute einige vor.

1877

 

Die Vorderseite sieht aus, wie andere Sammelbilder auch, lediglich auf der Rückseite wurden Kalender aufgedruckt. Cleverer Schachzug: nur ein Quartal oder ein halbes Jahr war pro Karte gedruckt. Somit musste man rechtzeitig vor Beginn des nächsten Halbjahres eine neue Karte besorgen, idealerweise im Geschäft, dessen Adresse auf dem Kalender vermerkt war.

Auf diesen Bildern sieht man übrigens einen der großen Mankos der Taschenkalender. Sie waren offenbar in vielen Fällen zu groß für die Brieftasche und wurden zurechtgeschnitten. Das Ergebnis sind krumme, schiefe und oftmals ganz fehlende Kanten. Das wirkt sich bedauerlicherweise auf den Wert der Karte aus.

 

1878

Diese Karten sind unbeschnitten und in sehr guter Erhaltung.

 

Lediglich die Karte unten links war mal in ein Sammelalbum eingeklebt.

 

 

1881, 1887, 1890

Zum Schluß noch drei „neue“ Karten. An den unteren beiden kann man deutlich die billigere Qualität des Drucks erkennen.

Revue-Programme aus Paris, 1895


Vor gut einem Jahr habe ich euch einen meiner liebsten Programmzettel vorgestellt. Wer sich nicht mehr erinnert, der muß hier klicken.

Heute kommen noch zwei dazu, auf die ich nicht weniger stolz bin, gedruckt von den Firmen François Appel in der Rue du Delta, und Chaix et Cie., beide Paris.

Das erste stammt aus dem Casino de Paris, einem Revue-Theater, das heute zwar noch existiert, jedoch nicht mehr an der alten Adresse 15, Rue Blanche.

 

Gegeben wurde das Stück Rabelais, wahrscheinlich ein Schauspiel über den französischen Schriftsteller François Rabelais. Ich frage mich, was im 4. Akt „Nonnes & Ribaudes“ (Nonnen und Dirnen), einem Ballett-Tanz zur Aufführung kam.

 

Das Casino de Paris scheint nicht so wahnsinnig erfolgreich gewesen zu sein. Das schlußfolgere ich aus der doch sehr beschränkten Nutzung des Werbeplatzes auf der Rückseite. Schuhe des „Hauses der grünen Botten“ und Herr Pfeiffers Pianos. Das war’s.

 

 

Das zweite Programm stammt vom 4. Juli 1895. Es wurde zwar nicht bei F. Appel gedruckt. Allerdings war auch die Druckerei Chaix sehr berühmt – vielleicht sogar noch bekannter als Appel. Die Bibliotheque Nationale de France hat extra für euch hier eine kleine Zusammenstellung vorbereitet.

Mein Programm stammt aus dem „Hippodrome“

 

Das Programm selbst ist begrenzt aufschlußreich. Es wird getanzt und gemacht. Zweimal täglich, 11 Uhr mittags und 6 Uhr abends. Ein Buffet und die Bar sind geöffnet, Preise sind im Hause ersichtlich.

Die halbe Besetzung der Aufführung scheint durch Familie Gontard zu erfolgen. Allein 4 Hauptrollen.

 

Das Interessanteste an diesem Programm ist die Werbung auf der Rückseite.  Die Schneiderei Nicoll, eine Dependance des Londoner Geschäfts wirbt in englischer Sprache für Herren und Damenmode, die auch schon an die Königliche Familie in London geliefert wurde.

 

 

 

 

Etiketten aus dem Katalog


Was wäre eine Flasche ohne das Etikett? Großes Rätselraten über den Inhalt und die Frage: „trinke ich es oder lasse ich es lieber stehen?“ Ein Etikett kann dabei von entscheidender Wichtigkeit sein, wie meine Oma mal feststellen durfte, als sie an einem lauen Sommerabend einen Schluck aus einer Weinflasche nahm, nur um dann endlich zu wissen, wo sie den restlichen Teppichreiniger hingetan hatte.

Daß die Herren Goetz und Müller meine Oma kannten, ist zu bezweifeln. Daß sie aber Etiketten hergestellt haben, steht außer Frage. Und weil sie nicht die einzigen waren, die 1938 Flaschenetiketten hergestellt haben, mussten sie von Fabrik zu Fabrik tingeln und ihre Druckerzeugnisse anpreisen.

Heute stelle ich euch einen Katalog dieser Firma vor.

 

Im Offset-, Stein- und Buchdruck vom Fach und von Heinrich Schwiegelshohn aus Limbach in Sachsen vertreten ging es auf die Reise. Dazu hatte Heinrich Schwiegelshohn seinen Erlaubnis-Ausweis dabei, einen seiner Kollegen kennt ihr schon aus diesem Artikel.

 

Um Missverständnisse zu vermeiden:

 

Überraschenderweise hat sich an einigen Weinsorten bis heute nichts geändert.

 

Passende Halsschleifen

 

Ein Zusatz von Trinkwasser oder kohlensaurem Tafelwasser erhöht den Genuß. oder mit anderem Eindruck

 

Auch ausländische Weine und Spirituosen wollten etikettiert werden.

 

Diese Etiketten könnte man auch heute noch finden.

 

die harten Sachen

hier mit der Unterteilung für ganze, halbe und Miniaturflaschen. Auch damals wurde der kleine Schluck geschätzt.

 

Was mag Batavia-Arac gewesen sein?

 

Nordhäuser und Danziger Goldwasser

 

 

Kümmel

 

Bärenfang – habe ich sogar noch zu hause

 

Ist das nicht eine riesige Auswahl? Und ich habe euch nur einige der Seiten dieses doch recht dicken Kataloges gezeigt. Viele Etiketten gibt es in zahlreichen Variationen.

 

 

Achtung, Spoiler! Tricks im Kino


Man wird im Kino von vorn bis hinten veräppelt. Nichts ist, wie es scheint und trotzdem gehen wir immer wieder gern hin um uns etwas vormachen zu lassen.

Tricks im Kino gibt es seit dem zweiten Tag der Filmgeschichte. Der Regisseur wollte das Unmachbare schaffen und seine Crew hatte die guten Ideen. Tolle Beispiele für alte Filme mit vielen Tricks sind Metropolis (1927) oder Die Reise zum Mond von 1902 (beachtet die täuschend echt gemalten Häuser ab 2:16 oder die Landung an 4:35.

Im Jahr 1913 widmete die Liebig’s Fleischextrakt Compagnie eine Sammelbildserie dem Thema. „Hinter den Kulissen des Kinematographen“ verrät uns sechs bis dahin kaum zu durchschauende Tricks der frühen Filmemacher. Die Vorderseite der Karten zeigt uns die Kulisse, auf der Rückseite erfahren wir noch mehr unglaubliche Details. Seht selbst:

 

Ein Automobil-Unfall

 

Die Sirene

 

Ein Eisenbahn-Unglück

 

Der klettergewandte Dieb

 

Die entlaufenen Kürbisse

 

Der Modistin Traum

 

Wer sich übrigens für alte Filme interessiert, dem seien die Stummfilmkonzerte des unermüdlichen Pianisten und Filmbegleiters Stephan Graf von Bothmer sowie der wunderschöne Film Hugo Cabret ans Herz gelegt. Hugo Cabret erzählt die Geschichte von Georges Méliès, zeigt die Entstehung des oben erwähnten Films „Die Reise zum Mond“ inklusive deckungsgleich nachgedrehter Sequenzen und hat Referenzen zu unzähligen anderen Filmen und Büchern der Zeit.

Folies Bergere in Paris – Programm von 1890


Einen Monat war euer Museumsdirektor sozial engagiert unterwegs, hat viele Dinge erlebt, die Hirn und Herz angeregt haben und glaubt, Gutes getan und geholfen zu haben, wo es im Moment wichtig ist. Damit ist noch nicht Schluß, aber das erste Chaos ist überwunden und die größte Not ist gelindert.

Als Dankeschön für das lange Warten habe ich euch als erstes Ausstellungsstück nach den „Sommerferien“ eines meiner Lieblinge in der Sammlung ausgewählt. Ein Programm des Varietés Folies Bergère in Paris.

Es ist ein Druckerzeugnis aus der Imprimerie Francois Appel und wurde 1890 hergestellt. Dank aufwändiger Chromolithographie leuchten die Farben auch nach 125 Jahren so, als wäre es gerade frisch aus der Druckerei gekommen.

Im Innenteil steht als Datum „Mardi 16 Decembre“. Dank des Internets ist es nicht schwierig, das dazugehörige Jahr herauszufinden. 1890 war wie durch Zufall auch das erste Jahr der größten Erfolge des Folies Bergère. Wikipedia fasst das sehr bildhaft zusammen:

Unter dem Eindruck der Jahresrevuen, die sich an einigen Theatern großer Beliebtheit erfreuten, inszenierte (der Besitzer) die erste, dem Metier angepasste Revue, die am 30. November 1886 Premiere hatte und die für damalige Begriffe unglaubliche Summe von 10.000 Franc kostete. Die Programme waren angefüllt mit vielen spektakulären Nummern: Kraftmenschen, Löwenbändigern, Groteskenpantomimen, Elefantendressuren, Abnormitätenschauen und Ringkämpfen. Doch auch das vermochte das Publikum nicht dauerhaft und regelmäßig in die Vorstellungen zu locken. Daher organisierte man (ab 1890) für die besten Prostituierten der Stadt Freikarten, die sie zum vierzehntäglichen Wandeln durch die Foyerhallen berechtigten. Zwar waren keine offensiven Angebote erlaubt, doch ein aufforderndes Kopfnicken war gestattet. Paul Derval, lange Zeit Direktor der «Folies Bergère», schrieb dazu in seinen Memoiren: „Dieses geniale System bewährte sich einige Jahre hindurch sehr gut. Jeder Pariser wusste, dass die Damen im Promenoir solche von leichter Tugend waren und dass sie die Crème ihrer Profession darstellten … kurz, das Promenoir der Folies Bergère war als der beste Liebesmarkt der Stadt bekannt.“

Mit ein wenig Phantasie kann man sich vorstellen, wie so mancher Abend einer lustigen Herrengruppe verlaufen sein mag.

Den großen Zuspruch der Pariser Bürger kann man bei diesem Programm am gut gefüllten Anzeigenraum erkennen. Es lohnte sich offensichtlich, auf Programmheften des Folies Bergère, die noch dazu 20 Centimes kosteten, zu werben. Ein weiteres Programm, das nur zwei Tage eher erschien und ein Beispiel für weniger großen Zuspruch der Werber darstellt, hatte ich euch hier schon einmal vorgestellt.

Für was wurde 1890 in einem Variete geworben?

Auf der Titelseite: TSARINE Creme und Reispuder (beides, auch wenn es nach Desserts klingt, dazu da, Frauengesichter anmutig erscheinen zu lassen), erhältlich in der Parfümerie Violet

Im Mittelteil: Das Möbelgeschäft Maison Janiaud junior preist sein großes Sortiment an (gebrauchten?) Möbeln zum Kauf oder Tausch an. (habe ich das richtig übersetzt?); Diamanten, Absinth und alle großen Parfüm Marken

Auf die Rückseite haben es größere Anzeigen geschafft: Apricosenlikör von P. Garnier, die Brasserie Mallet (bis 2 Uhr geöffnet!); La Balneum – ein Badehaus nach türkischer, römischer und russischer Art – 2 Franc ohne, 3 Franc mit Massage (oha) oder das ELIXIR GODINEAU, mit dem man für nur 20 Franc pro Fläschchen Dinge erreichen kann, die mir meine begrenzten Französischkenntnisse  glücklicherweise verschließen.

Meine anderen bereits veröffentlichen Dinge von Monsieur Appel könnt ihr euch anschauen, indem ihr hier klickt.

Über den Preis, den man für ein Programmblatt in dieser Erhaltung zahlen muß, möchte ich an dieser Stelle schweigen.

Kalender – Maison de la Belle Jardiniere – Paris – 1907


Erst vor wenigen Tagen habe ich euch einen recht großen Wandkalender des Pariser Kaufhauses Maison de la Belle Jardiniere aus dem Jahr 1887 vorgestellt.

Heute springe ich 20 Jahre vorwärts. Das gleiche Kaufhaus, wieder ein Wandkalender – diesmal jedoch einer zum umblättern. Während ich den Maler des vorigen Kalenders, den berühmten Émile Bayard, an seiner Signatur entziffern konnte, bin ich diesmal leider (noch) nicht fündig geworden. Ich glaube auch, daß hier mindestens zwei Künstler am Werk waren, da ein Teil der Bilder mit dem Mogramm LB und ein Teil mit einem Schriftzug signiert ist, das aussieht wie „Rilou“. Beim Januar bin ich mir noch unsicher, ob es ein dritter Maler ist.

 

Der Januar zeigt eine Boulonnaise. Heute bezeichnet man mit diesem Wort nur noch eine Pferderasse. Ursprünglich bezieht sich der Name auf eine Einwohnerin der nordfranzösischen Hafenstadt Boulogne-sur-Mer nahe Calais. Daher auch der Rahmen mit Ankern und Jakobsmuscheln und die Waterkant im Rücken der Schönen. (auf diesem Bild seht ihr die erste Signatur unten rechts)

 

Der Februar kommt mit einer Normande, einer Bewohnerin der Normandie, also einer Nachbarin entgegen dem Uhrzeigersinn von unserer Miss Januar. Die Normandie ist, wenn ich der Umrandung Glauben schenken darf bekannt für ihr Obst. Helft mir auf die Sprünge: sind das Pfirsiche oder Äpfel? Mich hat in der Normandie am meisten die Abtei Mont Saint-Michel fasziniert. (dieses Bild ist von LB signiert)

 

Der März bringt uns eine Bretonin, die deshalb so heißt, weil sie dem keltischen Stamm der Bretonen in der Bretagne angehört. Auch hier gehen wir auf der Landkarte wieder ein Stück linksherum. Aus Sicht der deutschen Sprache ist die Bezeichnung Bretonne leicht mißverständlich und könnte mit dem Zusatz „eine Spinnerin“ leicht zu Ärger führen. Aber dem Rahmen nach, war der Flachs dort weit verbreitet. (signiert von LB)

 

Mademoiselle April Vendéenne kommt, wer hätte das gedacht, aus Vendée, einer Region südlich der Bretagne mit viel Regen, wenig Sonne aber gutem Käse. Weil ihr das und der Umstand, daß sich ihre Region eisern gegen den Umschwung durch die Französische Revolution gewehrt hat, vielleicht etwas unangenehm ist, schaut sie lieber zur Seite als zu uns. Soll sie doch! (signiert mit B)

 

Was hat uns der Mai gebracht? Eine anmutige Béarnaise aus der Provinz Béarn am Fuß der Pyrenäen. Ich möchte nicht wie eine Sauce heißen, allerdings scheint es in der Gegend viele Schafe zu geben. Das wiegt einiges auf. Der Rahmen lässt auf Mais, Getreide und Feuerbohnen tippen. Was sie da in der Hand hält, ist mir jedoch ein Rätsel. (signiert LB)

 

Der Juni führt uns noch weiter entgegen dem Uhrzeiger am Rand Frankreichs entlang. Diese Ariégeoise entstammt dem Departemenet Ariège an der Grenze zu Andorra und Spanien. Wenn man dem Rahmen glauben darf, gab es dort vor 100 Jahren noch Bären in Nadelwäldern. (signiert „Rilou“?)

 

Die zweite Jahreshälfte führt uns mit dem Juli  auch in die wärmeren Gegenden Frankreichs. Arles ist eine recht große Gemeinde in der Nähe der Côte d’Azur. Heute nur noch im touristischen Einzugsgebiet, ging es den Bewohnern zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Kalenders bestimmt besser. Dem Rahmen nach könnte es dort Oliven und Bienen gegeben haben, die den Bauern ihr Einkommen gesichert haben. (signiert LB)

 

Der August driftet von unserer schönen Rundfahrt ab und setzt die Reise nun in die zentralen Regionen Frankreichs fort. Dabei geht es zuerst in die Auvergne. Was allerdings hat uns diese Auvergnate zu bieten? Sind das Klöppelspindeln und die Dame beschäftigte sich, gemeinsam mit ihren Landsleuten mit der Herstellung schöner Spitzenklöppelei-Erzeugnisse? (signiert LB)

 

Gleich westlich der Auvergne liegt, nein, nicht der September, sondern Limousin. Diese Region war der Namensgeber für unsere heutige Autoform – die Limousine. Der Name wurde abgeleitet von den dort verbreiteten edlen überdachten Kutschen. Wikipedia weiß noch mehr tolles über diese Region zu berichten: Die historische Sprache der Region ist das Okzitanische mit den Dialekten Languedokisch und Limousinisch. Diese Sprache war die Sprache der Troubadoure um 1100 bis 1300. Kuck an. Im Rahmen sind Kastanien abgebildet. (ich habe keine Signatur gefunden)

 

Der Oktober führt uns in die Bourbonnais und wird repräsentiert von dieser bezaubernden Bourbonnaise. Leider gibt es diese Provinz heute nicht mehr. Sie wurde aufgeteilt und den benachbarten Departements zugeschlagen. Laut Rahmen gibt es in der Gegend Libellen. Wen will man damit anlocken? Bis zum zehnten Kalenderblatt hat übrigens Monsieur Recylon gewartet, bis er uns mit seiner Signatur verraten hat, daß er für die Gestaltung der Rahmen zuständig war. Der Herr, über den man so gut wie nichts herausfindet, war ebenso wie Émile Bayard Maler, Grafiker und Illustrator. Seine Arbeiten wurden oft mit dem Stil von Alphonse Mucha verglichen. (Das Bild ist signiert mit LB)

 

Eine Savoisienne ist unsere Miss November geworden. In den Savoyen beheimatet, ebenso wie die Alpenveilchen und Edelweiße des Rahmens, ist sie eine Bergbewohnerin. In den Savoyer Alpen befindet sich der nach einem Füllfederhalter benannte höchste Berg Europas, der Mont Blanc. Damit sind wir fast wieder am Ausgangspunkt unserer Rundreise angekommen. (signiert „Rilou“?)

 

Das Jahr ist alt, ebenso unser Kalender-Model, der Dezember schließt den Reigen ab. Die Oma des Monats ist eine Bressane und kommt aus Bresse im Osten Frankreichs. Etwas hat sich in den vergangenen 100 Jahren in Bresse nicht geändert. Die dort gezüchteten Bressehühner sind auch heute noch eine Delikatesse und eine der wenigen Sorten, die in Deutschland mit Kopf und Füßen am Huhn verkauft werden darf. (signiert LB)

 

Damit ist das Jahr 1907 rum. Das Maison de la Belle Jardiniere hat es wieder geschafft, ein Jahr lang Eigenwerbung zu platzieren. Überraschenderweise war Paris auf keinem Kalenderblatt vertreten. Sonst mogelt es sich überall mit rein. Vielleicht wollte das Pariser Kaufhaus aber auch nur zeigen, daß Frankreich durchaus noch andere Regionen zu bieten hat. Wir wissen es nicht.

Kalender – 1887 – Émile Bayard und Henri Sicard


Kalender sind eine tolle Erfindung. Seit der Mensch Zeit und Ruhe hat, sich die Sterne anzusehen und den Lauf von Mond und Sonne zu verfolgen, gibt es Kalender – in etwa. Anfangs in Form riesiger Steine, die in bestimmten Mustern aufgerichtet wurden oder als schmale Ritzen im Mauerwerk, die das Sonnenlicht auf einen bestimmten Punkt scheinen ließen, wurden sie im Laufe der Jahrtausende immer kleiner, handlicher, praktischer und schöner, nur um schließlich ihr Leben als langweilige Smartphone-App unter den schmierenden Fingern der Menschheit zu fristen.

Ein Teil meiner Sammlung bilden Kalender, diese dann in Form von Taschenkalendern und die wiederum aus der Zeit zwischen 1870 und 1900. Viele habe ich nicht. Diese Sammlung ist auch nur eine Unterkategorie meiner Chromolithographie-Sammelbildchen-Sammlung. Auf einigen dieser Karten wurden halt Kalender aufgedruckt. Das ist auch schon der große Unterschied.

Wenn mir jedoch dann ein Kalender eines meiner favorisierten Drucker in die Hände fällt, kann er auch ruhig etwas größer sein, so wie dieser 129 Jahre alte Vertreter, der so groß ist, daß er gerade so in die größte meiner Schubfächer passt.

Henri Sicard kennt ihr schon aus dem Beitrag über den Kleinen Däumling und den Menschenzoo. Im Laufe der Zeit werden noch weitere Artikel hinzukommen. Sie alle findet ihr dann hier.

Der Rand neben Januar und Februar ist leider etwas ramponiert. Aber ich möchte euch mal mit 129 Jahren sehen.

Interessant ist die Umsetzung des Gemäldes. Wer versteht, wie Chromolithographie funktioniert, weiß wie schwierig es ist, ein Gemälde in dieser Größe bei gleichbleibender Qualität in 7 oder mehr Farben aufzuteilen und diese dann auf die Lithographiesteine zu übertragen. Das Gemälde stammt vom berühmten Illustrator Émile Bayard.

Und wer schon jemals ein Werbeplakat für Les Miserables gesehen hat, der kennt dieses Bild

und kann ab jetzt stolz behaupten: „Ich weiß, daß dieses Bild von Émile Bayard ist und Moopenheimer hat von ihm einen uralten Kalender.“

So sieht das Original aus – die Signatur unten rechts ist auf meinem Kalender unten links zu finden.

„Ebcosette“ von Émile Bayard – 1886 engraving for Victor Hugo’s Les Miserables. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ebcosette.jpg#/media/File:Ebcosette.jpg

Mein Kalender war ursprünglich ein Wandkalender, hing bestimmt auch ein Jahr herum – wie ich vermute, in der Nähe einer Tür, die beim Öffnen und Schließen gegen den Januar stieß und ihm das erwähnte Leid zufügte. Er war im Jahr 1886 ein Werbegeschenk des Pariser Kaufhauses Maison de la Belle Jardiniere – hoppla, schon wieder eines meiner Sammelgebiete.

Und jetzt hat bestimmt auch der letzte meiner Leser etwas hinzugelernt und niemand ist am heutigen Tag umsonst aufgestanden.

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