Lithographische Druckerei François Appel – Rue du Delta, 12 – Paris


Daß ich seltsame Dinge sammle, dürfte jedem meiner Besucher inzwischen bekannt sein. Fragt mich nicht, wie ich als Berliner auf die Idee gekommen bin, Werke zu sammeln, die von einer speziellen Druckerei in Paris hergestellt wurden. Aber so ist es. Einige meiner Sammelstücke habe ich euch in vergangenen Beiträgen schon vorgestellt.

Heute kommt ein Brief dazu, über den ich mich sehr gefreut habe, als ich ihn endlich in der Hand hielt.

 

Er wurde von Firma Appel am 19. Februar 1869 an Monsieur Joseph Brès in Nizza geschickt. Es ist mir leider nicht gelungen, herauszufinden, wer Joseph Brés war. Bemerkenswert finde ich aber, daß es in Nizza eine rue Joseph Brès gibt. Und die wird nicht nach ihm benannt worden sein, weil er mal einen Brief aus Paris geschickt bekommen hat.

Bedauerlicherweise kann ich den Brief auch nicht lesen, sonst könnte man aus dem Inhalt vielleicht Rückschlüsse ziehen. Kann von euch jemand helfen? Ich habe hier einen Artikel über Stadtentwicklung von Nizza gefunden, den ich aber auch nicht lesen kann. Dort wird Herr Brès mehrfach erwähnt. Vielleicht war er ein Stadtplaner oder damit beschäftigter Politiker.

Das von Firma Appel benutzte Briefpapier gibt übrigens Aufschluss über das Fabrikgelände der Druckerei. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es weit verbreitet, seine Fabrik auf dem Briefkopf abzudrucken. Rauchende Schornsteine waren dabei ein Zeichen von florierendem Geschäft. François Appel hat sich etwas Besonderes einfallen lassen. Blättert man den Brief um, ist die Lithographische Anstalt auf einer ganzen A4-Seite abgedruckt.

 

Die Adresse von François Appel, Rue du Delta, 12, Paris gibt es übrigens auch heute noch. Der Eingang ist auf der Abbildung links unten zu sehen. Google StreetView hat hier zwar ein Bild, jedoch wurde gerade gebaut, als es aufgenommen wurde. Bei meinem Besuch sah es dort richtig hübsch aus. Leider war das Tor verschlossen, so daß ich außer dem Hinterhaus nicht sehen konnte, ob vom ehemaligen Fabrikgebäude noch etwas übrig ist.

Noch ein paar Informationen zu Herrn Appel. Er wurde am 18.4.1821 in Coburg geboren, war also ursprünglich Deutscher. Seine Familie zog in seiner Jugend nach Frankreich. Gestorben ist er am 9.10.1882 in Paris.

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eine Speisekarte von Champenois


Wer war Champenois und was hat er mit meiner Speisekarte zu tun?

Fernand Champenois war der Besitzer einer der größten chromolithographischen Druckereien in Paris in der Zeit um 1875 bis 1920. Seine Firma ging aus der damals bereits großen Druckerei Testu & Massin hervor. Woher ich das weiß? Ich sage nur – Sammelbildchen.

Die bekanntesten Werke der Imprimerie Champenois waren ohne Zweifel die Kunstdrucke von Alphonse Mucha. Seht sie euch mal im Online-Katalog der Französischen Nationalbibliothek an.

Ich habe euch heute eine ziemlich große, noch unbenutzte Speisekarte aus der Zeit vor 1900 rausgesucht. Und mit groß meine ich auch groß, denn mit ca. 40 x 25 cm ist es schwierig, 120 Jahre lang so gut erhalten zu bleiben.

Der alles entscheidende Hinweis auf Herrn Champenois befindet sich übrigens ganz winzig klein in der unteren linken Ecke.

 

Lithographie


Gestern gab es einen Beitrag zu chromolithographisch hergestellten Sammelbildchen. Das ist eines meiner favorisierten Sammelgebiete. Daher heute etwas Hintergrund zur Lithographie. Das Wort Lithographie leitet sich von den beiden griechischen Worten Lithos (Stein) und Graphein (schreiben) ab. Das Motiv wird spiegelverkehrt auf einen Stein aufgebracht und danach auf Papier gedruckt. Erfunden hat das Alois Senefelder. Wer in Berlin das Denkmal auf dem nach ihm benannten Platz kennt, weiß nun auch, warum sein Name spiegelverkehrt geschrieben ist. Eine wichtige Voraussetzung für den Druck waren Steinplatten mit sehr glatter Oberfläche. Die fand man in der Gegend um Solnhofen in Franken. Viele von diesen Steinen beinhalten tolle Fossilien und Dendrite, die ich euch schon früher vorgestellt habe. Dendrit Um die Oberfläche soweit zu polieren, daß sie für den Lithographiedruck verwendbar waren, wurden zwei Platten mit der Druckseite aufeinandergelegt und gegeneinander gerieben. Überstände wurden dabei abgetragen und dienten als Schleifmittel. Das Ergebnis waren solche Platten: 3 bis 12 Zentimeter dick und Formate von der Größe eines DIN A4-Blattes bis zu einem Quadratmeter. Lithographiestein   Auf diese Platten wurde das zu druckende Motiv seitenverkehrt mit Fettfarbe aufgetragen. Sollte ein Mehrfarbdruck entstehen, benötigte man eine Platte für jede Farbe. Vier, acht oder zwölf Farben waren keine Seltenheit. Beim eigentlichen Druckvorgang wurde der Stein gewässert. Das Wasser perlte von der Fettfarbe ab. Die anschließend aufgetragene Farbe bleibt somit nur am Motiv haften und wird auf das Papier gedruckt. etwas detaillierter steht es bei Wikipedia. Diese Druckplatte wurde zur Herstellung von Etiketten benutzt: Lebertran-Emulsion, Hustensaft für Kinder und ein Adress-AufkleberLithographiestein Lithographiestein     Der Beruf des Lithographen war nicht ohne. Das ursprüngliche Kunstwerk musste seitenverkehrt kopiert werden, Farben waren zu trennen und die Größe konnte bestimmt werden. Das wurde durch die Loch-Technik erreicht. Ein Stück Pergament diente zum durchzeichnen des Originals. Anschließend wurden die Konturen der Kopie mit einer Nadel durchstochen, umgedreht und auf den Stein gelegt. Aufgetragene Farbe trat durch die Nadelstiche und konnte auf dem Stein zum fertigen Motiv ausgearbeitet werden. Wollte der Künstler sein Bild in verschiedenen Größen gedruckt haben, wurde die Kopie zusätzlich in ein Stück Kautschuk gestochen. Der Kautschuk konnte in einem Spannrahmen befestigt werden und auf die gewünschte Größe gezogen werden. Lithographen waren im Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe organisiert. Einer von ihnen war Alfred Handlas, dessen Mitgliedsbuch so aussieht. Verband der Lithographen Mitgliedsbuch 1913 Lithographen Verband Mitgliedsbuch Verband der Lithographen Mitgliedsbuch 1913     Wer sich an  Beispielen anschauen möchte, wie verschiedene Varianten eines Bildes ausgesehen haben:

goldener oder farbiger Hintergrund

oder

kleinerer und größerer Motivausschnitt

das gleiche Motiv in unterschiedlicher Größe wpid-20140822_063012.jpg wpid-20140822_063022.jpg   Ich habe noch Testdrucke, die ihr hier anschauen könnt.

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