Vor 100 Jahren war Krieg


Heute wird ein Feldpostbrief, den ich euch vor einiger Zeit vorgestellt habe, 100 Jahre alt.

Da es im Moment einige Mitbürger gibt, die in diesem Land Angst um ihren kleinen Reichtum verspüren und Sätze wie: „Unter’m Kaiser und Adolf hätte es sowas nicht gegeben.“ laut und inbrünstig anstimmen, finde ich, die Zeit, diesen Brief noch einmal zu erwähnen, ist gekommen.

Hier findet ihr den Artikel. Lest euch den Brief durch. So erging es dem kleinen Mann, der von den Medien aufgeputscht wurde, den Erbfeind, den Russen, Engländer oder Franzosen zu bekämpfen. Der Russe, der Engländer, der Franzose – immer brav im Singular bezeichnet, damit waren die Unmengen Männer der unteren Schichten aus aller Herren Länder gemeint, die über nicht ausreichende Bildung verfügten, sich eine objektive Meinung zu bilden, oder Gebildete die schlichtweg fanatisiert waren.

Dazu habe ich im Bundesarchiv dieses Foto Berliner Studenten am Tag der Verkündung der Mobilmachung gefunden:

 

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Feldpost – 4. März 1917


Sie haben Post! Familien in der Heimat haben zu Kriegszeiten nichts sehnlicher erwartet, als die Rückkehr ihrer geliebten Ehemänner, Väter und Söhne. Ein kleiner Lichtblick bis zum ersehnten Wiedersehen waren Briefe der Lieben. Vor einiger Zeit habe ich mir bei meinem Buchhändler in der Nebenstraße dieses schöne Buch gekauft: Eine tolle Sammlung des Briefwechsels einer Familie in der Zeit zweier Weltkriege. Weil Feldpostbriefe meistens einen ungeschönten Blick auf das Geschehen abseits der Ereignisse schildern, die später in Geschichtsbüchern stehen, interessieren sie mich natürlich um so mehr. Heute möchte ich euch an der Lektüre eines Briefes teilhaben lassen.   Er wurde von  F. M. Ley geschrieben, der zu dieser Zeit, dem 4. März 1917, in einem Pferde-Lazarett Dienst tat. Adressiert an Joseph Maierhofer – Ökonom in Bergham, Post Aidenbach (?)b. Virlshofen (?) Niedbay (Niederbayern) – (ein Aldersbach bei Vilshofen habe ich gefunden. Ob das gemeint war?)   Herr Ley schreibt in einem sehr ländlichen Deutsch. Lest selbst:

Lordethin (?) in Rum., den 4. März 1917

Lieber Bruder!

Ich habe deinen Brief gestern erhalten besten Dank davier. Habe zum grosen bedauern gelesen, das der alte Obermeier von Parschaling Gestorben ist. Das der Felermeier Franz und der Pökl Alois von Lokenbach gefalen sind, had mir die Schwester Line schon Geschrieben. Wie viele Menschen Leben wird dieser Krieg noch kosten, bis da einmal ein Ende komd. Das glaubt niemand was das vier ein Schwindel ist, die Hern Ofiesiere Fressen und Saufen was ihr Herz verlangt, der Arme Teufel kan Hunger leiden und den

Kopf hinhalten. Da mag ich mich nicht länger aufhalten darüber sonst müsste ich mich zu Tode Ärgern. Der Konflingt mit Amerrika wird nicht viel ausmachen, den der had zuvor …. Frankreich und England imer Munition geliefert, und jezt mit dem Upots-Krieg (U-Boots-Krieg!) tud er sich auch nicht mer leicht auf den Wasser. Vieleicht bringd doch das heurige Jahr den schon lang ersenden Frieden. Wie ist bei euch die Wirterung? bei uns

hier in Rumä. had sich der März schon gud angefangen den da schneid es die ersten drei Tage unaufhörlich, wir haben jetzt noch einen 3 Fuß hohen Schnee und ist auch noch sehr kald. Wein u. Schnaps gibt es hier sehr viel. Bier haben wir hier in Rumä. noch gar keines gesehen von trinken gar keine Rede. Mir gehd es sonst imer noch gud auch bin ich Gesund was ich auch von euch hofe. Ich schliese mein schreiben u. Grüßt dich u. Hausmutter Bruder Franz. Gruß an die Mari u. Hauspersonal.

Adrs. F.M.Ley Pferd.Lazt N.27 Deutsch. Feldpost 792.

Das war das Lebenszeichen. Ob der gute Bruder Franz aus dem Krieg zurückgekehrt ist, weiß ich nicht. Daß er im Deutschunterricht keine große Leuchte war, bleibt zu vermuten. Interessant für mich ist, daß er in seinem Brief aus Rumänien unzensiert schreiben durfte, wie die Stimmung in der Truppe war und offen über die Offiziere schimpft. Das war meines Wissens nicht erlaubt und die betreffenden Stellen wurden entweder ausgeschnitten, übermalt oder der Brief komplett zurückgehalten. Im Jahr 1917, dem vierten Kriegsjahr war vielleicht aber die Moral in der Truppe schon so weit heruntergezogen worden, daß selbst die Zensur keine Lust mehr hatte.

Weitere Artikel zum Thema Feldpost gibt es hier.

Insel-Bücher


Heute gibt es nur einen kleinen Artikel über einen Trödelmarkt-Fund. Sicher kennt jeder die Reihe der Insel-Bücher. Kleine Bücher mit überschaubarer Dicke von nicht mehr als 100 Seiten aber stets in schön gestaltete, oft zum Inhalt passende Pappdeckel eingebunden. Da ich selbst gar keine Insel-Bücher habe, hat mir freundlicherweise meine Nachbarin eins geborgt. Das sieht so aus:

 

 

Der überraschende Fund auf dem Trödelmarkt waren Feldpostausgaben der Insel-Bücher. Wikipedia weiß zu berichten, daß diese gewichtsreduzierte Ausgabe den Versand an die Front erleichtern sollte. Der Einband aus Papier im Gegensatz zum heimischen Pappdeckel ließ sich zudem im Marschgepäck verstauen, ohne daß der Einband geknickt und gebrochen ist.

Wertvoll sind die Bücher nicht – so wie in der gesamten Insel-Bücherei nur sehr wenige Bücher von materiellem Wert sind – aber interessant fand ich dieses Wissen schon.

1942, 1943, 1944

Briefe von der Front


Feldpostbriefe waren im Krieg oftmals der einzige Kontakt zwischen dem Ehemann und Vater an der Front und der daheim gebliebenen Familie. Das System der Feldpost war überraschend kompliziert, da man bedenken muß, daß der Soldat keine genaue Absenderangabe auf den Brief schreiben durfte. Abgefangene Post hätte dem Feind sonst zu leicht Hinweise geben können, welche Truppen sich wo befinden. Dadurch konnte die Ehefrau oder Mutter dem Soldaten die Antwort nur an eine Feldpostnummer senden ohne zu wissen, wo genau der Liebste sich befand. Die Vordrucke für Feldpostbriefe und -Karten sahen so aus Feldpostbrief Feldpostkarte   Ein Paketzettel für den Versand an die Front: Feldpost Paketaufkleber   Ein einseitiger Feldpostbrief Feldpostbrief   Und ein Paketzettel von der Front nach hause sowie noch eine Postkarte Feldpostkarte und Feldpost Paketaufkleber   Mein Opa hat diese beiden Briefe an seine Tochter – meine Tante – geschickt: Feldpostbrief Opa Monika 1939

im Felde am 28.X.39

Meine liebe, kleine Monika!

Nun hast Du Deinen zweiten Geburtstag und der Papi ist nicht da, ja da kann man nichts machen, der böse Engländer hat es eben nicht gewollt. Die Mutti wird Dir, mein kleiner Liebling, einen herzhaften Kuss von Deinem Papi geben und Dir recht herzlich gratulieren! Denk an diesem Tag ein bisschen an Deinen Papi, der hier irgendwo an der Grenze umher ……. bei dem Sauwetter und ständig in Gedanken bei Euch beiden Lieben ist. Also viel Freude an diesem Tag und sei auch weiterhin so brav und lieb. Dein Papi im Westen!

Feldpostbrief Opa Monika 1939   Feldpostbrief Opa Monika 1939

 Für Monika – Erfurt – bei ihrer Mutti

Sylvester 1939/40

Meine liebe kleine Monika! Heute schreibt Dir mal Dein Vati und schickt Dir eine Tafel Schokolade und ein Päckchen Keks, wenn Deine Finger schön vollgeschmiert sind, wirst Du an Deinen Vati denken, der nun inzwischen auch ein großer Soldat ist. Ich schicke Dir noch zwei herzliche Grüße mit, einen für Dich und einen für unsere liebe Mutti. Alles Gute, Dein Vati!

Abs. Dein Vati – Westwall

Feldpostbrief Opa Monika 1939   Wie bereits hier erwähnt, wurde er später an die Ostfront versetzt und ist dort bedauerlicherweise auch geblieben. Vorher war er allerdings noch mindestens zweimal zu Hause und hat dafür gesorgt, daß meine Tante noch einen Bruder und eine Schwester bekam. Letztere – meine Mutter – hat er leider nie kennenlernen dürfen.

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