ein einzelnes Foto


In Zeiten, in denen die meisten angefertigten Fotografien Teil einer nutz-, inhalts- und wertlosen Massenware geworden sind, wollte ich euch anhand eines einzelnen Fotos meiner Oma aus dem Jahr 1915 zeigen, wie sorgfältig damals auf das Äußere, hübsche Kleidung, ordentliches Haar nebst Schleife, und das Ambiente in Form des Lieblingskuscheltieres auf einem Stuhl geachtet wurde. Wie schon früher erwähnt (siehe hier), war die Auslösezeit länger, so daß man sich nicht bewegen durfte, während das Objektiv geöffnet war. Daher auch fast immer so ernste Gesichter.

 

Heute fotografiert man lieber sein Essen bzw. fertigt Schnappschüsse an, also spontane Fotos ohne Arrangement und ohne künstlerischen Wert. Meine Theorie ist, daß man von Verwandten von früher nur wenige Fotos vorweisen kann, weil es so wenige gab, von uns später allerdings auch nicht mehr Fotos zeigen kann, weil sie sich in der Masse an Müllfotos nicht mehr wiederfinden lassen.

Badespaß und Picknickzeit


Wenn die Sonne lacht, wandert man hinaus in die Natur, setzt sich auf eine grüne Wiese am Bach, möglichst in den Schatten eines Baumes und schaut den Kindern beim planschen zu.

So geschehen im Erfurter Umland. Ungefähr im Jahr 1916 oder 1917 nutzten meine Urgroßmutter, ihre Nachbarin, unser Hausmädchen und die drei Kinder Oma, Großonkel und Eva das schöne Wetter um in den Wald zu ziehen. Ich vermute, es handelte sich um den Erfurter Steigerwald.

Die drei Damen saßen im Schatten. Bruder und Schwester bauten einen Damm und planschten.

 

 

 

 

Nachbarstochter Eva H. durfte mit ihrem lustigen Zopf natürlich mitspielen. 

 

 

Die Schleifen meiner Oma sind aber auch nicht zu verachten.

 

Stolz wird das Werk vorgezeigt.

Ich nehme an, daß auch noch ein Vater dabei war. Irgendjemand wird den Fotoapparat bedient haben.

Zeugnisheft 1917-23


Als meine Omi noch Kind war, musste sie selbstverständlich auch zur Schule gehen. Der Ernst des Lebens begann für sie Ostern 1917, mitten im Ersten Weltkrieg.

Damals dauerte ein Schulhalbjahr noch von Ostern bis Michaelis, bzw. von Michaelis bis Ostern, es war somit am kirchlichen Kalender ausgerichtet. Das war bis in die Mitte der 1930-er Jahre so. Und wieso begann das Schulhalbjahr erst Ende September? Ganz einfach: vorher musste die Ernte eingefahren werden und jedes Familienmitglied wurde gebraucht. Da gab es keine Zeit für den Besuch der Schule.

 

Interessant, was damals im Zensurenbuch alles vermerkt wurde:

  • Tochter des: Apothekers Herrn Gustav Lange (von der Mutter ist keine Rede)
  • geboren am (das gibt man auch heute noch überall an), getauft am: (das liest man heute eher selten), geimpft am: (das war eine prima Idee und ein wichtiges Detail zum Schüler).

Weiter geht es mit dem Zensuren-Teil. Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, daß meine Oma in die 10. Klasse eingeschult wurde.

 

Früher wurden die Klassenstufen rückwärts nummeriert. Man begann in der X. Klasse und arbeitete sich langsam nach oben. Die letzte Klasse Oberprima, die dreizehnte, wurde schließlich von den Primanern (Primus – der Erste) besucht. Diesen Begriff kennt man heute noch, oder?

 

 

Die ersten beiden Zeugnisse hat die Mutter Käthe unterschrieben, danach hat Papa gegengezeichnet – hier oben sogar mit seinem Beruf anstelle des Vornamens: Apotheker Lange.

Nun ja, …

 

Wenn ich mir die Zensuren so anschaue, hat sich meine Oma schon zu Beginn ihrer Schulkarriere nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert. Und in der Tat, ich habe sie auf ihre alten Tage weder singen gehört, noch turnen gesehen.

 

Und weiter ging es langsam in Richtung der 3-er Noten. Deutsch, Schreiben, Singen, Turnen, Handarbeit, Naturkunde, Geschichte: genügend. Omi, Omi!

Im 2. Halbjahr der 7b dann der Schock: Singen 4

 

Ich kann meinen Uropa, ihren Vater förmlich hören, wie er gesagt haben wird: „Na, dann singt sie eben nicht!“

Wenigstens das Betragen war „lobenswert“. Damit kommt man weit im Leben. Stille sitzen, Öhrchen spitzen, Händchen falten, Mündchen halten.

 

Nachdem sie gut die Hälfte ihrer Schulzeit geschafft hatte, endet das Zensurenbuch mit dieser Einlegeseite. Ab da ging es in der Höheren Töchter-Schule weiter, leider haben die Zeugnisse aus dieser Zeit nicht überlebt.

 

Auch, wenn sie nicht zu den Klassenbesten gehörte, sondern nur in der B-Klasse war (eine Erklärung zur damaligen Klassenaufteilung findet sich links unten auf der 2. Seite des Zensurenbuches – siehe oben), hat sie es trotzdem zu einer guten alleinerziehenden Mutter dreier Kinder geschafft, fuhr mit dem Auto in der Gegend herum (siehe hier) und war eine prima Omi.

Führerschein – 1929


Heutzutage hat beinahe jeder, der es sich leisten kann einen Führerschein. Früher war es zwar verbreitet, daß sich ein Mann, der über einigermaßen technisches Verständnis verfügte und das Geld für einen „Wagen“ hatte, einen Führerschein zulegte.

Bei Frauen sah das jedoch anders aus. Frauen fuhren nicht Auto. Zumindest nicht selbst. Anders meine Oma. Mit 19 legte sie ihre Führerscheinprüfung ab und war seitdem fleißig mit einem der Familienautos unterwegs.

 

Sah sie nicht schmuck aus? Sie war bestimmt fürchterlich stolz auf ihren eigenen Führerschein und den großen Schritt zur emanzipierten Frau (was ja leider später dann nicht wie erhofft verlaufen ist):

 

Aber ein Foto habe ich gerade für euch gefunden. Es zeigt meine Oma am Steuer des (wie ich vermute) Dixi. Eventuell könnte es auch ein alter Horch sein. Die Karosse sieht aus, wie ein Dixi, nur die Kühlerfigur verwirrt mich.

v.l.n.r.: Bruder Werner, Ernst (ihr späterer Ehemann), Waltraut (die kleine Schwester), Apotheker Gustav Lange (Vater), Käthe Lange (geb. Hanel, Mutter), Elfriede (meine Oma), ein Freund oder vielleicht Bruder von Ernst

 

Ein interessantes Detail könnt ihr noch im Führerschein entdecken. Durchgestrichen wurde neben der Erlaubnis zum Führen eines Kraftrades auch der Motorentyp „Elektromotoren“. Es scheint also damals tatsächlich schon Kraftwagen oder Krafträder mit Elektromotoren gegeben zu haben.

 

Masken und Photos


Was man heute mit jedem Smartphone durch einige Fingerschmierstriche erreichen kann, war früher mit ziemlichem Aufwand verbunden.

Könnt ihr euch noch an mein Omi-Bild aus dem Artikel „Grüße von der einjährigen Omi – 1911“ erinnern?

Um dieses Foto so schön oval zurechtzuschneiden bedurfte es einer Vignette oder Maske. Die sahen so aus und erfüllten alle Wünsche nach kleinen und großen, runden, ovalen oder eckigen Bildern:

Eine Vielzahl stand zur Verfügung:

Sie wurden z.B. aus Zelluloid hergestellt:

oder aus dieser roten Folie (die vielleicht auch eine Art Zelluloid ist)

Eine weniger haltbare Variante waren Papiermasken aus einem Abreiß-Heftchen

Ein sich mir noch nicht ganz erschlossenes Exemplar gibt es hier. Ich vermute, es diente dazu, auch die schönen Jugendstil-Ornamente auf’s Fotopapier zu bringen. Wie genau das allerdings durch das Pergament-Papier funktioniert haben soll, weiß ich nicht.

zugeklappt

geöffnet

Noch verzwickter und für mich rätselhafter ist diese Kopierrahmenscheibe mit verstellbaren Randmasken

Wie immer bin ich für Tipps und Details dankbar.

Wer sich übrigens schon immer gefragt hat, wie man Fotografien mit nach außen blasser werdenden Rändern angefertigt hat, dem kann ich weiterhelfen. Auch hier wurde eine Maske verwendet, die allerdings etwas kleiner als das gewünschte Foto sein musste. Während der Belichtungszeit des Fotopapiers (also die Zeit, in der das negative Foto vom Film auf das spätere Foto belichtet wurde) bewegte man eine Maske kreisend über das Fotopapier. Das Zentrum des Motivs wurde somit ständig belichtet, während die Ränder länger von der Maske verdeckt wurden, je weiter nach außen, desto weniger Belichtung. Das Ergebnis hier zum Vergleich (das sind übrigens meine Oma und mein Opa):

feste Maske

bewegte Maske

Grüße von der einjährigen Omi – 1911


Neulich habe ich euch ein feines, kleines Buch vorgestellt, in das meine Urgroßeltern die Höhepunkte des ersten Lebensjahres meiner Oma eingetragen haben. Wer es verpasst hat, klickt hier.

Aus dem selben Jahr, 1911, stammt die heutige Postkarte, die die stolzen Eltern (meine Urgroßeltern) den Eltern der Mutter (meinen Ururgroßeltern) geschickt haben.

Die Vorderseite ziert ein Bild meiner Oma, aufgenommen zu einer Zeit, als niemand daran dachte, daß sie einmal meine Oma werden würde.

 

 

Den Text auf der Rückseite der am 23. Mai 1911 abgestempelten Karte habe ich euch im Folgenden etwas leserlich abgeschrieben.

Herrn A. Hanel, Oldenburg i.Gr., Ofenerstraße

Erfurt d. 23./5. 11

Meine lieben Eltern! Hoffend, daß Ihr wohlauf seid, senden wir alle Euch recht herzliche Grüße. Uns geht es sehr gut. Anbei die neuste Aufnahme von unserem kleinen Liebling. – Bei Euch ist es jetzt gewiß herrlich. Ich freue mich schon, wenn ich komme. Na, vorher sehen wir uns sicher noch hier. Wann gedenkst Du, lieber Papa ins Bad zu reisen? Wir haben heute unserer Kuni (das war die Haushälterin Kunigunde) Urlaub gegeben. Morgen reist sie ab auf 8 Tage, und darüber ist sie rein aus dem Häuschen. Geht’s Tante …… besser? Hoffentlich laßt Ihr bald mal von Euch hören. Grüßt alle, die wir kennen. Für Euch Lieben nochmals herzlichste Grüße v. Papa, Mama u. Elfriede.

Und ab ging die Post ins Großherzogtum für 5 Pfennige auf der Postkarte mit der neusten Aufnahme.

Trautes Heim – kein Glück allein


Ich habe ein paar Fotos gefunden.

Vor einigen Monaten habe ich euch über die Geschichte meiner Oma und ihrer ausgebombten Wohnung erzählt. Dieser Artikel hat viel Resonanz erzeugt. Ebenso die Geschichte zum Schicksal meines Opas.

Daher bin ich besonders stolz, daß ich diese wenigen Fotos der Wohnung gefunden habe, in der meine Oma zur dreifachen (eigentlich sogar vierfachen) Mutter und einfachen Witwe wurde und die ihr letztendlich über dem Kopf weggebombt wurde.

Meine Oma und mein Opa sitzen frisch verheiratet in der ersten (und einzigen) gemeinsamen Wohnung. Er in zivil, eine Zigarette drehend, sie in ein Buch vertieft.

Weitere Fotos mit dem Esstisch, vier Stühlen, einem Buffet mit der typischen 1930-er-Jahre Uhr und daneben eine Blumen-Etagere.

Unten links die Küche mit Herd, Waschtisch, Küchenwaage, Brotschneidemaschine und einer Küchenuhr, die mir in der Vergangenheit schon mehrfach begegnet ist.

Schließlich unten rechts, der Ort an dem indirekt auch meine Geschichte begann – das Schlafzimmer mit Ehebett, Kommode und Dreifach-Spiegel.

Einfach eingerichtet aber zweckmäßig. Wieviele Zimmer es in der Wohnung insgesamt gab, weiß ich nicht. Da aber zumindest für kurze Zeit drei Kinder und eine Mutter dort gewohnt haben, sollten es mindestens zwei gewesen sein.

Da meine 1937 geborene Tante bei der Wohnungseinrichtung noch nicht berücksichtigt gewesen zu sein scheint, datiere ich die Fotos einfach mal auf 1935/36.

Als meine Oma noch Unser Kind war


Meine Omi war nicht immer alt. Je älter die Fotos von ihr sind, desto jünger ist sie darauf. Kurios! Begonnen hat es mit ihr, ähnlich wie bei vielen meiner Leser, mit der Geburt. Und damals wie heute hatten die Eltern nichts besseres zu tun, als sich ein Buch zu kaufen, in dem sie das erste Lebensjahr des neuen Erdenbürgers auf’s genaueste dokumentieren. … wollten.

Bessere Ausgabe – in der Euphorie des Zum-ersten-Mal-Vater-werdens wahrscheinlich von ebendiesem die überteuerte Ausgabe erworben

Denn damals wie heute hat man nach der Geburt festgestellt, daß man eigentlich viel wichtigere Dinge zu tun hat, als ein Buch vollzuschreiben. Darum wurde auch nie eine „Photographie des Kindes“ in den ausgesparten Raum eingefügt.

sehr schönes Jugendstil-Ornament

„Unser Kind“ hieß – ihr werdet erraten haben, daß sie nicht immer „Omi“ hieß – Elfriede.   Und so sah sie aus:

auf diesem Foto ist sie schon fast ein Jahr alt

Wer sich nun wundert: „die Eltern kennst du doch“. Genau, die beiden Eltern haben sich hier verlobt.   Die ersten Lebensdaten Geboren am 3. Oktober 1910 um 23 Uhr und mit 3000 Gramm und 50 Zentimeter eher mickrig. Aber schon nach vier Monaten hatte sie ihr Lebendgewicht verdoppelt und mit einem Jahr war sie schon bei ca. 9kg.   Der Vorläufer des Selfie – Ende April 1911, ein gutes halbes Jahr alt.     Highlights aus dem Leben einer Oma:

Titelzeile: Das Lied, das an der Wiege klingt, klingt durch das ganze Leben.

  • Das erste Lächeln: 4. November 1910
  • Die erste Ausfahrt: 19. Oktober 1910
  • Aus dem Tragebettchen (Steckkissen) – Wikipedia sagt: Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Deutschland das Steckkissen verwendet, eine Art wattierter Leinenschlafsack. Das Baby wurde „hineingesteckt“, der Körper einschließlich der Arme fest gewickelt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dabei schließlich die Arme frei gelassen.
  • Das erste Kleidchen und die ersten Schuhe: Anfang Juni & 5. September 1910
  • Unser Kindchen kann allein sitzen: 10. April 1911

Respekt, liebe Omi!   Es gibt noch dieses herzallerliebste Foto:

4. Oktober – 17 Stunden alt, die erste selbst gekratzte Schramme!

Titelzeile: Mögen Dich Musen geleiten und flechten Dir Kränze ins Haar.

Hurra, unser Kindchen ist heute sechs Monate alt!

Das erste abgeschnittene Haar ist leider abhanden gekommen oder war nie da. Dafür gibt es die Eintragung: Die erste Reise: Am 14. Juli 1911 nach Oldenburg (denn da kam die mütterliche Linie her).

Titelzeile: Zur Wiege – nicht zum Grabe, wo alles schon erreicht – gehört des Wunsches Gabe: Die Erde sei Dir leicht! (Das hat ja nicht so richtig hingehauen: erstes Kind gleich gestorben, zweiter Sohn mit 20 gefolgt, Vater der drei kleinen Kinder im Krieg geblieben, ausgebombt – aber davon war hier – 26 Jahre zuvor natürlich noch nicht die Rede)

  • Das erste Zähnchen (und seine Genossen): 25. April, 20. Juni, 6. Juli, 2. August, 28. September (die genauen Positionen hat sich meine Uroma auf dem beiliegenden Kassenzettel der Posamenten-, Spitzen-, seidene Stoffe- und Strumpfwaren-Handlung Hans Koch im Erfurter Hirschgarten notiert, nachdem sie am 11. Juli 1911 0,8m Band gekauft hatte)
  • Wechsel in der Ernährung: Anfang Januar 1911
  • 1. Kindeslallen: Mitte Januar
  • Kriech- und Stehversuche: 29. August
  • Der erste Schritt im Gängelbande: 6. Oktober

Der erste Geburtstag war ein großer Erfolg. Unter dem Motto: „Nun laßt uns froh den schönen Tag begehen, der uns den teuren Liebling gab!“ kamen

  • Frau Liebe,
  • Frau Geyer,
  • Frau Henning,
  • Fräulein Kieser,
  • Else, Lotte und Margaete Henning und
  • Sigrid Geyer

Und da ist sie nochmal – die kleine Elfriede (Stand: 20. September 1911):     Zum Buch erhielt man noch die Broschüre „Die Pflege des Säuglings. Der Mutter gewidmet“ (Bearbeitet von einem Kinderarzt)

Preis 70 Pfg

Kaiser’s Kindermehl

Vollkommen leichtverdauliches und lösliches Nährmittel für gesunde, kranke und schwächliche Kinder.

Bestgeeignetes Ersatzmittel der Muttermilch.

1/4 Ko. Dose 65 Pfg. – 1/2 Ko. Dose Mk 1.25

Kaiser’s Kindermehl

bewährt sich, wie durch viele Ärzte nachgewiesen ist, ganz hervorragend zur Beseitigung von Darmkatarrh, Erbrechen und Diarrhoe der Kinder.

Kaiser’s Kindermehl

gibt Kraft und Knochen.

und wird ein Versuch jeder Mutter stets lohnend bleiben.

Käuflich in den meisten Apotheken, Drogerien und besseren Kolonialwarenhandlungen, wo nicht zu haben wende man sich direkt an die Fabrik medizin-diät. Präparate,

Fr. Kaiser, Waiblingen-Stuttgart.

Fabriken in: Bregenz, Oesterreich und St. Margarethen, Schweiz

Zu guter letzt noch die in der Rückenklappe eingesteckte „Gewichtscurve für Säuglinge“, allerdings unbeschrieben. Aber das Gewicht haben wir ja schon weiter oben gesehen.

Bei genauer Betrachtung haben sich meine Urgroßeltern doch redliche Mühe gegeben, das Büchlein mit Informationen zu füllen. Daß ihre Notizen einmal nach über 100 Jahren im Internet veröffentlicht werden würden, haben sie sich damals wohl nicht träumen lassen. Selbst die Jüngste der hier abgebildeten ist 1996 gestorben. Aber mit diesem Artikel habe ich sie unsterblich gemacht – meine Omi.

Grüße von der Ostsee – 1929


1929 – mit 18 Jahren – weilte meine Oma mit ihren Eltern und Schwester „Mausi“ in Kühlungsborn an der Ostsee. Sommer, Sonne, Strandkörbe und Sand. Damals wie heute die Bausteine eines erholsamen Urlaubs.

Eine Karte an ihren jüngeren Bruder Werner ist erhalten geblieben. Die gibt es heute für euch zum lesen.

Kühlungsborn

Kühlungsborn

Kühlungsborn

Kühlungsborn

Mein lieber Werner!

Endlich denkt Deine treulose Schwester mal an Dich. Es ist aber auch zu schade, daß Du nicht mit hier bist. Es ist herrlich hier. Wie sind denn die Autofahrten? Fährst Du immer mit? Wie war’s denn in F'(riedrich)roda? Mausi u. ich sind schon tüchtig braun. Mausi schwimmt seit heute mit dem großen Ball. Bisher ging sie immer nur bis zum Gürtel rein. Das Wasser ist herrlich. So warm, bloß sind so selten mal Wellen. So wie auf der Karte ist’s meistens. Jetzt ist leider kein Platz mehr. Also Schluß! Viele herzliche Grüße, Deine Elfriede!

Briefe von der Front


Feldpostbriefe waren im Krieg oftmals der einzige Kontakt zwischen dem Ehemann und Vater an der Front und der daheim gebliebenen Familie. Das System der Feldpost war überraschend kompliziert, da man bedenken muß, daß der Soldat keine genaue Absenderangabe auf den Brief schreiben durfte. Abgefangene Post hätte dem Feind sonst zu leicht Hinweise geben können, welche Truppen sich wo befinden. Dadurch konnte die Ehefrau oder Mutter dem Soldaten die Antwort nur an eine Feldpostnummer senden ohne zu wissen, wo genau der Liebste sich befand. Die Vordrucke für Feldpostbriefe und -Karten sahen so aus Feldpostbrief Feldpostkarte   Ein Paketzettel für den Versand an die Front: Feldpost Paketaufkleber   Ein einseitiger Feldpostbrief Feldpostbrief   Und ein Paketzettel von der Front nach hause sowie noch eine Postkarte Feldpostkarte und Feldpost Paketaufkleber   Mein Opa hat diese beiden Briefe an seine Tochter – meine Tante – geschickt: Feldpostbrief Opa Monika 1939

im Felde am 28.X.39

Meine liebe, kleine Monika!

Nun hast Du Deinen zweiten Geburtstag und der Papi ist nicht da, ja da kann man nichts machen, der böse Engländer hat es eben nicht gewollt. Die Mutti wird Dir, mein kleiner Liebling, einen herzhaften Kuss von Deinem Papi geben und Dir recht herzlich gratulieren! Denk an diesem Tag ein bisschen an Deinen Papi, der hier irgendwo an der Grenze umher ……. bei dem Sauwetter und ständig in Gedanken bei Euch beiden Lieben ist. Also viel Freude an diesem Tag und sei auch weiterhin so brav und lieb. Dein Papi im Westen!

Feldpostbrief Opa Monika 1939   Feldpostbrief Opa Monika 1939

 Für Monika – Erfurt – bei ihrer Mutti

Sylvester 1939/40

Meine liebe kleine Monika! Heute schreibt Dir mal Dein Vati und schickt Dir eine Tafel Schokolade und ein Päckchen Keks, wenn Deine Finger schön vollgeschmiert sind, wirst Du an Deinen Vati denken, der nun inzwischen auch ein großer Soldat ist. Ich schicke Dir noch zwei herzliche Grüße mit, einen für Dich und einen für unsere liebe Mutti. Alles Gute, Dein Vati!

Abs. Dein Vati – Westwall

Feldpostbrief Opa Monika 1939   Wie bereits hier erwähnt, wurde er später an die Ostfront versetzt und ist dort bedauerlicherweise auch geblieben. Vorher war er allerdings noch mindestens zweimal zu Hause und hat dafür gesorgt, daß meine Tante noch einen Bruder und eine Schwester bekam. Letztere – meine Mutter – hat er leider nie kennenlernen dürfen.

wen interessiert's?

  • 117,782 Klicks (bis jetzt)

Menü

Member of The Internet Defense League

aus dem Archiv

Blick in die Parallelwelt: Moppis Reise-Blog

Wanderung durch das Bjørndal und auf den Vogelfelsen

Heute, am 26.7. ging es zur (Geburtstags-)Feier des Tages auf eine Wanderung ins Gebiet außerhalb der befriedeten Zone. Ab hier darf man nur mit ortskundiger Person und Waffe unterwegs sein. Auf Spitzbergen gibt es 2500 Einwohner und 3500 Eisbären. Unsere beiden Führer Doreen, die ursprünglich aus Stralsund kommt und Rønar, ein Einheimischer, waren uns eine […]

Husky Tour – 25. Juli 2015

Heute stand eine Husky-Tour auf dem Plan. Zuerst einmal machen wir uns mit den Hunden bekannt. Hillfrid, die leider nicht mitlaufen durfte. Ike, neben dem man sich wie Rotkäppchen fühlt. Keino, mit 15 Jahren der älteste Hund im Hof, der aber noch immer ein guter Zughund ist, was ihm sein Dasein sichert, da es hier […]

Svalbard – Spitzbergen – Longyearbyen

Die ersten Fotos vom Urlaub oberhalb des Polarkreises. Die Temperaturen liegen kurz oberhalb des Gefrierpunktes. Manchmal nieselt es ein wenig, aber im Großen und Ganzen ist es sehr angenehm.

Pashupatinath – Verbrennung der Toten

Ungefähr eine Stunde braucht der Spaziergänger, um vom Stadtzentrum Kathmandus nach Pashupatinath zu gelangen. Hat man erstmal die richtige Straße gefunden, geht es irgendwie immer geradeaus. Vorbei an durchaus lustigen Schildern an einem Haus, von dem ich leider vergessen habe, wofür es dort steht,   einem hübschen, kleinen Wasserbecken. Manche Ecken sind nicht ganz so schön und […]

%d Bloggern gefällt das: