Die Mutter der GEZ


Heute habe ich etwas für euch herausgesucht, das ich selbst bis vor kurzem nicht kannte. Es handelt sich um einen Trödelmarktfund und weist mit knapp 91 Jahren schon einige Rostflecken auf, die wahrscheinlich von benachbarten Heftklammern stammen.

Die GEZ hatte einen Vorgänger. Der saß in der Reichspost und war dafür zuständig, den Betrieb von Radios zu genehmigen und dafür eine monatliche Gebühr von 2 Reichsmark zu erheben. Weil die Wenigsten von euch wahrscheinlich aus dem Kopf wissen, wie viel das in heutiger Kaufkraft ist, habe ich es für euch nachgeschlagen: 1924 waren RM 2,- mit heutigen € 7,20 vergleichbar.

Und hier ist die Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb einer Funkempfangsanlage zum Privatgebrauch für Herrn Karl Jahn, in Werftstraße 20 (Berlin-Moabit)

gültig unter umstehenden Bedingungen, solange die Gebühr an die Postkasse entrichtet wird. Mindestdauer der Gebührenpflicht 1 Jahr. Genehmigungsgebühr von 2 6 Mark für Monat April – Juni 1924 ist bezahlt, die weiteren Gebühren zieht das Zustellpostamt ein, dem Wohnungsänderungen sofort mitzuteilen sind.

Namens der Deutschen Reichspost: Postamt Berlin NW, 7.6.24 1-2N

Die umstehenden Bedingungen lauten dann wie folgt:

I. Allgemeines

  1.  Die Anlage dient zur Aufnahme des „Unterhaltungs-Rundfunks“ und der „Nachrichten an Alle“;
  2.  unzulässig ist die Aufnahme sonstigen Funkverkehrs und die Störung von Telegraphen-, Fernsprech- und Funkanlagen.
  3.  Der Inhaber der Genehmigung ist verantwortlich für jeden, der seine Anlage benutzt, und darf die Genehmigung Dritten nicht übertragen; er hat Beauftragten der Deutschen Reichspost (DRP) das Betreten der Räume und Grundstücksteile, in denen sich die Empfangsanlage befindet, zu gestatten;
  4. Verstöße gegen diese Bedingungen können, auch soweit sie nicht nach der Verordnung zum Schutz des Funkverkehrs vom 8. März 1924 strafbar sind, die Entziehung der Genehmigung zur Folge haben.
  5.  Die Genehmigung kann widerrufen werden.

II. Antenne

  1.  Höchstlänge des verwendeten Drahtes vom Empfänger ab 100 m. (Dazu sei erwähnt, daß meine Urgroßeltern als erste einen Radioapparat in ihrer Gegend besaßen. Dessen Antenne wurde quer über den ganzen Platz gespannt. Dazu ist dieses Foto aus dem Putzi-Artikel aufschlussreich. Die Antenne reichte nämlich von unserem Haus – aus dem fotografiert wurde – bis zum weißen Eckhaus gegenüber mit dem Schild „Carl Wipplinger“. Da wurden die 100 Meter schon knapp.)
  2. Beschaffung der etwaigen Genehmigungen der Gebäudeeigentümer, Polizeiverwaltung usw. ist ausschließlich Sache des Inhabers der Genehmigung.
  3. Bei Störung vorhandener oder Behinderung des Ausbaues öffentlicher Telegraphen- oder Fernsprechanlagen ist die Antenne auf Kosten des Inhabers der Genehmigungsurkunde zu verlegen.
  4. Die Anbringung von Antennen an den Stützvorrichtungen des öffentlichen Telegraphen- und Fernsprechnetzes ohne Zustimmung der DRP ist unzulässig. Beim Bau ohne Hinzuziehung der DRP muss der Abstand von ihren Leitungen mindestens 1 m betragen.
  5. Kreuzungen zwischen Antenne und Hochspannungsleitungen sind unzulässig; bei Annäherungen muß auch bei Bruch einer Leitung eine Berührung unter allen Umständen ausgeschlossen sein; auf weniger als 10 m Horizontalabstand ist keinesfalls herabzugehen. Ferner ist es unzulässig, mit einer Antenne blanke Niederspannungsleitungen und gleichzeitig Telegraphen- und  Fernsprechleitungen zu kreuzen.

III. Empfangsanordnungen

Es dürfen verwendet werden:

  1. von der DRP zugelassenes und mit RTV gestempeltes Gerät (einschließlich Zusatzgerät und Röhren),
  2. selbsthergestellte oder fertig gekaufte ungestempelte Detektor-Empfangsanordnungen ohne Empfangs- oder Verstärker-Röhren.

Der heute zu entrichtende Beitrag beträgt laut der GEZ-Nachfolgepartei € 17,50 pro Monat, allerdings mit dem kleinen Unterschied, daß es nicht wichtig ist, ob man ein Radio besitzt oder nicht.

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Taschen-Guillotine


Da ich Nichtraucher bin, kenne ich den heutigen Artikel nur aus der Theorie.

Es handelt sich um einen Zigarrenabschneider. Aufgrund seiner Funktionsweise – man zieht die Rasierklinge heraus, steckt die Zigarrenspitze in eines der beiden Öffnungen und schneidet die Spitze durch Hereindrücken des Messers ab – wird der Zigarrencutter auch gern Taschen-Guillotine genannt.

Zigarren-Schneider

 

Ich habe natürlich die Datenbank des Deutschen Patentamtes nach dem oben angegebenen Deutschen Reichs-Patent D.R.P. 529844 durchsucht. Soll ich euch etwas sagen? Ich habe es gefunden. Es war nicht ganz einfach, da das Patent am 3.8.1938 durch das verbesserte Patent 1442252 abgelöst wurde. Als Begründung schreibt der Erfinder Ingenieur Gottfried H. Cullmann: „Der in der Patentschrift Nr.529844 beschriebene Zigarrenabschneider hat eine unzweckmäßige Verbindung von Klinge, Halter und Hülse, indem ein lösbarer Verbindungsstift zur Verwendung kommt.  Abgesehen davon, dass dieser Stift, sei es eine Verschraubung, sei er in der Art eines Druckknopfes ausgeführt, leicht verloren gehen, sich auch von selbst lösen kann und wegen der Kleinheit schlecht zu montieren ist, bleibt beim Entfernen des Stiftes die Klinge in der Hülse stecken.“

Mehr im gesamten Patentantrag, den ihr hier findet. (Quelle: depatisnet.dpma.de) DE000001442252U_all_pages

Interessant sind an diesem Gerät zwei Dinge:

  • man hat im Vergleich zu anderen Zigarrenschneidern nur eine Öffnung für die Spitze der Zigarre; sonst kann man die gesamte Zigarre durchstecken und auf die Art unnötig viel abschneiden;
  • die Löcher für die Zigarrenspitzen sind oval statt rund; die Erklärung liefert uns Herr Cullmann auf Blatt 2, zweiter Absatz: „Weiterhin liegt der vorliegenden Anmeldung eine von allen bisherigen Zigarrenabschneidern abweichende Einstecköffnung für die Zigarre zugrunde. Da die Zigarren an der abzutrennenden Spitze niemals genau rund sind und meist einen ovalen Querschnitt aufweisen, so ist die bisher gebräuchliche runde Einstecköffnung unzweckmäßig.“

Den Tabakwaren-Großhändler E.A.Riedmüller habe ich zwar nicht gefunden, allerdings hat sein Sohn Bruno das Geschäft übernommen und war laut dem Adressbuch der Stadt Erfurt von 1950 noch immer im Geschäft in der Reichartstrasse 4. seht hier.

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