Und diese Biene die ich meine, war ein Nazi …


Wie bitte? Den Anfang des Liedes kenne ich doch. Die Biene Maja hat mir meine Kindheit versüßt, ohne dass sie jemals Honig gesammelt hat. Und nun so eine Behauptung …

Nein, Biene Maja war natürlich kein Nazi. Allerdings ist sie der Feder eines bekennenden und einschleimenden Nazis entsprungen – Waldemar Bonsels.

Geboren 1880, wuchs er in Schleswig-Holstein auf und erlebte im blühenden Alter seiner Mittdreißiger Jahre den Ersten Weltkrieg. Als Namensgeber des 1904 gegründeten E.W.Bonsels-Verlages, in dem er sein erfolgreichstes Werk, das bis heute bekannte Buch „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ verlegte, war er prädestiniert zur Rolle des Kriegsberichterstatters.

Aus dieser Zeit stammt das erste heute vorgestellte und weitestgehend unbekannte, da der Bücherverbrennung anheim gefallene Buch:

In gerade einmal einer der großen Bibliotheken ist es vorhanden – der Weltkriegssammlung in der Deutschen Bücherei Leipzig.

Das Buch selbst enthält 18 weitestgehend flache Erlebnisse. Resignierende Geschichten und Beschreibungen der Heimkehrer zu den Grausamkeiten auf den Schlachtfeldern und der Ungerechtigkeit des Krieges.

Nehmen wir die Geschichte „Die Mundharmonika“: Auf 8 Seiten wird die Geschichte eines Mädchens erzählt, das eines morgens das Fenster öffnet und ungeübt eine Melodie spielt. Ihr Freund fragt, ob er die Mundharmonika haben dürfte, und sie schenkt sie ihm. Am selben Tag muss er in den Krieg ziehen und kurz nach Abfahrt des Zuges verschenkt er das Instrument an einen Mitreisenden Soldaten, weil er eigentlich gar nicht spielen kann. (Warum, fragen wir uns, wollte er sie dann überhaupt mitnehmen, wenn nicht als Andenken an seine Liebste?) Der neue Besitzer spielt die ganze Zugfahrt über und alle Soldaten fangen durch die schöne Musik an zu träumen. Beim Aussteigen schenkt dieser Soldat die Mundharmonika an einen anderen, jungen Soldaten. (Ein Handlungsstrang ist nicht zu erkennen.) Der Junge spielt die Mundharmonika und wird tödlich getroffen. Die Geschichte endet wie folgt: „Das ist ja der Michael, der gespielt hat …“ „Wo hat er denn die Mundharmonika?“ fragte einer, aber ein anderer meinte, die müsse man ihm lassen. So ließ man sie ihm und sie kam mit dem Toten unter den Rasen. Schließlich versagte ja ohnehin ein Ton, wenn es auch einer von den tiefen war, die man bei den alltäglichen Melodien für gewöhnlich nicht braucht.

Und das war’s. Vollkommen unspannend.

Ich finde allerdings die Tatsache erwähnenswert, dass dieses Buch bereits zu Beginn und zur Mitte des Krieges erschienene Geschichten enthält, also noch vor der großen Resignation. Dieser Umstand und die Tatsache, dass viele Bücher aus Bonsels Feder sexistische Tendenzen aufwiesen, dürften ihn auf die Liste der Autoren gebracht haben, deren Bücher den Feuertod sterben mussten. Drei Ausnahmen gab es jedoch. „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“, deren Fortsetzung „Himmelsvolk“ und „Indienfahrt“ waren aufgrund des Erfolges ausgenommen.

Ein zweites, ebenfalls recht unbekanntes Buch aus der Feder Waldemar Bonsels‘ möchte ich euch noch vorstellen. Ich habe es für ein paar Euros auf dem Flohmarkt gekauft und nun fertig restauriert.

1941, als dieses Buch erschien, war der – ich erwähnte es schon – glühende Antisemit und Anhänger des Nationalsozialismus bereits in die Reichsschrifttumskammer aufgenommen worden. Wie genau er es angestellt hat, vom Schriftsteller sexistisch eingeordneter und zu vernichtender Bücher zu einem großen Nazi-Freund zu werden, kann ich nur mutmaßen. Ein Auszug aus dem Wikipedia-Artikel: Nach den studentischen Bücherverbrennungen vom 10. Mai 1933 publizierten die Zeitungen einen ihnen vom Propagandaministerium zugeschickten Artikel Bonsels’, NSDAP und Judentum. Darin begrüßte er, dass nun der „überhandnehmende Einfluß jüdischen Wesens“ auch in der Kultur beendet werde. „Der Jude ist anders als wir“, bemerkte er. Juden stellten ein „penetrantes Element der Einwirkung“ dar. Sie verbreiteten „Gift“. Ihr Einfluss sei als „tödlicher Feind“ „unserer Bewegung“ wie der Volksgemeinschaft insgesamt zu werten. Gerade auch für Kunst und Kultur gelte das, es seien Juden gewesen, die darüber entschieden hätten, welche Schriftsteller und Dichter erfolgreich gewesen seien. Bonsels erfuhr im Nationalsozialismus keinerlei Einschränkungen seiner schriftstellerischen Tätigkeit.

Sven Hanuschek, Literaturwissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München, bezeichnete ihn anlässlich der 100-Jahre-Biene-Maja-Feier als „lausigen Autor“ (das habe ich euch oben schon unter Beweis gestellt) und „für viele“ „damals schon eher eine Witzfigur“. Gottfried Benn nannte ihn einen „dieser guten deutschen Volksschriftsteller.“ Franz Blei verglich ihn in seinem „Großen Bestiarium der modernen Literatur“ mit einem schmierigen Windhund: „Das Bonsels, englische, sehr bewegliche Windhundrasse, die nur männlich aber mit starken weiblichen Eigenschaften vorkommt. Dem ölig glatten Fell entspricht eine ebensolche Gangart. Elsterhafte Vorliebe für glänzende Gegenstände. Die Gattung wird wegen starker Blutleere nicht alt.“

Soviel zum Erfinder der lieblichen Biene Maja.

Wer mag, kann hier den Anfang der Geschichte lesen:

Es gibt zahlreiche Illustrationen. Hier z.B. die alte Hexe Ermelinde,

die auf einen Baum klettern muß, um Ritter Knorrherz zu besuchen.

Ein Stück weiter in der Geschichte, legt sich Knorrherz auf die Lauer um eine Kutsche zu überfallen und auszurauben. „Knorrherz schritt gelassen heran, öffnete den Wagenschlag und erblickte auf den Rücksitzen ein blondes und schönes junges Fräulein, neben dem ein erschrockener Onkel in den Polstern saß. Er tötete den Onkel und vergrum ihn am Wegrand in einem sandigen Heidefleck, ein wenig in Verlegenheit, was er nun mit diesem jungen Ding beginnen sollte, das im Wagen zurückgelieben war.“

Es stellt sich heraus, dass die junge Maid dankbar ist, den Onkel los zu sein und gern mit bei Knorrherz wohnen würde, weil sie sonst an einen Grafen verheiratet worden wäre. Der alte Zausel faßt die Gelegenheit beim Schopfe und nimmt die Schöne mit in seine Höhle, verliebt sich in sie und zeigt ihr die angehäuften Schätze.

Wieso er sich in sie verliebt? Seht, hier, was er sah:

Alles klar, Herr Räuber!

Ermelinde braut einen Trank, gibt ihn dem alten Räuber und am nächsten Morgen, ihr werdet es nicht glauben, …

Um noch einmal auf die Biene Maja zurückzukommen: Wusstet ihr, dass das Kapitel, das den zweiten Angriff der Hornissen auf den Bienenstock behandelt, Parallelen zur Rede Kaiser Wilhelms II. vom 27. Juli 1900, der sogenannten Hunnenrede enthält?

Hier der Auszug aus der Rede: „Kommt ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen! Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in Überlieferung und Märchen gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, daß es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!

Und die Bienenkönigin: … „Im Namen eines ewigen Rechts und im Namen der Königin: Verteidigt das Reich!“

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Ich komme im Laufe des Herbstes


Jeder freut sich, wenn Besuch kommt. Schön ist es, wenn sich der Besuch vorher ankündigt, damit man noch schnell die Wohnung aufräumen und optisch saubermachen kann. Blöd ist es, wenn die Ankündigung nicht so ganz präzise ist.

Die uns bereits schon aus früheren Artikeln bekannte Firma H. Zwernemann aus Hanau hat irgendwann in den frühen 1920er Jahren diese Postkarte an den uns bereits bekannten Adolf Tresselt geschickt. Sie bieten neben der Brillantbijouterie in einfacher und reicher Ausführung ja auch ein reichhaltiges Lager in Ketten u. Bijouterien in Gold, Doublé, Silber, Tula und Alpacca. Zigarren-Etuis, Taschen, Börsen in Silber und Alpacca sind ebenfalls am Lager.

Und was wollten Sie?

Aha, den Besuch eines Vertreters ankündigen. Und wann kommt er? Im Laufe des Herbstes und Herr Zwernemann hofft, „daß Sie meinem Vertreter einen hübschen Auftrag reservieren werden“.

Diese äußerst ungenaue Besuchsankündigung ist nur vorläufig und „Mein Vertreter wird Ihnen eine nochmalige Besuchsanzeige kurz vor seinem Eintreffen zukommen lassen.“ Damit erscheint mir diese Postkarte relativ unnütz.

Wie dem auch sei, die Zwernemann-Fabrik scheint erfolgreich gewesen zu sein. Details dazu hatte ich euch in dem ersten Artikel herausgesucht. Klickt hier und schaut euch die Villa Zwernemann und die Preise für seine Stücke mal an.

Eine Datierung ist aufgrund der abgeweichten Briefmarke leider nicht möglich. Um die Akkuratesse der Postkarte beizubehalten, würde ich auf 1905-1922 tippen. Jünger kann sie nicht sein, da die Verwendung als Rechenzettel mit Preisen arbeitet, die aus den Anfängen der Inflation 1922 stammen.

Ein sehr eigenartiger Geschäftsbrief von 1908 und eine Haushaltskasse von 1913


Da habe ich aber einen seltsamen Geschäftsbrief zwischen den Seiten eines uralten Kassenbuches meines Urgroßonkels gefunden. Den kann ich euch nicht vorenthalten. Er ist voller Rätsel und ich musste ihn erst dreimal lesen um ihn ein halbes mal zu verstehen. Vielleicht hat von meinen treuen Lesern jemand eine Idee und lässt uns in einem Kommentar klug werden.

Die Württembergische Metallwarenfabrik – abgekürzt übrigens WMF und damit auch dem letzten Leser bekannt – schrieb diesen Brief am 15. Oktober 1908 an den uns schon bekannten Adolf Tresselt.

Die WMF erlaubt sich 10 Mark und 45 Pfennige am 15. November per Postauftrag auf mich zu entnehmen und bittet um geneigten Schutz ihrer Abgabe. Das bedeutet, wenn ich es richtig interpretiere, dass sie die Zustimmung zu einer Art Einzugsermächtigung von mir erbitten.

Sie möchten diese Abgabe acht Tage an sich halten, falls ich direkte Anschaffung vorziehen sollte. Haben die Herrschaften mir eine Sendung auf Probe geschickt, 10 Mark und ein bisschen als Sicherheit von meinem Konto abgebucht und ich habe die Möglichkeit, das Produkt innerhalb einer Woche zurückzusenden, oder zu behalten?

Besonders gut gelungen ist nach meiner Meinung die Grußformel: „Uns bei fernerem Bedarf Ihrem Wohlwollen bestens empfehlend, zeichnen hochachtungsvoll Herr Heim und Herr Breitschwerdt.“ Das möchte ich mal einer Lieferung von Amazon beigelegt finden.

Sparsam, wie Herr Tresselt war, hat er die Rückseite des Briefes fünf Jahre später als Kassenbuch verwendet.

Vom 17. Juli bis Mitte September 1913 wurde jede einzelne Ausgabe und Einnahme akribisch notiert. Vor jeder Ausgabe steht „ab“, vor jeder Einnahme „Zu“ und man kann sich prima die damaligen Preise anschauen:

  • Feuerstein: M 1,30
  • Postkarte: M 0,05
  • Mutter: Butter, Brod: M 0,60
  • Semeln: M 0,05 (hier wieder mit dem Verdopplungsstrich über dem m)
  • Bouillonwürfel: M 0,25
  • Bier: M 0,27
  • Bier, Brief, Rasieren: M 0,49
  • Mitte Juli zur Bank gebracht: M 130,- (zack, war die Haushaltskasse bis auf M 6,82 leer)
  • Zucker u. Eier: M 0,64
  • Herrenhemd: M 0,70 (das kann doch nicht der Preis sein …)
  • Cigarren: M 0,70
  • Toiletten-Schilder: M 4,- (Anfang August)
  • Butter: M 0,32
  • Cacao & Zucker: M 1,44 (2. Spalte, unten)

usw. usf. Dazwischen immer wieder Namen von Personen, die entweder Geld bekommen oder gebracht haben. Ein stetes Geben und Nehmen.

Und alles hat ganz ohne elektrische Hilfsmittel funktioniert.

Erste Hilfe in Fabrikbetrieben – Das Samariterbüchlein, 1915


Wurden in den 1930er Jahren noch zahlreiche Personen beim Überqueren der Fahrbahn von Autos überfahren, so lernte die nächste Generation bereits, auf diese Gefahren zu achten. Noch eine Generation eher passierte Ähnliches beim Betreten von Eisenbahnschienen, ohne auf herannahende Züge zu achten. Heute haben wir Angst, dass uns eine Drohne auf den Kopf fallen könnte.

Der Mensch muss erst lernen, mit Neuerungen umzugehen.

Das Entstehen großer Fabriken zu Beginn des 20. Jahrhunderts brachte nicht nur viele Arbeitsplätze, sondern damit verbunden auch zahlreiche Unglücksfälle durch Unachtsamkeit Leichtsinnigkeit oder aufgrund damals noch nicht geltender Sicherheitsvorkehrungen. Abgerissene Finger waren damals keine Seltenheit, weil die Arbeiter sich nicht der Gefahr bewusst waren, die ein laufender Treibriemen verursachen konnte. Bis dahin hatte man sich versehentlich eingeklemmt und konnte den Schraubstock oder Ähnliches leicht wieder öffnen und den Finger herausziehen.

Das heute vorgestellte Samariterbüchlein soll euch die Anfänge der Ersten Hilfe in Betrieben, Berufsgenossenschaften, Jugendvereinen, Samariter– und Rote-Kreuz-Vereinen sowie Sanitätskolonnen aufzeigen.

Meine Ausgabe ist eine etwas spätere. Wie ihr seht habe ich hier die 70. Auflage vorliegen. Leider wurden diese Heftchen nie datiert, allerdings dürfte diese Auflage zwischen den Jahren 1915 und 1920 erschienen sein. Als Vergleich habe ich den schon vor einem halben Jahr vorgestellten „Samariter“ von 1914 genommen.

Über das Samariterbüchlein urteilen Vereine wie der Deutsche Kolonnenführer, das Rote Kreuz, die Deutsche militärärztliche Zeitschrift oder ein Ministerialrat. Lest selbst auf der linken Seite ihre Meinungen.

Nun wollen wir uns den eigentlichen Inhalt anschauen.

Die zehn Gebote des Samariters.

1. Gebot. Handle so, wie du selbst behandelt zu werden wünschest: was du nicht willst, daß man dir tu, das füg auch keinem anderen zu!

2. “ Sei unverdrossen gleich bei der Hand! Sekunden sind kostbar und können jemand das Leben retten. Zweimal gibt, wer schnell gibt.

3. “ Bewahre in allem Fassung und Ruhe, das beruhigt den Verunglückten und stärkt seine Hoffnung.

4. “ Bei allen deinen Handlungen sei behutsam! Verliere wenig Worte! Reden ist Silber, Schweigen Gold.

5. “ Verhindere, daß mit dem Verunglückten Unzweckmäßiges geschieht. Zerstreue müßige Zuschauer.

6. “ Ordnungssinn und Reinlichkeit sei dem Samariter oberstes Gesetz.

7. “ Vertraue auf dich selbst, so wirst du gute Samariterdienste leisten.

8. “ Sei gewissenhaft in allem, was du tust, schaffe stets nur ganze, nie halbe Arbeit; denn nur Erstere gewährt dem Verunglückten das Gefühl der Sicherheit und stärkt sein Vertrauen.

9. “ Den Anordnungen des Arztes sei gefügig, alles Auffallende notiere und melde dem Arzt, wolle es nicht besser wissen als dieser.

10. “ Spiele niemals den Arzt, sondern sei nur dessen Stellvertreter in der Not so lange, bis er zur Stelle ist.

So sieht’s aus. Damals wie heute gute Ratschläge.

Nicht weniger nützlich ist der dargestellte Blutkreislauf auf der gegenüberliegenden Seite.

Auf der nächsten Seite stehen uns zwei Varianten der künstlichen Beatmung zur Verfügung. Ich bin mir nicht sicher wie die Methode nach Howard funktionieren soll, Werde es aber auf Seite 18 und 19 im Text nachschlagen. Ohnmächtige Personen hießen damals Scheintote.

Erneut werden uns mehrfarbige Illustrationen aufgezeigt. In diesem Fall wurde uns in fröhlichem Rot die Blutung der jeweiligen Körperteile aufgemalt.

Es folgt der dazugehörige Text:

Schaut euch auf dem folgenden Bild einmal den Aufbau dieses Büchleins an. Die Seiten werden nach innen hin immer kleiner. Der dadurch überstehenden Rand der Folgeseite beziehungsweise der vorherigen Seite dient als Register. Schlägt man das Buch in der Mitte auf, kann man am oberen Rand nach der vorliegenden Verletzung beziehungsweise der benötigten Behandlungsmethode suchen. Anschließend tippt man mit dem Finger auf das Schlagwort und die dazugehörige Seite klappt auf.

Es folgen einige nützliche Hinweise zu Vergiftungen, die wir alle schon häufig angetroffen haben: Gruben-, Kanal- und Kloakengifte

Mein Vorbesitzer hat auf der folgenden Seite den Schlaganfall markiert. Wahrscheinlich war dieser Unglücksfall auch damals schon eine der am weitesten verbreiteten Gründe für Sanitätereinsätze.

Verbandarten – hier überraschenderweise auch einmal mit weiblichen Patienten.

Einige Transportmöglichkeiten – nicht so zahlreich, wie im Buch „Der Samariter„, aber immerhin.

Ihr seht, wir nähern uns dem Ende dieses hübschen kleinen Ratgebers. Die Rückseite ziert eine Werbung für „Kosmoplast“, dem idealen Wund-Schnellverband der Firma Hartmann. Bestimmt habt ihr von dieser Firma mindestens ein Produkt in eurem Haushalt. Neben Pflastern wird von der Hartmann Gruppe nämlich auch der Kneipp Badezusatz hergestellt. Wikipedia weiß alles.

Filmvorführkarte – 1943


Heute habe ich etwas für euch, das ich erst vor wenigen Tagen auf dem Flohmarkt gefunden habe.

Das ist eine Faltkarte, die einem Filmvorführer gestattet, den genannten Film in seinem Kino vorzuführen. Nicht jeder x-beliebige Film durfte nach Lust und Laune gezeigt werden. Alles musste von der Film-Prüfstelle koordiniert werden. Das ist auch heute noch so. Diese Stelle legt fest, ob ein Film für Zuschauer ab 0, 6, 12, 16, 18 Jahren oder nur von Erwachsenen angesehen werden darf.

In unserem Fall wurde der Deutschen Film-Herstellungs- und Verwertungsgesellschaft m.b.H. (aus Berlin-Tempelhof) die Erlaubnis erteilt, den Film „Deutsches Land in Afrika“ von 1939 vorzuführen. Die Webseite dieser Gesellschaft findet ihr hier, die Infos zum Film hier.

Auf der Vorder- und der ersten Innenseite findet ihr eine kurze Beschreibung des Teams und des Inhalts. Die Inhaltsangabe ist jedoch recht ungenau. Wer sich den Film anschaut, wird bemerken, dass hier neben dem beschriebenen Inhalt auch über den „Kolonialraub durch die Gegner im Weltkriege mit der Begründung der Kolonialen Schuldlüge“ und die „Behauptung, Deutschland habe die Eingeborenen misshandelt und sei unfähig zu kolonialisieren.“ (Zitate) gearbeitet wird.

Das Werk bestand aus 4 Filmrollen, deren Länge ihr hier seht. So wusste der Vorführer, wann der Rollenwechsel bevorstand.

Beachtet bitte die Notiz: Der Film ist staatspolitisch wertvoll und volksbildend. (Diese Anerkennung hat Gültigkeit bis 31. Mai 1945.)

Der Film kursiert auf YouTube. Wer ihn sich ansehen möchte, klickt hier.

Dass sich alle Kolonialmächte nicht mit Ruhm bekleckert haben, hatte ich euch seinerzeit schon einmal hier erzählt.

ADAC Wochenendfahrt durch Thüringen – 1929


Die meisten Autofahrer in Deutschland sind Mitglied in einem der beiden großen Automobilclubs. Der ADAC ist dabei Spitzenreiter und jeder kennt die gelben Autos und Hubschrauber.

Der ADAC wurde bereits 1903 als Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung gegründet. Aufgrund steigender Autofahrerzahlen, beschloss man schon 8 Jahre später, im Jahr 1911, sich in Allgemeiner Deutscher Automobil-Club umzubenennen. Mit einem kurzen Zwischenspiel als Der Deutsche Automobil-Club (DDAC) während der Zeit des Dritten Reiches und als Konkurrenz zum Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK), sammelte der ADAC Mitglieder, die sich heute auf nahezu 21 Millionen Kraftfahrer beläuft. Während mein Großvater Mitglied des ADAC war, war mein Großonkel im NSKK. Dazu ein anderes Mal mehr.

Damals wie heute veranstaltet der ADAC Ausfahrten. Kraftfahrer treffen sich mit ihren – meist gut gepflegten und schön zurecht gemachten – Fahrzeugen, um eine gemeinsame Route zu fahren. Damals wie heute sind dabei noch immer die gleichen Autos unterwegs.

Die Autos meiner Großeltern wollte ich euch schon länger vorstellen. Es wird Zeit, das nachzuholen. An einem von ihnen war das heutige Relikt angebracht.

Ziemlich groß und ganz schön schwer kommt es daher. Die Aufschrift lautet:

AUTOMOBILCLUB „MITTELTHÜRINGEN“ KÖNIGSEE/THÜRINGEN

15.-16. VI 1929

A.D.A.C. WOCHENENDFAHRT NACH SCHWARZBURG

 

Ich würde die Plakette gern an meinen Kühlergrill anbringen. Allein, mein Auto hat keinen, der groß genug wäre. Außerdem würde man sie mir bestimmt klauen. Also liegt sie in einer Kiste, ungeputzt und ungenutzt.

Geschichten zum Vorlesen, Nacherzählen und Selbstlesen – Propaganda im Kinderbuch – 1939


Johanna Haarer verfasste vielbeachtete Erziehungsratgeber in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit.

„Säuglingspflege für junge Mädchen Ein Unterrichtsbuch für Schulen.“ war ihr erstes Werk, „Kinder auf dem Bauernhof ihre Erziehung in Familie und dörflicher Gemeinschaft.“ ein späteres, „Unsere Schulkinder“, „Mein Strickbuch“ Band 1, 2 und 3 erschienen von 1949 bis 1951 und „Frau sein und gesund bleiben“ 1950.

Ihr Buch „Die Mutter und ihr erstes Kind“ kann noch heute bei Amazon erworben werden. (Link) Es handelt sich dabei um die von nationalsozialistischer Terminologie bereinigte Version von „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind.“ aus dem Jahr 1934.

Denn, was nicht all ihre Leserinnen wussten war, dass Sie in ihrer Rolle als „Gausachbearbeiterin für rassenpolitische Fragen“ der NS-Frauenschaft in München (aus Wikipedia) in den Blütejahren des Nationalsozialismus bereits eine der erfolgreichsten und umsatzstärksten Verfasserinnen von Erziehungsratgebern im Dritten Reich war.

Ihr perfidestes Werk jedoch war „Mutter, erzähl von Adolf Hitler!“

„Dieses kleine Buch über den Führer und das Dritte Reich ist entstanden aus der Beantwortung vieler, vieler Fragen, die ein paar kleine Kinder ihrer Mutter täglich immer wieder stellten: Fragen nach Worten und Begriffen, über die sie die Großen sprechen hörten, Fragen nach der Hakenkreuzfahne, die an der großen Festtagen des Volkes von allen Häusern weht, Fragen nach der Bedeutung des Deutschen Grußes und nach der Stimme des Führers, die so kraftvoll aus dem Lautsprecher tönt und der alle im Hause lauschen. Die Fragen nach dem Warum der großen Aufmärsche und Feiern – welche Mutter kennt sie nicht!“ War dem so? „Welche Mutter kannte sie nicht“?

„Das Kind muß begreifen und verstehen können, was wir ihm antworten, und doch müssen wir andererseits so zu ihm sprechen, daß nichts, was groß und ewig ist, verkleinert, verniedlicht und dadurch verfälscht wird.“ Selbstbewußte Worte, die Frau Dr. Haarer nach dem Ende der Nazizeit sicher ganz anders gemeint haben wollte.

Wie wird diese „großartige Geschichte“ kleinen Kindern vermittelt? „Wir werden das so schonend und kindgemäß wie möglich tun, aber trotzdem der Wahrheit nicht feige ausweichen. Denn niemals können Wahrheit und Wirklichkeit in der Seele der Kinder solchen Schaden anrichten wie Täuschung, Ausflucht und Lüge. Und wenn wir Ihnen, gedrängt durch die Fragen, ein Stück aus der Geschichte unseres Volkes und Vaterlandes erzählen, dann denken wir daran, daß sie ja auch in unseren unvergänglichen deutschen Volksmärchen das Leben manchmal von harten und grausamen Seiten kennenlernen, ohne Schaden zu nehmen.“  Dazu hatte ich euch seinerzeit dieses Buch im Artikel „Märchen – Deutung in der Nazi-Zeit“ vorgestellt.

Das Inhaltsverzeichnis verheißt aufregende Vorlese-, Nacherzähl- und Selbstlesestunden. Ich hätte mich sicher schnell gelangweilt, aber mahnende Worte der nationalstolzen Mutter werden für Ruhe und bedächtiges Lauschen gesorgt haben:

„Heute erzählst du uns vom großen Krieg, Mutter!“

„So kamen die Kinder in der Dämmerstunde bei der Mutter an. Also hört zu. Als der große Krieg ausbrach, war ich selbst noch ein Kind und ich lebte damals bei eurer guten Großmutter in der kleinen Stadt, in der ich auf die Welt gekommen bin.“ Mutter erzählt, wie der Erste Weltkrieg begann, dass alle deutschen Männer singend und feiernd in Erwartung eines kurzen siegreichen Kampfes durch die Straßen zogen.

Der Ladenbesitzer, Herr Schmitthammer, war bereits in Frankreich und hatte seiner Frau, die den Laden nun in seiner Abwesenheit führte einen Feldpostbrief geschickt und geschildert, dass „unsere Soldaten“ „nicht einen einzigen Franzosen“ „ins deutsche Land hereingelassen“ hatten. „Wie herrlich unsere Soldaten kämpften!“

Weiter erzählt uns die Mutter von ihren gelegentlichen Einkauf bei Familie Veilchenstein. „Ihr lacht über den komischen Namen, und wir haben als Kinder auch darüber gelacht.“ „Dann fragte meine Mutter nach Herrn Veilchenstein. Oh, es ging ihm gut. Nein, Frau Veilchenstein brauchte keine Angst um ihn zu haben! Er war ja nicht so weit vorne im Felde, wo geschossen wurde, ihn konnte keine Kugel treffen. Warum nicht? Oh, er war ja so tüchtig! Er kaufte weiter hinten die Lebensmittel ein, die die Soldaten zum Essen brauchten, solche Leute muss es auch geben, man konnte sie nicht entbehren. Und Frau Veilchenstein lächelte vor sich hin. Sie sah ganz anders aus als die arme Frau Schmitthammer, die immer magerer und ernster wurde vor lauter Sorgen. Sie war dick und rundlich, hatte ganz schwarze Haare und viele Ringe an den Fingern.“ „Bei Ihnen war immer Brot im Kasten, das wußte man in der Stadt. Auch Butter, Fleisch und Milch hatten sie zur Genüge, man brauchte sie allesamt ja nur anzusehen. Wir alle mochten die Veilchensteins nicht, auch die Kinder nicht. Sie sahen ganz anders aus als wir und hatten gebogene Nasen und ganz dunkles Haar. Sprach man einmal mit Ihnen, so wurden sie gleich frech und machen sich wichtig. Und je länger der Krieg dauerte, desto mehr sah und hörte man von Ihnen.“

Irgendwann ging der Krieg schließlich zu Ende.

„Aber nicht, wie wir alle gehofft hatten, mit einem großen Sieg! Oft, ach oft haben wir davon gesprochen, wie es sein würde, wenn endlich einmal der Frieden käme! Alle Glocken würden wieder läuten, hatten wir uns ausgemalt, und in langen Zügen, mit Blumen geschmückt, würden unsere Soldaten heimkehren. Nun aber kam es ganz, ganz anders, als wir gedacht hatten. Davon erzähle ich euch das nächste Mal.“

Und das Kart die Mutter auch. Sie erzählt lang und ausführlich vom angeblichen Verrat der Feindesmächte den deutschen Soldaten und dem deutschen Volk gegenüber. Die Dolchstoßlegende in kindlichem Format.

Im Weiteren Verlauf des Buches geht es – wie der Titel vermuten lässt – um die „Heldentaten“ Adolf Hitlers.

„So schrieb Adolf Hitler damals alles nieder, was er sich ausgedacht hatte, um Deutschland zu retten. Er erzählt in diesem Buch auch von seinem eigenen Leben und erklärt uns, warum alles so hat kommen müssen und warum Deutschland so in Not und Elend geriet. Er konnte damals nicht zu den Menschen sprechen, denn er war ja gefangen. Das schrieb eben alles, was er ihnen sagen wollte. Später druckten dann die Buchdrucker die geschriebenen Seiten ab und so entstand sein Buch „Mein Kampf“. „Das wollen wir lesen, Mutter! Sind auch Bilder drin?“ So Riesen die Kinder. Das Buch unseres Führers ist kein Buch für Kinder. Aber wenn ihr größer seid und es verstehen könnt, dann freilich sollt ihr es lesen, nicht nur einmal, nein, viele, viele Male.“

„Wenn Adolf Hitler bei seiner vielen, vielen Arbeit in der Reichskanzlei in Berlin einmal einen Augenblick innehielt und sich in seinem Deutschen Reich umsah, dann muß er sich wohl von Herzen gefreut haben – meint ihr nicht auch? Was hat er in kurzer Zeit nicht alles erreicht für sein Land und für sein Volk! Alle hatten wieder Arbeit, verdienst und Brot, es gab keine Arbeitslosen mehr.“ (Wie es dazu kam und dass es nicht wirklich auf Hitlers Ideen fußte, lest ihr z.B. hier nach.)

In was für eine goldene Zukunft uns Herr Hitler und seine Kameraden geführt hat, weiß jeder, der im Geschichtsunterricht aufgepasst hat. Opas glorifizierenden Reden über den GröFaZ zeugen oft von politischer Demenz und finden im wissensarmen Teil der Bevölkerung begeisterte Anhänger.

Ich bin der Meinung, dass solch glühende Verehrer des Nationalsozialismus wie Frau Dr. Johanna Haarer nach dem Ende des Dritten Reiches keine Erlaubnis zur Veröffentlichung ihrer alten Werke – selbst in überarbeiteter Form – oder neuer Schriften mehr erhalten hätte dürfen.

Zum Abschluß liste ich euch noch das Buchverzeichnis aus dem hinteren Teil dieses Buches auf:

Weiter Bücher zu diesem Thema hatte ich euch bereits hier vorgestellt:

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