Maniola-Halter


Gelegentlich trifft man auf Dinge, für die man keine Erklärung findet. So auch für den heute vorgestellten Maniola-Halter.

Was konnte ich bisher herausfinden?

  • Maniola ist eine Schmetterlingsart und heißt auch Großes Ochsenauge: siehe hier
  • Es ist angeblich kein Teil eines BHs.
  • Er stammt aus den 1930er Jahren.
  • Es gibt ein Manila-Halter-Kleid, aber das hat wohl nichts damit zu tun.
  • Zum Deutschen Reichspatent D.R.Pat 432844 ist nichts zu finden.

Der Halter besteht aus zwei Bakelitteilen, die mittels eines Gummibandes verbunden sind. am Oberteil kann der Gummi durch Verschieben innerhalb des C-förmigen Loches verschoben werden.

Nun seid ihr gefragt. Wem fällt eine Erklärung ein? Bitte in die Kommentare schreiben! Ich bin neugierig.

 

Update: eine nette Dame vom Patentamt München konnte mir weiterhelfen. Sie hat mir den Maniola-Halter anhand der Patentnummer herausgesucht und den (kostenlosen) Link zur Verfügung gestellt. Es handelt sich also um einen Krawattenhalter, erfunden und zum Patent angemeldet von Josef Englert am 29.10.1924. Das Patent bekam er am 14.11.1927 und hier ist es: Link. Nun bleibt nur noch der Selbstversuch. Wie wird dieser Krawattenhalter verwendet? Ich werde es mit Hilfe der Patentbeschreibung mal versuchen.

Zu Josef Englert gibt es übrigens noch einiges zu berichten. WürzburgWiki weiß: Dr. Josef Englert (* 31. März 1890 in Heidingsfeld; † 23. November 1954 in Uhldingen-Mühlhofen) war Studienprofessor, Maler und Dichter.  Neben zwei kleinen Romanen hat er sich al Maler betätigt und mindestens ein Ölbild („Anliegende Boote am Bodenseeufer“, 1942, Öl auf Leinwand) hinterlassen.

Und wieder wurde ein Rätsel gelöst. Ich freue mich.

 

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Taschen-Guillotine


Da ich Nichtraucher bin, kenne ich den heutigen Artikel nur aus der Theorie.

Es handelt sich um einen Zigarrenabschneider. Aufgrund seiner Funktionsweise – man zieht die Rasierklinge heraus, steckt die Zigarrenspitze in eines der beiden Öffnungen und schneidet die Spitze durch Hereindrücken des Messers ab – wird der Zigarrencutter auch gern Taschen-Guillotine genannt.

Zigarren-Schneider

 

Ich habe natürlich die Datenbank des Deutschen Patentamtes nach dem oben angegebenen Deutschen Reichs-Patent D.R.P. 529844 durchsucht. Soll ich euch etwas sagen? Ich habe es gefunden. Es war nicht ganz einfach, da das Patent am 3.8.1938 durch das verbesserte Patent 1442252 abgelöst wurde. Als Begründung schreibt der Erfinder Ingenieur Gottfried H. Cullmann: „Der in der Patentschrift Nr.529844 beschriebene Zigarrenabschneider hat eine unzweckmäßige Verbindung von Klinge, Halter und Hülse, indem ein lösbarer Verbindungsstift zur Verwendung kommt.  Abgesehen davon, dass dieser Stift, sei es eine Verschraubung, sei er in der Art eines Druckknopfes ausgeführt, leicht verloren gehen, sich auch von selbst lösen kann und wegen der Kleinheit schlecht zu montieren ist, bleibt beim Entfernen des Stiftes die Klinge in der Hülse stecken.“

Mehr im gesamten Patentantrag, den ihr hier findet. (Quelle: depatisnet.dpma.de) DE000001442252U_all_pages

Interessant sind an diesem Gerät zwei Dinge:

  • man hat im Vergleich zu anderen Zigarrenschneidern nur eine Öffnung für die Spitze der Zigarre; sonst kann man die gesamte Zigarre durchstecken und auf die Art unnötig viel abschneiden;
  • die Löcher für die Zigarrenspitzen sind oval statt rund; die Erklärung liefert uns Herr Cullmann auf Blatt 2, zweiter Absatz: „Weiterhin liegt der vorliegenden Anmeldung eine von allen bisherigen Zigarrenabschneidern abweichende Einstecköffnung für die Zigarre zugrunde. Da die Zigarren an der abzutrennenden Spitze niemals genau rund sind und meist einen ovalen Querschnitt aufweisen, so ist die bisher gebräuchliche runde Einstecköffnung unzweckmäßig.“

Den Tabakwaren-Großhändler E.A.Riedmüller habe ich zwar nicht gefunden, allerdings hat sein Sohn Bruno das Geschäft übernommen und war laut dem Adressbuch der Stadt Erfurt von 1950 noch immer im Geschäft in der Reichartstrasse 4. seht hier.

Die Stopfhexe


Stellt euch vor: Es gab mal eine Zeit, da kannte niemand H&M, Primark, T.K.Maxx oder wie sie alle heißen – die Wegwerf-Klamotten-Verkäufer mit Horden sklaventreibender Fabrikanten im Rücken.

Zu dieser Zeit wurde bei der Herstellung von Kleidung noch auf Qualität geachtet. Schließlich war die Produktionskette so kurz, daß man mitunter den Hersteller kannte und bei schlechter Ware schleunigst zur Konkurrenz gewechselt wäre. Zusätzlich wurden Kleidungsstücke in Eigenarbeit genäht, gefärbt und an die sich verändernde Größe des Trägers angepasst.

Dieser Umstand führte dazu, daß mit Kleidung sorgsamer umgegangen wurde. Flecken wurden sofort ausgerieben oder ausgewaschen. Anzüge und Kleider wurden mit Kleiderbürsten gereinigt. Und hatten Mantel, Strump oder Hose ein kleines Loch, wurde es repariert.

Was aber, wenn das Loch oder der Riss zu groß waren. Stopfen funktioniert ja nur, indem man an den Rändern beginnend eine Art Trägerfäden über das Loch spannt und diese dann möglichst unauffällig mit Faden in der Originalfarbe umstopft. Hier kommt uns die Stopfhexe zuhilfe.

Stopfhexe

Hinter diesem blocksbergigen Namen verbirgt sich nichts weiter, als eine Art Gewebeband, das als Träger unter das vorhandene Loch genäht wurde. Als besonderen Bonus war die Verarbeitung mit der Nähmaschine möglich. Auf der Rückseite könnt ihr die Gebrauchsanleitung für die Verwendung mit Nähmaschinen lesen. Das klingt ganz schön verzwickt. Bedenkt man allerdings, daß wir hier von einer Zeit um 1930 reden, in der die Eltern noch von den Entbehrungen nach dem Ersten Weltkrieg geprägt waren, versteht man, daß der Werbeslogan „Erhält Wäsche, spart Garn!“ nur zu gern befolgt wurde.

Stopfhexe

 

Ich frage mich, ob heute noch jemand ein Loch im Strumpf stopfen könnte. Meine Oma hatte in ihrer Nähmaschine noch einen Stopfpilz (später sogar noch einen zweiten mit Beleuchtung!) und ich behaupte, ich würde es vielleicht sogar noch hinbekommen, auch wenn es nicht besonders kunstvoll aussehen würde. Daß ich die Stopfhexe allerdings mit der Nähmaschine zähmen könnte, bezweifle ich.

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