Trauriges Tagebuch meiner Oma


Heute stelle ich euch in der Reihe der kleinen Handschriften-Reihe (die ganze Serie gibt es hier) ein kleines Tagebuch vor, das meine Oma als Jugendliche begonnen hat und nach dem Tod ihres Ehemanns als Erinnerungsbuch weiter geführt hat. Es ist nicht wirklich ein Tagebuch, da es keine fortlaufenden Eintragungen enthält. Vielmehr handelt es sich um ein Buch voller Andenken. Einige davon werde ich euch hier und heute zeigen.

 

Schlägt man das Büchlein auf, stößt man auf einige Bilder, die meiner Oma wohl besonders viel bedeutet haben.

Unter dem wohl von ihm geschriebenen und wahrscheinlich an eine Karte, einem Blumenstrauß oder einem Geschenk befestigten Kärtchen „aus Liebe“ seht ihr meinen Opa als schmucken Mann, darunter als junger Drogist neben seinen Mitlehrlingen oder Angestellten, oben rechts als Soldat im Einsatz an der Ostfront und unten links die beiden Gräber von ihm – gefallen im Alter von 35 Jahren – und seinem besten Freund und bei der Wehrmacht Chef Fritz Stille. Während mein Opa „nur“ Unteroffizier war, schaffte es Freund Fritz bis zum Leutnant.

 

Zwischen den nächsten Seiten hat meine Oma ihr Hochzeitsfoto und ein paar getrocknete Rosenblätter aufbewahrt. Nach ihrem Tod haben wir ein Foto ihres Sarges dazugelegt.

 

Weiter geht es mit einem Foto der beiden Freunde. Ernst und Fritz, der nicht so klein war, wie es scheint, sondern der hier in einem Loch steht.

 

Ein Gedicht aus der Zeit gegen Ende oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Meine Oma hatte 1941 noch ihr viertes Kind (das dritte überlebende – siehe meinen Mutterkreuz-Artikel) – meine Mutter – bekommen. Sie und ihr Vater sollten sich nie kennenlernen. Die Geschichte dazu gab es schon im Artikel über die Ausbombung. Meine Oma lebte 1942 mit ihren Kindern (5, 2 und 1) nach dem Fliegerschaden zuerst beim Bruder in Arnstadt, dann bei den Eltern in Erfurt. Viel Arbeit, viel Not, kein Mann zur Unterstützung.

 

Wir springen ca. 15 Jahre zurück. Zum Ende der Schulzeit – wahrscheinlich am letzten Schultag – gaben sich alle Freundinnen gegenseitig einen guten Spruch mit auf den Weg.

Meine Oma war 16 und ihre Freundinnen haben ihr diese Zettel zukommen lassen. Ich weiß nicht genau, wie man sich das vorstellen kann, denke mir aber, dass jeder dieser Zettel aus zwei Hälften bestand und in einem Block oder Büchlein zusammengebunden war. Alle Blätter hatten eine Herzform, man notierte auf der oberen Hälfte, wem man wann einen Zettel gegeben hatte, schrieb einen Spruch, riß den unteren Teil ab und gab ihn der Freundin.

Hier die Ratschläge der besten Freundinnen, die ebenfalls um die 16 gewesen sein werden. Früher nannte man es das Backfischalter.

Wir wollen uns den grauen Tag vergolden, ja vergolden. Storm (aus dem Oktoberlied) Denke gern an unsere freudige Jugend! Deine Annemarie Kilian. Erfurt, d. 2.4 27

Einen Mund, der nicht küßt, ein Herz, das nicht geliebt, weiß nicht was für selige Stunden es gibt. Zum Andenken, Cäte (?) Jacobsohn, März 1927

Die Liebe und der Suff, die reiben den Menschen uff. Zum Andenken an Ruth Karlstadt, Erfurt, d. 2.4.27

Wenn der Mond macht seine Runde, ist zum Küssen die beste Stunde. Befolge das! Hilde Kahlert, 2.4.1927

Gibt dir das Schicksal einen Puff so weine keine Träne. Lach dir ’nen Ast und setz dich druf und baumle mit de Beene! Zur Beherzigung! Mops Rottig, den 2.4.27

Liebe und Wein vertragen sich fein, denn Liebe ist ein Blümchen und will begossen sein. Merk‘ dir’s! Deine Margot (?), Erfurt, d. 2.IV.27

 

 

Ein Kuß ist das Zusammenbauzen zweier kleiner Menschenschnauzen! Zur frdl. Erinnerung an unsere schon lustige Schulzeit! Hildegard Krubzig d. II.IV.27

Lieb macht Wasser heiß, doch Wasser niemals Lieb zu kühlen weiß. (Shakespeare) Zur Erinnerung Erna Lautzsch, Erfurt, den 2.4.27

Bescheidenheit ist eine Zier, drum liebe einen und nicht vier! Zur Beherzigung! Hilde Wittsack. Erfurt, den 2.4.1927 (Anmerkung: 53 Jahre später sind die beiden zufällig in Nachbarhäuser umgezogen, haben sich nach zehn oder zwanzig Jahren wiedergetroffen und waren bis zum Tod meiner Oma gute Freundinnen)

Willst du ins Ausland dich verlieben und macht die fremde sprach dir Qual, küssen kannst du hüben so wie drüben, denn der Kuß ist international! Zur Erinnerung an Irmgard Harrigfeld. Erfurt, den 2.4.1927

So nimm denn meine Hände und führe mich, in eine stille Ecke und küsse mich! Zur Erinnerung! Lotte Beer. April 1927.

Erst kommt der Frühling und dann die Liebe. Und dann und dann kommt „Er“. Da lernt man küssen, ja richtig küssen, und hält verliebt sein Schnäuzchen her. Zur Erinnerung an Traudl Roth.

 

Lass deine Liebe nicht ermatten, auch nicht bei 30° im Schatten! Zur Beherzigung! Grete Lösch. Erfurt, d. 2.4.27

Liebe Friedel Du sollst leben und dein Liebster auch daneben, doch vor einem warn‘ ich dich, küsse nicht so fürchterlich! Befolge meine Warnung! Deine Gertrud Pischinski (?) den 2. April 1927.

Schweigen ist Silber, reden ist für Dich Gold. Lotte Arnold. Im Frühling 1927

Eener alleene is nich scheene. Eeene alleene is och nich scheene! Aber eener und eene – und dann alleene – das is scheene! Zur Erinnerung an Elisabeth Saß.

 

Wieder zurück ins Jahr 1941.

Das Foto zeigt meine Großeltern, auf dem Schoß des Opas meine Tante (Jahrgang 37) und mein Onkel (Jg. 40). Da der Bengel ca. ein Jahr alt zu sein scheint und meine Mutter 1941 folgte, dürfte meine Oma hier schon ordentlich schwanger gewesen sein.

Um das Foto habe ich drei Zeitungsausschnitte gelegt, die im Tagebuch auch an dieser Stelle liegen. Oben links eine Ermahnung, die Todesanzeigen in der Tagespresse – 1942 kamen sie schon reichlich – mehr zu würdigen. Daneben die Todesanzeige für den eigenen Mann und unten der Frontbericht, der beschrieb, wo Opa war und dann auch blieb.

 

Noch ein weiterer Bericht.

 

Ein Gedicht zum Heldengedenktag aus der Thüringer Gauzeitung vom 21. März 1943. So ungern man heute über Dinge wie einen Gedenktag zur Ehrung der Helden der Deutschen Wehrmacht reden möchte, hat er seinerzeit meiner Oma viel bedeutet und sie hat bestimmt noch einmal mehr an ihren toten Mann gedacht.

 

Nochmal ein Blütenblatt und zwei getrocknete Edelweiß. Früher fand man die auf Wanderungen noch häufiger.

 

Noch drei Fotos und zwei Notizen:

  • oben links: die beiden Freunde Ernst und Fritz Stille, 1941. Rußland.
  • oben rechts: Mein „Weltenbummler“. bekommen am 28.8.28
  • rechts unten: ein Minifoto meiner beiden Großeltern
  • zwei Notizzettel mit Verabredungen zu (heimlichen?) Treffen:
    • Treffen wir uns um 8 Uhr Ecke Schlößerstraße u. Anger bei Lamm. frdl. bis dahin hoffentlich mit besserer Laune
    • treffen wir uns heute abend   ja? nein?

 

Zwei Fotos, die den Liebsten bei der Arbeit in unserer Drogerie zeigen. Einmal allein, einmal beide gemeinsam.

 

Und zum Schluss noch zwei Fotos in schmucker Pose und bei einem Ausflug mit dem Bruder des Liebsten.

 

Damit endet dieser Artikel, der mich einerseits traurig gestimmt hat, andererseits lebt ein Mensch in den Gedanken an ihn weiter. Das tun meine Oma und mein Opa hier. Mehr zu ihnen findet ihr im Artikel „Briefe von der Front„.

 

 

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Ehrenkreuz der Deutschen Mutter – Mutterkreuz 1938


Meiner Oma wurde anlässlich der Geburt ihres vierten Kindes (meiner Mutter) am Muttertag des Jahres 1942 das Mutterkreuz in Bronze verliehen.

 

Gestiftet durch Adolf Hitler am 16. Dezember 1938 per Verordnung wurde es im Laufe der Zeit an 4,7 bis 10 Millionen Frauen verlieren. Genaue Zahlen sind nicht mehr verfügbar.

In einer schmucklosen Papiertüte wurde es üblicherweise am Muttertag, der auf die Geburt des Kindes folgte ausgehändigt.

Während die bereits 1920 in Frankreich gestiftete Médaille de la Famille auch heute noch verliehen und getragen werden kann, zählt das deutsche Mutterkreuz zu den in der Bundesrepublik Deutschland verbotenen verfassungsfeindlichen Propagandamitteln. Es darf somit nicht öffentlich getragen werden.

Ich zeige es euch heute trotzdem, um interessierten Besuchern meines Museums ein wenig Hintergrundinformation zu vermitteln. Das hat nichts mit Verherrlichung zu tun, da ich mich ausdrücklich von nationalsozialistischem Denken der Vergangenheit und Gegenwart distanziere, jedoch meinen Teil zur politischen Aufklärung beitragen möchte.

Die eigentliche Auszeichnung bestand in dem großen emaillierten Kreuz, wie ihr es hier seht. Um das Hakenkreuz steht der Text „DER DEUTSCHEN MUTTER“. An einem blau-weiß gestreiften Band wurde es zu besonderen Anlässen um den Hals getragen. Die kleine Spange war wahrscheinlich für vornehmere Anlässe gedacht, bei denen es etwas dezenter an Bluse oder Kleid angebracht wurde.

Bedauerlicherweise habe ich die Verleihungsurkunde nicht mehr, oder ich habe sie noch nicht gefunden.

 

Auf der Rückseite des großen Kreuzes war zuerst der Spruch „Das Kind adelt die Mutter“ eingraviert, der später durch das Stiftungsdatum ersetzt worden ist. Unter beiden Fassungen steht die Unterschrift Hitlers.

Die Vergabekriterien für das Mutterkreuz in Bronze (4 oder 5 Kinder), Silber (6 oder 7) oder Gold (8 und mehr Kinder) waren neben der „Deutschblütigkeit“ und der Würdigkeit der Mutter, nicht zuletzt die Maßgabe, dass alle Kinder lebend geboren wurden. Da nur drei der vier Kinder meiner Oma überlebten, während der Erstgeborene einen Tag nach der Geburt aufgrund von Abhärtungsmaßnahmen gestorben war, hatte sie das „Glück“, die Auszeichnung trotzdem zu erhalten. 1936, als er geboren wurde, kam jemand auf die Idee, Neugeborene mit Intervall-Eiswasserbädern schon frühzeitig abzuhärten und zu harten Deutschen zu machen. Hat nicht ganz funktioniert.

So sehr das Mutterkreuz die deutsche Mutter als wichtigen Teil der Gesellschaft ehren sollte, so sehr hat der Nationalsozialismus die in den 1910er/1920er Jahren in den Städten bereits emanzipierte Frau wieder zurück in Familie, Küche und Kinderaufzucht gedrängt. Insofern war die Anerkennung nur eine weitere Augenwischerei.

Bei ungebührlichem Betragen, unsittlichem Verhalten oder dem Verkehr mit Zwangsarbeitern oder Kriegsgefangenen konnte die Auszeichnung übrigens wieder aberkannt werden.

Flugblatt der Deutschen Wehrmacht – 20.6.1940


Heute gibt es schon wieder ein Flugblatt zu sehen.

Im Unterschied zum sowjetischen Flugblatt von neulich ist dieses eins von der Deutschen Wehrmacht für die deutschen Soldaten.

Es ist an die 1. Gebirgs-Division gerichtet. Sie erreichte traurige Bekanntheit durch ihre Teilname am Polenfeldzug,  Westfeldzug, in Griechenland, im Balkanfeldzug, im Krieg gegen die Sowjetunion und ab 1943 zum Partisanenkampf erneut auf dem Balkan eingesetzt. Die Division wurde auch Edelweiß-Division und von Adolf Hitler als „seine Garde-Division“ bezeichnet und war an Kriegsverbrechen wie dem Massaker auf Kefalonia (1943) beteiligt. (weiß Wikipedia)

Hier wird die Division für ihre „Verdienste“ beim Frankreichfeldzug gefeiert. Details lest ihr ebenfalls bei Wikipedia.

 

Beeindruckend ist die folgende Information: „Rund 1.810 Kilometer wurden im Schnitt von jedem Soldaten zu Fuß zurückgelegt, 445 Kilometer motorisiert und 2.950 Kilometer mit der Bahn, den Transport vom polnischen zum französischen Kriegsschauplatz mitgerechnet.“ (Wikipedia)

Interessant finde ich, dass das Flugblatt ohne das sonst unvermeidliche „Heil Hitler!“ endet. Der Unterzeichner ist übrigens Ludwig Kübler – ein auf dem Balkan hingerichteter Kriegsverbrecher.

Sowjetisches Flugblatt – September 1941


Heute habe ich etwas für euch, das nicht einfach zu finden ist. Ein sowjetisches Flugblatt, abgeworfen 1941 über den deutschen Wehrmachtstruppen, nachdem sie ihren zu dieser Zeit noch anhaltenden Vormarsch auf Moskau fortsetzten.

Zu dieser Zeit gab es zahlreiche Flugblätter der Sowjetunion. Viele können in den Museen angeschaut werden, einige im Internet. Meins habe ich unter anderem im Bestand der Staatsbibliothek  (Signatur: Einbl. 1939/45, 8725. K 175) gefunden.

Ein Gefängnis in Form eines Hakenkreuzes, hier „Konzlager“ genannt und Himmler als der „Bluthund“ Hitlers. Die Erwähnung von „acht Jahren der blutigen Hitlerherrschaft“ würde auf 1940 schließen lassen. Allerdings wurde die Sowjetunion erst 1941 angegriffen, so dass ich von einem Rechenfehler des Designers ausgehe. Er hat wahrscheinlich 1933 + 8 gerechnet, ohne zu beachten, dass 1933 ja bereits das erste Jahr unter Hitler war. Dieses Flugblatt erschien im September 1941 in einer Auflage von einer halben Million.

Die Opferzahlen auf der Vorderseite sind noch relativ niedrig.

 

Um die Soldaten zu ermuntern, das Flugblatt länger zu behalten oder gar nach dem Lesen an Kameraden weiterzugeben, wurde auf der Rückseite ein Zählreim a la „Zehn kleine Negerlein“ abgedruckt. (klickt auf das Foto für eine größere Version)

Der Besitz und die Verbreitung innerhalb der Truppe dürfte seinerzeit mit nicht unerheblichen Repressalien verbunden gewesen sein. Solch ein Flugblatt also mit sich herumzutragen, war kein leichtes Vergehen.

 

Wie in fast jedem Flugblatt befindet sich auch auf diesem am unteren Rand ein „Passierschein“ in deutscher und russischer Sprache, der es dem Soldaten schmackhaft machen sollte, sicher auf die Seite der Roten Armee überlaufen zu können. Ob es tatsächlich sicher war, mit diesem Flugblatt zu wedeln und keine Kugel in die Brust zu bekommen (in den Rücken eher), kann ich nicht sagen.

Ein schönes Zeitdokument, wie ich finde. Die Nummerierung der Vorderseite (265) und der Rückseite (309) lässt mich vermuten, dass die Druckvorlagen in unterschiedlicher Gruppierung ausgegeben wurden.

Ein Flugblatt der Deutschen Wehrmacht gibt es hier.

 

 

Tag der Deutschen Kunst – 14.Juli 1939


Im Rahmen der von 1937 bis 1944 jährlich stattfindenden Großen Deutschen Kunstausstellung (Link zu Wikipedia) im Haus der Deutschen Kunst in München fand ein Umzug zum Tag der Deutschen Kunst durch die Straßen Münchens statt.

Einige Wagen aus diesem Festumzug wurden als Zinnfiguren nachgestaltet und konnten am Rande der Feiern gekauft werden.

Ich konnte herausfinden, daß die Figuren von einer Zinngießerei Schweizer in Diessen am Ammersee hergestellt wurden. Allerdings gibt es in Diessen sowohl die Firma Wilhelm Schweizer als auch Babette Schweizer.

Wer sie tatsächlich hergestellt hat, ist mir noch ein Rätsel.

 

Aber ich habe inzwischen herausgefunden, daß es noch ein Pferdegespann und einige weitere Wagen gibt, die teilweise zu sehr unschönen Preisen gehandelt werden.

 

Mir reichen meine zwei Wagen.

Hier gibt es einen kurzen Film zum Tag der Deutschen Kunst: YouTube (Umzug ab 25:30). Ich finde das Ganze ja sehr selbstverherrlichend und den braunen Herren zum Gefallen inszeniert. Wir können froh sein, dass unsere Kunst nicht auf dieser Stufe versauert ist.

 

 

Prüfe dein Gewicht!


Erinnert sich noch jemand von euch an die großen alten Waagen, die zumeist in Bahnhöfen standen?

„Prüfe dein Gewicht!“ stand groß auf einem Schild und darunter oftmals der kleinere Zusatz „Der Zeiger trügt dich nicht!“

Auf Flickr habe ich ein Foto gefunden, das ich euch hier zeigen möchte:

Foto mit freundlicher Genehmigung von Chris R (https://www.flickr.com/photos/tierchen/)

Nicht alle Waagen hatten – so wie diese – eine Kartenausgabe. Manche hatten nur einen Zeiger, das Gewicht wurde angezeigt und das war’s.

Diese Waage hat unten ein Ausgabefach, in das eine kleine Pappkarte mit dem Format einer damaligen Fahrkarte ausgeworfen wurde.

 

Während die linke Karte aus einer DDR-Waage aus dem Jahr 1982 stammt, ist die rechte Karte von 1933. Auf beiden Karten wurde die seinerzeit für Körpergewicht noch gebräuchliche Angabe in Pfund aufgedruckt. Die linke Dame (meine Tante) wog damals 111 Pfund, also 55,5 kg. Wer die rechte Karte gezogen hat, weiß ich nicht. Er oder sie war mit 139 Pfund oder 69,5 kg etwas schwerer.

 

 

Die Rückseiten beider Karten unterscheiden sich sehr. Auf der neueren Karte befindet sich über dem Datum eine Tabelle mit Richtwerten für Männer und Frauen, gestaffelt nach Körpergröße. Meine Tante war mit ihren 1,75m offensichtlich eine Hungerlatte.

Die alte Karte hoffte noch auf den Sammeltrieb der Kunden. Eine von wahrscheinlich 24 verschiedenen Motiven war entweder bunt gemischt in der Waage vorrätig, oder jede Woche kam ein neues Motiv dazu. Man weiß es nicht.

 

Geist und Schönheit – Nationalsozialismus mit Nacktbildern


Dass ich immer auf der Suche nach interessanten Dingen für meine Sammlung bin, wisst ihr bereits. Haben die dann auch noch eine Geschichte, freue ich mich um so mehr.

Für heute habe ich ein Heft aus dem Jahr 1940 ausgewählt. Unter dem Titel Geist und Schönheit erschienen in den Jahren 1939 und 1940 acht Folgen dieser Hefte. Folge 1: Geist und Schönheit, Folge 2: Körperbildung und Körperharmonie, Folge 3: Körperausdruck und Körperkultur, Folge 4: Körperausdruck und Körperkunst, Folge 5: Sinn der Nacktheit, Folge 6: Höchstes Gut: Dein Blut!, Folge 7: Lob des schönen Menschen, Folge 8: Lebenswille und Lebensführung

Die Titel lassen schon ahnen, welcher Gesinnung die Werke sind.

Ich habe für euch Folge 7 ausgewählt.

 

Weniger, wegen der nackten Damen, als vielmehr der Geschichte wegen. Schaut euch die Titelseite einmal genau an. Über und über bekritzelt mit Bleistiftnotizen. Und im Innenteil geht es damit weiter:

 

Überraschenderweise sind alle Notizen aus Russisch.

 

Wie konnte es dazu kommen?

 

Meine Version der Geschichte ist folgende: Ein deutscher Soldat hatte dieses kleine Heftchen zur Freizeitgestaltung bei sich. An der Front, die vermutlich östlich von Berlin verlief, kam es zu einem unschönen Zwischenfall, bei der der Soldat mit Glück nur das Heft, mit Pech auch sein Leben verlor. Ein sowjetischer Soldat hat sich des Heftes angenommen und seinerseits seine Freizeit damit verschönert.

Der Soldat hat es schließlich bis nach Berlin geschafft und das Ende des Krieges miterlebt. In der Nachkriegszeit hat er sich mit Tauschhandel seine Lebensumstände verbessert und dieses Heft als Geschäftsbuch genutzt.

Wer des Russischen mächtig ist, kann gern einige Übersetzungen in die Kommentare schreiben.

Hier nun noch einige Impressionen aus dem Werk.

 

… eine Geschichte über das Verhältnis zur Nacktheit, aufgelockert mit einigen Fotos.

 

 

 

 

Eine Rede zur Rassenkunde, den Vererbungsgesetzen und dem Überlegensein der germanischen Rasse gegenüber z.B. der „Negerrassen, die eine große unförmige Frauenbrust als Zeichen von Schönheit betrachten, die für uns den Inbegriff von Hässlichkeit darstellt, während die Brüste der Aphrodite und der Venus von Cyrene beim schwarzen Volk nichts gelten, bei uns zum Ausdruck edelster Körperformen gehören. Nach unserem Empfinden sind auch die Negerplastiken hässlich.“

 

So wird der hetzerische Vortrag über zahllose Seiten weitergeführt und gelegentlich das Bilde einer Dame (nackt) oder eines Herren (mit Lendenschurz) eingestreut.

 

Der letzte Artikel behandelt das selbe Thema wie der Vorige.

 

Das Heft schließt mit dem Aufruf, die Freikörperkultur als Kampf für die Rasse zu leben. Die Botschaft ist meiner Meinung nach auch in der Einleitung zu Leni Riefenstahls Olympia-Film wiederzufinden. Die Art der Darstellung ist nahezu identisch und die Message des Films war sowieso im Sinne des Nationalsoziaismus.

 

Wer sich nun angesprochen fühlte, konnte Mitglied im Deutschen Bund für Körperkultur e.V. werden.

 

Weiter Werke zum Thema werden am Ende des Hefts beworben.

 

Und schließlich eine Übersicht über bereits erschienene Hefte. Dass die Reihe fortgesetzt wird, war geschwindelt. 

Maniola-Halter


Gelegentlich trifft man auf Dinge, für die man keine Erklärung findet. So auch für den heute vorgestellten Maniola-Halter.

Was konnte ich bisher herausfinden?

  • Maniola ist eine Schmetterlingsart und heißt auch Großes Ochsenauge: siehe hier
  • Es ist angeblich kein Teil eines BHs.
  • Er stammt aus den 1930er Jahren.
  • Es gibt ein Manila-Halter-Kleid, aber das hat wohl nichts damit zu tun.
  • Zum Deutschen Reichspatent D.R.Pat 432844 ist nichts zu finden.

Der Halter besteht aus zwei Bakelitteilen, die mittels eines Gummibandes verbunden sind. am Oberteil kann der Gummi durch Verschieben innerhalb des C-förmigen Loches verschoben werden.

Nun seid ihr gefragt. Wem fällt eine Erklärung ein? Bitte in die Kommentare schreiben! Ich bin neugierig.

 

Update: eine nette Dame vom Patentamt München konnte mir weiterhelfen. Sie hat mir den Maniola-Halter anhand der Patentnummer herausgesucht und den (kostenlosen) Link zur Verfügung gestellt. Es handelt sich also um einen Krawattenhalter, erfunden und zum Patent angemeldet von Josef Englert am 29.10.1924. Das Patent bekam er am 14.11.1927 und hier ist es: Link. Nun bleibt nur noch der Selbstversuch. Wie wird dieser Krawattenhalter verwendet? Ich werde es mit Hilfe der Patentbeschreibung mal versuchen.

Zu Josef Englert gibt es übrigens noch einiges zu berichten. WürzburgWiki weiß: Dr. Josef Englert (* 31. März 1890 in Heidingsfeld; † 23. November 1954 in Uhldingen-Mühlhofen) war Studienprofessor, Maler und Dichter.  Neben zwei kleinen Romanen hat er sich al Maler betätigt und mindestens ein Ölbild („Anliegende Boote am Bodenseeufer“, 1942, Öl auf Leinwand) hinterlassen.

Und wieder wurde ein Rätsel gelöst. Ich freue mich.

 

Märchen – Deutung in der Nazi-Zeit


Heute habe ich wieder etwas Interessantes für euch herausgesucht.

Vor einigen Tagen habe ich dieses Märchenbuch erstanden:

1934 im Deutschjugend Verlag erschienen, befasst es sich mit der Deutung deutscher Volksmärchen. Es gab mindestens zwei Auflagen, ich habe eine Erstausgabe.

Es wird zwar vom 1. Band gesprochen, mehr als dieses Buch ist aber offenbar nie erschienen.

Neun Märchen werden behandelt: Schneewittchen, Rotkäppchen, Dornröschen, Hänsel und Gretel, Die sieben Geißlein, Aschenputtel, Rumpelstilzchen und die beiden weniger bekannten Der Jude im Dorn und Knoist und seine drei Söhne (das sich mir nicht so recht erschlossen hat – wer mag, liest selbst: Link)

Ich habe für euch Rotkäppchen ausgewählt. Das ist eines der Märchen mit der bekanntesten Deutung, nämlich der Übergriffe durch Männer auf unschuldige Mädchen. Dieses Phänomen wird im Märchen erzieherisch mittels des bösen Wolfes und des ungehorsamen Mädchens, das sich zum Blumenpflücken verleiten lässt und dadurch „vom rechten Wege abkommt“ dargestellt. Wikipedia weiß wie immer mehr.

Nun kommt allerdings mein Buch daher. 1934 erschienen, Deutschjugend Verlag, wir dürfen gespannt sein.

Der Autor Fritz Hugo Hoffmann (1891–1965) klärt uns auf, was es mit einem Volksbuch auf sich hat:

„Weil die Volksseele in allen ihren Kindern aus dem gemeinsamen Rasse-Erbgut so ähnlich ist und doch wieder in jedem auf seine nur ihm eigene Art ihr Schöpfunglied singt, …“ Moment …. er wird doch nicht …

Schauen wir uns zuerst das Märchen an:

Soweit zum Märchen, das vermutlich jeder meiner treuen Leser kennt. Nun zur Interpretation.

„Die drei Eichen und die Haselnußhecke kennzeichnen deutlich die altgermanische Malstätte, da wohnt die Erbweisheit, da wurde Deutsches Recht geschöpft.“ Aha. Das lehrt uns der Beginn von Rotkäppchen? Wir lesen weiter.

Der Wolf hat die Großmutter verschlungen. „Rom macht die Rechtsform, die Staatsform, den Glauben, die Kirche, den Heliand (Heiland?), den arischen Christus und das „Germanische Christentum“ für die Deutschen zurecht – und erwartet die saumselige Jugend.“

„Klar ist uns Deutsches Recht, verwirrend jüdisch-römisches Recht.“

„Nun scheint es aus zu sein; Erbwissen und Jugend verloren. Es wäre auch aus, wenn da nicht einer käme, der hört daß da etwas nicht stimmen kann, der das Todesröcheln des Deutschen Volkes, das Schnarchen des wohlgesättigten Wolfes vernimmt.“  Wer dieser „Eine“ war, wissen wir zur Genüge. Daß er das Deutsche Volk vom Todesröcheln befreit hat, kann man nicht so direkt unterstreichen.

Weiter auf der letzten Seite:

„Es rumpelt und pumpelt  – das erste Frühlingsgewitter bricht die Macht des Winters. Thors Hammer trifft den Fenriswolf.“

„Hüte dich, Jehova-Priester, wenn du der Deutschen Jugend auflauern willst, und in Schule und Elternhaus eindringen willst – das Erbwissen wacht!“

Ganz zauberhaft. In allen deutschen Kinder- und Hausmärchen spielt also der „Führer“ bereits eine vorhergesagte Rolle als Heilsbringer, Erlöser, was auch immer. In Rumpelstilzchen hätte ich ihn ja noch hereininterpretieren können, aber hier geht es laut Herrn Hoffmann um „Goldwahn, Goldbetrug und Papiergeldschwindel (Inflation), vom Mißbrauch des Weibes als Arbeitsklavin und Gebärerin für Judas Zwecke und entartetes Führertum. Aber auch [um die] Befreiung des Volkes, der Vernichtung der Juden- und Freimaurerherrschaft.“

Diese spezielle Richtung der Märchenforschung dürfen wir sicher mit gutem Gewissen in die Abteilung „hetzerischer Unfug“ ablegen.

Fritz Hugo Hoffmann war übrigens seit den 1920er Jahren Mitglied der Artamanen und später Bundesführer der abgespalteten Gruppe der „Artamanen. Bündische Gemeinden für Landarbeit und Siedlung“. Diese Siedlungs-Idee lebt derzeit bedauerlicherweise in Mecklenburg-Vorpommern wieder auf. Hier ein Bericht darüber. Hier noch einer.

Soldatenzeitungen 1942 bis 1944


Eine Zeitung enthält heutzutage (bzw. sollte enthalten) tagesaktuelle Nachrichten. Früher war der Erscheinungsrhythmus etwas größer. Es gab meist Wochenzeitungen. Das lag nicht, wie manch einer vermuten könnte, an der schwierigen Verteilbarkeit der Zeitungen. (Wusstet ihr, daß in Großstädten vor 100 Jahren bis zu sieben Mal pro Tag der Postbote kam?) Vielmehr hat man damals eine Zeitung mit allen wichtigen Meldungen eines Tages nicht voll bekommen. Das hat sich bis heute übrigens nicht geändert, hält aber die Presseheinis nicht davon ab, Zeitungen mit so viel Füllmasse auszupolstern, daß man jeden Tag ein neues Exemplar auf den Markt werfen kann.

Ein weiterer Grund, Wochenzeitungen statt Tageszeitungen herauszugeben, kann in der Papierknappheit gelegen haben. Die heute vorgestellten drei Zeitungen erschienen in den schwierigsten Kriegsjahren und bestanden aus jeweils 8 bis 12 Seiten – also 2 oder 3 Bögen. Ich besitze nur die hier gezeigten 3 Bögen – je Zeitung einer. Sie lagen in einer Holzkiste auf dem Boden um den Inhalt zu schützen. Ansonsten hätten sie keine große Daseinsberechtigung gehabt.

Beginnen wir mit der Zeitung Der Durchbruch vom 6. Dezember 1942:

Lest euch mal den Artikel „Stimmung und Haltung“ (unten links) von Goebbels durch. Eine kleine Verhaltenskunde für den deprimierten Soldaten. Kombiniert mit dem Hauptartikel der Seite war die Wehrmacht aber noch auf der Siegesseite.

Seite 2 kommt mit einem Bericht über die Versorgungslage daher:

 

Seite 3: „Kameradschaftsdienst“ mit Grüßen aus der Heimat. Wer sich übrigens fragt, wer mit den Rshew-Kämpfern gemeint ist, der kann hier über die 200km westlich von Moskau gelegene Stadt lesen, in deren Gebiet zur Zeit des Erscheinens unserer Zeitung die Schlacht von Rshew tobte und eine Million Soldaten auf deutscher und russischer Seite das Leben kostete.

Hier nun aber ein Artikel voller Grüße der Angehörigen aus der AEG-(Rüstungs)-Werken in Berlin Gesundbrunnen an die Rshew-Kämpfer.

 

Seite 4: weitere Kriegsschauplätze und Sport. Im „Sportbrief aus der Heimat“ klingt, wie ich finde, eine leise Kritik an, daß man jetzt, wo alle guten Männer an der Front sind, mit zweit- und drittklassigen Sportlern vorlieb nehmen muß.

 

Die nächste Zeitung ist die Panzerfaust vom November 1943. Da sie ein recht großes Format hat, habe ich die Seiten dreigeteilt.

Es beginnt mit den Stätten des Ostens, Zeichnungen von eroberten russischen Orten. Der Begleittext klingt, als hätten die Russen ihre Orte selbst zerschossen. War dem so?

 

Die im Durchbruch erwähnte Witzseite: Wir lachen uns ins Panzerfäustchen. (nun ja)

 

Geschichten und Gedichte

 

Ankündigung des neuen Farbfilms mit Hans Albers: „Große Freiheit Nr. 7„, der im Dritten Reich letztlich nie gezeigt werden durfte. Mehr erfahrt ihr im Link oben.

 

Die letzte Zeitung ist wiederum die Panzerfaust, diesmal vom Januar 1944.

Es beginnt mit einer Novelle von Hanns Franck

 

 

Heiteres aus Sachsen

 

Und auch in dieser Ausgabe wird wieder „ins Panzerfäustchen gelacht“:

 

Damit endet unsere Presseschau von der Ostfront. Sicher war die Lektüre dieser Zeitungen eine seltene Ablenkung. Post aus der Heimat kam sicher auch nur gelegentlich, wenn überhaupt jemand zum schreiben da war. Wusstet ihr, daß viele Frauen und Mädchen an „den unbekannten Soldaten“ schrieben, um auch denen ohne Verwandtschaft eine Freude zu bereiten?

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