Arbeiterrückfahrkarte


Um zu wissen, was eine Arbeiterrückfahrkarte ist, müsst ihr entweder im Dritten Reich oder in der DDR gelebt haben.

In Zeiten, da der Individualverkehr noch nicht so ausgeprägt war wie heute, also nicht nahezu jede Familie ein eigenes Auto besaß, gab es trotzdem viele Menschen, die in erheblicher Entfernung zu ihrem Wohnort arbeiteten.

In der DDR war es weit verbreitet, während der Woche „auf Montage“ in die Städte – hier hauptsächlich Berlin, die Hauptstadt der DDR – zu reisen, dort zur Untermiete oder in Monteurs-Unterkünften zu wohnen und am Freitag oder Sonnabend wieder nach hause zu fahren. So spartanisch die Unterkünfte waren, man verdiente gutes Geld, dem Alkohol wurde zugesprochen und man befand sich nähre an der Quelle der Versorgung mit Waren, die in DDR-Kleinstädten und auf dem Lande nur schwer zu bekommen waren.

Damit der sauer verdiente Lohn nicht der Deutschen Reichsbahn in den Rachen geworfen wurde, gab es die stark subventionierten Arbeiterrückfahrkarten, also Fahrkarten, mit denen der Arbeiter zurück nach Hause fahren konnte. Der Fahrpreis war hiermit um 50-75% ermäßigt, die Fahrkarte war allerdings personen- und streckengebunden.

 

Auf der Rückseite ist der Entwertungsstempel zu sehen:

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nur 20 Pfennig – und trotzdem beschissen – öffentliche Verkehrsmittel in der DDR


Manchmal wundert es wirklich nicht, daß die DDR den Bach runter gegangen ist.

Da hat eine Fahrt in der S-Bahn, U-Bahn, Bus oder Straßenbahn nur 0,20 Mark gekostet und trotzdem hat man noch versucht zu schummeln.

BVB Fahrkarte

Bis zum Ende der 1970er-Jahre gab es auf allen Bahnhöfen der S-Bahn sogenannte Fahrscheinlocher. Mittels eines Hebels wurde von einer Stanze das Kürzel des Abfahrtsbahnhofes in die Fahrkarte gelocht. Also z.B. ein „Ok“ für Ostkreuz. Hatte man eine tägliche Arbeitsroute galt es, morgens bei Abfahrt einmal eine Fahrkarte zu lochen und diese dann ganz ordentlich aufzubewahren. Nachmittags auf dem Heimweg war eine zweite Fahrkarte nötig. Am nächsten Morgen hingegen konnte man die gestrige Fahrkarte noch einmal benutzen, da man ja in eine neue Fahrkarte wieder dasselbe Kürzel eingelocht hätte. Somit konnte man bei guter Pflege mit einem Set von ca. 6 Fahrkarten alle gängigen S-Bahn-Strecken für lange Zeit preiswert befahren.

Es gab einiges zu beachten. Damals war auf jedem Bahnsteig ein Schaffner stationiert und die Locher waren in der Nähe der Schaffnerhäuschen. Da die Schaffner ein Auge auf die Reisenden hatten, wurde natürlich beobachtet, ob auch jeder brav seinen Fahrschein lochte. Der gewitzte Reisende hatte zu diesem Zwecke ein etwa fahrkartengroßes Stück Papier/Pappe dabei, das ersatzweise gelocht wurde. Die eigentliche Fahrkarte hatte man daneben in der Hand.

Alles fand ein Ende mit der Einführung der Stanzlocher, die – auf der linken Fahrkarte sichtbar – ein Lochmuster in die Karte stanzten. Das galt es zu entziffern um zu mogeln. Ist mir nie gelungen, aber: Mit ein wenig Spucke und einem Fingernagel konnte man die Löcher wieder in die Karte einmassieren, so daß sie wie unbenutzt aussah. Auf die Weise konnte man eine Karte zumindest 4 oder 5 mal benutzen.

Der alte Trick mit der Fahrkartenwiederverwertung funktionierte dann wieder, als die Stempeldrucker aufkamen (siehe die rechte Fahrkarte). Hier galt es, benutzte Fahrkarten mit aktuellen Nummern zu vergleichen (Teststempel auf das mitgebrachte Papierstück). Das war schon etwas schwieriger.


BVB Fahrkarte

 

Bevor die Fahrkarten aus billigerem Papier waren, kamen sie übrigens in dicker Pappe. Das Format war dasselbe wie bei Eisenbahn-FahrkartenFahrkarte Berlin DDR

In anderen Städten war der Preis für eine Fahrt übrigens noch niedriger. Hier ein Beispiel aus Erfurt: 5 Fahrten für 0,60 M – 12 Pfennig pro Fahrt.

 

 – tja, dieses Bild hat WordPress zerschreddert, bei Gelegenheit lade ich es wieder hoch –

Es gab in den alten Straßenbahnen übrigens noch ein tolles Gerät. Oben warf man sein Fahrgeld rein, rechts musste der Hebel betätigt werden und vorn kam der Fahrschein raus. Seht mal hier. Zahlbox hieß es und öffnete dem Schwarzfahrer Tür und Tor. Anstelle einer Münze konnte man irgendetwas oben einwerfen, was klapperte. Wem selbst das zu viel war, der trat mit dem Knie gegen die Box, was ein Geräusch erzeugte als hätte man eine Münze eingeworfen. Zum Schluß kurbelte man den Fahrschein raus.

All dies habe ich natürlich nie selbst getan sondern immer nur bei anderen beobachtet und sofort gemeldet! Ehrlich!

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