Farben aus Quedlinburg


Bald ist wieder Ostern und es wird gefärbt, was das Zeug hält.

Vor drei Jahren habe ich euch einiges über den Ostereierfarben-Hersteller Brauns aus Quedlinburg erzählt. Wer sich nicht mehr erinnert, muß hier klicken.

Heute habe ich in einer alten Kiste auf dem Dachboden noch zwei Produkte der Firma Brauns entdeckt. Diesmal geht es allerdings nicht um Ostereierfarben, sondern um Beize,

 

in unserem Fall Lichtblau 020 aus dem Jahr 1955.

 

Besonders gut gefällt mir das kleine Faltblatt,

 

 

das auch nach so vielen Jahren noch immer frische Farben hat.

Wer es noch nicht gefunden hat: unser Lichtblau 020 ist auf der mittleren Seite, linke Spalte, Mitte. Eine wirklich schöne Farbe.

 

Zusätzlich kann man auf der Rückseite einiges über die Herstellung guter Beizen lernen und wir erfahren, daß bei Verwendung der Refor-Beize ein Räuchern nicht mehr nötig ist. Bisher wusste ich nur, daß Fische gebeizt und geräuchert werden. Aber hier wird es in einem kleinen Video vorgeführt.

 

 

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Arbeiterrückfahrkarte


Um zu wissen, was eine Arbeiterrückfahrkarte ist, müsst ihr entweder im Dritten Reich oder in der DDR gelebt haben.

In Zeiten, da der Individualverkehr noch nicht so ausgeprägt war wie heute, also nicht nahezu jede Familie ein eigenes Auto besaß, gab es trotzdem viele Menschen, die in erheblicher Entfernung zu ihrem Wohnort arbeiteten.

In der DDR war es weit verbreitet, während der Woche „auf Montage“ in die Städte – hier hauptsächlich Berlin, die Hauptstadt der DDR – zu reisen, dort zur Untermiete oder in Monteurs-Unterkünften zu wohnen und am Freitag oder Sonnabend wieder nach hause zu fahren. So spartanisch die Unterkünfte waren, man verdiente gutes Geld, dem Alkohol wurde zugesprochen und man befand sich näher an der Quelle der Versorgung mit Waren, die in DDR-Kleinstädten und auf dem Lande nur schwer zu bekommen waren.

Damit der sauer verdiente Lohn nicht der Deutschen Reichsbahn in den Rachen geworfen wurde, gab es die stark subventionierten Arbeiterrückfahrkarten, also Fahrkarten, mit denen der Arbeiter zurück nach Hause fahren konnte. Der Fahrpreis war hiermit um 50-75% ermäßigt, die Fahrkarte war allerdings personen- und streckengebunden. Ebenso gab es Arbeiterwochen- und -monatskarten.

Auf der Rückseite ist der Entwertungsstempel zu sehen:

Kleine DDR-Erinnerungen – Gänsehaut-Klebeband und Gaststätten-Malstifte


Heute gibt es noch zwei Kleinigkeiten, für die ein eigener Tages-Eintrag übertrieben wäre.

Das erste Ausstellungsstück war ein Allzweckhilfsmittel: Rändelband

Aufgrund seines Aussehens wurde es liebevoll Gänsehaut-Klebeband genannt. Ich habe festgestellt, daß die wenigsten Benutzer wussten, wie es tatsächlich funktioniert. Einfach abgerissen und aufgeklebt, war es ein leicht wieder abzulösendes Klebeband um beispielsweise Zeichnungen auf Reißbrettern zu befestigen. Sollte die Befestigung dauerhaft sein, wurden die Pickel mit dem Fingernagel angedrückt. Dadurch kam zusätzlicher Kleber an das Papier und hielt viel besser. Sowohl mit als auch ohne anzudrücken ließ sich das Klebeband rückstandlos entfernen. Eine tolle Erfindung. Gab es sowas im Westen auch?

 

Das zweite Highlight des Tages habe ich vor Kurzem ganz hinten in einer alten Schublade gefunden:

 

Eine Minipackung Buntstifte, in deren Besitz man entweder in einer Gaststätte kam, während man auf’s Essen wartete, oder als Preis beim Topfschlagen am Kindergeburtstag.

 

Und wer sich bis hier nicht daran erinnert, dem wird spätestens die Rückseite der Packung bekannt vorkommen:

 

Ich wette, jeder DDR-Geborene erinnert sich an beide schönen Stücke.

Das Telecafé im Berliner Fernsehturm


Der Fernsehturm in Berlin war 1969 – also vor fast 50 Jahren – die Sensation der Baukunst, noch dazu in Ost-Berlin. Während West-Berlin nur den 1925 eröffneten und popelige 147 Meter hohen Funkturm bieten konnte, kam die DDR mit einem mehr als doppelt so hohen Turm daher. 365 Meter hoch war er, inzwischen sind noch 3 Meter dazu gekommen.

Und das Highlight war und ist nicht die Aussichtsplattformin 203 Metern Höhe, sondern das 4 Meter darüber befindliche Drehrestaurant „Telecafé“. Einmal pro Stunde dreht es sich um die eigene Achse und gibt den Ausblick auf die ganze Stadt über den Tellerrand frei.

Und da habe ich bei meinem ersten und einzigen Besuch diesen schönen Bierdeckel mitgenommen:

 

Lochkarten


Vor geraumer Zeit habe ich euch hier über moderne Computer aus den 1960er / 1970er Jahren berichtet.

Heute habe ich noch ein Überbleibsel aus dieser Zeit für euch gefunden: die Lochkarte

 

80 Zeichen breit, die Zahlen von 0 bis 9 übereinander, konnten auf diese Weise alle notwendigen Zahlen, Buchstaben und Sonderzeichen dargestellt werden. Für die jeweilige Zahl wurde eine Ziffer ausgestanzt. Buchstaben und Sonderzeichen brauchten eine Kombination mehrerer übereinanderliegender Ziffern sowie der beiden Zeilen oberhalb der 0.

Das sah dann so aus:

 

Alle möglichen Zeichen kann uns Wikipedia auflisten. Seht hier.

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?


Heute gibt es für alle, die des Winters schon überdrüssig sind, einen kleinen Lichtblick für den bevorstehenden Frühling. Wenn die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken blitzen, heißt es „Augen schützen“. In der DDR gab es für ein paar Pfennige das heute vorgestellte Exponat. Jedes Ostkind wird sich erinnern: unangenehm zu tragen, wenig Schutz vor der Sonne, vor UV-Strahlen sowieso nicht, aber davon gab es in der DDR ja eh keine und der schönste Effekt war, wenn das Plasteding nach oben geklappt oder der Gummi über den Kopf nach vorn geploppt ist.

 

Ich hatte seinerzeit versucht, das ganze Gebilde durch wegschnipsen zum fliegen zu bekommen – hat aber auch nicht funktioniert.

Im Westen gab es sowas schönes nicht. Die Kinder dort mussten mit Basecaps oder Sonnenschutz mit Stirnband Vorlieb nehmen.

Ein schönes Relikt aus meiner Kindheit.

Falk Stadtplan Berlin – 1977 und 1994


Wohnt ihr in Berlin oder wart ihr schon einmal in Berlin? Vielleicht sogar schon zweimal? Einmal vor und einmal nach dem Fall der Mauer? Hattet ihr einen Stadtplan von Berlin? Einen Falk-Plan?

 

Stadtplan Falkplan Berlin 1977 1994

Ist euch dort jemals etwas aufgefallen?

Bis zur Wiedervereinigung der beiden Berlin-Hälften war der Falk-Plan – übrigens seinerzeit einer der genauesten Stadtpläne Ost-Berlins – farblich in Ost und West unterteilt. Während der Westteil der Stadt damals wie heute rosa dargestellt wurde, kam der Ostteil im landestypischen Grau daher.

Stadtplan Falkplan Berlin 1977 1994

Stadtplan Falkplan Berlin 1977 1994

 

Nach der Wende wurde schließlich der westliche Wohlstand über der DDR ausgegossen und die Landschaften erblühten in schönsten rosa Tönen.

Stadtplan Falkplan Berlin 1977 1994

Die Werbung von damals ist sehenswert und erstaunlich viele Firmennamen sind seither vom Markt und aus dem Markenbewusstsein verschwunden.

Stadtplan Falkplan Berlin 1977 1994

 

Wer einen noch viel älteren Falkplan anschauen möchte, der klickt hier.

 

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